Eine kleine Voralpenrunde

  • Ich bin jetzt selbst gespannt, wie der Bericht am Ende aussieht - vermutlich wird er "vogelwild", wie man in Bayern zu sagen pflegt. Die Rundreise ist eine gute Gelegenheit, mal meine hiesige Autorenlizenz auszureizen und euch mit Bildern zu fluten - ich hoffe, es gefällt :)


    Lasst uns die Reise mal gemeinsam beginnen.

    Das frühe Jahr hatte einiges an klaren Lücken zu bieten, dies begann gefühlt Ende Februar...


    Zunächst einfach mehrere Abende mit Spaziergängen zum Feierabend, wenige Minuten von der Haustür entfernt, mit dem Fernglas in der Hand, immer wieder mal auf die gängigen Häufchen schauend, die frische Luft genießend...wie etwa die am 26.02. und 27.02. entstandenen Panoramen zeigen...


    Südlich von München




    Im zweiten Bild ganz rechts, kurz vor der Baumgruppe, ist mein Beobachtungsplatz, an dem ich vor einiger Zeit das JWST beobachtet habe und mit Alex den Erdbahnkreuzer.


    Ich liebe diesen Weg durch das Landschaftsschutzgebiet, tagsüber voll mit Spaziergängern, nachts wunderbar leer, ruhig, zum Flanieren unter den Sternen einladend. Auch führt dieser befestigte Weg nach einer guten Viertelstunde Radelei zu einer sogenannten Keltenschanze, die ca. 2000 vor Christus angelegt wurde. Hab die genauen HIntergründe vergessen, jedenfalls gabs in der Mitte des Objekts früher Opfergaben. Die nachstehend abgebildete Schanze liegt eindrucksvoll in der Landschaft und ich finde es faszinierend, auf so einem Stück GEschichte meinen Fuß zu setzen. Gerade fürs Beobachten ist dieser Platz nett abgelegen und ohne direktes Licht. Generell eine tolle Atmosphäre - eine Umgebung, in der ich erneut mit Alex kürzlich den Hesiodus-Strahl vom Mond beobachtet haben. In so einer Kultstätte so ein klingendes Objekt vom Mond beobachten... das hatte schon irgendwas Spezielles. Nachstehend chille ich einfach im Mondenschein und hoffe auf ein paar Boliden... etwas vorgreifend, denn dies war bereits am 10.03.





    Einen späten Abend erwischte ich sogar einen Boliden genau auf dem Fahrrad sitzend, während ich über das Feld fuhr - nicht sonderlich hell, aber zerfallend in mehrere Stücke. Toll.


    So versuchte ich die wolkenlose Zeit zu nutzen,in welcher der MOnd störte oder der HImmel generell nicht gut genug für besondere Aktionen war.


    Zunächst aber mal wieder chronologisch.



    01.03.22 - Warngau



    Seit Tagen Beobachtungsalarm für mehrere Tage. Am Berg aber: Minus 8 Grad herum oder gar kälter bei eher so mittelguten Bedingungen von 60-80 Prozent Feuchte. Eine Nacht sollte trockener werden, 40% - Brauneckterrasse. Gleichzeitig 8 Grad wärmer mit knapp unter 0. Aber: leider in den Mittwoch hineinreichend und zunächst kompliziert vom Urlaub her. Dienstag war von hause aus wegen Fasching frei, den Montag zunächst freigenommenen Tag ließ ich dann sausen, um Dienstag auf Mittwoch Nacht eine Exkursion zu starten – und saß am Montag bei Sonnenschein im Büro. Eigentlich war am Abend dafür eine Exkursion Richtung Osterhofen oder Warngau oder dergleichen geplant, aber es wurde zu spät. So blieb ich zu Hause und exkursierte zur Keltenschanze und knipste bissel herum.


    Doof eigentlich, es nicht weiter nach Süden geschafft zu haben, denn auf einmal zeigte sich: für Dienstag auf Mittwoch sollten nun Zirren kommen! Entgeistert blickte ich Montags auf den Arbeitsrechner. Allerdings sollten die Zirren nach Prognose ungefähr auf Wendelsteinlinie im Osten Halt machen und nicht unbedingt weiter vorrücken. Gegen 22Uhr spätestens jedenfalls musste man mit den ersten Zirren rechnen. Da auf den Berg hoch wäre Quatsch, denn die ganze Nacht unter Zirren verbringen, das macht man 1,2 mal mit, aber freiwillig kein drittes Mal. So war anvisiert, nach Osterhofen zu fahren und auf Hochkreuth zu wandern, 200 Höhenmeter hoch, entweder mit Dobson oder Apo. Es lieft auf letzteres hinaus, denn es stand zudem vorher noch Basketball an. Um das unter einen Hut zu bekommen, ging der Apo mit Stativ und Wollsocken mit zum Basketballplatz, um direkt von dort aus starten zu können ohne Zeitverlust. Also 2-3 Stunden vor Ort auf Hochkreuth nutzen, dann mit dem letzten Zug wieder zurück. Natürlich wurde das alles auch wieder zu knapp – zu schön war die Abendsonne auf dem Basketballplatz. So wurde es der nächstgelegendste gute Platz: Warngau. Pünktlich um 20 Uhr dort mit Einbruch der Dunkelheit konnten es nun 3 Stunden werden bis 23 Uhr, wann die letzte Bahn langsam anvisiert werden muss (23.21 Uhr).

    Schon während der Abendsonne kamen erste Zirren auf. Es schien eine gute Entscheidung, auf den Berg verzichtet zu haben. In Warngau war es schon recht frisch – im Zug wechselte ich bereits von Sport – auf Wollsocken. Auf der ersten Bank auf dem Acker kam die Unterhose und Daunenjacke dran. Ahhhhh, fühlte sich gleich anders an. Der Himmel war noch nicht so der Hit, die Zirren waren natürlich auch schon vertreten, aber moderat. Gemütlich spazierte ich die 10 Minuten weiter hinter zu meinem vertrauten Plätzchen und legte erstmal die ganzen Sachen ab. Ich spazierte so befreit den Feldweg weiter Richtung Waldrand, Richtung Scheune mit ein paar Bäumen umrahmt. Ah!!! Das hatte ich ganz vergessen. Diesen Anblick... Der Orion und der große Hund umrahmten dekorativ das ohnehin schon schöne ländliche Ensemble. Ich ging alsbald zurück zu meinem Rucksack und holte die Kamera ...





    Allein für diese Bilder hat sich für mich der Ausflug nach Warngau schon rentiert. Ein Flugzeug flog ganz knapp an den Plejaden vorbei und ich schnappte mir in Windeseile das Fernglas, um diesen Anblick zu erhaschen. Präventiv legte ich das Glas direkt unverpackt auf den Rucksack, nur mit der Rucksackklappe bedeckt, um bei wiederholten Ereignissen dieser Sorte das Glas gleich am Auge haben zu können.


    Ich nutzte die klaren Lücken, die v.a. Beim Orion zu finden waren und im Fuhrmann. Sonst schwenke ich eher nur fix über M 36-38 aber dieses mal schaute ich genauer auf die Haufen mit dem 72er Apo. M 38 hat noch einen kleinen Begleithaufen, NGC 1907. Das sah der M35-Konstellation sehr ähnlich, allerdings gefiel mir diese Version hier fast besser: der kleine nebenstehende Haufen war funkelnder, kleiner. Sehr schönes Ziel! Ich verglich recht zeitnah mit dem „Original“, M 35 und fühlte mich bestätigt, die Variante im Fuhrmannn fand ich gerade schicker. Bemerkenswert auch der Haufen am anderen Ende der „Haufen-Dreierkette“. M 37, dieser dichte Haufen hatte die Besonderheit eines helleren Sterns genau in der Mitte. Wenn ich diesen bei mittlerer Vergrößerung im 13mm Okular fixierte, schien ein dunkler Ring um den Stern zu entstehen und es entstand die Illusion eines Loches um den hellen Stern, wie eine Höhle, seltsam plastisch. Natürlich ist dies nur ein Effekt vom Auge, allerdings sehr interessant wie ich fand. Sobald ich indirekt auf den Haufen schaute, war der vermeintliche Ring, die Höhlung weg und der Sternhaufen gleichmäßig dicht ohne Loch, nur eben mit dem helleren Stern in der Mitte. Ich hoffe ich habe bei der Seitenverkehrtheit mit dem Zenitspiegel nicht die Nummern durcheinandergeschmissen... Das Bild mit dem Apo zeigt mich genau in dem Augenblick der Beobachtung dieser Haufen.


    Leos Triplett war vollständig sichtbar, hat mich aber dieses mal nicht so überzeugt, obwohl der Löwe schon gut hoch stand. Es war eben doch noch München irgendwo störend und der Himmel noch recht grau. Allerdings war die Wintermilchstraße gut zu erkennen. Ich versuchte mich an NGC 2903 und war gespannt, denn die hatte ich mit 72 mm noch nie aufgesucht. Tatsächlich ein hübscher Anblick, ein Dreieck bildend mit den beiden 7mag Sternen, die mir auch zur genaueren Lokalisierung im 12x42 Fernglas dienten, wo die Galaxie auch sofort gut sichtbar war.

    Wunderschöner Anblick von NGC 2903 in selbst diesem kleinen Gerät. Ich sah im 72mm Apo ein schwaches Sternchen gerade so und stellte in skysafari fest: 12m8. Desweiteren war in skysafari ein 13m1 Sternchen in der Nähe der Galaxie. Okayyyy.....versuch ich mal. Und Tatsache: recht schwierig aber gut reproduzierbar tauchte auch dieses Sternchen auf. Wow, mit 72 mm und diesem durchschnittlichen Landhimmel! Wobei... das Seeing war auf einmal gut. Die helleren Sterne schienen kaum zu flackern, es ging auch nicht das leiseste Lüftchen. Da war ich froh drum. Denn längst war das Thermometer bei Werten von Minus 5 angelangt, und ich hatte in Anbetracht des Kurztrips nur meine dünne Hose dabei. So war es angenehm temperiert, obwohl die Limo schon Anstalten machte, zu kristallisieren.

    In der Ferne ein leises „Uuuhu.“ Schon wieder „Uuuhu.“ Ich hielt inne um nicht das kleinste Geräusch wie einer raschelnden Jacke zu machen, damit ich ganz sicher war: Tatsache, ein Uhu!!! Seine Rufe begleiteten mich nun eine ganze Weile, so oft habe ich dies noch nie hintereinander gehört. Toll.

    Die Zirren waren mittlerweile praktisch vollkommen verschwunden und die Uhr sagte: 22.30 Uhr. Na super! Jetzt wo der Himmel richtig gut wurde, ists schon gleich vorbei, wenn ich nicht auf den 5 Uhr-Zug warten will... mit zu wenig Verpflegung, zu dünner Hose.


    Schweren Herzens packte ich zusammen und blieb mehrfach sehnsüchtig stehen, um mich Richtung Orion über dem Acker umzudrehen. Wer weiß, wann ich hier je wieder herkäme?


    In der Bahn aka "BOB" sitzend und den Fahrplan checkend zeigte sich, dass Umsteigen angesagt war in einen SEV-Bus. Und: Anschluss unsicher, da S-Bahn Verspätung hat. Oha. Aber Glück im Unglück: der SEV-Bus sollte ab Deisenhofen fahren, direkt um die Ecke von meiner vielbesuchten Keltenschanze.

    Vor dem Umsteigen in die S-Bahn stand ich erstmal in einer Mischung aus Unschlüssigkeit, Wahnwitz und Dummdudelei vor dem Snackautomaten und überlegte halblaut mit Blick auf den Automaten, ob man nicht doch noch ganz spontan Richtung Berge...

    Aber das ließ ich natürlich. Bzgl. Ersatzverkehr...Die Chance,den Bus noch zu erwischen war durchaus gegeben, aber mit gewisser Hektik. Ich entschloss mich jedoch spontan für eine Nachtwanderung und den SEV-Bus direkt zu ignorieren und ganz gemütlich aus der S-Bahn auszusteigen. Ich liebe leere Straßen bei Nacht. So stapfte ich mit meinem Apo-Rucksack und Stativ in der Hand durch den Ort, bewunderte die vielen Geschäfte, den recht bunten Ortskern und kam alsbald auf dem Feld an. An der Kreuzung Richtung Keltenschanze entschied ich mich jedoch, direkt gleich nach Hause zu wandern, der Himmel war hier natürlich deutlich heller und ein sinnvolles Programm gab es jetzt nicht für mich. Außer eben: unter dem Sternenhimmel spazieren und auf Sternschnuppen hoffen oder einfach die frische Luft unter dem freien Himmel zu genießen. So spazierte ich, aus Spaß immer mit dem Feuchtemesser in der Hand, unter dem Himmel über die Felder und Fluren anderthalb Stunden nach Hause.



    08.03. - Brauneck


    Irgendwas muss noch einmal auf dem Berg gehen. Die unfassbar lange Schönwetterperiode konnte ich bisher nur bedingt nutzen, eine Nacht vor genau einer Woche wäre auch auf der Brauneckterrasse möglich gewesen, jedoch haben mich persistente Zirrenprognosen davon abgehalten – gegen 22 Uhr herum sollten diese recht sicher kommen. Taten sie auch, waren ab 23 Uhr entgegen der Vorhersagen dann aber flächendeckend wieder verschwunden und ließen eine komplette tolle Nacht am Berg zu – wenn man denn gezockt hätte.

    Aber sehenden Auges eine ganze Nacht sinnlos unter Zirren auf dem Berg hocken... nä.

    So kam es anders als man dachte und ich genoss immerhin ein paar tolle Stunden in Warngau, siehe anderer Bericht.

    Heute aber war es soweit. Wieder Dienstag auf Mittwoch. Komisch, statistisch gesehen extrem häufig klarer guter Himmel genau zum Ruhetag des Brauneckgipfelhauses, wo ich die Terrasse für mich ganz alleine habe. So auch dieses mal. Zwar sind andere Nächte auch klar aktuell, allerdings war dies die Nacht mit der geringsten angesagten Feuchte – bis zu 20-30% herum sollte es runter gehen, während andere Nächte eher bei 50 herum lägen.


    Der Pferdefuß: der Mond. Der sollte noch bis 1 Uhr stören. Allerdings: die Pistenraupen wären ohnehin noch bis Mitternacht herum eine zumindest potentielle Störquelle, sodass dies Glück im Unglück wäre. Es würden auf jeden Fall 4 h Deepsky verbleiben. WENN die Zirren wegbleiben. Natürlich waren die schon wieder angesagt. Der Witz dabei – uhrzeitentechnisch exakt zu dem Zeitpunkt vorhergesagt, wenn der Mond verschwindet. Mond weg, Zirren da. So wäre es im dümmsten Fall. Man fühlt sich da schon... sagen wir mal verschaukelt.


    Es war jedoch die letzte sinnvolle Chance vor dem Umzug aller Voraussicht nach. Die letzte Braunecknacht für unabsehbar lange Zeit. Ich musste es riskieren. Im Zweifelsfall einfach trotz Mond die ruhige Stimmung genießen, in alten Zeiten schwelgen, auf Boliden hoffen, Mond gucken. Wäre es mir unterm Strich auch schon wert.


    Mit einem breiten Grinsen stapfe ich die letzten Höhenmeter Richtung Beobachtungsplatz. Jedoch haben Bänke eine magische Anziehungskraft auf mich und ich hocke mich erstmal gemütlich hin. Sonnenbrille vergessen, entsprechend haut die knallende Sonne rein...


     



    Heute ist der Schnee griffig, man rutscht kaum weg, super.

    Zu meiner Freude war dieses mal am Berg vergleichsweise wenig los und die Kassiererin an der Bergbahnkasse meinte, es wäre März meistens so. So war ich auf der Terrasse tatsächlich recht bald alleine bis auf ganz vereinzelte Skifahrer. Den Sonnenuntergang hatte ich ganz für mich alleine. Ich spazierte einmal um das Gipfelhaus auf den Höhenweg und genoss die wahnsinnig schöne Lichtstimmung. Die Bank auf dem Höhenweg war komplett eingeschneit, nur noch das Fernröhrchen guckte in Schienbeinhöhe aus dem Schnee.


    Vorher jedoch pulte ich "Telescope-Man" aus dem blauen Transportlumpen, der mir nebenbei als extrem zuverlässige Jacke diente. Auch terrassentaugliche Beschäftigung:

    Chillen in der Sonne mit dem Atlas auf den Knien...


       




    Das Ganze noch einmal im Weitfeldmodus....



    Oben war es leicht windig, unten auf der Terrasse praktisch wieder windstill. Und: dies sollte die ganze Nacht so bleiben.



    Ich staune jedes mal, wie schnell die Zeit am Berg vergeht. Zahlenmäßig ein Wahnsinn: 16 Uhr oben bedeutete dies, 9 (!) Stunden auf Deepsky warten. Einfach irre. Oder? Aber nach 11 Jahren weiß ich, dass die Zeit da oben ihren eigenen Gang hat. Die Lichtstimmungen, die Atmosphäre, lässt die Zeit gleichermaßen still stehen wie schnell vergehen. Zeit – hat am Berg eine andere Dimension.

    Sobald der letzte Sonnenstrahl die Terrasse traf, war es mit Minus 4 Grad durchaus etwas frisch. Ich wechselte auf Skihose und die dicken Wollsocken und warf die Daunenjacke über. Schon besser.

    18 Uhr und die Strahler der Pistenraupen wurden langsam aktiv. Ungewöhnlich, das letzte mal wo ich oben war, war es noch dunkel als sie loslegten. Der Frühling kommt...

    Ich aß gemütlich was , baute noch gemütlicher auf, irgendwann bequemte ich mich zu justieren und schaute auf den Mond. Zunächst stellte ich fest, das zuhause gelassene Fernglas war natürlich wieder ein kleiner Fehler – denn die dicke Mondsichel stand gefühlt nur 3-4 Grad von den Plejaden entfernt... Aber genau wie die Kamera samt kleinem Stativ, blieb das Fernglas zu hause. Der Dobson sollte meine volle Aufmerksamkeit bekommen. Das Geschleppe reduziert sich so um gut 2 kg und ich lasse mir Raum, die Stille und Atmosphäre zu genießen statt mit Technik zu hantieren bei Minus 5 Grad herum, zumal ich ohnehin schon hunderte Brauneckbilder habe.




    am rechten Ende der horizontalen im Abendrot liegenden Bergkette - das ist übrigens die Zugspitze...



    Der Mond zeigte ausgesprochen interessante Details, das Seeing war leider eher bescheiden, bei knapp 200fach war es schon am Wabern, zeitweilig richtig fies. Aber was an kleinen Rillen, seltsamen tropfenförmigen Kratern und Terrassen und witzigen Strukturen wie z. B. einem Kleeblatt erkennbar war, hat mich durchaus beeindruckt.


    Der Mond erhellte die schneebedeckte Landschaft und lud zu einem neuerlichen Spaziergang zum Höhenweg ein. Hier misste ich die Kamera tatsächlich, aber man kann eh selten so photographieren, dass es die Stimmung richtig widergibt, Der Mond schien sich fast zu spiegeln im glattgetretenen Schneehang und die Wintersternbilder funkelten darüber. Der Schnee knatschte unter meinem Füßen.


    Ein Waldkauz!




    Sein Ruf hallte aus dem Tal bzw. den tiefer gelegenen Hügeln der Jachenau. Ich hielt extra inne und bewegte mich nicht, um das Rascheln der Jacke zu vermeiden, um seinen Ruf ungestört zu hören und die ihn umspielende Stille zu genießen. Seine Rufe sollten mich noch ein paar Stunden begleiten.


    Erstmal war kleidungstechnisch nachrüsten angesagt, die Wollunterhose hatte eindeutig gefehlt – die Füße wurden schon langsam kalt, wo es noch nicht mal ansatzweise losging mit dem eigentlichen Beobachten. Merke: Unterhose möglichst bald anziehen, damit man nicht erst auskühlt und nicht anfängt zu frösteln. Unterhose an – dicke Jacke über die Daunenjacke noch drüber, sofort stellte sich wohlige Wärme ein. Klingt banal, fand ich aber überraschend, dass ich schon derart fettes Einmummelgerät benötigte. Man wird alt. Zusätzlich machte ich direkt nach dem Megaeinmummeln ein paar Kniebeuge. Ich musste lachen. Mit jeder Beuge mutierte ich zum menschlichen Blasebalg – ich presste die in der Kleidung gefangene Luft hoch zu meiner Brust bis sie irgendwo auf Halshöhe wohl entwich. Sehr witziges Gefühl :-))

    Der Himmel war abseits des Mondes erkennbar klasse. Das sieht man immer am Kontrast vom Mond zum umliegenden Himmel und wie die Sternbilder trotz Mondlicht herausknallen.

    So machte ich vorsorglich schon etwas Deepsky, denn ob dies nach Monduntergang noch richtig klappen würde, war ja zirrengefahrmäßig etwas unsicher.


    Geplant war der Doppelquasar in Uma. Auf der Herfahrt mit der Bahn googelte ich schon einmal wild herum, um die genaue Lage am Himmel in das Skysafari zu überführen, denn irgendwie wollte das Programm die eingegebene Bezeichnung nicht finden. So mithilfe der Koordinaten und dem DSS-Ausschnitt von Achim Strnad auf seiner Seite abgeglichen hab ich schonmal ein paar Screenshots gemacht für alle Fälle.


    Nun war es an der Zeit, mal am Himmel zu gucken, wie sich die Zielregion finden lässt. Dafür war der Mondhimmel ja super geeignet. So könnte ich bei richtiger Dunkelheit gleich loslegen ohne Zeit mit Suchen zu verlieren. Im Hintergrund säuselten die Pistenraupen getriebeartig rödelnd vor sich hin, vom Waldkauz begleitet.

    Die Zielregion vom Doppelquasar war sehr leicht gefunden und ich wette, die merke ich mir jetzt für immer. Sehr einfach. Das Zielgebiet liegt genau mittig zwischen der tollen NGC 3079 und einem optischen hellen Doppelsternchen.

    Die 14mag Sterne des Zielmusters waren allesamt schon super zu sehen trotz Mond. Im Verlauf der Nacht schaute ich immer wieder dorthin trotz Mond, wie sich der Anblick entwickelte. Selbst eine Stunde vor Monduntergang meinte ich bereits, da KÖNNte etwas sein. Da geht was! Ich war gespannt.

    Aber erstmal den Erdnussnebel besuchen. Wieder war trotz Mondlicht der Zentralstern erkennbar. Mit Filter probierte ich bei den Bedingungen was von den Halofragmenten zu sehen. Aber ich wusste nicht genau wo ich gucken musste und sah nix.

    Aus Spaß peilte ich auch auf Leos Triplett trotz Mond und wurde natürlich ernüchtert. M 3 trotz Mondlicht war dennoch schon ein Hingucker.

    Es deuteten sich schon Zirren an. Nach dem Motto „Eine Zirre mach mich noch nicht kirre“ hopste ich erstmal in den freien Stellen umher.


    Die eine oder andere Zirre bröselte in einem breiter werdenden Band auf. Bis ca. 2 Uhr hinein war keine richtig sinnvolle Beobachtung möglich, also eine Stunde nach Monduntergang war noch nicht viel los mit Deepsky. Der Himmel war zur Hälfte benetzt mit Schleiern. Ein Blick auf sat24 kündigte an, dass eine größere Lücke käme und dann wohl nochmal ein richtiger Flatschen an Zirren. Es kam gegen 2 Uhr also ein großes freies Feld und ich navigierte sofort zum Doppelquasar. Zunächst stellte ich wieder fest, wie schön die nahegelegene NGC 3079 (10m6) ist ... Was für eine schöne Galaxie!


    Hell, länglich, irgendwie gebogen, garniert von einem schwachen Sternchen, welches die Biegung anscheinend noch etwas unterstützt in der Wirkung, irgendwie ein paar unsichere Details, mit 8mm konnte ich aber nicht viel mehr ausmachen. Jedoch sehr schön gelegen auch vom Sternumfeld her.


    Eine ganze weitere Stunde, bis 3 Uhr, hing ich dann am Quasar fest und wollte unbedingt die Aufblitzer sicher verifizieren. Das war ein Kampf. Mein Blick verfestigte sich, erstarrte, wurde steif, milchig. Ich stand auf, hopste wild herum, boxte in die Luft, nahm ein paar Schluck eiskalte Cola, wahlweise eiskalte Apfelschorle, schob mir ein Bounty ein. Nochmal fixieren. DA! Ja, auf jeden Fall! DA! Wieder weg. Phasenweise kam es mir vor, als wäre da nicht nur ein aufblitzendes Pünktchen sondern gar ein Minibalken in richtiger Lage. Ganz schwer. Ganz ganz schwer. So vage und doch gleichzeitig konkret wie ein Traum. Aber: zumindest das Objekt an sich - definitiv gesehen. Bei knapp 300fach gearbeitet, da war alles am besten zu sehen und aufzulösen an Sternen in der Zielregion. Bei 450fach mit dem Delite kam ich nicht zurecht, zu schwache Sterne wohl, schlecht zu fokussieren, ich sah einfach nix damit.


    Puh. Das war ECHT Arbeit. Zu ich sag mal 15% der Zeit gesehen. Am besten wenn ich rechts oberhalb hinschaute und mich auf links unterhalb konzentrierte indirekt.


    In Leo Minor hab ich mir mal im Deepskyatlas eine Galaxie eingetragen, ohne zu wissen warum. PGC 30459 (15m26), mit Fragezeichen im Atlas versehen, keine Ahnung warum ich das tat, vielleicht weil die Chancen auf Sichtung gering waren, die Galaxie aber im DSS vielleicht interessant ausschaut? Vermutlich, muss ich nochmal prüfen. Denn ich bin Fan von Galaxien direkt an Sternchen dran. Und so ein Exemplar ist diese Galaxie. Unmittelbar an einem schwachen Sternchen zeigte sich mit etwas Mühe ein rundliches Nebelfleckchen. Ohne irgendwelche Details. Immerhin auch markant gelegen in einem kleinen Dreieck aus 5-6mag-Sternchen und dadurch schnell aufzufindende Zielregion.


    Ich musste mich mal kurz hinlegen, wie ein Hund auf der Decke vor dem Sofa lag ich im Eingang des Gipfelhauses um den Rücken wieder geradezubiegen und die Muskeln von der angestrengten Haltung zu erholen. Mir entfleuchte ein „Ahhhhh!.!“

    Ich blickte schräg aus dem überdachten Eingangsbereich nach „draußen“.

    Der Himmel war mittlerweile alpin, so wie man es bei einer Luftfeuchte um die 20% auch erhofft. Seit meiner ersten Doppelquasar-Beobachtung bzw. dem Versuch hat sich der große Wagen auf den Kopf gestellt.

    Nach ein paar Minuten saß ich wieder mit dem Auge am Dobson.

    Der alpine Himmel zeigt sich am besten an M 51. Wow. DAS ist Deepsky... Eine tolle Spirale, die Arme wirkten eckig gewinkelt. Im 17mm Okular am ästhetischsten, wobei das 13er natürlich mehr zeigt, aber 17 fand ich schöner.


    Ich hetzte erstmal von einem Showpiece zum nächsten um die klare Lücke erlebnismäßig gut zu nutzen. Nur Kampf, das darf in dieser Nacht nicht sein. Es muss was funkelndes tolles her. Also nochmal zu M3. Wow. Einfach nur wow. Ich frevelte Richtung M 13. Heieiei. Bei diesem Himmel geht’s bei dem Teil nochmal richtig vorwärts. Was will man da schreiben. Ein leuchtender Ball voller funkelnder Sterne. Der Sombreronebel M 104. Man, da müht man sich ab bei diversen Funzeln, dabei liegt da so eine zauberhafte Sterneninsel am Himmel. So ein Objekt entschädigt für das ganze angestrengte Gegucke, für alle Mühen auf den Berg zu kommen. Mir fällt hier nix anderes als zauberhaft ein, um dieses von einem Dunkelband zerteilte Welteninselchen zu beschreiben.

    Die tolle Nadel 4565 musste natürlich ran, im 17mm am schönsten und hellsten, mit noch schön Feld drumrum. Einfach toll mit dem Staubband. Auch der Fischhaken und Walfisch um die Ecke , beide natürlich zusammen in einem Sehfeld, der Fischhaken klar erkennbar, mussten natürlich dran glauben, ein Standardziel wenn mal schnell mal was tolles Aufsaugen will. Hickson 61, The Box, hab ich irgendwie nicht finden können bei der Hektik, stattdessen bin ich bei diversen anderen undefinierbaren Wuschel-Galaxien langgerutscht.

    Jetzt mal endlich ein paar neue Objekte. Der Atlas hatte noch zig Pfeile die ich eingeklebt habe zu bieten. Statt mal eine helle Galaxie anzuvisieren, wo ich nen Pfeil dranhatte, übersah ich diese und so wurde es etwas arpsig... Arp. 266 (NGC 4861, 12m5) zuerst...

    Hier bot sich ein interessanter Anblick in einem attraktiven Sternumfeld. Zwischen zwei schwachen Sternchen schien ein längliches Nebelchen eingekesselt, am oberen Sternchen beginnen mit einer kleinen Kondensierung um das Sternchen herum und dann fast bis zum nächsten Sternchen reichend, vielleicht etwas versetzt von der exakten Achse, bisl Richtung am Sternchen vorbei, mit dem 8 mm Okular gleich drauf (170fach)

    Die nächste Arp (Nr. 193) bzw. IC 883 (14m7) lässt wieder mal die Frage aufkommen, was und warum zum Geier ich da markiert habe. Es zeigte sich nur schwach ein Nebelpärchen, eng zusammen, rundlich, nix weiter zu erkennen, bei keiner Vergrößerung.

    UGC 7321 (?), eine in meiner Erinnerung supertolle Superthin hab ich nochmal besucht, in freudiger Erwartung sozusagen. Keine Ahnung woran es lag, trotz super Himmel zierte sie sich etwas – war zwar am Ende gut zu sehen aber nicht eben einfach. Bei meiner ersten Sichtung vor Jahren war das nicht auf dem Berg sondern in Geitau, einen knappen Kilometer weiter unten! Und da war die wunderschön und einfach. Eigenartig. Wirklich Zeit für eine neue Verspiegelung offenbar, um die Spuren des ehemals unglücklich abrasiv-rubbelnden Deckels zu beheben.

    Zeit für was gscheits. Seyfferts Sextett (HCG 79 / NGC 6027) hab ich bisher immer verpasst zu einer guten Stunde zu erwischen, meist war es dann schon Herbst und das Objekt in der Lichtverschmutzung bei meinen Plätzen. Im Südwesten hab ich immer LV, egal wo ich bin.

    Heute stand das Teil perfekt. Wann wenn nicht bei diesem Himmel!! Es zeigte sich im 13mm sofort ein recht großer bröseliger Flatschen. Mit 8mm sah ich dann 2-3 unterschiedliche längliche Boppel. Mit knapp 300fach wurde es etwas besser auflösbar aber vielmehr als diese 3 konnte ich nicht erkennen. Mit etwas Einbildung vielleicht noch einen schwachen vierten der länglich aufsitzt. Hab ich aber nicht gezeichnet, viel zu vage. Eine megarohe Skizze hab ich wenigstens mal angefertigt.

    Mehr war für mich nicht zu holen, selbst bei diesen Bedingungen. Interessanterweise entspricht dies recht genau dem, was ich bei normal gutem Landhimmel in Erinnerung habe – in der Heimat.

    Ca. eine Dreiviertelstunde hab ich dran gesessen und versucht Details rauszuholen. Die Skizze hab ich ganz am Ende gemacht auf die Schnelle.

    Eine alte Rechnung musste noch beglichen werden. UGC 10477, die dünne Galaxie bei M 13, die markant zwischen zwei Sternchen hängt und bei 15m23 im Visuellen herumdümpelt laut Skysafari (was die visuellen Helligkeiten bisher nach SIMBAD ganz gut widergibt). Bereits ein paar mal bei guten Bedingungen probiert und gescheitert. Das muss jetzt mal klappen! Erster Blick: Mist, schon wieder nix. Starkes Konzentrieren mit 13mm...jaaa, könnte sein! 8 mm rein in den OAZ. Ja. Da ist was. Definitiv. V.a. Das helle längliche Zentrum blitzte auf, phasenweise tatsächlich ein ganz schwacher Strich, der sich von einem Sternchen zum anderen zieht. Puh. Unfassbar, dass dieses Teil auf Photos so stark durchzeichnet und visuell nur bei besten Bedingungen geht. Meine Güte. Aber: geschafft !!!


    Mist, die Dämmerung kommt schon! In halber Verzweiflung die im letzten Sonnenlicht eruierten wesentlichen Atlasseiten um Virgo aufgeblättert und fix noch eine längliche Galaxie eingestellt, wo ich wusste, dass die fetzt – NGC4517. Sehr schnell aufzufinden, markant gelegen und ein tolles einfaches Ziel, riesig, majestätisch, hell, toll, mit einem Sternchen am Ende wenn ich mich jetzt richtig erinnere. Ich hatte eigentlich viele neue Objekte aus dem Atlas vor, aber da ich mich am Doppelquasar festgebissen habe, blieb dafür wenig Zeit. Jetzt brauchte ich visuell schnellen Durchsatz an tollen Objekten! Die hab ich natürlich nicht richtig geplant... Fehler. Extra für den Virgohaufen hab ich das 1,3 kg schwere 17mm Okular mitgenommen – und nicht einen Blick in die Virgohaufen-Ecke geworfen... keine Zeit, jetzt war der Haufen schon am Abtauchen....


    Schnell auf M 97 und M 108 mit 17 mm – toll in einem Sehfeld, die Augen der Eule recht einfach. M 109 hab ich schon vorher mal bestaunt. Schnell nochmal auf die Kugelhaufen halten, M 53 nebst Nachbar-NGC-Kugelhaufen 5053, letzterer nur noch ganz ganz schwach.

    Seit 3 Uhr hab ich mich überschlagen und hetzte von hüben nach drüben. Mal ein Feuerwerk, mal Ernüchterung, am Ende aber: einfach schön.

    Endlich wieder richtig Deespky mit dem Dobson. Trotz der Minus 4 bis letztlich Minus 6,5 Grad war mir nicht kalt, es war kein Wind und das Arbeiten auf der Terrasse eine Freude. Ich nahm sämtliche Tische und Bänke in Beschlag. Der Berg war heute wieder nur mein Revier.


    Da ISSe wieder...

    Der Dobson stand noch bereit. Ein heller Lichtpunkt zog im Süden von rechts nach links. Ah! Wenn das nicht... Rigel an, 13mm Okular rein – die dicke ISS wurde beim Fokussieren zu einer versetzten Raute, ich verfolgte sie auf Knien ca. 90 Grad lang parallel zum Horizont. Toll. Dieses mal aber nicht in Goldtönen die Segel, sondern alles +- einheitlich grellweiss, etwas innen technisch strukturiert aber hab zu sehr gewackelt für Genaueres.


    Die ersten Vögel zwitscherten verhalten in den unteren fernen Hügeln, der Waldkauz hat sich verabschiedet. Zeit für einen Tee. Die ganze Zeit habe ich mich an Cola und Apfelschorle gehalten, damit ich das Zeug leer bekomme, bevor es gefriert. Ist mir bis auf einen letzten Schluck Cola auch gelungen. So hatte ich nun den kompletten heißen Tee noch für den Morgen übrig, der mit Blick auf's morgendliche Panorama geschlürft wird.

    Sobald der erste Sonnenstrahl kam, waren einzelne erste Dohlen mit ihrem metallischen Gekrächze zu vernehmen, die in der Ferne im Pulk über den Bergen flogen. Wie als Abschiedskomittee kam der Pulk auf einmal auf mich und die Terrasse zu. Neugierig aber diesmal brav tapselten sie mit klackernden Geräuschen über die Holzterrasse und flogen zwecks besserer Aussicht bald auf den Höhenweg, um mich dabei zu beobachten, wie ich zusammenpacke. Ich drehte eine letzte Runde um meinen langjährigen Platz und filmte wortlos die Szenerie. Die Emotionen kamen hoch. Ich entdeckte noch die Banane vom Vorabend und quälte mir das mittlerweile braune und Minus 4 Grad kalte Teil hinter, denn wie meinte mal ein alter Freund von mir „ Es muss alles verwertet werden!“, während er das Salz aus einer eigentlich leeren Cashew-Dose rauspulte.



    Ich will mal etwas Platz sparen, die folgenden 3 Bilder sind zum Anklicken :)


       


    Das hier.... muss aber so rein...



    In alter Manier stapfte ich mit den 23,5 kg, die sich komischerweise wie 30 anfühlten, bewusst zu Fuß zum Bahnhof statt ein Taxi zu nehmen. Ich wollte den Morgen erleben, die frische Luft auf dem Weg atmen, Blicke zurückwerfen. Der Weg sah auf einmal so weit aus. Ich nutzte jede Bank und Abstütz-Möglichkeit für den Rucksack – in einer Mischung aus Plattheit und vorgreifender Sehnsucht.


    Eines ist sicher: I´ll be back. :folded_hands:



    Es hätte gut sein können, dass dies die letzte Beobachtung diese Saison ist, die letzte Beobachtgung in den Alpen...in Bayern... für unvorhersehbar lange Zeit.

    Der Wettergott hatte ein Einsehen mit meinen letzten Tagen in Bayern und bescherte dieses unfassbare Hoch.

    So entstand eine Nacht nach der Brauneck-Aktion zunächst der Selfi an der Keltenschanze (siehe weiter oben), einen Tag später, am Abend des 11.03. wiederum war der Hesiodus-Strahl dran.


    Am 22.03. war ich mit Stefan und Alex in Warngau, was mich ausgesprochen gefreut hat, dass wir da zusammenkamen - mit meinen beiden Astrobuddies der letzten Jahre. Das war ebenfalls eine wunderbare Aktion, die ich vielleicht auch noch einmal kurz zuzsammenfasse...Um es zunächst nicht zu lang werden zu lassen, gehe ich erstmal gleich zu der letzten Nacht über 1000 m üNN über, die Petrus vor meine Rückkehr ins schöne Brandenburg gesetzt hat...



    25.03./ 26.03. - Geitau / Spitzingalmen


    Das Brauneck habe ich noch gerade so noch ohne Sahara-Einfluss erwischt. Eine Abschiedsrunde ohne die Wendelstein-Region ist keine Abschiedsrunde. Auch wenn der Schleier der Sahara nun die Sicht trüben würde, musste es irgendwie noch in diese Ecke gehen. Das tief liegende Kälte- und Seeingloch Geitau - aber einfach zu erreichen mit toller Kulisse? Hochreuth 200 m höher? Wendelstein? Oder...?


    Auf dem Wendelstein selbst lag noch Schnee und wäre das bei den zu erwartenden weniger guten Bedingungen einfach Unfug in Sachen Aufwand/ Nutzen. So wollte ich meinen letzten Ausflug mehr als Gesamterlebnis gestalten, einfach die geliebte Region um den Wendelstein herum nochmal besuchen und genießen – schlussendlich als Nachtwanderung, mit dem Fernglas. Ganz zwanglos, ohne Hektik, ganz entspannt. Schon immer mal wollte ich auf den kleinen Vorberg, Vorsprung oder wie man diesen Platz nennen möchte, welcher auf der Wendelsteinwebcam zu sehen ist, der oftmals gerade so noch aus dem Hochnebel guckt, wenn mal Inversionswetterlage herrscht. Von diesem Platz aus würde ich sowohl auf den Wendelstein alsauch meinen Uralt-Platz in Geitau schauen können. Quasi eine Synthese aus beiden Standorten, und gleichzeitig was neues erleben.

    Die Spitzingalmen liegen auf ca. 1200 m Höhe, was einen Fußmarsch von 400 Höhenmetern gegenüber dem Bahnhof Geitau bedeutet. Im Dunklen gegen halb 11 abends kam ich gemütlich mit der Bahn an (ehemals BOB), warf noch einen Blick auf googlemaps, um nicht gleich bei der ersten Kehre in der Dunkelheit irgendwo im wahrsten Sinne des Wortes verpeilt im Wald zu verschwinden. Man sollte meinen, ich verpasse hier doch schon einige dunkle Stunden... Das ist allerdings zu verschmerzen, da eh der Sahara-Sand stört und Deepsky nur eingeschränkt ginge. Es war schlicht und ergreifend eine Nachtwanderung mit Astro-Touch, meine kleine Abschiedsrunde zu meiner Lieblingsregion, wo das Erlebnis und nicht die Transparenz zählen sollte. Daher genügte mir auch das Fernglas und die dicke Isomatte.


    Als ich aus der Bahn stieg war es Geitau-typisch bereits etwas frisch. Sobald ich in den Wald eintrat und die ersten Höhenmeter hinter/unter mich brachte, wurde es rasch wärmer. Es dauerte nicht lange, und ich war fast schon sommerlich unterwegs, nur mit einem dünnen Merino-Oberteil, keine Mütze. Kein Lüftchen ging. Ruhe. Bis auf einen Waldkauz, der mich eine Kehre vor mir begrüßte. Ich hatte die Stöcke mit, die ich vor einigen Jahren noch verächtlich ablehnte, aber mit 10 kg (keine Ahnung warum datt so schwer war), darf man das. Je näher ich dem Waldkauz kam, umso vorsichtiger setzte ich die Stecken auf, um möglichst wenig Geräusche zu machen. In so einer ruhigen Nacht kommt fast das schlechte Gewissen, wenn die Stöcke lautstark in den Kies hineinstechen. So wählte ich extra den etwas weicheren Mittelteil des Weges, wo es leiser ging. Ich redete dem Waldkauz auf der vermuteten Höhe beruhigend zu, ich wäre gleich weg. Ich hatte das Gefühl, das wirkte.

    Ich hätte erwartet, dass es im Wald finster wäre wie ein Bärena...sch, etwa wie das Wäldchen in Andechs welches zu meinem schönen Beobachtungs-Höhenweg führte. Aber nein... das noch lichte Geäst ließ genug Sternenlicht und Himmelshelligkeit hindurch, dass es hinreichend hell war. Der Forstweg ist in super Zustand. So benötige ich für den Aufstieg nicht das geringste künstliche Licht. Nach etwas Adaptation gehe ich den gesamten Weg ohne Licht durch den Wald.


    Fast schon mit Leichtigkeit ging es die sanfte Steigung hoch, die Stöcke waren wie ein zweites Paar Beine, es war nicht ansatzweise anstrengend. Mich packt der sportliche Ehrgeiz etwas … So halte ich meine alte Berg-Forstwege-Faustregel ein: ca. 10 Minuten pro 100 Höhenmeter. So bin ich dann in recht exakt einer Dreiviertelstunde auf der Alm. Ein seeliges Grinsen strahlt durch die Nacht. Es war 23.30 Uhr. Gleich als Beweis setze ich ein Lichtzeichen gen Wendelstein ab und leuchtete mal Richtung Webcam. Erst in bösem Weisslicht, dann schaute ich 10 Minuten später nochmal, ob das auch mit dem roten Radrücklicht funktioniert... Ich bin sicher, ihr findet die Funzel ohne nähere Beschreibung ;)


    Weisslicht: https://www.foto-webcam.eu/web…tein-west/2022/03/25/2330


    Rotlicht: https://www.foto-webcam.eu/web…tein-west/2022/03/25/2340



    Spoiler: es hat so gut funktioniert, dass mir am nächsten Tag der Bauer erzählte, ihn hätte ein rotes Licht vom Klo aufgescheucht, woraufhin er rausging und seinerseits herumleuchtete um die Quelle zu entdecken. Vermutlich waren die Hosen noch unten, sonst wäre er sicher noch um die Ecke gekommen. Schwein gehabt.


    Ich plaziere mich hinter der südlichsten der Almhütten, sichtgeschützt vor den anderen Almen und breite meine Isomatte aus. Der erhöhte Muckel, die Erhebung die oft knapp aus dem Nebel bei Inversionswetterlage herausschaut, lag real doch deutlich höher als der Wiesensattel hinter den Almhütten. Es war ein ziemliches Gekraxel durch die von den Rinderhufen zerwürgten Wiesen. Die Aussicht oben war klasse. Besser als gedacht, jedoch leider ohne Blick auf den Segelflugplatz Geitau, meinem alten Spot – dieser war von Fichten verdeckt. Dennoch herrlich der Blick ins Tal. Erfahrungsgemäß mögen auch Kühe und Gemsen solche exponierten Plätze und ich vermied es mal, mich im Dunklen einfach so hinzusetzen um deren Hinterlassenschaften zu vermeiden.

    Es war wirklich ungewohnt angenehm auf diesem exponierten Hügel. Nicht das leiseste Lüftchen. Ich blickte auf die hellsten Sterne, auf alle Sterne. Keine Regung. Nicht die geringste. Wow. DAS wäre jetzt bestimmt ein krasses Seeing im Teleskop. Aber die Transparenz... erwartungsgemäß nicht so doll wegen dem Sahara-Staub-Schleier. Sagen wir mal normaler Landhimmel im Resultat. Es waren 5 Grad Plus und 50 % Feuchte, also schön trocken. Dennoch ging der Strahl von meiner Fahrradleuchte wie ein breites Laserschwert hoch. Das Ziel war einfach, gemütlich die Landschaft, Natur aufsaugen, hier und da eine Sternschnuppe einfangen, Stimmungsbilder machen... und: für mich eher unüblich, mal eine kleine Selfi-Reihe knipsen, mich vor der Landschaft festhalten, der Landschaft, die mir von Beginn an in Bayern nicht nur ans Herz gewachsen ist, sondern in die ich mich sofort verliebt habe. Später fiel mir ein, wie ich ein „N“ in den Himmel hätte malen können. Ja, meinetwegen kindische Idee, aber ich ärgere mich irgendwo, dass mir die Idee vor Ort nicht richtig kam. Na vielleicht war´s besser, bevor ich die restlichen Bauern vom Klo gejagt hätte mit dem Lichtzirkus...


    So bleibt es bei ein paar halbwegs normalen Bildern, aber verzeiht mir, wenn ich da einen gewissen Ausdruck von Sehnsucht in die Bilder reingepackt habe, auch wenn ich sonst eher weniger der Selfi-Typ bin...



    Vorstehendes Bild erinnert mich selbst an das Bild in einem alten Bildband, wo ein Indianer abgebildet ist, der an der Kante einer Schlucht steht und über einen Canyion hinweg stolz in die Landschaft blickt. Bildunterschrift: "A man surveys his land" ...

    Und ja, diese Landschaft fühlt sich wie meine an. Sie ist meine zweite Heimat geworden. Genau in dieser Region bin und bleibe ich auch im Alpenverein. Das astronomische in dieser Nacht:


    Mein Fernglas wandert im Laufe der folgenden 3 dunklen Stunden von einem Kugelhaufen zum nächsten, peilt mal am OdM vorbei, der NGC 4449, mal hier, mal da... bis der Mondaufgang sich ankündigte.


    Photozeit...





    Um 4 Uhr morgens herum lege ich mich in den Schlafsack und hin und wieder grunzte es.

    Dementsprechend blinzelte ich gar nicht mal soooo kaputt in die Morgendämmerung, die ersten Vöglein fingen an zu piepsen.

    In der Ferne frühstückten ein paar Gemsen, die ich windig freihändig durch das Fernglas photographierte (siehe Anhang).


    Ich hab es die ganze Zeit irgendwie vorausgesetzt, aber als Ergänzung nachgeschoben, der markante spitze Berg, dem ich nachstehend zu Füßen liege, das ist der Wendelstein mit gut 1800 m Höhe.


    Irgendwann sah ich unten jemanden an der Hütte herumstapfen, der auch mit dem Fernglas umherschaute und wohl auch mal die Ecke inspizierte, wo er von der Nacht her was seltsames vermutete.

    Ich ging bald den Hügel hinunter auf ihn zu und winkte freundlich. Der gute hat schon einiges durch mit den hiesigen Ausflüglern und Touristen, die zelten, wild durch die Wiesen stapfen, am besten noch durch das Vieh hindurch und abseits der Wege. Verständlicherweise war der Bauer zunächst etwas mürrisch aber peu a peu konnte ich im Gespräch mit was ich da tu und meinerseits Verständnis habe da etwas Kommunikationsfreude herzaubern. Denn: um die Hütten und auf der Alm herumgeistern ist da „ungut“ um mit den Worten des Bauern die Lage zu beschreiben, die ich sehr gut nachvollziehen kann. Da will einer oben seine Ruhe haben auf der Hüttn, und dann schleicht einer um Deine Hütte.in der du schläfst...


    Also, an dieser Stelle: wer immer das liest und auch auf diese Alm möchte, bitte unbedingt auf den als solche erkennbaren Wegen bleiben, nicht über die Wiesen abseits der Wege gehen, erst recht nicht auf offener Wiese durch die Kühe hindurch, kein Müll dalassen, nicht zelten, kein Feuer etc.. und nicht in die Klofenster reinleuchten ;) Zu Wegen zählen hier keine im Internet auffindbaren

    GPS-Trails die aus welchen Gründen auch immer über die freie Wiese führen. Der einzige richtige Weg zu diesen Almen ist dort ein klar erkennbarer Forstweg, dieser ist eine Sackgasse, die genau bei den Almen endet. Soviel zu dem belehrenden Teil ;)


    Da ich einigermaßen gedöst hatte, war ich fit genug um die Zeit noch etwas zu genießen und mir die Sonnenstrahlen ins Gesicht scheinen zu lassen.





       



    Gut, dass ich die Nacht über nicht so einen Durst hatte und noch genug übrig war – und ich nix umsonst hochgeschleppt habe dann an Getränken. Die eine gerade nicht genutzte Hütte hatte ostseitig eine Terrasse mit Bankerl – wunderbar warm. Perfekt, um sich ein Tetra-Pack Kakao und zwei Müsliriegel zu gönnen.

    Gegen 10 Uhr herum stapfte ich langsam wieder Richtung Geitau. Ich stockte. Ein Greifvogel.


    Die Flugbilder von verschiedenen Greifvögeln sind mir längst vertraut und jenes welches ich gerade sah, hatte ich lange nicht gesehen, erkannte es aber sofort: ein Steinadler. Wow. Eigentlich nichts besonderes in dieser Region, aber seltsamerweise habe ich hier - soweit ich mich erinnere - noch nie einen gesehen, trotz mehr als einem Dutzend Besuchen auf dem Wendelstein und diversen zusätzlichen Wanderungen bei Tage. Den letzten Steinadler muss ich wohl vor knapp Jahren herum gesehen haben. Wie als Abschiedsgruß zog er seine Bahn über mir, passierte vorher den Hügel auf dem ich noch die Nacht verbrachte. Ich versuchte ein paar Bilder zu machen, im Tageslicht war das mit dem Handy-Display quasi ein Blindflug... und hatte doch Glück. Ein Bild durchs Fernglas lässt den Adler erkennen. Ich kann mein Glück kaum fassen, ausgerechnet heute, meinem für zunächst mal unabsehbar Zeit letzten Bergausflug vor der Rückkehr in die Heimat. Kurz zuvor sah ich noch eine Weihe über die Wiesen fliegen, hab ich hier auch noch nie gesehen.

    Das Fernglas baumelte mittlerweile beim Abstieg längst an meiner Seite. Als ich unten kurz vor Geitau an einer weiten Wiese entlangkam, hopste etwas Weisses darauf wild umher. Ein Wiesel im Winterkleid. Ein Traum, das im Fernglas zu beobachten, einfach knuffig. Freihand irgendwie windig durchs Fernglas okularprojiziert konnte ich diesees wundreschöne Erlebnis festhalten...




    In Holzkirchen umsteigend hieß es erstmal ne gute Viertelstunde auf die Sbahn warten, und da stand er wieder, der Snack-Automat. Ich warf einen Euro ein und wartete freudig auf meien Chips-Tüte. Mit der letzten Windung der Transportspirale kam was kommen musste – die Tüte hängt auf halb 8 im Automaten fest, will aber nicht herunterfallen. Gegendreschen half auch nicht. Also: zweite Tüte bezahlen und hoffen,d ass die vordere Tüte von der nachkommenden runtergeschubst wird. Das funktionierte auch. Aber nun hing die zweitgekaufte, die Schubstüte, ihrerselbst nun auf gleiche Weise in der letzten Transportspirale fest. Super. Das gleiche nun noch einmal. Neuer Euro rein, hintere Chipstüte wird nach vorn befördert, vorderste hängt wieder fest. Zwangs-Geduldig ging der vierte Euro in den Automaten. TadAAAA!!! Ich hielt nun meine gesamte Investition von Vier Euro in den Händen, in Form von vier Chipstüten. Wobei, falsch, die erste hatte ich mittlerweile aufgefuttert. Eine zweite kam recht bald hinterher. Es war halt kein Platz mehr im Rucksack, dafür umso mehr im Magen.


    Als ich in meiner Wohnung ankam, schlief ich ziemlich fix ein. Ein paar Stunden später klappert ein von Stefan bestellter Klapp-Hocker einen Feldweg des abendlichen Warngaus entlang, um am Fünfling den Erdnussnebel so entspannt zu beobachten, wie andere ihre Erdnüsse im TV-Sessel genießen.


    Mit Stefan klingt mein 11Jahre währender "Bayern-Urlaub" aus und gleichzeitig die kürzliche Schönwetterperiode.


    Zeit für die Heimat. Manchen ist es sicher zu pathetisch, vielleicht fehl am Platze, aber zumindest in irgendeiner Form möchte ich in Anbetracht dieser Zäsur an dieser Stelle meinen Dank loswerden, denn zumindest meine Berichte aus den Bergen werden bis auf seltene Intermezzi Vergangenheit sein. Alle Leute einzeln aufzuzählen, die mich auf verschiedentliche Weise in meiner Bayern- und Alpenzeit begleitet haben, euch meine Berichte aus den Bergen ermöglicht haben, mich inspiriert haben...schwierig und vielleicht auch gar nicht nötig. Wer gemeint ist, weiß dies sicher und wer sich nicht sicher ist, gerade jene/r ist gemeint :) Danke! :red_heart: :vulcan_salute:


    Liebe Leserschaft - nicht zuletzt - danke ich selbstverständlich auch euch. Das Berichteschreiben ist zu einem Hobby im Hobby geworden, und das nette Feedback beflügelt einen dabei. Vielen Dank dafür.


    Mein allerletzter Dank ist vielleicht der wichtigste. Dieser geht ganz speziell an meinen ehemaligen Chef und nach wie vor guten Freund Ralph - ohne ihn, hätte es mit hoher Wahrscheinlichkeit kaum oder vielleicht gar keine Bergberichte von mir gegeben.


    Hobe die Ehr´!

    Norman

  • Lieber Norman,


    ich hab noch nicht alles geschafft, lese und sehe es morgen zu Ende. Hab aber jetzt schon eine Gänsehaut von den Bildern und deinem Bericht. !!!


    Outstanding - im wahrsten Sinne. Vieren Dank.


    VG, Micha

  • Hi Norman,


    Woww!! Habs gerade komplett gelesen. Super dass Du den Doppelquasar mit 12" probiert hast! Gerade habe ich in meinen Aufzeichnungen nachgeschaut, konnte letztes Jahr auch mit 20" nur einen länglichen Fleck sehen aber nicht auflösen.


    Aber, Du verlässt wirklich Bayern?? Das ist ja wirklich schade.. Hoffentlich schreibst Du dann von woanders ebenso spannende Berichte!


    Clear skies


    Robin

  • Hi Robin,

    jo, bin wieder Vollzeitbrandenburger ;)


    Der Doppelquasar geht bei guten Bedingungen wohl mit 16" schon einigermaßen sicher. Bin auch nicht der erste dem das mit 12" gelungen ist, jenem sogar eindeutiger als bei mir - es gibt wohl immer jemanden der noch verrückter ist als man selbst ;)


    Ja, bin auch mal gespannt wie es weitergeht berichtetechnisch. Zunächst werde ich erstmal die hiesige Natur wieder genießen, das wird erstmal meine Exkursionen prägen.

    Ansonsten gibts noch einige Kumpels in Bayern, die u.a. vor der Bergen schon mit den Hufen scharren, und wo das eine oder andere WE reserviert ist..


    Schöne Grüße und CS

    Norman

  • Hallo Norman,


    mir fiel gleich auf, dass dein Bericht diesmal besonders lang ist - eine gute Beschäftigung für einen ruhigen Vormittag :). Und irgendwie anders - genauere Ortsbezeichnungen als sonst, und einige eigene Personenbilder. Und dann kommt das:


    Es war jedoch die letzte sinnvolle Chance vor dem Umzug aller Voraussicht nach. Die letzte Braunecknacht für unabsehbar lange Zeit.

    Da kamen mir die Abschiedsworte von Auswanderern des 19. Jahrhunderts in den Sinn, die Europa verließen um in Amerika oder Australien ihr Glück zu suchen.

    Obwohl: Norman in Australien, das gäbe sicher ganz tolle Südhimmel-Berichte ;).


    [Doppelquasar in UMa] Eine ganze weitere Stunde, bis 3 Uhr, hing ich dann am Quasar fest und wollte unbedingt die Aufblitzer sicher verifizieren. ... DA! Ja, auf jeden Fall! DA! Wieder weg. Phasenweise kam es mir vor, als wäre da nicht nur ein aufblitzendes Pünktchen sondern gar ein Minibalken in richtiger Lage. Ganz schwer. Ganz ganz schwer. So vage und doch gleichzeitig konkret wie ein Traum. Aber: zumindest das Objekt an sich - definitiv gesehen.

    Toll, gratuliere 8) Ja, deutlich doppelt hab ich ihn nur mal mit Frank's 20-Zöller in sehr guter Nacht in Erinnerung.


    Seyfferts Sextett (HCG 79 / NGC 6027) ... Heute stand das Teil perfekt. Wann wenn nicht bei diesem Himmel!! Es zeigte sich im 13mm sofort ein recht großer bröseliger Flatschen. Mit 8mm sah ich dann 2-3 unterschiedliche längliche Boppel. Mit knapp 300fach wurde es etwas besser auflösbar aber vielmehr als diese 3 konnte ich nicht erkennen. Mit etwas Einbildung vielleicht noch einen schwachen vierten der länglich aufsitzt.

    Das Teil hatte ich mit größeren Geräten um 20-Zoll +/- auch gelegentlich drin, und erinnere mich auch mal an zumindest fünf Komponenten. Mir fällt aber grad nicht ein, ob ich das je konkret aufgezeichnet habe.


    UGC 7321 (?), eine in meiner Erinnerung supertolle Superthin hab ich nochmal besucht, in freudiger Erwartung sozusagen. Keine Ahnung woran es lag, trotz super Himmel zierte sie sich etwas – war zwar am Ende gut zu sehen aber nicht eben einfach.

    Sprang bei mir auch mal im 20-Zöller an der Winterstube gar nicht so ins Auge: "... mit indirektem Sehen taucht ein dünner, geisterhafter Strich auf". Aber gerade auch das Geisterhafte war sehr reizvoll.


    Ja, wie immer toll zu lesen mit großartigen Tages- und Nachtimpressionen :) Und diesmal richtig stimmungsvoll-nostalgisch, kann mich da gut reinfühlen zu deinem Ende des "Bayern-Urlaubs". Wohin du jetzt umgezogen bist, schreibe ich an dieser Stelle nicht - Thema Spoiler-Alert. Es soll ja noch bisserl Spannung bleiben ... ^^


    Nachtrag: Ich lese gerade, dass du es bereits verraten hast. Ja, ist uns schon lieber als Australien :) .

    Ich seh grad, dass das mein 1000. ster Beitrag hier war - ist doch ein würdiger Anlass. Da wär man hier früher zum "Altmeister" befördert worden ;) .


    Servus

    Ben

  • Servus Ben,

    kurz und knapp: lieben Dank Ben :)


    Und herzlichen Glückwunsch zum 1000. Beitrag! :thumbup: :smiling_face_with_sunglasses: Ja tatsächlich, witziger Zufall, es ist mir eine Ehre und Freude gleichermaßen :)


    Ich sehe schon, der Wendelstein-Funk funktioniert ^^


    In der Tat, im Rahmen der nostalgischen Anwandlung fand ichs ganz passend, das bisl persönlicher zu gestalten mit ein paar Bildchen von meinereiner.


    Mit Bildern wo ich mich auf der schönen Hütte sonne, verschone ich aber die Allgemeinheit ;)


    Schöne Grüße und CS

    Norman

  • Hallo Norman,


    eine fantastische Zusammenstellung!

    Läßt die Erinnerung an die Zeit wachwerden als ich noch selbst vor drei Jahrzehnten (damals aus der Nähe von Freising) zum Sudelfeld/Wendelstein gefahren bin und auch zur Winterszeit Kälte und Beobachterfrust getrotzt habe.

    Wertschätzender Gruß,

    Peter

  • Moin Norman,

    Deine Berichte habe ich ja schon immer verschlungen, aber mit diesem setzt Du Dir selbst ein Denkmal. Vielen Dank fürs Mitnehmen auf diese grandiose Abschiedstour.


    Liebe Grüße aus Schleswig-Holstein

    Wolfgang

  • Heidabimbam Norman


    wenn das ein Schwabe meint, drückt das Anerkennung und Bewunderung aus!

    Da hast Du eine tolle Serie von Spechtelberichten rausgehauen, die sehr einladend beginnt.

    " Lasst uns die Reise mal gemeinsam beginnen"

    Das ist Dir zu 100% gelungen, mich hast Du voll mitgenommen.

    Dazu noch wunderbare Aufnahmen und Dein unterhaltsamer Schreibstil.

    Herzlichsten Dank dafür! :) :) :)


    Liebe Grüsse von Gerd

  • Hallo Norman



    Tolle Zusammenfassung von Deiner Abschiedstour. Und das bei diesen schwierigen Wettervorhersagen, Saharastaub und Kälte.

    Ich habe es nur einmal Heimatnah rausgeschafft und war Transparenzfrustriert. Da helfen natürlich solche Berichte auch über die Zeit,

    bis es dann selber mal wieder rausgeht.

    Vor allem bin ich jetzt auf Deine nächsten Berichte gespannt. Vielleicht werden sie jetzt auch wegen der längeren Anfahrt noch Länger ??? ;)

    Ich denke mal , daß die Alpen und Deine Erinnerungen dich täglich zur Nacht erneut rufen werden.


    Ich wünsch Dir aber alles Gute und weiteren Erfolg in Deiner alten/neuen Heimat.

    :thumbup: :thumbup: :thumbup:



    Beste Grüße und besten Himmel

  • Hallo Werner,


    hab lieben Dank für Deine nette Rückmeldung und die lieben Wünsche.


    Ja, mir ging es ähnlich mit dem Transparenzfrust, aber ich lebe ja auch vom Gesamterlebnis. Das mit der Sahara selbst war tagsüber enorm beeindruckend, da kann ich mal auf ne klare Neumondphase verzichten ;)


    Vor allem bin ich jetzt auf Deine nächsten Berichte gespannt. Vielleicht werden sie jetzt auch wegen der längeren Anfahrt noch Länger ??? ;)

    Ich denke mal , daß die Alpen und Deine Erinnerungen dich täglich zur Nacht erneut rufen werden.

    :smiling_face_with_smiling_eyes:


    Liebe Grüße und Clear Skies!

    Norman

  • Servus Norman,


    ein cooler Bericht! Danke für's virtuelle Mitnehmen auf deine Touren. Wenn ich mir vorstellen würde, dass ich wegziehen müsste und die Berge nicht mehr sehen könnte bzw. nicht mehr in die Berge fahren könnte, bekäme ich den totalen Blues. Ich vermute, dass du ebenfalls die Berge vermisst (wie ich sie vermissen würde). Für dich ist der Umzug aber offenbar die Rückkehr in die Heimat, also etwas anders, als ins Unbnekannte umzuziehen. Sooo weit weg ist Bayern aber auch nicht, wenn man planetare Maßstäbe ansetzt. Insofern wirst du hoffentlich auch in der Zukunft mal wieder den Genuss der Übernachtung auf dem Berg erleben können.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Mein Verein: Astronomische Gesellschaft Buchloe e.V.

    Meine Ausrüstung:

    Teleskope: 22" (560 mm)  f/3.5 Dobson (Martini / Oldham Optical)  –  Omegon Ritchey-Chretien Pro RC 203/1624; Montierung: iOptron CEM40G  –  Ferngläser (8 x 42, 20 x 60)

    Kamera: Canon EOS 6D Mark II (Vollformat, unmodifiziert); Kameraobjektiv: meist Canon EF-200 mm f/2.8 Teleobjektiv

  • Hallo Norman,


    da hast du wieder klasse Berichte geschrieben.....auch wenn es leider Bayern-Abschiedsberichte waren. Ich sehe es kommen, Alex und ich müssen dein Erbe antreten und so oft wie möglich auf n Berg :)


    Die beiden Warngauaktionen haben mir sehr viel Spaß gemacht- endlich mal wieder mit den Freunden draußen. Von der Samstagaktion (der Tag nach deiner Spitzingalmtour) zeige ich mal ein Bild (Haste gut hin gekriegt mit der kleinen Ricoh!):


    Mit dem Fünfling (240mm f/4,5 Rucksackdobson) hatten wir außer dem Erdnussnebel auch das OdM, die irreguläre Galaxie NGC 4445 eingestellt. Ein bemerkenswertes Objekt!

    Hochinteressant war auch der Fernglasvergleich Swarowski 12x40 Pure vs. Zeiss Conquest HD 10x32. Das Swaro ist einfach perfekt. Scharf bis zum Rand, sehr angenehmes Einblickverhalten und ein riesiges Feld- fast vergleichbar mit 100 Grad monokular. Mein Conquest HD schneidet aber auch sehr gut ab. Bedeutend leichter, stattliche 68 Grad Feld, davon ca. 60% perfekt scharf , nach außen nur ein moderater Schärfeabfall. Und vom Einblickverhalten her auch sehr angenehm- gerade noch Brillen tauglich.

    Die Zeit verging wieder zu schnell- um halb elf war Abbau angesagt, um noch den letzten Zug zurück nach München um 23.20 Uhr zu erwischen. Immerhin konnten wir den letzten Tag für eine Warngaukurzaktion gut nutzen- am Folgetag galt schon die Sommerzeit, was das Zeitfenster zwischen Dämmerungsende und letztem Zug zurück um eine Stunde verkürzte.


    Norman, dann wünsche ich dir einen guten (Beobachtungs-) Start in der Heimat und freue mich auf den ersten Bericht "Norman goes Brandenburg." 8)


    Viele Grüße,

    Stefan

  • Hi Stefan,

    hehe, danke für Deine Ergänzungen. Ja dieser Doppelselfie, jetzt weiß ich auch, warum ich die Tage danach "Rücken" hatte: da hab ich mich dermaßen mit Schwung nach hinten gebogen und stellte am Ende der Bewegung fest: Shit, die Pose musste jetzt 20 Sekunden halten :D


    Die Kamera is ne Sony ;) Ja Danke Stefan für die guten Wünsche, die Optiken halten derzeit auf diverses Federvieh hier, das Wetter meints gut zum Start.

    Gibt ja noch anderes außer Astro - und für dieses andere hab ich das Swaro geholt :)


    Dein Conquest HD ist m. E. der absolute Geheimtipp in der 32mm-Klasse, mit diesem Sehfeld, das mit en 60% klingt viel zu negativ - für mich is datt Ding fast randscharf und einfach super angenehm durchzugucken.


    Ja die Zeit vergeht schnell, wird Zeit mal wieder ne ganze Nacht durchzuziehen unter gutem Himmel.


    Alex und ich müssen dein Erbe antreten und so oft wie möglich auf n Berg :)

    So isses :)


    Wenne mit Alex zur Bergbahnrevisionszeit mithalten willst, musste aber fließig trainieren, der rennt den Berg mit 15 kg hoch als ginge es bergab... :D


    Schöne Grüße + CS!

    Norman

  • Hallo Norman,


    danke für den wunderbaren Bericht!

    Ich habe ihn zweimal gelesen und weiß, was du dir immer für eine Mühe gibst, damit jeder etwas davon hat.

    Deine Formulierungen sind legendär und deine Fotos ebenso.

    Schade, dass du aus dem schönen Bayern wieder in den fast so schönen Nord-Osten ziehst.

    Ich hoffe, wir sehen uns mal wieder, z.B. beim HTT...


    cs

    Timm

  • Hi Normi alter Freund,


    schön das Du wieder in der Heimat bist.

    Nachdem ich nun schon seit einem Monat der "Alte" in der Familie bin,

    Ich freu mich auf die "Besteigungen" des Silberberg.


    Hatte auch bei der Ankündigung Deines Umzugs

    mal ein paar Plätze in den brandenburger Höhenlagen

    ausgesucht.

    Eins ist jedenfalls sicher, Seil-und Bergbahnen werden wir nicht benötigen

    und meine 12,5" Tonne kann dann wieder mithalten.


    Also bis denne

    Ronald

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