Meine Tour am 17./18. Juli: Nebel am Himmel und am Boden

  • Hallo,


    in der Nacht von Montag auf Dienstag war es nach langer Pause endlich wieder soweit: ich fuhr wieder auf meinen Beobachtungsplatz zwischen Rheinbach und Bad Münstereifel, westlich von Bonn! Mein neues Teleskop (Celestron 8" EdgeHD auf AVX) hatte ich bereits im Winter/Frühjahr im Garten meines Elternhauses in Remagen ausprobiert, bei entsprechender Lichtverschmutzung und Illumination des Gartens durch Haus- und Straßenbeleuchtung.


    Zum Wetter: Ich habe wirklich erst ganz knapp entschieden, dass ich losfahre, nachdem ich fast den ganzen Abend die Wettervorhersagen und die aktuelle Wetterlage abgeglichen habe. Die niedrigen Wolken lösten sich erwartungsgemäß auf, während in der Höhe schon wieder feuchte Luft vom Westen her reinkam und auch Bewölkung über Belgien im Satellit zu sehen war. Gegen 23 Uhr habe dann beschlossen, ein wenig zu pokern, habe meine Sachen ins Auto geladen und bin los. Diesmal hatte ich auch ein Thermometer/Hygrometer mitgenommen.


    In Richtung Norden waren bis ca. eine Handbreit über dem Horizont Cirruswolken zu sehen. Ein einsames Flugzeug zog im Laufe der Nacht einen Kondensstreifen über den Himmel, aber nicht wirklich störend. Es blieb bei diesem einen. Die Temperatur in Bodennähe (auf meinem Transport Trolley für die Montierung) sank im Laufe der Nacht auf 7 °C und die relative Luftfeuchtigkeit stieg auf weit über 90%. Im Tal neben meinem Beobachtungspunkt bildete sich schnell Nebel und ich war am Ende froh, dass ich die Winterjacke mitgenommen hatte. Am Ende war wirklich alles(!) beschlagen und klatschnaß!


    Bewährt hat sich wieder mal Fotokarton als Mittel der Wahl, um Beschlag auf der Optik zu verhindern. Die Taukappe von Celestron alleine hatte sich als nicht zielführend erwiesen. Ich habe mir im Winter dann eine Einlage aus schwarzem, unbehandeltem Fotokarton gebastelt, die ich einfach in die Taukappe auf dem Teleskop reinschiebe. Sitzt, wackelt nicht und in der Zeit von ca. 0 bis 3:30 Uhr (also bis zum Abbau) hatte ich trotz extrem hoher Feuchte keine Probleme mit Beschlag - zumindest was das Teleskop anging ;) Zusätzlich hatte ich mir noch eine kleine Taukappe aus Karton für den Sucher gedreht. Von meinem 8x56 Fernglas hatte ich an diesem Abend leider nicht viel: es war schon bald komplett beschlagen!


    Ein Problem in dieser Nacht: das Alignment funktionierte nicht richtig; die Objekte wurden nicht sauber angefahren und das Teleskop lag tw. locker 2° daneben. Auf groß angelegte Ursachenforschung hatte ich allerdings gar keine Lust in dieser Nacht, so dass ich per Hand nachkorrigiert habe. Meine Arbeitshypothese zu der Ursache: Ich hatte die Koordinaten noch nicht von Remagen auf den neuen Ort umgestellt (ich nutze die Handsteuerbox). Ca. 40 km Unterschied in Luftlinie.


    Der Himmel: Als ich kurz vor Mitternacht aus dem Auto stieg, war das gleich wieder ein Wow! Effekt! Im Vergleich zu Bonn ist die Milchstraße auch bei feuchter Luft sehr schön zu erkennen. Die Zweiteilung mit dem Arm in den Schlangenträger war sehr deutlich zu sehen, ebenso die hellsten Sternwolken in Richtung Süden, so daß sie schon einen sehr schönen strukturierten Eindruck machte. Im Schwan reichte sie von Delta Cygni bis Zeta Cygni, wobei sie zu Zeta hin deutlich schwächer wurde und indirekt besser zu sehen war. In Richtung Westen war es zu Beginn noch recht hell; im Norden sieht man leider immer noch sehr deutlich die Aufhellung durch den Großraum Köln-Bonn. Nach Süden hin war die Milchstraße bis ca. eine Handlänge über dem gedachten Horizont zu sehen (das Gelände steigt nach Süden hin leicht an). Die visuelle Grenzgröße für meine Augen lag bei ca. 5,3 bis 5,4 mag. Die Andromedagalaxie war kurz nach drei gut mit indirektem Sehen zu erkennen, etwas schwieriger mit direktem Sehen.


    Ich beschloß, zuerst mit der Gegend im Schild und Schützen zu beginnen. Zunächst ein Spaziergang mit dem Fernglas vom Adler beginnend über Messier 11 (Wildentenhaufen) bis hinunter zum Lagunennebel M 8, der auch im Fernglas gut zu sehen war, mit einer dunklen Teilung in der Mitte. Die Dunkelwolke Barnard 142 im Adler war zu erkennen, aber nicht so deutlich, wie ich sie im letzten Sommer bereits gesehen hatte. B 111 war eher zu erahnen. Im Teleskop war der hellere Bereich des Lagunennebels M 8 und der Bereich mit dem Sterhaufen gut zu erkennen; trotzdem wirkte er ein wenig fade auf mich, so wie die meisten Emissionsnebel an dem Abend. Ich vermute, besonders bei den niedrigen Objekten hat die hohe Luftfeuchtigkeit ihren Teil dazu beigetragen, weniger Strukturen zu erkennen. Der Trifidnebel M 20 war gut zu erkennen, jedoch nicht mit einer Dreiteilung, sondern zweigeteilt, mit einem dunklen Bereich, der durch den Nebel hindurch lief. Mit der Vergrößerung ging ich an diesem Abend selten höher als 80fach (25 mm Okular) oder 100fach (25 mm).


    Der Sternhaufen im Adlernebel (M 16) war schön anzusehen, mit einer Form, die mich an ein "E" erinnert. Der Emissionsnebel war leider nicht zu erkennen. Dagegen war der Schwanennebel (auch Omeganebel, M 17) ein toller Anblick. Der Hals war sehr scharf abgegrenzt und in dem sehr hell wirkenden Rumpf hatte ich den Eindruck, dass dieser nicht gleichmäßig hell ist, sondern hellere Bereiche beinhaltet, die ich nicht näher eingrenzen konnte. Auf jeden Fall etwas, worauf ich bei besseren Sichtbedingungen mal genauer achten werde.


    Das erste Highlight der Nacht war dann der Wildentenhaufen (M 11). Mit 50facher Vergrößerung (40 mm) hatte ich ein wenig den Eindruck eines Kugelsternhaufens, der aber unregelmäßig geformt war. Mit 80facher Vergrößerung hat mich der Sternreichtum dann ein wenig geplättet! Ich habe zwar nach wie vor keine Enten gesehen ;) aber unheimlich viele Sterne auf engem Raum, so dass ich erstmal gar nicht wußte, wo ich hinschauen soll.


    In dieser Nacht wollte ich auch die kleine Tour machen, die ich seinerzeit im Beitrag von Bianca vorgeschlagen hatte, erweitert um ein paar weitere Objekte im Schwan und Füchslein! Zuerst stellte ich den Kugelsternhaufen M 13 im Herkules ein. Und so schön hatte ich M 13 bisher noch nicht gesehen! Mit 80 und 100facher Vergrößerung hatte ich den Eindruck, dass jemand Glitzer ins Okular gestreut hatte, gefühlt überall blitzte es auf! Ein Traum!


    Weiter ging es zum Kugelsternhaufen M 92. Mit 50facher Vergrößerung hatte ich den Eindruck eines nicht runden, sondern ovalen Sternhaufens mit hellem Kern. Ein wenig wie die Andromedagalaxie. Der Eindruck blieb auch mit 80facher Vergrößerung bestehen, so dass ich schnell einen Spitznamen für diesen Kugelsternhaufen hatte: "Little Andromeda". Bei dieser Vergrößerung blitzten dann auch mehr Einzelsterne auf; ein interessanter Anblick.


    Als nächstes fuhr ich den Ringnebel in der Leier an, M 57, der schon mit 50facher Vergrößerung sehr deutlich vor mir stand und mit 80 fach sehr ausgeprägt aussah, aber ohne dass ich Struktur im Ring sehen konnte.


    Für die Doppelsterne in der Leier wollte ich eigentlich mein 8x56 Fernglas und das Teleskop verwenden. Aber dazu kam es nicht, weil mein Fernglas komplett beschlagen und nass von außen war! Also zunächst das Vierfach-Sternsystem Epsilon Lyrae: mit dem 15 mm Okular (138fach) waren alle Sterne deutlich getrennt zu erkennen. Beta und Zeta Lyrae waren im Teleskop natürlich ein Kinderspiel, bei Beta war aber deutlich zu erkennen, warum dieser Doppenstern im Ferglas trotz großem Abstand der Komponenten schwierig ist. Der Helligkeitsunterschied der beiden Komponenten ist doch sehr ausgeprägt.


    Weiter zum Kugelsternhaufen M 56: dieser wirkte ähnlich, wie M 13 in einem kleineren Teleskop. Mit 80facher Vergrößerung war er ebenfalls noch ein granulierter Lichtball. Interessant war meine Reaktion als ich ihn kaum im Sucher erkennen konnte, weil ich bisher nur hellere Kugelsternhaufen kannte. Ich dachte nämlich zuerst, ich liege wieder komplett daneben. Aber bei höheren Deklinationswerten brauchte ich tatssächlich nur wenig zu korrigieren.


    Der Doppelstern Albireo im Schwan war im Teleskop ein wunderbarer Anblick, der Farbkonstrast Orange-Blau knallte nur so ins Okular. Danach wartete schon ein bekannter planetarischer Nebel auf mich: M27, der Hantelnebel. Dieser war sehr deutlich zu sehen, die Hantel/Sanduhr war in 50facher Vergrößerung besser zu erkennen. Mit 80fach wirkten die Helligkeitsunterschiede in diesem Bereichen des Nebels nicht mehr so deutlich und die Übergänge waren fließender und der Nebel wirkte insgesamt sehr hell.


    Für den Abschluß dieser Tour hatte ich mir den offenen Sternhaufen NGC 6940 herausgesucht, den ich mir in dieser Nacht erstmals ansah. Und dieser Abschluß war wirklich gelungen: Der Sternhaufen hat viele Sterne zu bieten und eine interessante Verdichtung von Sternen, die sich m.E. wie ein chinesischer Drache durch den Sternhaufen schlängelt (das Auge versucht immer, Muster zu erkennen!). Mit den Sternhaufen aus dem Messier Katalog kann er locker mithalten!


    Einen kleinen Nachtisch gab es zum Abschluß noch: zunächst begrüßte ich Saturn, der bereits über dem Südosthorizont stand und schwenkte danach zu Jupiter, der ein wunderschöner Anblick war, mit seinen fünf Monden. Moment mal, fünf?! Über Tag zeigte ein Blick in Stellarium, daß Amalthea gerade gut zu sehen war; ich hätte sie nur nicht für so hell gehalten!


    Als ich dann abbaute, war es schon halb vier. Zu Hause musste ich zuerst alles abtrocknen (bis auf optische Flächen natürlich) und zum trocknen ausbreiten. Der Wecker klingelte zwar nicht allzu lange danach wieder, aber ich konnte in der Bahn noch eine halbe Stunde weiterschlafen ;) Jedenfalls war es eine sehr ereignisreiche, schöne und interessante Nacht, die wie im Flug verging. Es hat Spaß gemacht, wieder richtig draussen zu sein!


    Viele Grüße und CS,

    Klaus

  • Hallo Klaus,


    bei so hohen Feuchten trotzdem rauszufahren ist respektabel. Das beschlagen der Optiken kann extrem nervend sein, so daß ich solche Bedingungen vermeide.


    Da Du Beta Lyrae mit dem 8x56 Fernglas erwähntest: kannst Du den tatsächlich handgehalten trennen sonst? Das spricht für eine sehr ruhige Haltung!


    Viele Grüße

    Johannes

  • Ciao Klaus,


    Danke für Deinen sehr schönen und umfassenden Bericht, der mich an alte C11-Zeiten erinnert (und ähnliche Probleme mit Tau etc. damals). Auch objektmässig erinnert es mich... Ich hatte nur mit C11 immer ein Defizit gespürt mit grösseren Feldern, Cirrus angucken, Nordameria, Markarian Kette, etc. etc.) Damals versucht, es mit Reducer zu lösen (f/6.5 dann), danach noch richtige 82° 2" Okulare und letztlich zum Dobson, der auch f=2000mm hat aber eben mehr Öffnung. Aber vielleicht ist Weitfeld ja nicht Dein Ding (und es braucht auch notorisch tendenziell eher guten Himmel) und zu Okularequipment sagtest Du nichts. Aber Grossfeld (so um 1.2° ginge ja mit dem c8 f/10) hilft eben auch beim Suchen, wenn das Pointing nervt... :) Filter ? Für m57 und m27 braucht man allerdings kaum welche, für anderes Zeugs schon (besonders bei nicht optimalem Himmel - da seid ihr in der Bonner Gegend ja leider noch mehr als wir im Süden geschlagen mit...


    Für mehr Objekte - auch stadtnah - kann man hier was finden, falls Du mal Bedarf hast.


    Viel Spass, weiter gute Nächte noch + good luck beim Beobachten,

    Peter

  • Hallo Klaus,


    schöner ausführlicher Bericht!


    Zum danebenliegenden Goto meine persönliche Hitliste der Fehlerquellen:


    1. bei mir geht das vor allem dann in die Pampa, wenn die eingestellte Uhrzeit völlig daneben ist. Bei 15 Bogenminuten Himmelsrotation je Minute hat man die von Dir genannten zwei Grad da schnell zusammen.


    2. Mangelnde Sorgfalt beim Einrichten - ich schau mittlerweile, dass ich Sterne so gut im Okukar zentriert bekomme, dass der angezeigte Kalibrierfehler < 0.2 Grad ist. Kann man aber beliebig schlecht machen :)


    3. Schiefe Aufstellung - das hab ich mit meinem azimutalem Setup mit kleiner Libelle am wenigsten im Griff.


    4. Teleskopachse nicht parallel zur Azimut- bzw. Rektaszensionsachse, da müsste ich bei mir auch mal ran...


    5. Falscher Ort. 40km sind bei unserer Breite hier nur rund 0.5 Grad, das ist eine kleinere Fehlerquelle.


    Herzliche Grüße, Holger

  • Hallo,

    schöner stimmungsvoller Berciht. Das war wohl eher der Stern Hipparcos #12258, der sich als 5.ten Jupitermond "getarnt" hat.

    danke für den Hinweis Lothar, ja, den hatte ich auf Stellarium nicht gesehen, weil ich die Grenzgröße für visuelle Beobachtung reduziert hatte :)


    bei so hohen Feuchten trotzdem rauszufahren ist respektabel. Das beschlagen der Optiken kann extrem nervend sein, so daß ich solche Bedingungen vermeide.


    Da Du Beta Lyrae mit dem 8x56 Fernglas erwähntest: kannst Du den tatsächlich handgehalten trennen sonst? Das spricht für eine sehr ruhige Haltung!

    Hallo Johannes, mit dem 8x56 und Beta Lyr hab ich mich ungeschickt ausgedrückt: ich habe es schon mal freihand und mit Stativ probiert und es wurde beide Male nix. Ich wollte es nun nochmal probieren und wurde es nix wegen Tau. ;)

    Aber vielleicht ist Weitfeld ja nicht Dein Ding (und es braucht auch notorisch tendenziell eher guten Himmel) und zu Okularequipment sagtest Du nichts.

    Hallo Peter, meine komplette Ausrüstung steht in meinem Profil unter "über mich" ;) Bislang habe ich nur die Plössel (40, 25, 20, 15, 8 ) und liebäugel aktuell mit den Baader Hyperions (erstmal Aspheric 36 mm und 24 mm) . Stellenweise könnte es schon etwas mehr Gesichtsfeld sein und das größere Gesichtsfeld bei meinem 150/750 Newton finde ich ganz angenehm.


    Andererseits ist ein 8" Newton mit Vollrohrtubus für meine Wohnsituation nicht handhabbar (egal, ob Dobson oder parallaktisch). Das aktuelle Setup hat den Vorteil einer handlichen Optik und insgesamt ist es auch nicht mehr Aufwand, als meinen 6" Newton und die Super Polaris die Treppe runter zu tragen, wenn auch mehr Gewicht. Auch die größeren Spiegel bei Gitterrohrdobsons empfinde ich aktuell als eher grenzwertig für den Transport.


    Die aktuelle Lösung hat für mich folgende Vorteile:

    - meine bisherigen Optiken sind ebenfalls mit der Montierung kompatibel (also z.B. mein alter 150/750 Newton)

    - alles ist noch in vergleichsweise handliche Einzelteile zerlegbar

    - die Motorsteuerung finde ich ganz angenehm, weil ich meine Augen zwischendurch gerne mal ein paar Minuten beim Blick in den Himmel entspanne und aktuell finde ich es angenehm ruhig, mich nur aufs Schauen konzentrieren zu müssen.

    - die Option auf Astrofotografie wollte ich mir in jedem Fall offen halten


    Das heisst nicht, dass ich einen Gitterrohrdobson für mich absolut ausschließe, aber aktuell sehe ich mich da nicht und auch nicht über 12".


    Zum danebenliegenden Goto meine persönliche Hitliste der Fehlerquellen:

    Danke für die Auflistung der Fehlerquellen, Holger! Nach dem Lesen werde ich als nächstes nochmal die Uhrzeit überprüfen! Ich hatte das Stativ beim Aufbauen mit meiner kleinen Kreuzwasserwaage ausgerichtet. Ich halte es durchaus für möglich, dass es sich auf dem eher losen Untergrund nach dem Aufbauen nochmal gesetzt hat.


    Vielen Dank für eure Rückmeldung und CS,

    Klaus

  • Hallo Klaus,


    ein schöner Bericht mit viel anschaulichem Drumherum, vermittelt ein echtes "Live-Dabei-Sein-Gefühl " :)

    Zuerst stellte ich den Kugelsternhaufen M 13 im Herkules ein. Und so schön hatte ich M 13 bisher noch nicht gesehen! Mit 80 und 100facher Vergrößerung hatte ich den Eindruck, dass jemand Glitzer ins Okular gestreut hatte, gefühlt überall blitzte es auf! Ein Traum!

    Ja, und für mich beginnen helle Kugelhaufen wie M13 oder M5 gerade ab etwa 8 Zoll so richtig gut rüber zu kommen. Im Vergleich zu fünf oder sechs Zoll sehe ich da einen richtigen Sprung, mit einem Mal sind die Teile nicht nur am Rand an- oder teilweise aufgelöst, sondern es beginnen überall Sterne aufzuploppen.


    Ich hab das im 9,5-Zöller gleichermaßen begeistert gesehen wir du: " Der Fünfling hat die nötige Öffnung, um M13 bei entsprechendem Himmel schon so richtig glänzen zu lassen: Wunderbar ästhetisch bei 97x, 160x und 225x, mit einer Unmenge an Einzelsternen."


    Servus

    Ben

  • Servus Klaus,


    danke für den stimmungsvollen und ausführlichen Bericht! Mit einem SC bei so feuchter Luft – Gratulation zum feucht-nassen Erlebnis und für das Überwinden des inneren Schweinhunds, es bei solchen Bedingungen zu probieren und dann übernächtigt in die Arbeit zu müssen. Super, dass es trotzdem so gut klappte und deine Taukappenverlängerung ausreichend war.


    NGC 6940 ist wirklich sehr hübsch. Auf den sich windenden chinesischen Drachen muss ich mal achten. Ist dir der tief rote FG Vulpeculae aufgefallen? Er schwankt visuell ca. zwischen 9m0 und 9m5 und hat die Spektralklasse M5II (semiregulärer Veränderlicher). Der Haufen ist ja schon ca. eine Milliarde jahre alt, weshalb so viele gleich helle Sterne als hellste Sterne des Haufens ins Auge fallen. FG Vulpeculae steht in der Mitte von NGC 6940 und ist Stern Nr. 120 (ob er wirklich physisch dazu gehört, weiß ich gerade nicht, müsste ich mal nachschauen). Die Farbe bietet aber einen schönen Tupfer.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Mein Verein: Astronomische Gesellschaft Buchloe e.V.

    Meine Ausrüstung:

    Teleskope: 22" (560 mm)  f/3.5 Dobson (Martini / Oldham Optical)  –  Omegon Ritchey-Chretien Pro RC 203/1624; Montierung: iOptron CEM40G  –  Ferngläser (8 x 42, 20 x 60)

    Kamera: Canon EOS 6D Mark II (Vollformat, unmodifiziert); Kameraobjektiv: meist Canon EF-200 mm f/2.8 Teleobjektiv

  • Hallo Johannes, mit dem 8x56 und Beta Lyr hab ich mich ungeschickt ausgedrückt: ich habe es schon mal freihand und mit Stativ probiert und es wurde beide Male nix. Ich wollte es nun nochmal probieren und wurde es nix wegen Tau. ;)

    Hey Klaus,

    das klappt auf Stativ bestimmt noch mit dem 8x56 FG. Die B Komponente ist weniger ein Abstands- als mehr Problem im Helligkeitsunterschied. Wenn Du vorher weißt in welchem Winkel sich der B-Stern zu Sheliak befindet, erleichtert dies das Auffinden deutlich.


    Viele Grüße

    Johannes

  • Andererseits ist ein 8" Newton mit Vollrohrtubus für meine Wohnsituation nicht handhabbar (egal, ob Dobson oder parallaktisch). Das aktuelle Setup hat den Vorteil einer handlichen Optik und insgesamt ist es auch nicht mehr Aufwand, als meinen 6" Newton und die Super Polaris die Treppe runter zu tragen, wenn auch mehr Gewicht. Auch die größeren Spiegel bei Gitterrohrdobsons empfinde ich aktuell als eher grenzwertig für den Transport.


    Das heisst nicht, dass ich einen Gitterrohrdobson für mich absolut ausschließe, aber aktuell sehe ich mich da nicht und auch nicht über 12".

    Ciao Klaus,


    zu Okularen hab ich Dir ne PN geschickt.


    Ansonsten zu oben:

    klar, kann ich voll verstehen. So ein grosser Dob ist schon ein Kasten. Ich gehe auch nur max ein Dutzend Mal beobachten damit pro Jahr... Muss das Wetter schon sicher sein, und ich viel Zeit haben :-).

    Aber gute UWW Okulare sind wirklich ne andere Welt. Am besten in hoher Quali (!) kaufen für beides, C8 und Newton.


    UND: Bei allen Okular-Vergleichen IMMER erstmal das WAHRE Feld ausrechnen...! ;) (geom. MAX Feld [in 2"=50.4mm Standardhülse excl. 2x1mm Wandstärke] für f=2000mm: 1.4°)

    V = f_tel / f_ok.

    wGF = sGF / V ______(sGF wäre also z.B. 82° bei guten UWW)


    Schöne Grüsse,

    Peter

  • Hallo Christoph,

    Super, dass es trotzdem so gut klappte und deine Taukappenverlängerung ausreichend war.

    eine Verlängerung ist das eigentlich nicht (obwohl die Einlage ein wenig raussteht). Eher eine provisorische Innenauskleidung der handelsüblichen Celestron-Taukappe mit unbehandeltem Fotokarton. Der Vorteil dabei ist: der Karton nimmt die Feuchtigkeit auf; das Material hat sich richtig vollgesaugt.


    Für meinen Doppelrefraktor und den kleinen 127 mm Maksutov bastel ich die Taukappen bereits seit längerem komplett aus schwarzem und unbehandeltem* Fotokarton. Das ist immer ein wenig improvisiert und hält auch nicht ewig, kostet aber nur ein paar Cent. Ich hatte damit bei diesen beiden Instrumenten noch nie Probleme mit beschlagenen Optiken.


    Bei 8" war ich nicht sicher, ob das mit der größeren Fläche genauso gut funktioniert; aber es hat sich auch dort bewährt. Im Grunde brauche ich die Marken-Taukappe von Celestron gerade nur als stabile Halterung für die improvisierte Einlage ;)


    Das Foto zeigt die provisorische Taukappe für den kleinen Mak und die Celestron-Taukappe mit meiner - genauso provisorischen - Innenauskleidung. Die muss ich nun neu machen, weil sie sich im feuchten Zustand auf dem Rückweg im Auto doch ziemlich verzogen hat.


    Ist dir der tief rote FG Vulpeculae aufgefallen?

    Leider nicht, aber ich werde beim nächsten Mal drauf achten. Diesen Sternhaufen werde ich mir sicher noch öfter anschauen :)


    Viele Grüße,

    Klaus


    * Edit: mit "unbehandelt" meine ich, dass ich keinerlei Farben oder Beschichtungen auftrage; das wäre kontraproduktiv. Der Karton soll sich ja vollsaugen können.

  • Hallo Klaus,


    ein sher schön ausfürlicher Bericht.

    Weiter zum Kugelsternhaufen M 56: dieser wirkte ähnlich, wie M 13 in einem kleineren Teleskop. Mit 80facher Vergrößerung war er ebenfalls noch ein granulierter Lichtball. Interessant war meine Reaktion als ich ihn kaum im Sucher erkennen konnte, weil ich bisher nur hellere Kugelsternhaufen kannte. Ich dachte nämlich zuerst, ich liege wieder komplett daneben. Aber bei höheren Deklinationswerten brauchte ich tatssächlich nur wenig zu korrigieren.

    Ja, der ist ein bisschen "zurrückhaltender" als seine bekanteren Kolegen, braucht sich aber nicht zu verstecken.


    Für meinen Doppelrefraktor und den kleinen 127 mm Maksutov bastel ich die Taukappen bereits seit längerem komplett aus schwarzem und unbehandeltem* Fotokarton. Das ist immer ein wenig improvisiert und hält auch nicht ewig, kostet aber nur ein paar Cent. Ich hatte damit bei diesen beiden Instrumenten noch nie Probleme mit beschlagenen Optiken.

    Das würde ich für meinen Mak auch gerne testen, der beschlägt ja schon bei 10% Luftfeuchte. Gibt es diese Fotokrton im normalen Schreibwarengeschäft?


    Viele Grüße,

    Bianka

    Teleskope: Newton 130/f5 , VMC 260/f11,5 / Newton 200/f4 , Kameras: ZWO ASI 183MM/183MC aber meistens visuell.

    Montierungen: EQ6-R,Celestron CGX,


  • ciao,


    Ich hab auch gehört, dass die Amerikaner jetzt ihre SCT Tuben aussen komplett einisolieren, damit sie nachts eben NICHT abkühlen (dämpft das Tubusseeing). Ich könnte mir vorstellen, dass auch das Beschlagen der Frontplatte damit verzögert eintritt. Ansonsten hatte ich damals (1) die Taukappe längenmässig überdimensioniert (Vignettierungswinkel ausrechnen mit weitwinkligstem Okular) und (2) eine Heizfolie in der TK eingebaut. Danach war Ruhe mit der Beschlagerei...


    Lg,

    Peter

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!