Eine versteckte Karte des unsichtbaren magnetischen Universums

  • Astronomen haben eine neue Methode zur Untersuchung von Galaxiengruppen gefunden. Diese neue Technik hilft uns, neue Informationen über Galaxienhaufen zu erhalten, die wir bisher nicht kannten. Erinnerst du dich an die Jets aus hochenergetischen Teilchen, die ein Schwarzes Loch aus dem Zentrum einer Galaxie "spuckt"? Nun, sie enthüllen eine Art "Landkarte" der unsichtbaren Magnetfelder zwischen Galaxiengruppen. Dies gilt vor allem für Jets, die aus dem massereichen Schwarzen Loch der hellsten Galaxie eines bestimmten Haufens kommen.


    Galaxienhaufen bestehen im Grunde aus Dunkler Materie (die man nur "sehen" kann, wenn Licht an ihr vorbeifliegt) und heißem Plasma (ein Gas, das so heiß ist, dass Atome "auseinanderbröseln").

    Wenn Galaxienhaufen miteinander und mit der umgebenden Materie zusammenstoßen, erzeugen sie sogenannte Bugstoßwellen, die eine Bewegung des Plasmas um diese Haufen herum verursachen. Diese Bewegung beeinflusst die verborgenen Magnetfelder und erzeugt um die Galaxien dieses Haufens "magnetische Wände". Diese "Wände" sind sehr schwer zu entdecken, und bis jetzt mussten die Astronomen darauf warten, dass etwas mit ihnen zusammenstößt, damit sie über diesen Umweg Beobachtungen der magnetischen Wände machen konnten.


    Das Bild links zeigt die von MRC 0600-399 ausgesandten Jets, wie sie vom Radioteleskop MeerKAT beobachtet wurden. Rechts sehen wir eine Simulation auf dem Supercomputer ATERUI II, die das Phänomen reproduziert. Bildnachweis: Chibueze, Sakemi, Ohmura et al. (MeerKAT-Bild); Takumi Ohmura, Mami Machida, Hirotaka Nakayama, 4D2U-Projekt, NAOJ (ATERUI II-Bild)

    Da diese Wechselwirkungen wirklich schwer zu sehen sind, ist das Verständnis dieser Magnetfelder eine schwierige Angelegenheit. Aber jetzt, da uns die hochenergetischen Jets aus den Schwarzen Löchern quasi Magnefeldkarten liefern, könnte die Aufgabe ein wenig einfacher sein. Ein Team von Astronomen, das mit dem MeerKAT-Radioteleskop in der Karoo-Wüste in Südafrika arbeitet, beobachtete eine helle Galaxie, MRC 0600-399, innerhalb des Sternhaufens Abell 3376 (der mehr als 600 Millionen Lichtjahre von uns entfernt ist). Sie sahen, wie ihr zentrales Schwarzes Loch Jets auf eine sehr ungewöhnliche Weise "ausspuckte": in der Horizontalen, als ob es sich hinlegen würde. Diese Jets trafen auf die sie umgebende magnetische Wand, genau wie ein Wasserstrahl aus einem Schlauch, der auf ein Glasfenster trifft. Diese gut sichtbare und interessante Wechselwirkung gibt den Wissenschaftlern Hinweise darauf, wie sich Magnetfelder zwischen Galaxien in einem Haufen verhalten. Ist das nicht erstaunlich?


    Fun Fact: Das Zusammenstoßen des Plasmas, das magnetische Wände erzeugt, wird in der Astronomie "Bugstoßwellen" oder "Bugschocks" genannt. Der Effekt ähnelt dem gekrümmten Wasserrücken, den wir zum Beispiel vor einem sich schnell bewegenden Boot sehen können, wenn es auf dem Ozean vorwärts gleitet (so genannte "Bugwellen"). Bugstoßwellen treten überall im Universum auf, nicht nur in der Nähe von Galaxienhaufen. Wenn sich schnell bewegender Sonnenwind auf die Magnetosphäre unserer Erde trifft, entstehen beispielsweise Bugstoßwellen.


    Die deutschsprachigen Space Scoops werden vom Universe-Awareness-Team am Haus der Astronomie in Heidelberg erstellt. Den Originalbeitrag gibt es unter http://www.spacescoop.org/de/s…-magnetischen-universums/

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