Beobachtungs-, Reise, und First-Light-Bericht

  • Ort: Arizona, 6/7 April 2002, TeleVue Pronto (70/480) auf TeleVue Gibraltar Montierung, Canon stabilisiertes Fernglas 15x50


    Da ich den berufsbedingten Aufenthalt in Arizona nicht ohne Beobachtungen verstreichen lassen wollte, suchte und fand ich Kontakt zu einem hiesigen Astronomie-Club (PAS) und schaffe mit dem Pronto ein kleines portables Instrument an.


    Als Beobachtungsplatz dient ein ca. 40km außerhalb von Phoenix liegendes Gelände, dass zwar nah an einem Stausee liegt, nicht desto trotz aber richtige Wüste ist.


    Zu Beginn dieser monatlichen Treffen wird gegrillt. Dies geschieht in Form des ‚Potlucks‘, was soviel bedeutet, dass ein jeder irgendetwas mitbringt.


    Als ich die von den Clubmitgliedern mitgeführten recht großen Kisten sah, erwartet ich zunächst, dass der Pronto und ich im Schatten von diversen Großinstrumenten stehen würden. War aber nicht so, als dass diese Kisten, in Unmengen von Eis gehüllt, Speis und Trank enthielten.


    Eine weitere etwas gewöhnungsbedürftige Landeseigenart ist die Tatsache, das sich nicht nur Astronomen dort in der Wüste treffen, sondern auch – bzw. gerade auch – Anhänger der Schiesskunst.


    Also, ich bitte sich folgendes Bild vorzustellen. 1. Teleskope, 2. Wüste mit den üblichen Kakteen, 3. Grillen ohne Ende, 4. Recht ordentlich dunkler Himmel und zu all dem das Rattern verschiedener automatischer Waffen. Auch über den Boden des eigentlichen Beobachtungsplatz sind Patronenhülsen (und auch manchmal auch ganze Patronen) verstreut. So ziemlich alles in der Umgebung (Kakteen, Dosen, Bretter, Verkehrsschilder, …) ist durchsiebt.


    Mit Ausnahme des durch die Lichtglocke Phoenix’s aufgehellten Südhimmels, zeigt sich der Himmel als dunkel (6,5 mag). Der nicht brauchbare Südhimmel traf mich schon etwas, da ich etwas Hoffnung hegte, Omega Centauri aufspüren zu können. Dafür war der Himmel im Westen aber sehr klar. Orion schien so hell und klar, dass man meinte ‚drin zu stehen‘. Auch Sirus/Rigel strahlten blau wie nie.


    Mein Pronto schlug sich wacker und die Gibraltar-Montierung lässt ein wahres Dobson-Gefühl aufkommen. Mechanisch ist der Pronto schon eine Wucht, von ausziehbarer Taukappe bis hin zum hervorragendem 2“ Okularauszug. Leider ist es nicht so einfach auf der Gibraltar-Montierung die Balance für schwere 2“ Okulare zu finden. Auch der Kwik-Point Starfinder von TeleVue ist nicht ganz so der Hit.


    Durch das viele Essen kam ich lediglich dazu einige Standardobjekte zu beobachten, an bei eine Auswahl:


    1. M31 im Widescan 30mm (4,5 Grad Gesichtsfeld).


    2.M81/82 Widescan 30, Nagler 16 und Radian 10. Deutlich und M82 mit dunklen Unterbrechungen. Auch besonders schön und hell im 15x50 Fernglas


    3. Orion-Nebel (M42) hell, detailliert und mit starkem Kontrast zum dunklem Himmelshintergrund. Auch ohne OIII-Filter konnte man glauben diesen zu nutzen. Um 20:31hrs (7.4) zog ein Satellit durch eben diesen Nebel als ich ihn/sie/es im 16er Nagler bewunderte.


    4. M3 um 20:35hrs zog auch durch dieses beobachtete Objekt ein künstlicher Trabant. Im 5,2 Pentax XL bleibt M3 im Pronto unaufgelöst, zeigt aber im Zentrum einige hellere Sterne und einen unregelmäßigen Rand. Kugelhaufen sind wirklich nicht so der Hit mit 70mm Öffnung, da sich eigentlich nur ein Milchfleck zeigt.


    5. M51: 16er Nagler zeigen sich deutlich zwei von geringer Helligkeit umgeben Kerne.


    6. M78: Heller Reflexionsnebel mit einigen (3?) Sternen im Kerngebiet.


    7. M101: wirklich große Glx. Füllt im 16er Nagler mehr als 1/3 des Gesichtsfeldes. Nicht einfach im Pronto aber mit hellem Zentrum.


    8. M97: Planetarischer Eulennebel. Indirekt im 10er Radian.


    9. M65/66: Deutlich und hell im 30er Widescan und auch 16er Nagler. Stellare Kerne.


    10. M13: Milchig und matschig von 30er Widescan bis 5,2 Pentax.


    11. Jupiter & Saturn: Gut und scharf im 5,2 Pentax. Jupiter zeigt einige Bänder und wirklichen guten Kontrast. Etwas shaky mit zusätzlicher Barlow. Im 5,2 Pentax Farbe nur sichtbar wenn out of focus.


    Fazit: Mal echt was anderes. Neben der Umgebung (sowohl Natur als auch Schussfolge moderner automatischer Waffen) beeindruckt die absolute Unvoreingenommenheit und das unkomplizierte Miteinander in diesem Club, welches unabhängig von Stellung (Arzt bis Arbeitsloser) und Vorwissen, nur darauf ausgerichtet ist, Spaß – oder genauer Freude – zu haben. Einigen Vereinsmitgliedern gelang es nicht mal ihre mitgebrachten Teleskope aufzubauen, da Essen und erst recht Trinken, sie voll in Anspruch nahm.
    Später in der Nacht musste ich doch tatsächlich aufstecken, da mir das Wasser ausging und mir die Zunge am Gaumen festklebte. Ist halt echt trocken so `ne Wüste.


    Gruß,
    Guido


    Einige Bilder:





  • Hi Guido,


    ein toller Bericht ... da kommt ja richtig Wildwest-Romantk auf <img src=icon_smile_cool.gif border=0 align=middle>


    Das Beobachten in neuer Umgebung hat schon was einzigartiges, ich hoffe Du kommst noch in ne Gegend mit super Südsicht.


    Ansonsten klares Wetter und immer gut zu essen !!!






    --
    Matthias, Besitzer von DICKMOPS


    <img src="http://www.sternkieker.de/rkn/images/CassLogo01.jpg" border=0>

  • Hallo Guido,


    der Bericht ist wirklich beeindruckend. Da muß man ja aufpassen, daß man beim Spechteln keine "blauen Bohnen" abbekommt. Nicht, daß womöglich Löcher im Tubus sind, wo gar keine hingehören. Vielleicht triffst Du ja durch Zufall mal den Ashley Roeckelein http://astro.ai-software.com/toucam2.html Der wohnt in Scottsdale, das soll auch nicht weit entfernt von Phoenix liegen. Er ist allerdings im "Saguaro Astronomy Club".


    Gruß, Kalle.

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