Bino Ansatz - sinnvoll?

  • Hallo,
    ich habe vor, mir einen 17,5 Zoll - Dobson zu bauen, den ich dann gleich auch für einen Bino Ansatz optimieren wollte. Ich habe immer wieder gehört, wie toll ein Bino Ansatz ist, da man mit 2 Augen mehr als doppelt so viel sieht, als mit einem Auge.
    Allerdings funktioniert ja ein Bino Ansatz so, dass er das Licht aufteilt, sodass jedes einzelne Auge nur halb so viel Licht bekommt. Das heißt doch, dass schwache Objekte wieder nicht mehr sichtbar bzw. ohne Details sind. Wird das durch die zwei Augen wieder ausgeglichen oder habe ich dann im Endeffekt nur noch einen Detailreichtum wie bei einem 12"???
    Danke,
    Peter

  • Peter,


    > Bino Ansatz - sinnvoll?


    Antwort: Für meine Augen, JA! [:)]


    Natürlich bekommt jedes Auge nur max. 50% des Lichtes ab - im Vergleich zur monokularen Betrachtung. Dennoch verliert man nicht so viel Helligkeit, wie man rein rechnerisch vermutet, was mit der Psycholgie des Sehens zu tun hat.


    Am besten beobachtest Du einmal probeweise durch ein Teleskop mit und ohne Binokularansatz, um Dir selbst ein Bild zu machen. Ein kleiner Teil der Menschheit schafft es nämlich nicht, die beiden Bilder im Hirn zu vereinen. Dann ist alles zwecklos und Du kannst Dir ne Menge Geld sparen... [:D]


    Mein persönliches Fazit: Wenn es nicht unbedingt um das Erkennen einer 19 mag Galaxie oder eines Quasars am Rande des bekannten Universums geht, zeigt das Binokular nicht die Hälfte, sondern (annähernd) das Doppelte! [:)]


    Gruß
    Stefan, der fast nur noch binokular beobachtet


    http://www.astromeeting.de

  • Moin Peter,


    leider weiß ich nun den Beitrag nicht mehr und finde ihn auch auf die Schnelle nicht - daher müßtest Du bitte selbst noch einmal die Suche hier bzw. auf astronomie.de bemühen.


    Es gab schon mal einen Thread mit Antworten von langjährigen Bino-Benutzern dazu - soweit ich mich erinnere mit dem Fazit, dass es schon Sinn macht, auch für DS ein Bino zu benutzen (dann aber auch ein entspr. geeignetes) - außer es geht um die "kleinen Fitzelchen", also Objekte wo es auf das letzte Quäntchen Licht ankommt (meist Galaxien). Je nach Kombination von Bino und Okularen hast Du schon einen kleinen "Lichtverlust" (ich glaube, da war sogar ein geschätzter Grenzgrößenunterschied genannt) - aber wenn ausreichend Licht vorhanden ist, üvberwiegt der positive Aspekt des Sehens mit beiden Augen (das Erkennen von Details ist bei beidäugigem Beobachten besser, es ist natürlicher und damit auch angenehmer und die Objekte werden scheinbar auch größer gesehen).


    Ansonsten - für Planetenbeobachtung ist m.E. ein Bino immer ein Gewinn (erinnere mich an den Anblick von Mars im 30" Dobson auf dem IHT vor 2 Jahren ;-).


    Eigene Erfahrungen kann ich dazu nur bedingt beisteuern - die einzige Beobachtungsgelegenheit dazu hatte ich mit einem 4" Richie und meinem Baader Bino + TV-Klickstop-Zooms. Beobachtet habe ich die Objekte der südl. Sommermilchstraße (von den Canadas auf Teneriffa aus - ca. auf 2100m am Fuße des Teide) - und da muß ich sagen, fand ich das schon einen sehr schönen Anblick (auch wenn meine Kombi nicht optimal war und mit dem was Du planst sicher nicht zu vergleichen ist).


    Gruß,
    René

  • Danke für Eure hilfreichen Antworten! In dem Fall werde ich mich doch an die Konstruktion eines Okularschlittens machen. Schon eine ehrgeizige Sache für einen Menschen mit 2 linken Händen. Zum Glück greift mir da meine mechanisch begabte Freundin unter die Arme! ;)
    Das mit dem Ausprobieren ist an sich eine gute Idee. Leider sind die meisten Teleskoptreffen so weit weg von mir. Kennt jemand ein Teleskoptreffen in der Gegend von Süddeutschland?
    Danke,
    Peter

  • Hallo Peter,


    <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote">ch habe vor, mir einen 17,5 Zoll - Dobson zu bauen, den ich dann gleich auch für einen Bino Ansatz optimieren wollte.<hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    Gute Idee!
    Binoansatz lohnt sich auf jeden Fall wenn Du, wie Stefan auch schon sagte, die Bilder zur Deckung bekommst.
    Den Lichtverlust durch den Binoansatz nur durch Zahlenwerte ausdrücken zu wollen ist schwierig, da man den entspannten, beidäugigen Beoachtungseindruck und den dadurch erhaltenen Wahrnehmungsgewinn nur schwer quantifizieren kann.
    Physikalisch läßt es sich auf die Verluste an jeder Glas/Luft- Fläche und die Transmissionsverluste im Strahlenteiler reduzieren, für meinen BW-Binoansatz habe ich das hier mal ermittelt.
    Obwohl der dabei ermittelte Lichtverlust von ca. 20% hoch erscheinen mag, ist der subjektive Eindruck am Teleskop ein anderer:
    Das Bild ist zwar deutlich dunkler als monokular, das hat aber nur bei Objekten, die nur noch indirekt deutlich wahrzunehmen sind einen negativen Einfluß.
    Bei Planeten und hellen DeepSky Objekten bringt der Binoansatz echte Vorteile in der Wahrnehmung feiner Details.
    Bei meinem 16Zöller mit Binoansatz, Glaswegkorrektor und 7er Naglern habe ich kürzlich bei Super-Seeing die Encke Teilung umlaufend sehen können, mit nur einem Auge war sie nur am Rand eindeutig wahrnehmbar.
    Helle Nebel sind der Knaller schlechthin, M42 wirkt mit 20er Widescans räumlich und der Cirrus Nebel schwebt mit den 20ern + OIII Filtern wie eine Wolke im Raum.
    Also, wenn Du es in der Hand hast, dann bau das Teleskop so das der Binoansatz dranpasst!


    Gruß Ulli

  • Hallo Peter,


    ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Bino ist fast ein Muss! Es ist wesentlich entspannter zu Beobachten als monokular. Alleine der Mond ist schon binokular eine Offenbarung. Auch Kugelsternhaufen sind damit ein Genuss. Subjektiv geht gar nicht sooo viel Licht verloren. Anstatt eines Okularschlittens käme eventuell noch ein Low-Power OCS (Optical Corrector System) sprich Glaswekorrektor in Frage. Die gibt es mit minimalem Vergrößerungsfaktor von z.B. 1.3x in 2" Ausführung. Damit kommst du mit jedem Instrument (auch an Newtons) in den Fokus, weil der komplette Glasweg kompensiert wird.
    Die Korrektoren gibt es z.B. von Siebert-Optics (1.3x), Denkmeier oder Baader(ab 1.7x).
    Das Siebert-Teil (welches ich einsetze) hat den Vorteil, dass es in der Mitte teilbar ist und somit auch an Zenitspiegeln montiert werden kann. Außerdem hat es ein verschiebbares Optikteil, mit dem man den letzten cm Fokussierweg kompensieren kann. Zudem hat es nur Vergrößerungsfaktor 1.3x und ist preislich noch im Rahmen. Zusätzlich kann man es auch mit einem anderen Teil schnell auf 2x Umrüsten. Der neue 2" Baader Glaswegkorrektor hat Faktor 1.7x und hat einen eigebauten Komakorrektor.


    Alles in allem kann ich ein Bino nur wärmstens empfehlen. (vorher aber kurz antesten, ob Du damit tatsächlich ein Bild zusammenbekommst) Ist aber eigentlich nix anderes wie mit einem Fernglas zu schauen (so rein von der Augenstellung her).


    Grüße Rolf

  • Hallo Ihr Bino-Liebhaber,


    eine (zugegebenrmassen) provokative Frage: seit Ihr sicher, dass Euer Urteil nicht nur eine Konsequenz des ausgegebenen Geldes ist ? Wenn man viel Geld für etwas ausgegeben hat (oder Energie darin investiert hat), dann muss das Ding ja gut sein !!!


    Wie ist ber Eure Reaktion nach (sagen wir mal) zwanzig Jahren der Benutzung ?


    Gruss

  • Hi,
    in Anbetracht der erheblichen Kosten würde ich's an Deiner Stelle vorher ausprobieren ... mein Bino benutze ich höchst selten ... und erlebe nur an wenigen Objekten wirklich Verbesserung. Ich ziehe zumindest bei DS den weiten Blick mit langbrennweitigen Okus vor.
    Gruß
    Flatratte

  • Hallo Astrorudi


    <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote">seit Ihr sicher, dass Euer Urteil nicht nur eine Konsequenz des ausgegebenen Geldes ist ?<hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    Ja.


    Gruß Ulli

  • Rudi,


    eine (zugegebenermaßen) provokative Antwort: bist Du sicher, dass Deine Frage nicht nur eine Konsequenz des nicht ausgegebenen Geldes ist? [;)]


    BTW: Ich benutze schon seit Jahren ein Bino, nicht erst seit gestern.


    Würde es nix taugen, würd´ ich meine Klappe halten und es nicht noch weiterempfehlen. Ist das halbwegs nachvollziehbar?

  • Hi Peter, auch ich gehöre der Bino-Fraktion an und besitze sowohl das Hundt-Bino (wird von Baader vertrieben aber NICHT hergestellt; mit integrierter 60° Umlenkung) und das ZEISS Großfeldbino.


    Während das 60°Bino lediglich an meinen Refraktoren im Einsatz ist, verwende ich das ZEISS mit 2-fach TV Barlow (Glaswegkorrektor) an meinem 10" f8 Dobson.


    Fazit: Generell sehr empfehlenswert - aber bei manchen Objekten ist ein 2" Großfeldokular im Vorteil !!!


    Desweiteren ist bei Planeten, Sonne und Mond ein Bino absolut im Vorteil (aufgrund des ausreichend vorhandenen Lichts der Objekte - bei Deep Sky Objekten nicht immer.


    Hier kannst Du z.B. bei Kugelhaufen einen Verlust durchaus bemerken.


    Einfach einmal mit/ohne Bino betrachten - einige Objekte erlauben monokular eine bessere Auflösung.


    Es kommt gelegentlich einfach darauf an.


    Gruß


    Copernicus

  • Hallo,


    ich hab mein BW-Bino recht preisgünstig gebraucht erworben und habe die Investition noch keine Minute bereut. Ich beobachte fast ausschließlich mit Bino, bis auf die ganz dunklen Objekte. An Planeten und helleren Objekten genieße ich persönlich immer den besseren Anblick. Das Zukneifen eines Auges ist mir mit der Zeit viel zu anstrengend. Bino-Schauen ist eine Sache der unverkrampften Bequemlichkeit. Bei mir macht das unheimlich viel aus. Übrigens, mein 31er Nagler was trotz einer günstigen Gelegenheit teurer als das Gebrauchtbino incl. 2 Top-Okularen! Soviel zum Preis :)
    Ich kann nur empfehlen, mal eine Weile durchzusehen, und sich dann ein Urteil bilden.


    Grüße
    Rolf

  • Eine sehr interessante Frage die immer wieder die Emotionen weckt. Das liegt wohl einfach daran, dass die Sehmechanismen und Auswertung in unserem Hirn, so derart komplex und individuell unterschiedlich ist, dass jeder seine für sich richtige Antwort finden muss.


    Ich bin bekennender Monogucker. Ich sehe an Deep Sky Objekten am selben Teleskop monokular mehr Details als mit Binoansatz, je schwächer das Objekt, um so stärker fällt es mir auf. Mein Teleskop heisst auch schließlich Kyklopas (Zyklop)[:D]. Ich hab mich glaube ich in all den Jahren daran gewöhnt, mich auf ein Auge zu konzentrieren. Einige Kumpels, mit denen ich oft beobachte, behaupten für sich genau das Gegenteil.


    Für ästetisches Genießen von z.B. hellen Kugelhaufen, wo es auf's auskitzeln von schwächstem Detail nicht so sehr ankommt oder auf Jupiter finde ich Binogucken auch 'ne schicke Sache. Solange die Kumpels ihre Binoansätze bei mir reinstopfen und ich es ab und zu auskosten kann, muss ich mir sowas nicht selber kaufen.


    So, jetzt biste wahrscheinlich genau so schlau wie vorher.


    p.s.
    Zu bedenken: Große Dobsons haben naturgemäß hohe Öffnungsverhältnisse (f/4,5 ist sehr beliebt) und da bringt das Bino deutliche Farbfehler rein, wenn man ohne Glaswegkorrektor (=Brennweitenverlängerer) guckt.

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