Unterstützung von Astrovereinen durch Gemeinden ?

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  • Hallo allerseits,


    ein Astrokollege aus einem Nachbarland hat mich gefragt, wie in Deutschland üblicherweise Städte und Gemeinden mit Astrovereinen umgehen, die eine Sternwarte betreiben.
    Ihn interessieren besonders die finanziellen Verpflichtungen solch eines Vereines gegenüber der Gemeinde, wenn sich die Sternwarte in einem stadteigenen Gebäude befindet.


    Konkret möchte er wissen:
    >> Gibt es Sternwarten in Besitz von Stadt/Land/Gemeinden etc. die gegenüber einem gemeinnützigen Astronomieverein Ansprüche in Punkto Erhaltung und Abgaben stellen?
    Oder ist es eher die Regel, dass Astronomievereine von der öffentlichen Hand unterstützt werden ? <<


    Anlass sind laufende Vertragsverhandlungen seines Vereines mit der zuständigen Gemeinde.


    Es wäre schön, wenn hier ein paar Beispiele zusammenkämen, die für seine Verhandlung hilfreich sind.


    (ich hoffe, ich habe das richtige Unterforum gewählt, ansonsten bitte verschieben)


    Vielen Dank,
    Martin Cibulski

  • Servus,


    ich kann dazu leider nicht viel sagen, ausser dass ich versuchen würde mich so unabhängig von der Gemeinde aufzustellen wie irgendwie geht.
    Klar gibt es monatliche Zuschüsse, die sind aber meines Erachtens den Nutzen nicht wert.


    Im Falles unseres Vereins ist es so, dass uns Gebäude und Grundstück gehören und wir als Freizeitangebot der Gemeinde von Rathaus und Touristikamt geschätzt werden. Wenn ihr soweit seit, dann könnt ihr die Hand aufhalten und es kommt vermutlich deutlich mehr, als irgendein monatlicher Obulus.
    Ich würde also eher nach privaten Sponsoren ausschau halten. Es bieten sich da Naturschutzorganisationen und wenn ihr Angebote für Schulen und zur Erwachsenenbildung hinbekommt, dann habt ihr auch da eine zusätzliche Einnahmequelle und Adressen, die euch sponsoren könnten.

    Ei,ei,ei.... was hatte ich denn in meiner alten Signatur stehen?


    sternengedönsige clear sky Grüsse,

    Robert aus dem Allgäu

  • Hallo Martin,


    genaue Zahlen wirst Du sicher nicht finden, denn es werden oft individuelle Lösungen vor Ort getroffen. Generell sind staatliche Unterstützungen für Volkssternwarten hochriskant. Dreht sich die politische Meinung ist auch die Unterstützung weg.


    Die GvA in Hamburg hatte seit Ende der 60er Jahre bis 2002 im Hamburger Planetarium residiert und wurde quasi durch die Kulturbehörde unterstützt (Räumlichkeiten, Sternwarte, günstige Miete). Dann kam ein neuer Planetariumsleiter und alles war weg, keine Räume und keine Sternwarte mehr. Folge: Bis heute hat die GvA in Hamburg keine eigenen Räume mehr, sondern nur noch stundenweise angemietete an verschiedenen Orten. Und eine Vereinssternwarte gibt es hier auch nicht mehr, dafür aber eine Außensternwarte in der Lüneburger Heide.


    Nach meiner Einschätzung sollte man nach Möglichkeit ganz auf staatliche Unterstützung verzichten, denn selbst wenn man in den Schulbetrieb oder das Kulturleben der örtlichen Gemeine eingebunden wird, so ist das keine Garantie dafür, dass es auch so bleibt.


    Viele Grüße

  • Ein Verein ist ein Zusammenschluss von Personen (quasi eine Spezialform einer "Gesellschaft bürgerlichen Rechts") und "gehört" per Definition nicht einer Gemeinde. Eine Gemeinde ist eine "Körperschaft öffentlichen Rechts".


    Da die Unterstützung von Vereinen in Deutschland höchst unterschiedlich geschieht, wird es da keine einfache Antworten geben. Wenn und soweit Vereine gemeinnützige (oder mildtätige, kirchliche) Aufgaben erfüllen, wird es (meist) Unterstützung bei den lfd. Ausgaben geben.


    Gemeinnützig ist eine Tätigkeit, welche die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet selbstlos zu fördert (präzisiert in §52 AO wegen steuerlicher Anerkennung, was relevant für Spendenquittungen ist). U.a. Förderung von Wissen und Forschung, Jugend-/Altenhilfe, Kunst/Kultur, Denkmalschutz und -pflege, Erziehung/Volksbildung, Heimatpflege (um nur einige zu nennen).


    Man sollte bei der Unterstützung auch unterscheiden, ob es projektbezogen (investitionsbezogene) Förderungen sind oder laufende Unterstützungen (für den Betrieb). Vom Grundsatz sollte aber der Vereinszweck aus eigenen Mitteln bestritten werden können. (Getreu dem Motto: Tue Gutes und rede auch darüber.)


    Als Quelle für Investitionsförderungen kommen neben der Gemeinde auch alles andere bis zu einigen Spezialtöpfen der EU in Frage. Die laufende Unterstützung muss nicht nur aus Geld bestehen. Oftmals sind es materielle Zuwendungen, wie die Nutzung von Räumlichkeiten gegen verbilligte Mietzahlungen oder ähnliches.


    In der Regel sind Förderungen zeitlich befristet. Hauptgrund ist, dass Gemeinden sich im Rahmen ihrer Finanzplanung da nicht dauerhaft binden wollen und i.d.R. jährlich nach Kassenlage und politischen Mehrheiten entscheiden. Ganz ermessensfrei sind sie dabei allerdings nicht (Abgrenzung zur Willkür). Das hilft aber meist auch nichts, wenn man mit leeren Händen dasteht.


    Astrovereine sind immer gut beraten, wenn sie in ihren Aktivitäten Schlüsselworte wie "Kultur", "Volksbildung" oder "Heimkunde" konsequent nutzen. Heimatkunde besteht z.B. auch darin, den Namen einer astronomischen Persönlichkeit aus der Region in Ehren hochzuhalten. Ein Beispiel ist das Grab von B. Schmidt (Namensgeber der Schmidt-Kamera und Schmidtspiegels) auf/neben dem Gelände der Sternwarte HH-Bergedorf.

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