Ringnebel (M 57) mit großem Halo und Feuerwerksgalaxie (NGC 6946)

  • Hallo zusammen,


    in der Nacht vom 7. auf den 8. September konnte ich auf der Schwäbischen Alb beobachten (850 Meter über Null; trockene Luft, gutes Seeing, gute Transparenz im Zenit). Mein Instrument: 25" f4 Dobson mit ServoCat, Argo Navis und Denkmeier Bino.

    Eigentlich hatte ich es auf das OdM September abgesehen, aber das stand zunächst noch sehr tief. Um mir die Zeit zu vertreiben, habe ich ein paar schöne Standardobjekte eingestellt: M 15 (mit 25" und Denkmeier Bino ein optischer Genuss), sowie M 57 und NGC 6946, die beide fast im Zenit standen. Bei M 57 habe ich gestutzt. Ich konnte nämlich ansatzweise den großen Halo sehen, in den der Ring eingebettet ist. Auf langbelichteten Schmalbandaufnahmen kommt dieser Halo sehr deutlich raus. Dann sieht M 57 aus wie eine Rosenblüte mit vielen Blütenblättern. Ich hätte aber nicht gedacht, daß man diesen Halo auch visuell erfassen kann. Also habe ich mir gleich Bleistift und Papier genommen, um den Eindruck festzuhalten. Hier das Ergebnis:




    Da ich nun schon einmal am Zeichnen war und das OdM immer noch auf sich warten ließ, habe ich auch noch die Feuerwerksgalaxie (NGC 6946) zu Papier gebracht:



    Ach so, und dann das OdM ....! Aber das ist eine andere Geschichte.



    Viele Grüße

    Johannes

  • Wow, einfach nur wow!! :huh: :huh: Ganz großes Kino!


    In NGC 6946 gibt's übrigens auch einige nette HII- Regionen, die schon mit 20" sichtbar sind. Dabei ist ein DSS- Ausdruck ganz hilfreich, um die feinen Knubbel zu finden.


    Wenn ich deine Zeichnungen hier so sehe, wirds echt Zeit, dass mein gerade fertig gewordener 25" f/2.87 Spiegel schnellstmöglich zum Beschichten kommt (Teleskop ist schon fertig).


    CS, Christian

  • Hallo René und Christian,


    vielen Dank für Euren Zuspruch! Christian, auf Dein 25" f2,87 Teleskop sind wir natürlich sehr gespannt. Wahrscheinlich kannst Du damit die ganze Nacht im Sitzen beobachten. :)


    Viele Grüße

    Johannes

  • Servus Johannes!

    Da hattest Du aber sehr gute Bedingungen Johannes. Eine beeindruckende Zeichnung ist dir da von M57 gelungen. Gratulation zur erfolgreichen Sichtung und Dokumentation des Halos!

    Ich denke mit 16" wird das sehr schwer. Danke fürs zeigen.


    Grüße Roland :) :)

  • Hallo Johannes,

    grandios!

    Ich habe gestern mit meinem „kleinen“ 15er Obsession (auch mit Argo und Servo) ebenfalls ausgiebig M57 beobachtet, das Seeing war sehr schön ruhig und ich konnte hoch vergrößern. Zentralstern ging indirekt - nicht stabil, und ich meine auch ansatzweise Fragmente des Halos gesehen hu haben, halt da wo die helleren Teile an den eigentlichen Ring anliegen…

    Natürlich kein Vergleich mit Deiner Skizze… Ich warte sehnsüchtig auf meinen neuen großen Dobs… dann kann ich hoffentlich auch so tolle Beobachtungserlebnisse haben.


    Tolle Zeichnung!


    Beste Grüße,

    Rainer

  • Servus Johannes,


    da hattest du ja geniale Bedinungen! Starke Zeichnungen! M 57 finde ich besonders beeindruckend. Was für eine Sichtung, da machst du ja O'Meara Konkurrenz.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Mein Verein: Astronomische Gesellschaft Buchloe e.V.

    Meine Ausrüstung:

    Teleskope: 22" (560 mm)  f/3.5 Dobson (Martini / Oldham Optical)  –  Omegon Ritchey-Chretien Pro RC 203/1624; Montierung: iOptron CEM40G  –  Ferngläser (8 x 42, 20 x 60)

    Kamera: Canon EOS 6D Mark II (Vollformat, unmodifiziert); Kameraobjektiv: meist Canon EF-200 mm f/2.8 Teleobjektiv

  • Hallo Werner, Roland, Rainer, Stathis und Christoph,


    besten Dank für die Glückwünsche.


    Rainer und Stathis, Ihr meint vermutlich diese Fransen oder Büschel, die an manchen Stellen aus dem Ring nach außen wachsen. Das sind die helleren Halo-Fragmente. Deren Verlängerungen bis zum äußeren Ring sowie dieser Ring selbst sind schwächer, aber offenbar doch möglich. Ich hatte diese Beobachtung gar nicht geplant und war selbst überrascht davon, daß da was geht.


    Rainer, was Servocat und Argo Navis angeht, sind wir wohl Gesinnungsgenossen. Das freut mich sehr! Wann kommt denn Dein großer Dobson, und was für ein Modell ist das?


    Christoph, Du hast jüngst ja auch schöne Zeichnungen von Galaxien und Nebeln präsentiert. Da kommen sicher noch beeindruckende Skizzen, wenn Ihr zwei (Du und Dein neuer 22") Euch so richtig aneinander gewöhnt habt. Aber wer ist O'Meara?


    Viele Grüße

    Johannes

  • Servus Johannes,


    O'Meara ist ein berühmter visueller Beobachter aus den USA. Er hat beispielsweise mit einem 60cm-Teleskop in den 80er Jahren als erster visuelle den Halleyschen Kometen mit 19m6 gesehen, gezeichnet und nachgewiesen. Seine Beobachtungen sind legandär. Er hat auch Bücher geschrieben, so z.B. die Hidden Treasures. O'Meara hat Ausnahmeaugen, die auch unter Laborbedingungen getestet wurden. Er sieht mit bloßem Auge bis 8m4 (bei passendem Himmel). O'Meara hat auch viele der englischsprachigen Namen für Deep Sky Objekte "erschaffen". Er war schon als Kind/Jugendlicher bekannt für seine Beobachtungen und erhielt viele Ehrungen. Er ist aber Amateur geblieben. Sein Geld verdient er, soweit ich weiß, als Vulkanologe und bei National Geographic. Schau dir z.B. mal seine Hidden Treasures an. ;)


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Mein Verein: Astronomische Gesellschaft Buchloe e.V.

    Meine Ausrüstung:

    Teleskope: 22" (560 mm)  f/3.5 Dobson (Martini / Oldham Optical)  –  Omegon Ritchey-Chretien Pro RC 203/1624; Montierung: iOptron CEM40G  –  Ferngläser (8 x 42, 20 x 60)

    Kamera: Canon EOS 6D Mark II (Vollformat, unmodifiziert); Kameraobjektiv: meist Canon EF-200 mm f/2.8 Teleobjektiv

  • Servus,


    Ja, super Beobachtungen, da waren die Bedingungenbauf der Alb wohl ziemlich optimal ! Sehr eindrucksvoll.


    Was ich mich allerdings bei diesen sehr schwachen Details und Grenzwahrnehmungen dieser Art immer frage: Kanntest Du schon (ggf. Ja vielleicht auch gut eingeprägt) Bilder dieser Details - hier im Fall von M57 - oder wusstest Du nur 'da ist was zu sehen' und konntest (!) daher wirklich absolut nur Deine Wahrnehmung zeichnen ? Wie würdest Du das bewerten für diesen Fall ?


    Am besten ist es natürlich mit so wenig bias wie möglich zu beobachten.

    Andererseits ist auch gut, zu wissen, es gibt hier ein lohnendes Detail... Sonst gibt man sich ja auch nicht so viel Mühe...


    Aber bei manchen Objekten weiss man natürlich wie sie aussehen. Da kann man - auf diesem grenzwertigen Level - manchmal ja sich selber nicht mehr über den Weg trauen. Das ist schon ein Problem für unser visuelles Metier !


    Also nur zur Klarstellung, damit ich nicht misverstanden werde: das sollen gar keine 'Unterstellungen' irgendwelcher Art sein, überhaupt nicht !!! Lediglich: wie Du Deiner Erfahrung nach mit dem Bias Problem immer umgehst, wenn es um solche Wahrnehmung im Grenzbereich geht !? Würde mich - als co-DSO'ler - mal deine Praxis interessieren.


    Schöne Grüsse,

    Peter

  • Hallo Christoph,


    also mit O'Mearas 8m4 Augen kann ich sicher nicht konkurrieren. Meine Augen sind ziemlich normal. Man braucht aber auch keine übermenschlichen Fähigkeiten, um die Objekte zu sehen, die ich gezeichnet habe. Es genügen ein guter Himmel, ein großer Spiegel, viel Geduld und (meines Erachtens auch wichtig!) eine Nachführung.


    Viele Grüße

    Johannes

  • Hallo Peter,


    das Problem des Bias bei Grenzwahrnehmungen ist mir durchaus bewußt. Nach 20 Jahren Beobachtungspraxis mit großen Dobsons glaube ich aber ein Gefühl dafür entwickelt zu haben, welche visuellen Eindrücke real, und welche Artefakte oder Autosuggestionen sind.


    Außerdem habe ich ein paar Vorsichtsmaßregeln. Die wichtigste: Keine Fotos oder DSS Ausdrucke am Teleskop! Da ist einfach die Gefahr zu groß, daß man das, was man auf dem Ausdruck sieht, dann auch ins Okular projiziert. Auch sollte man Bilder der Objekte nicht zu sehr ins Gedächtnis einprägen. Natürlich muß man vor der Beobachtung wissen, daß da etwas ist, und auch ungefähr, was da ist. Aber möglichst nicht mehr. Ein Kriterium für die Echtheit einer Beobachtung sind Details oder sonstige Features (Größe, Lage etc.), die man nicht erwartet hatte. Die trägt man dann in die Zeichnung ein, und wenn sie sich beim nachträglichen Vergleich mit einem Foto als korrekt herausstellen, weiß man daß die ganze Beobachtung echt war. (Z.B. wußte ich bei der M 57 Beobachtung, daß es einen äußeren Halo gibt, aber nicht, in welchem Abstand zum Ring er sich befindet und wie er verläuft. Auch die schwachen Verbindungen zwischen Ring und Halo kannte ich vor der Beobachtung nicht. Beim nachträglichen Vergleich der Skizze mit Fotos zeigte sich aber, daß alles paßte.) Die Wahrnehmung dieser Details oder Features ist bei Grenzbeobachtungen oft sehr flüchtig, und ich bin eher konservativ in der Beurteilung solcher Phänomene. Mir ging es schon öfter so, daß ich einen solchen flüchtigen Eindruck nicht in die Zeichnung aufgenommen habe und beim nachträglichen Abgleich mit einen Foto erkannte, daß er doch real war. (Deshalb haben meine Galaxien eher einen Spiralarm zu wenig, als einen zuviel. :) )


    Es mag andere Objekte geben, bei denen man zumindest eine genaue Aufsuchkarte braucht. Wenn es in dieser Jahreszeit vom Wetter her nochmal paßt, möchte ich z.B. die Abell PNs im Adler probieren. Der steht gerade sehr praktisch. Dort gibt es einige Abell PNs, aber sie sind wohl äußerst schwach. D.h. man sieht sie auch dann nicht ohne Weiteres, wenn das Goto an die richtige Stelle führt. Bei solchen Objekten braucht man dann zumindest eine sehr genaue Aufsuchkarte am Teleskop.


    Viele Grüße

    Johannes

  • Ciao Johannes,


    Voll d'accord - das deckt sich sehr weitgehend mit meiner Philosophie, insbesondere: in direktem Zusammenhang mit der Beobachtung keine Bilder ! Ähnliches hatte ich mal praktiziert bei den Staubfilamenten auf dem Bulge von M31 (das sind nicht die grossen auf der Scheibe)

    eyes4skies - Astro / BeobachtungsReports

    Das war durchaus sehr grenzwertig. Manches ging, andere Featueres eben nicht. Allerdings spielt(e) an der Grenze auch die mit der Zeit zunehmende Ermüdung eine grosse Rolle. Nach der M31 Geschichte war ich wirklich geschafft !


    Tatsächlich mal mit Bild gearbeitet habe ich bei den Pillars of creation. Wenn man extrem selbstkritisch ist, geht das natürlich auch mal. Man muss sich dann eben nur eingestehen können, wenn man eben nichts sah !


    Natürlich ist es hinterher toll zu sehen, wenn man ein Feature tatsächlich erwischt hat, verifiziert durch Details, Position, Winkel usw. Das ist schon ne Riesen Befriedigung, absolut.


    Ich mache relativ viel mit field sweeping, das hilft enorm bei mir bei der Erkennung schwacher Details, deshalb spüre ich vielleicht gar nicht sooo ein grosses Defizit wegen fehlendem Tracking. An die Zeit mit (parallaktischem) C11 kann ich mich (seit dem 20er Dob) da kaum mehr erinnern.


    Ätzende Stolpersteine finde ich allerdings sowas wie Sternreihen (wie auch bei Dir im M57 Bild z.T.). Mein visuellerCortex holt da sofort das Lineal (oder Zirkel, was so gebraucht wird ;) ) raus und macht ne Linie durch, die für mich subjektiv fast nicht zu ignorieren ist. Z.T. deswegen hatte ich das auch mal thematisieren wollen. Andererseits braucht man die Sterne halt unbedingt zur relativen Positionierung des Gesehenen...


    Kürzlich hatte ich in CN eine etwas 'intensivere' Diskussion, weil ich gewagt hatte zu sagen 'really ? I can hardly believe', dass ein 16.5" Beobachter tatsächlich 3 Komponenten des Einsteinkreuzes gesehen haben will (auch noch mit 'direct vision', also kein indirektes Sehen). Aber in USA wird das Ganze auch gerne nochmal gepusht. Andererseits gibt's da schon sehr erfahrene Beobachter und gute Locations, kein Zweifel. In 20"+ scheint hierbei auch durchaus was zu gehen, das haben einige versichert. Ich werd's also nochmal checken... 8|


    Ich habe auch noch zwei 17.3mag Sterne auf meiner 'Wanted' Liste. Wollte ich eigentlich streichen 17mag hielt ich bisher für das 20" Limit) aber die Amis haben mich jetzt aufgestachelt...


    Ich finds daher insgesamt gut, wenn die Latte hier bei uns hin und wieder mal etwas höher gelegt wird, durch solche Berichte wie diesen. :thumbup: Also alles bestens !


    Dann weiter noch coole Beobachtungen, und maximal dunkle Nächte,

    Peter

  • Hallo Peter,


    na prima, da sind wir uns weitestgehend einig! Deinen blog kannte ich noch gar nicht. Danke für den Link. Wie ich sehe, gehst Du bei der Beobachtung auch gerne mal ins Extrem und testest die Grenzen, um sie nach Möglichkeit ein wenig weiter hinaus zu schieben. Das ist auch mein Zugang.


    Viele Grüße

    Johannes

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