Hallo,
mich erreichte die traurige Nachricht gestern Abend.
Wolfgang war –unter vielem, vielem anderen– ein leidenschaftlicher Astro-Optiker, der als Schüler seinen ersten Teleskopspiegel mit einfachsten Mitteln hergestellt hat.
Für den Schliff benutzte er den Scheuersand, mit dem seine Mutter die Dielen in der elterlichen Wohnung sauber hielt. Beim Polieren des Spiegels half ihm der damalige Chef der Optikfirma Reichmann (damals in Hamburg), den er nach dem Feinschliff um Hilfe bat. Mit diesem Spiegel, sagte Wolfgang, habe er "Jupiter richtiggehend seziert".
Bei den von ihm Mitte der 1970er Jahre entwickelten dreilinsigen HAB-Objektiven, die er als Bausätze anbot (mit vorgefrästen Linsen, die bei der Firma Reichmann gefertigt wurden), bediente er sich einiger genialer Kunstgriffe, um die Fertigung für Hobby-Optiker überhaupt ausführbar zu machen: der Ölimmersion der lediglich feingeschliffenen Innenflächen des Tripletts, die zudem eine Justage der fertigen Objektive erleichterte. Und er benutzte eine Idee von geradezu Bernhard Schmidt'scher Genialität: eine kleine, gezielte und einfachst hervorgerufene mechanische Durchbiegung der Eintrittslinse wurde für das Erzeugen der gewünschten Retouche verwendet, die hierdurch fast von selbst und zonenfrei möglich wurde.
Ich wollte gerne sicherstellen, dass wenigstens eines seiner HABs benutzt wird, um heute zu beobachten, obwohl ich mir recht sicher bin, dass es nicht das einzige gewesen sein wird!
Selbst habe ich auch zwei seiner Objektive hergestellt; das hier verbaute ist jedoch von Walter Stephani unter Mithilfe Wolfgangs gemacht worden; es ist ein hervorragender fast-Apochromat.
Die Beobachtung ist etwas improvisiert gewesen, daher bitte ich die schlechte Qualität der Handy-Bilder zu entschuldigen.
Im projizierten Bild jedoch waren zwei große Fleckengruppen und eine Reihe von Fackeln am Sonnenrand deutlich erkennbar; die HABs sind extrem gute Objektive. Wenn man sie richtig baut, kann man mit ihnen sehr schöne Beobachtungen anstellen. Ein HAB 150/2250 ist in der Wilhelm-Foerster-Sternwarte in Berlin in der kleineren Kuppel mit einem B-Objektiv von Zeiss zusammen montiert und dort öffentlich zugänglich.
Jedem, der das Vergnügen hatte, mit Wolfgang zu tun zu haben, werden seine aufgeschlossene Freundlichkeit und seine aufrichtige Begeisterung für alles optische, astronomische, mathematische, musikalische in Erinnerung geblieben sein.
Mit Wolfgangs Tod verlieren wir einen hervorragenden Optiker und genialen Tüftler, einen auszeichneten Didaktiker und einen leidenschaftlichen Amateurastronomen, vor allem aber einen hervorragenden Mentor, der viele Menschen für Astronomie, und auch einige für die astronomische Optik an und für sich begeistern konnte.
KB, Göttingen
Addendum:
Hier ist die beim Durchsehen beste Aufnahme von heute, ein echtes lucky image: von einem freihand gehaltenen Kartondeckel mit dem Handy abgeknipst, während einer Wolkenlücke hinter einem nicht nachgeführten Teleskop auf einem windigen Parkplatz.
Vielleicht hat Wolfgang da von oben mal kurz den Wind abschalten lassen und den Projektionsschirm festgehalten ...



