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 Hardcore-Astronomie: DS mit max 70mm aus der Stadt
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hasebergen
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
3040 Beiträge

Erstellt am: 06.11.2018 :  12:57:48 Uhr  Profil anzeigen  Besuche hasebergen's Homepage  Antwort mit Zitat
Mit 20" in den Alpen kann ja deepsky-mäßig jede/r ... olle Kamelle .

Ein wirklicher "Hardcore" in unserem Hobby ist: mit bis zu max 2"8 aus der Stadt bzw. bei sonstig hellem Himmel DeepSky zu beobachten ;-)

Daher mal ein Projektvorschlag (auch) für die Hell-Himmel-Geplagten unter uns:

Astronomie ... mit max 70mm Öffnung bei Stadthimmel.


Da müssen natürlich keine mitteleuropäischen Schlecht-Himmel sein, das kann "all over the world" sein ... Licht- und luftverschmutzte Beobachtungsorte gibt es ja überall zuhauf ... so dann auch beispielsweise in Urlaubszielen ...

Idee ist, hier das zusammenzutragen, was mit kleinsten Öffnungen unter schlechtem Himmel möglich ist.

Einen Schwerpunkt machen hier sicher einerseits Doppelsterne aus. Hierzu empfehle ich als Quelle das (vermutlich leider schon beendete Projekt "The Spirit of 33" von Luis Arguelles aus Nordspanien - http://www.carbonar.es/s33/33.html ) Objekte sind aber auch hellere kleinere Nebel, KS, PN ... na aber letztlich all das DS, was Ihr beobachtet :-)


Ich schmeiss mal die erste Beobachtung in die Runde:

Ich habe mich gestern mal mit meinem - wie ich meine - aussergewöhnlich gutem Everlite 60/910mm-Refraktor (ist Vixen-Fabrikat) aus den 80er Jahren ... (dieser hier)






... an einen durchaus - gerade unter städtischen Bedingungen! - schweren Doppelstern gewagt (Okulare: "Planetary" 25mm (36fach),
ca. 35Jahre altes Celestron-6mm-Ortho (151fach), 5er Nagler(182fach) und 3.2er "Planetary" (ca 284fach)
Struve 32 Piscis 13.4" 6.90/10.70 102° 00h 30m 47s/+16° 02' 15"

Hier ist nicht die Distanz (ich würde diese eher bei ca. 20"-22" sehen) das Kriterium, sondern der doch recht starke
Helligkeitsunterschied beider Komponenten. Zudem - ich hatte gestern einen üblichen ca 3m8er-4m0er Himmel in Stuttgart mit
mittelprächtigem Seeing ist die 10m7er Größenklasse bei dem Himmel mit 2"4 Öffnung nicht mal eben was für "im Vorübergehen".

Dennoch konnte ich ihn "knacken":

Im 25er soff die dunklere Kompoenten natürlich im gräulichbraunen Himmelshintergrund ab. Im 6er fand ich die B-Komponente zunächst auf nicht, umso schneller dann aber im anschliessend genutzten 5er Nagler (bei weiterer Adaptierung der Augen an die städtische Halbdunkelheit). Hier war die B-Komponente zunächst nur indirekt zu sehen, dies aber dauerhaft.

Dann konnte sie im weiteren Verlauf bei 284fach (3.2er) auch direkt gehalten werden.






Es wäre schön, wenn wir hier eine Beobachtunsgreihe (Objekte, benutzte Optiken etc.) hinbekommen, um auch stadtlichtgeplagten SternfreundInnen Motivation und "astronomische Pewrspektive" geben zu können ;-)

Greetz Hannes

Diverses klassisches Zeugs - Klassikerseite: http://amateurastronomie.com/index.htm - Bereich Klassiker

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b_schaefer
Mitglied im Astrotreff

Deutschland
50 Beiträge

Erstellt  am: 06.11.2018 :  14:49:14 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Eine sehr schöne Idee!

Zwei Fragen:
Sind Ferngläser bis zum genannten Durchmesser erlaubt?
Waren 71mm auch noch OK? Das sind ja ca. 2,795”...

Viele Grüße,
Sebastian

Bearbeitet von: am:
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hasebergen
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
3040 Beiträge

Erstellt  am: 06.11.2018 :  15:10:46 Uhr  Profil anzeigen  Besuche hasebergen's Homepage  Antwort mit Zitat
Zitat:
Original erstellt von: b_schaefer

Eine sehr schöne Idee!

Zwei Fragen:
Sind Ferngläser bis zum genannten Durchmesser erlaubt?
Waren 71mm auch noch OK? Das sind ja ca. 2,795”...

Viele Grüße,
Sebastian



Moin Sebastian,

klar ... ! Alles bis 70 (okay 71mm )

Greetz Hannes

Diverses klassisches Zeugs - Klassikerseite: http://amateurastronomie.com/index.htm - Bereich Klassiker

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b_schaefer
Mitglied im Astrotreff

Deutschland
50 Beiträge

Erstellt  am: 07.11.2018 :  00:41:57 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
So, dann mal los.

Auf dem Heimweg kurz nach Sonnenuntergang war das Problem deutlich zu erkennnen: Trotz eines wolkenlosen Himmels zeigte sich leichter Dunst. Der war auch bis in die Nacht nicht verschwunden. Das begünstigt die Lichtverschmutzung und behindert die Transparenz.

Trotzdem wollte ich die Herausforderung annehmen und baute das Stativ auf der Loggia unserer Wohnung im vierten Stock auf. Wir wohnen in einer typischen Stadtlage, blockweise 5-6-geschossige Wohnbebauung, hauptsächlich 1875 bis 1925, mit Nachkriegs- und Nachwende-Ergänzungen. Natürlich ist jede Strasse beleuchtet, immerhin gibt es keine angestrahlten Fassaden oder Flutlichter in der Nähe.

Das Fenster des verglasten Balkons lässt sich nach Osten weit öffnen, also stand heute Fuhrmann, Stier, Anfangs Perseus, später noch Zwillinge zur Auswahl.

Instrument ist mein kleines Doppelteleskop 2x 71mm, f=400mm (die inzwischen nicht mehr angebotenen Borg 71FL) auf AOK Swiss Bino-Plattform mit Matsumoto EMS-UM Bildaufrichtern. Drei Okularpaare kamen zur Anwendung: TeleVue Panoptic 24mm, Nikon Mikroskop-Orthos (12,5mm) und Vixen SSW 7mm. Im Ergebnis komme ich damit auf ca. 17x, 32x und 57x.

Ein erster Kontrollblick auf die Pleiaden mit 17x zeigt die Misere ganz gut: Insgesamt recht wenige Sterne und kein Hauch von Nebulosität um die hellen Sterne. Vorgenommen hatte ich mir heute drei Objekte aus dem Beobachtungsatlas für Kurzentschlossene (BAfK), nämlich Messier 36 bis 38, die lustigerweise auch Melotte 36 bis 38 sind - nur in anderer Reihenfolge untereinander...

Der Weg dahin ist leicht zu finden: Capella und Alnath sind schnell mit dem bloßen Auge erkannt, das Gerät wird auf letzteren gerichtet und dann schwenken wir nach links oben, bis wir Melotte 31 im Okular haben. Die charakteristische Form, welche von den helleren Sternen gebildet wird, heißt offenbar auch Fliegendes Fischchen. Von dort aus müssen wir nun wieder etwas nach links unten, bis wir auf unseren ersten Kandidaten für heute treffen. M36, oder auch Melotte 37 ist selbst bei den mäßigen Bedingungen ein funkelndes Häufchen Sterne. Mehr Vergrößerung schadet hier nicht, die Orthos (32x) zeigen auch nicht mehr Sterne als die Superweitwinkel-Vixen. Man sieht daran auch wieder, was moderne Designs und Vergütungen leisten.

Nach unten in Richtung Horizont findet man dann mit etwas Glück schnell M37 (Melotte 38), deutlich schwächer als M36. Dieser Haufen macht bei dunklerem Himmel mehr Freude, auch ein größeres Teleskop würde sicher helfen. Aber wir waren da und haben es gesehen. Am schwersten macht es uns M38 (Melotte 36) für den wir wieder Richtung Zenit schwenken, erst zurück zu M36 und dann weiter. Der auch Seestern-Haufen genannte offene Sternhaufen zeigt sich blass und etwas ausgedehnter als die anderen beiden Messier-Objekte. NGC 1907 rechts darunter ist nur zu erahnen.

Immerhin, insgesamt fünf offene Sternhaufen (mit den Kontrollblick-Pleiaden sogar sechs) sind uns vor die Optik gekommen und waren in allen heute gewählten Vergrößerungen gut erkennbar. Das sollte einäugig nicht anders sein, wobei für mich persönlich der Spaß gerade im beidäugigen Blick liegt.

Fenster zu, Ausrüstung eingepackt und ab ins Bett. Morgen wartet ein voller Tag.

Gute Nacht,
Sebastian


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hasebergen
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
3040 Beiträge

Erstellt  am: 09.11.2018 :  07:01:57 Uhr  Profil anzeigen  Besuche hasebergen's Homepage  Antwort mit Zitat
Moin Allerseits ...

ja ich merke: Stadtastronomie mit kleineren Öffnung hat für viele hier einen "zähen Beigeschmack" . Kann man ja auch irgendwie verstehen, aber viele von uns stecken nunmal in der Misere. Und dann - aufgeben? Nö!

Sebastian hat ja schon mal einen Anfang gemacht und auch mit einem Doppelteleskop/Fernglas den Schritt in die "Stadtmulsche" gewagt(Danke ). !

Ich hab mal einie Objekte zusammengetragen, die man auch bein einem üblichen 3m8-4m0er Matschhimmel beobachten kann ... also:

Beobachtungsempfehlungen für Optiken bis 71mm aus der Stadt

- DS e Lyrae (der Klassiker) im 60/910: länglich bei 54 fach, bei 72x gut getrennt, 182fach: lehrbuchmäßig
- DS pi Aql (1"41): natürlich nicht getrennt aber bei 182fach deutlich länglich erkannt (ein 60er kann minimal ca 1"9 auflösen/Dawes)

- PN 6826 Cyg:("Blinking PN", Cyg): bei 182 fach als "fluffiger" runder Fleck mit gelegentlich aufblinkenden Zentralstern
- PN 7027 Cyg: heller, aber flächenkleiner als 6826: leicht länglich identifiziert (auch 182fach)
- PN 6210 Her: V=152, runder Fleck, der nach innen hin heller wurde

(Dies sind aber ältere Beobachtungen, ich werde diese aber im Verlaufe der Zeit nochmals nachvollziehen und dann ggf. auch Zeichnungen machen)


Für Euch, die Ihr auch mit kleinen Optiken aus der Stadt bzw. unter lichtverseuchtem Himmel beobachten müsst, folgende Objektempfehlungen:

Natürlich die Standard"kerzen" PN M57, KH M13&M92 und auch - der in der Stadt durchaus garnicht mal so einfache weil flächengroße PN M27.

DS: Zum "Warmmachen" immer der Doppel-Doppelte e Lyrae; hier kann man dann testen, wie gut das Seeing ist. Weitere Doppelsterne bis zur "kritischen Größe" für Eure Öffnung findet Ihr hier http://www.carbonar.es/s33/33.html; also Daumen mal Pi: für 50mm: 2"3 Distanz, für 60mm 1"9 und für 70mm ca 1"6)

Dann PNs: die oben genannten PNs: 6210Her (mit dem würde ich anfangen, da Herkules schon recht tief im SW steht!), 6826, 7027. Weiter seien noch genannt: NGC 6543 Dra ("Cats Eye"), NGC 7662 And ("Little Dumbell") und später NGC 2392 Gem.

GN: natürlich etwas später der M42/43er-Komplex

Nur mal ein paar Vorschläge ... wenn Ihr weitere habt, immer her damit :-)



Traut Euch da ruhig mal ran und nehmt Euch etwas Zeit. Vielleicht mal wirklich nur zwei, max drei Objekte am Abend, die dann aber mit Ruhe. Und wenn es das Seeing dann doch mal zulassen sollte, experimentiert gerade an den kleinen flächenhellen PN´s ruhig mal mit höherer Vergrößerung (also z.B. mit 60mm bis 150/180 fach)

Greetz Hannes

Diverses klassisches Zeugs - Klassikerseite: http://amateurastronomie.com/index.htm - Bereich Klassiker

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stardust3
Altmeister im Astrotreff


2856 Beiträge

Erstellt  am: 09.11.2018 :  11:09:49 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Zitat:
Original erstellt von: hasebergen

Moin Allerseits ...

ja ich merke: Stadtastronomie mit kleineren Öffnung hat für viele hier einen "zähen Beigeschmack" .

...
Greetz Hannes



Hi Hannes,

was meinst Du? Ich hab hier nix in der Richtung gelesen. Ich beobachte ja überwiegend auch vom Balkon aus über meine und die nächsten 7 Städte hinweg, inklusive ein großes chem./pharma Industriegebiet. Allerdings mit 4" und ohne Aufzeichnung .


Meine Empfehlung im Moment: Omega Ceti (Mira), ein Variabler, der auch bei 3,5mag Himmel geht und gerade im Ansteigen begriffen ist.


CS,
Walter

LLAP

Bearbeitet von: stardust3 am: 09.11.2018 11:13:34 Uhr
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