Posts from Rohr in thread „(02) Erster Labor-Bericht: Ein C8“

    Hallo Mario II (aus der Ukraine)


    herzlich willkommen bei AstroTreff. Bin auch noch nich so lange
    hier, also auch ein Vertriebener. Geht aber erheblich zivilisierter
    zu, nich so wie bei der Hamas.


    Das unter Testbericht 3 auf meiner Homepage geprüfte C8 gehört
    einem Sternfreund aus Kronach, und hab ich vor ca. 3 Jahren
    geprüft. Da wußte ich noch nix von grüner Laserdiode und von
    doppeltem Phasen-Kontrast-Test - man entwickelt sich ja weiter.
    Insofern ist ein Vergleich nur bedingt möglich. Ich selbst besaß
    nie ein C8, habe aber jede Menge von C8-Testbilder im Rechner.


    Iss hier Gottseidank eine private und keine kommerzielle Veranstaltung
    man merkt doch gleich den Unterschied. Wie sich die Öffnung meines
    ebenfalls privaten Meßbetriebes hier auf dem Board entwickelt, weiß
    ich noch nicht. Wann kommst Du mit Deinen Optiken eigentlich vorbei?


    Herzliche Grüße nach UK


    Wolfgang Rohr





    <img src="http://home.t-online.de/home/wolfgang.rohr/farb-ig2.JPG" border=0>
    http://rohr.aiax.de

    Hallo Matthias,


    die Schnittweiten des Farblängsfehlers von Schmitt-Platten habe ich noch nicht vermessen. Aber
    immer wieder recht beeindruckend fotografiert: Ich habe noch deutlichere Beispiele. Eine der
    Schmittplatten hatte deutliche "Speichen", woraus man schließen konnte, daß die Platten an-
    gesaugt werden, um sie dann wie immer sphärisch zu polieren - dann aber dürften diese gra-
    vierenden schmalen Zonen von L/4 wave gar nicht entstehen - weil die Flächengenauigkeit im
    Durchgang nur etwa 1/4 so genau sein muß, wie bei der Spiegel-Oberfläche, die doppelt so
    genau sein muß. Dazu müßte Alois exaktere Auskunft geben können. Ich kann mir also wirk-
    lich nur irgendeine Handretouche vorstellen, wenn solche Flächen entstehen sollen.


    Hallo Roland,


    das "wilde" grüne Interferogramm (532 nm) habe ich natürlich auch quantitativ vermessen, schon
    aus Interesse. Dort erhielt ich bei konsequenter Auswertung :
    PVwave / RMSwave / Strehl = 0.54 / 0.096 / 0.69
    Der hohe PV-Wert entsteht hauptsächlich über die Linien-Verbreiterung von 08.00 Uhr nach
    14.00 Uhr, also ein Koma-Effekt - und Koma darf gegen-gerechnet werden. Der RMS wave-Wert
    wird direkt in den Strehl umgerechnet nach der Formel, wenn RSM eine Dezimal-Bruchzahl:
    Strehl = 1 - (2*Pi*RMS)exp2 . Weil jedoch die Streifen insgesamt linear sind, außer die Ver-
    formung über die schmalen Zonen, ist der RSM/Strehl-Wert trotzdem noch gut, weil die
    gravierenden Abweichungen durch die feinen Zonen (ca. L/4) das topografische Ergebnis zu
    wenig stören, also mehr zur Rauhheit gezählt werden muß. Nach meiner Kenntnis sind die
    Hauptspiegel aller SC's sphärische Spiegel, alles andere wäre Unsinn. In ZEMAX habe ich
    ein System, dessen Haupt- und Fangspiegel sphärische Flächen haben. Ich vermute, daß
    sowohl Celestron wie Meade ebenfalls eine Sphäre beim Fangspiegel haben, schon aus
    Gründen der Fertigung und die Gesamt-Korrektur über die Schmittplatte lösen. Ein ZEMAX-
    Rechen-Beispiel für ein C8 hätte ich gerne. Liegt sicher irgendwo im Web.


    Hallo Jens,


    In Autokollimation prüfe ich Spiegel und optische Systeme bis zu einem Durchmesser von 400
    mm komplett, größere Durchmesser durch abscannen im Doppelpaß-Verfahren. In Kompensa-
    tion durch eine BK7 Plankonvex-Linse 165/971 bei einfachem Durchgang Newton- und Hyperbol-
    Spiegel bis zu einem Durchmesser von 1000 mm. Das ist besonders beim Interferogramm
    wichtig, weil damit die Gesamt-Fläche erfaßt werden kann. Wie LOMO seine Parabeln
    retouchiert, weiß ich mittlerweile auch. Für mich wäre es interessant, diesen 60 cm Spiegel mit
    meinen bisherigen Ergebnissen vergleichen zu können. LOMO liefert
    unter Umständen nur die Interferogramme auf einem Film ab und spart
    sich die Auswertung, die ich aber ebenfalls übernehmen könnte. Ich habe also schon die LOMO-Interferogramme aus Neugier mit den meinigen
    verglichen, auch um meine eigene Meßtechnik zu überprüfen.


    Noch eine Frage an den Matthias:


    Wie kriege ich meine Bilder aufs Board, damit ich sie dann in den Text einbinden kann?
    Per Email schicken, hat ja prima funktioniert. Du hast mir dann die wie immer geartete
    Adresse übermittelt und ich konnte sie dann einbinden.


    Seid alle herzlich gegrüßt - in meinem Rechner häufen sich die Test-Beispiele und
    es kommen täglich neue hinzu.


    Euer Wolfgang



    <img src="http://home.t-online.de/home/wolfgang.rohr/farb-ig2.JPG" border=0>
    http://rohr.aiax.de

    Premiere
    Hallo Optik-Freaks und Test-Besessene,


    dies wird ein erster Versuch - Premiere mithin - auf dem Tec-Board von AstroTreff die Test-Bilder zu veröffentlichen, wie sie bei meinen zahlreichen Testreihen für unterschiedlichste optische Systeme anfallen.


    Weil es immer nur Einzel-Geräte sind, die ich untersuchen soll im Auftrag von Sternfreunden, bezieht sich meine Kommentierung immer nur auf dieses Einzelgerät. Eine generelle Würdigung meinerseits verbietet sich aus den unterschiedlichsten Gründen. Es werden also in der Folge besonders herausragende Geräte sein, oder besonders auffällige.


    Eine Zuordnung der Geräte zu bestimmten Händlern bzw. Sternfreunden verbietet sich ebenfalls. Auf Euer Echo bin ich vielleicht gespannt, sag ich Euch !


    1. Testobjekt: ein C8 (kennt ja jeder)



    In Autokollimation heißt: Im Fokus des optischen Systems Schmitt-Cassegrain sitzt ein 0.01 mm künstlicher Stern. Dessen Licht geht durch das optische System und es entsteht ein paralleles Lichtbündel, wie am Himmel, nur umgekehrt.
    Der hochgenaue Planspiegel (Zeiss) reflektiert dieses parallele Lichtbündel wieder zurück, und so geht das Licht ein zweites Mal durch die gleiche Optik und wird im Fokus wieder zu einem Stern. Die Veränderungen des Lichtes werden nun durch verschiedene Tests untersucht:



    Der Ronchi-Gitter-Test 10 LinienPaare/mm sagt etwas über die Korrektur der Optik aus. Intrafokal gemessen bedeutet bauchige Linien Überkorrektur, kissenförmige Linien Unterkorrektur. Überkorrektur: Mittelpunkts-Strahlen fallen kürzer, Unterkorrektur: Mittelpunktsstrahlen fallen länger. Bei ca. 85% vom Durchmesser sind die Ronchi-Linien "gezackt".


    Das weist auf einen erheblicheÖffnungsfehler hin etwa im Bereich von L/4 PV wave. Wird über die weiteren Tests noch klarer. Weil die klare Abgrenzung der Linien fehlt, muß man von einer rauhen Oberfläche ausgehen. Auch macht sich bereits ein von der Schmittplatte verursachter Farblängsfehler bemerkbar, der den Kontrast einschränkt. Besonders auffällig die "Zacken" bei 85%-90% vom Durchmesser !



    noch deutlicher ist dieser Farblängsfehler beim Foucault- oder Messerschneide-Test zu erkennen. Das kommt daher, weil die einzelnen Farben unterschiedliche Schnittweiten haben und für die Messerschneide wahlweise intra- bzw. extra-fokal abgeschnitten werden. EinEinfluß auf den Kontrast dürften auch die Zonen haben, wie man auf dem nächsten Bild sehen kann.



    Das ist eine PhasenKontrast-Aufnahme wie ich sie entwickelt habe (Version Rohr) Dazu findet man eine genaue Beschreibung auf meinen Internet-Seiten. Man sieht deutlicher als beim Foucault-Test die Flächenfehler, die hauptsächlich von der Schmittplatte bzw. der Retouche herrühren. Es sind sehr schmale Zonen, wie man sieht. Jetzt versteht man auch, warum sowohl beim Ronchi-Test, wie auch Interferogramm, die "Zacken" bei den Streifen entstehen.



    Das ist eine PhasenKontrast-Aufnahme wie sie David Vernet, Frankreich, entwickelt hat (Version Vernet) Die Feinstruktur der Flächenrauhheit wird hier besser dargestellt, der räumliche Foucault-Effekt jedoch fällt weg. Die Glattheit der Fläche bestimmt den Kontrast eines optischen Systems, weil das Streulicht durch eine glatte Fläche minimiert wird und umgekehrt.



    Die "Zacken" der Interferenz-Streifen verdeutlichen erneut den Zonen-Fehler bei der üblichen Meß-Wellenlänge von 632.8 nm = Helim/Neon-Gas-Laser. Weil ich eine Laserdiode verwende, bin ich bei "freundlichen" 650 nm. Bereits jetzt können diese Zonen quantifiziert werden. Der ansteigende Streifenabstand von 08.00 Uhr in Richtung 14.00 Uhr ist ein Koma-Effekt, der vom Meßaufbau verursacht sein kann. Es könnte sich aber genausogut der vorhandene Astigmatismus abbilden.



    Mit mehr Streifen sieht man die Zonen noch besser, immer noch bei 650 nm wave.



    Bei 532 nm Wellenlänge erkennt man diese Struktur noch deutlicher! Diese "Zacken" beeinflussen die Kontrastleistung erheblich, zusätzlich zur rauhen "Oberfläche der Wellenfront"



    Die Rotations-Symmetrie bzw. der Astigmatismus beeinflußt in dieser Größe das Bild weit weniger. Es könnten Störungen sein, die von der Lagerung der Schmitt-Platte her rühren. Die anderen Fehler sind gravierender.


    Das Referenz-I_Gramm wird von 08.00/14.00 Uhr in Richtung 09.00/15.00 Uhr gedreht. Das hat mit der Auswertungs-Software zu tun. Durch die ansteigenden Streifenabstände erkennt das Programm einen Koma-Effekt in der Fläche und bildet sie in einer flachen S-Form ab. Um dies zu unterdrücken, müßte man nur die mittleren Streifen auswerten. Weil aber im System noch ein Astigmatismus nachweisbar ist, könnte das auch auf den Astigmatismus zurückzuführen sein. Bei der Beurteilung dieses optischen Systems spielt also die quantitative Aussage eher eine Neben-Rolle.


    Fröhliches Antworten allerseits!


    Euer Wolfgang Rohr


    http://rohr.aiax.de