Die NGC 507 Galaxiengruppe im Sternbild Fische

  • Hallo Sternfreunde,


    am 10. Januar war es ja ausnahmsweise klar und sogar der Mond machte keine Probleme. Genutzt habe ich die Nacht, um einen Teil der NGC 507 Galaxiengruppe im Sternbild Fische zu fotografieren. Diese elliptische Galaxie dominiert den Himmelsabschnitt und bildet gemeinsam mit der benachbarten NGC 508 den Eintrag ARP 229 im ARP – Katalog.

    Zentriert habe ich den Bildausschnitt jedoch auf die unscheinbare Galaxie NGC 503, um bei der großen Brennweite noch einige Galaxien mehr abbilden zu können.


    Der Link zur Galerie:


    Die NGC 507 Galaxiengruppe im Sternbild Fische


    Die annotierte Version:



    Ein Crop auf NGC 495, NGC 496 und NGC 499:



    Dieses Trio hat mir so gut gefallen, daß ich es hier vergrößert abbilde.


    Ein Crop auf NGC 483:



    Diese Galaxie ist mir wegen des Rings um den Zentralbereich aufgefallen. Wikipedia gibt jedoch nur an, daß es sich um eine Spiralgalaxie handelt, also keine der selteneren Ring- oder Polarringgalaxien.


    Bei der Bearbeitung habe ich diesmal den Farbregler etwas stärker aufgedreht, hoffentlich noch im akzeptablen Umfang. Mir gefallen die Bilder einfach besser als mit blassen Farben.


    Viele Grüße

    Heinz



    Aufnahmedaten:


    Equipment:

    PW CDK 317/2540 (f/8) mit Kamera ATIK 11000 Mono für die Luminanz

    APM 107/700 (f/6,5) mit Kamera ASI 1600 und Filterrad für die Farbe

    Montierung: Fornax 100

    Guiding über Leitrohr mit MGEN III

    Verwendete Software: APT, Astro Pixel Processor, Pixinsight


    Bildinformation:

    Aufnahmedatum: 10.01.2024

    41 x 240 Sek, Binning 1x1, Temp. -15 Grad (Luminanz)

    59 x 120 Sek verteilt auf RGB, Binning 1x1, Gain 50, - 10 Grad (Farbe)

    Gesamtbelichtungszeit von knapp 5 Stunden

    Bortle 4 bis 5, kein Mond, klar, windstill

  • Hallo Heinz

    Ein sehr schöne Galaxiengruppe stellst du hier vor :thumbup:

    Es ist schon interessant im Bild umher zu wandern, und die zahlreichen

    Galaxien zu betrachten.

    Besonders spannend finde ich das Objekt rechts neben NGC503.

    Muss ich später mal mit Aladin schauen was das ist.

    Die Farben finde vollkommen ok, das passt gut.

    Auch die Bilddetails sind sehr fein.

    Schade das die Gruppe nicht mehr in meinem erreichbaren Himmelsbereich liegt, ich hätte gern mal draufgehalte.

    Also notieren, und auf den Herbst warten :rolleyes:

    Beste Grüße

    Andreas

  • Hallo Heinz,


    ich schließe mich Andreas an , darüber hinaus noch eine sehr schöne Übersicht.

    Da sind einige sehr interessante Objekte die Du zeigst , wobei die Wunschliste wieder viel zu groß ist und zu wenig klarer Himmel da ist.

    Danke fürs zeigen !!


    Viele Grüße

    Markus

  • Hallo Andreas, Markus und Peter,

    herzlichen Dank für eure positive Reaktion. Besonders freut es mich, daß ihr die Farbgebung nicht allzu übertrieben findet. Dann darf ich ja weiter in diesem Umfang am Farbhahn drehen! :)


    Andreas, genau das Objekt, welches du ansprichst, ist mir in der Luminanzaufnahme auch aufgefallen und ich hatte es fast als Artefakt angesehen, es dann aber doch im Bild belassen.

    Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich nicht meinerseits direkt in Aladin nachgesehen habe. Nach einigen Stunden Bildbearbeitung konnte ich einfach nicht mehr weiter vor dem Bildschirm sitzen. Das habe ich jetzt aber nachgeholt. Laut Simbad handelt es sich um die Galaxie AGC114563 mit einer Rotverschiebung von etwa z=0,0164.


    Viele Grüße

    Heinz

  • Hallo Heinz,


    was für ein Galaxiengewusel! Die NGC 507 Gruppe gehört ja zum äußerst galaxienreichen Perseus-Pisces Supercluster.

    Schaut mal direkt östlich von NGC 507 all die kleinen Mücken sind fast alles Galaxien. Da kriegt man richtig eine Vorstellung, wie groß und reich unser Universum ist. Ich habe mit Slellaruim Web verglichen, der Gaia Katalog geht bis knapp 21 mag und diese Sterne sind in deiner Aufnahme alle noch deutlich zu sehen. Deine Sterngrenzgröße würde ich über den groben Daumen auf 21,3 - 22,3 mag schätzen. Gibt es eine Methode, Sterngrenzgrößen jenseits des Gaia Katalogs zu ermitteln?


    Mir gefällt auch der Himmelsrichtungspfeil, da weis man gleich, wie das Bild orientiert ist.


    Nur mit deiner Farbgestaltung kann ich mich nicht so recht anfreunden. Der sehr helle Stern WNW von NGC 507 ist HD 8347 und hat Spektralklasse K5, also orange-rot und nicht gelb. Auch die hellen Galaxienkerne sind sehr gelb, wohingegen mir die schwächeren Galaxienstrukturen nahezu farblos erscheinen. Liegt das am großen Öffnungs- und damit Reichweitenunterschied zwischen den Luminanz und den Farbdaten?


    Diesen Haufen hatte ich auch schon auf dem Zettel, aber das Wetter... :( Inzwischen ist es wohl zu spät und er muss bis zum nächsten Herbst warten.

  • Hallo Stathis,


    besten Dank für deine Reaktion auf das Bild. Du bist der zweite Sternfreund, der darin einen Gelbstich erkennt, also muß doch da was dran sein. Wenn ich nur wüßte, woher es kommt? Sowohl die Farben der Galaxien als auch die der Sterne habe ich linear angehoben, also keine Farbe gesondert behandelt. Auch die Anteile an RGB Einzelbildern war in etwa ausgewogen, also keine Farbe in den Rohbildern dominant.


    Sicher ist es ein etwas ambitioniertes Unterfangen, eine Luminanzaufnahme mit 2540 mm BW mit einer Farbaufnahme von 700 mm BW zu kombinieren. Mir ist es jedoch wichtig, zweizügig zu fotografieren, um bei der Luminanz zu der Tiefe der Bilder zu gelangen, wie du sie hier auch ansprichst.


    Um hier künftig besser aufgestellt zu sein, habe ich meinen Refraktor für die visuelle Beobachtung verkauft und dafür einem Sternfreund einen 8 Zoll ACF abgekauft, den ich künftig dann mit etwa der halben BW wie im Luminanzbild für die Farbe einsetzen will. Daraus erhoffe ich mir mehr Farbechtheit in den Bildern. Mal sehen, ob es tatsächlich damit besser wird.


    Mit der Ermittlung der Tiefe der Bilder muß ich mich noch beschäftigen, da es mich auch sehr interessiert. Noch weiß ich nicht, welche Software ich dafür einsetzen kann.


    Viele Grüße

    Heinz

  • Hallo Sternfreunde,


    Peter (PeterBez) hat mir noch Hilfestellung geleistet, was die Farben angeht (Danke Peter). Er hat festgestellt, daß im Farbbild des Refraktors die Sternfarben in Ordnung waren. Erst nach der LRGB – Kombination waren die Farben ins gelbliche verfälscht. Mir ist unerklärlich, wieso ein farbloses Bild Einfluß auf Farben nehmen kann. Vielleicht lag es daran, daß das Luminanzbild geringfügig stärker gestreckt war als das Farbbild.


    Zum Abschluß möchte ich noch den Versuch einer Neubearbeitung zeigen:



    Danke euch allen für den regen Zuspruch zu der Aufnahme.


    Beste Grüße und CS

    Heinz

  • Hallo,


    ganz kurz möchte ich mich hier nochmal melden. Ein Sternfreund hat mich auf einen interessanten Aspekt aufmerksam gemacht, nämlich das Verdünnen von Sternfarben über das Luminanzbild. Hierzu werde ich jedoch einen eigenen Faden eröffnen im Unterforum Bildbearbeitung.


    Viele Grüße

    Heinz

  • Hallo Heinz, hallo alle,


    jetzt hat Zeus doch für 5 Tage hintereinander die Wolken zur Seite geschoben, wenn auch bei teilweise dickem Mond und teilweise Schleierwolken. Motiviert durch diesen Thread konnte ich die kurzen Zeitfenster für den NGC 507 Galaxienhaufen Abends nutzen, und kam incl. einiger Dämmerungs- Lights auf insgesamt über 7 Stunden.


    Zum Vergleich erlaube ich mir mein Bild hier reinzustellen, das volle Newton 10" f/4 Feld mit APSC Chip der ToupTek2600C Kamera:


    12732-ngc-507-arp-229-galaxienhaufen-im-pisces


    Grenzgröße im .jpg Bild 19,8 mag, im Original 20,1 mag (laut Gaia Helligkeiten aus Stellarium Web), laut ASTAP 20,3 mag. Daran sieht man, um wie viel tiefer das Bild von Heinz geht, wie tief kann ich nicht ermitteln.

  • Gibt es eine Methode, Sterngrenzgrößen jenseits des Gaia Katalogs zu ermitteln?

    Servus Stathis & Heinz,


    Ja klar geht das. Man braucht aber die Bild-Daten, in denen noch die linearen counts (proportional zur Photonenzahl) drin sind, und nicht etwa logarithmierte Werte die nur der graph. Darstellung dienen (mit Look-up-table, Gradationskurve usw. drin).


    Dann nimmt man einen GAIA Stern bekannter Helligkeit M in Magnituden und summiert (in Messbox) alle seine counts S auf. Mit der gleich grossen (!) Messbox misst man die summierten Counts im Himmel H.


    Dann ist

    M = -2.5 LOG(S-H) + ZP

    Damit bestimmt man dann die Zahl ZP, den sog. Zeropoint. Alle anderen Zahlen kennt man. (Wenn man es etwas genauer messen will, macht man das ganze mit mehreren GAIA Sternen und mittelt dann die jeweils bestimmten Zeropoints ZP(i) ).


    Jetzt macht man das gleiche mit irgendeinem (schwachen) Stern und misst seine Countsumme X. Seine Magnitude m ist dann:


    m = -2.5 LOG(X-H) + ZP


    Der ZP hier ist genau der Wert, den man oben am bekannten GAIA Stern bestimmt hat. Ich hoffe die Herangehensweise ist so verständlich. Ist ganz normale CCD-Photometrie, aber muss auf dem linearen (!) Bild sein natürlich.


    Ich weiss nur nicht ob die Bildbearbeitungs-Software, die Amateure heute verwenden ein lineares Bild in counts zur Weiterverarbeitung rausgibt !?


    Gruss,

    Peter

  • Hallo Stathis,

    eine schöne Aufnahme und mit 7 Stunden ein echtes Stück Arbeit. Von der Tiefe meines Bildes, wie überhaupt der zuletzt erfolgten Aufnahmen, bin ich selbst überrascht. Früher hatte ich an dem 12 Zöller ja eine moderne CMOS – Kamera mit entsprechend kleinen Pixeln in Betrieb. Irgendwann habe ich dann die uralte ATIK CCD – Kamera mit den großen Pixeln angehängt und auf 4 Minuten Einzelbelichtung umgestellt. Seitdem erhalte ich diese Bildtiefen. Hier bewahrheitet sich wieder die alte Faustregel: Große Brennweite = Große Pixel. Das Binning hat mit den CMOS – Kameras zumindest bei mir nie richtig funktioniert. Die CCD – Technik war halt nach meinem Dafürhalten für die Astrofotografie eine gute Wahl, zumindest wenn mit großer Brennweite fotografiert wurde.


    Hallo Peter (PeterSurma),

    danke für deinen Beitrag zur Ermittlung der Grenzgröße. Ich muß jedoch zugeben, daß ich nicht so versiert bin und deiner fachlichen Ausführung daher nicht ganz folgen kann.


    Meinst du mit Meßbox den Rahmen, den man im linearen Bild um ein Objekt aufziehen kann?

    Was versteht man unter „Counts“, die man wie aufsummiert?


    Beste Grüße

    Heinz

  • Danke für deinen Beitrag zur Ermittlung der Grenzgröße. Ich muß jedoch zugeben, daß ich nicht so versiert bin und deiner fachlichen Ausführung daher nicht ganz folgen kann.


    Meinst du mit Meßbox den Rahmen, den man im linearen Bild um ein Objekt aufziehen kann?

    Was versteht man unter „Counts“, die man wie aufsummiert?

    Ciao Heinz,


    Counts sind die Zählrate in einem CCD Pixel, das was man ADU = analog digital units nennt, indirekt die Anzahl der in diesem Pixel gesammelten Elektronen, die durch den Einschlag der Photonen entstanden sind. Man braucht hier ein Mass, das proportional zur Anzahl der an dieser Stelle angekommenen Photonen ist (da gibts noch den Konversionsfaktor e-/ADU oder beim Einstellen Gain genannt, weils ne Einstellung für den Ausleseverstärker ist).


    Messbox, typischerweise ein quadratischer Rahmen, der per Software um irgendein Pixel gezogen werden kann, und in dem die Zählraten von oben dann alle aufsummiert werden (meist geben einem die Programme natürlich auch die Statistik, also max/min Werte, Mittelwert der Counts pro Pixel und deren Standardabweichung, wir wollen aber die insgesamte Summe, man kan auch die Anzahl der Pixel in der Messbox mit dem Mittelwert multiplizieren, geht auch). Ich hab oben von Summe der Counts aller Pixel in so einem Messfenster geredet, einmal mit dem Stern drin S (und natürlich auch etwas Himmel), einmal nur der nackte Himmel nebenan H, ohne Stern/e. Die Differenz S-H ist also der Beitrag an Counts (Elektronen, Photonen) der NUR vom Stern kommt. Die Counts, die von den Himmelsphotonen beigetragen werden wollen wir ja loswerden für unsere Messung der Stern(!)-Helligkeit !


    Die Magnituden die für einen solchen Stern im Katalog stehen sind ja auch auf das gesamte Licht bezogen, das vom Stern kommt. Man misst also nicht nur das zentrale Pixel des Sterns, sondern aufsummiert auch das Licht, das wegen des Seeings auch in den Flanken des Sterns ankommt. Nennt man die PSF point spread function, und deren Breite ist das berüchtigte FWHM eines Sterns in einem Bild...


    Für Messungen (und ihr wolltet ja Sternhelligkeiten messen) muss man natürlich quantitativ mit dem Bild umgehen, also Über Zähhlraten = counts nachdenken. Im Amateurbereich macht man natürlich nur 'schöne Bilder', aber aus der Sicht eines Physikers sind CCD Bilder natürlich 3000x5000 Messpunkte als Array angeordnet mit Zählraten darin. Die Zählraten kommen von der Anzahl der eingeschlagenen Photonen, und die sind hier halt nun mal proportional zur 'Leuchtkraft' (und seiner Entfernung etc) des Sterns und werden von der Luftunruhe auf mehrere Pixel verschmiert (die wir aber alle aufsummieren müssen, sonst hinge ja die Gesamtmagnitude eines Sterns im Sternkatalog dann vom Seeing ab !???). Die Magnituden rechnet man dann wie oben mit -2.5 log(countsumme) aus... usw siehe oben.


    Ich hoffe, dadurch ist es etwas klarer. ;) Ansonsten kannste gerne noch nachhaken...


    Lg, Peter


    PS: ...natürlich rede ich oben von dem (linearen) Bild, *NACH* Dark-Abzug und *NACH* Flatfielding !

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