Astrofotografie - wie gefährlich ist Taubildung/Beschlagen für die Elektronik?

  • Nachdem ich vor kurzem das erste mal Probleme mit Taubildung am Objektiv hatte (nach einigen Fotos im Freien begann plötzlich die Taubildung bzw. beschlug das Objektiv nachdem ich den Deckel für einen Darkframe auf das Objektiv montierte) wollte ich fragen wie gefährlich das unter Umständen für die Kamera sein kann, bzw. was ich dagegen tun kann.


    Mir geht es weniger um das Objektiv (da wird wohl die Gefahr geringer sein bzw. kann man ja laut einigen Artikeln Handwärmer etc. nutzen um dieses warm zu halten (wobei ich mich frage was man benützen soll, da die meisten Handwärmer mehr HItze produzieren als die Kameras als Betriebstemperatur angeben (Kamera meist bis 40 Grad, Handwärmer meist 55+ Grad), als um die Kamera selbst wenn ich sie direkt mit dem Teleskop verbinde wo die Kamera dann ja sozusagen völlig "offen" ist da man in diesem Fall ja ohne Objektiv fotografiert. In soeinem Fall würde sich ja Tau etc. direkt im Kameragehäuse bilden?


    Oder mache ich mir einfach zuviele Sorgen? Habe eine APS-C Kamera von Fuji (kein weather sealing) und so billig sind diese Kameras ja auch nicht.




    Ergänzend zu den Darkframes - wenn bei dem Objektiv das Darkframe schuld war (das montieren des Deckels - genau ab dem ersten Foto danach ist die Linse an den Rändern beschlagen), kann man Darkframes sozusagen auf Vorrat oder im Nachhinein im Warmen machen?

  • Hallo Aegir,


    erstens, ich habe immer ein dünnes Tuch um die Kamera gewickelt um etwas vom Tau abzuhalten.

    Ja Wasser und Strom ist nicht gut zusammen, ABER

    1. ist Tau/Kondenzwasser sehr arm an Elektolyten (nimmt sie aber schnell) auf und Leitet daher nicht so gut wie leitungswasser.

    2. die Luft in der Kamera tauscht sich nur wenig mit der Außenluft aus und daher Beschlägt es eher äußerlich.

    3. wenn es zuviel ist "Nix gut", daher versuchen es mit z.B. Tuchumwicklung etwas zu reduzieren.


    Ich habe auch schon Abende gehabt, da hat das Gehäuse getropft, das ist nicht so pralle, aber wenn es direkt abgewischt wird nach den Aufnahmen kommt eigentlich nichts/kaum etwas ins innere.



    Zu den Darks:

    NEIN, zu kalte Darkframes sind weniger schlimm als zu warme.

    Warme Darksframes führen zu einer Überkorrektur (das Signal ist warm meist stärker) und können zu "Lochfraß" führen.

    Darktemperaturen müssen genau so warm/kalt wie das dazugehörige Light/Flat sein.

    Als Ausweichmöglichkeit (nur im Notfall) kann man BIAS (kurzeste Belichtungszeiten-Darks) erstellen, da hier die Temperatur nur wenig Einfluss hat.

    Hier aber nicht eine Turboschnelle Serie schießen, sondern etwas Zeit zwischen den einzelnen Bildern lassen, da je nach Kamera auch hier Veränderungen auftreten können.


    Ich hoffe es hilft dir weiter, sonst guck mal hier wegen Darks: Astrophotocologne - BIAS, Darks,Flats

    Das oberste Video und in der Liste sind noch mehr zu dem Thema.


    Dann viel Erfolg, Sven

    Anfänger seit 2019

    EOS 70 D & DA

    EFs 18-135 USM; EFs 18-55 FST

    114/900er Fotoumbaunewton, 200/800er Newton

    CEM25P + Guidingcam und PHD2

    Meine Ergebnisse

  • Ich sehe keine besonderen Gefahren, die über das übliche hinaus gehen.


    Wasser auf elektronischen Bauteilen fördert immer Korrosion und Kurzschlüsse. Aber viele Bauteile dürften gut lackiert und damit versiegelt sein.


    Selbst verchromte oder vernickelte Teile wie Stecker, Schrauben usw. halten halt nicht ewig. Ein Hauptfeind sind leitfähige Kontakte verschiedener Metalle/Legierungen, denn dann bauen sich elektrochemische Potentiale auf, die über Elektrolyte (und dazu gehört Tau) stromtechnisch dann einen Ionentransport auslösen.


    Kurz: Das Zeug altert und unterliegt bei Benutzung einem gewissen Verschleiß und hält nicht ewig. Und Elektronik dürfte von allen Bauteilen die kürzeste Lebensdauer haben. Aber regelmäßig hat man viel schneller einen Kabelbruch oder verbogenen Stecker, weil man im Dunklen mal hängen bleibt.


    Weitere Alterungsursachen sind Temperaturwechsel und UV-Sonnenlicht. Da geht es dem Astroequipment nicht besser als den Gartenmöbel.

  • Hallo Aegir,


    die Frage nach der Feuchtigkeit hab ich mir auch schon so manches mal gestellt.

    Das Tuch ist natürlich eine gute Idee.


    Ich hatte mir überlegt, ob ich mir mal so eine Regenschutzhülle zulegen sollte.

    Kamera Regenschutzhülle – Meersee Kamera-Schutz für: Amazon.de: Elektronik


    Gruß

    Sabine

    Meine Ausrüstung
    Montierung: ioptron CEM40, Skywatcher Star Adventurer Pro

    Kamera: Altair Hypercam 26C, Canon EOS700Da

    Teleskop: TS Photoline 80 mm f6 (380/480 mm)

    Objektive: Canon 200 mm, Samyang 135 mm, Sigma 18-35 mm, Canon 60 mm

    Guiding: MGEN3

  • Kalle66

    Ich muss dich enttäuschen, was Lackierung von elektronischen Bauteilen im inneren angeht (jedenfalls bei Canon).

    Mein Vater hat bis vor knapp 2 Jahren (Rente) genau diese Geräte repariet bei Canon.

    Nein nix lackiert, kurzschlüsse zwischen Platinen weden mit "Kunststofffolie/-gewebe" verhindet.

    Ist aber auch logisch, stell dir vor ein Wassereinbruch würde die Kamera überleben... dann kaufen wir ja nichts neues. ;)

    Die Elektronik ist schon wasserempfindlich, ABER das Eindringen wird möglichst Verhindert für Nebel und Regen durch die Gehäusekantenform.


    SabineP

    Ich hatte sowas auch schon im sinn, aber mein test mit eigener Abdeckung hat ergeben es müsste sehrgut abgedichtet werden an der Zwangsöffnung zum Teleskop/der Linse.

    Bei meinem Schutz sag es (für meine Augen) schlimmer aus, da das abtropende Wasser sich im "Schutz" sammelte.

    Die einzige Öffnung was Teleskopseitig und das reichte.

    Wenn du den Unterwasserschutz vielleicht mit einem Gummiband recht dicht am OAZ bekommst könnte es aber klappen.

    Ich habe extra Stoff, da dieser das Wasser aufsaugt.

    Wenn es funktioniert (bei feuchtem Wetter) sag mal bescheid.

    Anfänger seit 2019

    EOS 70 D & DA

    EFs 18-135 USM; EFs 18-55 FST

    114/900er Fotoumbaunewton, 200/800er Newton

    CEM25P + Guidingcam und PHD2

    Meine Ergebnisse

  • Moin,


    also bei DSLRs + Langzeitbelichtungen dürfte Tau im INNEREN eher eine kleinere Rolle spielen. Die Dinger erwärmen sich ja bei Betrieb und so bildet sich dort eher kein Tau. Nach Benutzung natürlich schön auslüften lassen, sonst taut es nachträglich, wenn sich das wieder abkühlt.

    Taubildung außen ist unterschiedlich schlimm. Bessere Gehäuse sind einigermaßen versiegelt und halten auch mal ein bisschen Regen aus, ältere Modelle und Konsumer-Produkte könnten da etwas anfällig sein. Dabei finde ich den "Lappen" geschickter als "die Regenhülle".

    Objektive sind dann schon so eine Sache, die kühlen idR gut aus, und entsprechend besteht dort Kondensationsgefahr, und die Meisten sind auch nicht brauchbar abgedichtet. Auch hier also gut auslüften lassen und nicht direkt in die Fototasche. Kondensieren wird es aber vermutlich zuerst am Glas, bevor die Elektronik dran ist.

    cu - Arndt

  • Hallo Aegir die Taubildung auf einer Kamera oder CCD Kamera sind immer problematisch

    da die feuchtichkeit ja mal weg muss .

    wegwischen oder mit föhn wegheitzen .

    Ich hatte mal eine Omegon CCD kamera mit aktiver kühlung , die taute bei - 5 grad schon an (schutzglas der Chips )

    Da hatte ich nur Probleme fotografiere nur noch mit Canon Eos 600 D A

  • Danke für die Infos, speziell auch zum Darkframe.


    Ich werde auch mal das mit dem Tuch probieren, wobei ich mich jetzt frage ob der Tipp den ich in einem Buch gelesen habe (Handwärmepads) auch sinnvoll sein können für die Kamera selbst solange die Temperatur nicht zu hoch wird.


    Theoretisch solange die Kamera warm genug bleibt sollte sich ja kein Tau etc. auf ihr bilden und es hätte sogar noch den weiteren Vorteil, dass der Akku weniger Leistung verliert wenn die Kamera an sich nicht zu stark auskühlt?

  • Für Objektive empfiehlt sich beim Fotografieren ein Heizband/Manschette. Weil wenn die Linse beschlägt, gibt es nur Matsch auf den Bildern. Und wenn man nach Benutzung nicht direkt abbaut, kommt eine Hülle drüber. Schlimmer als Tau wäre, wenn morgens ein Vogel was drauf abwirft. Ansonsten lässt man nach dem Abbauen die Sachen trocknen, bevor sie in den Koffer oder die Kiste staubdicht verpackt werden bzw. lüftet diese durch offen lassen.


    Und dann kannst du mal hier die Runde fragen, wie viele Kameras durch Tau schon vorzeitig ihren Geist aufgegeben haben. Das ist die absolute Ausnahme. Was zuerst den Geist aufgibt, sind Kabel und ihre Verbindungsstecker oder die eingestellte Softwareunterstützung und die alten Treiber für Windows XP nicht unter Windows 10 laufen.

  • Hallo !


    Meine DSLR war auch schon oft eher nass als feucht. Daher ist der Tippt sie mit einem (Baumwoll-) Tuch einzuwickeln gut, denn so kann der Tau nicht so leicht in das Gehäuse oder die Kontakte eindringen, er wird vorher aufgesaugt. Alles was auch nur ein kleines bisschen wärmer ist als die Umgebung, also das innere der Kamera, beheizte Linsen, etc. hat mit Tau ohnehin keine Probleme. Mir ist noch kein Stück Elektronik durch Tau gestorben. Mein Laptop steht auch neben dem Teleskop und wird ebenfalls mit einem Tuch abgedeckt. Das hat bisher immer gereicht, wobei ich die Geräte natürlich gut trocknen lasse, bevor ich sie wieder einschalte.


    Heizbänder sind für Objektive fast immer eine gute Idee. Es ist kein schönes Gefühl, wenn man erst bei der Durchsicht der Aufnahmen feststellt, dass es doch besser gewesen währe eines zu verwenden. Auch eine Taukappe für den Newton kann, je nach Taupunkt, notwendig sein. Ich setzte sie lieber ein mal zu oft drauf, als dass ich nachher beim durchsehen der Aufnahmen im Zeitraffer das Beschlagen der Optik verfolgen kann :rolleyes:


    Viele Grüße

    Michael

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