Venus wenige Tage vor unterer Konjunktion

  • Wenige Tage vor der oberen Konjunktion am 03.06.2020 gelangen mir einige Tagesbeobachtungen mit meinem Newton 8" f/8.


    Das Aufsuchen wir mit Hilfe der Teilkreise recht einfach. Hierzu stellte ich das Teleskop zu nächst auf die Sonne. Dann bewegte ich den Newton um die Differenzkoordinaten Venus minus Sonne und hatte die Venus schon im Gesichtsfeld. Nützlich war der Omegon Premium Skylum Filter. Da er das Himmelslicht angenehm dämpft, erschien die Venus kontrastreich. Die Koordinaten entnahm ich meiner Homepage: https://www.buecke-info.de/astrotips/index.htm. Dort sind jährlich die Ephemeriden u. a. von der Venus enthalten.


    Für die Aufnahmen benutzte ich ASI 290 mc, teilweise mit zusätzlichem Rotfilter bzw. IR-Filter. Bei sehr kurzen Belichtungszeiten erzeilte ich jeweils 10000 Bilder,von denen ich 5 bis 10 % verwendet habe. Die Luft war meistens sehr unruhig und es gab nur kurze Momente mit klarer Abbildung. Für die Bilder verwendete ich den Grünknal, teilweise gemeinsam mit dem Rotkanal. Die IR-Aufnahmen zeigten mir keine Vorteile.


    Die Bilder mit sehr schmaler Sichel zeigen nicht die geometrisch exkte Phase. Da die Venus von einer dichten Atmosspäre umgeben ist, erscheinen die Hörner verlängert, weil die Sonne die Atmosshäre rückwärts aufhellt. Bei sehr guten Bedingungen kann man die fast kreisförmig geschlossene Sichel erkennen.


    Die Bilder sind vom 18., 24., 27., 29. und 30. Mai 2020:







    Weitere Daten in meiner Homepage.

  • Hallo Karl-Heinz,


    in den letzten Wochen habe ich die Venus ebenfalls etwas intensiver verfolgt, aber eher in ihrer näheren Sternenumgebung und mit deutlich kürzeren Brennweiten. Deine Fotoserie beeindruckt mich deshalb sehr, nicht nur wegen der im Foto sichtbaren Ergebnisse, sondern auch wegen der recht geringen Nähe des Planeten zur Sonne. Da würde mich interessieren, wie Du vorgegangen bist, um das unbeabsichtigte Einfallen von Sonnenlicht auszuschließen.
    Nebenbei - die obere Konjunktion hat, so meine ich, schon vor einiger Zeit stattgefunden, und jetzt ist in drei Tagen zur Abwechslung die untere dran.
    Aber das hat glücklicherweise keine Auswirkungen auf deine sehenswerten Fotos.


    Viele Grüße
    Manfred

  • Hallo Karl-Heinz,
    danke für deine interessanten Bilder!
    Ich habe schon seit Wochen visuell das Groesser- und Schmalerwerden der Venus mit meinem 63/840 verfolgt, gezeichnet und gemessen. Deine Ephemeriden waren dazu sehr hilfreich. Gestern habe ich Venus nach Koordinatendifferenz zur Sonne nicht mehr gefunden. Es war aber auch nicht ganz klar.
    Bei so geringer Distanz der Venus zur Sonne nützt beim Refraktor eine ueberlange Taukappe (zusammengerollten Pappe). Es darf kein Sonnenlicht auf das Objektiv fallen. So konnte ich sie vor Jahren bei einer Sonnendistanz von ca. 4° noch sehen. Bedingung ist aber ein sehr klarer Himmel und ein geringer Streulichthof um die Sonne. Kommt nicht oft an dem Tag vor, an dem man es braucht!
    Viele Gruesse
    Andreas

  • Hallo Andreas,


    so, wie Du es beschrieben hast, habe ich es auch probiert, denn dort oben sah es nach einem vielversprechendem Blau aus, wobei ich eigentlich gehofft hatte, dass es noch eine andere Möglichkeit gäbe, an die ich bisher noch nicht gedacht hatte.
    Nach einer halben oder dreiviertel Stunde Suchen habe ich jedoch aufgegeben. Im Sucher war es in Sonnennähe doch recht milchig, und dauernd flogen irgendwelche weißen Pollen durchs Gesichtsfeld, oder plötzlich schien irgendwo eine Sichel erkennbar zu sein, die blieb aber beim leichten Schwenken mit der Steuerung stehen und erwies sich als Einbildung. Irgendwann überwog dann die Befürchtung, wegen mangelnder Konzentration einen falschen Fehler und damit einen sehr großen zu begehen.
    Schade irgendwie. Aber dadurch vergrößert sich auch der Respekt vor den Fotos von Karl-Heinz.


    Viel Glück weiterhin
    Manfred

  • Hi alle,


    ich habe es heute auch mal so versucht mit meinem TAL100 (auf HEQ5). Aber die Distanz zur Sonne ist tatsächlich sehr klein und ich hatte starke Blendungen im Teleskop, das ging gar nicht.


    Bleibt vorsichtig ;-),
    Walter


    PS: super gelungenes Bild, deshalb wollte ich es selbst sehen ;-). War auch mein erster Versuch diese Venus Periode, mit der Tagesbeobachtung. Zu spät! Jetzt muss ich warten bis nach der Passage...

  • Hallo Karl-Heinz,


    Glückwunsch zur sehr guten Aufnahmeserie der, wie von Manfred schon berichtigt, unteren Konjunktion der Venus.
    Da hier die Frage nach der Beobachtungs- bzw. Auffindetechnik gestellt wurde, würde ich kurz einmal meine gestrige Vorgehensweise mit DSLR und Teleobjektiv darstellen:


    Die Kamera habe ich mit 400 mm und 2-fach Telekonverter auf meine Reisemontierung gesetzt und die Sonne im unteren Bereich des Bildes eingestellt (natürlich mit Filterfolie!).
    Dann wird auf den Sonnenrand fokussiert und gewartet, bis die Venus durchs Bild wandert (hier Bild mit APS-C-Sensor im Hochformat). In diesem Fall sind es 12 min gewesen.
    Die Zeiten und den Bildausschnitt bestimme ich vorher immer mit Stellarium. Das funktioniert natürlich nur, wenn die Sonne vorausläuft.
    Und dann war es eigentlich ganz einfach. Die Nachführung wird eingeschaltet, der Sonnenfilter abgenommen, die Venus mittels Getriebeneiger zentriert und dann aufgenommen.
    Kurz noch einen 1,4-fach Telekonverter dazugeschaltet, um auf 1120 mm Brennweite zu kommen und noch mal ein paar Bilder gemacht.


    Hier eine ganz gute Einzelaufnahme um den Kulminationszeitpunkt mit starker Vergrößerung / Randbeschneidung:



    Der Abstand zum Sonnenrand beträgt ungefähr 3,5 Grad. Der Pollenflug war enorm, man hätte denken können, dass es schneit.
    Aber mit der Bildschirmlupe und einem dunklen Tuch über dem Kopf war die Sichel doch relativ entspannt am Kameradisplay zu beobachten.


    Nun wollte ich natürlich auch noch wissen, ob man kurz nach Sonnenuntergang die Venus auffinden kann. Es ging[:)]



    Abstand zum Sonnenrand nur noch knapp 3 Grad, Aufnahme um 21:24 MESZ, Venus ca. 1 Grad über Horizont, sichtbar in der Bildmitte zwischen Busch und Windflügelspitze.
    Aufnahme mit der 7D und 1120 mm. Kurzzeitig war unser Nachbarplanet auch im 15x50-Fernglas zu erkennen. Das dürfte gestern aber auch die letzte Chance vor der UK gewesen sein.


    Schöne Grüße!


    Stefan

  • Hallo Stefan,


    auf das Ergebnis kannst Du, so meine ich, richtig stolz sein. Lobenswert auch, dass Du Dein Vorgehen so detailliert beschrieben hast. Es ist wirklich überzeugend einfach, und selbst wenn man Venus nicht direkt im Sucher sehen sollte, so wird sie im Gesichtsfeld sein, wenn man die Größe der Bildausschnitte bei den unterschiedlichen Brennweiten kennt.1


    Gruß,
    Manfred

  • Hallo alle Venusbeobachter,


    besten Dank für die Rückmeldungen und Ergänzungen.
    Die Überschrift ist geändert, ein peinlicher Fehler.
    Stefan, deine Aufnahmen sind sehr gut und die Venus auch noch abends abgebildet.


    Bei meinen Beobachtungen bin ich so vorgegangen: Mit Sonnenfolie auf die Sonne gestellt und auch scharf gestellt. Dann die Position um die Koordinatendifferenzen an den Teilkreisen der EQ6 verändert und die Sonnenfolie abgenommen. Sofort war die Venus im Blickfeld. Man muss nur konzentriert vorgehen und das Teleskop feststellen. Keine unachtsamen Bewegungen, damit nicht die Sonne ins Blickfeld gelang.
    Bei einem 10-mm-Okular habe ich einen klemmbaren Ring, wenn ich dieses Okular verwende und das Bild scharf stelle, dann kann ich zur Kamera wechseln und das Bild ist auf dem Monitor sofort annähernd scharf.


    Heute habe ich noch einen Versuch gestartet, leider ohne Erfolg. Einmal dachte ich, die Venus zu erkennen, aber es war dann nichts. Viele "Vögel" flogen durchs Bild, sicherlich Pollen und Insekten. Damit war das Bild wie bei einem Schneeschauer gestört.


    Nun dauert es einige Tage, vielleicht kann man dann die Venus erneut auffinden.

  • Schönes (letztes) Bild Martin,
    und schöne Bilder, Karl Heinz!
    hoffe wir sehen morgen den "Pahlitzschen Ring" von Euch!


    Ansonsten:
    Bis am Donnerstag im "Immergrün"!
    Im internen Kreis, siehe Kontakte und Treffen.


    Gruß und CS!
    Volker

  • Hallo,


    Venus ist jetzt auch im Coronographen vom SOHO Satelliten zu sehen.
    https://soho%77%77%77.nascom.nasa.gov/data/realtime/c2/512/


    Ich hatte gehofft, man könnte da die dunkle Rückseite sehen, aber der Gain vom Sensor ist wohl so hoch engestellt, dass der Wolkenring immer noch gesättigt ist.


    Clear Skies,
    Gert

  • Hi,


    ist ja wahnsinn, Martin - wie schaffst Du es die Blendung/Reflexe durch die Sonne intern im Teleskop auszuschalten? Ich habe am TAL100 ein Papprohr von 40cm Überstand angebracht vor zwei Tagen - es hat nicht geholfen :-(.


    CS,
    Walter

  • Moin zusammen,
    eure spannenden Beiträge und Fotos kicken mich an zu meinem allerersten Astrotreff-Beitrag ... :)
    Also: Ich habe auch die letzten Wochen mich vom Venus-schmaler-Fieber - und natürlich sportlich nah an der Sonne - anstecken lassen. 16 und 8 Jahre nach den letzten Venusdurchgängen sollte die Sonne 2020 nur ganz knapp verfehlt werden...
    Ich beobachte mit 18Zoll f/4.5 Dobson, und dies ist eine der wenigen Gelegenheiten, wo auch Fotos durch den Dob gehen. Klick mit 1/500sec oder kürzer und gut is...
    18 Zoll? Ok, ich suche Deckung vor direkter Sonnenstrahlung im Schatten einer großen Buche vorm Haus. Und dann ganz knapp an den Blättern vorbei beobachten. So ein Baum macht viel weniger Turbulenz als ein Hausdach etc.
    Nun, die letzte Beobachtung vor der Konjunktion gelang mir am 1.6. etwa 52 Std davor. Und siehe da: Erheblich übergreifende Sichelspitzen scheinen sich gaaanz blass zu einem Ring zu vereinen. Aber die Wahrnehmung mag täuschen… Schwer zu sagen. Genial jedenfalls der Anblick der fadenförmig schmalen Venussichel in sehr kurzen Momenten von ruhiger Luft.
    Ein Foto von dem Nachmittag anbei. Kamera Pentax Kx, Modell 2010. Es ist das am wenigsten flirrige Einzelbild nur behutsam kontrastgesteigert (Danke Marco L :-)). Okularprojektion mit 12mm Okular am 18 Zoll Dob. Effektive Brennweite 10,5m, 1/640sec bei Iso 200. Die Venus stand geschätzt 4-5° östl. der Sonne und war, gefunden durch vooorsichtiges Schwenken weg von der Sonne dann nachträglich auch im 8x50 Sucher sichtbar. Sie verschwindet dann natürlich zügig ebenfalls hinter den Blättern... Und nun? Wie Wiederfinden nachdem das Teleskop auf dem Boden verrutscht wurde? Trick 17: Mensch merke sich die Position, wo der Gegenspiegel seinen Schatten auf den Hauptspiegel wirft. Dafür ist so ein z.T. durchlässiger Baum ganz praktisch :) . Und dann ist die Venus auch schnell wieder da.
    Am nächsten Tag (2.6.) hab ich's noch einmal versucht. Bei irgendwas mit zwei Grad zur Sonne aber nur mit auf 6Zoll reduzierter Öffnung. (Gab es doch schon kurzzeitig Rauchentwicklung an der Innenseite des Dob-Oberteils... :-/ ) . Der Himmel leicht weißlich, aber keine Cirren mehr wie noch am Vormittag. Ergebnis: Trotz langem voooorsichtigen Schwenken keine Chance. Alles viel zu hell…
    Nach der Konjunktion sah ich die Faden-Sichel zuerst wieder am 5.6. gegen Mittag. Sehr geringer Kontrast zum Himmel, bei flirrigem Seeing verschwand sie zeitweise. Sichtung eines Rings überhaupt nicht drin.
    Ok, so weit so gut. Aber der 1.6. hat's gebracht!! javaskript:insertsmilie('[:)]')
    Mit bestem Gruß aus Flensburg, Bernd
    P.S. Auch hier in Flensburg flogen massenweise "weiße Flocken" Baumsamen(? )etc. in großer Höhe, durch herausdrehen der Schärfe kamen dann die tiefer fliegenden zu Tage… #61514;

  • Hallo Bernd,


    das Bild ist je super geworden. Man erkennt, wie auch auf den anderen Bildern dieses Themas, wunderbar die übergreifenden Hörner.
    Ich habe die letzten Tage der Venus leider verpasst. Wochenlang drauf gewartet und dann verschlafen. Na ja, sie verschwindet dann hinter den Bäumen, ich müsste auf freie Feld fahren. Und wie das so ist: aus den Augen, aus dem Sinn.

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