DIY Ausrüstung für Selbermacher, Teil 9 - Ein selbstgemachtes Teleskop from Scratch

  • Im Frühjahr dieses Jahres (2023) neigte sich die Reise mit dem Tchibo Torpedo seinem Ende zu . Zum gleichen Zeitpunkt hat der Nachbarjunge meines Schwiegervaters begonnen, sich für Astronomie zu interessieren. Zur Orientierung, ob dieses Hobby auch langfristig seine Begeisterung finden kann, habe ich ihm meine Tchibo Ausrüstung überlassen.


    In der Folgezeit habe ich dann mit einem Walimex F8 Objektiv (60/500) in den Nachthimmel geschaut und mich damit an Deepsky versucht, bis ich im Keller über ein Kanalrohr gestolpert bin, dass dort schon seit Jahren immer im Weg rumgelegen ist. Wofür ich dieses Kanalrohr einmal gekauft habe weiß ich nicht mehr, auf jeden Fall nicht für einen Teleskopbau.


    Nachdem sich auch noch ein Hauptspiegel und andere Teile in meinem Fundus angesammelt haben, waren genügend Teile vorhanden um ein neues Teleskop ganz nach meinen eigenen Vorstellungen zu bauen. Außerdem konnte ich erste Erfahrungen im Teleskopbau gewinnen und erste Schritte zum Bau meines Wunschteleskop vollziehen. Nachdem dieses Teleskop aus einem Kanalrohr und Tchibo Teleskop Komponenten zusammengebaut wurde, nenne ich es Kanatschi 2000 Super Dupa :winking_face: :grinning_face: und habe auch meinen Nick entsprechend angepasst.


  • Der Tubus


    Der Originaltubus hat einen Durchmesser von 11 mm und das Kanalrohr von 10 mm, damit stellt das Kanalrohr eine gute Basis für den Tubus dar. Die Positionen für Sucherfernrohr, Fangspiegelspinne und OAZ habe ich am Original Bresser Venus vermessen und auf das Kanalrohr übertragen. Nachdem meine neue Hauptspiegelzelle höher baut als die Original Spiegelzelle, konnte ich hier nicht die Original Masse des Bresser Venus übertragen und habe die Höhe experimentell bestimmt. Deswegen habe ich den Tubus vorsichtshalber erst dann gekürzt, als die Position der HSZ ungefähr ermittelt war.


    Zum Lackieren habe ich mir für 5 Euro einen speziellen Kunststofflack besorgt. Damit der Lack dauerhaft auf der Oberfläche haftet, muss das Kanalrohr mit einem Schleifpapier zunächst angeschliffen und dann entfettet werden. Innen habe ich den Tubus nicht lackiert, dafür aber komplett mit Velour ausgekleidet.


  • Die Hauptspiegelzelle


    Im Hinblick auf meine Erfahrungen beim Justieren von Newton Teleskopen und dem Kampf mit den Zug- und Druckschrauben zur HS Justage wollte ich ein Design das diese Arbeit mit nur einer Schraube ermöglicht. Gleichzeitig wollte ich auch das sog. Tubusseeing aufgrund von Luftbewegungen im Tubus soweit wie möglich reduzieren. Deswegen habe ich der HSZ drei großzügig dimensonierte Bohrungen spendiert.


    Um Beugungserscheinungen und Artefakten zu vermeiden, verwende ich zur Befestigung des HS anstelle der Halteklammern wie immer einen Blendring aus Epoxid Material. Eine weitere Anforderung war das problemlose Anheben oder Senken des Hauptspiegels, um mit der Fokuslage ein wenig experimentieren zu können, damit ich verschiedene Kameras verwenden kann. Dies ist nun mit der Mittelschraube möglich, die gleichzeitig das ganze auch ein wenig zentrierrt.


    Der Hauptspiegel lagert auf drei 5 mm dicken Korkpads und wird nur durch den Blendring gehalten.


  • Die Fangspinne

    Immer wenn ich Aufnahmen von M45, den Plejaden mit 4 Spikes gesehen habe, kam der Wunsch nach einer 4 armige Fangspiegel Spinne auf. Nachdem ich aber bisher für das Tchibo Torpedo einen Fangspiegel mit 20 mm Durchmesser verwendet habe, war auf dem FS-Körper nicht genügend Platz für eine 4 strebige Spinne.


    Um eine bessere Ausleuchtung des FS zu erreichen, habe ich mich bei meinem neuen Teleskop für einen 25 mm Fangspiegel entschieden, dessen FS-Körper nun auch Platz für 4 dünne Fangspielgelstreben bieten sollte.



    Der Blick durch eine Filmdose bzw. ein Justierokular sieht so aus.

  • Schellen und Tubusdeckel


    Nachdem ich auch ohne Rockerbox gerne auf einem Hocker beobachte und dabei den Tubus je nach Höhe so drehe, dass ein bequemer Einblick möglich ist wollte ich keine fixe Befestigung der Prismenschiene am Tubus. Bisher habe ich für die Tubusschellen Rohrschellen aus dem Baumarkt benutzt. Beide Schellen wiegen zusammen 800 g und mit einer Prismenschiene wiegt die gesamt Konstruktion 1000 g.


    Nachdem meine DIY Nachführung (stelle ich demnächst hier vor) für jedes Gramm weniger Gewicht mit einer besseren Nachführgenauigkeit belohnt, habe ich sowohl die Tubusschellen als auch die Prismenschiene aus Holz hergestellt. Der Prismenschiene habe ich noch einen Metalstreifen, für die Klemmnung spendiert.



    Die beiden Tubusdeckel habe ich mit einer Lochsäge aus 18 mm Restholz hergestellt. Damit die Deckel im Tubus leicht anzubringen aber fest genug sind, um nicht gleich wieder herauszufallen, habe ich eine Schraube über das Bohrloch befestigt und diese Schraube in meine Bohrmaschine gespannt. Wenn nun die Bohrmaschine fixiert ist, kann man mit Schleifpapier (Körnung 40, 80, 100) den Durchmesser genau auf das gewünschte Mass bringen.

  • First Light


    Die Sombrero Galaxie stand schon lange auf meiner Liste aber den Zeitpunkt für eine erfolgreiche Beobachtung habe ich jedes Jahr aus irgendwelchen Gründen
    immer verpasst. Dieses Jahr spielte mir der Zufall in die Karten und rechtzeitig nach Fertigstellung meines neuen Teleskops war M104 am Südhimmel für mich erreichbar.


    Teleskop: Kanatchi 76/700 DIY Teleskop

    Kamera: Zwo Asi 120 MC

    Frames: 1: Nacht 658 (4927s) 2. Nacht 608 (4918s)

    Belichtungszeit: 7,45 sec

    Farbraum: RAW16

    Gain: 320


    Bearbeitung: Fitswork, Siril, Gimp


    M104 Sombrero Galaxie, First Light mit meinem neuen Teleskop

  • Weitere Beiträge zum Thema Tchibo Torpedo 76/700


    Alben zum Thema Tchibo Torpedo 76/700

  • KanaTschi

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  • Hallo KanaTchi,


    da ich noch nicht "geblickt" habe, wie Sternchen und Pokale vergeben werden, möchte ich hier ein kurze, positive Rückmeldung "in Prosa" zu Deinen DIY-Beiträgen geben.


    Ich finde es einfach großartig, dass es noch Menschen gibt, die mit einfachen Mitteln gut brauchbare Lösungen erstellen und ihr Wissen dazu mit anderen teilen. Oft werden diese Menschen und Ihre Arbeitsergebnisse belächelt, weil man doch für jedes technische Problem oder jeden Wunsch für kleines Geld ein fertiges Produkt auf den globalisierten Märkten kaufen kann. Dabei wird oft übersehen, dass bei einer DIY-Lösung auch der Weg das Ziel sein kann, man sich selbst etwas beweisen möchte, man nicht weiteren "Sperrmüll" produzieren möchte oder das Geld für eine marktübliche Lösung einfach nicht verfügbar ist. Letzteres war in meiner Jugend in den 60er und 70er Jahren oft der Grund für den Selbstbau. Mein Vater war berüchtigt für seine "Schießdraht-Patente". Das waren Reparaturen mittels Teilen von Schrott und Verbindungen mittels ausreichend verfügbarem, zusammen gedrehtem ca. 2mm dickem Eisendraht. Unkonventionell, doch oft wirksam und langlebig. Diese Historie hat bei mir letztlich zu einem Ingenieurstudium geführt.


    Heute ist die Maker-Szene salonfähig und Repair-Cafés sind gern besuchte Anlaufstellen.


    Ich habe die oben von Dir verlinkten DIY-Beiträge mit großem Interesse durchgestöbert und einige Anregungen vorgemerkt.


    Bitte weiter so!


    Dir und den Mitlesenden ein schönes Wochenende.


    Gruß

    Siegfried

  • Danke für euren Applause und den virtuellen Streicheleinheiten in Form von Likes.


    @swausd aka Siegfried

    weil man doch für jedes technische Problem oder jeden Wunsch für kleines Geld ein fertiges Produkt auf den globalisierten Märkten kaufen kann. Dabei wird oft übersehen, dass bei einer DIY-Lösung auch der Weg das Ziel sein kann, man sich selbst etwas beweisen möchte, man nicht weiteren "Sperrmüll" produzieren möchte oder das Geld für eine marktübliche Lösung einfach nicht verfügbar ist.


    Das hast du sehr schön zusammengefaßt, jeder einzelne Punkt spiegelt meine Inspiration und auch wenn diese Art sich mit dem Hobby zu befassen teilweise belächelt wird, sind das Wissen und die Erfahrungen, die man auf diesem Weg sammelt, unbezahlbar. Zumindest kann ich einen Newton komplett auseinanderbauen, wieder zusammenbauen und dann komplett justieren und ein wenig tunen. Das hätte ich mich früher nicht getraut.


    In unserer heutigen Welt werden für alle Probleme fertige Lösungen angeboten, entweder als Produkt, oder in Form eines Coaching oder sonstige Dienstleistung, was dabei aber verloren geht, ist es sich mit den Dingen zu befassen. Deshalb ist unsere Gesellschaft auch so nervös und fühlt sich schnell mit Problemen überfordert (just my two cents).


    Auch wenn solche Beiträge für einen Großteil uninteressant sind, wollte ich dieses Reihe bis zum Ende durchziehen. Als nächstes werde ich noch meine motorisierte Nachführung auf Arduino Basis einschl. Steuersoftware vorstellen, damit hätte ich dann mein Ziel erreicht, an dessen Ende eine komplette DIY Ausrüstung steht mit der es auch möglich ist brauchbare Astrofotos zu erstellen, wie in meiner Galerie gezeigt.


    lg


    Peter

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