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 Chile oder Namibia?
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Astrokuuh
Senior im Astrotreff


124 Beiträge

Erstellt am: 13.07.2019 :  14:56:55 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo,

ích überlege mir, in nächster Zeit einmal auf die Südhalbkugel zu fliegen. Nun stellt sich mir die Frage: Chile oder Namibia, was ist besser für Astro-Zwecke?
Bietet Chile Vorteile gegenüber Namibia (billiger)?
Und falls ja, kennt ihr ein gutes Ferienhaus in Chile?

clear skies,
Sven

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frasax
Altmeister im Astrotreff


1015 Beiträge

Erstellt  am: 14.07.2019 :  01:17:45 Uhr  Profil anzeigen  Besuche frasax's Homepage  Antwort mit Zitat
Hi Sven,

der Hauptunterschied dürfte in der Reisezeit liegen. Namibia ist von Mai bis September gut, da trocken und viele klare Nächte und in Chile ist es genau andersherum. Namibia ist ein 10h NonStop Flug, keine Zeitverschiebung, auf den Farmen wird Deutsch gesprochen und es gibt 4-5 ausgezeichnete Astrofarmen. In Chile gibt es die Hacienda LosAndes, und das wars so in etwa. Beides ist sicher unvergesslich.
CS Frank

www.astrophotocologne.de
www.facebook.com/astrophotocologne
www.youtube.com/astrophotocologne
http://www.capella-observatory.com

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Astrokuuh
Senior im Astrotreff


124 Beiträge

Erstellt  am: 14.07.2019 :  11:05:32 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Frank,

die Hacienda LosAndes liegt ja nur auf 1000m... Warum baut man eine solche Astrofarm denn nicht auf ca. 3-4km Höhe, obwohl es dort oben Straße gibt? Weil Chile würde für mich nur Sinn machen, wenn ich auch auf das Gebirge hochkomme, sonst könnte ich ja auch nach Namibia gehen...

clear skies,
Sven

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optikus64
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
1209 Beiträge

Erstellt  am: 14.07.2019 :  11:25:15 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Moin,

man muss auf solchen Höhen massiv vorsichtig sein, mal eben hin und wieder weg dürfte bei vielen Besuchern im Krankenhaus (hoffentlich nicht) enden. Wer schon mal in solchen Höhen war weiß, wie massiv der Sauerstoffmangel da schon zuschlagen kann, wenn man unangepaßt länger da oben ist. Man merkt das schon auf der Zugspitze, nochmal 1000m höher entsprechend massiver. Nicht umsonst sieht die ESO ein Eingewöhnungsprozedere vor, wenn man das VLT oder ALMA besuchen will.

CS
Jörg

... to boldly go where no man has gone before ...

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Starbiker
Mitglied im Astrotreff

Deutschland
35 Beiträge

Erstellt  am: 14.07.2019 :  12:18:56 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Moin,
ich kann Jörg da nur beipflichten. Ich habe einmal auf 5000m mein Zelt aufgeräumt und bin dabei außer Atem gekommen. Ein Teleskop aus dem Auto schleppen und aufbauen dürfe mindestens ähnlich sein. Selbst für 4000m braucht man eine Woche Aklimatisierung und diese 4000m sollte man auch nicht schnell mal eben mit dem Auto erreichen.
Dort wird es außerdem Nachts saukalt. Warum also nicht lieber in der Wärme mit dicker Luft bleiben. Von der Klarheit des Himmels dürfen beide vergleichbar sein.
Gruß
Udo

Bearbeitet von: am:
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Astrokuuh
Senior im Astrotreff


124 Beiträge

Erstellt  am: 14.07.2019 :  12:52:44 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo,

höhere Höhe => weniger Luft= mehr Transparenz, das stimmt doch?
Das ist doch auch einer der Hauptgründe, mal abgesehen von der Lichtverschmutzung, dass man tief in die Alpen hineinfährt. Ich wohne auf 500m Höhe, also 93,8% des Luftdrucks auf 0m. Am Wallackhaus (2300m), zu dem ich in 2 Wochen fahre, beträgt er ~75%. Auf 5km Höhe sind es nur noch 52,6%. Also nur noch die Hälfte an Luft, die das Licht durchqueren muss.

wenn ich mich nicht täusche, müsste also eine Erhöhung um 2-4km schon eine deutliche Verbesserung des Nachthimmels bedeuten?

clear skies,
Sven

Bearbeitet von: Astrokuuh am: 14.07.2019 12:53:23 Uhr
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Jo_Ko
Meister im Astrotreff

Deutschland
299 Beiträge

Erstellt  am: 14.07.2019 :  13:51:20 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Jo_Ko's Homepage  Antwort mit Zitat
Hallo Sven,

natürlich bringt Höhe einen Vorteil, aber selbst das VLT steht ja „nur“ auf 2600m und sooo schlecht scheinen die Bedingungen da nicht zu sein. Wenn du mal so eben auf 4000m zum Beobachten fährst, kannst du dich mindestens auf heftige Kopfschmerzen, Schwindel oder eventl. auch andere Symptome einer akuten Höhenkrankheit einstellen und das wiegt die vergleichsweise geringen Vorteile nicht auf.

Viele Grüße
Joachim

Die Sterne lügen nicht. Das Problem sind die Astrologen.

www.astro-joko.de

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stefan-h
Altmeister im Astrotreff


16943 Beiträge

Erstellt  am: 14.07.2019 :  14:11:33 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hi Sven,
Zitat:
Warum baut man eine solche Astrofarm denn nicht auf ca. 3-4km Höhe, obwohl es dort oben Straße gibt?
Weil-

a) das zu hoch wäre (siehe die anderen Anmerkungen dazu)
b) der reine Betrieb als "Astrofarm" wohl viel zu wenig Gäste hätte. Die genannte Hacienda LosAndes bietet das als zusätzliche Alternative, die überwiegende Anzahl Gäste dürften aber eher an den "normalen" Ausflügen und Angeboten interessiert sein.
Zitat:
Bietet Chile Vorteile gegenüber Namibia (billiger)?
Nach Chile (Flughafen La Serena, dort Abholung zur Hazienda) sind die Flüge 20-30% (sagt mir Flüge.de) teurer als nach Namibia. Die Reisezeit ist erheblich länger und mit Umstiegen verbunden (30-40h)

Gruß
Stefan

12" Galaxy Dobson * 105mm William ZS - 66mm William ZS - Tak FSQ85
Vixen Atlux - Skysensor 2000 PC - GP DX Skysensor 2000 / auf Berlebach Planet
Sonnenbeobachtung: 2" Baader Herschelkeil - SolarMax 60 mit BF15

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frasax
Altmeister im Astrotreff


1015 Beiträge

Erstellt  am: 14.07.2019 :  14:40:19 Uhr  Profil anzeigen  Besuche frasax's Homepage  Antwort mit Zitat
Hallo Sven,

bitte halte dir mal die Infrastruktur beider Länder vor Augen. Astrofarmen werden ja nicht extra für Astrokühe gebaut, sondern sind echte Farmbetriebe:-) Beide Länder sind nicht ohne Grund so wenig besiedelt (DER Hauptgrund warum wir dahin fahren ist der dunkle Himmel in Folge dessen). In den chilenischen Höhenlagen als auch in Namibia gibt es größtenteils Felsen und Sand und mit Glück etwas Gestrüpp. Die vorhandenen Farmbetriebe (Bauernhöfe um es mal etwas deutlicher zu sagen) stehen dort, weil man dort irgendwann mal Wasser gefunden hat. In Namibia sind das unterirdische Quellen, die Hacienda Los Andes liegt glaube ich an einem Flußlauf und ist eine regelrechte Oase. Dort wurden also die letzten 100 Jahre erstmal Vieh und Pflanzen versorgt, bis man irgendwann mal den Tourismus für sich entdeckt hatte. Also wurde die Vorderseite fein rausgeputzt (hinten riecht es immer noch nach Mist) und ein paar Gästewohnungen hergerichtet. Und als es das alles schon gab kamen ein paar Astros und haben dann das noch oben drauf gesetzt. Das alles wohlgemerkt noch in einem westlich geprägten Standart. Die wenigsten von uns würden in ein afrikanisches oder chilenisches Dorf fahren und sich dort pudelwohl fühlen (wenn man mal ganz ehrlich ist).

Also damit muss man erstmal leben und das schonmal als ziemlich toll respektieren. Man kann natürlich auch die komplette mobile Ausrüstung irgendwo hin schaffen und dann auf eigene Faust durchs Land fahren. Dann aber viel Glück, da sollte man dann schon auf Abenteuerurlaub stehen.

Ein bescheidener Rat, fang mal mit Namibia an, und wenn du noch gar keine Erfahrung mit Astroreisen hast dann vielleicht mit LaPalma oder Teneriffa, wo das finanzielle Risiko noch überschaubarer ist.

CS Frank

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Atlas
Meister im Astrotreff

Deutschland
377 Beiträge

Erstellt  am: 14.07.2019 :  15:36:16 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Atlas's Homepage  Antwort mit Zitat
Hallo Sven,

wenn Du an Chile interessiert bist, schau mal hier:
http://www.spaceobs.com/en/Atacama-Lodge

Die Atacama Lodge liegt in der Atacama Wüste außerhalb von San Pedro auf ca. 2500 m Höhe. Dort kannst Du wohnen und Teleskope aller Größen ausleihen. Wenn Du Lust hast, kannst Du auf der nahegelegenen Paßstraße bis ca. 5000 m hoch fahren. Ich selber habe aber auf dem Gelände der Lodge beobachtet und träume heute noch davon. Mit Namibia kann ich nicht vergleichen, weil ich noch nicht dort war. Aber Service und Beobachtungsbedingungen sind viel besser als bei Athos auf La Palma.



Viele Grüße
Johannes


25" f4 Selbstbaudobson, Argo Navis, ServoCat
Meine Astronomie Website: Blick ins All

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mintaka
Forenmeister im Astrotreff

Deutschland
14664 Beiträge

Erstellt  am: 14.07.2019 :  16:20:36 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
http://www.spaceobs.com/en/Services/Telescope-Rental
Zitat:
For those of you still using pre 1799 units, this is 17.5 inches, 24 inches and 28 inches.


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frasax
Altmeister im Astrotreff


1015 Beiträge

Erstellt  am: 14.07.2019 :  17:30:50 Uhr  Profil anzeigen  Besuche frasax's Homepage  Antwort mit Zitat
Hi,

Humor scheint er zu haben, sein Blog liest sich recht amüsant:-)

Zitat:
Our experience has led us to change the way we were doing things. We don't rent observatory telescopes anymore. Experience has shown that getting good pictures from an unknown advanced setup (i.e. telescope, goto mount, guiding telescope, CCD camera, filter wheel, automatic focusing) was not a one night adventure. We therefore only rent small mounts adapted to wide field photography, up to 200mm telephoto lenses.


Die schönen Optiken und Montis sind wohl nicht mehr zu mieten. Die Erfahrungen von denen er spricht kann ich mir denken. Da dürften aber Athos und auch die namibischen Farmen mit ihrer Erfahrung besser aufgestellt sein.
Ein Star Tracker oder eine HEQ5 würde mir aber nicht reichen. Ansonsten soll es da sehr schön sein in San Pedro. Ich würde gerne mal hin.

CS Frank

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Atlas
Meister im Astrotreff

Deutschland
377 Beiträge

Erstellt  am: 14.07.2019 :  18:50:05 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Atlas's Homepage  Antwort mit Zitat
Frank,

Alain Maury ist in der Tat ein humorvoller Typ. Diese Einschränkung, die Du zitierst, bezieht sich auf die Ausleihe von fotografischer Ausrüstung. Sven will vermutlich visuell beobachten. Ich hatte damals den 60 cm Dobson für eine Woche ausgeliehen. Den 70 cm gab es noch nicht.

Viele Grüße
Johannes

25" f4 Selbstbaudobson, Argo Navis, ServoCat
Meine Astronomie Website: Blick ins All

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Timm
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
2645 Beiträge

Erstellt  am: 17.07.2019 :  15:43:50 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Timm's Homepage  Antwort mit Zitat
Hallo Sven,
meine Meinung:

Chile ist sehr teuer.
Chile ist weit weg. Mindestens 18 Flugstunden ohne die Zwischenstopps.
Chile ist astronomisch gesehen sehr gut.
Dobsonmiete 20“ sehr teuer.
Chile ist nicht überlaufen.

Namibia ist teuer.
Namibia ist 10 Flugstunden entfernt.
Namibia ist astronomisch gesehen sehr gut.
Dobsonmiete 20“ sehr teuer.
Namibia ist überlaufen.

Südafrika ist preiswert.
Südafrika ist 10 Flugstunden entfernt.
Südafrika ist astronomisch gesehen auch gut.
Dobsonmiete 20“ günstig.
Südafrika ist nicht überlaufen.

Für mich bedeutet das dreimal im Jahr für jeweils 2 Wochen nach Südafrika zu fliegen.
Gesamtkosten für alles etwa 1500 € incl. Dobsonmiete.
Nächste Woche fliege ich wieder zu Hottie in Vryburg/ Northwest.

cs
Timm



48°24'39"N / 8°0'38"O
und
26°52'53"S / 25°01'32"O

carpe noctem
observo ergo sum


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Dysnomia
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
1026 Beiträge

Erstellt  am: 17.07.2019 :  20:52:38 Uhr  Profil anzeigen  Sende Dysnomia eine ICQ Message  Antwort mit Zitat
Unser Vereinschef hatte mal schlechte Erfahrung mit Herrn Maury gemacht Er war mit einer Gruppe Astrofreunden aus unserem Verein 2011 in Chile.

Zitat:
Ein langjähriger Traum, den Südhimmel zu fotografieren, erfüllten sich die Sternfreunde Noack, Feist und Winzer nach über einem Jahr Vorbereitung. Das Internet brachte das Ziel in Chile, die Astrolodge von Herrn Alain Maury bei San Pedro de Atacama als nett präsentierten Ort. Die chilen. Airline gibt ihre Flugmöglichkeiten. erst sehr spät frei und damit sind auch alle anderen Zubringer mühsam zu koordinieren. Der Anmarsch ging deshalb über volle 3 Tage, Schlafen auf Flughäfen, wobei Madrid, Santiago sauber sind. Was in Südamerika negativ auffiel, mit Schulenglisch kommt man nicht weit. Die Menschen sind aber ohne wenn und aber hilfsbereit. Von Santiago nach Calama sind es mehr als 1000 km über absolut totes Land. Interessante Vulkangebilden, frische Calderen, schneebedeckte Gipfel ohne jeden Vegetationssaum. Hoffentlich ist das nicht die Zukunft der Erde, wenn die Menschheit sich weiter so vermehrt und die Schätze des Planeten so verschwendet. In San Pedro fand ein Rockfestival statt, viele Leute unterwegs. Wir fragten über 80 Menschen, eine Astrolodge oder Herrn Maury kannte weder die Polizei, der Zoll, die Einheimischen auf der Straße. Man gab uns die Richtung nach Argentinien als mögliche Richtung an. Wir suchten nach einem Schild an der Straße oder einen Hinweis irgendwelcher Art, vergeblich! Nach 3 Stunden Suche gaben wir frustriert auf und richteten uns im Honda Civic ein, statt einen VW Bora gab es dieses eher unpassende Miniauto für 4 Personen und 82 kg Astrogepäck. Es wurde kalt in der Atacama. Früh setzten wir die Suche fort und fanden nach Stunden das Ziel, von Herrn Maury keine Spur aber nette Angestellte geben uns die Quartierschlüssel nach 4 Stunden unter glühender Sonne am leeren Pool. Das Quartier war ein Lehmgebäude und leider keinesfalls das Bild auf der Werbeseite. Sein Spitzengebäude gab es die ganze Zeit nur für französische Gäste des Herrn Maury. Wir wurden die ganze Zeit das Gefühl nicht los, Maury mag keine Deutschen, dann soll er keine als Gäste anlocken ! Wir hatten eine umfangreiche Ausrüstung, Werkzeug, Ersatzteile, Fotoapparate mit, um nur dem Zufall keine Chance zu geben. Dave, der kanadische Mitarbeiter mit Migrationstendenz nach Chile, bot uns eine EQ 2 Montierung für ein 23 kg Doppelfernrohr an. Wir protestierten heftig, hatten wir doch über 1 Jahr eine passende Montierung vorbestellt und versprochen bekommen. Dann gab es nach hin und her für die 1. Nacht eine von den 5 Astrokuppeln, wo auch die von Europa bedienten Fernrohre der Universitäten stehen. Einstieg halsbrecherisch über eine Leiter, vorbei an Eisenteilen, Schotter und viel Schutt. Dave montierte eine Losmandyplatte.Die Paramount lief zwar stabil aber der Joystik ließ nur grobes, hackeliges Korrigieren zu. Nachts um 1 Uhr sprang ein großer Mann über den Rand, fragte auf Englisch ob alles ok sei und als ich verneinte, fand er rasch den Fehler: die Losmandyplatte war falsch montiert. Er wies uns an, keinerlei Licht zu machen, warf uns Spray und Werkzeug in die Kuppel, er müßte zu seinen STARTOURGÄSTEN und weg war er. Kein Vorstellen, keine Begrüßung, nix. „Wer war das denn?“ fragte Frau Noack. Nun das war offensichtlich Herr Maury, der Besitzer. Wir gaben alle Korrekturen auf und machten kürzer belichtete Aufnahmen des prachtvollen Südhimmels bis 4.20 Uhr. Müde und frustriert ging es ins Bett. Was all die Nächte negativ bei der Arbeit auffiel: Bis sage und schreibe 2.30 Uhr wurden Touristenbusse angekarrt, oft mit voller Beleuchtung! Also das wäre noch gegangen, Hobbyastronomen sind flexibel und erfinderisch. Aber dann wurde kontinuierlich an den Zielobjekten mit grünen Laser herumgefummelt. Wir sollten max. mit Rotlichtlampen arbeiten und hier wurden zig Aufnahmen zerstört. Der Frust wuchs. Die anderen Gäste aus Frankreich, Kanada störte das nicht, mit Feldstecher, kinokopfmont. Kamera, Laptop und Dobson ist ein Laser kein wirkl. Problem. Für ernsthafte Feldaufnahmen schon ! Am Folgetag bekamen wir auf einer Betonplatte mit 2 unvollendeten Säulen die EQ 6 hingestellt, die gleich am Abend durch Kabelbruch nicht funktionierte. Reparatur ging nicht, „Startour“ mit ahnungslosen Touristen ging vor, ganz klar ! Also wieder eine sinnlose verplämperte Nacht mehr. Wir fühlten uns langsam veralbert, vornehm ausgedrückt ! Was schwierig ist, der Südpol hat keine markanten Sterne. Deshalb richtete uns Dave nochmals seine Privatmont. EQ 6 ein und wir ließen sie auch die ganzen Tage draußen und ohne jede Berührung. Der Nachtwind bläst in der Wüste kontinuierlich. Aus unserem Civic, Pappen, alten Türen bauten wir einen wackligen Windschutz. Tagsüber stiegen die Temp. auf gemessene 60grd und nachts ging es ab auf -2grd. Abends leuchtete das Zodiakallicht und der aufkommende Mond war mit Venus ein Traum von einem Abendbild. Am Fernrohr machten wir es so, das 3 Beobachter sich schützend um den eigentl. Beobachter scharrten, mit dem Körper Buslicht abschirmten und bei Wind Handtücher hielten. Das war schon mühsam. Von beiden Seiten gab es Straßen und so dunkel wie erhofft, war es nicht, der Horizont doch beleuchtet, stark im Norden Richtung San Pedro, südlich wurde es ab 2 Uhr besser. Und auf dem Gelände des ALMA-Observatoriums war es taghell, Radioastronomen brauchen viel Strom. Aber das war rund 20km entfernt. Wir saßen 6 Nächte von 22.30 Uhr bis 4.20 Uhr am Gerät und konnten bei allen Hindernissen uns über 53 Feldaufnahmen freuen, 10 Doppelaufnahmen noch dazu. Besonders in der Milchstraße hat der Südhimmel seine Reize, vom Eta-Carinanebel über die beiden Magellanschen Wolken mit dem Tarantelnebel und zig Dunkelwolken. Um den Pol ist es sternenarm. Nach diesen 6 Nächten gab es mit dem zunehmenden Mond zuviel Licht aber anhaltend viele Touribusse. Bitte was kann man am Himmel bei intensivem Mondlicht unbedarften Touristen erklären ? Unsere klare Meinung: ABZOCKE ! Eigentlich beschämend, was da läuft. Herr Maury trat 3 x in Erscheinung und es ging nicht um eine fachliche Frage. Wie sagte unsere jüngstes 11-jähriges Fachgruppenmitglied treffend: „Wenn Herr Maury kommt, geht es nur ums Geld!“ Das kann man so stehen lassen. Auf dem Beobachtungsplatz zerfuhren wir uns an den zahlreichen alten aus dem Boden ragenden Eisenstangen einen Reifen. Das kostete 80 EUR und eine 220km Fahrt nach Calama. Die Arbeiten am Pool gingen bei 54grd am Tage durchschnittlich nur langsam voran. Wir erlebten ein Erdbeben, 2 Nachbeben, tägliche Sandtornados bei blauem Himmel. Das war beeindruckend. Es gab aber auch nette Fernziele, die von den zahllosen Touristenbüros angepriesen wurden. Wo es Wasser gibt, blüht die Wüste in allen Farben. Die Atacama ist ein ausgetrocknetes Meer, rund 120km lang und um die 60 km breit, staubtrocken, zumeist Stein- aber auch Sandboden. Die Salzlagune Miscanti, das Valle de Jerre, Lavaströme aller Farben wurden Ziele von Materialproben und Begehungen. Astronomie und Geologie sind verwandte Wissenschaften. Nur ein Beispiel, Badevergnügen in einer warmen Quelle kostet Touristen 17,-EUR und Einheimische 0,80 EUR. Wir machten aus der Restzeit was möglich war. Tagsüber wurden die Astrofotos mit dem Atlanten abgeglichen, Sonne beobachtet und in San Pedro Lebensmittel geholt. Der Lehmbau, so einfach er war, hielt die brutale Tageshitze fern und gab sie nachts ab. Nach einer durchfrorenen Nacht war es früh um 5 Uhr noch kuschelig. Das Duschwasser gab es ja gratis von der Sonne. Der ganze Fernrohrpark der Astrolodge stand alle Tage draußen, es gab nur Sandschliff durch die tägl. Tornados. Angeblich gab es Orte, wo 130 Jahre kein Regentropfen gemessen wurde. 3 Tage vor Reiseablauf kommt Frau Maury und behauptet, wir hätten falsch gebucht. Sie bräuchten nun die Lodge für russische Astronomen. Visuelle Beobachtung durch russische Berufsastronomen bei Viertelmond ? Radio Erewan Familie Maury ? Wir akzeptierten eine Umquartierung nach San Pedro. Das Büro in San Pedro zeigte den eigentlichen Grund der Ausquartierung: Urlaub! Am Folgetag standen mittags im Hostel unsere Koffer draußen, die Astrolodge hätte nur 1 Nacht gebucht. Da steht man und staunt. Die Damen beschlossen alle für einen und einer für alle, keine neue Quartiersuche, auf und fort, wenn die Gastlichkeit Wünsche offen läßt. San Pedro und Astrolodge - nie wieder ! Wir fuhren die 100km nachts bis vor Calama und lagerten in der Wüste, Gepäck raus, der Honda zu eng. Nachts träumten wir unruhig, von LKW und allem Mist. Frühmorgens die böse Überraschung, so tief waren wir gar nicht in der Wüste, LKW-Spuren und ein Teil des Gepäcks weg, bes. der Koffer mit der Optik! Und keine Zeit zur Suche, im Gegenteil der Flughafen bescheiden zu erreichen, über 1,5 Stunden Irrfahrt. Die Ausschilderung in Chile ist grundsätzlich dürftig. Nach 2 Tagen Flug gut in Tegel angekommen, und nun ist auch das Restgepäck futsch, alle Schalter zu. Letztlich kam es nach Suchauftrag aber unversehrt an. Die Piloten flogen uns sicher heim. Schade um die fast 8000,-EUR teure Ausrüstung aber ein Absturz wäre schlimmer gewesen und die Ausbeute an Fotos hatten wir anbei. Was kann man Sternfreunden mit ähnlichen Ambitionen nun nachfolgend raten: Wenn es Chile sein soll, runter mit den Erwartungen. Die Astrolodge ist ein guter aber bei weitem nicht der beste Standort. Richtung Licancaburvulkan, rund 15 km Strecke und 1500 m höher wird es richtig dunkel und Störlichter fehlen. Und das ist kostenlos. 12 Volt Batterien bekommt man problemfrei. Die beiden Straßen auch mit tiefnächtlichem Fernverkehr, Horizontlichter, der permanente Busverkehr zur Lodge sind frustrierend. Im Hostel bekommt man mit leckerem Frühstück die Unterkunft zu 82 % des Preises wie in der Astroldge ohne Frühstück. 123;-EUR/Tag mit 1 Schlafraum sind einfach viel zu viel für diese Unterkunft. Die Transportunternehmen verschicken ein 70 kg Paket weltweit für rund 1800,-EUR einfache Strecke, kein Schnäppchen. Das muss man gut kalkulieren. 20,-EUR/kg verlangt die Fluggesellschaft. Unsere gemeinsame Entscheidung als Astrogruppe: Nächste Reise zum Südhimmel nur noch nach Namibia !


https://www.suedbrandenburger-sternfreunde.de

Ich war in den letzten 5 Jahren schon zwei Mal auf Tivoli und bin von der Gastfreundschaft der Schreibers begeistert. Im letzten Jahr hatten wir gleich mehrere Mitglieder unserer HTT-Südkurve zeitgleich dort und wir veranstalteten ein kleines Teleskoptreffen außerhalb des HTT. Einige Mitglieder der Südbrandenburger Sternfreunde waren vor 2 Jahren auch auf Kiripotib und können ebenfalls nur Positives berichten - vor allem da sie den vergleich mit Chile hatten.

Gruß und cs
Andreas

https://astrofan80.de

Meade LXD55 10" f/4
GSO Dobson 8" f/6
Bresser Skylux 70/700mm
Canon EOS 600Da/1000Da

---
Das Weltall ist ein Kreis, dessen Mittelpunkt überall, dessen Umfang nirgends ist. - Blaise Pascal

Bearbeitet von: Dysnomia am: 17.07.2019 20:58:17 Uhr
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AndiL
Senior im Astrotreff

Deutschland
182 Beiträge

Erstellt  am: 18.07.2019 :  17:23:20 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Sven,

ich war in Namibia (u.a. Kiripotip) und in Chile (Hacianda Los Andes). Astronomisch gesehen sind beide Länder empfehlenswert, da möchte ich gar nichts präferieren. Ansonsten kann ich mich meinen Vorrednern nur anschließen.

Ein wesentlicher Unterschied ist die beste Reisezeit und damit verbunden die möglichen Südhimmelobjekte.
Namibia (Mai/Jun): Milchstraßenzentrum, Crux, Centaurus, Skorpion, Schütze
Chile (Dez/Jan/Feb): Magellansche Wolken, Puppis, Vela, Carina, Crux
Für mich haben sich die beiden Aufenthalte super ergänzt. Bei der Hacienda in Chile (30°S) hat man die deutlich südlichere Lage gemerkt.

Bei den Preisen für Essen, Unterkunft, Leihgeräte ist Chile teurer. Die Reisezeit ist nach Chile bis zu den "Astrofarmen" deutlich länger (Die Anreise zur Hacienda Los Andes war von Sao Paulo aus schon eine komplette Tagesreise).

Ein wesentlicher Punkt und die Frage an dich: Nimmst du ein Teleskop mit oder möchtest du vor Ort ausleihen?

Ich hatte bei beiden Reisen den 8" Hofheim Dobson dabei. Da die Reise in Namibia eine Rundreise war, konnte ich so von fast jeder Lodge beobachten. Man ist damit nicht auf eine Astrofarm eingeschränkt. Bei den zwei Nächten Aufenthalt auf Kiripotip habe ich dann für eine Nacht einen großen Dobson geliehen. In Chile gab es auf der Hacienda im wesentlichen Fotogeräte zu mieten. Die haben dort eine Top-Ausrüstung, aber auch stolze Preise.

Du solltest dir auch überlegen, ob es ein reiner Astrourlaub werden soll, also mit Flug + Transfer + Unterkunft und dann die Zeit komplett auf der Astrofarm verbringen. Oder ein Auto mieten und auch abseits der Astronomie das Land erkunden. Bei einem zwei bis drei Wochen Urlaub würde man dann die Präferenzen dem Mondstand anpassen.

Viele Grüße
Andreas

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