OdM März 2023 – eine kleine Sternhaufen-Wanderung von nah nach Fern in den Zwillingen: M 35, NGC 2129, NGC 2158, IC 2156 und IC 2157

  • Guten Abend


    Vor wenigen Minuten riss der Himmel kurz auf, endlich wieder mal Sterne sichtbar, und das bei relativ guter Transparenz (im Vergleich zu den letzten "klaren" Nächten). Leider waren bereits in allen Richtungen die Wolken schon im Anmarsch, weshalb ich nur kurz mit dem Billig Fernglas (12 x 50) draussen war.

    Um meine Augen etwas an die Dunkelheit zu gewöhnen, habe ich erstmal freiäugig die Sternbilder abgeklappert, zu meiner Schande bin ich da noch nicht ganz Sattelfest.

    Mit dem Fernglas vergewisserte ich mich dann ob M42 noch da ist (ja ist noch da). Dann machte ich einen kleinen Umweg über M44 (ich liebe ihn, Freiäugig im Fernglas oder im Teleskop einfach wahnsinnig schön) und näherte mich via Cr69 (Sarahs Klappstuhl) langsam meinem Ziel. Mit blossem Auge ist M35 indirekt als deutlichen Fleck zu erkennen.

    M35 zeigte sich im Fernglas als hübscher nebliger Fleck mit einigen sichtbaren Sternen. Vom Rest konnte ich leider nichts erkennen.

    Mittlerweile wurde auch der Wind wieder heftiger und das Stativ (also ich ;) ) schwankte so sehr, dass ein weiter beobachten nicht mehr möglich war. Ich genoss den sternenreichen Himmel noch einige Minuten bis die Wolken die Lücke wieder verschlossen hatten.


    Ich hoffe ich kann bald mehr berichten als diese fünf Minuten Beobachtung. Aber schön wars trotzdem!


    CS, Seraphin

  • Hallo,


    gleich 5 Sternhaufen auf einmal, das hat mir ordentlich Arbeit verschafft. Hier habe ich mal die ersten Beobachtungen vom 11.März zusammengefasst.


    NGC 2168 (M35) Stellarium nennt ihn auch Schuschnallenhaufen,

    Mit bloßem Auge habe ich ihn nicht gesehen, im 130mm Newton bei 38x ein deutlich aufgelöster Sternhaufen. Viele der Sterne scheinen in Ketten angeordnet, im Zentrum des Haufens scheint ein längliches annähernd herzförmiges Loch zu sein. Bei längerem konzentriertem schauen werken einige der Sterne rötlich.


    NGC 2158

    bei 43x hebt sich ein nebeliger Bereich vom Hintergrund ab, die Auflösung in Einzelsterne gelingt jedoch nicht.


    NGC 2129

    bei 26x sehe ich an der stelle nur zwei Sternchen schimmern, bei 97x werde es deutlich mehr so das der Haufen erkennbar wird,


    von IC 2156/57 konte ich praktisch nichts wahrnehmen, da muss ich mit größerem Gerät nochmal ran.


    Zu den Bedingungen, die Mischstraße ist im Zenit schwach sichtbar, M44 als Nebelfleck mit bloßem Auge direkt zu halten. Am Horizont wurde es zunehmend dunstig, die Temperatur lagt bei -1°C und es ging ein schwacher Wind.


    Spaßeshalber habe ich auch die Kamera wider angesteckt und ein paar Bilder gemacht.


    NGC 2129


    NGC 2158 mit M35


    Viele Grüße,

    Bianka

    Teleskope: Newton 130/f5 , VMC 260/f11,5 / Newton 200/f4 , Kameras: ZWO ASI 183MM/183MC aber meistens visuell.

    Montierungen: EQ6-R,Celestron CGX,


  • Guten Abend Zusammen


    Gestern hatte ich wieder mal klaren Himmel und habe meinen 12" F 5 Dobson aufgebaut. Leider war die Transparenz eher mässig. Ich konnte aber das ODM nochmals beobachten. Ich geh gleich weiter zu den Fragen:


    1.) M 35 mit bloßem Auge (Himmeltester) – klappt das, wenn ja, wie gut?

    M35 ist indirekt zu sehen. (Als ich dann abgebaut habe, klappte es nicht mehr, da es immer dunstiger wurde)


    2.) Mit welcher Optik kann man Sternfarben in M 35 unterscheiden? (Darauf habe ich bisher auch noch nicht geachtet, was ich unbedingt nachholen muss)

    Deutlich aufgefallen sind mir drei sehr gelbe/orange Sterne. Ansonsten konnte ich keine Farben sehen.


    3.) Ab welcher Öffnung kann man NGC 2158 in erste Sterne auflösen?

    Bereits im Übersichtsokular bei 46x sind indirekt erste Sterne aufgelöst, welche immer wieder aus dem Nebelfleck hervor kamen.

    5.) IC 2156/57: inwieweit sind zwei unterscheidbare Haufen im Teleskop zu erkennen?

    Beide Haufen sind doch auffällig als zwei isolierte Sternkonzentrationen. Allerdings nur wenn man weiss, dass dies Sternhaufen sind ;)


    6.) NGC 2129: Sind visuell Farbunterscheide bei den Sternen zu erkennen?

    Leider nein.


    7.) Zeichnungen und/oder Fotos: mit passender Brennweite müssten alle Objekte auf ein Foto passen, denn sie sind wirklich sehr nah beinander. M 35 zu zeichnen wäre eine Sisiyphusarbeit, aber die kleineren Haufen lohnen sich.

    Als Sisiyphus habe ich mich natürlich an M35 gewagt (nach M46 und M47, gar nicht so schlimm  ;) )


    M35 und NGC 2158


    Bei den beiden IC's habe ich auf viele Feldsterne verzichtet (hauptsächlich aus Zeitgründen, aber auch um die Haufen etwas zu isolieren.


    IC2156 & IC2157


    Lucifugus: Danke für dieses tolle ODM! Gleich vier offene Sternhaufen, so unterschiedlich in einer Linie zu beobachten, ist schon was! Ich hatte grossen Spass daran!


    CS, Seraphin

  • Servus Seraphin und Bianka,


    vielen Dank für eure Berichte / Fotos / Zeichnungen! Ich selber konnte kein einziges Mal beobachten, zeichnen oder fotografieren – immer zog es zu oder es wurde in der Früh klar (wo das OdM eh weg ist und ich halt blöderweise auch arbeiten muss, ergo früh aufstehen ohne Spechtelei).


    NGC 2129 kommt sehr schön rüber, Bianka. Man kann sich an deinem Foto dank der kurzen Belichtungszeit sehr schön den visuellen Eindruck vorstellen.


    Die Skizze von IC 2156/57 ist super geworden, Seraphin. M 35 ist natürlich etwas anstrengend, aber die gelben Sterne kann man so natürlich ideal dokumentieren.


    Gleich vier offene Sternhaufen, so unterschiedlich in einer Linie zu beobachten, ist schon was! Ich hatte grossen Spass daran!

    Das freut mich natürlich. Ich selber schaue eigentlich immer auch bei NGC 2158 vorbei, wenn ich M 35 anschaue (geht fast gar nicht anders) und dann auch rüber zu IC 2156/57. NGC 2129 wird dann oft vernachlässigt (auch von mir), weshalb ich den bewusst mit rein genommen habe. Meist gehe ich dann weiter zu Pismis 27 (direkt am Affenkopfnebel) und nehme den auch noch mit. Das hätte das OdM dann aber gesprengt. Und der benötigt Brennweite, da er sehr klein ist. Noch ein Funfact zum off topic Pismis 27: der ist in einen blauen Reflexionsnebel eingebettet, der auf den allermeisten Fotos vom Affenkopfnebel einfach fehlt, weil da mit Schmalband draufgehalten wird und RGB nicht jeden interessiert. Dabei ist gerade der Kontrast von rot zu blau so toll. Aber wie gesagt: off topic.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Mein Verein: Astronomische Gesellschaft Buchloe e.V.

    Meine Ausrüstung:

    Teleskope: 22" (560 mm)  f/3.5 Dobson (Martini / Oldham Optical)  –  Omegon Ritchey-Chretien Pro RC 203/1624; Montierung: iOptron CEM40G  –  Ferngläser (8 x 42, 20 x 60)

    Kamera: Canon EOS 6D Mark II (Vollformat, unmodifiziert); Kameraobjektiv: meist Canon EF-200 mm f/2.8 Teleobjektiv

  • Guten Morgen Christoph


    Die Skizze von IC 2156/57 ist super geworden, Seraphin. M 35 ist natürlich etwas anstrengend, aber die gelben Sterne kann man so natürlich ideal dokumentieren.

    Danke dir! Ja, an M35 könnte man sicher auch deutlich länger zeichnen. Ich musste früh ins Bett und der Himmel war ziemlich dunstig.. Aber ich mag das OC zeichnen schon sehr, es gibt doch kaum was entspannenders ;)


    NGC 2129 wird dann oft vernachlässigt (auch von mir)

    Ich war leider völlig unvorbereitet, war die Prognose doch immer schlecht. Überrascht vom klaren Himmel, habe ich den schlicht und ergreifend vergessen.. Das werde ich bei nächster Gelegenheit nachholen!


    Ich finde das ODM ähnlich faszinierend wie Hickson 44, gleich mehrere gleiche Objekttypen die komplett unterschiedlich aussehen. So viel zu "offene Sternhaufen sind langweilig" ;)


    Zu Off Topic:

    Pismis 27

    Oh ja, den habe ich auch schon wieder fast vergessen! Gleich auf die Todo gesetzt. Ja die Reflexionsnebel werden oft vernachlässigt, oder gehen wegen äusseren Einflüssen einfach nicht (Lichtverschmutzung, Mond, Transparenz...) aber oft sind es gerade die Reflexionsanteile die einem Bild eine weitere "Dimension" verleihen, so zu sagen das tüpfelchen auf dem i. Aber sie sind auch deutlich schwieriger einzufangen, alleine schon weil die Bedingungen einfach gut sein müssen.


    Ich habe Pismis 27 vor fast einem Jahr (25.03.2022) eingefangen, reine RGB Aufnahme mit DSLR:

    NGC2174-Affenkopfnebel

    Die blauen Anteile kommen nur mässig zur Geltung, was aber wohl meinen damaligen Bildbearbeitungsskills geschuldet sein dürfte. Da lohnt sich eventuell eine neue Bearbeitung.


    CS, Seraphin

  • Hallo Christoph und Seraphin,

    Noch ein Funfact zum off topic Pismis 27: der ist in einen blauen Reflexionsnebel eingebettet, der auf den allermeisten Fotos vom Affenkopfnebel einfach fehlt, weil da mit Schmalband draufgehalten wird und RGB nicht jeden interessiert. Dabei ist gerade der Kontrast von rot zu blau so toll. Aber wie gesagt: off topic.

    Zu diesem Off-Topic Thema "Farben bei Nebeln" fällt mir noch etwas ein, was für uns jeweils sehr denkwürdig war. Ich zitiere aus meinem Südafrikabericht 2018:


    " ... Und die Farben des Trifidnebels erschienen mir erneut anders herum als auf den Fotos: Auf denen ist der Emissionsteil vom starken H-Alpha Lichtanteil her rötlich, und der Reflexionsteil bläulich. Visuell ist dagegen von H-Alpha nicht mehr viel zu erkennen, und dann kommt der ins türkis gehende OIII-Anteil viel besser zur Geltung; ... Dass mir der lichtschwächere Reflexionsteil dabei leicht rötlich erscheint, dürfte dem Kontrasteffekt geschuldet sein. Das haben Friedhelm und ich schon alles sehr schön mit dem 13-Zöller auf Reunion gesehen, als M20 gleichermaßen zenitnah stand, und Friedhelm im Hinblick auf die Farben auf den Fotos witzelte: 'Alles Lüge'. Das ist doch mal eine Verschwörungstheorie, die schwarz auf weiß - nein, rot auf blau - direkt am Okular bewiesen werden kann ;-)"


    Servus

    Ben

  • Lieber Christoph,


    wie du habe auch ich den ganzen März über vergeblich auf klaren Himmel gewartet und mich alle paar Tage frustriert und stumm darüber ausgelassen, dass ich die "Aufgaben" nicht lösen gehen durfte. Kurz nach Neumond kam dann eine ausgiebige Regenphase, alle Wolken wurden weggepustet und wie zu erwarten, belohnte der Himmel mit ganz besonders klarer, reiner Luft und allerschönster Durchsicht. Fun Fact am Rande: Ich kann halbwegs gesichert behaupten, dass mein Stuttgarter Neumondhimmel mit dem dänischen Vollmondhimmel mithalten kann - cool, oder? (ok, feiner Spott, falls man es nicht rauslesen kann :D)


    Jedenfalls, hier nun nochmal meine Notizen zu den wunderbaren Haufen:


    1.) M 35 mit bloßem Auge (Himmeltester) – klappt das, wenn ja, wie gut?

    11.03.23 Streuobstwiesen direkt über Flughafen/Messegelände: Nope.

    24.03.23 Neumondzeit im Garten: Nichts.


    2.) Mit welcher Optik kann man Sternfarben in M 35 unterscheiden?

    September 2022 10‘‘ Bortle 2: bei 42x einfach nur wunderschön, Explosion an Gefunkel und ein goldener und blauer Stern im NW nebeneinander, die wie eine Kette ganz klein und schmal nach außen reichen; was ist denn da im Westen für ein Nebelfleck? -> es ist NGC 2158, ein OS

    11.03.23 4‘‘ Flughafen: der goldene Stern im NW, der zweite wirkt nicht so blau wie im August mit 10‘‘

    24.03.23 4‘‘ Garten: die Hauptkomponente von STT134, die südliche Spitze von Mayers Herz sowie ein Stern westlich im Haufen zeigen eine Orangefärbung

    24.03.23 FG 12x42 Garten: die Hauptkomponente von STT134 sowie die südliche Spitze von Mayers Herz sind orange zu sehen


    3.) Ab welcher Öffnung kann man NGC 2158 in erste Sterne auflösen?

    11.03.23 4'' Flughafen: Der OS ist im Prinzip überhaupt nicht zu erkennen, nur als manchmal auffluffender Nebel zu erahnen

    24.03.23 10‘‘ Garten: bei 96-fach nicht viel mehr als eine große, ganz feinkörnige Aufhellung zu erkennen


    4.) IC 2156/57 im Fernglas: bis zu welcher Öffnung und Vergrößerung klappt das?

    11.03.23 FG 12x42: jedenfalls am Flughafen nicht


    5.) IC 2156/57: inwieweit sind zwei unterscheidbare Haufen im Teleskop zu erkennen?

    September 2022: 10‘‘ Bortle 2: IC 2156 ist zusammen mit dem OS IC 2157 noch als Aufhellung zu sehen, die wie zwei Haufen aussieht, die ums Eck gehen; ich sehe ein paar Hauptsterne und bei 42x auch noch ein Hintergrundglimmen; gut möglich, dass IC 2156 das nördliche Häuflein ist, vielleicht sind es auch nur andere Vordergrundsterne, die die „Eck-Optik“ erzeugen, IC 2157 ist gesichert

    11.03.23 4‘‘ Flughafen: die Haufen überhaupt zu erkennen, grenzt schon an waghalsige Einbildung, mehr als zwei Hände voll einzelner Sterne sind nicht auszumachen

    24.03.23 10‘‘ Garten: bei 96-fach wesentlich mehr Sterne als im Vierzöller zu sehen – im Norden zeigen zwei von Nord nach Süd weisende Sterne, der nördliche ist etwas heller, auf IC2156 zu, dann folgen über das gesamte GF von 1,0° recht lose einige Sterne – der nördliche Haufen hat etwa 15-20 feine Sternchen; es folgen von Osten nach Südwesten drei bis vier hellere Sterne in einem Bogen, südlich davon befinden sich nochmals acht Sterne, insgesamt eher mager bestückt und nicht als zwei getrennte Haufen auszumachen


    6.) NGC 2129: Sind visuell Farbunterscheide bei den Sternen zu erkennen?

    Absolut nein :)


    7.) Zeichnungen und/oder Fotos: mit passender Brennweite müssten alle Objekte auf ein Foto passen, denn sie sind wirklich sehr nah beinander. M 35 zu zeichnen wäre eine Sisiyphusarbeit, aber die kleineren Haufen lohnen sich.


    Jeeeeeeetzt kommt die große Stunde! Den Rest meines Beitrags lasse ich unkommentiert :)


    Viele Grüße

    Sarah


      


  • Servus Sarah,


    cool... bei mir gab es immer noch keine Möglichkeit, rauszugehen ;(

    Krass, wie übel dein Himmel ist. Aber besser Flughafenhimmel also "Bortle 2 bei Vollmond" als nur Wolken, Regen, Schnee und wieder Wolken bzw. wenn wolkenlos, dann tagsüber.


    Und natürlich erwartungsgemäß: coole Zeichnungen!


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Mein Verein: Astronomische Gesellschaft Buchloe e.V.

    Meine Ausrüstung:

    Teleskope: 22" (560 mm)  f/3.5 Dobson (Martini / Oldham Optical)  –  Omegon Ritchey-Chretien Pro RC 203/1624; Montierung: iOptron CEM40G  –  Ferngläser (8 x 42, 20 x 60)

    Kamera: Canon EOS 6D Mark II (Vollformat, unmodifiziert); Kameraobjektiv: meist Canon EF-200 mm f/2.8 Teleobjektiv

  • Hallo Christoph,

    hallo Sternfreunde,


    etwas verspätet melde ich mich zum März – ODM. Leider bot der März keinerlei Beobachtungsmöglichkeit. Am 03.04. war es dann endlich mal wieder klar, die Zwillinge waren aber schon merklich nach Westen gewandert und der fast volle Mond nicht weit vom Objekt entfernt.

    Immerhin war es einen Versuch wert, M35 doch noch abzulichten, sowohl mit dem Refraktor als auch dem CDK. Wie man auf den Bildern sieht, hat der seitlich einstrahlende Mond den Sternen unschöne Kometenstreifen verpaßt.

    Hier zunächst das Bild mit dem Refraktor. Leider habe ich nicht aufgepaßt, sonst wäre NGC 2158 noch vollständig mit aufs Bild gekommen.




    Aufnahmedaten:


    Equipment:

    APM 107/700 (f/6,5)

    Kamera: ATIK 460 mit Filterrad und RGB – Filtern

    Montierung: Fornax 100

    Guiding über OAG mit MGEN II

    Verwendete Software: APT, Astro Pixel Processor, Pixinsight


    Bildinformation:

    Aufnahmedatum: 03.04.2023

    7 x 180 Sek. je Farbfilter, Binning 1x1, Temp. -10 Grad

    Bortle 6



    M35 hat leider nicht vollständig auf den bei der großen Brennweite verwendeten Chip gepaßt. Vom Haufencharakter ist insofern nicht viel zu erkennen.




    Aufnahmedaten:


    Equipment:

    PW CDK 317/2540 (f/8)

    Kamera: ALCCD QHY 268 Color

    Montierung: Fornax 100

    Guiding über OAG mit MGEN II

    Verwendete Software: APT, Astro Pixel Processor, Pixinsight


    Bildinformation:

    Aufnahmedatum: 03.04.2023

    62 x 60 Sek, Gain 57, Binning 2x2, Temp. -10 Grad

    Bortle 6



    Der Hauptgrund, auch die große Brennweite einzusetzen lag darin, Mayers Herzerl prominent darstellen zu können. Von diesem Sternmuster hatte ich bis dahin noch nichts gehört. Dreht man obiges Bild um etwa 180 Grad, kommt das Muster schön zum Vorschein, wie man auf dem anschließenden Crop erkennen kann.



    Viele Grüße

    Heinz

  • Servus beinand,


    gestern konnte ich endlich auch mein eigenes OdM etwas nachbeobachten. Mein letzter g'scheiter Ausflug ins Freie datiert vom 21. Februar 2023, im März keine einzige, für mich nutzbare Nacht (auch wegen der Arbeit, denn um 4 Uhr morgens gehe ich nicht raus, wenn ich danach in die Arbeit muss und das OdM war da eh schon weg...). Aber jammern bringt nichts, daher vom April ein Märzausflug... Viel Zeit hatte ich nicht, da im Westen von meinem Beobachtungshügel Bäume im Weg sind.


    M 35: ich habe erst nach Sternfarben Ausschau gehalten (muss ich viel öfter bewusst machen). Und siehe da, plötzlich werden sie auffällig, die gelben Gesellen im Gewusel: HD 41996 (7m4), am Ende einer sehr auffälligen Sternkette, erscheint schön gelb im 8-Zöller. HD 252260 (8m6) ist ein zweiter, deutlich gelber Stern, der sich farblich vom Rest absetzte. TYC 1881-93-1 (8m5) fiel mir erst später ebenfalls als gelb auf. Das waren dann drei auf einen Streich. Sehr hübsch...

    Meyers Herzerl habe ich als solches leider nicht erkennen können. Wohl habe ich die Sternenkette, die eine Seite bis zur Spitze des Herzens darstellen soll, erkannt (springt ja ins Auge), aber das Herzerl als Ganzes, sorry, da haben meine Forminterpreten der Großhirnrinde nicht mitgemacht. Ich habe dafür in den vielen Sternen ein anderes, runderes Herz gesehen, das aber wohl etwas zu rund ist und fast als Apfel durchgehen könnte (das bzw. der von einer Sternenkette durchschnitten wird).


    Ach ja, M 35 war schon am Ende der Dämmerung mit bloßem Auge indirekt sichtbar, ging aber im Laufe der Zeit immer mehr in Richtung Horizont / Bäume. Die Nacht war transparent und sehr gut, aber so schön hell wie im Meridian war M 35 nicht mehr.


    NGC 2158 habe ich daher auch nicht näher beobachtet. ich habe von ihm ja schon einen früheren Bericht zitiert.


    IC 2156/57:


    IC 2156 und 2157, Doppelhaufen in den Zwillingen


    Die beiden Haufen waren gut voneinander abgrenzbar und auch vom Hintergrund. IC 2157 habe ich etwas zu sternarm gezeichnet, denn ich habe schon mehr Mitgliedssterne zählen können, aber das Rotlicht stört dann halt doch ein bisserl und ich hatte nicht genug Zeit, das Letzte an indirekt erkennbaren Sternchen rauszukitzeln. Die Skizze gibt aber den visuellen Eindruck recht gut wieder, den ich bisher von den beiden Haufen im 8-Zöller hatte. Farben habe ich keine erkennen können.


    NGC 2129:


    NGC 2129, ein kleiner, offener Sternhaufen in den Zwillingen (Teil des OdM März 2023)


    Die untere Sternkonzentration um die beiden senkrecht stehenden, hellen Sterne ist der Haufen. Im Okular hob er sich gut vom Hintergrund ab. Die hervorstechenden, hellen Sterne wirken live wie zwei Augen und rundherum sind dann einige, schwächere Sterne. Klarer Haufencharakter, schon bei 43× gut zu erkennen, aber bei 81× fast am schönsten. Bei 203× sieht man natürlich die schwächeren Sterne besser. Farben konnte ich hier leider nicht erkennen (kein Blauton der hellen Sterne, sondern reines Weiß, auch kein Rotton bei den schwachen).


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Mein Verein: Astronomische Gesellschaft Buchloe e.V.

    Meine Ausrüstung:

    Teleskope: 22" (560 mm)  f/3.5 Dobson (Martini / Oldham Optical)  –  Omegon Ritchey-Chretien Pro RC 203/1624; Montierung: iOptron CEM40G  –  Ferngläser (8 x 42, 20 x 60)

    Kamera: Canon EOS 6D Mark II (Vollformat, unmodifiziert); Kameraobjektiv: meist Canon EF-200 mm f/2.8 Teleobjektiv

  • N’Abend Christoph,

    Wahnsinn wieder einmal. Ich muss schon sagen, ich bin ein kleiner Fan von deinen Beobachtungen, vorfallen aber auch von deinen Schilderungen und Beschreibungen geworden. Faszinierend find ich, wie du das zeichnen noch dazu hinbekommst. Wie machst du das, bzw. Was sind deine Utensilien zum zeichnen?

    Ich lese immer gerne bei dir mit. Danke wieder einmal für diese Reise.

  • Servus Thomas,


    vielen Dank für das viele Lob :saint:

    Das Zeichnen – da sind andere viel besser. Ich selber zeichne mit Bleistift auf weißem Papier mit Hilfe einer Rotlichtlampe. Ich versuche, geometrische Muster bei den Sternen zu erkennen, v.a. Dreiecke und die dann winkelgetreu zu zeichnen. Das scanne ich dann ein und zeichne dann alles durch eine drüber gelegte Ebene per Photoshop neu. Ich mache die Skizze also rein digital fertig.

    Galaxien und anderes, flächiges, finde ich viel schwieriger. Hätte ich normales Licht, würde ich mit weichen Bleistiften und Radierer arbeiten. So skizziere ich mir das auch nur mit Bleistift und füge Anmerkungen hinzu. Später mache ich dann wieder mit Photoshop eine ausgearbeitete Skizze daraus. Hier werkle ich meist mit verschiedenen Ebenen herum und mache es bewusst unscharf, da man ja im Teleskop auch unscharf sieht. Es ist eh schwierig, finde ich, da ich indirekt zwar heller, aber unschärfer sehe als direkt. Ich bin noch in der Ausprobierphase.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Mein Verein: Astronomische Gesellschaft Buchloe e.V.

    Meine Ausrüstung:

    Teleskope: 22" (560 mm)  f/3.5 Dobson (Martini / Oldham Optical)  –  Omegon Ritchey-Chretien Pro RC 203/1624; Montierung: iOptron CEM40G  –  Ferngläser (8 x 42, 20 x 60)

    Kamera: Canon EOS 6D Mark II (Vollformat, unmodifiziert); Kameraobjektiv: meist Canon EF-200 mm f/2.8 Teleobjektiv

  • Hallo Christoph, es mag ja sein, dass es da bessere Zeichner gibt. Ich muss ehrlich gestehen, nicht alle gleichermaßen anzuschauen, aber es gefällt mir einfach in welcher Form du und wie ich aus meiner Sicht empfinde fachlich und interessant deine berichte darbietest.

    Wollte dir nur mal mitteilen, das es für mich immer sehr inspirierend ist deine Berichte zu lesen und es mich einfach mal interessierte, wie solche Zeichnungen angefertigt werden.

    Danke dafür und gerne geb ich ein solches Lob auch weiter.


    Liebe Grüße

    Thomas

  • Hallo zusammen,


    M 35 hatte ich mir Anfang März vorgenommen an einem Abend, an dem der Mond fast voll war. Hauptsache überhaupt sternklarer Himmel.

    Leider kamen im Laufe der Beobachtung Wolken. M 35 konnte ich noch ohne Bewölkung zeichnen. Dann arbeitete ich mich langsam zu NGC 2158 vor. Bis dahin war allerdings der Himmel schon so zugezogen, dass die visuelle Grenzgröße mit 20" nur noch etwa 14.5 mag war. NGC 2158 wirkt sicher besser bei besseren Bedingungen.

    Das und die restlichen Sternhaufen dieses Objekts des Monats möchte ich gerne in der nächsten Saison nachholen.
    Im Anhang ist mein aktueller Stand, die Zeichnung von M 35 mit NGC 2158 als gemotteltes Etwas bei 74x Vergrößerung mit 20" Öffnung.


    Clear skies


    Robin


  • Hallo zusammen,


    am Montag holte ich nach, was ich vor fast einem Jahr wegen Wolken abbrechen musste. Endlich konnte ich die restlichen Sternhaufen bei Messier 35 mit meinem 20" Dobson beobachten.



    NGC 2158
    Wirkt bei kleiner Vergößerung etwas wie ein Kugelsternhaufen, macht sich gut neben Messier 35. Ich bin mit meinem 20“ Dobson mit 419x Vergrößerung eher tief eingetaucht. Sehr viele einzelne Sterne. In der Mitte ein gemottelter Bereich.





    IC 2156, IC 2157

    Bei 256x Vergrößerung passen sie schön zusammen ins Gesichtsfeld und die Sterndichte ist deutlich größer als in der Umgebung.




    NGC 2129
    Dieser offene Sternhaufen befindet sich weiter östlich von IC 2156, IC 2157. Im 20“ Dobson bei 256x Vergrößerung ist der Sternhaufencharakter gut erkennbar. Recht helle Sterne.





    Irgendwo weiter oben wurde Koposov 63 erwähnt. Hat den jemand von euch beobachtet?


    Dieser offene Sternhaufen befindet sich etwa 20‘ östlich von Messier 35. Auf den Aufnahmen von DSS oder PanSTARRS kann ich keinen deutlich abgegrenzten Sternhaufen erkennen, evtl. eine leichte Überdichte von Sternen mit 16 mag oder schwächer. Im 20“ Dobson bei 419x Vergrößerung sah ich einige Sterne um 16 mag innerhalb und um eine Raute aus 12-14 mag Sternen. Die Raute habe ich in der Zeichnung mit Strichen markiert. Anspruchsvolle Beobachtung, es hat gedauert, das zu erfassen. Ich kann aber nicht nachvollziehen, ob diese Sterne zu dem Sternhaufen gehören. Einen Hinweis wie ähnliche Eigenbewegungen habe ich nicht gefunden.




    In der Region gibt es noch mehr. Ungefähr 40 Bogenminuten nördlich von M 35 befindet sich der offene Sternhaufen Dutra-Bica 84, wie mir Cartes du Ciel angezeigt hat. Allerdings konnte ich diesen nicht sehen.

    Es handelt sich hierbei um einen offenen Sternhaufen, dessen Einzelsterne auf PanSTARRS-Aufnahmen stark gerötet erscheinen, vermutlich infolge Absorption durch Staub. Er befindet sich etwa 40 Bogenminuten nördlich von Messier 35. Die hellsten dieser Sterne sind schwächer als 18 mag, bis auf einen Einzelstern mit 16.5 mag, der auf PanSTARRS-Aufnahmen auch stark rot erscheint. Diesen Stern habe ich nicht gesehen. Vermutlich ist er zu rot oder variabel.


    Clear skies


    Robin

  • Servus Robin,


    Koposov 63 = FSR 869, den hatte ich erwähnt: RE: OdM März 2023 – eine kleine Sternhaufen-Wanderung von nah nach Fern in den Zwillingen: M 35, NGC 2129, NGC 2158, IC 2156 und IC 2157 – da habe ich auch ein Paper verlinkt, das weitere Sternhaufen umfasst. Ich habe Koposov 63 in einem Foto markiert. Ich schaffe es nicht, deine Zeichnung mit dem Foto zu "alignen", kann daher nicht sagen, ob du Koposov 63 gesehen hast oder nicht. Dass dieser Haufen näher als NGC 2158 ist, ist für mich der Hammer. Das unterstreicht die Monstergröße von NGC 2158.


    Koposov 63 steht eigentlich noch auf meiner internen To-Do-Liste, aber ich kam lange nicht mehr raus zum Spechteln – der FSR-Katalog ist ohnehin spannend, aber so viele davon dermaßen schwer.... Und wenn es klar war, war ich entweder beruflich eingespannt, hatte Hobbykollision oder war krank. Juchhu... wird aber noch. Jetzt habe ich Ferien (aber wie wird das Wetter?!).


    Danke für deine schönen Beschreibungen und die Skizzen!


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Mein Verein: Astronomische Gesellschaft Buchloe e.V.

    Meine Ausrüstung:

    Teleskope: 22" (560 mm)  f/3.5 Dobson (Martini / Oldham Optical)  –  Omegon Ritchey-Chretien Pro RC 203/1624; Montierung: iOptron CEM40G  –  Ferngläser (8 x 42, 20 x 60)

    Kamera: Canon EOS 6D Mark II (Vollformat, unmodifiziert); Kameraobjektiv: meist Canon EF-200 mm f/2.8 Teleobjektiv

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