unsere Milchstrasse mal anders!

  • Hallo Forum!


    Die letzte Nacht (31.03./01.04.2024) war es wider erwarten relativ wolkenfrei und ich habe bis in den frühen Morgen belichtet.

    Bei Sonnenaufgang wollte ich eigentlich schon abbauen, aber dann erinnerte ich mich an einen Fachartikel von Dr. Jan-Hendrik Lebowsky von der Astronomischen Fakultät der Scofield University in Utah.


    Das Prinzip der Gravitationsline ist uns ja gut bekannt, vor allem seit dem Peter_Bresseler mit seinem C14 das Einsteinkreuz beinahe geknackt hat.

    Nun legt der erwähnte Artikel (den Link habe ich leider verlegt) nahe, dass es neben Gravitationslinsen auch Gravitationsspiegel gibt. Das wollte ich unbedingt ausprobieren.


    Der Galaxienhaufen Abell 2744 (aka Pandoras Haufen) war das Ideale Ziel, denn er wirkt als Gravitationslinse und verstärkt das Licht der dahinter liegenden Galaxie UHZ1 um den Faktor 4.

    Das extrem massereiche schwarze Loch innerhalb der UHZ1 absorbiert normalerweise sämtliche Lichtstrahlen, nur unten rechts - etwas westlich vom Ereignishorizont wird das Licht reflektiert und dieser Punkt wirkt als Spiegel.

    Auch den richtigen Zeitpunkt habe ich mir scheinbar intuitiv ausgesucht - diesen Effekt kann man nur an einem einzigen Tag im Jahr nutzen!


    Es war gar nicht so einfach, mit dem Seestar den Reflexionspunkt zu treffen, die Touch-Steuerung reagiert einfach zu schnell und zu ungenau. Nach etwas Probieren habe ich es aber doch hinbekommen.

    Die Technik funktioniert übrigens nur bei Tageslicht - ansonsten ist das reflektierte Licht zu schwach. Da Abell 2744 sich bei mir erst um ca. 10Uhr über dem südöstlichen Horizont zeigt, gestaltete sich die Vorbereitung etwas aufwendiger:

    ich habe das Seestar auf eine Trittleiter auf unser Schuppendach stellen müssen (habe ich schon öfter getan, das klappt immer ganz gut), dann hatte das Gerät freie Sicht auf den Galaxienhaufen.


    Lange Rede... hier mein Ergebnis: unsere Milchstrasse! (!) gespiegelt am Schwarzen Loch der UHZ1 (Seestar-Livestack).

    Es mag verblüffend erscheinen, ist aber reine Physik - ich denke der Nachweis des Gravitationsspiegels ist hiermit gelungen!


    Milchstrasse01042024.jpg


    CS, Jochen

  • Noch leicht verschlafen Deinen Artikel gelesen Jochen. Erst als das Galaxienbild mir für ein Seestar zu gut aussah, würde ich skeptisch. Ich bin jedesmal ein leichtes Opfer des Datums 😁 man man man...


    Beste Grüße

    Johannes

  • Gratutuliere Jochen!


    Das zeigt mal wieder die Leistungsfähigkeit des kleinen Riesen!

    Übrigens, ab dem Release R 1.4. kannst Du mehrere Seestar zusammenschalten und die Auflösung mit jedem weiteren Teleskop Quadrieren!


    Ich habe noch mal tiefer in Deine Aufnahme reingeschaut und konnte mit den neuen PixInsight Tools von Eggbert Reinfall (Link suche ich noch raus!) und den üblichen Scripten eine Schärfung herbeiführen.

    Das Ergebnis Deiner Entdeckung ist absolut sensationell!



    Hier die von mir untersuchte Region:




    Nach einem ersten GraXpert Durchlauf zeigt sich das noch unscharfe galaktische Objekt:






    Nach BlurX, NoiseX und Schärfung zeigen sich erste Details in einer Falschfarbendarstellung:






    Und mit den weiteren High-Tech-Tools das fertige Ergebnis:



    Es braucht also nicht große Optiken. Mit ein bisschen KO geht das auch so, was hiermit bewiesen ist!



    Grüße

    Hartmut

    EQ6R-PRO | OMEGON PUSH+ | SW Allview | Unistellar eQuinox | Seestar S50 |  ASKAR FMA 135

    SW 200PDS/1000 | SVBONY 503 80/560 (448) | SkyMax 102/1300 MAK | TS 61EDPH II

    ASI 120MC-S & MM-Mini | veTEC533c / 571c | N.I.N.A.

    METEORCAM (RPi4) (https://globalmeteornetwork.org/weblog/DE/index.html) DE000Q

  • Das ist eine Mystische Formel... ;)

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  • Hallo Jochen,


    stell Dir mal vor, wie toll das Bild geworden wäre, wenn Du die LIST-Software



    schon hättest. Beide Verfahren gekoppelt, dürfte wirklich alles verändern. Da macht dann das Seastar das VLT nackig.


    CS

    Jörg

  • Moin Jörg,

    stell Dir mal vor, wie toll das Bild geworden wäre, wenn Du die LIST-Software schon hättest

    ja - das hatte ich schon gelesen und sofort eine email an das ZWO-Entwicklerteam verfasst. Ich denke, da wird in der nächsten Firmware-Version etwas eingebaut werden.

    Eine Kombi, die das Team um Firrest Forthmonth sicher aufhorchen ließe!

    Was das für Möglichkeiten ergäbe - unglaublich - ich wette, mit dem Seestar wäre sogar die Abbildung der Fahrgestellnummer des Apollo-Mondrovers möglich. Oder noch feinere Strukturen auf Ostereiern!


    Mich würde vie Formel dazu wundernehmen 😂

    Ich habe natürlich Chat-GPT dazu befragt. Leider habe ich nur die 3er-Version - die kennt das Konzept des Gravitationsspiegels noch nicht. :rolleyes:


    CS, Jochen

  • Hallo zusammen,


    Ihr seid klasse :thumbup: :thumbup: :thumbup: :D :D :D .


    Viele Grüße

    Sabine

    Meine Ausrüstung
    Montierung: ioptron CEM40, Skywatcher Star Adventurer Pro

    Kamera: Altair Hypercam 26C, Canon EOS700Da

    Teleskop: TS Photoline 80 mm f6 (380/480 mm)

    Objektive: Canon 200 mm, Samyang 135 mm, Sigma 18-35 mm, Canon 60 mm

    Guiding: MGEN3

  • Hallo Jochen,

    denn Abell 2744 wirkt als Gravitationslinse und verstärkt das Licht der dahinter liegenden Galaxie UHZ1...

    Lange Rede... hier mein Ergebnis: unsere Milchstrasse! (!) gespiegelt am Schwarzen Loch der UHZ1 (Seestar-Livestack) ...

    Es mag verblüffend erscheinen, ist aber reine Physik

    Das ist echt sensationell !! Und denk das mal weiter, ist ja reine Physik: Abell 2744 ist 3 Mrd. Lichtjahre entfernt, dann zeigt dein spektakuläres Bild die Milchstraße wie sie vor über 6 Mrd. Jahren ausgeschaut hat. Und wie weit ist UHZ1 überhaupt weg ? Vielleicht sind es ja 10 Mrd Lichtjahre, dann sehen wir unsere Galaxie wie sie vor 20 Milliarden Jahren aussah :S ^^.


    Servus

    Ben

  • Moin Ben!

    dann sehen wir unsere Galaxie wie sie vor 20 Milliarden Jahren aussah

    Nein, das ist nur die halbe Wahrheit. Du hast die Gravitationszeitdilatation vergessen... ^^


    CS, Jochen

  • Hallo Jochen und Dietrich,


    ja, und mein - ich gebe zu, um fast 16 2/3 Stunden verspätetes - Fazit dazu:


    Egal wie weit UHZ1 entfernt liegt, und inwieweit da die Gravitationszeitdilatation mitmischt: Fest steht, dass der zentrale Balken der Milchstraße sehr langlebig ist, ob er nun einen ganzen Urknall oder nur 6 Milliarden Jahre überstanden hat ^^

    Na dann, go east (besser nicht) oder mehr im nächsten Jahr...

    Ja, vielleicht weiß die Wissenschaft nächsten April schon mehr und wir können drauf aufbauen ... ;) :S


    Servus

    Ben

  • gar nicht so trivial, die Sache ;) ^^



    Grüße

    Hartmut

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  • Liegt UHZ1 nicht direkt neben dem Plasmakugel-Nebel PK 68

    Oh, ein Wolf-Rayet Stern! Schöne Aufnahme! ^^ :thumbup:

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