BB vom Sudelfeld anno 1980

  • Hallo Freunde,


    beim Ausmisten hat mein Freund Rainer einen alten Beobachtungsbericht aus dem Jahr 1980 gefunden.
    Den möchte ich euch nicht vorenthalten!
    Er ist schon etwas vergilbt, aber trotzdem gut lesbar.



    Das waren noch Zeiten! [:p]
    cs
    Timm

  • Schoener "archaeologischer" Fund !


    Was mir auffaellt: Der Bericht koennte von heute stammen !


    Ich haette beispielsweise um 1980 ein wesentlich kleineres Teleskop erwartet als 12" f/5. Das war fuer damalige Zeiten ein kapitaler Brummer. Auch die Zollangabe klingt "moderner" als 1980.


    Die Objektnamen haben sich in den dreissig Jahren auch nicht geaendert. Schoen, dass es auch in unserer schnellebigen Zeit etwas Konstantes gibt.

  • Hallo Timm,


    Wooowww! Hast du da ein bemerkenswertes wertvolles Papier ausgegraben! Das gehört ja direkt ins Astromuseum! [;)] Sogar das Stephans Quintet war schon dabei! [:p] Aber was mir am liebsten gefällt ist dass Leute wie du und Rainer nach drei Jahrzehnten intensiver Astropraxis immer so begeistert sind, einfach Klasse! [:)]


    beste Grüsse,

    Patrice S.

  • Moin
    Phantastisches Dokument - und da kommen sofort Erinnerungen auf. Ich war mal mit Freunden auf dem Sudelfeld, und zwar, wenn ich es recht rekonstruiere, 1981. Aus Hamburg angereist, hatten wir einen parallaktisch montierten 12" Newton dabei, den wir auf der Liftstation montierten - es war eine Riesen-Schleppaktion. Die erste Nacht war super - danach gab es leider nur noch Sichtweiten um die 3-10 Meter. Visuell haben wir uns etliche Objekte reingezogen. Fotografisch ging es schlecht, weil offenbar die Stahlseile Betonsockel des Lifts um ein paar Bogensekunden auslenken konnten. Wir hofften auf klare Nächte, aber dann kamen die nicht. Begegnungen mit Kühen im Dunkeln waren mitunter abenteuerlich.


    Große Spiegel waren damals gar nicht sooooo ungewöhnlich. Klar, das war vor der ersten großen Dobsonwelle, aber engagierte Amateure konnten bereits damals basteln. Wir hatten einen 14" Newton und einen 12" Newton in der GvA-Außensternwarte. Ersterer war noch bis vor kurzem unser Hauptgerät. Es gab relativ günstige Spiegel von Coulter in den USA (17.5" f/4.5 für 500 US$, 13" für < 300 US$ - zum Vergleich: Ein C8 auf Stimmgabel kostete 800$, oder das Doppelte beim Importeur). Die Coulter-Spiegel waren anfänglich sogar ziemlich gut. Und der Dollarkurs war auch nicht so schlecht (um die 2 DM). Wer also wollte und bastlerische Möglichkeiten hatte, konnte. Fertige Geräte mit großer Öffnung waren aber kaum zu kriegen.


    Als wir zum Sudelfeld fuhren, kamen wir in München auf der Volkssternwarte vorbei, wo sie auch gerade einen größeren Spiegel aus USA bekommen hatten und just mit der Messerschneide testeten.


    Was 1980/81 aber total anders war: Die Einsteigergeräte. Die hatten 6-11 cm Öffnung, und ein 8" SCT-Grauimport war ein Traum für Fortgeschrittene. Die heute Einstiegsdroge (8" Dob) war eben bereits riesig. Nebelfilter waren noch unbekannt. Daher guck ich immer so komisch, wenn mich Leute fragen, ob man mit 8" überhaupt was sehen kann....


    Hartwig

  • Hallo Hartwig,


    danke fuer die Ausfuehrungen. Mir war das nicht so klar, dass es schon damals reichlich grosse Oeffnungen gab. Selber kam ich erst um 1983 in die Astronomie (50/600er BOB-Refraktor) und in unserem Ort waren die groessten Geraete Celestron C8. Gleich drei Sternwarten gab es mit ihnen, und groesseres Instrumentarium kannte man nur vom Hoerensagen. Und ja, dem Schueler stand die Troika aus 60/700 azimutal, 60/900 parallaktisch oder Newton 114/900 parallaktisch zur Verfuegung. Alles Andere war unerschwinglich und ein Sechszoeller aus Japan die Kroenung eines Tasco- oder Bresserkatalogs. Offenbar wurde meine Erfahrung durch die Provinzlage gepraegt, in der ein C8 als das Groesste galt, was dem angehenden Sternfreund ins Haus stehen konnte.


    Vom Sudelfeld erfuhr ich 1985 im Januar- oder Februarheft meiner frisch abonnierten "Sterne und Weltraum". Damals dachte ich noch, der Name sein ein Spitzname wegen der Bodenbeschaffenheit - man sollte halt nicht vom durchweichten norddeutschen Acker auf das Hochgebirge schliessen. [;)]


    Ueber die heutigen Anfaengerinstrumente (4 Zoll sind zu klein, nimm besser 8) muss ich auch schmunzeln. Aber es ist ja eine gute Entwicklung, dass auch dem Einsteiger heute leistungsstarke Ausruestung zur Verfuegung steht, die vor 30 Jahren nur mit Selbstbau bezahlbar zu erreichen gewesen waere.

  • Hallo Hartwig,


    Nebelfilter gab es Anfang der 80er schon!
    Ein Bekannter aus Essen (Walter Kitt) hatte damals Versuche an der Uni mit aufgedampften Schichten gemacht.
    So einen Filter hatte ich für wenig Geld abstauben können.
    Damit konnte ich zum ersten Mal den Pferdekopf- und Cirrusnebel sehen.
    Diesen Filter habe ich noch und er ist immer noch gut. Die Bandbreite dürfte einem UHC entsprechen.
    Der 12-Zoll-Spiegel war aus Zerodur und selbst geschliffen,
    Eine Sauarbeit, die ich nur mit Hilfe von Klaus Schwemin (AstroAG-Westerholt) und seinen Schleifmaschinen geschafft habe.
    Das Polieren dauerte ein halbes Jahr und kostete viele Nerven!
    Vorher hatte ich schon Anfang der 70er Jahre einen 6-Zöller und einen 10-Zöller geschliffen
    und die dazu passenden Teleskope gebaut. Das waren echt Schwergewichte!


    Hallo Patrice,


    ja, das ist ein so schöner Fund, dass ich ihn unbedingt posten musste.
    Schnelles Spechteln war scheinbar damals schon bei mir ganz wichtig.
    35 Objekte in 3 Stunden... das ist schon was!


    Hallo Juergen,


    mit 12 Zoll war man ganz weit vorn dabei.
    Es gab allerdings damals auch schon Leute, der Helmut Spaude z.B., die mit 17,5 Zoll unterwegs waren. Auch oben am Sudelfeld...


    cs
    Timm

  • Hallo Timm,
    habe gerade vor ein paar Wochen meine Gartensternwarte fertiggestellt.
    Wenn ich das so lese würde ich am liebsten gleich alles wieder abbauen und sofort losfahren.....
    Viele Grüsse
    Dieter

  • Wow! Selbstgebrutzelte Nebelfilter - yeah! In den 1980ern war eben alles nicht so kommerziell wie heute, aber extrem vielseitig!
    Hartwig

  • Lieber Timm,
    Dein schöner Bericht aus 1980 bringt mir richtig die Sonne in den schwäbischen Nebelhimmel[:D]


    Du bist mir halt ein paar Jahre voraus![8D]
    1982 war es als unser rühriger Professor Ernst Sp. seine Schüler der TO Stuttgart
    zur Saturnbeobachtung am frühen Morgen im Schulhof neben der Hohenheimerstrasse eingeladen hat.


    Im Kosmos Newton 110/1100 konnten wir bei die Saturnringe bewundern.
    Er erzählte uns damals daß er noch einen Spiegelsatz für den Kosmos Schiefspiegler 110/2720 bei Seite liegen hat,
    der auf seinen Einsatz im Selbstbaufernrohr wartet.
    Ob der noch immer dort liegt und auf mich wartet?


    Vom Helmut Spaude habe ich im SuW 11/1983 gelesen.
    Seine Beobachtungsberichte habe ich gierig aufgesaugt.


    Beim ITT 1987 auf dem Wöllaner lernte ich Ihn kennen.
    Er stellte uns am 6"F10 Jaegers Leihfernrohr ratzfatz einen Planetary ein.
    Helmut beschrieb uns einen Knödel im Gesichtsfeld des Okulars, wir sahen nur Sternensuppe [:o)]


    Ich war damals richtig "high" zwischen all den Deep Sky Cracks auf dem Berg,
    und ein 13,1" Coulter war damals ein richtig gewaltiges Teleskop.


    Detlef Hartmann war mit seinem 17,5" Newton der Platzhirsch!


    Nach unvergesslichen Spechtelnächten habe ich mir damls auch gleich den 17,5" Spiegelsatz beim Coulter in Idylwild ,CA, U.S.A. bestellt.


    Damit liessen sich im schwäbischen Outback so herrliche Beobachtungen
    ab dem Frühjahr 1990 nachvollziehen, wie Du sie in eurem BB von anno 80 beschrieben hast.


    Einen klasse Bericht den Du da ausgegraben hast[:)]

    LG von Gerd

    ein Backnanger Sterngucker

  • Hallo Gerd,


    eben habe ich vom Rainer die zweite Seite bekommen.
    Dass noch einmal so viele Objekte dazugekommen sind, macht mich selbst sprachlos!
    Es waren zusammen 53 Objekte.
    Puh, sauschnell... ob wir damals auch alles ausreichend angesehen haben, wage ich zu bezweifeln!



    Du bist ja auch schon seit ewigen Zeiten unterwegs und hast vor 25 Jahren
    mit dem 17,5er einen Riesenspiegel eingesetzt.
    Solche Riesenspiegel habe ich erst seit ich den Roland kennen gelernt habe.
    Grüße aus Spanien, wo gleich Jupiter und Mond dran glauben müssen.
    Mit einem Riesenspiegel: 650mm (Brennweite) und 130mm Öffnung.
    cs
    Timm

  • Hallo Timm,


    toll, was ihr da ausgegraben habt! Toller BB, ist ja ein halber Messiermarathon! Vor 32 Jahren mit 12" spechteln, Chapeau, da wart ihr sicher absolute Exoten! Und den selbstgebrutzelten Nebelfilter, bringe den doch bitte zum nächsten ITV mit. Wäre sicher für alle interessant was das Teil kann!


    Gruß und CS!


    Volker

  • Hallo Volker,


    ja, das war eine schöne Zeit mit 12 Zoll auf dem Sudelfeld.
    Ich war dort oben schon 1971 oder 1972 mit meinem selbst geschliffenen 6-Zöller.
    Damals war das Spechteln in den Bergen mit transportablen Teleskopen noch recht selten.
    Der Rainer war der erste, den ich zum Mitspechteln überreden konnte.


    Den Filter habe ich natürlich immer mit dabei. Auch beim nächsten ITV.
    CS
    Timm

  • Hallo Timm.


    Das sind ja mal schöne Dokumente.
    Heb sie dir gut auf, solche alten und noch erhaltenen Aufzeichnungen findet man selten.
    Sie erinnern einem an so manche Nacht draußen unter den Sternen.


    Viele Grüße
    Gerd

    Beobachtung der Sonne, Mond, Planeten und Kometen, Nebel, Sternhaufen und Galaxien.

    Meine Website: corcaroli.de

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!