Beobachtungsabend 08.02.2023: Das erste mal beobachten - Jupiter, Mond, M42 und mehr
Heute habe ich das erste mal mit einem Teleskop beobachtet. Ich bin immer noch begeistert und überwältigt von meinen Beobachtungen. Nachdem ich das Teleskop ausgepackt und aufgebaut hatte, ging es direkt am Abend nach draußen. Was ein Glück, dass ich heute direkt klaren Himmel hatte. Und was für einen!
Es war etwa 1-2°C und "Sternenklar" also keine einzige Wolke zu sehen. Die Sterne haben, mit bloßem Auge betrachtet, kaum gefunkelt. Der Mond sollte etwa gegen 21:14 Uhr im Südosten aufgehen und bei 93% Erleuchtung sein (3 Tage nach Vollmond). Dementsprechend ist Planetenbeobachtung oder auch die Beobachtung von DeepSky höchstwahrscheinlich suboptimal, oder?
Und falls das stimmt, gilt das auch, wenn ich selbst den Mond noch nicht sehen kann? D.h. der Mond "verstrahlt" die Objekt bzw. den Himmel schon, auch wenn er in meinem Horizont noch nicht aufgegangen ist? Das erschiene mir zumindest logisch.
Ich habe also schon um etwa 19:30 Uhr mein Teleskop im Garten (Süden) aufgestellt und es etwa 30min bei geöffnetem Tubusdeckel auskühlen lassen.
Um etwa 20 Uhr war Jupiter knapp über den Hausdächern im Westen, sodass ich mich beeilen musste. Er stand dort schon etwa bei 17° über dem Horizont. Ich denke 17° ist ziemlich tief für Planetenbeobachtung, aber da bin ich gerne offen für eure Meinungen.
Wie gesagt, das ist jetzt das erste mal, dass ich überhaupt durch das Teleskop schaue. Ich hatte keine Zeit vorher den Leuchtpunktsucher zu justieren (und zu dem Zeitpunkt ehrlichgesagt auch keine Ahnung ^^) und habe deshalb mein Smartphone mit Stellarium im Nachtmodus geöffnet. Nachdem ich Jupiter ausgemacht hatte, hab ich das 20mm Kellner in den OAZ gesteckt, festgeschraubt und durchgeschaut. War natürlich eine grandiose Idee als blutiger Anfänger mit einem Planeten zu beginnen, der erstens nah über dem Horizont steht und zweitens die Beobachtung auch noch bei hellem und großem Mond durchzuführen.
Naja wie es so kommen musste, hab ich eine relativ unscharfe aber helle Scheibe gesehen. Natürlich ziemlich klein. Tja, also hatte ich den Planeten wenigstens schon mal erwischt. Deshalb hab ich direkt das 10mm Kellner genommen und gewechselt. Tada, Jupiter war weg :).
Ich habe deshalb den Sucher angeschaltet, einen hellen Stern genommen (ehrlichgesagt weiß ich nicht welcher genau) und geschaut wie weit der Punkt etwa vom beobachteten Objekt abweicht. Anschließend hab ich diese Abweichung versucht auf den Jupiter zu übertragen und es hat tatsächlich funktioniert :D Ist natürlich eine witzige Idee, dass man praktisch den Leuchtpunkt an eine Stelle richten muss wo nichts ist, damit im OAZ etwas zu sehen ist.
Nun konnte ich den Jupiter schon besser sehen und meine sogar leichte oberflächliche Helligkeitsunterschiede ausmachen zu können. Allerdings war er immer noch irgendwie unscharf. Ich möchte lieber nicht behaupten wirkliche Oberflächeneigenschaften wie Wolkenbänder ausgemacht zu haben. Das wäre mit meiner Brennweite und Vergrößerung sicher möglich, aber ich schiebe das lieber auf meine anfängliche Aufregung und damit einhergehende Einbildung. Meine Erinnerungen sind ja auch nicht mehr Taufrisch, denn heute ist schließlich schon der 12.2. Beim nächsten mal schreibe ich das früher auf.
Ich wollte noch näher ran, also hab ich noch eine 2x Barlow dazwischen gesetzt und dann konnte ich wirklich gut was sehen. Natürlich wurde Jupiter nicht schärfer, egal, wie ich den OAZ gedreht habe, aber immerhin. Die Unschärfe sorgte allerdings dafür, dass ich mir Sorgen bezüglich der Spiegeljustierung machte.
Nachdem Jupiter also hinter den Dächern verschwunden war, habe ich erstmal pausiert um mir das Teleskop einfach ein bisschen anzuschauen. Kurz danach konnte ich dann den Mond sehen. Als ich das 20mm ohne Barlow eingesteckt habe, war ich komplett begeistert. Ich war hin und weg. Der Mond war knackscharf. Ich war dementsprechend erleichtert und nehme an, dass der Spiegel nicht dejustiert ist, denn ansonsten hätte der Mond ja auch unscharf sein müssen oder?
Ich wollte näher ran, also hab ich zuerst nur das 9mm und dann die Barlow mit 9mm Okular verwendet. Trotz Barlow konnte ich keine merkbare Verschlechterung der Schärfe feststellen. Und das ist wahrlich keine hochpreisige Barlow. Selbst bei 144x Vergrößerung war der Mond super scharf. Ich war so überwältigt. Ich kann das kaum in Worte fassen. Der Bildausschnitt war dann natürlich sehr nah dran, sodass ich praktisch Krater zählen konnte :D.
Ich muss allerdings auch sagen, dass der Mond schon sehr hell war. Der mitgelieferte Mondfilter hat ihn zwar abgedunkelt, machte ihn aber auch komplett Blau. Das wollte ich nicht.
Nach dem Mond und ca. 20min Dunkeladaption hab ich das Teleskop, wohlgemerkt ohne Leuchtpunktsucher, auf M42 gerichtet. Da M42 in meinem Lieblingssternenbild liegt, war das natürlich leicht zu finden. Ich habe in diesem Moment zum ersten mal in meinem Leben einen Interplanetaren Nebel durch meine eigenen Augen gesehen. Wie cool ist das bitte!
Ich hatte das Gefühl, dass ich den Nebel mal besser und mal schlechter beobachten konnte. Ich konnte zumindest eine grobe Struktur ausmachen. Ich denke der Mond spielt da auch eine große Rolle. Ich hoffe ich kann das Vergleichen, wenn ich demnächst M42 beobachte, wenn nicht gerade Vollmond war. In meinem analogen Tagebuch werde ich für mich selbst noch eine kleine Zeichnung machen um das besser vergleichen zu können.
Irgendwann bin ich dann zu den Plejaden übergegangen und hab einfach die Aussicht genossen ohne mit große Gedanken um die einzelnen Sternen zu machen. Nach und nach konnte ich immer mehr Sterne sehen und war schlicht und einfach im Bann der Sternen. Doch plötzlich schoss ein Objekt durch mein Blickfeld ohne Licht. Keine Leuchtspur und offensichtlich kein Passagierflugzeug. Nach etwas googlen bin ich mir ziemlich sicher, dass das ein Satellit war. Die hatte ich gar nicht auf dem Schirm. Ich finde es immer noch unglaublich cool, dass ich Satelliten sehen kann, die um die Erde kreisen.
Danach habe ich irgendwann abgebaut und das kalte Teleskop mit offenem Deckel und offenem OAZ in waagerechter Position in den etwa 12°C warmen Keller gestellt. Ich habe mir gedacht, dass der Temperaturgradient nicht so hoch ist, wie 1°C draußen zu 19°C in meinem Arbeitszimmer. Tatsächlich hat keine Taubildung stattgefunden. Nach 4h habe ich es dann in mein Arbeitszimmer gestellt und bin schlafen gegangen.
Beobachtungsabend 2 am 10.02.2023
Es war diesmal leider kein optimales Seeing. 5 Tage nach Vollmond und es war immer mal wieder Wollkenverhangen. Allerdings mit klaren Minuten dazwischen. Die wollte ich für Mars nutzen. Also 20mm Okular in das ausgekühlte Teleskop und los.
Ich hatte am Mittag übrigens den Sucher endlich justiert indem ich ihn auf den etwa 230m Luftlinie entfernten Kirchturm gerichtet habe. Ein weiter entferntes Objekt hab ich leider nicht zur Verfügung gehabt. Vielleicht sollte ich das besser mal irgendwo im Feld machen, wo ich weiter sehen kann. Es war auf jeden Fall schon eine deutliche Verbesserung zum ersten Mal.
Mars erschien mir auch sofort und ich habe den Anblick im 20mm (sehr klein), im 9mm (ok aber immer noch klein) und im 9mm mit 2x Barlow (sehr gut) genossen. Leider war das Erscheinungsbild vom Mars nicht ganz so, wie ich es mir erhofft habe. Ich zeige hier jetzt mal zwei Bilder:


(Die Bilder sind generiert auf der Seite von Sternenfreunde Münster: https://www.sternfreunde-muenster.de/orechner.php)
Das obere habe ich leicht in Paint bearbeitet um euch zu zeigen, wie Mars für mich aussah. Er war also sehr "weiss" oder "hell", wenn man das so sagen kann. Ich konnte am linken Rand zwar einen rötlichen Schimmer ausmachen, allerdings war er überwiegend einfach nur sehr hell.
Jetzt kommt meine Frage. Liegt das am Mond? Hier gilt das selbe wie beim ersten Tag, der Mond war noch nicht über dem Horizont. Ich konnte ihn somit noch nicht sehen. Aber ich gehe davon aus, dass er trotzdem schon Lichtverschmutzung verursacht. Ist das der Grund für den hell erleuchteten Mars?
Nach dem Mars habe ich ehrlichgesagt kein spezifisches Ziel mehr gesucht sondern bin mir dem Teleskop einfach den Sternenhimmel abgefahren. Dabei ist mit aufgefallen, dass manchmal die Sterne am Blickfeldrand nicht so scharf waren, wie die in der Bildmitte. Was hat das zu bedeuten? Das war übrigens beim 9mm und beim 20mm Okular ohne Barlow der Fall.
Danach zogen leider auch schon wieder etliche Wolken auf.
SO danke für das Lesen meines Tagebuchs. Ich freue mich über jedwede Rückmeldung, einen Kommentar, eine Empfehlung oder auch eine Antwort zu eine meiner Fragen. 
Ich wünsche euch noch einen tollen Abend!
LG und clear skies,
Galahad