OdM Dezember 2020 - IC 410 und Umgebung

  • Hallo zusammen,


    als Objekt des Monats Dezember 2020 habe ich etwas gesucht, was noch eine Weile lang am Himmel zu sehen sein wird, zumal es um die Jahreszeit oft längere Perioden ohne klaren Himmel gibt. Meine Wahl fiel auf den Emissionsnebel IC 410 im Sternbild Fuhrmann und dessen direkte Umgebung, die ich hier kurz vorstellen möchte.



    image credit DSS
    http://archive.stsci.edu/dss/copyright.html
    Aladin Sky Atlas




    IC 410 (Sh2-236)


    Emissionsnebel, RA: 05h23m, DE: +33°26‘, Helligkeit: 7.5 mag, scheinbare Größe: 50‘ x 50‘


    Es handelt sich um einen recht ausgedehnten Emissionsnebel in 12000 Lichtjahren Entfernung, der von einigen dunklen Bereichen durchzogen ist, insbesondere ein dunkles „Loch“ in der Mitte. Aufgrund seiner Helligkeit sollte er unter dunklem Himmel schon mit kleineren Öffnungen beobachtbar sein. Bei größeren Öffnungen offenbaren sich dabei einige Details.
    Was ist die kleinste Öffnung, mit der ihr diesen Nebel sehen könnt?
    Wie viele Details sieht man mit wie viel Öffnung unter welchen Bedingungen?


    Simeis 129, Simeis 130 ("Kaulquappen")


    Auf der DSS-Aufnahme sind nordöstlich des Zentrums von IC 410 zwei Knoten mit gebogenen Nebelschwänzen zu sehen. Es handelt sich um zwei Globulen.
    Hellere Kaulquappe (Simeis 130): RA: 05h23m08s, DE: +33°28‘46“
    Schwächere Kaulquappe (Simeis 129): RA: 05h22m55s, DE: +33°31‘ 50“



    NGC 1893


    Offener Sternhaufen, RA: 05h22m44s, DE: +33°24’42“, scheinbare Größe: 25‘ x 25‘
    Er befindet sich im Zentrum von IC 410 östlich des dunklen Lochs in der Mitte des Nebels.



    Doldize 18


    Offener Sternhaufen, RA: 05h23m21‘, DE: +33°30‘29“, scheinbare Größe 14‘ x 14‘
    Im Optically Visible Open Clusters and Candidates Cataog sind Koordinaten östlich der beiden Kaulquappen angegeben. Dort befindet sich auf dem DSS-Bild eine Sterngruppe geringerer Dichte als die von NGC 1893.



    Teutsch 89


    Kandidat für offenen Sternhaufen, RA: 05h22m18s, DE: +33°47‘50“
    ( http://cdsarc.u-strasbg.fr/viz…tml?J%2FA%2BA%2F447%2F921 )


    Kleine Ansammlung von ca. 9-12 mag Sternen nördlich von IC 410.



    Melotte 31 ("Fliegender Elritze")


    Asterismus, RA: 05h20m DE: +33°43‘, scheinbare Größe: 135‘
    Seine hellsten Sterne sind heller als 6 mag. Die Struktur fällt spätestens beim Aufsuchen von IC 410 im Sucherfernrohr auf. Es handelt sich um die ganz hellen Sterne rechts im DSS-Bild.



    Viel Spaß beim Beobachten!



    Clear skies


    Robin

  • Hallo Robin,


    eine schöne Auswahl.


    IC 410 kenne ich gut, ein toller Nebel, der stark von einem dunklen und transparenten Himmel profitiert.


    Hier eine ältere Beobachtung mit einem 10" Teleskop mit einem OIII Filter:
    (In meiner Zeichnung ist die Himmelrichtung falsch herum, richtig wäre Nord ist Süd und Ost ist West)


    Zeichnung 10", Wasserkuppe (Rhön)



    Sogar Teutsch 89 ist mit drauf. Hab das bei der Beobachtung aber nicht gewusst das es ein Sternhaufen ist.


    Die Beobachtung der Kaulquappen (mit 21") steht noch an, da bin ich mal sehr gespannt.


    Liebe Grüße
    Mathias

    Nauris Mirrage 21"

    Traveldob 14"

    Traveldob 12"

    Galaxy Dobson 10"

    Leica Ultravid 8x42 HD

    Coronado PST


    Freunde der Nacht

  • Hallo Robin,


    Auch ich freue mich über die Auswahl.


    Ich habe den <font color="orange"><b>Emissionsnebel IC 1410</b></font id="orange"> oft besucht unter meinem vorstädtischen Himmel, fst meistens um 5m2. Mit UHC, besser noch OIII, ist der Nebel schon im Fernglas ein auffälliges Objekt, selbst bei solcher eingeschränkter Himmelsqualität. Unter Landhimmel müsste er einen richtig anspringen, hinreichend Austrittspupille und sinnvolle Filterung vorausgesetzt.


    Die von Dir genannte Winkelgröße von 50 Bogenminuten schliesst wohl die nördlichen schwachen Ausläufer ein, die visuell sehr schwer sein dürften - auch Mathias' Zeichnung zeigt sie nicht. Der von Mathias gezeigte Nebelteil deckt sich mit jenem, der im Fernglas mit OIII gut erreichbar ist und 20 bis 25 Bogenminuten misst.


    Hier ein Paar von meinen Beobachtungen mit Ferngläsern:


    <font color="yellow">Fernglas 8x56 - Vorstadthimmel, fst 5m2</font id="yellow">: Mit Astronomik OIII 12nm auf beiden Okularen sofort auffallend, ca. 20‘ Durchmesser - etwa doppelt so groß wie der Affenkopfnebel NGC 2174 in Gem OB1 und etwa die halbe Flächenhelligkeit jenes Nebels. Mit UHC statt OIII wird der Nebel viel schwächer und die Sterne des eingebetteten Sternhaufens NGC 1893 stören.


    <font color="yellow">Fernglas 11x70 - Vorstadthimmel, fst 5m2:</font id="yellow"> Nit Lumicon (old-type) UHC in den Augenmuscheln ist der Nebel deutlich und rundlich, 17‘ Durchmesser, etwas kleiner als der im Interstellarum Deep-Sky-Atlas gezeigte Umriss. Im UHC-gefilterten Fernglas ist der Nebel fast so hell wie der Sternhaufen M 38. Von der Deutlichkeit des Nebels überrascht, nehme ich einen Vergleichsblick mit ungefiltertem FG 15x70 vor, um sicherzustellen, dass ich im gefilterten 11x70 nicht etwa nur das Glimmen unaufgelöster Sterne sah - tatsächlich, es ist der Nebel, keine entsprechende Sternkondensation ist dort zu sehen.


    Dieses OdM gibt mir den Anreiz zu schauen, wie sich der Nebel mit kleineren Ferngläsern wohl macht. Schmalbandfilterung ist dabei auf jedem Fall Pflicht, jedenfalls unter meinem 5mag-Himmel.


    Auch Tests mit verschiedenen OIII-Typen werden interessant. Ich habe in letzter Zeit die Erfahrung gemacht, dass es eine Menge ausmachen kann, ob man einen OIII-Filter mit der "normalen" Halbwertsbreite von etwa 12nm nimmt, oder zu 10nm oder gar 8nm greift. Die engere Filterung kann sehr kontrasterhöhend wirken, im ungünstigen Fall aber auch einen Nebel abmurksen.


    Beim <font color="orange"><b>Sternmuster Melotte 31</b></font id="orange"> musste ich bei Deiner Benennung "Fliegender Elritze" schmunzeln. Dass ist eine feine Übersetzung der üblichen Bezeichnung "Flying Minnow". Hier ein Paar Beobachtungen hierzu:


    <font color="yellow">Bloßes Auge - fst 5m5:</font id="yellow"> Eine strichförmige Sternverdichtung ist auszumachen. Der Stern 16 Aur am Flossenende des Fischchens ist der hellste Stern innerhalb des Auriga-Fünfecks - merkwürdig, dass er keinen Bayer-Buchstaben erhielt, er ist heller als die zwei Bayer-Sterne Phi und Chi Aur innerhalb des Fünfecks!


    <font color="yellow">Fernglas 10x42 - Vorstadthimmel, fst 5m2</font id="yellow">: Alle wesentlichen Sterne des Fischchens sind da, sehr schön zusammen mit dem nordöstlich stehenden Sternmuster Cheshire Cat anzuschauen in 6,5° Gesichtsfeld. Der Stern 16 Aur prachtvoll gelb-orange. Der offene Haufen NGC 1893 fängt unter dem Bauch des Fischchens an, zu glitzern, das ist wohl das Wasser, aus dem er sprang.


    CS, Christopher

  • Hallo Robin,


    eine sehr schöne Auswahl für das OdM Dezember. Jetzt und den ganzen Winter über ist die optimale Zeit um diesen sehr schönen Nebel zu beobachten.
    IC410 ist eines meiner Lieblingsobjekte, das ich mit all meinen Teleskopen immer gerne einstelle.Visuell ist ein OIII-Filter sinnvoll, dann kommt er sehr gut zum Vorschein. Er ist groß genug für kleine Teleskope, im 16“er wird er eine beeindruckende Nebelmasse. Der Sternhaufen im Hintergrund und die Assoziation in der Nähe sorgen für ein sehr schönes gesamtbild. Er hat eine beachtliche Flächenhelligkeit, es wundert mich immer wieder, dass er keine NGC-Nummer abbekommen hat.
    Das ganze Areal ist sehr interessant und auch für den visuellen Beobachter mit großem Dobson finden sich einige interessante Nebelstrukturen, die aber meist dunklen Himmel erfordert. Der Interstellarum Deepsky Atlas ist sehr hilfreich in dieser Gegend.


    Für mich ist IC410 etwas besonderes, weil ich ihn beim ersten Mal durch Zufall gefunden habe. Ich war eigentlich auf der Suche nach dem Flaming Star Nebula IC405, der auf der anderen Seite der Flying Minnow liegt. Ich dachte damals zuerst diesen gefunden zu haben. Aber irgendetwas stimmte nicht und ein Vergleich mit meinen Karten brachte dann Klarheit. Das war ein schönes und amüsantes Erlebnis, an das ich immer gerne zurück denke. [:)]


    Ich habe IC410 mit dem iPad gezeichnet und die Zeichnung hier im Forum auch schon gezeigt. Aber hier hole ich sie gerne nochmal heraus:



    Diesen Winter will ich die Zeichnung noch mal verbessern, ich denke da steckt noch mehr drin. Aber dafür muss das Wetter erst mal besser werden. Wir hatten seit Wochen keinen richtig dunklen Himmel mehr. Entweder Wolken oder Dunst oder Mond. [xx(]


    Bis dann:
    Marcus

    16" f/4 Dobson, 6" f/5 Dobson, C8, 80/560 ED, 70/700 PST-Mod "Sunlux"


    Zeige mir einen Dobson und ich zeige Dir eine Baustelle

  • Gestern Abend habe ich zum Abschluss versucht IC410 zu finden. Ich muss sagen ich hatte da bereits Kopf- und Nackenschmerzen und war nicht mhr so motiviert.
    Könnt ihr mir vielleicht kurz zusammenfassen wie man am günstigsten zu IC410 hinnavigieren sollte? Ich bin mit einem 110/800mm Newton ohne Filter unterwegs und benutz ein 26mm Plössl als Übersichtsokular.
    Ich hatte versucht von Capella aus "herunter" zu fahren und die auffällige Konstellation der Aurigae-Sterne zu finden. Das war aber eher so Unerfolgreich.

  • Hallo Grodahn,


    versuch mal den MEL 31 im Sucher einzustellen, ist sehr deutlich zu sehen, eine verschobenes Trapez. Ziehe eine Linie von Capella nach Einaht (im Sechseck gegenüber), und "unten rechts davon " im Fuhrmann zu finden. Von da aus ein wenig nach Osten = IC 410, ohne OIII aber wenig zu sehen, ein wenig nach Westen = IC 405, der Flammen Nebel, den ich persönlich aber visuell weniger abgewinnen kann.



    IC 410 habe ich schon mehrfach beobachtet, mit OIII und großer Öffnung ein sehr lohnendes Objekt mit der eingebetteten Dunkelwolke und dem NGC1893. Nachdem ich jetzt dank der tollen Beschreibung die Kaulquappen kenne, muss ich mal hier auf die Jagd gehen, sieht man die von normalem Landhimmel aus - oder Chancenlos?
    Zeichnung folgt (wenn denn mal wieder Himmel ist...)

  • Hallo zusammen,
    ich habe mehrfach den Nebel beobachtet, mit OIII bei großer Öffnung ein einfaches Objekt, aber die Kaulquappen konnte ich nicht wirklich identifizieren. Da waren schon hellere Strukturen im Nebel, aber für eine klare Sichtung hat es bei mir nicht gereicht.


    Hat jemand die Kaulquappen schon visuell "gefangen" ?

  • Hallo Rainer


    <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote">Hat jemand die Kaulquappen schon visuell "gefangen" ?
    <hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    mit meinen eigenen Teleskopen noch nicht! Ich durfte aber mal beim Reiner auf dem Schauinsland durch seinen 22“er mit H-Beta-Filter durchschauen, beeindruckend, beide Kaulquappen eindeutig zu sehen!

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