DIY Ausrüstung für Selbermacher, Teil 1 - Optimierung Optik Tchibo Topedo 76/700

  • Wie in meiner Vorstellung angekündigt, eröffne ich mit diesem Thread eine mehrteilige Beschreibung zum Thema "DIY Ausrüstung für Konsum-Unwillige und andere Randgruppen"


    Dieser Teil beschäftigt sich mit der Optimierung der Optik des allseits geschmähten Tchibo Torpedos am Beispiel des Bresser Venus 76/700.


    Zielsetzung war, die Umsetzung der Ideen so einfach wie möglich zu gestalten und mit üblichem und normalem Werkzeug zu bewerkstelligen, ohne dafür gleich einen mittleren Hobbykeller einzurichten. Die Arbeiten sind also mit Laubsäge, Stichsäge, Akkuschrauber, Akkubohrer, den üblichen manuellen Schraubendrehern, Holz- und Metalfeilen usw. ausgeführt worden. Mein handwerkliches Geschick würde in einem Zeugnis mit "er bemühte sich" beschrieben werden.


    Für die Fangspinne habe ich mir den Luxus gegönnt und mir die entsprechenden Gewindebohrer für ca. zehn Euro bestellt.


    Die Optimierung der Optik besteht aus vier Einzelmaßnahmen


    1. Velour Auskleidung

    2. Hauptspiegel-Ring

    3. optimierte Fangspiegel Spinne

    4. Hauptspiegel Anhebung


    Es ist natürlich nicht notwendig alle vier Optimierungsmaßnahmen zu realisieren, mit jeder einzelnen Maßnahme kann natürlich auch eine Verbesserung der Abbildungsqualität erreicht werden.


    Hier nun ein erster Eindruck der Optimierung beim Blick durch eine Filmdose und einen Concenter.


  • 1. Velour Auskleidung


    Für die Verlour Auskleidung habe ich zwei gleich grosse Stücke geschnitten, dann die Folie sofort komplett abgezogen und den Bogen dann eng zusammengerollt. Nachdem in den Tubus keine zwei Hände passen um die Folie so Stück für Stück abzulösen schien mir diese Lösung angebracht.


    Ein paar Luftpolster habe ich natürlich auch bekommen, aber die kann man anstechen und dann glatt streichen. Wie man auf dem Bild sehen kann habe ich auch nicht Falz auf Falz geklebt, sondern ca. 2 - 3 mm überlappt.


    Achtung: Nicht den gleichen Fehler wie ich machen und Hauptspiegel und Fangspiegel gleichzeitig demontieren, den dann steht man ohne Bezugsbasis da. Besser ist es zuerst nur einen der Spiegel zu demontieren, damit man nach dem Einbau den verbleibenden Spiegel als Basis für die Justierung hat. In meinem Fall hatte der Fehler den Vorteil, dass ich gelernt habe, wie ein Reflektor komplett justiert wird.


    Von einem Forenmitglied habe ich folgenden Tip bekommen


    "wenn man den Tubus Innen mit einem Wassernebel einsprüht, lässt sich die Folie leichter mit einem Plastik - Kuchenspachtel sauber fasst Blasenfrei andrücken! Es klebt dann nicht überall schon vorher fest wo es nicht soll! Das Wasser wird beim Andrücken verdrängt und ist leicht mit einem Küchentuch / Papier aufzunehmen und trocknet dann schnell ab, dann Velour mit Fusselrolle entfusseln!"


  • 2. Hauptspiegel Ring


    Nachdem ich noch zwei Muffenstopfen DN 110 rumliegen hatte dachte ich mir, wieso nicht daraus einen HS Ring anfertigen. Als mit der Lochkreissäge 75 mm Loch gebohrt und dann mühsam mit Schleifpapier auf das erforderliche Maß gebracht.


    Sobald das gewünschte Maß erreicht ist wird die Muffen-Wand so gekürzen dass ein Ring entsteht


    Der Muffenstopfen ist auch sehr hilfreich als Zentrierhilfe zum Einpassen und kann außerdem auch zur Markierung für den Mittelpunkt des Hauptspiegelsm verwendet werden. Die Wandung habe ich mit der Handsäge abgesägt, dann mit dem Cuttermesser nachgearbeitet und zu guter letzt noch mit dem Schwingschleifer sauber geschliffen.


    Damit sich der Ring nicht verformt würde ich heute 2 bis 3 mm der Wandung für die Festigkeit stehen lassen, aber auch ohne Wandung ist die Tendenz zum Durchbiegen nicht so stark und schaut auch schöner aus.


    Der Ring hält den Hauptspiegel also nur an der Fase des Spiegels, was in der Praxis keine Probleme bringt, der Spiegel sitzt bisher sicher und fest.



  • 3. Fangspinne


    Die Fangspinne ist so mit das anspruchsvollste Teil der Optimierungsmaßnahmen. Es müssen aber auch nicht alle Schritte umgesetzt werden. Man kann z.B. nur einen Holzrundstab mit 20 mm Durchmesser als FS-Körper benutzen und normale Holzschrauben verwenden. Dadurch spart man sich die Frimmelei des Gewindeschneidens, und hat aber schon mal 3 mm eingespart.


    Als Ausgangsmaterial für die Fangspinne habe ich 20 mm Alu-Rundstahl für den FS-Körper und für die FS-Streben das Blech eines alten PC-Netzteils verwendet. Den ersten Versuch habe ich noch mit einer M1,8 mm Gewindestange unternommen. Nachdem aber die Verwendung des Netzteilblech mit 0,5 mm Blechstärke einen deutlichen Zugewinn verspricht, habe ich mich entschieden die FS-Streben aus Blech herzustellen. Für die Befestigung am Tubus habe ich Löthülsen verwendet, die fest mit den Blecharmen verlötet sind.


    Die eingebaute Fangspinne kann man in Teil 1, Velour Auskleidung, sehen.


  • 4. HS Spiegel Anhebung


    Damit sich der OAZ beim Fokusieren nicht ganz so weit in den Tubus bewegt, habe ich den Hauptspiegel um ca. 8 mm näher an den Fangspiegel gebracht und damit den Brennpunkt weiter in den OAZ verlagert.


    Hierfür habe ich die Werte meines Tchibo Torpedo auf der Webseite von Stellafane eingegeben und die Werte, ausgehend von 68,2 mm (Orginalwert) schrittweise auf 80 mm erhöht und dann die Zahlen in ein Excel Tabelle eingegeben.


    Ausgehen von 68,2 mm min OAZ Höhe habe ich mich für eine Erhöhung um 8 mm entschieden. Die Gründe hierfür sind folgende Überlegungen bzw. Interpretation der Zahlen aus meiner Excel Tabelle.


    1. Es gibt eine Zone mit 100% Ausleuchtung und eine Zone mit 75% Ausleuchtung.

    2. Ausgehend vom Orginalwert ist das ein Bereich auf dem FS von 5,7499 mm für 100% und 14,1987 mm für 75%.

    3. Die Summe der beiden Werte ergibt 19,9486 mm.

    4. Anzustreben wäre also eine Erhöhung um einen Wert, der in der Summe auf 19,6 mm kommt und dabei

    einen Kompromiss zu finden, dass die Verluste für die 100% und 75% Zone nicht zu hoch sind.

    5. Dieser Wert würde ungefähr bei 76 mm liegen und bedeutet eine Erhöhung um 8 mm.


    Nachdem ich noch das Orginal Bresser Venus besitze und dieses bewußt nicht verändert habe um Vergleiche hinsichtlich der Optimierungsmaßnahmen anzustellen, konnte ich den Effekt an Jupiter testen. Mit meiner ZWO Asi 120 MC bin ich am Orginal Bresser nicht in den Fokus gekommen, es fehlte gefühlt ein kleines Stück. Mit dem Tchibo GTE (GeTunedEy) war dies ohne Probleme möglich, die Ergebnisse werde ich hier noch zeigen.


    Aus heutiger Sicht würde ich mir diese Arbeit, glaube ich, sparen, da der Effekt nicht so deutlich ist. In der Praxis muss man mit den Werten spielen, und dann beurteilen welche Erhöhung für das Teleskop sinnvoll ist.


  • Einordnung der Optimierungsmaßnahmen nach Schwierigkeitsgrad von 1 bis 4


    Grad 1: Velour Auskleidung, sollte man hinbekommen und lernt auch etwas über Justierung

    Grad 2: HS Ring, mit üblichem Werkzeug zu bewerkstelligen

    Grad 3: HS Anhebung, von der Umsetzung eigentlich am einfachsten, vom Verständnis schon etwas anspruchsvoller

    Grad 4: Fangspinne, möchte ich in dieser Form so schnell nicht noch einmal anfertigen.


    Ein schöner Nebeneffekt dieses Threads ist, dass ich jetzt endlich einmal die einzelnen Schritte zusammen gefasst habe.


    Grüße


    Peter

  • KanaTschi

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  • Nachdem mir beim Fokussieren das Bild immer aus dem AstroDMx Fenster gesprungen ist und mich ein Fokussiermotor in der Bucht für kleines Geld angelacht hat, habe ich meinem Tchibo GTE einen Fokussiermotor spendiert, das ist echter Luxus am Tchibo GTE


    https://www.astroshop.de/motor…-fuer-refraktoren/p,11469


    Leider ist die Montage nicht OutOfTheBox möglich, aber der Aufwand hält sich doch in machbaren Grenzen. Die mitgelieferte Hülse hat einen Innendurchmesser von 4 mm, die Stange des OAZ Trieb aber wuchtige 5 mm, d.h. die Hülse muss mit ruhiger Hand, einer Bohrvorrichtung oder besser mit einem Bohrständer auf 5 mm aufgebohrt werden ohne das Innengewinde der Feststellschraube zu zerstören.


    Grüsse


    Peter

  • KanaTschi

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