Posts by AchimS

    <b>Bericht vom 21/22.07.2020; 22.30h – 01.20h</b>
    <b>Ausrüstung:</b>
    Newton-Teleskop, Öffnung 428mm, Brennweite 1830mm, (f/4,25) Adler auf Dobsonmontierung
    Fernglas: Miauchi 20*77mm auf Stativ


    verwendete Okulare: 21mm (87-fach) ; 13mm (140-fach), 10mm (183-fach), 8mm (228-fach), 6mm (303-fach) – Ethos-Serie, 5er Nagler (366-fach)
    Ort: Freies Feld bei Beerbach, ca. 405m üNN
    Temperatur: 22.30h +16, C ; 01.20 +14 C
    Seeing: 2-3, horizontnah 4


    Wetter: tags erst bewölkt, dann mehr und mehr aufklarend


    <b>Beobachtete Objekte:</b>
    Kometen: C/2020 F3 Neowise
    Planetarische Nebel: M57, AMO 11
    Gasnebel: M16, M17, …
    Quasar: -
    Planeten: Saturn
    Kugelsternhaufen: M13
    Offene Sternhaufen: M11
    Doppelstern: HD163640
    Galaxien:
    HER: NGC6500 / NGC6501
    CYG: NGC6946
    PEG: NGC7331, NGC7337, NGC7335, NGC7317;7318A/B;7319;7320 (Stepans Quintett)
    Supernovae: -


    Hurra – nun konnte ich den Komet auch endlich sehen. Die Nacht zuvor war ich nur mit dem Fernglas auf Kometenjagd gegangen – und hatte nur einen Boliden ‚gefangen‘. Um 22.59, mit geschätzten -7mag schon grell hell. ‚Dank‘ mehr und mehr Wolken blieb der Komet unsichtbar


    Die Aussicht für diese Nacht war zunächst nicht so toll, In tieferen Schichten bis 3 Uhr morgens 34% Bedeckung laut Meteoblue. Am späten Nachmittag klart es auf, vielversprechend, ich stelle gegen 20h das Teleskop raus. Vola – um 21h überlegt es sich auch Meteoblue anders und erwartet nun auch eine klare Nacht.


    Ich fahre recht früh (22.25h) los – soll doch der relativ niedrig stehende helle Komet zunächst im Mittelpunkt stehen. Hups … im letzten Monat ist der Mais im Feld links des Feldwegs von zarten Pflänzchen auf etwa 1,5m Höhe gewachsen, das begrenzt die Sicht nach W leicht. Mein Beobachtungsplatz hat einen eingeschränkten Nord-Horizont, der Waldrand reicht dort bis auf ca. 20…25 Grad hoch, mit dem Dobson kann ich so die Komet nicht betrachten. Das war auch nicht der Plan, dafür habe ich mein altes Fernglas auf Stativ mitgebracht. Ich stelle dies ca. 30m südlich in die Wiese, dort reicht der Nordhorizont deutlich niedriger.


    Unterhalb vom UMA-Kasten schält sich langsam der Kometenkern mit Schweif aus der zunehmenden Abenddämmerung heraus. Ich wollte auch mit meinem Smartphone (S9+) Bilder machen – mehr als Erinnerungsstücke – ist das ist ja alles andere als das richtige Equipment. Mit ISO640 und 10 Sekunden ist Neowise doch ganz nett erkennbar.


    <b>C/2020 F3 </b>– Neowise Mag3
    Ein deutliches „Wow“ geht mir über die Lippen, beim ersten Blick durch das 20*77 Fernglas. So deutlich und hell, trotz der Restdämmerung. Ein sehr deutlicher Zentralbereich, der sich in einen inneren kleinen ‚Dot‘ mit hellem Innenhalo, welches fast scharf vom zarte auslaufenden Außenhalo getrennt ist. Lang, viel länger als das Fernglasgesichtsfeld der Schweif, welcher nur allmählich auffächert. Der Kometenhalo dabei deutlich weiter als der Schweif am Kometenansatz, dieser nach links schärfer vom Hintergrund abgegrenzt als nach rechts, dort leicht strukturiert. Ich meine links, mit etwas dunkleren Zwischenraum zum Staubschweif eine feine Linie zu erahnen. Bin mir aber nicht sicher. Ich kenne natürlich aktuelle Fotos, kann sein das ich mir den Gasschweif einbilde. Sehr schön!


    Der Blick schweift – die Milchstraße ist mittlerweile deutlich erkennbar, auch mit Strukturen, obwohl das SQM erst 20,6 im Zenith anzeigt. Jupiter dominant hell niedrig im SO, auf gleicher Höhe links davon Saturn – merklich schwächer. Beide Gasriesen aber merklich höher stehend als noch vor einem Monat. Ich hatte mich nicht groß vorbereitet. Lyra steht fast im Zenith, warum nicht? …



    <b>M57 </b>– PN – Lyr (mag 9,4 – sbr 9,3; 1,4’ * 1,0’) SQM20,70
    Erst vor einem Monat letztmalig beobachtet ist der PN ruckzuck mit der 13er eingestellt. Recht hell und deutlich der Vordergrundstern dicht am Ringnebel, nadelfein. Das Seeing ist nicht schlecht. Steigere auf 228-fach. Gut sind die gegengleichen, etwas ausgefransten Stellen des Ring-Außenbereichs detektierbar. Es taucht auch der Zentralstern auf. Nicht direkt-stabil, jedoch indirekt zu ca. 70% zu halten, direkt blickweise. Ab und an meine ich einen zweiten etwas aufgeblasenen Lichtpunkt im Innenbereich zu erkennen, mehr zur Ringrand, weg vom Vordergrundstern außerhalb, jedoch nicht gesichert. Der UHC dunkelt den Hintergrund deutlich ab, bringt mir keinen wirklichen Gewinn. Ohne finde ich schöner, so ist eine stumpfwinklige 3er Sternengruppe mag 14..15 auf 7h, knapp außerhalb des Halos mit ca 0,8 Bogenminuten separiert erkennbar. Mache eine kleine Zeichnung. Messe die Helligkeit: jetzt SQM21,12 .


    Peile jetzt niedriger – aber immer noch auf 60 Grad fast exakt im Süden, in eine 2er Gruppe


    <b>NGC6500 </b>- GX - HER (mag 12,1 – sbr 13,4; 2,2‘ * 1,6‘) SQM21,15
    <b>NGC6501 </b>- GX - HER (mag 12,0 – sbr 13,3; 1,8‘ * 1,6‘) SQM21,15
    Von Lota Cyg. Eine visuell sichtbare 4er Sternengruppe um 95Her ist der Einstieg zum Starhop. Der fällt recht kurz aus. Da der Stern <b>HD163640 </b>[mag 7,4/7,5; 2,5“]
    in unmittelbarer Nähe mit Mag 7,4 im Sucher bereits erkennbar ist. Nehme gleich da 13er Oku. Hups – ein netter Doppelstern. Beide Komponenten identisch hell, für mich beide weiß, stehen dicht beieinander, jedoch eindeutig separiert. Die Nachbereitung sagt 2,5 Bogensekunden Abstand und eine Distanz von 786 Lichtjahren zu unserer Sterneninsel. Stellt man den Doppelstern links ins Gesichtsfeld, kann man auf 9h die GX NGC6500 und auf 8h NGC6501 ausmachen. Deutliche Nebulustiäten mit merklichen, flächigen Zentralaufhellungen, nur ¼ GX-Durchmesser separiert. In NGC6501 rund, 6500 etwa 3 zu 2 elongiert, die Hautachse grob Richtung Nachbar-GX. Diese stehen in 144 bzw. 141 Mio LJ entfernt, und damit tatsächlich relativ nahe beieinander. Strukturen konnte ich keine dingfest machen, trotzdem: interessant.


    Mir ist nach größeren GX’en; UMA würde sich anbieten, der sinkt merklich tiefer. Subjektiv ist es nun dunkler als bei meinen letzten Beobachtungen, die Michstraße kontrastreich mit Strukturen. Das SQM zeigt 21,26 – für den Standort guter Durchschnitt.Ich peile ich lieber höher, abermals auf die Fireworks-GX:


    <b>NGC6207 </b>- GX - HER (mag 11,6 – sbr 12,9; 3,0‘ * 1,2‘) SQM21,26
    Von My Cepei ausgehend ist die Zielregion gleich gefunden. Hinter dem Milchstraßenband gelegen ist das Feld mit Lichtpünktchen nur so übersäht. Ich beobachte nur im 13er bei 140-fach. Es zeigt sich ein leicht schräg liegender (2h nach 8h), ovaler relativ kleiner Nukleus, von dem gegengleich zwei schwache GX-Arme starten und gegen den Uhrzeigersinn den Kern umschlingen, jener oben im GF halbkreisförmig, rundlich – zum Ende hin zwei Feldsterne um mag11, der untere etwas gedrungen. Der Obere verzweigt in zu einen zweiten, mehr innen gelegenen Arm. Strukturen sich nicht einfach zu sehen es braucht Geduld, es gibt wenig Kontrast.


    Streue Abwechslung ein, und auf Cygnus in den Schwanenhals, nicht jedoch ohne zuvor einen kurzen Blick auf Albireo zu machen, den Farbkonstrast des hellen Doppelsterns zu bewundern. So hell, dass die Adaption gefährdet wird.


    <b>ARO11 </b>- PN - CYG (mag 11,4 – ?sbr ; 0,2‘ * 0,2‘) SQM21,26
    Erfreulich schnell gefunden, Stellt man sich mit Phy Cygni und 9Cgyni ein gleichseitiges Dreieck vor, ist der PN an der Position der fehlenden Komponente. Sehr sternreiches Feld, viele Komponenten in der entsprechenden Helligkeit, nur einer bleibt beim Filterblinken unbeeindruckt #61514; Hab dich! Erst im 10er, dann im 5er bei 366-fach wird betrachtet, leider nicht viel gesehen. Rundlich, flächenhell ohne Kontraste für mich. Zentralstern konnte ich nicht ausmachen.


    Das Firmament ist beeindruckend, die Ruhe … es kühlt merklich ab, die Luft ist jedoch sehr trocken. Ich ziehe die mitgenommene Jacke an. Es glitzert und glost über mir. Da ich – ausnahmsweise – mein Fernglas auf Stativ dabei habe ‚wandere‘ ich die nächste gute halbe Stunde durchs Milchstraßenband, verweile bei M22, M17 (Omega-Nebulae), M11 (Wild Duck Cluster), M8 (Lagoon Nebulae), M16 (Adler Nebel), auch ein Schwenk auf die andere Seite zu h&Chi in Perseus ist dabei. Entspannt, ohne Zeichnungen – einfach ‚dahingleitend‘.


    Schade das Müdigkeit aufkommt, nach einem Sturz vom Rennrad am 12.07. leide ich unter den Nachwirkungen, nichts ernsthaftes dafür schmerzhaft und langwierig. Das kostet auch Kraft.


    Das Fernglas wird in die Kiste gepackt, das Stativ zusammengefahren. Zurück zum Teleskop.
    Die Planeten leuchten so hell, Jupiter gleißend, da doch lieber auf


    <b>Saturn </b>– mag 0,1
    Oh je – schlechtes Seeing hier auf 20 Grad über dem Horizont. Im 10er bei 180 fach ist die Cassini-Teilung nur blickweise erkennbar, nur in kurzen Momenten die an den Polen merklich abgeflachte Planetenscheibe plastisch innerhalb der Ringsystems, sonst verwaschen. Im 13er bei 140 fach ästhetischer anzusehen, aber nicht mehr zu erkennen. Stark defokussiert sieht es aus, also würden Rauchschwanden mit hoher Geschwindigkeit vertikal vor dem Objekt vorbei ziehen, so deutliche Luftschlieren hatte ich bisher noch nie gesehen.


    Dann lieber wieder hoch peilen: links oben am aufsteigenden Pegasus-Viereck gibt’s einiges an Galaxien – dort geht’s hin,


    <b>NGC7331 </b>- GX - PEG - (mag 9,5 - sbr 13,3; 10,2 * 4,2') SQM 21,30
    Auf den Ersten Blick fast eine Spindel edge-on, beim näheren Hinsehen dann doch der Blick schräg seitlich auf die GX. Im GF von 11h nach 5h in der Hauptachse. Links relativ scharf abgegrenzt durch ein Staubband. Im 10er bei 183-fach erscheint der Randbereich unruhig strukturiert. Der Zentralbereich hell, wie eine Katzeniris geformt. Nach oben der Halo etwas weiter gezogen. Auf 5h vom Zentrum, am Halorand ein Vordergrundstern nahe der Auflösungsgrenze, Mag 15+; sehenswert.
    In unmittelbarer Nähe kann ich ohne Mühen weitere Gxen ausmachen:


    <b>NGC7335 </b>- GX - PEG - (mag 13,4 - sbr 12,9; 1,3 * 0,6') SQM 21,30
    <b>NGC7337 </b>- GX - PEG - (mag 14,4 - sbr 14,3; 1,0 * 0,8') SQM 21,30
    Direkt zu halten. Verglichen zur Astrosoftware erscheint mit die Distanz zu 7331 größer, dies liegt sicher sehr zart auslaufenden Halo von 7331.
    Zwischen der linsenförmigen GX 7335 mit deutlichem Kern und allmählich auslaufenden Halo ein Lichtfünkchen an der Wahrnehmungsgrenze. Die GX etwa auf 3h vom Zentrum 7331 aus gesehen.
    NGC7337 auf 1h, links und rechts von zwei Sternchen (ca. Mag 14) eingerahmt. Ein Sternchen im schwachen Nebel der GX erkennbar.


    Jetzt bin ich so dicht dran: dann muss auf Stephans Quintett gepeilt werden.


    m Zielgebiet fallen zunächst sicherlich 8 bis 10 Vordergrundsternchen auf, ähnlich helle Vertreter der 13er Liga. Ich mache mir eine kleine Skizze, um das Gesehene später vergleichen zu können. Zunächst am deutlichsten die Größte GX,


    <b>NGC7320 </b>- GX - PEG - (mag 12,6 - sbr 13,5; 2,3 * 1,4') SQM 21,32
    Als blasse, klassisch-linsenförmig ausmachbar. Innerhalb des Halo, in Richtung Hauptachse knapp neben dem GX-Zentrum ein Vordergrundstern. Ausrichtung von 1h nach 7h. Etwas mehr waagrecht die Doppel-GX


    <b>NGC7318A </b>- GX - PEG - (mag 13,4 - sbr 13,0; 1,2 * 1,0') SQM 21,32
    <b>NGC7318B </b>- GX - PEG - (mag 13,1 - sbr 13,9; 1,6 * 1,1') SQM 21,32
    Für mich zusammenhängend. Lediglich zwei dicht beieinanderstehende blasse Zentralbereiche deuten auf eine Doppel-GX.


    <b>NGC7317 </b>- GX - PEG - (mag 13,6 - sbr 13,8; 0,7 * 0,6') SQM 21,32
    Rundlich, mit zartem Halo, Zentrum etwas kräftiger mit schnell abfallender Helligkeit, die kleinste GX der Gruppe. Für mich am schwersten auszumachen, aber doch eindeutig. Innerhalb einer kleinen Kette von Mag14-Sternen.


    <b>NGC7319 </b>- GX - PEG - (mag 13,1 - sbr 13,8; 1,4 * 1,1') SQM 21,32
    angegebene Werte irritieren mit etwas (Daten aus Ciel, SAC-Katalog), nach meiner Einschätzung ist die Flächenhelligkeit dieser für mich als breite Ellipse erahnbaren GX deutlich geringer als die angegebenen Mag 13,8. Das Quintett beschäftigt mich sicherlich ¼ Stunde


    Es ist 1h 20, ich baue schnell ab, fahre heim. Diese Nacht hatte noch einiges an Potential, nur konnte ich es leider nicht mehr ausschöpfen.


    Clear Skies und gute Gesundheit Euch und euren Lieben wünscht


    Achim
    <b></b>

    Hallo,


    dem Boliden habe ich auch sehen, um 22.59 und ca. 30 Sekunden - wenn die Kirchenglocke in Rennhofen bei Emskirchen pünklich ist.
    Helligkeit schwer zu schätzen, ich denke so um -7m0.


    Flugbahn war von sehr hoch kommend (vermutlich zenithnah, habe den ab ca. 70 Grad gesehen, davor nur das Aufleuchten der Wolken) bis durch UMA zwischen Epsilon UMA, Gamma UMA (links) und Delta UMA (rechts) hindurch.


    Kometensichtung war ob der Bewölkung leider nicht möglich, aber immerhin etwas ;)


    Viele Grüße


    Achim

    Hallo Mathias,


    vielen Dank für den Bericht und die Eindrücke. Einen tollen heimischen Platz hast Du, ich hoffe ohne längere Anfahrt.


    Ich war die Nacht danach draußen, das Seeing war da auch ausgesprochen gut, weit besser als üblich.


    Viele Grüße


    Achim

    ... geht auf 49 Grad Nord immer noch Deep Sky mit Genuss. Anbei mein Bericht ...


    <b>Bericht vom 23/24.06.2020; 23.45h – 02.00h</b>
    Ausrüstung: Newton-Teleskop, Öffnung 428mm, Brennweite 1830mm, (f/4,25) Adler
    Dobsonmontierung


    verwendete Okulare: 21mm (87-fach) ; 13mm (140-fach), 10mm (183-fach), 8mm (228-fach), 6mm (303-fach) – Ethos-Serie, 9er Nagler mit 2,5-fach Powermate (505-fach), 6,7mm mit mit 2,5-fach Powermate (697-fach)
    Ort: Freies Feld bei Beerbach, ca. 405m üNN
    Temperatur: 23.30h +18, C ; 02.20 +16 C
    Seeing: 2, später 1


    Wetter: tags erst bewölkt, dann mehr und mehr aufklarend


    <b>Beobachtete Objekte:</b>
    Kometen: -
    Planetarische Nebel: M27, NGC6828, NGC7027, Humason2-1
    Gasnebel: M16, M17, NGC7027, NGC7023
    Quasar: -
    Planeten: -
    Kugelsternhaufen: M13
    Offene Sternhaufen: M11
    Sterne: -
    Galaxien:
    HER: NGC6207
    CYG: NGC6946
    Supernovae: -


    Letzte Chance zu dem Neumond. Zwar nur 2 Tage nach der Sommersonnenwende, doch da die Beobachtung 9 Tage davor so gut ging, hatten sich Nils und ich an gewohnter Stelle trotzdem verabredet. Arbeiten von 7 bis 13h und 17h bis 20h, dazwischen gut 100km Rennrad fahren. Noch eine kurze Vorbereitung, dann Powernapping von 21.30h bis 23h.
    Bei der Fahrt zum Platz ist es um 23.15 noch recht hell, gen NO sieht man sogar noch einen leicht rötlichen Schein am Horizont. Die auf der Kante stehende, orange Mondsichel weist die Richtung. Kurz vor dem Ziel, auf den Fahrt den Hügel hoch erhasche ich noch einen letzten Blick, nur noch die obere Sichelhälfte ragt über den Horizont. Nils ist schon vor Ort. Aufbauen und justieren in gewohnter Routine.


    Schön ist es wieder auf freiem Feld zu stehen, der Horizont wirkt noch etwas dunstig (staubig?). Es wird dunkler, die tief im Osten liegende Milchstraße beginnt sich abzuheben, an Strukturen zu gewinnen. Ich starte mit einen hellen, hoch im SO stehenden


    <b>M27 </b>- PN - HER (mag 7,3 – sbr 11,2; 7,2 * 4,2) SQM20,70
    Der Nebel ist im 8x50 Sucher, deutlich erkennbar. Im Okular auch ohne Filter sind die senkrecht zur Hantelachse weiter herausragenden Nebelkomplexe erkennbar. Ich steigere die Vergrößerung über das 13er zum 10er: 183-fach. Ohne Filter ist der Zentralstern erkennbar, daneben sind nun im Nebelkomplex etwa ein Dutzend Lichtfünkchen ersichtlich, die Mehrzahl im Bereich der Hantelform. Der Nebel selbst ist relativ deutlich nach außen abgegrenzt, Randbereiche weisen größerer Helligkeit auf als flächige Zonen im Inneren. Nahe eines am Rand gelegenen relativ hellen Mag 11-Sterns ist der Nebel am deutlichsten in einer grob dreieckigen Region aufgehellt. Der Einsatz von einem O-III-Filter bringt merkliche Kontraststeigerung, aber nicht den riesigen Unterschied. Auch ohne Filter überaus sehenswert. Ich nehme mir viel Zeit und erstelle eine relativ detaillierte Skizze.


    Helle Planetaries sind eine gute Wahl für Restdämmerung, so ziele ich nun auf den Blinking Planetary in Cygnus, weit vom noch schwach glimmenden Horizont in NO abgewendet.


    <b>NGC6828 </b>- PN - CYG (mag 8,8 –6,9sbr ; 27“ * 24“) SQM21,10
    Von Lota Cyg ausgehend leicht einzustellen, liegt doch unweit der mag 6,2 helle Stern 16Cyg.
    Im 21er ist der PN auch ohne Filter sofort erkennbar, bei der Minimalvergrößerung kommt der blinkende Effekt gut zur Geltung. Fokussiert man sich auf den hellen Zentralstern scheint der Halo zu verschwinden, fokussiert man auf den Halo scheint der ZS zu verschwinden. Mit zunehmender Vergrößerung verschwindet der Effekt. Und heute geht Vergrößerung. 10, 8er, 6er, … immer noch punkförmige Feldsterne und mehr und mehr Struktur im Nebel. Es ist eine der seltenen Nächte, bei dem meine Powermate zum Einsatz kommt. Ich lande bei 505-fach. Deutlich und relativ hell der Zentralstern, eine deutlich abgegrenzte Außenhülle, rundlich und innerhalb dieser Strukturen, die an zwei gegenüber liegenden Stellen bis an die Außenhülle reichen, teils 1/3 Radius entfernt bleiben. Nils schaut auch mal bei mir und beschreibt es als ‚wie eine Blüte‘. Ich skizziere wieder länger, ein sehr schönes Objekt.


    Es ist merklich dunkler geworden, das Minimum der Nacht ist bald erreicht. Bei so gutem Seeing genieße ich den prominenten GC M13, auch bei gut 300-fach nadelspitzenfeine Sternenfünkchen, im Zentrum vor leicht glosenden Hintergrund, das Objekt über fast 2/3 des 100 Grad Gesichtsfelds – wow! Zur Abwechslung dann eine GX,


    <b>NGC6207 </b>- GX - HER (mag 11,6 – sbr 12,9; 3,0‘ * 1,2‘) SQM21,20
    Sehr deutlich erkennbar dank großer Flächenhelligkeit, Achsverhältnis um 3:1. Heller, stellar wirkender Zentralbereich, Strukturen? – ja! Etwas mottelig, ein Ansatz von Arm Spiral-GX in schräg-seitlicher Lage.


    Das Super Seeing will genutzt sein, so fällt die Wahl auf


    <b>NGC7027 </b>- PN - CYG (mag 8,5 – ?sbr ; 0,3‘ * 0,2‘) SQM21,23
    Ein überaus interessantes Objekt. Ein sehr junger Planetarischer Nebel, mit einer physischen Ausdehnung von nur 0,2 Lichtjahren einer der kleinsten und jüngsten (man geht von 800 Jahren aus) bekannten PN. Sehr Flächenhell und Kompakt. In der Milchstraßenwolke unweit des Nordamerikanebels zu lokalisieren. Ab 140-fach eindeutig asymmetrisch, steigere stufenweise die Vergrößerung. Mir gehen die Okulare aus, leihe mir von Nils sein 6,7er und nutze dieses in der 2,5-fach Barlow. Knapp 700-fach. Mit Geduld gelingt fokussieren immer noch, Kleine Feldsterne nun ab und an mit Beugungsscheibchen. Ich sehe ein grob bohnenförmiges Objekt, Hauptachse von 11h nach 5h. der unten gelegene Teil mit einem merklich hellerem Bereich, das Ganze von einem schmalen, schwachen Halo umfasst. Etwa 1‘ Richtung 8h ein mag 14Feldstern. Ich spendiere dem Objekt sicherlich 15, 20 Minuten.


    Als Kontrast dann der Nordamerikanebel (NGC7000). Leider war meine Minimalvergrößerung mit Filter 140-fach für meinen Geschmack zu hoch, mit dem 21er konnte ich nicht arbeiten. Ich hatte die Fangspiegelspinne reparieren müssen und dabei die Zentrierung des FS leicht verschoben, die 1 oder 2mm reichen, dass das Okular bei Filtereinsatz nicht mehr ganz in den Fokus kommt. Es fehlt der größere Überblick, der hier – für mich – den Reiz ausmacht.


    Lasse dem Blick schweifen – sauge die Stimmung der Nacht ein, es macht einfach Spaß.


    Das nächste Objekt ist eine Wiederholung der letzten Beobachtung:


    <b>NGC6946 </b>- GX - CVN (mag 8,8 – sbr 13,8;11,4 * 10,8) SQM21,23
    Nur unter besseren Bedingungen. Die Flächenschwache GX hebt sich nun deutlicher vom Milchstraßenhintergrund ab, die Arme sind besser erkennbar. Nils riskiert auch einen Blick, kann die Arme auch unmittelbar identifizieren.


    Schwenke gen Nord, hoch in Cepheus, zu


    <b>NGC7023 </b>– GN/OC - CEP (mag 7,1 – ?sbr ; 5,5 * 5,5‘) SQM21,20
    Einen Reflektionsnebel mit Sternhaufen, ich meine auch etwas Dunkelstrukturen. Auffällig Hell ein Mag7 Stern im Zentrum des Nebelkomplexes, der einen helleren, grob ovalen Bereich aufweist und von zerklüfteten Strukturen umfasst ist. Hier hilft ein Nebelfilter bei der Beobachtung sehr. Das Objekt ist ca. 1300LJ von uns entfernt.


    Die Zeit schreitet fort. Ich zeige Nils auf die Schnelle der Omeganebel, Adlernebel und M11 (Wild Duck), er hat das Problem wegen vergessener Schrauben seinen Dobs nicht niedrig ausrichten zu können. Da ich die Objekte für künftige Beobachtungen vorgeschlagen hatte wollte ich noch Appetit dafür anregen #61514;


    Einer geht noch, etwas exotisches, ein Mini-PN. Wie sich zeigt braucht es hier zwingend die Möglichkeit schnellen Filterwechsels, mit meinem Filterschieber ist das kein Problem. Ohne Rausblinken hätte ich dieses Objekt im überaus sternenreichen Feld niemals identifiziert:


    <b>Hu 2-1 </b>– PN – HER (mag 11,4- sbr ?; 0,1” + 0,1”) SQM 21,20
    Nils fängt mit dem Einpacken an, da werde ich unwillkürlich auch unruhig. Schnell steigere ich die Vergrößerung. Zentralstern kann ich nicht dingfest machen, Jedoch erscheint das Objekt mehr und mehr länglich. Ich belasse es dabei.


    Morgens um 6 ist die Nacht vorbei, so lasse ich diesmal Jupiter und Saturn weg, auch wenn diese im Süden schon fast kulminieren. Abbauen, heimfahren … das war es für diesmal


    Clear Skies und gute Gesundheit Euch und euren Lieben wünscht


    Achim

    Hallo Sarah,


    herzlichen Dank für deinen überaus lebendigen und mitreisenden Bericht. Als wäre man dabei gewesen.


    Die Stimmung unter dem funkelnden, glosenden Firmanment in einer dunklen Nacht abseits jeglicher Bebauung ist erhaben, ein bischen erfuchtgebietend ... einfach toll. Etwas das süchtig machen kann ...


    Viele Grüße


    Achim

    Hallo Maik,


    es freut mich, dass Du nun auch Landhimmel genießen kannst.
    Bei dem nördlicheren Objekt wird es sich um M16 - dem Adlernebel - in Sternbild Serpens (Schlange) gehandelt haben, in der Milchstraßenwolke zwischen Sagittarius und Aquila. Das Objekt darunter dann M17 - der Omega oder auch Schwanennebel genannt. Beide sehr auffällig hell und mit Strukturen bereits im 8+50 Sucher und damit natürlich auch im Fernglas.


    Freue mich schon auf weitere Beobachtungen von Dir


    Achim

    Bericht vom 13.06.2020; 00.00h – 02.20h
    Ausrüstung: Newton-Teleskop, Öffnung 428mm, Brennweite 1830mm, (f/4,25) Adler
    Dobsonmontierung


    verwendete Okulare: 21mm (87-fach) ; 13mm (140-fach), 10mm (183-fach), 8mm (228-fach), 6mm (303-fach) – Ethos-Serie, 9er Nagler mit 2,5-fach Powermate (505-fach)
    Ort: Freies Feld bei Beerbach, ca. 405m üNN
    Temperatur: 23.40h +82, C ; 02.30 +18 C
    Seeing: 3, später 2-


    Wetter: tags erst bewölkt, dann mehr und mehr aufklarend


    Beobachtete Objekte:
    Kometen: -
    Planetarische Nebel: NGC6058, Vyssotsky1-2; NGC6741
    Gasnebel: M16, M17
    Quasar: -
    Planeten: Saturn, Jupiter
    Kugelsternhaufen: M92, NGC6229
    Sterne: -
    Galaxien:
    CVN: HCG68 = NGC5353/5354/5350/5355/5358
    CYG: NGC6946
    Supernovae: -


    Schon seit Dienstag schiele ich auf die Nacht von Fr. auf Sa. bei der Meteoblue Vorhersage. Tatsächlich wird es gut. Nils ist diesmal nicht mit dabei – er ist mit seiner Familie im Allgäu. Morgens mit dem Rennrad eine Runde, dann etwas Gartenarbeit. Wegen Kurzarbeit habe ich frei. Ich versuche etwas vorzuschlafen, diesmal bleibt es beim Dösen – ich bin nicht müde genug. Um 23.20h fahre ich los. Im NO ist es noch deutlich aufgehellt. Ich schiele nach tiefen Nachtleuchtenden Wolken – jedoch nichts dergleichen zu sehen. Vor Ort angekommen die Standard-Routine: Aufbauen, Justage an Polaris testen. Seeing ist o.k, der Spiegel muss aber noch etwas nachtemperieren. Ich lasse den Blick schweifen. Wenig Dunst, tief im Osten kann man schon das Band der Milchstraße tief liegen erahnen. Tief im Süden deutlich die Schere des Skorpions. Ich hatte mir viel Zeit gelassen; beginne hoch, fast schon zenitnah im Herkules. Da es noch nicht ganz dunkel ist will ich mit einem Kugelsternhaufen beginnen:


    <b>M92</b> - GC - HER (mag 6,5 – sbr 11,0; 11,2 * 11,2) SQM20,97
    Oft ob des prominenteren M13 links liegen gelassen. Zu Unrecht, jedoch mit etwas anderem Charakter. Das Zentrum sehr hell und konzentriert, der Halbmassendurchmesser deutlich kleiner. Nach Außen ähnlich helle Sterne um Mag 11 / 12, meist kaltweis, teils mit einem Hauch von gelb. Nehme mir Zeit und betrachte im 13er, 10er und dann im 8er bei 228-fach; da füllt der GC das GF zum Großteil aus. Ein Genuss. Mache eine Skizze. Beim Aufsuchen dachte ich M92 schon mit bloßem Auge zu erahnen, lag aber falsch – es war eine Gruppe schwacher Feldsterne. Naja – bei Mag 6.5 Objekthelligkeit darf es nicht mehr dämmern.


    In meiner Objektliste steht ein weiterer Kugelsternhaufen,


    <b>NGC6229</b> - GC - HER (mag 9,4 – sbr ?; 3,8 * 3,8) SQM21,14
    Etwa 4 mal so weit entfernt wie M92 – hier ca. 100k LJ. Ich hatte das 13 Oku zum Aufsuchen verwendet und war sofort fündig. Recht hell – große Flächenhelligkeit. Der Halbmassenradius geschätzt ähnlich zu M13, damit flächiger als M92. Deutlich der hellere innere Bereich, auch der Außenhalo deutlich. Es braucht dann einiges an Vergrößerung, um bei diesem Objekt Sterne aufzulösen. Im 8er bei 228-fach granulär und blickweise erste einzelne Fünkchen; bei dieser Vergrößerung am unteren Rand einer gerade 3er Sternenkette um mag 14,5 schräg von 10h nach 4h. Im 6er Oku dann etwa 3 Dutzend Mini-Fünkchen, geschätzt um mag 15 im GF. Interessanter Kontrast, sehenswert.


    Es ist merklich dunkler geworden, das Minimum der Nacht ist bald erreicht. Ich wechsle die Objektklasse, bleibe aber weiter hoch am Firmament:


    <b>NGC6058</b> - PN - HER (mag 12,9 – sbr 10,8; 25“ * 25“) SQM21,23
    Unterhalb von Chi HER aus recht schnell eingestellt, im 13er Oku schon als Mini-flächiges Objekt erkennbar. Der OIII-Filter bestätigt dies deutlich. Im 8er ist der Zentralstern relativ einfach zu erkennen, ebenso ein kleiner, rundlicher Halo. Steigere bis 303-fach im 6er. Ich lasse das Objekt mehrfach durchs GF laufen. Mit Geduld zeigt sich eine Ringstruktur im Halo, die ungleich Hell ist. Gen 6h eine Lücke, gen 9h und 3h merklich heller. In meine Skizze finden nahe Feldsterne Einzug, einer auf 9h etwa 5‘ separiert ein Mag9, auf 6h ein mag 12 Funken etwa 7‘ entfernt. So kann ich in der Nachbereitung meine Skizze gut mit Aufnahmen vergleichen. Jep – passt alles recht gut.


    Als ich abends meinen Ordner durchgeblättert hatte ist mir eine helle Hickson GX-Gruppe in den Jagdhunden aufgefallen: HCG68. Die steht noch relativ hoch. Dunkler wird’s nicht mehr, also drauf halten:


    <b>NGC5353</b> - GX - CVN (mag 12,0 – sbr ?; 2,2 * 2,1) SQM21,23
    <b>NGC5354</b> - GX - CVN (mag 12,3 – sbr ?; 1,4 * 1,3) SQM21,23
    <b>NGC5350</b> - GX - CVN (mag 12,2 – sbr ?; 3,2 * 2,3) SQM21,23
    <b>NGC5355</b> - GX - CVN (mag 13,9 – sbr ?; 1,1 * 0,7) SQM21,23
    <b>NGC5358</b> - GX - CVN (mag 14,3 – sbr ?; 1,2 * 0,5) SQM21,23
    Auffinden wird richtig einfach, steht doch ein heller Feldstern (HD121197, mag 6,5) am Rand der Gruppe. Grob auf der Verbindunglinie Gamma BOO zu Alp CVN zu finden, zur Beobachtungszeit ca. 50 Grad hoch. WOW – das lohnt sich. Auf Anhieb im 13er Oku deutlich 3 GX’en. Knapp unterhalb des deutlich orangen Feldsterns , etwa auf 7h vielleicht 4‘ entfernt flächig-schwach NGC5350. Im 10er erahne ich Strukturen: eine kleine Spiralgalaxie Face-On. Der zentrale Nukleus erkennbar, relativ klein, zwei Spiralarme? Ich wage diese in meine Skizze einzufügen. Vom Feldstern gen 4h und 4h30 zwei GXen, deren Halos ineinander übergehen. Die gen 4h30 (NGC5354)rundlich mit flächigem Zentralbereich, die gen 4h (NGC5353)länglich, elliptisch mit ebensolchem Zentrum. Eben nachgesehen ist dies nur ein optisches Paar, NGC5353 steht schlapp 10 Mio. LJ vor der anderen. Die ganze Gruppe in Entfernungen um 100 .. 110 Mio. LJ. Noch etwas weiter weg vom hellen 6.5er Stern, ca. 8‘ separiert Richtung 5h30 die merklich kleinere, wenig konzentrierte nur leicht ovale NGC5355, dazwischen ein bei 228-fach grenzwertiges Paar Feldsterne. Die Gruppe komplettiert ein schwacher, merklich länglicher Schemen, der jedoch eindeutig – wenn auch nicht ganz einfach – identifizierbar ist. Der 6,5er Feldstern wird seitlich und oberhalb von 10.. 13er Lichtfünkchen garniert. Für mich eine der sehenswertesten HCG-Gruppen überhaupt.


    Immer wieder ruft ein Käuzchen, sonst ist es – von Grillen/Zirkaden abgesehen völlig ruhig. Das breite Band der Milchstraße ist im Osten schon mehr als halbhoch gestiegen, voller Strukturen. Relativ blass in Cassiopeia, deutlicher im Cygnus, im Aquila mit großen merklich helleren Bereichen. Auch im Sagittarius deutlich erkennbar – wenig Horizontdunst. Das Sommerdreieck ob des dunklen Himmels mit Myriaden von Feldsternen gar nicht so dominant zu erkennen.


    Zeit für etwas exotisches, einem PN, der nach einem russischen Astronom benannt ist: Vyssotzky 1-2


    <b>Vy1-2</b> – PN – HER (mag 12,3- sbr ?; 0,1” + 0,1”) SQM 21,24
    die Zielregion ist schnell eingestellt. Ein Problem: viele ähnlich ‚helle‘ Feldsterne zwischen 11 und 13 Mag. Hier ist ein Filter ein Muss: dank Filterschieber kein Problem, so kann ich das Objekt ‚rausblinken‘ und Dingfest machen. Ein Stern unter vielen, keine Auffälligkeit ohne Filter, und mit Filter: ebenso - nur im Verhältnis zu anderen jetzt merklich heller. Ich steigere die Vergrößerung bis auf 300-fach; hmm … ein kleiner Ring … aber nicht völlig gesichert. Für mich ein schweres Objekt, trotz einiges an Zeit nur wenig gesehen. Ich mache eine Skizze der Region. Vielleicht hätte es noch mehr Vergrößerung gebraucht.


    Nun geht’s tief: in den Schützen.
    Zunächst zum Adlernebel (M16), der in unmittelbarer Nähe eines offenen Sternhaufens (NGC6611) zu finden ist. Im 8*50 Sucher so hell und flächig, den kann man gar nicht übersehen. Ohne Filter erahnbar, mit Filter deutlich, aber doch weniger spektakulär als in der Erinnerung (naja – Südhimmel..) So verweile ich nur kurz und schwenke gleich weiter zu


    <b>M17</b> - GN - SAG - (mag 6,0 - sbr 13,0; 11,0 * 11,0') SQM21,2
    Man ist der toll! Mit Abstand der hellste Gasnebel des Sommerhimmels, wirklich sehr schön. Jau! "Dank" Newton sieht man die Schwanenkontur nach unten gekippt im Bild. Scharf abgegrenzt der helle gebogene Hals, an der Hell/Dunkelgrenze zwei markant helle Sterne, ca. Mag 10. Auch ein Augenstern mit geschätzten Mag 12 ist gut erkennbar. Der Schwan schwimmt in einem zart strukturierten Nebelsee, der mit Dauer der Beobachtung größer und breiter wird. Im Schwanenkörper Details satt und kräftig hell - eine Augenweide. Etwas separiert, ‚hinter‘ dem Schwan ein sichelförmiger Bereich an Aufhellung. Alles im OIII, im 13er bei 140-fach. Mehr braucht es nicht, so kann man recht gut den Überblick wahren. Der Komplex wird auch Omega-Nebel genannt, statt Schwanenhals lässt sich dieser griechische Buchstabe auch gut reininterpretieren.


    Ich hatte noch ein Objekt für die Nacht notiert, in der Astrosoftware als ‚Phantom Streak‘ bezeichnet, das hatte neugierig gemacht. Ein PN im Adler


    <b>NGC6741</b> - PN - HER (mag 11,4 – sbr ?; 0,1” * 0,1”) SQM21,20
    Hmm … schwieriger als gedacht das Teil Dingfest zu machen. Von Lamda Aql ist mit dem Sucher die Zielregion schnell eingestellt, hier in der Milchstraßenwolke wimmelt es nur so von Feldsternen. Mit Filter kann ich das Objekt rausblinken. Ich sehe aber keinen Halo, Steigere die Vergrößerung auf 300-fach. Naja, etwas länglich, aber klein. In der Nachbereitung lese ich, dass der PN einen rechteckigen Kasten bildet, der blieb mir verborgen. Eine Skizze der Region habe ich trotzdem angefertigt.


    Die Zeit schreitet fort, das ist mir erst gar nicht so bewusst. Als der Blick schweift bleibe ich im Cepheus hängen, einer Region in der ich relativ selten verweile. Mir fällt eine große wenig flächenhelle GX wieder ein, dort wird hin gepeilt:


    <b>NGC6946</b> - GX - CVN (mag 8,8 – sbr 13,8;11,4 * 10,8) SQM21,14
    Na? .. Na also. Von My Cepei ausgehend ist die Zielregion gleich gefunden. Hinter dem Milchstraßenband gelegen ist das Feld mit Lichtpünktchen nur so übersäht. Ich beobachte nur im 13er bei 140-fach. Es zeigt sich ein leicht schräg liegender (2h nach 8h), ovaler relativ kleiner Nukleus, von dem gegengleich zwei schwache GX-Arme starten und gegen den Uhrzeigersinn den Kern umschlingen, jener oben im GF halbkreisförmig, rundlich, der untere etwas gedrungen. Der Obere verzweigt in zu einen zweiten, mehr innen gelegenen Arm. Strukturen sich nicht einfach zu sehen es braucht Geduld, es gibt wenig Kontrast. Abermals wird skizziert.


    Die SQM.-Werte gehen spürbar zurück – oh – ist schon nach zwei (2h15) – der Mond ist aufgegangen aber hinter dem tiefen Waldrand im Osten noch nicht zu sehen. Schon seit Mitternacht jedoch die beiden Gasriesen, die den Abschluss der Nacht bilden. Erst der weniger blendende


    <b>Saturn</b> – mag 0,4
    18 Grad über dem Horizont. Hell die Kugel und das Ringsystem, Hier wabert es ganz schön. Cassini-Teilung kann ich nicht sehen, nur blickweise Wolkenstreifen auf dem Gasriesen.


    <b>Jupiter</b> – mag -2,5
    Hell! Nur blickweise die zwei Hauptwolkenbänder. Schön und auffällig die Galileiischen Monde. Io und Europa als ein näher gelegenes Paar, Ganymed und Calisto etwa mit doppelter Distanz zu Jupiter im GF auch ein Paar bildend. Ein netter Abschluss.


    Es war wieder eine trockene Nacht, absolut null Tau, auch ist die Temperatur mit milden 18 Grad stabil geblieben. Mein dünnes Fließ, und später eine leichte Mütze (ab und an war es leicht windig) haben völlig ausgereicht.


    Nach Hause geht es in Richtung des noch gelblich wirkenden tief stehenden Halbmonds.


    Clear Skies und gute Gesundheit Euch und euren Lieben wünscht


    Achim

    Hi,
    ich war sehr lange nicht mehr in den Foren unterwegs, mit mehr Zeit und Muße 'dank' Kurzarbeit bin ich auf diesen Thread gestoßen. Anbei alten Notizen aus Beobachtungsberichten (mit unterschiedlichen Teleskopen) und eine alte Zeichnung, die ich einfach abfotografiert und invertiert habe - die Qualität ist entsprechend 'mäßig'..


    Viele Grüße von Achim


    Newton-Teleskop, Öffnung 506mm, Brennweite 2385mm, (f/4,7) Ursus
    Ort: freies Feld bei Stierhöfstetten. 400m ÜNN
    29.01.2006; 22h
    NGC2359 - GN- CMa - (mag 9,0 - 13,0; 15,0 * 15,0') GH 5,8
    Wow – was für ein Nebel. Auffinden ist mit OIII-Filter kinderleicht, hat man erst die richtige Region angepeilt. Der Nebel reagiert sehr stark auf diesen Schmalbandfilter. Die Transparenz zum Horizont ist wirklich sehr gut, alleine das Seeing … Der Nebels wir auch als Thors Helm bezeichnet. Ich kann den Namen nachvollziehen, sieht der Umriss der helleren Bereiche wie ein (im GF links auf der Seite liegender) Wikingerhelm aus. Die Zentralregion bildet eine Wölbung, ähnlich einem breiteren Parabelbogen. Rechts (bzw. oben) ein breiteres, deutlich helleres „Horn“; welches am unteren Helmrand seitlich beginnt, gegengleich ein deutlich blasseres Gegenstück. Im „Helm“ blitzen wenige Sterne, so wie in der näheren Umgebung der sternenreichen Region. In diesem Bereich erahne ich ein paar dünnere Strukturen. Auf der unteren Seite des Helms sind blasse Nebelbogen Spiegel verkehrt zu den Hörnern zart zu erkennen. Als wären zwei Sicheln, eine kräftige und eine blasse ineinander verschränkt. Weiter außerhalb sind weitere flächige Aufhellungen erahnbar, auf die ich mich nicht konzentriert habe. Beobachtet im 13er und 9er Oku.


    Newton-Teleskop, Öffnung 428mm, Brennweite 1830mm, (f/4,25) ADLER
    Ort: Freies Feld ca. 1km außerhalb Losauchrach, ca. 400m ÜNN
    08.01.2008; ca 23h
    NGC2359 (Thors Helm) - GN - CMa (mag 12,5 – 6,2; 10 * 5’) SQM21,05
    Im Großen Hund. Helligkeitsangaben zum dem Nebelkomplex habe ich keine gefunden, weder Ciel noch der Deep-Sky Browser lassen sich hierüber aus. Verglichen zu Abell21 jedoch deutlich einfacher, auch ohne Nebelfilter ist hier direkt etwas auszumachen. O-III bringt aber auch hier deutlichen Gewinn. Die Namensgebung kann ich gut nachvollziehen, kann man sich doch gut eine Helmschale (besser: eine Doppelschale wegen parallelen Strukturen) und zwei seitlich angesetzte gebogene Hörner vorstellen. Das nördliche der beiden deutlich länger, jedoch sehr blass, das südliche mit heller, breiter Basis konzentrierter auf eine Spitze zulaufend, dann jedoch nochmals zart auffächernd. An der südlichen Hornansatzbasis ein heller mag12-Vordergrundstern, Im Helm selbst ein auffälliger mag13 Funken, am nördlichen Hornansatz eine 3er Sternenkette jeweils um mag 13/14.





    Hallo,
    beim suchen in alten Beobachtungsberichten bin ich zu dem Objekt fündig geworden:am 25.01.2008, mit meinem 17 Zoll f/4,25 Dobson


    IC342 – GX - CAM (12,0 – 14,9; 20,9 * 20,4) SQM 20,92
    Wow – Wow! Ich bin von den Socken: eine riesige GX in Face-On! Man sieht ja richtig etwas! Zwei eng umschlingende, mehrfach umfassende Arme wickeln sich um ein kleines etwas helleres Zentrum. Schräg durch die GX, wenig am Zentrum vorbei läuft eine Linie aus 6 mag 11 .. mag 13 Vordergrundsternen. Erstaunlich, dass ich von dem Objekt noch nichts gelesen habe. Wie muss die GX erst bei guten Bedingungen aussehen? O.K. – die Spiralarme sind sehr blass, erst indirekt wird die Drehrichtung klar, aber immer hin! Für mich eindeutig das Highlight der Nacht.
    Etwas Nachforschung offenbart, dass es sich hierbei um ein Objekt in lediglich ca. 11 Mio Lichtjahren Entfernung handelt. Die GX steht fast genau in Richtung der Galaktischen Scheibe, so dass wir durch den Staub / Gase unserer eigenen Milchstraße auf das Objekt blicken, deren Licht dadurch deutlich abgeschwächt wird. IC342 gehört zu der Maffei-Gruppe, deren weiteren Vertreter (Maffei 1 und Maffei 2 kenne ich davon) noch schwieriger zu betrachten sind. Zwischendurch hatte ich es mit OIII versucht und tatsächlich ein paar zarte Lichtknoten ausmachen können. IC342 kommt definitiv auf die ’to-do’ Liste für sehr gute Nächte!
    Anfangs scheine ich ein ’Loch im Dunst’ erwischt zu haben, nach einigen Minuten ist die GX zwar noch erahnbar, die Spiralarme bleiben dann jedoch unsichtbar.


    Bin erst vorhin auf dieses Unterforum aufmerksam geworden ...


    Viele Grüße


    Achim

    Bericht vom 27.05.2020; 00.15h – 03.00h
    Ausrüstung: Newton-Teleskop, Öffnung 428mm, Brennweite 1830mm, (f/4,25) Adler
    Dobsonmontierung


    verwendete Okulare: 21mm (87-fach) ; 13mm (140-fach), 10mm (183-fach), 8mm (228-fach), 6mm (303-fach) – Ethos-Serie
    Ort: Freies Feld bei Beerbach, ca. 405m üNN
    Temperatur: 00.00h +12, C ; 03.10 +10 C
    Seeing: anfangs 2-3, zum Ende der Beobachtung 1-


    Wetter: tags erst schwach bewölkt, dann komplett bedeckt, ab 14h reißt die Wolkendecke wieder mehr und mehr auf


    Beobachtete Objekte:
    Kometen: -
    Planetarische Nebel: NGC6309, NA1
    Gasnebel: NGC6992, NGC6960 (Cirrus-Komplex)
    Quasar: B1422+231
    Planeten: Saturn, Jupiter
    Kugelsternhaufen: M12, M10
    Sterne: -
    Galaxien:
    DRA: M102; NGC5907
    SER: NGC6027A ..E = Seyfert Sextett
    Supernovae: -


    Kurzarbeit. Bin Tags 120km mit dem Rennrad in die fränkische Schweiz gefahren. Gegen 16 Uhr schreibt mich Nils an, vom Himmel her könnte spechteln klappen. Meteoblue Astronomical Seeing ist vielversprechend. Bin etwas platt vom Radeln, doch die nächste DeepSky-Beobachtung ist erst mit dem Juli-Neumond sinnvoll. So beschließe ich etwas vorzuschlafen. Stelle den Wecker auf 23.30h und schaffe es tatsächlich 1 Stunde richtig zu schlafen (und eine weitere zu dösen). Punkt Mitternacht bin ich vor Ort, Nils kam wenige Minuten davor an und ist da beim Justieren.


    Aufbauen, Justage an Polaris testen. Seeing ist gut, der Spiegel muss aber noch etwas nachtemperieren. Ich lasse den Blick schweifen. Bootes dominiert den Süden, das Milchstraßenband ist gut sichtbar, liegt aber noch niedrig im Osten. Es ist dunstiger als die letzten male, eine kleine Lichtglocke tief im Süden, dann eine merkliche in WSW. Ein Hubschrauber stört kurz die Ruhe, 5 Minuten nachdem der weg ist wird plötzlich die Lichtglocke gen WSW deutlich heller. Dort ist Illesheim, die Base einer Hubschrauberstaffel; Ich vermute Landelichter. 3 Minuten später … auf einmal wieder dunkler, ausgeschaltet.


    Ich fühle mich frisch und munter das Vorschlafen hilft sehr. Beginne mit leichten Objekten, das Einstellen ist etwas ‚tricky‘ da diese fast exakt im Zenit stehen.


    M102 - GX - DRA (mag 9,9 – sbr 12,2; 6,5 * 3,1) SQM21,24
    sehr leicht zu erkennen, dank der für eine GX ungewöhnlich hoher Flächenhelligkeit. Diese liegt von 8h nach 2h schräg im GF. Der helle flächige Zentralbereich wie ein Katzeniris geformt, auf 1h nur 1‘ separiert ein 11,2Feldstern, auf 4h nach ca. 2Bogenminuten ein mag 12.2 Stern. Erst bei im 10er, 8er … Feldsterne bei 230-fach immer noch punktförmig. Ich weiß ob des sehr schmalen zentralen Staubbands der GX, bin mir aber noch nicht sicher dieses zu erkennen. Im 6er bei gut 300-fach bläht es die Sterne leicht auf, doch bin ich mir zu 90% sicher es zu erkennen. Nils schaut auch mal kurz bei mir, kann dieses aber nicht Dingfest machen. Ich bleibe trotzdem dabei #61514; . Spitzname der GX ist Spindel – gut nachvollziehbar.


    Nur wenige Grand entfernt eine traumhafte Nadel, will heißen GX in Kantenlage


    NGC5907 - GX - DRA (mag 11,4 – sbr 13,8; 11,3 * 1,4) SQM21,24
    Wow ! was für ein Ding. Es braucht dunklen Himmel, aber dann … Ein Durchmesser-Dickenverhältnis von 1:8 – krass. Wunderschön langgestreckt, ohne zentrale Bulge aber doch mit merklich hellerem länglich-flachen GX-Zentrum. Von 1h nach 7h fast auf der Spitze stehend schwebt die GX durchs Gesichtsfeld. Ich gehe bis zum 8er Oku bei 230-fach, da schneidet diese gut 2/3 des 100 Grad Gesichtsfelds. Knapp neben dem Zentrum, auf 4h ein mag 14 Lichtfünkchen, links neben dem oberen Ende, welches leicht auffächert eine 3er nach oben offene stumpfwinklige Sternengruppe jeweils mag 13,5. Das war ein Einstand.


    Nils fragt nach der Zeit: 0h50 – der Mond ist nun unter gegangen. Gesehen habe wir den um 0h auch schon nicht mehr, da hinter einer Baumgruppe versteckt. Soll ich? Nach den Fehlversuchen der letzten Beobachtungsnacht bei 2 Quasaren will ich keine Zeit verschwenden, doch Bootes steht so schön hoch im Süden, kann es nicht lassen, getragen von der Euphorie durch die GX-Beobachtungen. Auf zu


    B1422+231 – QSO – BOO (mag 16,2) SQM 21,28
    ein in mehrfacher Hinsicht außergewöhnliches Objekt. Durch eine für Amateurmittel unsichtbare Vordergrund-GX in 3,7 Mrd LJ gelinster Quasar, der 4-fach abbildet, mit Helligkeiten von mag 16,5; 16,9; 17,4 und 20,4. Die drei ‚hellsten‘ Abbildungen innerhalb 0,8 Bogensekunden.
    Mit Hilfe des Tablets und SkySafari bin ich schnell im Zielgebiet. Dankbarer Weise sind hier mehrere relativ helle mag 10 … 11 Feldsterne, so behält man die Orientierung und hat etwas zum Fokussieren bei hohen Vergrößerungen. Den letzten Schritt gehe ich mit einem DSS-Ausdruck in der Hand. Seeing auch hier, auf ca. 60 Grad Höhe ausgezeichnet. Nach dem 8er gleich das 6er Oku mit 303-fach. Am unteren Rand des GF ein mag 10,7, auf 1h und 2h je ein 13,5er Feldstern ca 8 Bogenminuten entfernt vom 10,7er. Vom 13,5 etwa nach 8h eine Gruppe lichtschwacher Sterne, wie der Herkules-Rumpf angeordnet. Zwei mit mag 15,8 ein hellerer mit 14,1 ein schwächer um 16. Aber alle direkt zu sehen! Auf 4h, ca. 1,5‘ vom Stern unten-rechts der Gruppe der QSO. Indirekt stabil, direkt zu 50%, nachdem ich etwa 1 Minute nicht mehr auf die Karte gesehen habe (auch schwaches Rotlicht beeinträchtigt bei extremen Objekten). Etwa 1‘ direkt darüber ein noch schwächeres Fünkchen. Gut 12Milliarden Jahre waren die Photonen unterwegs, bis diese auf meine Netzhaut treffen …


    Das war deutlich weniger anstrengend als erwartet, da schiebe ich noch eine sehr schwache, aber auch prominente GX-Gruppe nach: das Seyfert-Sextett. 60 Grad hoch im Süd, nahezu ideale Position.


    NGC6027 A/B/C/D/E– GX – Ser (mag 14,6 – sbr ?; 0,4 * 0,2‘) SQM 21,30
    Auch HGC79 genannt. Bestehend aus Komponenten, zwischen Mag 14,7 und 16,7 ‚hell‘, die ‚größte‘ davon 0,8*0,4 Bogenminuten. Diese Nacht geht etwas, dem mittlerweile sehr guten Seeing – neben der Transparenz – sei Dank. Der Starhop vo Rho Serpentis in die Zielregion ist schnell erledigt. Die Gruppe scheint aus sechs einzelnen Galaxien zu bestehen, was ihr auch ihren Namen gab. Mittlerweile weiß man, dass es 4 GXen sind, welche auf nur ca. 100.000LJ angeordnet sind und wechselseitig interagieren. Das entspricht in etwa der Größe unserer Milchstraße. Eine 5. GX ist so weit entfernt, das diese für die Interaktion keine Rolle spielt, die 6. Ist ein durch Gezeitenkräfte herausgebogener Teil einer der Galaxien. Im Okular sehe ich zwischen einem mag 14,2(links) und mag 14,7 (rechts) Feldsternen, diese auf gleicher Höhe, näher zum 14,2er zunächst einen blassen Knuddel mit 3 helleren Bereichen. Erst im 10, dann im 8er, sogar das 6er bei 303-fach bringt Gewinn. Der 1. Knoten links, etwa 2:3 Achsenverhältnis in etwa senkrecht, direkt fast direkt, link unten von 10h nach 4h anschließend ein etwa 2:1 Schemen, der nach 4h etwas blasser, länglicher. Rechts oben, nur wenig separiert etwa 2,5:1 noch ein Schemen. Die Nachbereitung zeigt, an der Stelle sind es 2 GX’en, die konnte ich nicht auflösen. Die nächste leicht separiert (0,8‘), ein ganz schwacher Schemen ohne Zentralaufhellung etwa 2,5:1 auf der Kante. Die ersten 3 Objekte wie zusammengebacken. Toll, das so viel an Details zu sehen waren, in der Nachbereitung bestätigt sich meine Feldskizze in den meisten Punkten – Freu!


    Als ich am Vorabend meine Beobachtungsliste zusammen gestellt hatte fanden auch zwei PN’s ihren Einzug, der zweite etwas exotisch. Ich tiefer, nur wenige Grad oberhalb von Sabik (Eta Ophichu)


    NGC6309 – PN – OPH (mag 10,8 – sbr ?; 0,3‘ * 0,3’) SQM 21,30
    Unmittelbar neben dem PN ein mag 11,9 Feldstern, eine super Fokussierhilfe. Selbst hier unten, nur knapp 30 Grad über dem Horizont ist das Seeing gut, das Objekt relativ flächenhell, erst im 10, dann im 8er . Es zeigt sich ein flächig-helles Objekt mit markanter Außenkontur, grob wie ein Parallelogramm mit 2:3 Achsverhältnis, die lange Achse weg vom Feldstern. OIII und UHC erhöhen den Kontrast zum Hintergrund (OIII mehr als UHC), der Übergang zu selbigen leicht verwaschen. Interessant. Das 6er mit 303-fach bringt keinen Gewinn.


    Knapp 10 Grad höher dann


    NA1 = PK018+20.1 – PN – OPH (mag 13,4 – sbr 16,7; 5“ * 5“) SQM 21,25
    Da muss die Position schon genau stimmen. Mit Starhop am Sucher hangele ich mich von 47 OPH kommend ins Ziel. Ich sehe einige schwächere Feldsterne im 13er, der PN fällt nicht auf, versuche diesen mit Filter herauszublinken, ohne Erfolg. O.K. mehr Vergrößerung. 10er, 8er … ah – der eine Stern ist etwas verwaschen, 6er … hab ich dich! Sehr klein der PN, rundlich blasser Halo um den Zentralstern, der hier dominiert. Aber immerhin.


    Es ist schon 2h30, tief im Osten zeigen sich hohe Wolkenschleier, auch im NO. Das SQM zeigt leicht nachlassende Werte im Zenit, das kann auch daran liegen, dass das Milchstraßenband schon relativ hoch steht und in den Messkegel mit einstrahlt. Nils versucht sich an Nebelkomplexen, mit wenig greifbaren Erfolg. Am Starhop liegt es nicht, der klappt mittlerweile schon sehr gut, mehr Finden als Suchen. Es fehlen Schmalbandfilter. Am Cirrus-Nebel will ich es ihm vorführen, und bleibe dann selbst hängen.


    Bei guten Bedingungen jedes Mal aufs Neue: Toll die Knochenhand (NGC6960), die hell leuchtenden Unterarme, die knochigen Finger oberhalb des leuchtend hellen Feldsterns 52Cyg. Der Gegenbogen (NGC6992) des weit expandierenden Supernova-Rests filigran, wie in sich verwundener, hauchzarter Tüll, teils - überwiegend nach innen hin - ausgefranst. Da bleibe ich sicherlich 10 Minuten zum Genießen hängen.


    Zurück zu Ophihicus, zu zwei der Messier-Kugelsternhaufen dort:


    M12 – GC – OPH (mag 6,7 – sbr ?; 16‘ * 16) SQM 21,25
    Leicht von Delta Oph aus anzusteuern. Hell, im Sucher deutlich erkennbar und damit sofort im Okular. Recht massiert, einige merklich hellere Außenbereichsterne, diese leicht gelblich wirken. 3 Feldsterne um Mag 11 in der Region bilden ein gleichschenkliges Dreieck, der GC nach der Spitze des Dreiecks im Okularblick. Sehr schön aufzulösen. Beobachtet im 10er bei 182-fach. In der Nähe, sogar noch etwas heller



    M10 – GC – OPH (mag 6,6 – sbr ?; 20 * 20’) SQM 21,25
    Etwas näher gelegen (14k LJ vs. 16k LJ bei M12), etwas weitläufiger, wobei der Innenbereich ähnlich groß wie M12 erscheint. Zum Zentrum mehr hellere Lichtfunken, teils kaltweis, teils leicht gelblich – wenn die Nacht nicht so fortgeschritten wäre hätte ich länger beobachtet. Doch muss ich am Folgetag arbeiten.


    Zum Abschluss noch die näheren Gasriesen. Das 10er Oku bleibt stecken, es wird tief gepeilt. Erst auf


    Saturn – mag 0,4
    14 Grad über dem Horizont. Hell die Kugel und das Ringsystem, blickweise ist die Cassini-Teilung zu erahnen, das Ringsystem mittlerweile wieder weit geöffnet, die Ränder auf Höhe der Planetenkante. Titan weit außen, Rhea und Thetys relativ nahe am Planeten zu erkennen.


    Jupiter – mag -2,5
    Hell! In der Region stehen schon leichte Wolkenschleier, das ist der Hintergrund deutlich aufgehellt. Manchmal nur blickweise, dann wieder für Sekundenbruchteile steht die Luft, deutlich die zwei Hauptwolkenbänder, im nördlichen Band ist ein Wirbel erkennbar, fast zentrisch auf der Planetenscheibe am Rand Richtung Pol. Ich meine dies ist aber nicht der GRF, der ist denke ich noch größer. Neben den beiden Hauptbändern sind noch weitere, schwächere erahnbar. Nicht schlecht für &lt; 20 Grad Höhe. Deutlich auch die Galileiischen Monde, Io und Europa dicht beieinander.


    Um 3h beginnt Nils mit dem Abbau, ich wenige Minuten später. Es geht heimwärts. Was für eine tolle Nacht! Immer noch munter, vom Erlebten begeistert fahre ich heim. Um 03.40h ins Bett, um 7.30h aufstehen. Vielen Dank an Nils, ohne sein Nachfragen wäre ich faul zu Hause geblieben.



    Beim Rezessieren merke ich: meine Ausführungen sind zu sehr ins Detail, verbal ist das aufwändig und fordert viel Vorstellungskraft beim Leser, vielleicht stelle ich zukünftig mehr Grobskizzen ein und belasse es bei wenigen Worten. Das sollte viel schneller gehen.


    Clear Skies und gute Gesundheit Euch und euren Lieben wünscht


    Achim

    Hallo Jörg,


    da habe ich mich verschrieben, sollte 21,26 sein. Über 22 geht physikalisch wegen Airglow gar nicht.


    Viele Grüße


    Achim


    <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote"><i>Original erstellt von: Astronomie</i>
    <br />Hallo Archim,


    SQM 22,26 ist auch ein super Himmel zum Beobachten..


    cs


    Jörg
    <hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">

    <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote"><i>Original erstellt von: Astronomie</i>
    <br />Hallo Archim,


    SQM 22,26 ist auch ein super Himmel zum Beobachten..


    cs


    Jörg
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    … war so das eine oder andere Objekt, ich ebenfalls ….



    Bericht vom 21/22.05.2020; 23.00h – 02.00h


    Ausrüstung: Newton-Teleskop, Öffnung 428mm, Brennweite 1830mm, (f/4,25) Adler


    Dobsonmontierung




    verwendete Okulare: 21mm (87-fach) ; 13mm (140-fach), 10mm (183-fach), 8mm (228-fach), 6mm (303-fach) – Ethos-Serie; 9er Nagler mit 2,5-fach Powermate (508-fach


    Ort: Freies Feld bei Beerbach, ca. 405m üNN
    Temperatur: 23.00h +15, C ; 02.30 +13 C
    Seeing: anfangs 2, zum Ende der Beobachtung 3



    Wetter: tags erst wolkenlos, dann bayrisch weiss-blau, später einzeln hohe Schleier die mit zunehmender Dämmerung weniger wurden




    Beobachtete Objekte:
    Planetarische Nebel: NGC6210,IC4593
    Quasare: UM627, QSO 0957+561/AB
    Kugelsternhaufen: M13
    Galaxien: NGC5846/A; NGC5850; M62; NGC3079


    Tags waren wir zu Dritt gut 25km wandern, davon 2/3 in der prallen Sonne, abends bei Sauren Zipfeln und einen Abschlussbierchen bis 21h auf der Terrasse. Erst hatte ich nicht mit möglichem Beobachten gerechnet, doch die Meteoblue Seeingvorhersage für die 1. Nachthälfte wurde immer besser, da war ich hin- und hergerissen. Eine kurze Nachricht von Nils gab den Ausschlag: ich schaue doch raus. Noch schnell ein paar DSS-Ausdrucke zu Quasaren heraussuchen, Tee kochen, Auto beladen.


    Um 23h bin ich vor Ort, Nils ist schon da. An der Waldrandecke, dort wo unser Feldweg von dem kleinen Teersträßchen abbiegt stehen 2 Autos mit ‚Landjugend‘, die dort (verbotener Weise) zusammen sitzt und teils recht lautstark ‚kommuniziert‘ und trinkt. Hauptsache keine Lichtverschmutzung, denke ich mir. Um 23.30h ist dort dann eh Schluss.



    Aufbauen, Justage an Polaris testen. Seeing ist gut, nicht ganz so gut wie vor 2 Nächten. Ich lasse den Blick schweifen. LEO steht noch hoch im Westen, den Süden dominiert Virgo. Gen Osten sieht man schon das Sommerdreieck mit Vega, Deneb und Altair.


    Eigentlich bin ich müde, doch das leuchtende Firmanent weckt die Lebensgeister, lasse es ruhig angehen und beschränke mich auf wenige Objekte, für die dann aber Zeit genommen wird.


    Beobachtungen von Lots waren für mich Anregung, um in dieser Nacht eine GX-Gruppe und zwei Planetarische Nebel zu betrachten. Die GX’en stehen nicht weit von M5, etwa auf halber Strecke zwischen diesem Kugelsternhaufen und 109Vir:



    NGC5846 - GX - VIR (mag 10,0 – sbr 13,0; 4,0 * 3,7) SQM21,24
    NGC5846/A - GX - VIR (mag 13,8 – sbr ?; 0,5 * 0,3) SQM21,24
    NGC5846 ist ca. 77Mio LJ von uns entfernt und hat einen Durchmesser von ca. 92k LJ. Eine typische elliptische Galaxie mit hellen, fast stellarem Zentralbereich und graduell abnehmender Halo-Helligkeit. Erst mal nichts Besonderes. Im 13er Oku fällt – im GF auf 12Uhr - ein vermeintlicher Feldstern auf, der bei höheren Vergrößerungen als eigenständige GX erkennbar wird. Aufgrund höherer Fluchtgeschwindigkeit wird vermutet, dass diese GX hinter NGC5846 steht. Interessant! Im 13er bei 140-fach kann auch noch eine weitere GX gleichzeitig erfasst werden;



    NGC5850 - GX - VIR (mag 10,8 – sbr 13,6; 4,5 * 3,9) SQM21,24
    Hier lohnt sich nähere Betrachtung. Ich erkenne eine von 2h nach 7h ausgerichtete längliche Aufhellung mit merklicher, zentraler Massierung, die von einen leicht ovalem Halo umschlossen ist. Dieser ist nach innen zu relativ deutlich abgegrenzt, nach außen hin eher diffus, wie ein Ring. Deutlicher wird’s im 10er bei 183-fach. Nehme mir Zeit und lasse die Gruppe mehrfach durchs Gesichfeld laufen – schön!


    Aus meiner High-Redshift-Liste ( http://www.strnad-emskirchen.de/qso_beobachtungen.html ) stehen noch 5 unbeobachtete Objekte, eines davon hat den höchsten Bahnpunkt erst kürzlich durchlaufen


    UM627 – QSO – VIR (mag 16,0) SQM 21,28
    aus der Rotverschiebung z=1,865 errechnet sich eine Fluchtgeschwindigkeit des QSO von 78% der Lichtgeschwindigkeit, die Lichtlaufzeit hin zur jetzigen QSO-Position beträgt ~ 11 Milliarden Jahre. Ich starte den Starhop von Tau Vir am 8*50 Sucher. Eine leicht gebogene Kette von um mag9 Sternen ermöglicht eine zügige Annäherung. Dann brauche ich aber doch 3 Anläufe bis die Zielregion im 21er Okular steht. HD122302 heißt ein nur wenige Bogenminuten entfernter mag 10 Feldstern. Da ist es einfach die Orientierung zu behalten. Linkerhand davon im GF, mit etwa 3‘ Abstand ein mag 12,8er. Steigere die Vergrößerung gleich auf 300-fach. UM627 sollte nun etwas oberhalb, nach links versetzt stehen. Bisher …. Nichts. Nur wenige Bogensekunden oberhalb des 12,8er zeigt mein DSS-Ausdruck einen schwachen Stern, der aber merklich heller als der QSO ist. Nach Skymap-Org. Mag 15,2; schon bei dem ist es schwer. Mit 3,6mm Okularbrennweite kann ich diesen dann zu 80% direkt sehen, nicht ganz stabil. Vom Seeing her ist die Grenze erreicht. Die nächsten 10 Minuten bemühe ich mich um eine Sichtung von UM627, ab und an scheint etwas an der betreffenden Position kurz aufzublitzen – aber auch an einer anderen für welche die Karte nichts anzeigt. Rauschen auf der Netzhaut J


    Das war nichts. Eben in Skymap.org nachgesehen wird der QSO mit 16,3 angegeben. Da müsste ob der relativ geringen Höhe von nur 40 Grad über dem Horizont für mich schon alles passen.



    Nils macht sein eigenes Beobachtungsprogramm, einige Messier in UMA, auch nochmals den Katzenaugennebel. Als wir darüber plaudern erwähnt er auch die Sunflower GX, das ist ein gutes Kontrastprogramm zum (vergeblichen) Quasar-Erhaschen:


    M63 – GX – CVN (mag 8,6 – sbr 13,3; 12,6 * 7,5‘) SQM 21,30
    Recht hell und groß, auch leicht einzustellen. Rechter Hand der 3er Sternenkette 23, 20 und 19CVN. Es zeigt sich ein ovales Objekt, mit etwa 3:2 Seitenverhältnis. Sehr kräftiger kleiner Innenbereich in einem elliptischen Innenhalo, dann in einen nur leicht graduell dunkler werdenden Außenbereich übergehend. Dieser ist deutlich unruhig mit symmetrischen Strukturen. Ich skizziere viele eng umfassende sehr schmale Spiralarme. Das ist nicht verkehrt, doch auf meiner Skizze im Uhrzeigersinn, Aufnahmen belegen aber gegen den Uhrzeigersinn. Da hatte ich schon mehrfach Probleme. Auch wenn ich mir ob Spiralarme (fast) sicher bin ist deren Drehrichtung ausmachen immer wieder schwierig.


    Ich schwenke das Teleskop halbhoch in den SO, stelle den kleinen Planetary


    NGC6210 – PN – HER (mag 9,7 – sbr 5,9; 20 * 13“) SQM 21,30
    ein. Nach einem 7 Grad Starhop linkerhand von Beta Her zu identifizieren. Im Sucher noch wie ein normaler Feldstern, dann im Aufsuchokular markant Türkisgrün und damit auffällig. Steigere die Vergrößerung recht schnell vom 13, 6er bis zu 3,6mm Okubrennweite. Es zeigt sich eine markant asymmetrische Form, relativ scharf von Hintergrund abgehoben grob rundlich, aber mit zwei leichten Einbuchtungen, eine auf 0 Grad, die andere etwa auf 200 Grad. Zentralstern konnte ich nicht ausmachen. Leider lässt das Seeing leicht nach, 500-fach ist eigentlich schon eine leere Vergrößerung. Habe vergessen mit Filtern zu arbeiten, eigentlich bin ich ja müde und unkonzentriert, will es aber nicht wahrhaben …


    IC4593 – PN – HER (mag 11,0 – sbr 7,4; 12,5 * 1“) SQM 21,33
    Auch PK25+40.1 genannt dagegen ganz anders. Dieser noch kleiner als NGC6210, im Aufsuchokular noch stellar, im 10er dann ‚Blinking‘ – will heißen entweder sehe ich den markanten Zentralstern oder den relativ zarten Halo, aber nicht beides gleichzeitig. Bei noch höheren Vergrößerungen gelingt dies dann jedoch einfach. In IC 4593 leuchtet ein mit 40.000 K recht heißer Weißer Zwerg, der mit 0,7 Sonnenmassen eine eher durchschnittliche Größe hat. Dieser ionisiert die umliegenden Gaswolken und regt sie zum Leuchten an, wobei das typische türkise Licht des doppelt ionisierten Sauerstoffs [O III] in diesem Licht dominiert, für mich aber deutlich weniger Markant als bei NGC6210. Ich sehe um den Zentralstern ein rundlichen Innenhalo, um diesen dann mit deutlichem Übergang – einen ebenfalls rundlichen Außenhalo. Abermals ohne Filter.



    Danach versuche ich mich abermals an einem Quasar, genauer gesagt sogar Twin-Quasar


    QSO 0957+561/AB – QSO – UMA (mag 16,5 /16,7) SQM 21,30
    Den ich – vor einigen Jahren – schon mehrfach beobachtet hatte, damals aber noch mit meinem 20-Zoll Ursus. Die Position aufzufinden ist recht einfach, da dieser recht nah an der hellen (und sehenswerten) GX 3079 positioniert ist. Folgt man der Hauptachse von NGC3079 nach Norden, ca. 10 Bogenminuten entfernt taucht eine markante Sternengruppe mit lichtschwachen Komponenten auf, die mich im ersten Moment an die Form des Herkules erinnert, der schräg auf der Seite liegt. Allesamt Sterne jenseits Mag 14,0. Innerhalb der schiefen Trapez ist eine Komponente mit Mag 15.4 im 6er gerade noch erkennbar. In etwa Kantenlänge, auf 11h vom links-oben-Stern entfernt müsste der QSO sein. Relativ bald muss ich erkennen: das wird wieder nichts. Für meine Augen müssen am 17er die Bedingungen bei dem – aus beiden Komponenten kombiniert - ca. mag 16,2 Lichtschwachen Objekt schon sehr gut sein, das ist nicht mehr gegeben. Ab und zu ziehen feine Schleier über den Himmel, mit 21,3 bei schon ausgeschalteter Straßenbeleuchtung in den verstreuten Dörfern ist die Dunkelheit gut, aber längst nicht Perfekt.


    Aufgrund der Krümmung der Raumzeit durch die Masse einer unsichtbaren Vordergrund-GX die eine Gravitationslinse bildet entstehen die zwei Bilder A und B des Quasars, die 6 Bogensekunden voneinander entfernt sind. Zwischen den beiden Bildern besteht eine Zeitverzögerung von 417 Tagen. Faszinierend!


    Zum Abschluß gönne ich mir noch einen ausgiebigen Blick auf M13, den schon aufgegangenen Jupiter lasse ich weg.


    Punkt 2h sitze ich im Auto und fahre los, Nils ist ausdauernder und will noch eine halbe Stunde bleiben.


    Clear Skies und gute Gesundheit Euch und euren Lieben wünscht



    Achim

    Hallo Norman,


    mir war die QSO-Sichtung relativ einfach gefallen, allerdings bei mir mit 17-Zoll. Die Randbedingungen für meinen Standort auch nahezu ideal. Top Seeing und immerhin SQM um 21,45 - das ist noch kein Hochalpenhimmel, aber für meine Region sehr gut.
    Bei QSO-Betrachtung ist nach meiner Erfahrung gutes Seeing wichtiger als das eine oder andere zehntel an besserer Durchsicht.


    Zum Objekt: hier habe ich ein Abstact aus 2012 gefunden, in dem auf Basis von 8 Chandra und einer XMM-Beobachtung eine langzeitliche Variabilität eindeutig festgestellt wurde, was dies in visueller Helligkeit bedeutet ist jedoch nicht zu finden.


    Eben habe ich mir die Helligkeiten der Feldsterne nahe des QSO via Skymap.org angesehen, dort sind Sterne bis jenseits mag18 verzeichnet (meine Astrosoftware geht nur bis ~mag15,5 .. mag16). Einen Feldstern mit mag 15,8 hatte ich skizziert, der mir subjektiv ähnlich hell wie der QSO vor kam, das unterstützt die Vermutung, das dieser Quasar (aktuell) heller als die offiziell angegebenen mag 16,1 ist.


    Viele Grüße


    Achim

    Hallo Lothar,


    ich bin nur sehr selten in den Foren, eben habe ich deinen Bericht gelesen. Sehr anregend, da picke ich mir gerne ein paar Objekte, um diese selbst einzustellen.


    Danke fürs Schreiben und veröffentlichen


    Achim

    in mehrfacher Hinsicht. Einerseits wird es erst sehr spät Dunkel, andererseits bleibt dann nur noch wenig Zeit zum Schlafen. Anbei ein Beobachtungsbericht ...



    Bericht vom 18/19.05.2020; 22.50h – 02.20h
    Ausrüstung: Newton-Teleskop, Öffnung 428mm, Brennweite 1830mm, (f/4,25) Adler
    Dobsonmontierung


    verwendete Okulare: 21mm (87-fach) ; 13mm (140-fach), 10mm (183-fach), 8mm (228-fach), 6mm (303-fach) – Ethos-Serie; 9er Nagler mit 2,5-fach Powermate (508-fach);5er Nagler mit 2,5-fach Powermate (915)
    Ort: Freies Feld bei Beerbach, ca. 405m üNN
    Temperatur: 22.40h +15, C ; 02.30 +12 C
    Seeing: anfangs 2, zum Ende der Beobachtung 1 (-)


    Wetter: tags erst wolkenlos, Nachmittags einzeln hohe Schleier die mit zunehmender Dämmerung abziehen


    Beobachtete Objekte:
    Kometen: -
    Planetarische Nebel: NGC6543 (Katzenaugennebel), M57
    Gasnebel: -
    Quasare: HS1700+6416
    Planeten: Jupiter, Saturn
    Kugelsternhaufen: M5, PAL5, M13
    Sterne: UX Draconis
    Galaxien: M61
    Supernovae: SN 2020jfo


    Die Nacht zum Montag hatte ich noch gekniffen, diesmal will ich es mir die klare Nacht nicht entgehen lassen. Nils geht es ähnlich, so treffen wir uns – noch vor Ende der astronomischen Dämmerung - kurz vor 23h an meinem Standardspechtelplatz. Es ist sehr mild, absolut windstill, die Luft ist sehr trocken (auch beim Abbauen kein Hauch von Tau auf der Autoscheibe). Ich genieße die Stimmung, die Ruhe, das Sternenzelt leuchtet schon, tief in O / NO dämmert es noch. Wir bauen auf, plaudern etwas. Nils fällt ein sehr heller Satellit auf:


    die <b>ISS </b> – an die hatten wir nicht gedacht. Schnell das 21er Oku rein, und drauf halten. Erst kurz nach der zenitnahen Kulmination habe ich diese stabil im Blickfeld. Hell! Deutlich die großen Solarpanel, der Korpus dazwischen merklich kleiner. Ich kann fast 1 Minute nachführen –wow- was für ein spektakulärer Einstand!


    Beim Justieren an Polaris (es ist nur wenig anzupassen) zeigt sich: sehr gutes Seeing! Nur ganz langsames Wabern, der Begleitstern erscheint wie mit der Nadel gestochen.


    Ich starte mit einem Carbonstern – da ist die Restdämmerung egal, es geht zu


    <b>UX Draconis </b> – mag 6,3 (veränderlich; mag 5,9 … 7,1)
    Ein roter Stern mit der Spektralklasse C7,3, der Farbindex von 2,8 (rot) ist deutlich erkennbar, im 13er Oku mit deutlich orangem Farbeindruck. Der Stern steht ca 5 Grad östlich von Tau Dra und fällt sofort zwischen anderen Feldsternen auf. Diese Sonne ist ca. 1300LJ von unserer entfernt, im visuellen Bereich etwa 400 mal so hell wie unsere.


    In der Vorbereitung bin ich auf eine relativ helle aktuelle Supernova gestoßen, jetzt – gegen 23.30 steht diese fast genau im Süden, innerhalb der prominenten GX


    <b>M61</b> mit SN2020jfo - GX - Vir (mag 9,6 – sbr 13,4; 6,5’ * 5,9’) SQM21,20
    wow! Sehr selten habe ich bisher diese GX beobachtet, dabei verdient sie Aufmerksamkeit. Bei den gegebenen sehr guten Bedingungen wunderschön: ein heller, bei niedriger Vergrößerung fast stellarer, heller Zentralbereich der in einen länglichen Innenhalo übergeht, dieser dann in zwei gegengleich schnell abknickende GX-Arme, in Face-On. Am Rand des rundlichen Außenhalo etwa auf 2h ein Feldstern, Mag14,0; etwa 2‘ unterhalb ein weiterer, schätze Mag 14,5 (entgegen der Katalogangabe von 14,2) etwas schwächer, in der Verlängerung nochmals ca. 1‘, im Spiralarm die Supernova. Für mich etwas heller, um 14,2 und für mich damit heller als derzeit angegeben. Genieße im 10er bei 180-fach die GX, die SN ist dabei stabil und relativ einfach zu sehen.


    Ich schwenke zurück in Draco will die Nacht abwechslungsreich gestalten und wähle daher nun einen Planetarischen Nebel:


    <b>NGC6543</b> - PN - DRA (mag 8,3 – sbr 5,0; 22‘‘ * 16‘‘) SQM22,26
    Wow – ganz schön hell. Das auch als Katzenaugennebel bezeichnete Objekt wirkt bei geringer Vergrößerung bläulich-hell, leicht oval. Es liegt auf halben Weg zwischen Delta und Zeta Dra; einer der hellsten Planetarischen Nebel überhaupt. Ein Mag 10 Feldstern in der Nähe hilft beim Fokussieren und zeigt recht deutlich: heute geht was. 10er, 8er, 6er … immer noch punktförmig und fein der Feldstern. Bei 300-fach ist der Zentralstern schwach aber deutlich erkennbar, bei 508-fach dann recht deutlich (9er + Powermate). Nun wird der Feldstern auch etwas aufgeblasen, aber noch durchaus im Rahmen. Jetzt lasse ich es krachen: 5er Nagler plus Powermate = 915-fach. Wow … tatsächlich noch einen Tick besser, Fokussieren ist nun mit dem HC-2 Auszug kniffelig. Da der PN dicht am Pol steht wandert das Objekt nur langsam aus, nachführen ist kein Problem. Es zeigen sich neben der ovalen Kontur auch Strukturen, relativ scharfer Übergang zum Hintergrund, Helligkeitsvariationen die sich in der Nachbereitung als überlagernde Schalen entpuppen. Lohnt sich!


    Jetzt wird’s anders extrem, bleibe im Draco und suche nach HS1700+64, einem Quasar.


    <b>HS1700+64 </b>– QSO – DRA (mag 16,1) SQM 21,36
    mit z=2,7 bewegt sich das Objekt mit 260.000 km/s von uns weg, d.h. mit 86% der Lichtgeschwindigkeit. Die absolute Helligkeit wird mit -26,7 angegeben – wahrlich krass.
    Die Zielregion nicht weit von HR6360 ist schnell eingestellt, aufsuchen wird trotzdem zeitraubend. Ich habe einen DSS-Ausdruck dabei. Nahe des QSO befindet sich eine Trapezförmige Sternengruppe, um mag 13,5 … 14,5 Komponenten, diese wenige Grad neben HR6360. Etwa 5‘ von der Gruppe ein Mag 11,4 Feldstern der zur Orientierung helfen soll. Im Aufsuch-Oku ist die Sternengruppe gerade erkennbar aber schwach. Irgendwie klappt die Orientierung nicht richtig, mehrmals versuche ich es neu, lande immer an der gleichen Stelle, bis der Groschen fällt. Ich halte den DSS-Ausdruck verkehrt herum, bei einem Trapez fällt das kaum auf, gegenüber ist auch ein Mag11-Stern, der auf meinem Kartenausschnitt aber nicht mehr zu sehen ist. Nun wird’s einfach. Schon im 6er ist ein Lichtfünkchen ca. 2‘ links neben der unteren Trapezspitze indirekt stabil erkennbar, bei 500-fach dann 70% sogar direkt zu sehen. Dunkler Himmel und sehr gutes Seeing – besser geht kaum.


    Was fehlt noch? Kugelsternhaufen.


    <b>M5 </b>– GC – SER (mag 5,7 – sbr 11,0; 20 * 20‘) SQM 21,40
    warum wir dieser Kugelsternhaufen so selten erwähnt? M5 ist sogar einen Ticken heller als der prominente M13 (0,1 mag), die Flächenhelligkeit sogar 1mag größer. In dieser Nacht mit bloßem Auge erkennbar. Ich bin ganz erstaunt, als ich das Objekt einstelle. Prachtvoll, es prasselt nur so an Sternen, überwiegend kalt-weiß, aber auch einige leicht orange angehaucht, Ehrfurcht ergreifend, wunderbar. Zwischen Eta Ser und 109Vir gelegen war das Aufsuchen relativ einfach.


    Der nächste GC ganz anders, auch eine Nummer 5, aber statt aus dem Messier, aus dem Palomar-Katalog, nur wenige Grad unterhalb M5 zu finden:


    <b>PAL5 </b>– GC – SER (mag 11,7 – sbr 11,0; 8 * 8‘) SQM 21,40
    Es wird schwer, so schwer, dass ich mir nicht sicher bin das Objekt identifiziert zu haben. Daher mache ich eine Skizze, füge Feldsterne ein und schraffiere den Bereich, der einen Hauch von Aufhellung aufweist. Im GF Richtung 7h unterhalb des Mag9 Sterns HD135660 ist meine Schraffierung, das passt recht gut. Betrachte einen DSS-Ausdruck: ‚hellere‘ Einzelsterne gibt’s in dem GC nicht (wie vermutet). Beobachtet hatte ich mit dem 21er und 13er Oku. Das Objekt befindet sich im äußeren Halo unserer Milchstraße und ist ca. 76k Lichtjahre von uns entfernt.


    Um es etwas abzukürzen: beim Tollen Seeing zeigt M57 – wenn auch widerwillig ;) den Zentralstern, in unmittelbarer Nähe auch Feldsterne um Mag 16.


    <b>M101 </b>– GX – UMA (mag 7,9 ; sbr 14,9; 28‘* 28‘) SQM 21,46
    zeigt sein visuelles Potential. Ob der Ausdehnung kann ich die GX im 8*50-Sucher als Schemen erkennen, im Oku dann – wow! Am besten im 13er Ethos, das GF fast füllend. Herrlich die Spiralarme um das merklich versetzt gelegene Zentrum; nicht zu erahnen, zu sehen! Auffällig Lichtknoten in den Armen neben einer Reihe schwächer Feldsterne im Vordergrund der Galaxie. So gut hatte ich diese noch nie. Der Durchmesser von M101 ist mit 170k LJ etwa doppelt so groß wie bei unserer Milchstraße, gehört damit zu den größten bekannten Spiralgalaxien.


    Die Zeit ist fortgeschritten, ich fühle mich eigentlich noch wohl, doch die Konzentration lässt merklich nach. Einstellen von Objekten geht zäh, ich mühe mich bei dem prominenten, großen und hellen Hantelnebel, breche damit ab und peile – von Nils inspiriert - ganz niedrig, nur 7 Grad über den Horizont


    <b>Jupiter </b>– Mag -2,5
    Überraschung! Ich habe nur einen matschigen, hellen, großen Fleck erwartet. Durch starke Refraktion ist die obere Seite bläulich, gegenüber orange eingefärbt, Meist sind die Staubbänder im 21er und dann im 13er bei 140fach gut zu sehen, blickweise sogar richtig scharf. Auch der GRF ist blickweise deutlich erkennbar. Viel Besser als erwartet. Eingefasst durch die 4 hellen Monde; rechts Ganymed und Kallisto, links Io und Europa.


    <b>Saturn </b>– Mag +0,5
    Ist ebenfalls aufgegangen, noch einen Ticken niedriger, mehr gen Ost. Der Refraktions-Effekt ist hier deutlich schwächer wahrnehmbar, Durch Seeing-Effekte wird der Ring immer wieder richtiggehend verbogen.


    Morgen muss ich arbeiten, auch wenn ich – wegen Homeoffice – nicht so bald raus muss. Wir bauen ab, um 02.30 geht es Richtung Heimat. Es hat richtig Spaß gemacht, eine gelungene Nacht.


    Clear Skies und gute Gesundheit Euch und euren Lieben wünscht


    Achim

    Hallo,


    ich hatte schon mit keiner Reaktion mehr gerechnet, daher auch schon lange nicht mehr nachgesehen.
    Danke für den Hinweis bezüglich Einstellung für Doppelpass. Ich habe mich mit DTFringe noch nicht näher auseinander gesetzt, daher wusste ich nicht wie einzustellen. Mir ging es ja auch prinzipiell um qualitative Aussagen.


    (==&gt;) Beat: Das der erste Fangspiegel so schlecht ist glaube ich schon, habe den Test ja 1:1 gleich wie bei dem neueren gemacht. Bei dem alten Spiegelset war übrigens auch der HS grottenschlecht über 1 Lamda Astigmatismus.


    Viele Grüße


    Achim

    Hallo,
    ich habe die Tage einen alten Lichtenknecker Spiegel aus Zerodur mit den Daten D= 300mm, Brennweite 2188mm (Randdicke 50mm) gesehen und frage mich, wo dieser unsprünglich eingesetzt gewesen sein könnte. Näheres ist dem jetzigen Besitzer nicht bekannt.


    Ob spärisch oder P
    parabolisch werde ich in Kürze testen. Falls spärisch: könnte die Brennweite zu den früheren 300mm Kutter (Flach Wilken) passen?


    Viele Grüße


    Achim

    Hallo Emil,


    vielen Dank für den lebendigen, spannenden Bericht. 4800hm sind wahrlich nicht ohne. Das du hier keinerlei Probleme hattest ist eher ungewöhlich, außer du hattest schon ein paar Tage Aklimatisation hinter dir. Mit physischer Fittness oder dem Alter hat dies wenig (normale Konstitution voraus gesetzt) bis gar nichts zu tun.


    Viele Grüße


    Achim


    p.s. Ich schreibe aus eigener Erfahrung

    Hallo,


    vielen Dank für die Rückmeldungen.


    (==&gt;) Haley: ja, an meinem Standort war die Tranparenz deutlich überdurchschnittlich, gegen Ende der Beobachtung schon rekordverdächtig nur meine Kondi- und Konstitution leider nicht.
    (==&gt;) Alex: meine Website ist ganz schön angestaubt, vor allem was die Aktualisierung von Beobachtungsberichten betrifft. Es sind auch sehr viel weniger pro Jahr geworden. Das gute ist: die veralten nicht, der Himmel ist immer noch der selbe.
    (==&gt;) Ben: ich hatte erst ohne Filter, dann mit dem 1. in meinem Filterschieber gesucht, eben nachgesehen, es ist der OIII. Um so mehr wundert es mich, nichts gesehen zu haben. Den Medusanebel hatte ich vor Jahren mit gleichem Teleskop und weniger Transparenz sehr deutlich gesehen, schwach ohne Filter, sehr deutlich damit. Ich sollte es beinm nächsten Neumond nochmals versuchen.

    Hallo Haley,


    vielen Dank für den sehr lebhaften Bericht. Ich kann vieles davon sehr gut nachvollziehen, konnte ich doch den Südhimmel schon mehrfach genießen.


    Ich freue mich schon auf die Fortsetzung.


    Achim


    ... fast vergessen: ein gutes Neues Jahr an alle, die hier mitlesen :)

    Bericht vom 01/02.01.2020; 23.10h – 02.10h
    Ausrüstung: Newton-Teleskop, Öffnung 428mm, Brennweite 1830mm, (f/4,25) Adler
    Dobsonmontierung


    verwendete Okulare: 21mm (87-fach) ; 13mm (140-fach), 10mm (183-fach), 8mm (228-fach), 6mm (303-fach) – Ethos-Serie; 5mm Nagler (364-fach)
    Ort: Freies Feld bei Beerbach, ca. 405m üNN
    Temperatur: 23h -2,5 C ; 2.20 -5 C
    Seeing: 3


    Wetter: den ganzen Tag sonnig und wolkenlos


    Beobachtete Objekte:
    Planetarische Nebel: NGC2022, NGC1535, NGC2392, Abell21
    Gasnebel: NGC2355, M42/M43
    Kometen: 2C /2017 T2 Panstarrs
    Planeten: -
    Kugelsternhaufen: -
    Sterne: -
    Galaxien:
    LEO M65, M66, NGC3628
    UMA: M51 NGC5195, M81, M82, HolmbergIX


    Ein guter Start ins neue Jahr: bei traumhaften Sonnenschein setze ich mich Mittags aufs Rennrad (kleine wellige 43km-Runde), Nachts wird gespechtelt. Davor trausche ich die Draht-Fangspiegelspinne gegen die alte aus Alu-Blech, ich bin mit dem Schwingungsverhalten nicht glücklich. Um 22h stelle ich mir eine kleine Objektliste zusammen, bis zur Abfahrt um 22.45h bin ich mit Einladen und warm einpacken und Tee kochen gut beschäftigt. Es geht auf einen Höhenzug südlich des Aischgrunds, für mich in 15 Minuten erreichbar mit 0 Grad-Horizont nach S, W, und SO, im O ist der Waldrand ca 100m entfernt, im N ca. 40m, dort gibt es ab 20 bis 25 Grad freie Sicht.


    Vor Ort wird aufgebaut, justieren dauert merklich länger, hatte ich doch das Teleskop nach dem FS-Spinnenwechsel zu Hause nicht aufgebaut und nicht grobjustiert. Mist – ich habe mein Notebook mit Ciel als Astrosoftware vergessen. Ich habe zwar SkySafari 5 Pro auf dem Smartphone, doch ist mit dort die Anzeige zu hell. Notgedrungen friemle ich herum, stelle im Android-Setup auf Nachtmodus, aktiviere Twilight, stelle SkySafari 5 auf Nachtmodus … müsste gehen. So ist es schon gegen 23.25 als endlich die Beobachtungen beginnen.


    Wow – der Himmel ist gut dunkel. Deutlich besser als vor zwei Nächten, als ich mit Nils an gleicher Stelle stand, da gab es einiges an Schleierwolken. Das SQM (ohne Linse) zeigt 21,22
    Ich starte mit


    <b>NGC2022</b> - PN – ORI (mag 12,4 – sbr 9,6; 0,4' * 0,5') SQM 21,22
    auf einer gedachten Verbindungslinie zwischen Beteigeuze und Lamda Ori gelegen, 2/3 der Strecke hin zum Lamda Ori. Es zeigt sich eine wunderschöne kleiner Scheibe. Im 10er bei 183-fach ist ein blasser Zentralstern gesichert zu erkennen. Der PN-Innenbereich ist – ebenfalls wie die schmale relativ helle Schale - leicht oval. In der Orientierung gegenüber einer länglichen Sternengruppe aus Mag 14-Fünkchen mein ich im Schalenrand eine leichte Verdickung zu erahnen, die Nachbereitung offenbart diese als Feldstern. Sehr interessant!


    Es wird tiefer gepeilt, in Eridianus zu


    <b>NGC1535</b> - PN – ERI (mag 10,4 – sbr 7,2; 0,3' * 0,3') SQM 21,22
    Von Gamma Eri ausgehend ist der Starhop schnell erledigt. Der PN erscheint nochmals um einiges heller und auch konzentrierter mit deutlichem Schalencharakter. Bei Minimalvergrößerung (80-fach) ist der Mag12-helle Zentralstern bereits erkennbar, hebt sich vom hellen, nur leicht ovalen Innenhalo ab. Der Innenhalo ist scharf begrenzt, mit etwas hellerem Ringwulst. Der Außenhalo ist flächig, gleichmäßig hell und zum Hintergrund scharf abgegrenzt. Linkerhand im GF (NO) ca. 1' neben den PN mag 13/14 Vordergrundsterne. Im Außenhalo, knapp innerhalb des Außenrands fällt ein Feldstern auf, ca. mag 13 hell.


    Ich peile nun mehr Richtung O. Vom deutlich blinkenden Sirius über Gamma Cma hin zu NGC2359. Auf dem Weg dorthin dient der OS OCL584 der Orientierung; es funkelt da so schön, dass ich kurze Zeit verweile.


    <b>NGC2359 </b> – GN – CMa– (mag 11,5 – sbr ?; 8,0' * 6,0') SQM 21,3
    bekannt als Thors Helm ist ein unregelmäßig geformter Emissionsnebel. Bekannter Maßen reagiert dieser Nebel stark auf Filtereinsatz; ohne UHC wollte ich den einfach nicht finden, dann jedoch Scharf abgegrenzt: die Wikingerhelmschale mit betont kräftigem Randstreifen, das hellere, kürzere rechte „Horn“, das zartere, lange auslaufende linke Horn, mehrere Feldsterne im Nebelkomplex. Ob jener im Helm wohl der anregende ist? Das Gesichtsfeld ist – da im Michstraßenband voll von schwachen und schwächsten Lichtfünkchen.


    Schon kurz nach der Kulmination folgt nun


    <b>M42/M43 </b>- GN - ORI (mag 4 – 11; 90’ * 60’) SQM21,3
    ... (fast) ohne Worte. Die Region steht gut 30 Grad über dem Horizont. Ich konzentriere mich zunächst aus Trapez, bei 140-fach. Sehr hell die 4 Komponenten, Ich merke: das Seeing ist nicht so gut wie vor zwei Nächten. klar und deutlich stabil die E- Komponentee; verschwindet ab und an im dann aufgeblähten Theta1 Orionis. Der Nebelkomplex wolkig, voller feinster Strukturen. Im Nebel mehrere haarfeine Vorder/Hintergrundsterne, Genuss pur, auch ohne Nebelfilter. Das Ganze mit schwach grünlichem Farbeindruck.


    Ich lasse den Blick schweifen, halbhoch in NW steht Perseus; vor zwei Nächten hatten wir dort einen Komet beobachtet, auf den peile ich nun wieder


    <b>C2 / 2017 T2 Panstarrs </b> (mag 9,5) SQM 21,4
    ob der Helligkeit sehr einfach zu erkennen, schon bei Minimalvergrößerung ist deutlich der rundliche Halo (geschätzter Durchmesser 2-3‘) mit seitlich versetzten hellem Kern erkennbar, grob parallel einer dicht gelegenen 3er Kette mit hellen mag 8 .. 9 Sternen. Der Schweif ist deutlich ausgeprägt. Der Komet hatte seine erdnächste (ca. 1,5 AE) Position am 28.12. passiert und bewegt sich weiter Richtung Sonne, der er jedoch nicht näher als 1,4 AE kommen wird.


    Mir fehlt die Routine vergangener Jahre, habe lange Zeit wenig beobachtet, auch ist das fehlende Notebook ein echtes Handicap. Trotzdem macht es spass, die Kleidung ist ausreichend warm, setze mich ab und an einfach zum Blicke Schweifen auf den Beobachtungsstuhl und genieße die Nacht, die sonst völlige Stille wird ab und an von einem Käutzchen unterbrochen. Das SQM beweist, es wird immer dunkler. Hier gibt es noch Dörfer, die um Mitternacht oder um 1h die Straßenbeleuchtung abschalten. SQM 21,51 – wow! Das habe ich sehr selten!


    UMA in NO steht auf der Deichsel, ich peile in die M81-Gruppe, die in unmittelbarer Nachbarschaft zur Lokalen Gruppe steht.


    <b>M81 </b> – GX – Uma (mag 6,9 – sbr 13,2' 24,9 * 11,5) SQM 21,5
    Auch von mir schon dutzende mal beschrieben, trotzdem immer wieder schön. Vor allem bei diesen Bedingungen. Ca. 60 Grad hoch, ein SQM-Wert von 21,5 – hier bei mir geht es kaum besser. Selten kann ich bei M81 die beiden zarten, weit umlaufenden Außenarme deutlich erkennen, diesmal ist es wieder so weit. Wunderbar die dunklen Bereiche dazwischen, die feinen Helligkeitsunterschiede im inneren Halobereich. Markant die beiden Doppelsternsysteme mit jeweils um Mag9-Komponenten. Das weiter entfernte mit ca. 1 Bogensekunden Distanz, das näher an M81 gelegene mit knapp 10 Bogensekunden Lücke. Die weiter entfernten m.E. Mit etwas wärmeren Farbton.


    Die super Bedingungen ausnutzen wollend habe ich nach Holmberg IX gesucht, im GF oberhalb der quer liegenden GX dient ein leicht spitzwinkliges Dreieck aus mag 12 ..13 Feldsternen der Orientierung. Von dort im GF nach links soll die liegen. Hmm .. Ich beobachte im 10er bei 183-fach, fahre mehrfach darüber, hmm … Gesehen wäre gelogen, vielleicht ein schwacher 2‘ großer Schemen. In alten Unterlagen gekramt finde ich: die GX hatte ich in 2008 gesichert gesehen, bei 21,33er Himmel. Damals jedoch mit reichlich Beobachtungspraxis.


    <b>M82 </b> – GX – Uma (mag 8,4 – sbr 12,5' 10,5 * 5,1) SQM 21,45
    entschädigt. Und wie! Im 8er Oku bei 228-fach zu über der Hälfte das Nagler-GF-füllend, voller Strukturen, Lichtknoten. Die auf Farbaufnahmen auffälligen roten 'Auswüchse' fallen mir visuell nicht auf, dafür einige Feldsterne parallel zur langgestreckten GX die für mich ca. 1:4 elongiert erscheint. Supergut!


    Ich versuche mit an Abell21in Gemini, dem Medusa-Nebel. Brauche etwas, bis ich gesichert im Zielgebiet bin. Das Bild im Winkelsucher erscheint mir flau, die Rotlichtlampe zeigt Eiskristalle auf der Okularlinse, mit dem Taschentuch wird gewischt. Aufsuchen mit Smartphone stört die Dunkeladaption immer wieder etwas, vielleicht liegt es mit daran: ich kann den doch recht großen PN einfach nicht erkennen. (vor Jahren bei nicht besseren Bedingungen schon deutlich gesehen)


    Zum Trost nun Richtung SO; LEO macht sich auf Richtung Kulminationspunkt, ist davon aber noch einiges entfernt. Nun – so gegen 01.40h steht das prominente GX-Triplett knapp 40 Grad hoch.


    Ich peile auf die M65/M66-Gruppe, trotz tollen Anblicks kommt keine Begeisterung mehr auf. Meine Batterie ist leer, ich will es noch nicht wahr haben. Einen versuche ich noch:


    <b>M51 </b>- GX- CVn - (mag 8,4 – 12,9; 10,8 * 6,6’) SQM 21,5
    <b>NGC5195 </b> - GX- CVn - (mag 9,6 – 12,9; 5,9 * 4,6’) SQM21,5
    Wow! Richtig guten Himmel zeigt sich vor allem am von NGC5195 wegweisenden, weit fassenden Spiralarm. Wenn man zwischen diesem und dem GX-Körper noch deutlich eine Aufhellung sieht, dann passt es. Bin mit dem 10er Oku bei 183-fach eingestiegen, belasse es dabei – höhere Vergrößerungen wären durchaus gewinnbringen möglich gewesen. Gut in Gesamtheit mit viel Dunkel herum ist M51 mit. NGC5195 erkennbar, Eine Schau! 4 nadelfeine Lichtpünktchen – Vordergrundfunken – im GX-Körper, NGC5195 in einer zarten Außenhalowolke. Markant die Dicke- und Helligkeitsvariationen in den Spiralarmen.


    Das kurze Strohfeuer verblasst, ich kann nicht mehr habe leichte Kopfschmerzen und baue ab. Das Auto ist in einen dicken Rauhreifpanzer gehüllt. Nach lästigem Scheibenkratzen fahre ich um 2h20 vorsichtig heim, stellenweise ist die Fahrbahn komplett mit einer dicken Reifschicht bedeckt. Die Restnacht ist unruhig, gesehenes will verarbeitet werden.


    Clear Skies wünscht Achim

    Hallo Gerhard,


    hui, kaum ist man ein paar Jahre nicht mehr auf dem Forum aktiv, dann das. Meinen vollsten Respekt! Sieht wirklich gut aus. Nach langer Pause fängt nun der Glaswurm sich wieder an bemerkbar zu machen. Ich habe ja auch noch etwas rumliegen, was der Bearbeitung harrt .. :)


    Alle Gute von


    Achim

    Hallo, nach sehr langer Zeit melde ich mich auf diesem Forum zurück ...


    Die Tage ist mir ein alter Fangspiegel mit 70mm kleine Achse unter die Finger gekommen. Den hatte ich vor ca. 8 bis 10 Jahren zusammen mit einem 10 Zoll Hauptspiegel aus einen gescheiterten Spiegelschleifprojekt übernommen. Der Hauptspiegel war grottenschlecht gewesen. Nun war ich neugierig über die Qualität des FS. Ich kann nur spekulieren, doch dürfte es sich um einen ganz einfachen 'China'-Spiegel handeln. Der Farbe nach könnte das Substrat BK7 sein, für Fensterglas ist es zu weislich.


    Wie Messen? Ich greife auf vorhandenes zurück, nehme meinen Messaufbau für den Ritchey-Common Test



    und messe gegen meine 6-Zoll Referenzsphäre (alter TAL2-Hauptspiegel, mit 1,2m Brennweite bzw. 2,4m Krümmungsradius.



    Die Spiegel werden in 45 Grad zueinander ausgerichtet. Für den Fangspiegel bastele ich eine neue Halterung; bisher waren immer Runde Glasscheiben zu Messen, nun ein eliptischer Spiegel mit schrägen Seiten. Meine Lösung ist eine auf45 Grad ausgesägte Auflage, die ich in der Halterung in Höhe und nach der Seite verstellen kann, so daß die Spiegelvorderseite möglichst exakt auf die Mitte der Sphäre justiert werden kann.






    Dann kommt mein Selbstbau-Bath-Interferometer zum Einsatz. Ab hier ist es wie beim Messen eines Hauptspiegels, ungewohnt ist die kleine Abbildung. Die Mitte des 70mm FS ist 140mm vor der Mitte der Späre, ich messe nun als würde ich einen sphärischen 90mm Hauptspiegel testen, mit 2400mm Krümmungsradius. Wie ein sehr langsamen Hauptspiegel (mit f/13).




    Da der Prüfling im Hin- und Rückweg des Strahlengangs liegt, wir quasi "mit doppelter Gemeinheit" (Genauigkeit) gemessen. Verglichen zum tatsächlichen Einbau in einem Newton ist das System wesentlich empfindlicher. Im Test hat das Licht 1040mm Weg, um 'aus dem Ruder' zu laufen, im Newton nur ca. 140mm.
    Ich schieße eine Reihe von Interferogrammen, werte mit DFTFringe aus. Das Ergebnis ist ernüchternd.Der Fangspiegel ist alles andere als Plan. Im Meßaufbau weist der einen massiven Astigmatismus auf, das liegt daran, dass noch ein merklicher Krümmungsradius in der Glasfläche vorhanden ist, Der Asti ist etwas mehr als +/- ein volles Lambda. O.k. … mit doppelter Gemeinheit, also eher +/- 0,5 Lambda. Man wird schon damit etwas sehen, in den inneren ca. 30mm Durchmesser ist der Asti noch erträglich, bei hoher Vergrößerung wird der FS auch nur in der Mitte genutzt. Trotzdem: ernüchternd schlecht.



    Elmar, ein Sternenfreund, hat kürzlich einen 10-Zoll f/4 Newton (Skywatcher) zum Ausschlachten für ein Selbstbauprojekt gekauft. Ich hatte ihm den HS vermessen, dann hat er mir auf Wunsch den 80mm FS gegeben. Ein Unterschied wie Tag und Nacht zu meinem alten FS. Im identischen Testaufbau ergibt ein Wavefront RMS von 0,042 (bei 550 nm), hier fliesst auch der Fehler der Refernzsphäre mit ein. Da hat sich doch einiges getan …



    Das schöne an diesem Aufbau: man braucht gar keine Referenzsphäre, es ginge auch mit einem beliebigen Parabolspiegel, man müßte dann nur die Wellenfront des Spiegels von jener aus Planspiegel &gt; Parabolspiegel &gt; Planspiegel abziehen, un den Planspiegel zu vermessen.


    Die Referenssphäre bietet dagegen die Möglichkeit, auch ohne Interferometrie, rein mit Foucault zu arbeiten, handelt es dich dann doch um einen 0-Test.


    Viele Grüße


    Achim