Sitall und "Pünktchen" 1. Fortsetzung

  • Nachdem der Rohling auf ca 80% seiner Solltiefe mittels Flex und Diamantscheiben
    annähernd sphärisch ausgebaggert war, braucht man für die weitere Bearbeitung eine Schleifschale als Werkzeug. Ich bin an Glas gewöhnt und habe deshalb eine 19 mm und eine 10mm Floatglasscheibe mit UHU Plus verklebt. Dazu wurden die Scheiben mit K320 aufgerauht. Das geht ganz locker ohne Kraftanstrengung und brauchte 5 Wechsel, ca 15 Minuten Schleifzeit. Dann waren beide Flächen gleichförmig matt geschliffen.
    Das zeigt das erste Bild (im Hintergrund 10 zoll „Silbercassi“ auf der verbesserten „Paramutierten“).
    <img src="http://www.astrotreff.de/members/Kurt/WERKZEUG01.jpg" border=0>
    Beim Verkleben habe ich zunächst einseitig auf einen kleineren Sektor Kleber aufgetragen und dann die andere Platte tangential darüber geschoben. Im Prinzip geht das ganz gut. Nur man braucht dazu eine dritte Hand, die laufend Kleber nachliefert. Letztendlich gelang mir auch zweihändig eine ziemlich blasenfreie Verklebung. Den überschüssigen Kleber kann man leicht mit einem nassen Lappen wegwischen, so lange er noch nicht abgebunden ist. UHU Plus arbeitet bei Raumtemperatur sehr langsam, so dass man nicht in Stress gerät. Zum Abbinden wurden die beiden Platten auf eine ebene, waagerechte Platte gelegt mit 10 mm Weichschaum als Zwischenlage.


    Dann wurde das Werkzeug wieder auf dem Drehteller bearbeitet. Die 19 mm Platte wird die eigentliche Schleiffläche. Das nächste Bild zeigt die Platte noch ohne Schleifbearbeitung
    <img src="http://www.astrotreff.de/members/Kurt/r1.jpg" border=0>


    Im nächsten Schritt wurde bei laufendem Drehteller mit der Flex und Diamant- Topfscheibe eine ca 6 mm Fase ca 45° angeschliffen.
    <img src="http://www.astrotreff.de/members/Kurt/r2.jpg" border=0>


    Danach wurde das Werkzeug nach Augenmaß konvex geschliffen, von aussen nach innen fortschreitend.
    <img src="http://www.astrotreff.de/members/Kurt/r3.jpg" border=0>


    Nun gab es unter Zugabe von K80 den ersten Kontakt mit dem Spiegelrohling, Spiegel oben, Schleifprozedur mit langes Strichen. Nach 3 Wechseln wurde getrennt. Das Werkzeug zeigte einen breiten Ring bei ca 70 % Durchmesser. Die Spiegelfläche hatte bis auf eine Zone in der Mitte ziemlich viele Kontaktstellen. Diese wurden am beiden Flächen mit der Flex und Diamant- Topfscheibe bei rotierendem Drehteller abgetragen. Nach mehrfachem Wechsel zwischen Karbo- Schliff und Nacharbeit mit der Flex hatte ich die notwendige Solltiefe von 5,5 mm erreicht. Das letzte Bild zeigt die Spiegelfläche mit Resten der Bearbeitungsspuren von der Diamantscheibe. Zur vollständigen Beseitigung dieser Spuren sind wahrscheinlich weitere 10-15 Wechsel mit K80 erforderlich. Danach kann mit der feineren Körnung gearbeitet werden.


    Die gesamte Bearbeitung hat bisher ca 10 Stunden gedauert. Dabei wurden ca. 300 Gramm K80 verbraucht. Die Glasscheiben für das Werkzeug (ursprünglich hatte ich 3 Stück vorgesehen) haben genau 190,07€ gekostet, incl. Mehrwertsteuer. Das war mir die Vermeidung des Gipspanschfliesentoolhorrors wert.<img src=icon_smile_cool.gif border=0 align=middle>
    <img src="http://www.astrotreff.de/members/Kurt/r4.jpg" border=0>





    Bearbeitet von: Kurt am: 06/08/2002 19:31:03

  • Moin Kurt,


    da hast du dich aber mächtig ins Zeug gelegt um den "Gipspanschfliesentoolhorror" zu vermeiden, aber Hauptsache es kommt zum Schluss ein perfekter Spiegel raus der deinen Erwartungen entspricht <img src="http://www.astrotreff.de/images/icon_Smile_approve.gif" border=0>
    Dein Quarzmonster hast du ja zum Rand hin verjüngt um Gewicht zu sparen, ist an Pünktchen auch sowas vorgesehen?
    Du schleifst ihn also F/4.5 wie ich der Pfeilhöe von 5.5mm entnehmen kann, ist da zum Schluss der Focaulttest noch hinreichend genau oder hast du da eine andere Meßapparatur in Planung?


    gutes Gelingen


    --
    Roland
    http://www.videoastronomie.de/


    <img src="http://www.videoastronomie.de/Divers/15er.gif" border=0>

  • Hallo Roland,
    da der 16" Rohling nur 41,5 mm dick ist, werde ich ihn nicht weiter abspecken. Der wiegt jetzt knapp 13 kg und lässt sich noch ganz gut bewegen. Ein "Gipsfliesenmatschtool" müsste wahrscheinlich erst noch 2 bis 20 Wochen trocknen, bevor man es nutzen kann und wäre wahrscheinlich auch erheblich schwerer als mein Glastool mit ca 8 kg.


    Du hast richtig gerechnet. Der Spiegel wird f/4,5 haben. 12" Quarzmonster hat genau f/4,74. Das ging mit Foucault in Kombination mit dem modifiziertem Dall- 0 Test- sowie Kontrolle durch Star Test ziemlich problemlos. Das hat die Interferometer- Messung bei Wolfgang Rohr bestätigt. Details zur Testmethode werde ich mit Life- Fotos hier bringen.
    Gruß Kurt




    Bearbeitet von: Kurt am: 06/08/2002 08:42:46

  • Moin moin Kurt,


    auch ich finde die Dokumentation Deines Spiegelschliffes gut gemacht und sehr informativ ... aus Deinen Beiträgen entsteht ja schon fast ein Online-Handbuch zum Spiegel-Sebstschliff <img src="http://www.astrotreff.de/images/icon_Smile_big.gif" border=0>


    Besonders die Details (Klebetechnik, facettieren des Werkzeuges, verwendete Schleifmittelfraktionen etc.) ersparen manchem Einsteiger sicher viele Experimente.


    Sternfreundliche Gruesse



    --
    Matthias

  • Kurt Schrecklin Schrieb:
    ...Das war mir die Vermeidung des Gipspanschfliesentoolhorrors wert.
    ...Ein "Gipsfliesenmatschtool" müsste wahrscheinlich erst noch 2 bis 20 Wochen trocknen,


    Hallo Kurt,
    Deine Abneigung zu Gips und Fliesen grenzt ja schon an Paraneua.
    Klasse Bilder!!! Du bist ja nicht mehr zu bremsen.


    Gruß Stathis


    Stathis Kafalis
    http://www.geocities.com/dobsonstathis

  • Hallo Kurt
    Deinen Mut möcht ich mal haben, mit einer Flex eine 1 KE Sitalpille anzugehen
    *RESPEKT*
    Zitat "Danach wurde das Werkzeug nach Augenmaß konvex geschliffen, von aussen nach innen fortschreitend."
    Ich hab in SUW den Bericht über Schmidt gelesen.
    Bei dem sah das genauso aus wie bei dir ( in der werkstatt )
    Ich kann mir echt nicht vorstellen, wie das Ohne CNC Schleifmaschine gehen soll. ( also ich würd maximal ne Salatschüssel draus machen können )
    Gruß Bernd

  • <BLOCKQUOTE id=quote><font size=1 face="Verdana, Arial, Helvetica" id=quote>Zitat:<hr height=1 noshade id=quote>
    Hallo Kurt
    Deinen Mut möcht ich mal haben, mit einer Flex eine 1 KE Sitalpille anzugehen
    *RESPEKT*....
    <hr height=1 noshade id=quote></BLOCKQUOTE id=quote></font id=quote><font face="Verdana, Arial, Helvetica" size=2 id=quote>


    Wenn man Spiegel selbst schleift und Teleskope baut, verliert man halt alle Hemmungen. Andere zögern ja schon bei dem Gedanken, ein kleines Loch in ihr teuer gekauftes Röhrle zu bohren.


    <BLOCKQUOTE id=quote><font size=1 face="Verdana, Arial, Helvetica" id=quote>Zitat:<hr height=1 noshade id=quote>
    Ich kann mir echt nicht vorstellen, wie das Ohne CNC Schleifmaschine gehen soll. ( also ich würd maximal ne Salatschüssel draus machen können )
    Gruß Bernd
    <hr height=1 noshade id=quote></BLOCKQUOTE id=quote></font id=quote><font face="Verdana, Arial, Helvetica" size=2 id=quote>


    Mann muss den Spiegel immer drehen. Für Kurt macht das ja der Drehteller automatisch. Ich hab's mit der Hand frei nach Gefühl gemacht. Wird besser als man annimmt.





    Stathis Kafalis
    http://www.geocities.com/dobsonstathis

  • Hallo Berndi,


    <BLOCKQUOTE id=quote><font size=1 face="Verdana, Arial, Helvetica" id=quote>Zitat:<hr height=1 noshade id=quote>Hallo Kurt
    Deinen Mut möcht ich mal haben, mit einer Flex eine 1 KE Sitalpille anzugehen
    *RESPEKT*
    <hr height=1 noshade id=quote></BLOCKQUOTE id=quote></font id=quote><font face="Verdana, Arial, Helvetica" size=2 id=quote>


    Die Sitall Pille hat so etwas gern<img src=icon_smile_cool.gif border=0 align=middle>


    <BLOCKQUOTE id=quote><font size=1 face="Verdana, Arial, Helvetica" id=quote>Zitat:<hr height=1 noshade id=quote>Ich kann mir echt nicht vorstellen, wie das Ohne CNC Schleifmaschine gehen soll <hr height=1 noshade id=quote></BLOCKQUOTE id=quote></font id=quote><font face="Verdana, Arial, Helvetica" size=2 id=quote>


    Das ist gar nicht so schwieig wie es scheint. Wenn die eine Glasplatte irgebndwie mit der Flex freihändig konvex, die andere konkav vorbereitet wird, werden diese nach dem zusammenlegen mit Scheifmittel dazwischen und hin und her bewegen automatisch sphärisch geschliffen, auch wenn die Platten vorher eben waren. Wenn man etwas rauh un grob mit der Flex vorbehandelt, muß man nur zum Anpassen mehr Schleifmittel und Arbeitszeit investieren. Bei kleineren Spiegeln so bis ca 8" lohnt sich der Einsatz der Flex kaum. Die Hauptarbeit bei der Spiegelherstellung kommt erst beim Polieren und Parabolisieren. Also, Fortsetzung abwarten und zwischenzeitlich das Buch von Martin Ttrittelvitz lesen: "Spiegelferntrohre selbst gebaut".
    Gruß Kurt




    Bearbeitet von: Kurt am: 07/08/2002 10:42:25

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