Mein 40cm Spiegel - ein Scherbenhaufen

  • Liebe Freunde,
    heute ist es passiert: das Granit-Tool und das Spiegelglas haben sich ineinander verliebt bei der Bearbeitung mit Microgrit 15. Habe dann das Liebespaar 24 Stunden am Boden des Swimming-Pools meines Nachbars abgekühlt. Und das hat natürlich nichts gebracht. Also ging ich heute mit dem Brechhammer auf das tool los. Alles lag im Gras und zusätzlich auf der Isomatte. Mit immer mehr Schwung und Anlauf drosch ich seitlich über ein Holzstück auf die Stirnseite des Tools ein. Zuletzt flog das Ganze Duo von der Matze ins weiche Gras schön nach dem Impuls-Gesetz. Keine Wirkung. Nun wiederholte ich die Hiebe von allen Seiten. Kein Wank. Ich gab auf und verpasste dem Tool einen leichten Schlag in die Mitte quasi als verzweifelte Schluss-Geste in meiner Ratlosigkeit. Dabei zersprang die Platte in 4 Teile und selbstverständlich auch das Glas zertrümmerte sich in zig Teile, wie wenn eine Explosion stattgefunden hätte. - 20 Stunden Grobschliff (nur Nettozeit!)unzählige Tests und Arbeiten am Tool und alles ist Futsch. Ich weiss jetzt nicht mehr weiter. Mich interessiert nur noch, hätte man das Liebespaar anders trennen können? Gruss Emil

  • Aloha Emil,


    zuerst mal mein Beileid zu deinem Scherbenhaufen, das ist echt bitter.
    Zu deiner Frage: Ja, man haette. So einen Fall hatte ich auch mal gehabt, das war auch beim 15mu, ich habe TOT geschliffen und dann ist es passiert, grade, als ich das 27 Kilo schwere Fliesentool abziehen wollte. Mir kam dann folgende Abhilfe. Erfreulicherweise ist mein Schleiftisch sehr massiv gebaut mit einer 80mm dicken Arbeitsplatte. Da kann man das problemlos machen, was ich dann gemacht habe: Am Schleiftisch wurde eine massive Holzlatte angepratzt und zwischen Blank und Latte ein Klotz eingeklemmt. Dann konnte ich mit Ratschengurten, die um das Tool und die Latte gelegt wurden, über die Latte Zugkraft auf das Tool ausüben. Mit zwei Gurten war es möglich, eine Zugkraft von sicherlich mehr als 1000 N aufzubringen, bis sich das Tool schließlich löste.
    Ich kann da bloss noch viel Glueck wuenschen, falls du dir das Abenteuer nochmal antun willst. Uebrigens stehst du mit deinem Unglueck nicht allein da, dem MartinB ist auch schon mal ein fast fertiger Spiegel zerscherbelt.


    Gruss und CDS


    Haley

  • Hi Emil,
    ich hoffe, Du bist nicht verletzt. Ansonsten: Da musst Du jetzt durch. Erst mal eine Nacht drüber schlafen, zur Ruhe kommen, dann nachbestellen. Der Spiegel kriegt dann gleich die "zwo" als Seriennummer. [;)]


    Ich dremle mir in mein Tool immer einen Kanal kreuzweise. Wenn dann mal die Teile aneinander kleben, dann kann man in dieses Kanalkreuz immer ein Holzspan/Streichholz treiben, der die Teile trennt.
    Bei allen Trennungsmethoden mit Temperatur, Wasserbad etc. braucht man immer auch eine Grundkraft, die die Teile auseinander drückt, damit sie nicht noch enger kleben.


    Gruß

  • Hallo,


    im Wasserbad 20min erwärmen auf ca 50°C, dann wieder abkühlen auf Zimmertemp mehr brauchts dazu bei mir nicht.
    Mit einem Glastool sieht man dann auch sehr schön warum das funktioniert.


    Gruß Roland

  • Hallo Emil


    Das tut weh im Herzen eines Spiegelschleifers.
    Auch mein Mitgefühl.
    Hättest vorher hier fragen sollen.
    Mir ist das schon mehrmals passiert, immer wenn das Telefon klingelte.
    Ganz wichtig "Keine Gewalt".
    Das geht ganz von alleine über Nacht auseinander.
    Brauchst das Duo nur ins warme Wasserbad mit Haarshampoo oder Spühlmittel einer großen Schale legen. Den Spiegel oder das Tool mit kleines Holzklötzchen 2mm angehoben lagern, so das ein Teil unten frei hängt.
    Nach 10 Stunden war es bisher immer unbeschädigt gelöst.


    viele Grüße von Steffen


    Ergänzung: Das eine Seite des Unterteils 2mm frei hängt.
    ...Ist besser ausgedrückt.

  • Hi,Emil
    mein Beileid !
    warum haste nicht gefragt? hier ist doch 24 stunden täglich immer jemand,der Ahnung hat.Und wenn nicht-sucht man mit Schlagwörtern "Tool" "verklebt" "Scherben"und der passende Thread taucht auf.
    Nun schlaf mann erstmal paar Nächte drüber,dann kannste mit neuem Elan
    und neuer Lebenskraft wieder ans Werk .
    Der finanzielle Verlust ist hoffentlich nicht so dramatisch oder doch ?!
    Gruß Marc

  • Vielen Dank für die netten und weiterbringenden Worte.Ich kann es aber nicht ganz glauben, dass heisses Wasser ausreicht, um einen grossen Spiegel zu trennen und weiss auch von Fällen erfahrener Schleifer, dass es nicht ohne Hammereinsatz ging. Mich interessiert, wie man die Adhäsion von Tool und Spiegel vermeiden kann? Sonst laufe ich bei einem Neubeginn wieder in die gleiche Falle.


    Ich hatte Probleme bei Microgrit 15 einen Brei zu bekommen. Entweder gab es flüssige Milch oder zu wenig nasses Pulver. Beides ist schlecht. Die Abhilfe ist Glycerin. Ein paar Tropfen bei der Neubeschickung dazugeben und man hat den richtigen Brei. Das steht so in den Schleiferbibeln (etwa Hans Rohr das Fernrohr für jedermann) und das habe ich bei meinen vorgängigen Projekten auch praktiziert, an diesem Tag aber vergessen.


    Ich habe früher mit den verpönten Fliesengips-tools gearbeitet und keine Adhäsionsprobleme gehabt. Die Fugen wirken wie die Rillen bei der Pechhaut, es sind Flüssigkeits- und Pulver-Reservoirs. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Die Idee kreuzweise Rillen ins Granit-Tool zu dremeln, überzeugt.


    Wenn der Widerstand bei der Schleifbewegung anwächst, sofort stoppen und die freie Fläche mit einem Pflanzenbesprüher befeuchten und dann zurückfahren (nicht weiterfahren) und die dann frei werdende Fläche ebenfalls besprühen. Das hat an diesem Tag bei mir bestens funktioniert. Aber plötzlich, wie aus heiterem Himmel, als ich den Spiegel abziehen wollte, klebte er fest und fertig…. ohne jede Vorwarnung. Noch nie habe ich sowas erlebt in meiner Glaswurmkarriere! Das sind so etwa die Gedanken, die ich zum Thema Adhäsionsvermeidung anbringen kann. Aber vielleicht weiss jemand besseres dazu.
    Grüsse Emil

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