Frühes Aufstehen für Jupiter und Mars

  • Hallo zusammen,


    in den letzten Tagen und Wochen war das Wetter oft für Beobachtungen ungeeignet und unsere "näheren" Nachbarn im Sonnensystem zeigen sich eher zu ungünstigen Zeiten. Während Uranus und Neptun gut stehen, muss man schon motiviert sein, um Venus, Mars oder die beiden anderen Gasriesen zu erwischen - was soll ich sagen? Ich war motiviert. [:D] Auf meiner Wunschliste standen Mars und Jupiter.


    Am heutigen Sonntag klingelte mein Wecker um kurz vor 5 Uhr morgens. Ich warf einen kurzen Blick aus dem Fenster. Da waren zwar Sterne, aber auch genauso viele Wolken. Nachdem ich aber 20 Minuten wartete, klarte der Himmel auf. Wunderbar!


    Meine gesamte Ausrüstung hatte ich am Abend zuvor ins Auto gepackt. Das war auch gut so, denn heute Morgen hätte ich keine Lust dazu gehabt, noch schnell alles ins Auto zu werfen. Auf dem Foto sieht man meinen zusammengeschobenen Zwölfer auf der Rückbank.



    Trotz Motivation war ich ziemlich müde, aber wer am Sonntag um 5 Uhr aufsteht, ist auch irgendwie selbst schuld. [B)] Vor dem Losfahren machte ich mir kurz noch einen Kaffee. Auf dem Tisch liegt auch ein Kowa-Fernglas, welches ich demnächst hier im Rahmen eines Testberichtes vorstellen werde.



    Keine 5 Minuten später war ich im Auto. Ich brauchte einen Platz mit gutem Blick nach Südosten, wofür mein normaler Beobachtungsplatz bestens geeignet war. Zudem ist er nur 5 km entfernt.


    Bei meiner Ankunft um 5:40 Uhr war ich positiv überrascht. Die Temperatur betrug -3 °C und der Himmel war sehr klar, und das auch in Horizontnähe. Da war kein Dunst, der sich nach oben zieht und sämtliche Objekte absaufen lässt. Auch störende Lichtquellen hielten sich deutlich in Grenzen. Weit hinten im Osten befanden sich ein paar Wolken, die aber nicht weiter relevant waren.


    Eigentlich hatte ich geplant, Spica (alpha Vir) als Orientierungspunkt für Mars zu verwenden, falls Jupiter zu meiner Ankunftszeit noch nicht hoch genug steht oder durch Wolken verdeckt wird. Bis ich allerdings beobachtungsbereit war, stand Jupiter bereits auf knapp 10°, war schnell gefunden und die galileischen Monde waren bereits im 8x50-Sucher sichtbar.


    Ich beobachtete Jupiter eine ganze Weile lang. Neben Ganymed, Io, Europa und Kallisto waren natürlich auch die Zonen und Gürtel von Jupiter deutlich zu sehen. Auch die etwas unterschiedliche Farbgebung der Gürtel war erkennbar. Mit dem 14 mm-Okular machte die Beobachtung zwar schon Spaß, aber ich stieg relativ schnell auf 6,7 mm um (223x). Das Seeing erlaubte diese Vergrößerung. Irgendwann begann der Himmel dann, etwas aufzuhellen und ich hielt mal eben mein Handy an das Okular.



    Die Bildqualität hat selbstverständlich wenig mit der Qualität im Okular zu tun, aber was soll man mit dem Handy auch erwarten. [:D]


    Inzwischen war die Morgendämmerung eingebrochen und ich schubste meinen Zwölfer Richtung Mars, der mit seinem orangen Farbton deutlich zu sehen war. Ich tastete mich wieder mit 14 mm voran und wechselte anschließend auf 6,7 mm, die bei Mars schon angebracht sind. Ich erkannte zwar leichte Oberflächenstrukturen, allerdings litt der Kontrast mehr und mehr unter der Aufhellung des Himmels. Indirekt waren aber dunklere Bereiche auszumachen.


    Auch wenn es nun kurz vor Sonnenaufgang war, wechselte ich nochmal zu Jupiter. Die Bänder waren nach wie vor eindeutig erkennbar, aber mit der Zeit nahm auch hier der Kontrast ab und ich entschloss mich, zusammenzupacken. Bis ca. halb 8 war ich zu Hause und es ging wieder Retoure ins Bett - war aber ein guter Start in den Tag!


    Hier noch das Teleskop in der Morgendämmerung (der kleine helle Punkt darüber ist Jupiter):



    Viele Grüße


    Dominik

  • Guten Morgen Dominik,


    Alles nur für zwei Planeten? Da bist Du aber kräftig beim Kampf mit dem Innernen ;-).
    Bei mir kommen Planeten nur am Balkon in Frage (aber auch mal sehr früh morgens,... immerhin)


    Wo war es denn klar heute morgen? Hier in FFM schneit es gerade kräftig. Und wie stand es um den Wind?


    Viele Details gab es noch nicht zu sehen? Jedenfalls ziehe ich den Hut vor Deinem Enthusiasmus.
    Ich ziehe nur noch los, wenn es hieb und stichfest für viele Stunden klar ist und auch nur für
    Deep Sky. Planeten warte ich ab, bis sie halbwegs in Oppositionsnähe sind, zumindes klar im Südosten
    bis Südwesten. Jupiter vermutlich erst ab Ende Januar...


    Mir scheint auch das ist die erste berichtete Beobachtung des Jupiters (und Mars!) mit größerer Öffnung/Brennweite dieser Saison, auch noch keine
    Fotos. Damit hast Du also das Rennen mit einem sehr schön lebendigen Bericht eröffnet? :-). Vielen Dank!


    CS,
    Walter

  • Moing Dominik,
    da schließe ich mich Walter voll und ganz an. Ist schön, mal was von einer Planetenaktion zu lesen und die Verrücktheiten der anderen so per Reportage mitzubekommen [;)]


    Kowa, hab ich gleich gemutmat ohne dass ich den Text vorher las... der Schriftzug sah verdächtig aus ;) Einen ganzen Barhocker schleppste mit? Ui, das wäre für mich nix ;)
    Schaut nach einem guten Platz aus, schöne weite Sicht ohne viel Licht.


    Ja man muss einfach alles nutzen was der Wettergott hergibt. Zum Glück ist das Hobby recht vielseitig, so wenn man will. Da kann man eigentlich immer irgendwas machen.


    Danke für die Schilderung Deines kleinen Ausflugs!
    Beste Grüße und CS
    Norman

  • Hallo zusammen,


    (==>)Walter: Ich bin hier in Ostbayern. Gestern Nacht war es noch leicht bewölkt, bevor dann heute Morgen freie Sicht geschaffen wurde. Der Wind war eiskalt, aber mit der Windgeschwindigkeit von 5 km/h was das verkraftbar.


    <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote"><i>Original erstellt von: stardust3</i>
    <br />Viele Details gab es noch nicht zu sehen? Jedenfalls ziehe ich den Hut vor Deinem Enthusiasmus.
    Ich ziehe nur noch los, wenn es hieb und stichfest für viele Stunden klar ist und auch nur für Deep Sky.<hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    Bei Jupiter kamen Details rüber, und zum Glück wurden diese Details nicht von schlechtem Seeing geschluckt. Dafür, dass Jupiter anfangs sehr horizontnah war, waren viele Details der Bänder zu sehen. Beim Mars haperte es letztendlich wie gesagt am Kontrast - bis auf leicht dunklere Bereiche hoben sich da keine Gebiete besonders ab, nach und nach tauchte Mars dann in die Morgendämmerung ein.


    <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote"><i>Original erstellt von: stardust3</i>
    <br />Damit hast Du also das Rennen mit einem sehr schön lebendigen Bericht eröffnet? :-).<hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    Von mir aus gerne - mal sehen, ob es noch andere Teilnehmer geben wird. [:D]


    (==&gt;)Norman: Der Hocker ist eigentlich ein (ergonomischer) Schreibtischstuhl. Das Teil ist seeehr bequem und passt genau in den Fußbereich vom Beifahrersitz. Nichtsdestotrotz denke ich über eine Bügelstehhilfe nach.


    Danke euch für die positiven Rückmeldungen!


    Viele Grüße


    Dominik

  • Ja, beneidenswert, Dominik,


    ich hoffe, dass es diesen Monat auch für mich mal klar wird für die beiden. Wie du schon beschrieben hast: Mit Erfahrung geht auch auf Mars schon wieder was.


    CS.


    Hubertus

  • Hallo Dominik,


    dein Enthusiasmus ist schon beeindruckend, und vieles in deinem anschaulichen Bericht kann ich gut nachvollziehen. Zwar war die längste Brennweite bei mir 280mm (und ich brauchte weitaus weniger Gerät transportieren), aber es waren ebenfalls die frühen Stunden in der Morgendämmerung, als sich Mond,Venus, Jupiter und Mars begegneten.


    <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote">mal sehen, ob es noch andere Teilnehmer geben wird. <hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    Da bin ich ebenfalls gespannt, auch weil es Mitte November recht wenig Beteiligung in Form von Fotos gab; hereingeschaut in den Thread hatten ja recht viele.


    Dir viel Glück, und genieße nebenbei die Stimmung drumherum, wenn der Himmel langsam farbig wird.


    Viele Grüße aus dem inzwischen verschneiten Norden
    Manfred

  • Hallo Dominik,
    da ist dir ja ein toller und stimmungsvoller Bericht gelungen! Ich mag ja Berichte, wo das Drum Herum beschrieben wird und dies durch Stimmungsbilder unterstützt wird. Deine Begeisterung hier so früh an einem Sonntag aus den Federn zu kriechen, kann ich nachvollziehen. Gerade dann, wenn neues Equipment am Start ist. Einen kleinen Krtik Punkt habe ich aber, bzw. Wünsch, denn Kritik wäre falsch formuliert. Ich hätte gerne mehr Detailbeschreibungen gerade bei Jupiter gelesen. Konntest du Strukturen in den Wolkenbändern, Girlanden oder z. B. white ovals etc. beobachten? Das war jetzt nicht als Frage zu verstehen, sondern als Anregung, was man noch hätte beschreiben können.


    Gruß Holger

    12“ Spacewalk Infinity + Black Edition, Lzos APM 100f8, APM MS ED Bino 16x70 und 10x50

  • Hallo Dominik,


    sehr schöne Aktion, und Du hast die Freude, die das Beobachten "jahreszeituntypischer" Objekte machen kann, gut eingefangen! Ich hab das früher öfter vom heimischen Garten aus praktiziert, wenn mich meine Kinder nachts aus dem Bett geholt hatten und ich sowieso wach war [:D].


    Woran es mich aber am meisten erinnert hat, war ein Beobachtungsmorgen am 4. Advent vor zwei Jahren - laut meinen Aufzeichnungen war ich um 3:45 auf dem Feld draußen und habe außer Jupiter auch sehr begeistert meinen ersten Kometen mit zwei Schweifen beobachtet (Catalina, wegen dem war ich eigentlich draußen), und zwischen M49 und M61 Galaxienhopping statt Starhopping praktiziert. Das jahreszeituntypischste Objekt war damals M83, arg grenzwertig im Morgendunst... Und auf dem Rückweg hab ich pünktlich um halb acht, als er gerade aufmachte, beim Bäcker Frühstück für meine Familie mitgenommen.


    Du motivierst mich echt, sowas auch mal wieder zu machen! Ein Vorteil ist dabei auch, dass man auf diese Weise auch deutlich mehr Nächte (bei zunehmendem Mond) für Deep Sky nutzen kann.


    Danke jedenfalls und viele Grüße


    Holger

  • Hallo zusammen,


    vielen Dank für eure Antworten - es freut mich sehr, dass meine Aktion gut ankommt und sogar den ein oder anderen motiviert.


    (==&gt;)Manfred: Das mit der Beteiligung in Fotos stimmt, man muss aber sagen, dass das Wetter sehr zu wünschen übrig ließ. [:D] Danke an (==&gt;)Holger für den Verbesserungsverschlag, den ich gerne in Zukunft berücksichtigen werde.


    (==&gt;)Holger (Cleo): "Jahreszeitenuntypisch" trifft es ganz gut: Da baut man sein Teleskop auf, schaut in den Zenit und sieht erstmal den Großen Bären. Ungewohnt im Dezember, aber sehr angenehm, wenn man bedenkt, dass man unzählige Galaxien (Großer Bär, Jagdhunde etc.) an einem klaren Winterhimmel beobachten kann.


    Viele Grüße


    Dominik

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