Beiträge von konfokal im Thema „Nächst grösseres Teleskop“

    Hallo Leandro,


    Dein Mak stammt von einem anerkannt guten Hersteller, man kann also davon ausgehen dass Deine Optik das zeigt, was mit einem 6" Spiegel an Planeten möglich ist. Wenn ein Gerät neu ist, und eine gute Optik hat, ist die Begeisterung meist unausweichlich. Es dauert dann aber oft auch nicht lange, und man gewöhnt sich daran und beginnt zu träumen, was wäre, wenn ich die gleiche brilliante Bildqualtität "einfach" mit mehr Vergrößerung haben könnte... Leider ist es aber nicht ganz so einfach damit. Zum einen wird die Ausrüstung mit zunehmender Öffnung sehr schnell teurer und schwerer. Zum anderen reagieren größere Öffnungen empfindlicher auf's Seeing und benötigen im Fall von Maks auch immer länger, um auszukühlen. Alles in allem steigt der Aufwand mit zunehmender Öffnung überproportional an und oft sinkt dann die Benutzungsrate entsprechend ab. Nehmen wir aber an, das alles beeindruckt Dich nicht, und Du willst auf dem Balkon bleiben, weshalb ein großer voluminöser Newton auf parallaktischer Monti bzw. EQ-Plattform ausscheidet, was tun?


    Erfahrungsgemäß braucht man für einen deutlichen Zugewinn an Information ca. 1,5x mehr Vergrößerung, was bei gleicher Bildhelligkeit entsprechend auch 1,5x mehr Öffnung erfordert. Da größere Maks als 6"er recht schwer werden und auch lange Auskühlzeiten erfordern, spräche das vielleicht für ein entsprechendes SC, z.B. ein Celestron 9,25" oder ein Meade 10". Das C9,25 hätte den Vorteil, dass es etwas leichter ist und visuell noch einigermaßen von Deiner AVX getragen würde, auch Planetenvideos sollten damit gehen. Mit längeren DeepSky-Belichtungen wäre Deine Monti bei diesem Kaliber aber überfordert, da müßte dann schon etwas in der EQ6-Klasse herbei. Mal ganz davon abgesehen, dass ein dafür nötiger Reducer bzw. ein bildfeldgeebnetes und komakorrigiertes Feld ("Edge HD" bzw. "ACF") auch den Tubus nochmal teurer werden ließe.


    Kürzere Sprünge auf irgendwas um die 8" lohnen m.E. den Aufwand nicht, es sei denn besondere Gründe sprächen für so einen kleineren Schritt. Beispielsweise könnte Deine AVX ein C8 auch fotografisch noch zufriedenstellend tragen, und viele Nutzer bescheinigen dem C8 ein gutes Preis/Leistungsverhältnis da es einen guten Kompromiß anbietet was Optik, Bildfeld bzw. Brennweite sowie Gewicht und Handling angeht. Aber mit nur 2" mehr Öffnung wäre der Abstand zu Deinem 6" nicht groß, und vielen wäre das vermutlich zu wenig Mehrleistung. Die werden argumentieren wenn schon, denn schon, d.h. statt auf 9-10 Zoll kann man auch gleich auf ein C11 gehen. Das ist nicht mehr soviel schwerer und teurer und hat eine Auflösung mit der man nahezu das Maximum ausschöpfen kann, was die Atmosphäre in unseren Breiten in den besten Nächten erlaubt...


    Du fragtest nach dem "logisch" nächsten Schritt hin zu mehr Öffnung - ich glaube, folgerichtig wäre zunächst etwas anderes: Du hast ein schönes Planetengerät. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass es nach den paar Monaten von Dir schon ausgereizt wurde und in einer dieser Zaubernächte, die es vielleicht nur zwei dreimal im Jahr gibt, Dir schon mal zeigen konnte, was wirklich in ihm steckt, oder? Gutes Seeing kann auch eine große Öffnung nicht ersetzen, eher im Gegenteil. Ich würde daher nicht vorschnell auf mehr Öffnung schielen, sondern mit dem Gerät noch länger und so oft wie möglich Erfahrung sammeln, und mir an Deiner Stelle bei Gelegenheit zwischendurch auf Teleskoptreffen oder in einem Verein bzw. in privater Bekanntschaft bei Mitbeobachtung usw. immer mal wieder größere Geräte im Einsatz zeigen lassen. Wenn möglich im direkten Vergleich gegen Dein Gerät. Dann kann man das alles irgendwann viel besser abschätzen und die Träume und Erwartungen besser abgleichen gegen die eigenen Möglichkeiten und Einsatzbedingungen. Der nächste Schritt wäre so gesehen herauszufinden, ob ein nächster Schritt so bald überhaupt nötig ist. Denn das beste Teleskop ist nicht das Größte, sondern das Meistbenutzte... Und möglicherweise besitzt Du das ja schon :)


    Gruß,
    Mathias