130 mm Fangspiegel Dicke, Herstellung, Lagerung

  • Hallo Leute,


    für meinen http://"[url"]600 mm f/3,3[/url]600 mm f/3,3 in klassischer 90° Auslenkung brauche ich einen elliptischen Fangspiegel mit 130 mm kleiner Achse und 184 mm großer Achse.


    Welche Dicke würdet ihr empfehlen? Kommerzielle Spiegel in guter Qualität werden ja ziemlich dick gemacht. Bei 20 mm Dicke würde er 800 g wiegen. Ich tendiere zu 16-18 mm Dicke. Was sagt ihr?


    Wie befestigen? Statt der 3 Punkt Silikonklebung habe ich mir eine 6 Punkt Silikonklebung ausgedacht. Was haltet ihr davon? Gibt es das schon irgendwo realisiert?



    Es sind 3 Balken aus Carbon Vierkant an deren Enden der Spiegel mit Silikonblobs geklebt ist. Der Balken ist seinerseits in der Mitte mit wieder einem Silikonblob an eine Carbonplatte geklebt, sodass sich eine Art schwimmende Lagerung ergibt. Carbon würde ich wegen der geringen Wärmeausdehnung wählen.


    Wie herstellen?
    Einfacher ist es natürlich, runde Scheiben plan zu schleifen und zu polieren. Der Rand braucht nicht perfekt zu werden, da er ohnehin nach Fertigstellung weggeschnitten wird. Aber wie schneidet man sie unfallfrei im 45° Winkel diagonal aus? Ich kenne die Methode mit eingießen in Gips und trepanieren, aber dazu brauche ich ein dünnwandiges Stahlrohr im passenden Durchmesser und eine fette Bohrmaschine. Norbert zeigt hier, wie es sehr elegant in Handarbeit geht:
    http://www.astrotreff.de/topic…HIVE=true&TOPIC_ID=121370


    Ich kann jedoch wahrscheinlich auch fertig geschnittene elliptische Scheiben bekommen. Das ist sicher schwieriger astifrei zu polieren und der Rand muss gut werden.


    Wer hat welche Methode schon gemacht? Welche würdet ihr bevorzugen?

  • Hallo Stathis.


    Ich habe einmal, vor etwa zehn Jahren, einen 85mm Quartärspiegel für meinen 200er Schiefspiegler gemacht. Von Hand ausgesägt aus 6mm Fensterglas. R=6000mm. Aufgrund der primitiven Sägetechnik geriet die Scheibe ein wenig oval. Machte nicht viel, weil ohnehin überdimensioniert. Beim Polieren und den ersten Ronchitests beulten die Linien dort, wo die Form am stärksten von der Kreisform abwich, ordentlich aus.
    Als ich die Situation mit Alois besprach, lächelte er verschmitzt und erklärte, dass es bei nicht kreisförmigen Substraten zu deutlichen Abweichungen kommt. Ich kann mich an die Details beim besten Willen nicht mehr erinnern. Ich hatte keine Lust auf Extratouren bei so einem öden kleinen sphärischen Spiegel, und sägte einen neuen Rohling aus, der genauer kreisförmig war. Die Herstellung lief dann unproblematisch.


    Offenbar neigen elliptische Flächen dazu, eine Form anzunehmen, die einem Toroid ähnelt. Mike Lockwood hat offenbar einen solchen, recht großen, Fangspiegel gezähmt:
    http://www.loptics.com/ATM/mir…our_flats/four_flats.html
    Runterscrollen bis "Refiguring a 5.5" minor-axis secondary mirror". Überhaupt ein guter Artikel.


    Ich habe versucht, aus den Fotos die Dicke dieses Fangspiegels abzuschätzen, und komme auf eine Dicke von etwa 22-23mm. Also auch nicht gerade extrem dünn.


    Deine 6-Punkt-Lagerung macht einen durchdachten Eindruck. Vom Gefühl her spricht nichts dagegen. Genaues kann ich aber nicht sagen.


    Meine 2 Eurcocent: Sphärische Rohlinge, und aussägen. So wie Norbert.
    Wie dick? 18mm. 15mm, wenn du mutig bist. Du könntest drei 18er Scheiben nehmen, für die 3-Scheiben-Methode, und noch eine 15er mitlaufen lassen, so nach dem Motto: Wenn die 15er gut wird, ok, sonst habe ich immer noch die 18er in Reserve.


    Viele Grüße,


    Guntram

  • Hallo Stathis,


    mit PLOP mal eine 184mm / 16mm Rundscheibe simulieren. Wenn da 3 Punkte ausreichen, dann wird es bei dem etwas kleineren elliptischen
    Fangspiegel bestimmt auch ausreichen.


    Ob diese Balken so gut sind, bin ich mir unsicher. Die müssen hier ja auch dann die laterale Gewichtskomponenten des Fangspiegels aufnehmen, beim Blick zum Horizont. Da wir doch dann ein Drehmoment
    eingeleitet. Vermute, dass dadurch die Vorteile der 6 Punkte ins Gegenteil verkehrt werden.
    Vielleicht könntest Du den Balken auf 9 Uhr in Deiner Zeichnung um 90 Grad drehen, und die anderen hierzu parallel ausrichten, oder diese durch einen Punkt ersetzten (4 Punkt-Lagerung). Das Drehmoment beim Blick zum Horizont wäre dann wohl weg, wenn die Balken beim Blick zum Horizont parallel zum Horizont verlaufen.


    Viele Grüße
    Gerhard

  • Hallo Stathis,


    ich bin was Lagerung anbelangt kein Experte, aber der Hauptspiegel drückt doch permanent auf das Lager, während am Fangspiegel permanent Zugkräfte wirken. Bei einem elliptischer Form sind diese dann auch noch nicht gleichmäßig verteilt wie bei rotationssymetrischen HS. Braucht man da tatsächlich Wippen?


    Was die Dicke anbelangt: Bei meinem 7" Projekt hatte ich keine Wahl und musste die 21mm nehmen. Diese würde ich Dir auch für Deinen 6" empfehlen. Vielleicht können sich hier die Experten mit den großen Eimern melden? Oder Nach Guntrams Tipp: 18mm, 15mm und 21mm [:D]


    Was die Schleiferei anbelangt: Ich halte es wie Guntram bzw. Alois. Nie und nimmer würde ich mir so etwas antun. Es ist ja schon schwierig genug Fehler in einer Runden Glasplatte auszumerzen, aber bei einer Ellipse?[8][?] Würdest du Deine elliptischen Spiegel schon geschliffen bekommen, oder müsste das zusätzlich bewerkstelligt werden?


    Was mein Projekt anbelangt: Es wird höchstwahrscheinlich auch aufs herausschneiden rauslaufen. Der Rand ist sehr problematisch.
    Ich wünsch Dir bei Deinem projekt auf jeden Fall mehr Erfolg wie bei mir [;)]
    Grüße, Matze

  • Hallo zusammen,


    wegen der Lagerung: Ich bin stillschweigend davon ausgegangen, dass es auch noch eine seitliche Lagerung geben wird. Zum Beispiel mit zwei oder drei Winkeln, die auf die Carbonplatte geschraubt sind, und den FS mittig abstützen. So halte ich es auch mit dem 130x15 mm Sekundärspiegel an meinem 200er. An drei Punkten an der Rückseite angeklebt, und am Rand an drei Punkten auf silikongefütterten Winkeln abgestützt. Funktioniert seit zehn Jahren klaglos.
    Hier gezeigt an einem 110mm Spiegel:




    Viele Grüße,
    Guntram

  • Stathis,
    die typische 70%-Zone lt. Plop für die primäre Lagerung eines kreisrunden Spiegels sagt doch nichts anderes, als das außerhalb genau so viel Masse liegt wie innerhalb, bei ungefähr doppelter Wegstrecke zwischen den Punkten wie zum freischwebenden Rand. Da könnte ich mir vorstellen, dass ein Balken (längs in der Ellipse) schon ausreichen könnte, während man bei den beiden anderen Klebepunkten ohne Balken auskommt. Und ich stell mir vor, dass der Balken auch nicht mittig balanciert, sondern anteilig zum Masseanteil, den er halten soll. Vereinfachungen der Rotationssymmetrie greifen bei einer Ellipse leider nicht. Die hat aufgrund der schrägen Anschnitte als Körper nur eine Spiegelsymmtrieachse längs.


    Mein Fazit: Wenn man es nicht genau (numerisch) rechnet, könnten Balken kontraproduktiv sein. Bin aber kein Statiker.

  • Hallo Stathis,


    Du könntest den Fangspiegel auch kreisrund einbauen. Der Unterschied zur Ellipse ist nicht gravierend:Der Flächenunterschied wäre dann 184/130 also 41% mehr Fangspiegelfläche im Strahlengang.Umgerechnet entspräche das einem 15cm Spiegelchen statt einem 13cm. Also 25% Obstruktion statt 22%. Who cares?


    Die Lagerung wie du sie vorschlägst wäre dann in Ordnung und vor allem würde der Spiegel genauer. Das nachträgliche Aussägen bringt ihn unter Umständen in ein anderes Spannungsgleichgewicht mit einer leicht veränderten Kurve als Folge.
    Das Eingipsen oder Abflexen wäre mir ein Graus.


    Gruss Emil

  • Hallo,


    man kann auch mit elliptischen Flächen arbeiten. Man sollte dann aber mit "Opferkörpern" eine quasi rotationsymetrische Bearbeitungsfläche erzeugen. Das hat auch noch den Vorteil, dass man sich kaum um Randfehler kümmern braucht, denn die sitzen ja dann auf den Opferkörpern.
    Das schon etwas ältere Bild zeigt mehrere FS-Rohlinge aus Borofloat verschiedener Größe, aber gleicher Dicke, die ich per Punktkittung auf einen Tragkörper, auch eine Borofloatscheibe (wegen der dann gleichen Ausdehnung) aufgekittet habe. Leider habe ich hier als Kitt Gelbpech genommen. Der hat sich dann irgendwann gelöst und ich konnte noch mal anfangen. Mit C-Kitt gehts aber gut und auch die Kittung wird damit besser.


    MfG Thomas (VdS Mat.zentr.)

  • Hallo Stathis,


    bei nachträglichen Ausschneiden tendiert die dünner werdende Seite der Ellipse zum Runterhängen (nach der Operation).
    Unschöne Ausplatzer bis Schrottung sind nicht auszuschließen.[B)]
    Ich bevorzuge zuerst alle groben Arbeiten zu tun, bevor man die Politur anfängt. Dazu gehört auch das Ausschneiden.
    Wer am Parabolspiegel den Rand ordentlich hinbekommt, hat auch an der Ellipse keine Probleme. [;)]
    Das geht alles auch ohne Aufkitten oder 3 Scheiben Methode.
    Wegen der Klebestellen würde ich den FS wahrscheinlich aus 21mm dickem Material machen.
    Für meinen kurzen 14er habe ich einen FS mit 89mm kleiner Achse gefertigt, der ist 12mm dick, mit 3 Silikonblobs aufgeklebt und macht keine Probleme. Er ist aus Zerodur, also ein bisschen steifer als Borosilikat.
    Vermutlich sind auch 15mm Dicke ausreichend. Ein bisschen mehr thermische Masse bei einem dickeren FS kann nicht schaden, dann taut er nicht so schnell zu. Also warum sich wegen ein paar Gramm mehr geißeln, wenn man es einfacher haben kann.[:D]


    VG Jörg

  • Hallo Stathis,


    ich verfolge dein Projekt interessiert, da ich ein ähnliches Problem habe, nur nicht ganz so groß. Bin gespannt, wie du es löst...


    Was die Halterung betrifft, so wären mir die drei Silikonplopps für 800g FS viel zu unsicher. Da hätte ich Angst, dass der mal ungeplant mit 9,81m/s^2 Richtung HS beschleunigt. An solchen Einschlägen sind schon ganze Dinosaurierpopulationen ausgestorben... ;-)


    Was spricht bei so einem dicken Spiegel dagegen, bei halber Dicke seitlich an drei Stellen eine kleine Nut einzufräsen, wo dann Halteklammern eingreifen, die den Spiegel sicher halten können? Nur mal so eine Idee, welche auch keine Beugungserscheinungen durch in den FS hineinragende Halteklammern erzeugen...


    Übrigens, kann es sein, dass die Fase des Spiegels in deiner Zeichnung auf der falschen Seite ist?


    Grüße Markus

  • Vielen Dank für die zahlreichen Antworten.


    Ich tendiere zur Zeit zu 18-20 mm Dicke + einen 15 mm dicken zur Probe, klassische 3 Punkt Silikonklebung und schleifen und polieren direkt auf elliptischen Rohlingen wie Jörg vorschlägt. Nachträgliches trepanieren würde sicher auch gehen, das wäre Plan B falls ich mit den Ellipsen scheitern sollte.


    Den fertigen Spiegel kann ich ja abschließend in der Halterung vermessen und schauen, wie viel er sich deformiert.


    (==>)Guntram:
    Laterale Klebung zusätzlich zu der auf der Rückseite ist statisch überbestimmt. Da habe ich Sorge, dass der Spiegel nicht mehr weiß, welche Klebung ihn halten soll und sich verspannt. Es wundert mich sogar etwas, dass es bei dir funktioniert.


    (==>)Gerhard:
    Ein runder 184x16 mm Spiegel mit 3 Punkt Lagerung ergibt in PLOP (ohne Refocus Error Calculation) RMS= 7,6 nm, bei 184x20 mm kommt RMS= 5 nm heraus. Das sind akzeptable Werte, die Rechnung ist jedoch so nicht zulässig. PLOPP rechnet ja nur für den reibungsfreien nicht geklebten Fall in Zenitstellung. Bei der Klebung auf der Rückseite tritt ein Biegemoment auf. Der Hebel ist der Abstand des Spiegelschwerpunktes von der Klebung an der Rückseite.


    (==>)Emil:
    Den Spiegel rund lassen kommt schon allein aus ästhetischen Gründen nicht in Frage. Wie sieht den das aus: Beim außerfokalen Sterntest eine ovale Obstruktion.


    (==>)Markus:
    Zusätzlich zur Silikonklebung bringe ich immer eine Sicherheitsleine an. Da müssten schon 2 unabhängige Sicherungen gleichzeitig versagen. Das Risiko trage ich.


    Ein runder 184x20 mm gelagert an 3 Punkten am Rand verbiegt in Zenitstellung laut PLOP zu RMS=19 nm. Auch wenn ein elliptischer in nicht Zenitlage, sich weniger verbiegt, erscheint mir das zu viel. Da müsste man noch weit dickeres Gras wählen, so wie die Profis sie anbieten.

  • Hallo Stathis.


    Meine Spiegel sind am Rand nicht verklebt, sondern nur auf der Rückseite. Sie liegen am Rand nur auf. Das ist offenbar nicht richtig rübergekommen.


    Gruß,
    Guntram

  • Hallo Stathis,


    Von wegen des ovalen Obstruktionsscheibchens: Nur noch extrafokal Sternscheibchen anschauen könnte Zukunft haben, wenn die Lichtverschmutzung weiter rasant zunimmt.


    Gruss Emil

  • hallo Stathis,
    bei der Wippenlagerung hätte ich Bedenken , ob die ausreichend steif ausführbar ist.
    Bei f 3,3 sollte die Justage ja schon passen und beim schwenken von Horizont zu Zenit auch halten, wobei du das vorher testen könntest indem du den Rohling in gewünschter Weise einbaust - verspiegelt muss er bei 45 Grad nicht sein , der Laserpunkt wäre auch so zu erkennen.
    Viel Spaß beim Basteln wünscht Alex

  • Hallo Stathis , Alex



    Eine gute Konstruktion wenn man die obstruierende Fläche nicht unötig vergrößern will . Gefällt mir .


    Bei Bedarf kann man die Biegesteifigkeit der Wippen noch stark verbessern auch ohne den Abstand Carbonplatte - FS zu vergrößern indem man die Siliconblops "versenkt" .
    Wenn man den zwischen den Blops am FS einen zweiten 4x15mm Balken aufklebt ergibt sich die 8 fache Steifigkeit .
    Versenkt man den D = 15mm Blop mit einer flachen Senkung von ca. D = 20mm in der Carbonplatte bleibt die Funktion (kippen) erhalten ohne das der Abstand (nennenswert) größer wird .


    Viele Grüße Rainer

  • Hallo Stathis,


    von wegen der Lagerung hab ich mal ein wenig experimentiert. Z.Z. Sitz ich am 6 Zoll. Der ist zwar noch nicht auspoliert, aber ich hab zumindest mal eine hinreichend saubere Sphäre reinpoliert um das Messinstrumentarium drauf los zu lassen.


    Normal stell ich den Spiegel einfach so hin dass er nicht wegrollt. Sorry, ich hab nicht spitz bekommen wie ich die Bilder drehen kann.[:I]


    Das ergab diese Kurve:


    Danach hab ich den Spiegel aufgeklebt. Frei nach Plop:


    Und auch noch etwas schief gestellt um zumindest näherungsweise den späteren Einsatz zu simulieren.


    Das Messen ist so zwar etwas doof weil einem die Messgeräte vom Tisch zu rutschen drohen, aber ein paar I-gramme hab ich hinbekommen. Mit diesem Ergebnis:



    Es ist zwar nicht exakt dasselbe, aber ich bin entspannt wenn ich das sehe. Differenzen sind da wohl den Aufnahmebedingungen geschuldet. Der wird später schlicht und einfach drei Silikonpunkte bekommen und gut is.
    Der Spiegel hat nebenbei eine Randdicke von 21mm und ein Gewicht von über 825g.



    Vielleicht hilft dir das etwas.


    Viele Grüße
    Kay

  • Hallo Kay,


    lustig...ich hatte gestern mit Stathis telefoniert und ihm
    meine Meinung gesagt zur Lagerung des 130er Fangspiegels. Nämlich dass ich es genau so machen würde, wie DU es jetzt vorgeschlagen hast, also
    der reine Standard. Denn bei mir funktioniert es seit Jahren perfekt, ohne laterale Halterungen. Ausschließlich mit drei Silikonmünzen unter dem Fangspiegel. Ich wollte ebenfalls ein paar Testinterferogramme machen, um das ganze zu untermauern, aber du bist mir jetzt zuvorgekommen. DANKE! [:D]


    cs,


    Alfredo :-)

  • Hallo Kay,


    vielen Dank für deine Analyse, sehr interessant.
    Ich überlege, inwieweit man das für einen Fangspiegel übertragen kann.
    Beim Planspiegel muss man zunächst in PLOP ohne Refocus Error Calculation rechnen. Damit landet der optimale relative Radius für die 3 Auflager bei 0,64 statt 0,42, die Klebepunkte müssten entsprechend weiter außen angebracht werden.


    Hast du bei der Auswertung Coma deaktiviert? Das muss meiner Ansicht nach aktiviert bleiben, weil du ja die absolute Deformation ohne neu zu justieren wissen willst. Ich frage, weil ich im geklebten Fall hautsächlich Asti sehe. Durch die Klebung an der Rückseite wird ja ein Biegemoment eingeleitet, das müsste sich eigentlich auch in Coma äußern. Wenn das so ist, kannst du bitte noch mal inclusiv Coma rechnen?


    Laut deinen Auswertungen führt die Klebung einen Strehlverlust von 4% ein. Kann an das so sagen? Das wäre für mich kein dramatischer, aber doch schon ein erwähnenswerter Effekt, den ich gerne verkleinern würde wollen.

  • Hallo Stathis,


    der Strehl hängt ja maßgeblich von der Qualität der I-gramme ab. Den sollte man also nicht auf die Goldwaage legen. Die Aufnahmeserien waren jetzt nicht hochpräzise. Tendenziell hatte der Spiegel zu diesem Zeitpunkt aber zwischen 90 und 95%. Wenn ich den Asti ausschalte sogar noch höher.


    Mir ging es bei dem Versuch erst mal nur darum ob da was zerrt oder drückt. Und das scheint mir nicht der Fall zu sein. Ich war da durchaus skeptisch, zumal der Spiegel später fotografisch genutzt werden soll. Will mir andererseits aber auch keine großen Gedanken über komplizierte Lagerung machen.


    Hier nochmal neu eingelesene I-gramme. Alles leicht geglättet und etwas vom Rand abgeknabbert, wie bei den ersten Auswertungen auch.


    Spiegel stehend mit und ohne Coma:



    Spiegel schräg mit und ohne Coma:




    Ich hab bei diesen neuen Auswertungen jetzt weniger und vermutlich auch andere I-gramme aus der jeweiligen Serie genommen. Damit natürlich auch leicht unterschiedliche Ergebnisse bekommen. Coma scheint da aber kein Problem zu sein.



    Vielleicht teste ich das nochmal wenn der Spiegel fertig ist. Mich interessiert da vor allem was ein zentraler Klebepunkt im Fangspiegelschatten für Auswirkungen hat.



    Viel Grüße
    Kay

  • Hallo Alfredo,


    immer gut wenn so was verifizieren kann.
    Praktisch sieht die Sache ja, zumindest nach meinen Erfahrungen, meist sehr viel entspannter aus. Andererseits ist mit Asti im Fangspiegel durchaus schon begegnet. Und zwar dann wenn ich meine Fangspiegelheizung anstelle. Dann hab ich nach kurzer Zeit dreieckige Sterne. [:0]
    Beim ersten mal war ich schon erschrocken, weil keine Ahnung was nun los war. Nach 10 Minuten abkühlen war aber alles wieder glatt. Halt ein bissel viel Strom auf die Heizelemente gegeben.[8D]


    Viele Grüße
    Kay

  • Hallo,


    Stathis, das mit der Refocus Error Calculation ist genau der Grund, warum ich bei meinem großen Fangspiegel am 24" Dobson die Silikonplops
    weiter auseinander als sonst gesetzt habe, denn im Gegensatz zum Parabolspiegel wirkt sich die zusätzliche Krümmung deutlich negativer aus, wie du richtig erkannt hast. Wie gesagt, Asti ist keiner zu sehen, und ich bin da ziemlich pingelig wie du weißt[:)] Wir können das aber sehr gerne an meiner Sphäre im RC testen wenn du ihn fertig hast. In einem ähnlichen Winkel wie Kay das gemacht hat, dann passt auch dein "Gefühl", falls das Ergebnis zufriedenstellend ist. :-)


    Andererseits: ich verstehe dein Problem jetzt nicht ganz. Ich selbst verbaue wie du weißt, nie einen Spiegel mit interferometrisch gemessenen Strehlwerten unter 0.95 [:D]


    Selbst wenn ich nun 2 oder 3 Strehlpunkte abziehe wegen des Fangspiegels habe ich noch genügend Reserven für ein beugunsbegrenztes Bild (Seeing aussen vor).


    Du selbst gibst dich ja mit deutlich kleineren Strehlwerten zufrieden bei so großen Spiegeln.


    Warum auf einmal also wegen 2 Strehlpunkten so eine Panik? [:D]


    cs,


    Alfredo :-)

  • Kay,


    ich musste schmunzeln, als du das mit der Fangspiegelheizung erzählt hast. Denn genau DAS ist mir vor langer Zeit auch passiert. [:D]
    Ich habe früher auf all meine Fangspiegel Widerstände geklebt um sie elektrisch zu beheizen. Selbst bei kleinen Strömen verziehen sich die Dinger jedoch wirklich immens! Oft sehe ich Super-Duper-was-weiss-ich wie hochstrehlige Dobsons auf den Teleskoptreffen mit Fangspiegeln aus Borofloat. Die dann nachts schön beheizt werden. DAS zieht den Strehl
    aber nicht nur um 2, sondern um zweistellige Prozentpunkte runter, und das sieht man auch im Fokus.


    Habe daher mal einen 70mm Fangspiegel aus Pyrex mit aufgeklebten Widerständen in Kontakt auf ein hochpräzises Zerodur-Planglas gelegt und von UNTEN mit monochromatischem Natriumlicht beleuchtet um zu sehen, wie sich die eigentlich kerzengeraden Interferenzlinien verziehen. Das Ergebnis war nicht nur ernüchternd, es war BRUTAL [:0] ! Ich glaube, wer das mal LIVE sieht, wie sich die Linien biegen und krümmen, wenn sich die Widerstände erwärmen, der redet dann nicht mehr über Strehl[:D] Also WENN Fangspiegelheizung, dann nur mit Zerodur- oder Quarzfangspiegel :)] Andererseits: lieber mit Strehl 0,5 Sternchen guggen als gar nix durch zugetaute Fangspiegel. Gibt aber auch andere Lösungen...


    Im Vergleich dazu sind die minimalen "Verluste" infolge der möglicherweise nicht ganz optimalen 3-Punkt-Lagerung bei 130mm Fangspiegeln in meinen Augen wirklich "Peanuts". [:)]


    Aber Stathis: rein physikalisch/mathematisch ein durchaus interessantes Problem das mit der FS-Lagerung großer Fangspiegel. Ein ehemaliger Studienkollege arbeitet heutzutage als Chefprüfstatiker. Ich werde ihn mal fragen, ob er mir mit seinem FEM nicht einmal
    sowas rechnen kann. Aber dazu müsstest du mir sagen, WELCHE Art der Lagerung du anwenden möchtest.


    cs,


    Alfredo [:)]

  • <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote"><i>Original erstellt von: Alfredo Segovia</i>
    <br />
    Warum auf einmal also wegen 2 Strehlpunkten so eine Panik? [:D]
    <hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">
    Panik ist sicher übertrieben, aber die Vorstellung 2-4 Stehlpunkte zusätzlich einfach so nur wegen der Lagerung zu verlieren behagt mir nicht, wenn ich es irgendwie vermeiden kann. Bei so einem 60 cm f/3,3 Hauptspiegel muss man sich ja für jeden einzelnen Strehlpunkt richtig anstrengen, da hätte ich gerne wenigstens bei der Haupt- und Fangspiegel Lagerung nicht noch weitere schwereren Verluste.


    Na ja, du hast wohl schon recht: Bei einer solchen Öffnung und mittelmäßigem Seeing muss man schon froh sein, wenn in Summe aller Einflüsse eine "Schwarze Null" übrigbleibt.


    Das wäre natürlich prima, Wenn das jemand rechnen könnte. Meine Tendenz geht zu 130x184x18 mm dick und 3 Punkt Silikonklebung an der ~70% Zone auf Karbonplatte.


    p.s.
    Mein Fangspiegel vom 610 mm f/4,1 Kyklopas ist aus Sital. Da konnte ich heizen wie ich wollte. Bei dem neuen ist mir so ein Substrat viel zu teuer. Verbiegt 1 Watt Heizleistung schon so brutal? Was solls, lieber schlecht gucken als gar nicht gucken (frei nach Anti Lindner).

  • Hallo Stathis,


    Zu deine Frage „Wie herstellen“, hier meine Alternative.
    I habe änlich wie Norbert (http://www.astrotreff.de/topic…HIVE=true&TOPIC_ID=121370) versucht einen Fangspiegel für einen Low-rider (16”F/4.5) her zu stellen (90x113mm). Ich habe angefangen mit eine 155mm Schott borofloat Scheibe, 15mm dick, von einem sehr bekanten lieferanten [:)]. Zuerst habe Ich die Scheibe plan geschliffen und poliert bis rundum 0.1Fringe (Fizeau Aufstellung, Natrium Licht).
    In Gegenstellung zu Norbert habe Ich zuerst eine Schleifscheibe benutzt um die elliptische Form aus zu schleifen (bis auf 2mm). Aufkleben von zwei Selbstkleber mit genaue aufgedruckter Ellips (oben und unten mit den richtigen offset) machen das Schleifen einfach.


    Die raue Form wird dan auf ein Holztool aufgeklebt mit Pattex unter den genauen Winkel und Zentriert.


    Anschliesend Handarbeit mit C80 auf einen Hardstein mit das aufgeklebtes Holtztool (2- Stundige Arbeit) bis es zylindrisch ist, und nacharbeiten bis C400.


    Nachher mit Holzsäge der Spiegel runter sägen und die Holz/Kleberesten vom Spiegel abreissen. Fertig!


    Das Endresultat war für mich ein bischen enttäuschend:


    Fast überall, auch am stumpfen Winkel (rechte Seite in die Bilder) ist die Flachheit noch mehr oder weniger OK, aber an den scharfen Winkel (linke Seite) is die Oberfläche über 1Fringe abgesunken. Spannung im Glass wurde befor und nachher überprüft: keine Spur von Spannung zu erkennen.


    Nicht das Ich Unglück gehabt habe, nein, Ich habe diesen Fehler gemessen weil Ich beim Testen die Referenzscheibe und Fangspiegel vertikal aufgestellt habe mit den Fangspiegel „virtuel auf die Unterseite“. So testet man die ganse Oberfläche. Wenn mann aber den Test horizontal ausführt liegt den Fangspiegel normaler Weise öben auf die Referenzscheibe. In diesem Fall wird die fehlerhafte Zone „abgeschattet“ durch den abgeschliffenen Winkel und sieht man den Fehler nicht.


    Aber vielleicht hast Du das schon vorhergesehen: deine Skitze zeigt jemals kein Winkel an die scharfe Seite.


    Ich bin sehr gespannt nach dein Resultat.
    Viel Glück!


    Gruss,


    Patrick

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