Da kommen Erinnerungen hoch …
Mitte der Sechziger wohnte ich direkt am Rande des Teufelsmoores, dass bedeutete einen Horizont von Nord bis nach Süd von maximal 1° Höhe, Freie Sicht nach Unendlich. Und eines Abends stand da ein helles Licht knapp über dem Horizont, direkt über einem breiten Moorgraben, sodass sein Licht reflektiert wurde. Ich wollte wissen, was das war.
Ein erster Ansatz war der Diercke Weltatlas mit dem braunen Einband, den wir in der Schule brauchten. Dort waren zwei Sternkarten vom nördlichen und südlichen Sternhimmel und eine Doppelseite, die das Sonnensystem und die Entstehung der Jahreszeiten darstellte. Diese Seite hatte mich in ihren Bann gezogen, und ich wollte irgendwann auch wissen, ob man diese Planeten auch sehen konnte.
Und dann war da ein Urlaub in den Alpen, in der Steiermark, in einem Talkessel. Eines Nachts weckte mich meine Mutter, um mir den Sternhimmel zu zeigen. Und so etwas habe ich bis heute nicht wieder gesehen: Sterne so riesig wie bei van Gogh, aber doch super klar, und sie schwebten noch vor den Berggipfeln in der Luft, wirklich zum Greifen nah. Ein Fernglas war dabei, und ich fing an, dort oben spazieren zu gehen. Ich erinnere mich an den Kleiderbügel, versuchte jede nacht, ihn wiederzufinden.
Meine Eltern gaben mit ein kleines Büchlein, in dem die wichtigsten Sternbilder jeder Jahreszeit beschrieben waren und wie man sie finden konnte. Damit stand ich dann auf dem Balkon, lief nach drinnen zur Lampe, prägte mir etwas ein und versuchte dann, es draußen in der Dunkelheit wiederzufinden. So wurde ich z.B. zum ersten Mal auf die Pleiaden aufmerksam, und ich erinnere mich, dass ich sie einige Male deutlicher sah als heutzutage.
Beobachtungen mit dem Fernglas folgten, aber das war teilweise zu wackelig, und so sollte es ein kleines Teleskop sein, es wurde ein 60/600 Revue Refraktor mit azimutaler Montierung, mit dem ich Mondkrater richtig groß und auch die Jupitermonde sehen konnte. Alles hatte zwar farbige Ränder und huschte durchs Blickfeld, aber das war egal. Zu meinem Erstaunen zeigte dieser Refraktor – es war zur Zeit des Schwarz-Weiß-Fernsehens, auch farbige Bilder am Boden, das war einfach irre.
Dann kamen die Kosmos Monatshefte, die hinten eine Vorschau auf den Sternhimmel zeigten, die verschlang ich jedesmal, wenn ein neues Heft kam.
Ende der Sechziger kam dann das erste Apollo-Teleskop mit parallaktischer Montierung, das immer noch hier bei mir wohnt. Aus einfachen Uhrwerken, die ich aus mechanischen Weckern oder Spielzeugen ausgebaut hatte, bastelte ich dann irgendwann eine Nachführung und steuerte diese über Batterien und einen Drehwiderstand, und dieses Tüfteln war eine zweite Leidenschaft. Irre, dass man jetzt über längere Zeit ein Objekt verfolgen konnte. Mit dieser Konstruktion habe ich dann auch in den neunziger Jahren Uranus und Neptun fotografisch festgehalten.
Ja, das waren die Anfänge: ein toller Jupiteraufgang über einem Moorgraben und diese mystischen Zeichnungen im Diercke-Atlas – die waren es, die mein Interesse geweckt hatten. Die Darstellung aus dem Atlas hat ein regionaler Künstler, Peter Zimmermann, als Radierung angefertigt, sie hängt hier im Treppenhaus um die Ecke, wo auch meine Kulminationsmarken an der Wand zu finden sind, wie im Beobachterforum Sonne zu sehen.
Viele Grüße
Manfred