4 Nächte bei Hottie auf Klipfontein im November

  • Servus zusammen,


    die letzten Tage habe ich mich intensiv mit meinen Aufzeichnungen vom Aufenthalt von 4 Volkssternwärtern bei Hottie vom 25.11 bis 09.12 beschäftigt und lasse jetzt mal den ersten Teil meines Beobachtungs- und Reiseberichts nach Klipfontein in Stellaland - Südafrika auf euch los. Ich freue mich, daß ich das noch in diesem Jahr geschafft habe. Der Bericht ist doch ziemlich lang geworden, drum die Aufteilung. Viel Spaß beim Lesen:


    Wie die Volkssternwarte München Klipfontein den Regen gebracht hat


    Normalerweise finden die Reisen zu Hotties Farm Klipfontein im Südhimmelwinter statt, weil da das Wetter konstant gut ist und die Sommermilchstraße in ihrer unvergleichlichen Pracht meist zenitnah zu finden ist. Gabi und ich wollten heuer mal was anderes ausprobieren, weil wir den Anblick zum Glück schon kennen. Es gibt in Südafrika aber mehr zu sehen als die Milchstraße und Hottie bietet auch schöne Touren an. Somit waren beim heurigen Aufenthalt nur maximal fünf Spechtelnächte vorgesehen und die anderen Tage für teilweise mehrtägige Ausflüge. Nach ein bisserl Werbung von unserer Seite und der Aussicht auf einen 20 Zöller und andere schöne Geräte, die dort herumstehen, haben sich Jutta und Toni unserer Planung angeschlossen. Uns war natürlich klar, daß das Wetter zu dieser Zeit nicht so stabil ist, wie z.B. im Juli oder August, aber wir würden gut damit klar kommen, wenn es mal nicht klar ist.
    So bestiegen wir am Abend des 25.11 den Flieger, der uns vom beginnenden Nordhalbkugelwinter in den Südhalbkugelfrühsommer transportieren sollte. Etwa 11 Stunden später wartete Hottie schon in der Ankunftshalle auf uns. Ich zitiere hier aus meinem Beobachtungsbuch, wie ich die ersten Stunden empfunden und wir die erste Nacht auf Stargate/Klipfontein verbracht haben:


    "Ich konnte im Flieger etwa 4h sowas wie Schlaf kriegen. Dafür bin ich im Auto auf der Fahrt hierher auch nicht eingeschlafen, na einmal wars knapp. Auf Klipfontein bin ich total aufgedreht, weil hier vollendeter Sommer herrscht! Es ist warm wie in Afrika, knochentrocken, weil Regen fehlt, aber vor allem zirpt es toller als daheim im Hochsommer! Das ist endgeil. Nach der ersten Ratschrunde vor dem Haus fangen Toni und ich schon mal ein bisserl mit dem Astrokram an. Wir bauen die Losmandy wieder auf, mit der er photographieren will, die ist nämlich abgebaut! Dann wird der 20Zöller in Stellung gebracht. Schließlich suche ich die Teile meiner Star Adventurer zusammen. Und schon ists Zeit fürs Abendessen, gereicht im Garten vor dem Haus, da dämmert es schon massiv. Und es ist immer noch warm, wie bei uns an den tollen Sommerabenden und es hat noch mehr Gezirpe. Schließlich wird dann endlich mit dem Spechteln begonnen.
    Angeheizt wird mit M55, erstmal im 26er Nagler, weil ich die Ethos noch nicht ausgepackt habe. Trotzdem pervers schön und wunderbar zart. Außerdem beschäftigt Toni die Losmandy, ich kriege schnell raus, wie das da mit dem Ausrichten funktioniert, siehe da, bald paßts fürs Erste, was halt der Polsucher hergibt. Danach gleich mal Südhimmeltour für Toni und Jutta und natürlich auch Gabi. Tarantel und ganze GMW wird jetzt schon mal durchgefahren und alle wollen eben die Tarantel sehen, die im 13er schon gefährlich daher kommt. Jetzt Helix 7293, er ist toll, im OIII sogar superb, geht aber hier im 20er besser. 47 Tuc. ist aber wirklich grandios, so ein knalliges Sternengeglitzer. KMW mit 352, ein zarter Kontrast zu dem Todesknaller. 253 ist bildsprengend, aber nicht ganz so grandios, wie schon gesehen. Eta Car. nun, für unsere Damen das Betthupferl. Gabi ist extrem müde und mit den vielen Hunden hier deswegen sogar fast überfordert, weil die reichlich Schmus begehren und sogar die Jutta kurz zu Fall bringen.
    Der Zeitrafferkram, mit dem ich mich simultan beschäftige, hat Zeit gekostet, mich aber auch wach gehalten. Eigentlich müßte ich nach so vielen Stunden wach am Stück total übermüdet sein. Danach ist wieder Muße für Spechteley. Toni hat trotz extremer Müdigkeit und Knieschmerzen lang durchgehalten und wird mit einem weiteren Pferdekopf Versuch ins Bett geschickt. Immer noch will der B33 nicht richtig zeichnen, der Kopf schält sich einfach nicht vorm IC 434 raus. Ich wandere nochmal durch die GMW, Ben würde sich freuen. Neben der Tarantel, immer wieder gigafeist, gerade jetzt im 13er, die Gegend um 1966 und 1965, rüber zum Broken Heart, 1936 und 1935, die ja ganze Gruppen von Sternhaufen mit Nebel enthalten. Dazu die Gegend mit den drei Kugelhaufen 1850, 1847 und 1856, raus bis zu IC2117, schon weit draußen vorm Hauptbalken. Der wird natürlich weiter abgegrast. Toll ist auch die Gegend um 2080, auf der anderen Seite gelegen."


    NGC 1365 und NGC 1097 wurden noch beäugt, stehen aber schon wieder relativ tief. Schließlich noch der Rest dieser 1. Nacht:


    "Dann Eta Carinae nochmal, steht jetzt schon ziemlich hoch und ist nur noch feist im 13er. Da sieht man auch schon das dickere Ohr des Homunculus Nebel in schönem Orange. Ich nehme das vorhandene 5er Nagler, beide Ohren sieht man nun gut, aber es ist ästhetisch nicht so ansprechend. Es wird der überaus üppige 3532 in seiner Pracht mitgenommen, das Feld ist wirklich voller Diamanten. Omega Centauri steht jetzt gerade hoch genug, höher, als letztes Jahr im September am Anfang. Da kommt der Anblick in seiner irren Pracht schon ziemlich toll rüber, das Feld des 13er Ethos wird fast gesprengt. Betthupferl wird 5128. Das Doppelstaubband ist schon sehr üppig, lange nicht mehr so schön gesehen. Danach lasse ich den Zeitraffer so lang wie möglich weiterlaufen, man bereitet sich auf die Heia vor. Weil ich seit einer Weile allein bin, alle schlafen schon lange, bleibt der 20er draußen. Ich finde einen Weg, die große Tüte mit den zwei Expandern, die ich im Teleskopkammerl finde, zufriedenstellend zu sichern, so bleibt das Ding sehr staubdicht und Regen ist keiner in Sicht."


    Die Wettervorhersage war tatsächlich recht manierlich, es sollte astronomisch noch Einiges gehen. Die 2. Nacht startete mit etwa 22°. Irgendwann frischte dann der Wind leicht auf, was bei einer Temperatur gegen Morgen von etwa 17° doch wieder eine Jacke nötig machte. Dafür wurde die Durchsicht gegen Morgen besser, verschwindende Restwolken und ein üppiges Zodiakallicht deuteten darauf hin.


    "Nach einem ziemlich entspannten Tag, der so schnell verging, daß gar keine Farmrunde drin war, wurde abends schon der Braai angefeuert. Schnell verschwanden saftige Steaks in unseren Knurrmägen. Dann wurde nicht etwa gespechtelt, sondern geratscht etwa bis Mitternacht, dabei der Orionaufgang und dann das Erscheinen des Sirius bestaunt. Wegen kleiner Wolken, gelegentlichem Wetterleuchten und eindeutigem Dunst scheinen wir astronomisch auch nicht ganz so viel zu versäumen. Da bleibt man gerne sitzen, bis 2 Flaschen Rose geleert sind.
    Aber, es wäre schade, wenn der 20er umsonst draußen herumsteht. Also Tüte runter und los geht’s. Der Fornax Cluster senkt sich schon wieder gen Horizont, so geht die Reise zu 1365. Beim Rumrühren lande ich aber erstmal bei 1387. Die ist schön, aber nicht das, was ich dem Toni gerade zeigen wollte. 1404 und 1399 sind extrem imposant und todeshell. Dann aber rüber zum 1365. Ähnlich gigantisch wie gestern, aber nicht so eindrucksvoll wie letztes Jahr. Aber das Z und die Bögen kommen schön raus und der Dunkelstreifen im Balken deutet sich auch zart an. 47 Tuc. nimmt man wieder mit, die KMW sinkt aber schon stark gen Horizont, der Anblick ist aber immer noch rhododendronfeist im 13er. Die Hausokulare habe ich jetzt gar nicht rausgeholt, für die Restnacht reichen die beiden Ethos. Außerdem hat die Justage gelitten, obwohl das Teleskop nur unter Tüte stand. Es muß tatsächlich deutlich am Fangspiegel gedreht werden. Die südl. Praesepe lacht einen so auffällig an, sprengen im 20er schon das Bildfeld. Die aufgehende Frühlingsmilchstraße wird für eine Papiliorunde genutzt, mit Eta Car., 3532, GMW, KMW und den ganzen kleinen Highlights bis rauf zum Orion. Jetzt Eta Carinae im 20er. Da werden wirklich jedes Mal Maßkrüge ergriffen, extrem cremig und das Seeing ist gar nicht mal schlecht. Also 6er Ethos und schon sieht man beide Ohren vom Homunculus, sehr hübsch. Omega Cen. wird mal angesteuert, Toni will wissen, wo der und 5128 gerade stehen, leider noch zu tief für Photographie. Sind hübsch, 5128 so tief, daß man mit dem 20er gerade noch hinkommt. Jetzt Pferdekopf und siehe da, der B33 zeichnet sofort vor dem IC 434. Der 2024 ist dabei gar nicht krasser als gestern. Orionnebel nehme ich mit, der Regenbogen kommt schön farbig, das Zentrum blaugrün, 6 Trapezsterne, toll. 4755, das Schmuckkasterl sollte ganz gut gehen, Crux steht schon wieder recht hoch. Ich suche erst auf der Ostseite, da ist 4103 zu finden, durchaus beeindruckend, aber 4755 ist halt doch strahlend bunt. M83 probiere ich, denn es ist jetzt deutlich dämmrig, ich finde den fetten Pflatschen noch, aber wegen der Helligkeit ists nicht viel besser, als daheim."


    Toni hat sich in früheren Reisen, zusammen mit Hans Georg Schmidt, einen Ruf als Regengott erarbeitet. Er und ich haben uns vorgenommen, nicht nur Astronomie zu machen, sondern das ausgedörrte Farmland wieder ergrünen zu lassen. Daran wurde schon mal am 3. Tag gearbeitet. Die Hauptaufgabe würde sein, den großen Regen im Verlauf unseres Aufenthaltes so zu koordinieren, daß er nicht mit unseren Ausflügen und astronomischen Ambitionen kollidiert. Na, wir werden sehen, wie das geklappt hat. Heute sind jedenfalls mal mehr und mehr Wolken aufgezogen. Als Gewitter drohten, wurde der 20 Zöller sicherheitshalber in den Schuppen verbracht. Die Stimmung war geil, wie bei uns im Hochsommer und es hat tatsächlich geregnet. Dafür blieb es bis weit in die Nacht richtig warm, so 25°. Klar wurde es ebenfalls wieder, blieb aber ziemlich diesig. Das erzählt mein Beobachtungsbuch von dieser Nacht:


    "Zum Abendessen war es praktisch bedeckt und auch längere Zeit danach ziemlich wischiwaschi mit Gewittern in der Ferne. Dann kommen mehr und mehr Wolkenlücken und ich aktiviere mal wieder einen Zeitraffer, der 550 Aufnahmen lang werden soll. Nachdem die Sache tatsächlich recht schnell ans Laufen gebracht wurde, wird noch Gabi ins Bett geschafft und dann ist es fast wolkenlos, aber recht diesig und vom Himmel kaum besser als daheim, eher schlechter. Der 20er bleibt in der Hütte, weil Toni keine Lust mehr zum Spechteln hat, so suche ich nach den Teilen für den fetten 100er Omegon Bino und baue den Klampfer auf. Damit wird ein knuspriger Orionnebel bestaunt und gleich 288 und 253 nachgeschoben, die durchaus extrem cremig in dem Ding sind. Die Raspi Technik läuft noch und Toni ist jetzt auch weg, bin also wieder mal allein. Draußen gucke ich mal weiter mit dem Feldstecher. Ich gehe zu den Plejaden, dann rüber zu 2244, aber ohne Rosettennebel, da bräuchts schon einen Filter, zu M41 und wieder rein in den Südhimmel mit 2516, den südlichen Plejaden, die extrem toll sind. Ideal für diesen Feldstecher. Beim Rühren taucht noch ein todesmäßig dichter Haufen in der Puppis Region auf, müßte 2547 sein. Es werden noch M46 und M47 mitgenommen. Dann sollten mit so einem Bino die Magellanschen Wolken bestaunt werden. 352 ist darin so hell, daß ich den sogar erst mit 47 Tuc. verwechsle, letzterer ist natürlich noch viel gigantischer und in der KMW zeichnen schon so allerlei Nebel und Einzelstrukturen. Die GMW ist da schon wieder richtig gigantisch. In abgeschwächter Form sind alle tollen Nebel als meist kleine kompakte Flecken da und ich fahre in Ruhe das ganze Ding ab, über den Hauptbalken, am Tarantel vorbei, hier ein knalliger Fleck, bis zur Broken Heart Region raus. Schließlich fahre ich durch Carina und Vela Region bis zum Eta Carinae und 3532, schöne Sternwolken und Eta Car. ist wirklich gigafeist in dem Bino."


    Wegen der eher siffigen Bedingungen wurde nicht mehr aus dieser Nacht rausgepreßt und am folgenden Tag sollte schließlich schon der erste unserer Ausflüge stattfinden. Die Abfahrt zum Pilanesberg erfolgte zum Glück erst später am Tag, an dessen Abend wir Boshoek erreichten, am Rande des Parks gelegen. Da bei etwa 36° richtig Sommerfeeling aufkam, fand sich unsere Truppe wenige Minuten nach der Ankunft im Pool wieder. Wer die Pilanesberg Tour mit Hottie im Winter macht, also alle Spechtler, läßt den Pool eher links liegen. Obwohl, im vorletzten September wäre das Wasser auch schon warm genug gewesen, aber kein Vergleich mit jetzt, wo es richtig warm war.
    Eine sehr kurze Nacht verging und bei beginnender Morgendämmerung saßen alle im VW Bus und wir eilten dem Parkgate entgegen. Erfahrungsgemäß hat man bei einer Safari am frühen Morgen oder am späten Nachmittag gute Chancen, vor allem auf die großen Raubtiere, allen voran die Katzen, die den Tag üblicherweise irgendwo im Schatten verbringen und sich nicht mehr als notwendig bewegen. Die Miezen hatten sich wohl schon irgendwo hin verzogen, dafür wurden wir sehr bald der ersten Elefanten ansichtig. Dafür mußten wir letztes Jahr noch kreuz und quer den ganzen Park abfahren. Nashörner scheinen den Morgen auch zu mögen, die gab es ebenfalls gleich am Anfang zu bestaunen, sogar mit Kalb dabei. Erschreckend die Aussage vom Hottie, daß Nashörner sogar im Park gewildert werden, an der Lodge im Parkzentrum sind mehrere Schädel gewilderter Nashörner ausgestellt. Miezekatzen gabs ebenfalls am Vormittag, der Buschfunk, dessen sich Hottie gern bedient, hat nahe bei einem der größeren Stauseen im Park zwei Löwinnen vermeldet. Wir suchten die Stelle auf, die beiden Miezen lagen in akzeptabler Sicht- und Photographierweite träge unter einem Busch. Es wurden unweit davon angeblich auch Geparden gesichtet, aber an der angegebenen Stelle war nichts zu erkennen, sie hatten sich bestimmt ganz lang und flach gemacht, das dichte Gesträuch und hohe Gras lieferte zudem ausreichend Deckung. Man hätte schon aussteigen und hingehen müssen, aber wer traut sich das im Wildpark schon und natürlich soll man auch nicht. Obwohl, oben am höchsten Punkt, dem Aussichtsberg, da wird ausgestiegen und auch länger herumgelaufen. Lustigerweise entdeckten wir bei der Weiterfahrt eine kleine Elefantenherde, gar nicht weit von diesem Parkplatz entfernt. Wäre interessant gewesen, wenn die zum Aussichtspunkt gekommen wären, als wir noch dort waren.
    Die Touren in den Pilanesberg beeinhalten natürlich auch ein deftiges Mittagessen, das an einem der Grillplätze zubereitet wird. Wieder werden T-Bone Steaks und Boerewurst aus der Kühlung apportiert und der Glut ausgesetzt, nachdem Hottie schnell und routiniert ein Lagerfeuerchen gezündet hatte. Und natürlich sprengen die Mengen wieder mal das Fassungsvermögen unserer Kaldaunen. Na, in Klipfontein gibt es genug Hunde, die von den Resten profitieren werden.
    Normalerweise umfaßt der Pilanesberg Ausflug nur einen Tag, wir haben aber einen zweiten drangehängt und so finden wir uns ein weiteres Mal zur blauen Stunde in der Morgendämmerung am VW Bulli ein, um kurz nach Sonnenaufgang wieder Parkluft zu schnuppern. Und schon dürfen wir wieder Elefanten bei ihren Morgentätigkeiten bestaunen. Später, auf dem Weg zum traditionellen Frühstücksplatz hören wir, daß just in jener Gegend auch ein Leopard gesehen wurde, wohl nur Minuten, bevor wir da vorbei kamen. Ja, so kanns gehen. Frisch gestärkt mit Kaffee, Eiern und selbst gegrilltem Speck können wir dann wieder auf Löwensuche gehen. Hottie hat wieder den Buschfunk benutzt und erstaunlicherweise gab es keine Ansammlung von Kaeffzetts an der beschriebenen Stelle. Dafür fand sich ein stattlicher Löwenkater träge im Schatten eines Buschs und gab sich der üblichen Tagesbeschäftigung hin: Schlafen. Unweit davon sogar zwei Damen seines Rudels, langgestreckt und tiefenentspannt. Wüßte man nicht, wo die Viecher gerade sind, im vorbei Fahren würde man sie höchstwahrscheinlich übersehen.
    Ein weiterer Höhepunkt dieses Safari Tages war die große Elefantenherde bei ihren Badespielen. Da wurde genüßlich geplanscht und sich bespritzt, daß es eine Freude war, Kälber und zwei Jungbullen machten fleißig mit. An dem Ausguck tummelten sich auch Meerkatzen, putzige, muntere Gesellen, gestern hatten wir schon eine Herde davon bei Fangamandal Spielen gesehen. Mei, scho lustig.


    Soweit der erste Teil.


    tl;dr: 3 Spechtelnächte bei leicht durchwachsenen, aber hochsommerlichen Bedingungen erlebt und dabei im 20 Zöller, sowie eine Nacht im 100er Bino alle wichtigen Südhimmelhighlights durchgesehen. Außerdem der erste Ausflug zum Pilanesberg mit Elefanten und Löwen.


    Ich werde mich mal im Bildarchiv umsehen und am nächsten Teil weiterarbeiten. Hoffe, euch gefällts und allen einen guten Rutsch!


    Gruß und CDS,


    Haley

  • Hallo Haley,


    danke für den schönen Bericht... wie der letzte aus 2018 einfach mitreißend!
    Jetzt freue ich mich schon auf Teil 2.


    Guten Rutsch ins neue Jahr!


    cs
    Timm


    P.S. Es gibt für 2020 noch einige freie Termine... wer mal hin möchte, kann mich einfach ansprechen.

  • Hallo Haley,


    Ein frohes und gesundes neues Jahr 2020 ! [:)]


    Wunderschöner Bericht, ich muss dort auch unbedingt mal hin! [:p]


    Bin schon gespannt auf die Fortsetzung.....


    Viele Grüße


    Rainer

  • Hallo Haley,


    dein toller Bericht nimmt einen wieder mal fast "live" mit, und führte mich in Gedanken sogleich wieder zurück in den September 2018, als wir bei Hottie so viele eindrucksvolle Südhimmelnächte erleben durften ! Und bei dir finden sich ja auch reichlich direkte Referenzen darauf. Das meiste kam mir vertraut vor, aber bei den Highlights stand Eta Carinae mit dem Homunculus morgens schon höher - was ihm sicher gut getan hat. Und ihr habt Löwen gesehen, und mehr von den Elefanten [8D].


    <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote"> Nochmal durch die GMW, Ben würde sich freuen. ... richtig gigantisch ... ich fahre in Ruhe das ganze Ding ab, über den Hauptbalken, am Tarantel vorbei, hier ein knalliger Fleck, bis zur Broken Heart Region raus. <hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    Das hätt mir allerdings gfoin [:p].


    <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote"> Die 2. Nacht startete mit etwa 22°. Irgendwann frischte dann der Wind leicht auf, was bei einer Temperatur gegen Morgen von etwa 17° doch wieder eine Jacke nötig machte.<hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    Dann aber doch bisserl wärmer als vorletzte Nacht bei uns am Auerberg [;)] - die dürfte so um 0 Grad gewesen sein, und war bis kurz nach Mitternacht sehr gut - auch das Seeing: Im 9,5"-Fünfling konnte ich bei knapp 100-fach problemlos auch alle 6 Trapezsterne erkennen, so wie du beim Hottie.


    <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote"> Toni und ich haben uns vorgenommen … das ausgedörrte Farmland wieder ergrünen zu lassen. Die Hauptaufgabe würde sein, den großen Regen im Verlauf unseres Aufenthaltes so zu koordinieren, daß er nicht mit unseren Ausflügen und astronomischen Ambitionen kollidiert. Na, wir werden sehen, wie das geklappt hat. <hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    Ich werde nicht vorab verraten, ob eure edle Aufgabe auch zum Erfolg geführt hat [:D].


    Servus
    Ben

  • Servus zusammen,


    Dietmar, Timm, Rainer, Ben, danke für euer Feedback und freut mich, daß es euch bis hierher schon gefallen habe. Euch und allen Astrotrefflern außerdem ein Guads Neues!
    Übrigens sind im Bericht mit "GMW" die Große Magellansche Wolke" und mit "KMW" die Kleine Magellansche Wolke gemeint. Die Abkürzungen sind vielleicht nicht allgemein bekannt und mancher denkt sich beim Lesen, was meint der jetzt damit? Ich übernehme die astronomischen Bestandteile 1:1 aus meinem Beobachtungsbuch.


    Jetzt habe ich auch ein paar Bilder online:



    Auf Klipfontein leben viele Erdhörnchen, die Aufnahme ist von Gabi



    Morgenhimmel über Klipfontein, ein Einzelbild aus einer (noch zu verarbeitenden) Zeitraffersequenz, aufgenommen mit der 750d und 8mm Fisheye



    Müde Königskatze genießt den Tag



    In Südafrika wird wirklich guter Tropfen angebaut



    Elefantenburschen beim Badespaß


    Mehr Bilder und die Auflösung, wie das mit dem Regen ausgegangen ist, gibts dann beim nächsten Teil.


    Gruß, Haley

  • Hallo Haley,


    Ein Glückliches Neues Jahr 2020! (Allen hier)


    im Gegensatz zu Ben kam ich die Tage (ja Monate) nicht raus, obwohl in den letzten Tagen der Himmel plötzlich mitten in der Nacht doch tauglich war, aber es war ein Va Banque Spiel auf das ich nicht eingegangen bin. Heute schien es gut zu sein, hab am Balkon aufgebaut, aber das Seeing war so mies daß auch Balkon Beobachtung nicht lohnte. Aber es war eine Abenddämmerung, die mich von den Farben her stark an die auf Hotties Farm erinnerte (lila und orange Töne). Aber ich morgen früh aufstehen..


    Und schau daher - ein Bericht von dort im astrotreff :-)! Klasse!


    Es geht also was im November, scheint sogar nicht so furchtbar heiß gewesen zu sein wie im Oktober.
    Da ging es tageweise bis 41 wenn ich mich recht erinnere. Schönes Bild vom Löwen übrigens! bei mir ist nur irgend ein Fellklump auf dem Chip.


    Der Ben orakelt, was mit dem Regen wird, aber ich sehe noch was an den Fotos - es ist grün im Tierpark [8D] und außerdem...


    &gt;&gt;&gt; Achtung Spoiler!
    <font size="1"><font color="blue">Es kommt wohl noch eine Tour ? ;-)</font id="size1"></font id="blue">
    &lt;&lt;&lt; Spoiler Ende


    Ich bin gespannt auf die nächsten Teile des Berichts.


    Und verrätst Du bitte auch das Kürzel: tl;dr: ? "Executive Summary"?


    CS,
    Walter

  • Servus Walter,


    auf Klipfontein hatten wir maximal so 36° - 38° und mit den Mücken wars auch nicht so schlimm. Die 40° wurden unterwegs geknackt, kommt dann im nächsten Teil vom Bericht. Mit der richtigen Strategie, nämlich kein Licht, bzw nur Rotlicht machen, konnte man nachts im Cottage sogar die Fenster auf Durchzug stellen.
    Der Pilanesberg war ziemlich ergrünt, weil es dort schon vor unserem Urlaub gut geregnet hat.
    Übrigens, tl;dr heißt too long; didn't read, weil nicht jeder will sich so ne wall of text antun, da freut man sich über eine kompakte Zusammenfassung.


    Derer Tage konnte man wirklich reichlich spechteln und gestern habe ich davon mal wieder Gebrauch gemacht. Natürlich mußte wieder mal der Pferdekopf dran glauben. Mit dem 16Zöller geht das bei gutem Himmel schon recht gut.


    Gruß und CDS,


    Haley

  • Hallo Haley,


    vielen Dank für den sehr lebhaften Bericht. Ich kann vieles davon sehr gut nachvollziehen, konnte ich doch den Südhimmel schon mehrfach genießen.


    Ich freue mich schon auf die Fortsetzung.


    Achim


    ... fast vergessen: ein gutes Neues Jahr an alle, die hier mitlesen :)

  • Servus zusammen,


    jetzt habe ich den 2. Teil meines Berichtes fertig und möchte ihn euch nicht vorenthalten, es geht weiter mit der Rückkehr vom Pilanesberg Nationalpark:



    Um 12:45 Uhr wurde Kurs auf Klipfontein gesetzt. Trotz einer Reifenpanne erreichten wir das vertraute Farmgelände zum richtigen Zeitpunkt: Sarah hatte Kaffee gekocht und bald würde es Abendessen geben, bei den tollen Temperaturen natürlich wieder draußen im Garten. Die Pferdln hatten ein Schlupfloch im Zaun gefunden und es sich im Garten gemütlich gemacht, da gibt es schließlich noch grünes Gras und allerlei zum Naschen. Obwohl es zum Abend wolkiger wurde, war ich optimistisch, was das Spechteln anbelangte. Bei Abendtemperaturen von 32° würde das bestimmt sehr angenehm werden.
    Mein Beobachtungsbuch beschreibt wieder mal, was wir zu nächtlicher Stunde so trieben:


    "Unser Cactus Cottage hat sich mittlerweile in einen großen Kachelofen verwandelt, da hats locker 35° drin. Es wird der Raspikram für standalone Betrieb umgerüstet und aktiviert. Macht nix, daß das länger gedauert hat, der Mond ist schon im Geschäft, vor allem aber dräuen noch üppige Altocumuli. Toni und ich bauen dann bei niedrigem Mondstand und weniger werdenden Wolken den 20er auf. Bin mir sicher, daß es noch ganz klar werden wird.
    Schließlich größere Wolkenlöcher, aber M41 geht nicht, obwohl ich den noch kurz im frisch justierten Sucher gesehen habe, weil Wolken! Dafür prangt die südl. Praesepe. Der Orionnebel spitzt jetzt raus, 6 Trapezsterne sind zu sehen, die erkennt auch der Toni! (Anmerkung: Der Toni hat altersbedingt leider nicht mehr die besten Augen) Die Frauen haben sich schon längst wieder zurück gezogen. Gabi leidet unter der Wärme im Cottage, sie ist echt schnell im Tiefschlaf. GMW wird mit allen Nebelflecken und kleinen Kugelhaufen und natürlich 2070, der in ziemlich monströser Pracht erstrahlt, abgewandert. Es ist wirklich immer wieder schön. Die Region um 253 ist ziemlich wolkenfrei und es erscheint, leicht blaß, 288 tief aufgelöst im 13er Ethos, 253 gleich danach, ist eher mit hauchzarter Plattenstruktur, es wölkt leicht, somit nicht so knallig, wie man das im 20 Zöller vom letzten Jahr kennt. Ich rühre in der 55 und 300 Gegend herum, es wölkt aber und die Transparenz ist einigermaßen grottig. Dann lieber mal in der Puppis Region schauen, wo M46, M47 mit 2438 günstig stehen. Schön derb knallig im 13er. Im Süden und Südwesten wird es wieder besser, also 47 Tuc., wo natürlich Maßkrüge ergriffen werden. Der ist auch immer ein Erlebnis. Freilich wird die KMW mal mit abgefahren, es geht dann aber gleich weiter mit 55, wo die Wolken jetzt weg sind. Der ganze Sculptor Bereich senkt sich schon gen Westen, aber die Bremsspur im All ist brachial cremig mit einer glitzerigen Feinstruktur, ähnlich der von 253. Außerdem voll bildfüllend im 13er Ethos. Etwa gleich hoch, nehmen wir 134 mit, diese tolle, richtig helle Galaxis schaut aus, als bestünde sie aus zwei ineinandergesteckten Spindeln, die eine klein und hell, die andere groß, ausgreifend und um 90° verdreht. Toll! 300 jetzt endlich, die kleine Schwester von M33. Fein gemottelt mit Feldsternen drin, ist schon sehenswert. Mit der tollen Spirale 1097 geht’s langsam zum Fornax. Sie ist immer fulminant, knallheller Kernbereich mit Balken und linksgewickelte Spirale. Das Pärchen 1300 und 1307, beide nur noch feist, fette, auffällige Kleckse. 1232 kommt etwas ungewöhnlich spindelig daher, die habe ich eher flächig in Erinnerung, oder ich täusche mich im Ort, was darin liegen mag, daß ich seit 22 Stunden nonstop wach bin und die Konzentration massiv in den Keller geht. Eine vergleichbar helle Galaxis ist jedenfalls nicht in der Nähe. Auf Tonis Wunsch hin steuern wir mal den M1 an, der auch im 6er Ethos aufgeblasen wird, wo er eine respektable Brillanz zeigt und stark gemottelt ist. Jetzt aber noch zum Fornax, wo wir erstmal den Hauptteil des Clusters mit 1399, 1404, 1387, 1389, 1379, dem schönen Pärchen 1374 und 75, einer netten Spindel, reinziehen. Beim Rumrühren erscheinen locker 20 Galaxien mit prachtvollem Kontrast und dann kommt noch 1365, definitiv der Höhepunkt heute. Da der Kram noch satt hoch steht, ich komme gerade noch gut ans Okular, ist der Detailreichtum episch. Neben den ausgreifenden Armen des Z und dem Ansatz der Bögen ist der Balken feist mit reinziseliertem dunklem Faden, dazu noch die Garnierung mit dem hellen Feldstern, einfach edel diese Galaxis.
    Es wird dann Zeit fürs Betthupferl, denn Toni ist ähnlich saumüde wie ich und wir wollen den 20er aufräumen, weil es morgen eher unbeständig und vor allem windig werden soll. Aber schnell noch die 1851 Region. Ich stoße da zuerst auf 1792 und 1808, beide toll, teilw. spindelig und immer wieder überraschend brüllfeist. 1851 jetzt, das ist ein 47 Tuc. in klein, das kommt mir wieder deutlich in den Sinn. Schon ein geiler Haufen. Betthupferl ist nun Eta Car. mit Lobes, die gut kommen, trotz nicht so tollem Seeing, das 6er Ethos war noch vom 1851 drin. Dann noch schnell Abbau des 20er mit Toni, damit er endlich schlafen kann. Bei mir dauerts länger: Schreibkram machen mit Gefahr des Einschlafens, also zumindest Notizen, nochmal den Raspi checken, ob der Zeitraffer immer noch brav läuft. Dann ins Bettchen."


    Mit das Tollste an dieser Beobachtungsnacht waren die tropischen Temperaturen. Trotz Wind blieb es bis zum Schluß bei T-Shirt, Shorts und Sandalen. So läßt sichs aushalten. Der Zeitraffer ist tapfer bis zum berechneten Ende durchgelaufen und in der Powerbank war noch reichlich Reserve. So begann der Ruhetag vor der Namibiatour mit guten Nachrichten. Während wir uns erholten, war Hottie schon wieder fleißig am Vorbereiten. Geländereifen waren jetzt angesagt, schließlich würden wir viele Schotterpad Abschnitte haben. Es blieb jetzt Zeit, sich ums passende Wetter zu kümmern. Tatsächlich wurde es, wie prophezeit, unbeständiger, an Spechteln war nicht mehr zu denken, das wäre die 5. mögliche Nacht gewesen. Ein Blick ins Satellitenbild zeigte, je weiter gen Westen, desto besser war es. Gut, dahin würden wir morgen aufbrechen. Dies geschah dann auch am kommenden Vormittag, wo über Klipfontein bereits immer dichtere Wolken standen. Kurz hinter Vryburg prasselte dann der erste Schauer auf uns hernieder, dem wir hurtig in Richtung Upington davon fuhren. Hottie war in freudiger Erwartung und erkundigte sich daheim bei Sarah, ob es denn dort schon geregnet hatte.
    In Upington hatten wir das Regenwetter, das wir für Klipfontein bestellt haben, weit hinter uns gelassen, schließlich wollten wir schon schönes Wetter auf unserem Ausflug haben. Es schien wieder die Sonne vom tiefblauen Himmel und die Spitze des gigantischen, 200m hohen Turm des Solarkraftwerks Khi Solar One bei Upington gleißte in fast überirdischem Glanz, ein Anblick wie aus einem Science Fiction Film. Wir stellten außerdem fest, daß hier überall Wein angebaut wird, man befand sich schließlich am Oranje Fluss und Hottie erwähnte ganz nebenbei, daß man eine Weinprobe machen könne, wir dafür sogar Zeit übrig hätten. Die Truppe um Timm, Patrice und Dietmar hätte das auch schon gemacht. Wie konnte man uns nur so eine Information vorenthalten! Wir meldeten sofort dringlichen Bedarf an und nur Minuten später steuerten wir die Orange River Cellars an und durften dort diverse Weine von Shiraz bis Muscatel durchkonjugieren, was die Stimmung für die Weiterfahrt weiter verbesserte. So aufgelockert erreichte man am frühen Abend das Augrabies Valle Guesthouse und sofort wurde bei anhaltend hochsommerlichen Temperaturen der Pool der Anlage geentert. Hottie und seine Tochter Linette, die uns auf der Tour begleitete, kümmerten sich nach dem Badespaß liebevoll ums Essen und bald brutzelten wieder Fleischstücke auf dem Braai, dazu erfrischendes Windhoek Draught und Rose Wein, herrlich!
    Am kommenden Morgen standen wir ehrfürchtig oben am Tobel, der durch die Augrabies Wasserfälle geschaffen wurde, gelegen innerhalb eines schönen Wildparks, so daß man neben epischer Canyon Landschaft wieder der heimischen Tierwelt ansichtig wurde. So bekamen wir Paviane und etliche Oryx Antilopen zu Gesicht. Beeindruckend war aber das Erlebnis, sich zu Fuß in unmittelbarer Nähe einer Giraffenherde zu bewegen, um zu besseren Fotomotiven zu gelangen. Dies war möglich, weil es da keine großen Predatoren zu geben scheint und man daher gefahrlos aussteigen kann. Natürlich wurde der respektvolle Abstand zu den Tieren gewahrt, so daß sich diese nicht bei ihrem Giraffensachen machen stören ließen.



    Blick auf die Augrabies Falls


    Auf dem Weg gen Namibia wurde der Oranje überquert und nach den Grenzformalitäten ging es nach Ai Ais. Am Grunde des Ausläufers des Fishriver Canyon lag das Kurbad in der Bullenhitze und ein großer Pool erwartete uns, der natürlich umgehend von uns allen frequentiert wurde. Nach Sonnenuntergang waren es dann nur noch heimelige 33°, die Temperatur des Wassers dürfte einen ähnlichen Wert gehabt haben. Dazu dann Abendessen im Palmengarten und endlich gab es mal Oryxsteaks. Ein herrlicher Ort.
    Die Geologie der Landschaft wurde immer interessanter, während der VW Bus über die Schotterpad fuhr. Es gab Ebenen und ausgewaschene Canyons, immer wieder interessante Photomotive, unbemerkt fuhr man immer höher und schließlich standen wir ehrfurchtsvoll vor dem Abgrund des Fishriver Canyons. Das soll ja der zweitgrößte Canyon der Welt sein und er ist wahrlich imposant. Der Beginn des Wanderwegs nach unten hätte schon gelockt, aber der Abstieg war wegen der Temperaturen nicht erlaubt und Zeit wäre sowieso nicht dafür gewesen. In der gähnenden Tiefe erkannte man eine Kette von teilweise zusammenhängenden, großen Pfützen, alles, was jetzt nach längerer Trockenzeit vom Fish River noch übrig war. So erfreute man sich lieber noch eine Weile an dem majestätischen Anblick und es gab reichlich Futter für die SD Karten.
    Auf der Weiterfahrt nach Westen wurde die Ortschaft Aus passiert, unweit davon ein Highlight, speziell für Gabi und Linette, denn dort hatte man im Rahmen eines Schutzprojektes ein künstliches Wasserloch eingerichtet, welches von den namibischen Wildpferden gerne angenommen wird. Da sich dort jetzt anscheinend immer Pferde aufhalten, hat man zusätzlich einen Ausguck gebaut, damit man dem Treiben dort zuschauen kann. Die Pferde sind Nachkommen der Tiere, die vor über hundert Jahren von den kaiserlichen Truppen freigelassen wurden und es geschafft haben, in der Wüste zu überleben. Dank Wasserstelle und gelegentlicher Fütterung scheint wohl das Überleben der Population sichergestellt zu sein. Unsere Pferdefans jedenfalls waren von dem Erlebnis sehr entzückt.



    Die Wildpferde der Namib


    Weiter ging es, immer weiter nach Westen durch diesen Ausläufer der Namib, bis in Lüderitz der Südatlantik erreicht wurde. Am nächsten Tag blieben wir in der Gegend. Erstmal ein kleiner Ausflug in die Namib. Herrlich, barfuß in die Dünen, aber nicht alle nahmen die Gelegenheit wahr. Ein kurzer Moment der Stille, kurz darauf einer der spektakulärsten Lost Places: Kolmanskuppe. Das alte Städtchen der Diamantensucher, nach den Funden von August Stauch 1908 errichtet, ist jetzt teilweise den Kräften der Wüste ausgesetzt. Einige Gebäude, wie z.B. die Turnhalle mit Kegelbahn werden aber erhalten und für touristische Zwecke genutzt. Das Gelände der Ortschaft liegt inmitten des Diamantensperrgebiets und Namdeb hat hier das Sagen. So darf man sich nur in einem begrenzten Rahmen in der Ortschaft frei bewegen, aber einige der teilweise einsturzgefährdeten Gebäude kann man auf eigene Faust erkunden, wovon wir natürlich regen Gebrauch machten.
    Selbstverständlich gab es noch einen Ausflug zum Atlantik und zum Diaz Kreuz, das Bartholomeo Diaz 1488 errichten ließ. Lüderitz selbst strahlt verschlafenes, koloniales Flair aus, etliche schön restaurierte, mehr als 100 Jahre alte Gebäude säumen die Straßen und die, bedingt durch den Benguela Meeresstrom, sehr moderaten Temperaturen kamen einigen von uns durchaus gelegen. Mir nicht ganz so sehr, die Jacke, die ich hier gelegentlich gebraucht hätte, lag nämlich noch auf Klipfontein im Cactus Cottage.
    Der nächste Morgen markierte tatsächlich schon den drittletzten Tag unseres Südafrika Urlaubes. Zu moderater Morgenstunde machten wir uns auf den langen Weg vom Südatlantik nach Stellaland, nicht ohne uns von den beiden Miezen vom Obelix Guesthouse zu verabschieden. Dann nahmen uns die Weiten Namibias wieder auf und wir glitten erneut an wechselnden, oftmals photogenen Gesteinsformationen vorbei nach Osten. Meine Theorie schien sich auch zu bestätigen, im vorbeifahren sahen wir wieder einige Wildpferde unweit der Wasserstelle. Zeitweilig waren wir bis auf 1500m Höhe unterwegs, trotzdem war es jetzt wieder angenehm warm mit ungefähr 38°. Der Temperaturrekord dieser Reise wurde aber am Nachmittag aufgestellt, als sich die Schotterpad ins Oranjetal absenkte, wo in der Nähe des Grenzübergangs bei Onseepkans tatsächlich 41° angezeigt wurden. Der Grenzübertritt erfolgte abermals erfreulich schnell und problemlos, so daß sich unsere Truppe zur Abendessenzeit wieder im Augrabies Valle Guesthouse einfand. Ein letztes Mal in den Pool, Hottie befeuerte den Braai und wir langten nochmal tüchtig bei den dargebotenen Fleischstücken zu. Der Katzenbestand des Guesthouses versammelte sich auch wieder, es könnte ja was Freßbares abfallen. Mei wie süß, da huschten sogar kleine Kätzle herum.
    Auf der letzten Etappe nach Vryburg beobachteten wir, wie sich im Lauf der Stunden und Kilometer das Wetter allmählich wandelte. Schließlich haben wir Wettergötter uns alle Mühe gegeben, das regnerische Wetter, so gut es geht, auf die Region Vryburg zu konzentrieren. In Upington knallte die Sonne noch vom leicht bewölkten Himmel und brachte den Turm von Khi Solar One zum Glühen, dann wurde es aber schnell dichter bewölkt. Bald wurden wir einer dicken Cumulusnimbus Zelle ansichtig, die in Fahrtrichtung gen Stratosphäre quoll. Ich war mir einigermaßen sicher, daß sich das Zentrum dieser Zelle bald über Klipfontein befinden würde. Hottie war über diese Aussichten ziemlich erfreut. Bei Annäherung an seine Heimat fielen uns mehr und mehr die zahlreichen zartgrünen Stellen in der Steppe auf. Es gab viele Pfützen und wir fuhren hinter der Zelle her, bis wir endlich auf der Farm einbogen. Die Luft war frisch und es schien kurz zuvor ergiebig geregnet zu haben, passend zu unserer Ankunft war das Gewitter nun weiter gezogen. Das war dann ein erfrischender Ausklang des letzten Abends, es wurde nach dem Essen nochmal ein feister Schauer geliefert, schließlich braucht die Farm schon ein bißchen mehr Wasser. Wir machten uns über die restlichen Bier und Weinvorräte her, da ist es egal, was für ein Wetter draußen ist.
    Der letzte Morgen war sonnig und leicht schwül. Es fand sich vor der Abfahrt noch ein kleines Zeitfenster für einen allerletzten Spaziergang für Gabi und mich auf dem Farmgelände. Schnell nahte die leicht wehmütige Stunde des Abschieds von Klipfontein. Für die Region Johannesburg waren Gewitter vorausgesagt, dorthin machten wir uns bald auf, u.a. Hotties Töchter im Gepäck, die wir in Potchefstroom abliefern würden. Dort brachen sich die Unbillen des Wetters endgültig Bahn und eine Superzelle dräute schon etliche Kilometer davor. Kurz vor der Stadt prasselte bereits dichter Regen, dann sogar Hagel hernieder und der Verkehr kam fast zum Erliegen. Am Wohnort der Töchter waren die Straßen teilweise überflutet, zum Glück aber beruhigte sich auf der weiteren Strecke nach Johannesburg das Wetter aber wieder. Abschließend stellten wir fest, daß die Regengötter der Volkssternwarte München doch ganze Arbeit geleistet haben.
    Schnell verabschiedeten wir uns von Hottie, der uns über 5000 Kilometer sicher durchs südliche Afrika gekarrt hat, denn er wollte natürlich schnell wieder dem Johannesburger Abendverkehr entkommen. Mit etwas Verspätung hoben wir am Abend des 09.12. ab und 11 Stunden später hatte uns der Winter wieder. Das heimische Wetter meinte es einigermaßen gut mit uns, es erwarteten uns keine arktischen Temperaturen, eher moderates Spätherbstwetter. Nachdem sich unsere kleine Gemeinschaft aufgelöst hatte, zeigte der Winter nur in Form eines kleinen Miniblizzard auf der allerletzten Etappe ins heimatliche Allgäu, was er kann. Und es bleiben schöne Erinnerungen an endlose Weiten, wilde Tiere und südliche Sterne.



    Haley verabschiedet sich in die Dünen


    Ja, schee wars. Und weil dieser Faden in Stellaland auch gelesen wird: Danke Hottie, danke Sarah für eure Gastfreundschaft. Es war wieder mal schön bei euch. Möge Klipfontein über den Sommer noch weiter ergrünen.


    tl;dr: 4., anfangs bewölkte Spechtelnacht mit allen wichtigen Südhimmelhighlights. Ausflug nach Namibia über Augrabies Wasserfälle, Ai Ais, Fishriver Canyon, Lüderitz. Heimfahrt ins frisch beregnete Stellaland und Unwetter auf der Fahrt zum Flughafen.


    Nochmal viel Spaß beim Lesen!


    Gruß und CDS,


    Haley

  • Hallo Haley,
    danke für deinen bärlauchfeisten Bericht. Habe ich mir gerade
    als Lese-Betthupferl gegönnt. Möchte da auch gerne mal hin.
    Viele Grüße aus Lenggries
    Marwin

  • Hallo Haley,


    welch ein schöner und epischer Bericht!
    Ich habe ihn gleich zweimal gelesen... [:)]
    Was mir aufgefallen ist, sind die teilweise extremen sommerlichen Temperaturen im November.
    Im Oktober waren sie doch deutlich angenehmer, aber auch schon über 30 Grad.


    Übrigens heißt Hotties Tochter Linette in Wirklichkeit Laenita. [8D]


    cs
    Timm

  • Hallo Haley,


    ich kann mich Timm nur anschließen, eine großartige Fortsetzung des ersten Teils [:)]. Ich mag auch milde Hochsommernächte, wenn es bei uns nicht unter 18-22 Grad runter geht. Aber bei 32 Grad dürfte ich noch nie in eine Beobachtungsnacht gegangen sein; deine Objektbeschreibung erinnert mich hier an unsere 11. (Abschieds-) Nacht in 2018 [8D].


    Die Namibiatour mit den Naturerlebnissen ist auch toll zu lesen. Und bei den Temperaturen fallen mir noch zwei weitere Leute aus unserer alten Freundesclique ein, die sich da pudelwohl fühlen würden [:D]. Für mich sind 35 Grad in der Bude, und bis zu 41 Grad draußen dann doch ziemlich deftig - ich würde da jeweils 10-15 Grad abziehen, dann passt es mir sehr gut.


    Servus
    Ben

  • Hallo Haley,


    also danke auch meinerseits für deinen schönen Bericht.
    Ehrlich gesagt, als ich gesehen habe dass er furchtbar lang war, war ich zu faul um ihn ganz auf Deutsch zu lesen und habe ihn dann durch Google Translate in meiner ersten Sprache übersetzt. [;)]
    Manche Sätze werden manchmal besonders spassig, aber schliesslich versteht man doch was der Autor sagen wollte.
    Ihr waret wirklich couragiert um solche afrikanische Hitze zu trotzen. Im Oktober, am Anfang, konnten wir auch in Short und T-Shirt beobachten und in den zwei letzten Nächten bei nur noch 4°C mussten wir uns winterlich anziehen.
    Noch drei Monate hier aushalten und dann geht's wieder los! [:p]


    Viele Grüsse

    Patrice S.

  • Servus Marwin, Timm, Ben, Patrice,


    danke für euer Feedback, vor allem freuts mich, daß du, Patrice als französischer Muttersprachler noch Gewinn aus meinem eigenwilligen Stil ziehen konntest.
    Asche auf mein Haupt, daß ich Laenitas schönen Namen unwissend immer falsch geschrieben habe. Es wurden dauernd verniedlichende Versionen des Namens verwendet, die man sich selber auch angewohnt hat und schlußendlich wußte ich nicht mehr: Wie heißt das Mädel eigentlich richtig geschrieben? Also, Laenita, falls du auch hier mitliest, Hottie hat dir wahrscheinlich den Link geschickt, entschuldige, daß ich dich versehentlich umbenannt habe.
    Ben, die 35° im Cottage waren selbst für mich grenzwertig. Neben der Taktik, die Fenster auf Durchzug zu stellen und dann kein Licht zu machen, wegen der Insekten, half auch der Ventilator, den uns Sarah reingestellt hat. jutta und Toni haben auch einen bekommen, den haben wir dann zusätzlich im Gemeinschaftsraum benutzt. Wir haben Hottie schon den Tip gegeben, daß für den Sommer ein Deckenventilator für den Gemeinschaftsraum bestimmt eine gute Idee wäre.


    Liebe Grüße,


    Haley

  • Hi Haley,


    noch ein Wort zu der charmanten "Linette"...[:D][:D]
    Na ja wir wussten ja sowieso dass die Bayer eine ganz besondere Sprache sprechen und dass für sie Linette einfacher zu aussprechen wäre wie Laenita! [:p]
    Aber jetzt bin ich schell draus [:D][:D]

    Patrice S.

  • Hallo Haley,


    aah wunderbar, all das wiederzuerleben, virtuell und zumindest bis zum Fishrivercanyon. Bis zum Atlantik seid ihr also, was fuer ein Abenteuer!


    Als Regengoetter habt ihr offenbar ganye Arbeit geleistet, hochachtung von einem Lehrling. Ich habe es nur zu einem Kumulanten gebracht der aber an der Farm vorbeigeregnet hat. Dann noch ein gleich verdampfender Kurzguss im Pilanesberg und beim endlich dritten Versuch hats auf die Farm geregnet, aber Sarah sagte das war nicht mal 1mm, und dabei war ich so stolz )


    Die Astroerlebnisse sind auch ganz nett, das Schnuerchen in 1365 ist mir ganz entgangen. Muss ich wohl noch mal hin und genau nachsehen.


    Und zum Vertipper. Respekt dass Du , ich muss copy&pasten, ich kann das bis heute nicht - Potchefstroom - buchstabieren kannst. Ich nahm gerne das mir angebotene Kuerzel "Potch" an.


    Liebe Gruesse, heute erster Tag, aus dem Kleinwalsertal bei minus 7 grad = endlich Schnee,


    Walter

  • Servus Achim,Walter,


    Achim, danke noch für dein Feedback.
    Walter, viel Spaß im Kleinwalsertal, ist gar nicht soo weit von meiner Heimat weg. Bei uns hats aber fast keinen Schnee, nur in versteckten, schattigen Waldrandlagen. Ist mir allemal lieber, als das Schneechaos vom letzten Januar.
    Meine Fähigkeiten als wettermacher konzentriere ich derweil wieder auf die Arbeit, gerade ist es wieder klar, klappt also.


    Gruß und CDS,


    Haley

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