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Seite: von 3

Henri
Meister im Astrotreff

Deutschland
360 Beiträge

Erstellt am: 12.08.2017 :  13:58:42 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Henri's Homepage  Antwort mit Zitat
Hallo liebe Spiegelschleifer.
Nach längerer Pause möchte ich mich auch mal wieder etwas mit dem Thema befassen.
Genauer gesagt: ich möchte einen Ablenkspiegel (155mm) selbst machen. Nun fange ich erst mal mit den Grundlagen der Vermessung an.

Der Ritchey Common Test in 10° Stellung:

Die 300mm Referenzsphäre hatte ich vor etwa einem Jahr fertiggemacht, sie ist noch unbeschichtet. Eingebaut ist das gute Stück in einem stabilen Kasten, die Sphäre ist drehbar gelagert.
Als Prüfling zum probieren habe ich einen älteren 80mm Ablenkspiegel.

Hier nun zu vollständigkeit mal noch zwei Bilder vom Prüfstand:

Den Tisch kann man in drei Achsen bewegen, unter dem blauen Deckel versteckt sich ein Bath Interferometer und rechts daneben ist mein "künstlicher Stern".


Hier sieht man das Okular und dahinter das Objektiv vom Fotoapparat. Unter dem Okular kann ich zwei Röhrchen einstecken.
In dem Linken steckt eine offene 10000mc LED zum schnellen einjustieren und im rechten auch eine abgeschliffene LED mit einer etwa 50µm Lochblende.
Das Loch habe ich übrigens mit Strom duch die Aluminiumfolie "geschweißt". Dazu hatte ich einen 2500µF Kondensator mit 12V geladen und dann diese Ladung mit einer feinen Nadelspitze durch die Alufolie geschossen.
So wurde das Loch kleiner und runder als bei der Methode das Loch mit der Nadel durchzustechen.

Aber nun zu meinen Ergebnissen: hier die Aufnahmen vom 45° Test(wie im Teleskop eingebaut).


Und hier die 10° Stellung:

Die Mitte ist der Fokus und die Bilder rechts und links daneben wurden jeweils in 2,5mm Schritten Intra- und Extrafokal aufgenommen.
Was mich hier nun wundert: die beiden äußeren Bilder zeigen, dass die Abbildung vertikal immer länger wird, je weiter ich aus dem Fokus komme. Sowohl Intra- als auch Extrafokal.
Ich hatte vermutet, dass sich Bild beim herein- bzw. herausfahren aus dem Fokus einmal horizontal und einem vertikal verzieht. Habe ich da was verwechselt?

Als letztes habe ich den Planspiegel dann noch mit dem Interferometer (allerdings noch ohne Tunnel) getestet. Es wurden 8 Interferogramme gemittelt:

Dazu hätte ich auch mal noch eine Frage: Da das Laserlicht den Planspiegel ja doppelt passiert, misst man ja auch mit doppelter genauigkeit. Hier in diesem Falle habe ich Strehl 0,974 ermittelt. Aber wie genau ist der Spiegel denn dann nun wirklich? Mal vorausgesetzt, die Messung ist korrekt...

Beste Grüße, Henri

www.sternwarte-kletzen.de

Bearbeitet von: am:

Kurt
Forenautor im Astrotreff

Germany
7088 Beiträge

Erstellt  am: 12.08.2017 :  23:41:41 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Henri,

RC-Test vom kleineren Planspiegeln unter 10° wenn eine wesentlich größere Referenzsphäre verfügbar ist? Wozu soll das denn gut sein
Zitat:
Die 300mm Referenzsphäre hatte ich vor etwa einem Jahr fertiggemacht, sie ist noch unbeschichtet

Wenn dann der Prüfling auch nicht beschichtet ist wird es schwierig werdeb ordentliche I-gramme zu produzieren. Die Beschichtung der Sphäre würde dich bei mir nur die Transportkosten kosten. Bei Interesse bitte PM an mich.

Zitat:
...Dazu hatte ich einen 2500µF Kondensator mit 12V geladen und dann diese Ladung mit einer feinen Nadelspitze durch die Alufolie geschossen...

Diesen Trick hab ich auch schon mal erfolgreich verwendet, mit Entladung im Ölbad.

Gruß Kurt


Bearbeitet von: am:
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Amateurastronom
Altmeister im Astrotreff


1379 Beiträge

Erstellt  am: 13.08.2017 :  03:00:10 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Zitat:
Original erstellt von: Henri


Genauer gesagt: ich möchte einen Ablenkspiegel (155mm) selbst machen. Nun fange ich erst mal mit den Grundlagen der Vermessung an.

Der Ritchey Common Test in 10° Stellung:



Mir persönlich war das damals zu indirekt anzuwenden.
Eine perfekte Planfläche ist in Form eines dünnen Flüssigkeitsfilms/ Wasserfilms leicht zu erhalten. Ein Plastik-Blumenuntersetzer und drei Einstellschrauben mit Feingewinde auf einer grossen Basisplatte, die das Wasserbecken trägt, genügt. Eine Natrium-Niederdrucklampe reicht als Lichtquelle dazu.

Dagegen kann man mit einem Fizeau-Interferometer eine unverspiegelte plane oder fast plane Glasfläche direkt messen. Man sieht dann direkt, wo welche Abweichung vorliegt und hat direkt die Genauigkeit.

Beispiele sind etwa im Juli 1990-Heft von Sky&Telescope (Gleanings for ATMs) und im Buch von Twyman, "Prism and Lens making" zu sehen.

Bearbeitet von: Amateurastronom am: 13.08.2017 03:03:42 Uhr
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mkoch
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
2903 Beiträge

Erstellt  am: 13.08.2017 :  14:01:53 Uhr  Profil anzeigen  Besuche mkoch's Homepage  Antwort mit Zitat
Hallo Henri,

ein flacher Einfallswinkel ist sehr ungünstig. Der Zusammenhang zwischen dem Oberflächen-Fehler des Planpiegels und dem Wellenfront-Fehler in der reflektierten Wellenfront wird (bei einmaliger Reflektion) durch diese Formel beschrieben:

Wellenfrontfehler = 2 * Oberflächenfehler * cos(alpha)

wobei alpha der Winkel zwischen dem einfallenden Strahl und dem Lot auf der Spiegeloberfläche ist. In deinem Fall wären das 80°, so dass sich ergibt:

Wellenfrontfehler = 0.35 * Oberflächenfehler


Bei einem Einfallswinkel von 45° würde man bereits einen 4 mal größeren Wellenfrontfehler messen:

Wellenfrontfehler = 1.41 * Oberflächenfehler

Gruß
Michael

Bearbeitet von: am:
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Kurt
Forenautor im Astrotreff

Germany
7088 Beiträge

Erstellt  am: 13.08.2017 :  22:14:52 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Amateurastronom,
Zitat:
...Dagegen kann man mit einem Fizeau-Interferometer eine unverspiegelte plane oder fast plane Glasfläche direkt messen. Man sieht dann direkt, wo welche Abweichung vorliegt und hat direkt die Genauigkeit.



wie bitte soll das gehen mit dem Fizeau- Interferometer und der Genauigkeit wenn mein Prüfling D= 12" oder auch D = 16" misst? Letzteren hab nämlich ich gerade zufällig in Arbeit. Meines Wissens gibt es kein für Amateure bezahlbares Fizeau- Interferometer welches diesen Durchmesser packt.

Eine brauchbare 16“- Referenzsphäre zu stricken war zwar harte Arbeit aber überschaubar. Dank eigener Vakuumkammer kann ich jetzt sogar mit Michaels 55€ PDI den Prüfling vollflächig an einem Stück im RC Setup unter 45° interferometrieren. Mit dem Bath geht es zur Not sogar ohne dass eine der beiden Spiegel belegt ist.

Den 12" hab ich vor mehr als 10 Jahren gefertigt und dabei den RC- Test unter 45° gegen eine annähernd gleich große Referenzsphäre verwendet.

(==>) Michael,
Zitat:
Wellenfrontfehler = 2 * Oberflächenfehler * cos(alpha)

Der cos45° ist nach meinen drei 3 Taschenrechnen übereinstimmend 0,707...(vermutlich exaktgenau ½ * Wurzel 2). Demnach wäre der

Wellenfrontfehler = Oberflächenfehler *1,414... wie du auch schreibst.

Aber das hab ich nicht verstanden :
Zitat:
Bei einem Einfallswinkel von 45° würde man bereits einen 4 mal größeren Wellenfrontfehler messen:

Bitte um Aufklärung für in Mathe schwächelnde Senioren.

Gruß Kurt

Bearbeitet von: am:
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Amateurastronom
Altmeister im Astrotreff


1379 Beiträge

Erstellt  am: 14.08.2017 :  03:02:05 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Zitat:
Original erstellt von: Kurt


wie bitte soll das gehen mit dem Fizeau- Interferometer und der Genauigkeit wenn mein Prüfling D= 12" oder auch D = 16" misst?
...
Meines Wissens gibt es kein für Amateure bezahlbares Fizeau- Interferometer welches diesen Durchmesser packt.



Das kann man leicht selber bauen. Ich hatte damals eines für 8"
gebaut. Als Kollimatorlinse reicht sogar eine Fresnellinse aus Plastik.
Die Kosten sind nicht hoch. Ein paar Liter Wasser und ein paar Tropfen Spülmittel sind kein Kostenfaktor.
Problem ist einzig, dass man zur Prüfung einige Stunden warten muss, bis sich der Prüfling an die Flüssigkeitstemperatur angeglichen hat.

Bearbeitet von: Amateurastronom am: 14.08.2017 03:21:02 Uhr
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mkoch
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
2903 Beiträge

Erstellt  am: 14.08.2017 :  09:30:03 Uhr  Profil anzeigen  Besuche mkoch's Homepage  Antwort mit Zitat
Hallo Kurt,

Zitat:
Original erstellt von: Kurt
Aber das hab ich nicht verstanden :
Zitat:
Bei einem Einfallswinkel von 45° würde man bereits einen 4 mal größeren Wellenfrontfehler messen:




Henri hat doch geschrieben, dass er den Planspiegel mit extrem flachem Einfallswinkel von 10° messen möchte. Der Winkel zwischen dem Strahl und dem Lot auf der Spiegelfläche wäre dann 80°.
2 * cos(80°) = 0.35

Wenn man hingegen mit 45° Einfallswinkel arbeitet, dann ist die Empfindlichkeit des Tests bereits 4 mal so groß:
2 * cos(45°) = 1.41

Daher gilt: Je flacher das Licht einfällt, umso schwieriger wird es die Fehler des Spiegels zu messen.
Oder anders ausgedrückt: Wenn man das Licht flach genug einfallen lässt, dann kann man auch ein Stück Sandpapier als Spiegel verwenden.

Gruß
Michael

Bearbeitet von: am:
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PeJoerg
Altmeister im Astrotreff


1123 Beiträge

Erstellt  am: 14.08.2017 :  10:27:40 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Michael,

ich meine mich zu erinnern, dass je flacher der Winkel ist, Fehler umso brutaler zum Vorschein kommen. Stichwort Asti bzw. scheinbarer Asti durch Radius im FS.
Ich glaube im Texereau steht das. Ist ja irgendwie auch logisch, je weiter die Randbereiche des Fangspiegels reflexionsteschnich auseinander liegen, umso schlimmer wirkt sich das im Fokus der Prüfsphäre aus.

Viele Grüße
Jörg

Ausrüstung: Mehr als ausreichend, aber nie ganz zufriedenstellend.

Bearbeitet von: am:
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Kurt
Forenautor im Astrotreff

Germany
7088 Beiträge

Erstellt  am: 14.08.2017 :  10:33:31 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Michael,

Zitat:
...2 * cos(80°) = 0.35
Wenn man hingegen mit 45° Einfallswinkel arbeitet, dann ist die Empfindlichkeit des Tests bereits 4 mal so groß:
2 * cos(45°) = 1.41


danke, alles klar. Das bedeutet, der RC-Test bei typischerweise 45° Einfallswinkel ist nur 0,707 x so empfindlich wie der AC- Setup im Doppelpass. Aber damit kann ich leben.

Gruß Kurt





Bearbeitet von: am:
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fraxinus
Altmeister im Astrotreff


2901 Beiträge

Erstellt  am: 14.08.2017 :  13:23:25 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo,

wie so oft mangelt es an der Klarheit der Begriffe.

1. Der RC-Test im ursprünglichen Sinn ist ein Test mit künstlichem Stern.
Ein endlicher Radius zeigt sich als Asti.
Je flacher der Eifallswinkel, desto empfindlicher ist der Test.
Ein Fehlermix ist schwer zu interpretieren.
Quantifizierung kaum möglich.

2. Der interferometrische Test im RC-Setup ist mittlerweile der übliche Aufbau für die Fangspiegel-Herstellung.
Hier ist die Empfindlichkeit exakt 2x so hoch wie beim Test einer Sphäre aus dem ROC.
Unabhängig vom Winkel!
Man setzt in OpenFringe bei "Configuration / Mirror-Test-Parameters" den Haken bei "Double Pass" und erhält dann exakt die Wavefront unter dem entprechenden Winkel. Da muss man nix mehr umrechnen.
Insbesondere darf man dan den Strehl des Fangspiegels mit dem des Hauptspiegels multiplizieren.

Wenn man also den Fangspiegel später unter 45° einsetzt, dann muss man auch unter 45° testen.
Ob der Fangspiegel dann wirklich "plan" ist, spielt keine Rolle. Beispielsweise könnte er eine passende Kombination aus Asti und Radius haben und unter diesem Winkel plan erscheinen.

Ein echter Planspiegel sollte deshalb unter allen Winkeln ausreichend gut sein

Viele Grüße
Kai

Bearbeitet von: fraxinus am: 14.08.2017 13:26:38 Uhr
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Henri
Meister im Astrotreff

Deutschland
360 Beiträge

Erstellt  am: 14.08.2017 :  17:36:36 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Henri's Homepage  Antwort mit Zitat
Hallo, sorry dass ich mich so spät wieder melde und vor Allem vielen Dank für die Antworten.

Also ich habe mich nun mal kurz an Michaels Formel probiert, da ich mich gerade etwas mit php rumschlage kam das gerade recht:
http://www.sternwarte-kletzen.de/technik_optik_calc.php

Da Kais Löung aber nun noch einfacher ist, werde ich das wohl wieder verwerfen. Einfach bei OpenFringe Double Pass bestätigen.
Ich habe das gerade mal getestet. Man muß diese Einstellung auf jedem Falle vornehmen, bevor die FFT Analyse gestartet wird. Und es ist erstaunlich, wie gut der Spiegel plötzlich ist!
Also werde ich mich dann wohl einfach auf das Bath Interferometer und OF verlassen.

-->Kurt: Ich habe schon geaht, dass es mit zwei unbelegten Spiegel schwer wird ein Interferogramm zu schießen. Der Kontrast wird wohl stark dahinnverschwinden... Deshalb würde ich natürlich Dein Angebot gern annehmen und schicke Dir bei Gelegenheit eine PM.

-->Amateurastronom: Das Fizerau ist natürlich eine bequeme Lösung, aber die Linsen habe ich nicht. Die Lange Seite des Planspiegels hat 220mm. Das ist schon eine Hausnummer...

-->Michael: Ich glaube die Formel trifft für das Interferometer nicht zu, Du meintest da wohl den RC Test?

-->Kai: Genau, ich hatte ja zwei verschiedene Tests gemacht. Danke für die aufhellende Erklärung. Der Spiegel wird (wenn ich ihn denn hinbekomme) nur in 45° Stellung verbaut.

----

Also der Interferometer Test ist nun klar.

Nur beim Ritchey Common Test fehlt es mir noch ein wenig. Deshal erlaube ich mir noch mal das Bild von ganz oben hier anzuhängen:

Ich habe auf der sehr informativen Webseite von Reiner Vogel gelesen, dass man einen vertikalen und einen horizontalen Fokus hat. Dies konnte ich bei mir nicht feststellen wie man sieht.
Aber vielleicht ist der Planspiegel, den ich hier habe(ist nicht von mir) auch einfach nur fast perfekt. Der Strehl zumindest scheint das zu bestätigen.


www.sternwarte-kletzen.de

Bearbeitet von: am:
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mkoch
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
2903 Beiträge

Erstellt  am: 14.08.2017 :  18:39:10 Uhr  Profil anzeigen  Besuche mkoch's Homepage  Antwort mit Zitat
Hallo Henri,

Zitat:
Original erstellt von: Henri
-->Michael: Ich glaube die Formel trifft für das Interferometer nicht zu, Du meintest da wohl den RC Test?



Eine perfekte Wellenfront trifft unter einem bestimmten Winkel auf den Spiegel und wird reflektiert. Die reflektierte Wellenfront ist dann nicht mehr fehlerfrei. Die Formel beschreibt den Zusammenhang zwischen dem Oberflächen-Fehler des Spiegels und dem Fehler in der reflektierten Wellenfront. Die Formel gilt ganz allgemein und hat nichts mit einem bestimmten Testaufbau zu tun.

Ich muss aber Kai zustimmen wenn er sagt, dass mit den Begriffen hier einiges durcheinander geht.

Gruß
Michael

Bearbeitet von: am:
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PeJoerg
Altmeister im Astrotreff


1123 Beiträge

Erstellt  am: 14.08.2017 :  20:30:30 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Kai,

ich wusste, dass das jetzt kommt.
Zitat:
Wenn man also den Fangspiegel später unter 45° einsetzt, dann muss man auch unter 45° testen.


Grundsätzlich erst mal ja.
Zitat:

Ob der Fangspiegel dann wirklich "plan" ist, spielt keine Rolle. Beispielsweise könnte er eine passende Kombination aus Asti und Radius haben und unter diesem Winkel plan erscheinen.


Naja, dann weiß man nur, dass es für den Strahlenkegel (Öffnungsverhältnis) zur Prüfsphäre passt und für diesen Fall plan erscheint. Strahlenkegel und Einbauposition sind im Teleskop dann in der Regel anders als beim Messaufbau, dann wird er nicht plan erscheinen.
Ist diese Kombination aus Asti und Radius zufällig passend zum Öffnungsverhältnis des Hauptspiegels, dann spielt es keine Rolle. In diesem Fall wird der Planspiegel beim Messen schlechter abschneiden, wäre in der Anwendung im Teleskop aber in Ordnung.
Grundsätzlich hat ein Planspiegel plan zu sein, egal in welchem Winkel und Position er eingebaut ist - meine Meinung, basta.
Die Herstellung eines solchen Spiegels mit dem RC Test ist keineswegs trivial, solang man sich nicht sicher sein kann, immer genau im Fokus der Prüfsphäre zu messen. Beim Fizeau Interferometer hat man es da einfacher, aber wie Kurt schon schrieb, mit zunehmender Planspiegelgröße geht dort schnell die Luft aus.

Viele Grüße
Jörg

Ausrüstung: Mehr als ausreichend, aber nie ganz zufriedenstellend.

Bearbeitet von: am:
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mkoch
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
2903 Beiträge

Erstellt  am: 14.08.2017 :  21:46:54 Uhr  Profil anzeigen  Besuche mkoch's Homepage  Antwort mit Zitat
Hallo Jörg,

Zitat:
Original erstellt von: PeJoerg
Naja, dann weiß man nur, dass es für den Strahlenkegel (Öffnungsverhältnis) zur Prüfsphäre passt und für diesen Fall plan erscheint. Strahlenkegel und Einbauposition sind im Teleskop dann in der Regel anders als beim Messaufbau, dann wird er nicht plan erscheinen.



100% sicher bin ich mir im Moment nicht, aber ich vermute dass das Öffnungsverhältnis des Spiegels keine Rolle spielt.

Gruß
Michael

Bearbeitet von: am:
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Amateurastronom
Altmeister im Astrotreff


1379 Beiträge

Erstellt  am: 15.08.2017 :  20:20:38 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Henri!

Zitat:
Original erstellt von: Henri



-->Amateurastronom: Das Fizerau ist natürlich eine bequeme Lösung, aber die Linsen habe ich nicht. Die Lange Seite des Planspiegels hat 220mm. Das ist schon eine Hausnummer...



Es kommt natürlich immer darauf an, was man machen will.
Will man einen fertigen Spiegel nur grob prüfen oder einen Planspiegel etc. selbst herstellen?
Für ersteres reicht natürlich der Ritchey-Common-Test.
Für letzteres würde ich ein Fizeau-Interferometer empfehlen.
Als Linse eignet sich wie gesagt sogar eine 10" grosse (254 mm) Fresnellinse, wie das in dem Artikel in Sky&Telescope beschrieben ist. Die waren damals gar nicht so teuer.

Aktuell sind dank Inflation die Preise leider um einen Faktor von ca. 4 gestiegen:
https://www.edmundoptics.de/optics/optical-lenses/fresnel-lenses/fresnel-lenses/
aber für 110 EUR gäbe es welche mit passender Brennweite.

Die bei Ebay angebotenen aus Overhead-Projektoren haben offenbar eine etwas kurze Brennweite. Ich finde leider sonst auch keine billigere Lösung, sofern man nicht Hersteller direkt kontaktiert.

Bearbeitet von: Amateurastronom am: 15.08.2017 20:32:39 Uhr
Zum Anfang der Seite

Kurt
Forenautor im Astrotreff

Germany
7088 Beiträge

Erstellt  am: 15.08.2017 :  20:44:38 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Amateurastronom, liebe Mitleser,

Zitat:
Original erstellt von: Amateurastronom

Zitat:
Original erstellt von: Kurt


wie bitte soll das gehen mit dem Fizeau- Interferometer und der Genauigkeit wenn mein Prüfling D= 12" oder auch D = 16" misst?
...
Meines Wissens gibt es kein für Amateure bezahlbares Fizeau- Interferometer welches diesen Durchmesser packt.



Das kann man leicht selber bauen. Ich hatte damals eines für 8"
gebaut. Als Kollimatorlinse reicht sogar eine Fresnellinse aus Plastik.
Die Kosten sind nicht hoch. Ein paar Liter Wasser und ein paar Tropfen Spülmittel sind kein Kostenfaktor.
Problem ist einzig, dass man zur Prüfung einige Stunden warten muss, bis sich der Prüfling an die Flüssigkeitstemperatur angeglichen hat.



mir war schon klar dass man mithilfe der Kollimationslinse und einem divergenten Laserstrahl den Rayleigh Wassertest im Prinzip zu einem Fizeau- Interferometer modifizieren kann. Das habe ich auch schon mal übungshalber zum Test eines kleineren Planspiegels praktiziert. Mit einer Fresnellinse in Form einer Folie ist mir dabei nichts gelungen. Nichts für ungut, aber ich halte diesen Test für ziemlich zeitaufwändig und für größere Kaliber mangels großkalibriger Linse für wenig praktikabel.

Bei der Herstellung des 12“ Planspiegels hab ich gelernt wie extrem hilfreich das Kontaktverfahren mit einem deutlich kleineren Planspiegel sein kann. Details siehe
http://www.astrotreff.de/topic.asp?ARCHIVE=true&TOIC_ID=6387
http://www.astrotreff.de/topic.asp?ARCHIVE=true&TOPIC_ID=6586

Vor Start des derzeit laufenden 16“ Planspiegelprojektes hab ich mir erst einmal einen 200 mm Planspiegel aus Quarzglas nach dem RC- Test gefertigt. Später hat hat mir wieder einmal Alois Ortner mit einer Leihgabe in Form eines hochpräzisen 160 mm- Planspiegels aus Zerodur geholfen.

Der Testaufbau zum Vergleich der Spiegel ist prinzipiell nichts anderes als der in der opt Prüftechnik altbekannte Lichtkasten.

Bild 1



Auf Empfehlung von Alois hab ich das an sich quittegelbe Licht Na- Niederdrucklampe zu grün umgewandelt. Genauer gesagt, das macht die Farbkamera von ganz alleine. Man muss dabei nur bei der Bildbearbeitung den Rotkanal abschalten. Die Messwellenlänge bleibt natürlich 589 nm.
Das Kontaktinterferogramm dieser beiden Spiegel sieht so aus.

Bild 2


Danach scheint mir mein 200 mm Planspiegel gut geeignet sein um den 16“ genügend plan vorzuarbeiten. Erst danach scheint mir der bei dieser Größe erhebliche RC- Aufwand lohnenswert zu werden.

Angefangen gab ich damit vor knapp 2 Jahren. Die ersten Kontakt- Interferogamme
sahen z. B . so aus:

Bild 3


Daraus kann man für den erfassten Bereich des 16“ einen PTV- Wellenfrontfehler von ca. 2,5 Wellenlängen PtV lambda wave = 2,5 Wellenlänge abschätzen.

Bei diesen ersten Versuchen hab ich als Lichtquelle eine weiße Energiesparlampe mit Gasentladung verwendet und die I-gramme bildbearbeitungstechnisch grün gefiltert.

Derzeit arbeite ich aber genau wie in Bild 1 dargestellt mit einer 35 Watt Na- Niedeedrucklampe-
Der jüngste Test liefert folgendes

Bild 4


Ganz offensichtlich hat sich der PtV- wave Wert auf ca. 0,5 Wl. verringert, wieder nur gültig für den in den beiden I-grammen erfassten Bereich des Spiegels. Wie das denn mit dem PtV aussieht bezogen auf die Gesamtfläche des Spiegels wird man hier vermutlich nur mittels RC- Test mit voller Öffnung gegen eine Referenzsphäre herausfinden können. Das wird mein nächster Schritt sein und ich werde ausführlich davon berichten. Andere Testvorschläge sind mir natürlich jederzeit herzlich willkommen.

Gruß Kurt

Bearbeitet von: am:
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