Io-Transit vor Jupiter und Saturn, 2021 Aug 28/29

  • Das war eine spontane Aktion heute hier in meiner Sternwarte in West Cornforth, Nordostengland. Tagsueber war es nochmal recht sommerlich, aber mit dem Sonnenuntergang kamen Schlieren und Dunst. Auch der Jetstream schien laut Karte genau ueber die Ostkueste Englands herzuziehen, was eigentlich schlechtes Seeing bedeutet. Dennoch habe ich kurz vor Mitternacht mein Rohr (ein 200/5000mm Schaerrefraktor) mit der ZWO ASI 120MC auf Saturn und Jupiter gehalten. Nanu? Was ist das denn? Gar nicht mal so uebel, Saturn richtig knackig mit Cassiniteilung, und kaum ein Wabern! Schnell den Laptop geholt, Kamera angeschlossen, ADC eingerichtet und fokussiert. Dabei das Handset zweimal runtergeschmissen, zweimal geflucht, und weitergemacht. Nach Saturn dann auf Jupiter geschwenkt. Mit Loch, denn Io hatte einen Transit und der Schatten war gestochen scharf. Mit dem LVW13mm sah ich bei 385x sogar, dass die zwei Monde neben Jupiter unterschiedlich gross waren! Das erste Mal, dass ich die Jupitermonde als Scheibchen wahrnehmen konnte. Spaeter habe ich nachgeguckt: Das waren Europa weiter innen, und Ganymed weiter aussen. Europa hat um 3000km, Ganymed um 5000km Durchmesser und so habe ich es auch gesehen - der Aeussere war etwa zweimal so gross wie der Innere.

    Hier nun ein paar Bilder:


    Saturn ...



    ... und ein paar Jupiteraufnahmen mit Io's Schatten. Io daselbst befindet sich ca. 2 Schattendurchmesser weiter links und ein bisschen hoeher.



    Schliesslich liess die Transparenz nach, und es wurde sehr feucht. Wahrscheinlich Bodennebel. Noch schnell eine Impression der Szenerie, durch den Halbmond beleuchtet. Dies ist das Feld ausserhalb der Sternwarte, die Heuballen wurden erst heute Nachmittag gerollt. Das Objekt am Himmel ist Saturn.



    Fazit: Versuch macht kluch, und manchmal lohnt sich auch bei schlechter Prognose eine Beobachtung.

  • Hallo Jürgen,

    herzlichen Glückwunsch zu diesen schönen Beobachtungen und Fotos. Besonders gut gefallen mir die Jupiterbilder :)

    Saturn ist immer schwierig, da er immer noch sehr tief steht. Man erahnt, dass die Cassiniteilung in den guten Momenten umlaufen möglich war..

    Jupiter wirkt noch schärfer und beim zweiten Foto hast Du vermutlich die vollen 8" Öffnung ausreizen können. Wunderschön 8)

    Man sieht jede Menge Ovale, Wirbel, den Pechschwarzen Mondschatten... Was ich auch sehr erstaunt, dass die Farben fast APO mäßig ausschauen. Wie kann das sein?

    Klar, mit 5 m Brennweite ist Dein FH schon relativ farbrein, aber das ist für mich trotzdem unerwartet. Hast Du die Aufnahmen durch Huygens Okulare gemacht? (Da hatte ich einmal einen ähnlichen Effekt, dass der Farbfehler im 80/1200 nicht mehr zu sehen war)

    Apropos Mondschatten. Etwas links von dem schwarzen Mondschatten sehe ich einen kleinen bräunlichen Fleck. Könnte das Io sein oder war Io schon oder noch außerhalb des Jupiterscheibchens?

    Ja, die Monde sind aus meiner Erfahrung tatsächlich in der Größe unterscheidbar wobei natürlich die große Öffnung hilft.

    Dir weiterhin viel Freude und Erfolg mit Jupiter und Saturn... und danke für's Zeigen. Ich bin schon auf weitere Bilder und Beobachtungen gespannt.

    servus, Roland

  • Hi Roland,


    danke fuer Deine netten Zeilen. Saturn war "doppelt sportlich", da die Transparenz sehr gering war. Ich musste bei einem Filmchen mit 170ms belichten, spaeter wurde es dann ein wenig besser. Immer noch relativ lange Belichtungszeiten verglichen mit einer richtig klaren Nacht. Planetenbeobachter wissen ja leicht dunstige Naechte, die ein gutes Seeing zeigen, zu schaetzen. Ich wollte eigentlich noch meinen Obelix (14" Meade SCT) fuer Tests auf den Ringnebel halten, nahm aber davon Abstand. Die Transparenz war fuer die Tonne, es war sehr feucht und manchmal zogen Nebelschwaden durch.

    Der Fleck ist in der Tat Io. Er befindet sich etwa 2.5 Schattendurchmesser weiter links oben und bewegt sich synchron zum Schatten. Gerade im zweiten Bild ist die Kugelgestalt schoen zu erkennen.

    Der Refraktor ist nicht mal ein FH, sondern ein verkitteter Achromat. Manchmal meine ich, einen leichten Blausaum zu sehen, aber richtig fokussiert verschwindet er auch wieder. f/25 macht halt vieles wieder wett. Weitere Optik ist nicht im Strahlengang. Ich hatte zur Marsopposition letztes Jahr mal mit einer 2x-Barlow experimentiert (10m Brennweite), aber ich konnte keine Verbesserung feststellen. Die Pixel sind halt recht klein, und Oversampling hilft natuerlich nicht weiter. Naechte guten Seeings, wie gestern, sind allerdings in England sehr selten. Seeing von zwei Bogensekunden sind eher der Standard.

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