Einen schönen guten Tag (hier scheint heute erstmalig seit Oktober die Sonne),
seit einigen Jahren bin ich hier ein stiller Mitleser in diesem Forum. Da ich mich noch nicht vorgestellt habe, möchte ich das jetzt endlich einmal tun. Mein Name ist Norbert Butters und ich bin in Jena geboren. Mein Großvater hat bei Zeiss gearbeitet, mein Vater und einer meiner Cousins auch. Ein guter Freund der Familie war bei Zeiss für den Betrieb des Planetariums in Jena zuständig sowie für Neumontagen im Ausland.
Seit 1956 wohne ich nun im Siegerland (NRW). Daraus ist zu erkennen: ich bin schon ein Senior.
Meine Eltern haben ihre Kinder sehr naturnah erzogen und als ich dann lesen konnte, ging es nur in Richtung Natur und Technik. Aber damals stand nur wenig entsprechende Literatur zur Verfügung. In der Familie gab es lediglich einen "Schlag nach", ein Lexikon aus der DDR..
Mit etwa 13 Jahre hat die Sternguckerei bei mir richtig angefangen als ich zum ersten Mal durch ein Spektiv schaute. Vorher gab es für mich nur einen Zeiss Feldstecher. Bei einem meiner Besuche in der DDR traf ich meinen Cousin und dann zündete bei mir die 2. Stufe Richtung Astrohobby. Ich wollte ein Teleskop bauen und er besorgte mir ein ungefasstes Zeiss Plösselokular, d. h. von den 4 Linsen waren jeweils 2 zu 2 Gruppen verkittet. Dieser Cousin war übrigens zu der Zeit auch für die Urania Volkssternwarte (Toller Refraktor) in Jena zuständig. Ich durfte während meiner Jena-Reisen an den Besucherabenden teilnehmen und dort auch schon meine noch geringen Astrokenntnisse weitergeben. Baumärkte gab es noch nicht und Geld hatte ich auch keines. Mit 15 habe ich 3 Wochen in den Ferien gearbeitet. Dann konnte ich mir bei Lichtenknecker ein gutes Fraunhoferobjektiv bestellen (ich glaube 72mm mit 900 oder 1000mm Brennweite). Mein Vater brachte mir eine Zeichnungsrolle aus stabiler Pappe mit. Mit Hilfe von Pappstreifen und Uhu habe ich das Objektiv sauber eingepasst und dann das Plösselokular nach vielen Versuchen (Justierung der Gruppen) ebenfalls mit der gleichen Technik vervollständigt. Das Okular wurde dann auch in einen Pappauszug zum Schieben eingepasst und der Tubus wurde innen mit schwarzer Farbe gestrichen. Von einem Astrofreund bekam ich ein altes Holzstativ mit passenden Rohrschellen geschenkt. Das alles hört sich heute natürlich sehr lustig an oder mancher mag dazu den Kopf schütteln, aber damals gab es für mich nur noch die Möglichkeit ein Neckermann oder Kosmos Teleskop zu kaufen. Womit? Ihr werdet es nicht glauben, dieses selbstgebaute Fernrohr war absolut top. Die Justierung stimmte visuell und Fotografie kam sowieso nicht in Frage. Das Gerät hatte mir viele Jahre außerordentlich viel Spaß bereitet. Später kam übrigens noch ein Wachterokolarauszug an das Fernrohr. Mit 16 habe ich dann schon "Sky & Teleskop" abonniert. Übrigens wenn es in der Schule einen neuen Diercke Weltatlas gab, dann habe ich ihn erstmal ganz hinten aufgeschlagen und mir die Sternkarten angeschaut!
Heute besitze ich eine kleine Gartensternwarte mit Betonsäule und Rollhütte, ärgere mich mit den ersten Versuchen zur Astrofotografie herum und genieße mein schönes Hobby auch wenn man sich nicht alles leisten kann und ständig vom Wetter ausgebremst wird.
Warum schreibe ich das? Es ist wichtig den Kindern schon in jungen Jahren die Natur nahezubringen. Zeigt den tollen Sternenhimmel, Mond, Wetterphenomäne und sprecht von euren eigenen Erfahrungen. Das fasziniert die Kinder. Man muss bei klarem Himmel einfach mal rausgehen.
Deshalb, immer klaren Himmel
und beste Grüße
Norbert