Kleine Geschichte ..
denn nun kann ich auch mal wieder nen "Auspacker" vermelden ... eigentlich bin ich ja dabei, kräftig abzubauen (und das geht auch weiter) .. aber dieser "Vogel" hier - nee, an dem konnte ich dann doch nicht vorbei. Der stand also in bekanntem Kleinazeigen-Portal für einen sehr moderaten Preis, der allerdings auch seinen Hintergrund hat: das Objektiv soll nicht mehr 100% i.O. sein - hat der VK aber auch klar und fair kommuniziert. Alles gut! Es geht um einen Takahashi FC76/600 Fluorit aus 1987 (SN 7240 - will heissen: 1987 die Produktionsnummer 240). Ein feiner Klassiker also!
Der landete gestern. Und ja - nun verstehe ich, warum ich den recht günstig bekommen habe: Das Objektiv ist tatsächlich nicht einwandfrei. Die auf einigen Photos erkennbare Trübung ist real. Und leider nicht nur auf Rauhigkeit in der Politur zurückzuführen. Kurz: das Objektiv ist angeschlagen. Es war scheinbar (zumindest lag ein entsprechendes Zettelchen eines japanischen Prüflabors anbei) auch schon in "professioneller Behandlung". Aber diese konnte - im wahrsten Sinne des Wortes - das Problemobjektiv auch nicht klar bekommen. Wobei, die beiden Photos des Objektives übertreiben arg - so sieht das mit draufgehaltener Taschenlampe vom Mobiltelephon aus. In "Natura" sieht man da aber auch schon einen leichen "Beschlag".
Gestern kam er also und erstaunlicherweise - kein Wetterboykott. Also - raus den Kollegen - zu große Rohrschellen (110mm Durchmesser mit Handtüchern "zurechtgestopft" - auf die Monti und Mond, Venus, Jupiter: Bild sieht aus, als ob das Objektiv leicht beschlagen ist bzw. leichter Nebel/Dunst am Himmel. Der schwarze Himmel neben dem Mond war eben nicht ganz schwarz, wie es von einem 100%tigen Objektiv eigentlich zu erwarten ist. Leichter Streulichtfaktor. Hmmh, das ist nicht so schön und der Negativpunkt. Und es scheint auch leicht Licht verloren zu gehen. Ich schätze mal, es kommen "effektiv" um die 65mm "Öffnungslicht" im Okular an. So, das also das Negative.
Nun das Positive: Die Abbildung ist dennoch der Hammer! Ich bin mit meinen mittlerweile fast schon Lieblings 31.7er Okis ran gegangen, den 50 Jahre alten Meade-Research-Grad-Orthos - sowas von scharf am Mond, am Jupiter und an der Venus. Bei letzterer meine ich, sogar erstmal schwache Strukturen in den Wolkenbändern (150fach) gesehen zu haben, das kann aber auch Täuschung gewesen sein, die Grenzen sind ja sehr fließend. Details in Kraterwänden des Mondes; Sternabbildung - da kommt er wieder der Phrasenschweinspruch "wie aus dem Lehrbuch". Doppelstern: eta Orionis, der rechts vom "Gürtel", knappe 1"9 Distanz habe ich schon im 7er RGO (also gerade mal bei 88fach getrennt gesehen. Und erstmal war ich mir auch NICHT mehr sicher, Sirius B NICHT gesehen zu haben, ich meinte, hier und da das Pünktchen von B erblickt zu haben. Aber auch hier: die Grenze zum "Sehen wollen" ist schwammig.
Also kurz zusammengefasst: ich habe hier einen ca. 65mm Fluorit-Apo mit dem Auflösungsvermögen eines 76ers angelandet. Mit leider leichtem Streuchlicht an helleren Objekten ... aber sensationell guter Bilddefinition und auch Farbneutralität. Eingepackt in die Takahashi-übliche hervorragende Mechanik. Da will ich nicht meckern. Ich werde den mal Side-by-side neben den 63er Zeiss AS stellen, um meine Einschätzung der "ankommenden Helligkeit" zu überprüfen.
Bins zufrieden mit meinem trüben "Japan-Edel-Auge" ... aber: da werden nun die Optik-Profis ranmüssen - so ganz gebe ich den Gedanken nicht auf, das Objektiv wieder auf volle Lesitungskraft zu bringen





Greetzles Hannes