Erster Eintrag in das Forum: Fragen zum Herrig Tetraspiegler und OSLO-Software

  • Hallo Zusammen!

    Ich lese hier schon seit langem mit und freue mich immer über die geballte Kompetenz im Forum. Zum ersten mal komme ich nun aber nicht weiter ohne einen Account zu erstellen und Fragen an Euch zu richten. Es geht, wie der Titel bereits sagt, um den Herrigschen Tetraspiegler. Ihr wisst schon, den mit zwei Spiegeln, vier Reflektionen, absurd großen Radien und einem konvexen Hauptspiegel.

    Ich habe dazu hier im Forum einige Informationen schon unter anderem von Emil 1 und Guntram gelesen. Die Fragen richten sich aber wirklich an alle, da es mir darum geht, wie man ein kompakteres System nach diesem Prinzip berechnen könnte. (Durchaus in dem Wissen, dass das nicht jede:r hier sinnvoll finden könnte) Ich habe schon versucht in OSLO, aber auch in dem von mir bevorzugten CAD-Programm Rhino, zu modellieren. Da ich bei OSLO noch blutiger Anfänger bin, habe ich irgendwann aufgeben müssen. In Rhino hingegen befürchte ich, dass die Genauigkeiten einfach nicht ausreichen um die Strahlen ordentlich zu falten. Denn die Tabellen, die ich unter anderem hier und hier gefunden habe, ergeben ausgeführt keinen Sinn, der sich mir erschließt.

    Fragen zu den beiden Quellen:

    Bedeutet 8 Grad Tilt des Hauptspiegels, dass er um seinen Mittelpunkt rotiert ist, oder verstehe ich hier etwas falsch? Wenn ich nämlich versuche das so darzustellen, dann befindet sich der sekundäre Spiegel im Strahlengang noch bevor die Strahlen auf den Primärspiegel treffen. Auch bei 9 Grad noch. Was verpasse ich hier?
    Der "Abstand zur nächsten Spiegelung" wird gemessen vom Mittelpunkt der beiden Spiegel aus, nehme ich an?

    Verstehe ich richtig, dass die 200mm Öffnung des Teleskops sich bei geringerem Abstand der Spiegel nicht halten lassen werden? (Das wäre kein Problem per se, es wäre nur schade, dass dann wohl DS-Beobachtungen ausfallen würden)

    Frage zu OSLO:

    Ist es überhaupt möglich mehrfache Spiegelungen an dem selben Spiegel durchzuführen? Ich bin mit diesem Ding wirklich völlig überfordert. Die Tutorials helfen mir leider auch kaum. Gibt es eine Software, die vielleicht weniger kann (beispielsweise Linsenberechnungen), dafür aber einfacher zu bedienen ist?

    Sollte das hier, trotz erstem Posting, nicht in der Newbie-Kategorie erwünscht sein, bitte ich um Verschiebung. Vielen Dank schon mal, wenn Ihr bis hier hin gelesen habt :)

    VG,
    van ce din

  • Hallo,


    mal wieder ein echtes Highlight bei den Einsteigern...

    Selbst habe ich schon mal einen Schiefspiegler nach A. Kutter gesehen.... im Internet eine Skizze mit dem Strahlengang in einem System mit 3 Spiegeln gefunden, wobei einer doppelt genutz wird. Dem Namen nach und der Skizze im 2. Link brauchen wir hier deren 4. Die beiden Spiegelflächen auf jeder Seite des Geräts sind dann in einem Stück geschliffen?

    Evtl. können Dir die beiden Genannten

    @Emil 1 und  @Guntram weiterhelfen?

    CS Thomas 

  • Hallo,


    beim Astroclub Radebeul gab es vor Jahren mal ernsthafte Bemühungen, ein größeres Herrig-System anzuschaffen bzw. zu realisieren. Das musste schließlich abgebrochen werden. Ich rate Dir dringend, mal mit den Radebeulern Kontakt aufzunehmen, bevor Du Zeit und Geld in ein solches System investierst.


    CS

    Jörg

  • Hallo Jörg!

    Vielen Dank für die Info! Es ging mir aber gerade um ein kleineres System. Ich bin von der möglichen Kompaktheit des Systems angetan. Glaubst du die Erfahrungen der Radebeuler könnten dennoch helfen?
    Zeit habe ich "leider" schon massig in das Ganze gesteckt, ich trauere nicht darum, weil es mir einfach Spaß macht immer mehr über das Thema zu lernen. Was das Geld betrifft, geht es mir hier erstmal um die theoretische Modellierung des kleineren Herrig-Systems. Wenn das Modell steht und in die Bauform, die ich mir vorstelle, hereinpasst, wird es Zeit sich Gedanken über Geld zu machen. Vorher bin ich auf der Suche nach Erkenntnis.


    Hallo Thomas,


    es geht ja um den "Two-Mirror Double Pass" Schiefspiegler nach Herrig. Also zwei Spiegel, vier Refelktionen. Die anderen Schiefspiegler kommen nicht an die Größe heran, die ich versuche zu erreichen. Wie mache ich die Beiden denn auf die Frage aufmerksam? Oder haben die durch die Erwähnungen schon Benachrichtigung erhalten?

    Viele Grüße,
    van ce din

  • Hallo van ce din,


    ich habe die Radebeuler Herrig-Geschichte nur von weitem miterlebt, war also nicht unmittelbar beteiligt, so dass ich ungern Näheres dazu sagen möchte. Mein allgemeiner Eindruck war nur, dass es durch die spezielle Spiegelform sehr schwer wird, ein beugungsbegrenzt abbildendes Herrig-System zu realisieren. Seitdem schrillen bei mir die Alarmglocken, wenn ich Herrig höre. Bei den Radebeulern ist es dann nach reichlich Lehrgeld ein sehr guter 14“-Maksutov-Newton geworden.

    Wenn Du selbst nur einen kleinen Herrig bauen wolltest, kommst Du wahrscheinlich mit einem guten Apo-Refraktor am besten. Die sind in Sachen Farbfehler nicht viel schlechter als ein reines Reflexionssystem, vor allem in der Praxis nicht.


    CS

    Jörg

  • Hallo Jörg,


    also ein APO-System habe ich bereits erfolgreich modelliert. Da bietet Rhino sogar Algorithmen mit denen man die Linsen optimieren kann. Das ist also bereits abgehakt. Es geht mir wirklich erstmal um das modellieren und das ausloten, wo dabei die Grenzen der Bauform in Sachen Mobilität und Nutzungsbereich sind. Welches dann mein erstes Teleskop wird (zugegeben, wahrscheinlich kein Herrig, nach aktuellem Stand einfach ein newtonsches, weil viel einfacher umzusetzen), möchte ich nach der Auseinandersetzung mit den für mich interessanten Bauformen entscheiden. Gerade die Ansprüche an die Spiegel beim Herrig machen den Selbstbau (für mich) vermutlich unmöglich. Aber als Designer beschäftige ich mich täglich mit Herstellungsverfahren verschiedenster Produkte. Aus der Praxis heraus kann ich sagen, dass häufig die Auseinandersetzung mit der Theorie, oder eben in diesem Fall mit dem Modell, viele Ideen für neue Verfahren aufwerfen kann.

    Eine Idee, wie man das Herrig unter umständen ohne aufwendige Schleifverfahren herstellen kann, habe ich bereits. Das Modell aber, welches mir Aufschluss darüber liefern kann, ob das möglich ist oder nicht, kann ich eben gerade nicht herstellen. Ich brauche also in der theoretischen Modellierung in OSLO oder vergleichbarer Software etwas Hilfe. Da geht es, wie gesagt, um Positionierung der Spiegel, die Winkel zueinander, die Abstände und wie das ganze mit kleinerer Öffnung und (vermutlich) kleineren Radien aussehen könnte.
    Es würde vermutlich auch reichen, wenn jemand die beiden genannten Quellen mit mehr Erfahrung und besserem Kenntnisstand der Materie interpretieren und mir erläutern könnte. Insofern werde ich wirklich mal eine Mail an den Astroclub Radbeul schicken, vielleicht findet sich dort jemand, der schon ähnliche Fragen vorher hatte.


    Vielen Dank dennoch!

  • Quote

    Herschel war ja auch irgendwie schon in die Richtung unterwegs mit seinen riesigen Schiefspieglern.

    Hi Thomas F ,


    ^guck, gleich mal angewendet.
    Von da komme ich her :D Das Herschel hat wirklich Spaß bereitet in der Modellierung, auch weil ich mich an den Paraboloiden austoben konnte.
    Allerdings finde ich die Beobachterposition am Teleskop nach Herschel etwas... Naja, unattraktiv. Es wäre aber perfekt geeignet für die kompakte Bauform, die ich vorhabe. Außerdem habe ich nun, da ich mich mit dem Thema ein paar Monate beschäftige verstanden, dass mit dem Herschel zwar ein sehr schnelles Teleskop (mit extrem aufwendiger Korrektur durch Linsen) zwar möglich ist, dann aber die Vergrößerung nicht sehr groß ist. Jetzt wo ich das so schreibe, frage ich mal lieber: Habe ich das überhaupt richtig verstanden? :man_facepalming_medium_skin_tone: Ziel ist es nach außerhalb unseres Sonnensystems zu gucken.

  • Ja gut, das ist natürlich richtig. :saint: Meinte nur, dass ich nicht auf der Suche nach unseren Planeten bin, sondern eben nach Deep Sky-Objekten. Und da würde sich ein schnelles Herschel, auch wenn es sehr aufwändig und teuer wäre, wohl nicht eignen.

  • Thomas F Ja gut, das ist natürlich richtig, aber wenn ich mich recht erinnere, waren die Geräte dafür alles andere als Kompakt :face_with_tears_of_joy: Groß und langsam kann man damit sehr scharf sehen, das kann ich mir gut vorstellen. Klein und schnell hingegen wird das Sichtfeld zu klein, oder? Sorry, das ist hier nur Gefühl, das aus mir spricht. :lying_face:

  • Klein und schnell hingegen wird das Sichtfeld zu klein, oder?

    Klein waren Herschel's Teleskope nicht. Gut zu bedienen sicher auch nicht.

    Wenn Du mit schnell lichtstark meinst - dann hast Du eine kürzere Brennweite und eine niedrigere Vergrößerung - bei einem größeren Gesichtsfeld.

  • Gut! Dann habe ich das zumindest schon einmal richtig verstanden. Danke nochmal für die Zeit die du dir nimmst, Thomas F


    Habe übrigens den ersten Fehler in meinem Modell gefunden! Bisher dachte ich die "focal length" sei gleichbedeutend mit dem Radius der gedachten Sphäre aus der der Spiegel geschnitten wird. Dabei ist es in Wahrheit die hälfte des Radius und ich muss wohl das doppelte in die Parametrie eingeben. Vielleicht sind damit schon alle meine Probleme gelöst, ich schreibe hier rein, wie es verläuft für vielleicht weitere interessierte.

  • Hallo Vancedin.


    Na, da hast du dir ja etwas ganz leichtes ausgesucht!

    Der Herrig glänzt mit einigen Besonderheiten. Ja, man braucht "nur" zwei Spiegel, hat aber vier Reflexionen. Das System lässt sich sehr kompakt bauen, und man kann eine ausgezeichnete Bildqualität erreichen.


    Nachteilig sind mehrere Eigenschaften:


    Erstens benötigt man einen wirklich großen konvexen Hauptspiegel. Er muss sogar größer sein als die eigentlich wirksame Öffnung des Instrumentes, und das macht man normalerweise nicht ohne zwingenden Grund. Dazu handelt es sich noch um einen Konvexspiegel, den man nicht direkt testen kann. Es gibt zwar Prüfmöglichkeiten, aber das Ganze wird dann sehr aufwendig, ohne einen echten Vorteil zu erlangen. Gute abschattungsfreie Teleskop- Entwürfe, die weniger aufwendig zu bauen sind, gibt es genug.


    Zweitens ist man bei der Justierung eingeschränkt. Es gibt zwar "nur" zwei Spiegel, die justiert werden können, im Gegensatz zu drei oder vier wie bei manchen anderen Schiefspieglern. Was sich zunächst als Vorteil anhört, schränkt aber die Zahl an Freiheitsgraden ein. Es gehört zu den weniger offensichtlichen Tatsachen bei schiefen Optiken, dass mehr voneinander unabhängige Einzelspiegel die Justierbarkeit verbessern, und nicht etwa verschlechtern. Insbesonders dann, wenn fertigungsbedingte Abweichungen bei den Spiegelradien und bei der Tubuskonstruktion bei der Justierung korrigiert werden müssen.


    Drittens muss man schon ein eher ausgefuchster Anwender von Optik-Software sein, um einen Herrig korrekt rechnen zu können. Ich kann es nicht. Vielleicht gibt es sehr versierte OSLO Anwender hier im Forum, die dir dabei helfen können. Laut Vladimir Sacek geht das mit der Gratisversion von OSLO nicht. Rhino kenne ich nicht.


    Es gab einmal eine Firma, die Herrig- Teleskope angeboten hat. Vielleicht taucht hin und wieder eines auf dem Gebrauchtmarkt auf. Ich würde dir raten, einen Anwender dieser Teleskope zu finden und möglichst selbst einmal durchzusehen.


    LG,


    Guntram

  • Hallo Guntram ,


    vielen lieben Dank für die ausführliche Antwort!
    Die Nachteile, besonders die der Anzahl an Freiheitsgraden, sind mir durchaus bewusst. Andere Entwürfe, wie Herschel, oder Yolos habe ich bereits simuliert. Alle diese Entwürfe bieten eben auch Nachteile. Mir geht es gerade darum die extremen Grenzfälle der Kompaktheit auszuloten.

    Das mit OSLO ist natürlich sehr schade. Für mein weiteres Vorgehen, könnte es für das Herrig bereits der Nagel im Sarge sein. Schon alleine, weil ich es über die Gratisversion in diesem Fall vermutlich nicht hinaus schaffen werde. :(


    Wenn ich das Forum richtig durchforstet habe, hattest/hast du ein solches Herrig, richtig? Würdest du aus der Erfahrung/dem Gefühl heraus sagen, dass kleinere Öffnungen und kleinere Brennweite (vielleicht gleichmäßig runter skaliert, also bei insgesamt gleichem Öffnungsverhältnis) auch noch brauchbare Anwendungen liefern könnte? Aus dem Diskurs mit Emil 1 schien hervorzugehen, dass die Bauform einen Vorteil gegen Streulicht biete? Bei kleinerer Brennweite würde der sich nach meinem (begrenzten) Verständnis ja erledigen.

    Viele Grüße!

  • Hallo Vancedin.


    Nein, ich habe keinen Herrig gebaut, sondern, unter anderem, einen 200mm f/12 Tetra-Schiefspiegler. Er hat ein ebenes, gut korrigiertes Bildfeld ohne Bildfeldneigung. Die Spiegel sind Kugelspiegel, und lassen sich einfach herstellen und prüfen.


    Viele Grüße,

    Guntram

  • Quote

    "oder Yolos habe ich bereits simuliert. Alle diese Entwürfe bieten eben auch Nachteile..."

    Hallo Vancedin


    Es gibt ja kein Teleskop ohne Nachteile. Mich würde als Yolo Erbauer interessieren, was für Nachteile ein Yolo gegenüber Deinem geplanten Herrig hätte.


    Ich kenne den Herrig nur mit drei Spiegeln, wie er auch kommerziell angeboten wird oder wurde. Wie wäre Dein Design mit deren zwei? Was sind die Daten wie Öffnung, Öffnungsverhältnis, Spiegel Durchmesser, Abstände, zu erwartendes Gewicht usw. Würdest Du ihn vor allem visuell einsetzen wollen?


    Gruß, Beat

  • Nachtrag: Habe den Wolter Design im Kopf gehabt, nicht den Herrig. Letzterer scheint auch mir kaum realisierbar, dürfte auch schwer werden. Das Prinzip des Wolter ist sehr ähnlich, scheint mir.


    Der Wolter sollte mit dem Sasian TCT Ray Tracing Programm einfach zu rechnen sein.


    Beat

  • Da bietet Rhino sogar Algorithmen mit denen man die Linsen optimieren kann.

    Wie weit gehen die? Ich kenne Rhino nur vom Namen, arbeite diesbezüglich mit C4D. Ich bin da sketisch, ob man damit alles Relevante genau genug simulieren kann, was für eine Refraktor-Entwicklung nötig ist. Auch bei Spiegeln ist das nicht so gaz einfach.


    Von meiner beruflichen Tätigkeit kenne ich einige professionelle Optik-Entwicklungsprogramme und die kommen der Realität schon nicht in allen Punkten beliebig nahe. Selbst die Eigenentwicklungen und erweiterten Formeln der Spezialisten, welche sie im MATLAB haben, um Sondereffekte abzubilden, reichen nicht aus, um ein System völlig ohne Tests und Optimierungen zu berechnen.


    Da solche 3D-Renderprogramme meist auf Timing optimiert sind, rechnen sie nur mit repräsentativen Strahlen und vereinfachten Modellen, können aber keine mehrdimensionalen Strahlengänge abbilden, besonders nicht spektral genau. Daher fällt z.B. IR und UV regelmäßig unter den Tisch. Auch die diffusen Streuungen, Huygensbeugung und Brewsterreflexion werden da nicht order nur unzureichend abgebildet. Das betrifft besonders die Wirkung der dünnen optischen Schichten, deren Qualität stark an die jeweiligen Materialien und die Fertigungsprozesse gekoppelt sind, die wiederum von den Beschichtungsanlagen abhängig sind. Da widerum hat jeder sein Geheimrezept, wie er die Anlagen für den jeweiligen Anwendungsfall fährt, also Temperatur- und Sputerkurven einstellt. Ich war mal für so einen Anlagenhersteller tätig und habe das sputtering optimiert. Da kamen dann Testergebnisse von den Herstellern zurück, wenn z.B. Brillengläser beschichtet wurden. Da kam schon bei den Werkseinstellungen bei Essilor was anderes raus, als beim Rodenstock - obwohl sie mit einer identischen Anlagenlinie arbeiteten.

  • BeatK Hallo Beat!
    Ja, das ist mir auch sehr schnell bereits gedämmert. Aber das Yolo ist, speziell für diesen einen Fall, an dem ich arbeite, nicht kompakt genug. Der Sonderfall des Herrig Tetras mit zwei Spiegeln ist deshalb so interessant, weil er mit zwei Spiegeln viermal den Strahlengang faltet. Er ist in dem o.g. Beispiel auch aufgezeichnet. Dort allerdings mit einer hohen Brennweite. Ich versuche etwas ähnliches mit einer niedrigeren Brennweite zu simulieren. Das hat dann natürlich auch wieder viele andere Nachteile, dessen bin ich mir bewusst.
    Wenn ich das Forum so lese, dann hat aber Jede:r hier so seine eigenen speziellen Vorlieben und das ist vielleicht auch sehr gut so :grinning_face_with_sweat:

    Das Sasian werde ich mir am Wochenende mal angucken, vielen Dank!


    engineer Hallo Jürgen!
    Sind sie definitiv nicht! :grinning_face: Also zumindest für Reflektionen kann ich jetzt mit absoluter Sicherheit sagen, dass sie das nicht sind, denn parallel laufende Strahlen brechen dort, auch wenn sie nur in zwei Achsen des euklidischen Raums reflektiert werden, in die dritte ein. Das habe ich jetzt lange und breit ausprobiert und versucht durch immer mehr Datenpunkte zu kompensieren, es funktioniert leider nur, wenn man sehr genaue Formeln hinterlegt. Bei Paraboloiden zum Beispiel, kann ich die Formel der zugrundeliegenden Parabel einsetzen und erhalte sehr genaue (oder ziemlich genaue) Ergebnisse. Über die optischen Eigenschaften ist damit aber absolut nichts gesagt. Die Bauform alleine kann damit annähernd erfasst werden.
    Andere Geschichte bei sphärischen Spiegeln, gerade, wenn sie hohe Radien haben. Die Software vereinfacht bei so großen Abständen zwischen den Datenpunkten sehr stark, was ein Kreis eigentlich ist, sodass ich eigentlich auf einem sehr kleinteiligen Polygon spiegle. Das führt zu Abweichungen von wenigen zehntel Grad, was aber natürlich nicht mehr ausreicht, um die Bauform korrekt zu bestimmen. Gerade schaufle ich mir genug Mathematik in den Hirnkasten um das mittels einer Formel zu umgehen. Wenn ich da weiter bin, kann ich gerne berichten.


    Was die Refraktoren betrifft, baut die Software auf real gemessenen Werten für echte Materialien auf. (Einiges an Coding ist erforderlich um sie dazu zu bringen.) Das scheint, so man es denn Prüfen und beobachten kann, ziemlich gut zu funktionieren. Eine Linse aufgrund der Daten zu gießen/schleifen, würde ich ausdrücklich nicht empfehlen! Allerdings reicht die Annäherung um mögliche Länge oder oder Breite des fertigen Produkts genau genug zu bestimmen. Um vielleicht mal einen Eindruck davon zu geben, hier zwei lobenswerte Annäherungen, die ich bei meiner Recherche studiert habe:

    https://blenderartists.org/t/v…d-blender-luxcore/1213126

    (Das ist allerdings eher ein Mensch mit Hintergrund "Artist", die zusätzlichen Inhalte im Kommentarbereich sind auch sehenswert)


    Simulation of European Extremely Large Telescope ("ELT")
    Hello here is the script, it is very simple but uses only SURFACES.Mirror is done using equation that make curve that is revolved. and provide some lines.…
    discourse.mcneel.com

    (Ich hoffe das Forum ist auch ohne Login einsehbar)

    Mit deiner Erfahrung, kannst du vielleicht eine Software empfehlen, die den Strahlengang und seine räumliche Auslegung gut beschreiben kann? Inzwischen wäre ich wohl auch bereit Geld dafür auszugeben, so lange es im Rahmen bliebe.

    Viele Grüße!

  • Naja die üblichen Verdächtigen 3D-Optics, Lumerical/Ansys aber auch COMSOL z.B. - je nach Anwendungsfall, ob es ein Kamerahersteller ist oder auch ein Linsenhersteller (oder beides) - bzw ein Kameraanwender. Letztere nehmen in der Tat vermehrt Renderer mit gfs plugins. Momentan bin ich im Bereich Laser aktiv, ist auch nochmal was anderes.


    Was Preise angeht, bin ich überfragt. Da muss ich mal bei den Optikkollegen fragen, was es da Erschwingliches gibt.

    Ich fürchte aber, dass es da nur günstige Paketpreise für Unis geben wird.

  • Hallo VG


    Ich habe eine Datei vom Herrig (und Wolter) gefunden, welche ins TCT Programm eingelesen werden kann. Du findest sie unter:

    The Herrig Telescope


    Das hat mir die Arbeit deutlich erleichtert! Die unter Deinem Link angegebenen Werte und auch die Werte, die Wolter in seinem Artikel in "Best of ATM Journal" 2003 angegeben hat, sind undurchsichtig bis falsch. Jedenfalls habe ich keine vernünftige Teleskopoptik damit erhalten.


    Du musst, wenn nicht schon gemacht, das Sasian Programm runterladen und die Dateien "Example1" und "Example2" einfügen. Das Programm enthält andere Beispiele und auch die unentbehrliche Anleitung. Du findest alles unter derselben obg. Adresse. Wenn es unklar ist, melde Dich (natürlich auch wenn es klar wird...)


    Gruß, Beat

  • Nachtrag:


    Das Sasian Programm läuft nur auf DOS. Man braucht einen alten Computer (das geht auch wenn die Batterien nichts mehr taugen).


    Alternative dürfte "winspot" sein, welches auf Windows läuft. Ich arbeite damit nicht, weil das Sasian Programm eine Optimierungs Routine hat, welche winspot nicht beinhaltet. Diese kann beim Herrig mit Doppelreflexionen sowieso nicht angewandt werden. Also gebe ich mal die Daten des Herrig Designs aus dem Sasian Programm durch, damit sie in ein anderes Programm eingelesen werden können ("pointspread" dürfte auch gehen).


    SPECIFICATIONS FOR Herrig SYSTEM

    F/number 11.52

    Aperture 200.00 mm

    Focal length 2304.84 mm

    Image diameter 20.11 mm

    Field of view 0.50 degrees


    DATA:

    Units are mm, degrees, and waves for coma and line coma

    Mirror: R-sag, Spacing, Tilt angle, Conic constant, R-tan, Coma, Line coma

    1 +16200.002 -1086.220 +8.00 +0.00 +16200.002 +0.00 +0.00

    2 +5140.001 +1076.990 -2.76 +0.00 +5140.000 +0.00 +0.00

    3 +16200.002 -1083.160 -2.11 +0.00 +16200.002 +0.00 +0.00

    4 +5140.001 +1271.024 +6.09 +0.00 +5140.001 +0.00 +0.00


    Die residuelle sphärische Aberration kann durch Lokalisierung des "best focus" minimiert werden. Den Strehl rechne ich bei meinen Yolos jeweils in "pointspread".


    Dürfte ein spannendes Experiment sein, so ein System zu realisieren. Mir scheint das durchaus machbar. Den notwendigen konkaven sphärischen Hilfsspiegel für den konvexen Primäspiegel wird man aus dem "Schleiftool" machen und dann für die Fizeau Interferometrie benutzen. Der lange Krümmunsradius verlangt das Testen in einer Halle oder in einem abschirmenden/isolierenden Tunnel evtl. im Freien.


    Gruss, Beat

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