Hallo Rolf,
Wir haben vielleicht mehr gemeinsam als den Namen.
Vor einigen Jahren habe ich angefangen mit der praktischen Astronomie und mich nach langen Diskussionen und Überlegungen zu einem 8" Dobson entschieden, der inzwischen einigermaßen fototauglich montiert ist.
Als ich das Teleskop im Dezember bekommen habe waren die Plejaden, der Orionnebel und die Andromedagalaxie auch meine ersten Beobachtungsobjekte. Vom Orionnebel war ich begeistert, von den Plejaden und der Galaxie eher enttäuscht! Warum?
Ich hatte allen ernstes erweratet, um die Plejaden herum den Nebel und in der Galaxie Sterne, Arme und alle möglichen Dunkelbänder zu sehen. Wenn man von der Andromedagalaxie schon so wenig sieht - so dachte ich mir - was soll ich dann von den viel dunkleren Galaxien erwarten?
Doch es ging weiter: Zuerst einmal habe ich erkannt, dass mir damals - und das gilt wohl auch für dich heute - grundlegende Basics im Bereich der Optik gefehlt haben. Das schließe ich daraus, dass du heute wie ich damals den visuellen Eindruck mit Astrofotos vergleichst! Da muss man einfach bedenken, dass diese Bilder minutenlang belichtet wurden. In dieser Zeit können sie das zigtausendfache an Licht sammeln, welches unser Auge sammelt (und unser Auge kann eben keine Langzeitbelichtung). Außerdem sind diese Bilder nicht selten entsprechend nachbearbeitet, um die Details und die Farben noch deutlicher zum Ausdruck zu bringen.
Einen solchen Eindruck wirst du auch mit einem 25Zöller NICHT ANNÄHERND erhalten! Dass kan ich dir sagen, weil ich eine Nacht lang mit einem 20Zöller und sehr gutem Himmel und regelmäßig mit unserem 18Zöller in der Sternwarte unter naja mäßigem Himmel beobachte. Und auch mit einem 50Zöller bist du von diesen Bildern noch weit entfernt.
Was bleibt also? Zuerst bleibt die Erkenntnis, dass es etwas noch wichtigeres gibt als Öffnung. Ja wirklich! Ich meine dunklen Himmel, richtig dunklen Himmel. Jeder 8Zöller in den Alpen schlägt unseren 18Zöller in der Kleinstadt deutlich! Ja er würde sogar jeden 25Zöller schlagen.
Was bleibt ist die Erkenntnis, dass DeepSky visuell erst nach 60 Minuten konsequenter Dunkeladaption unter dunklem Himmel beginnt. Was man nach 60 Minuten Dunkelheit durch ein Teleskop sieht ist Wahnsinn! Das habe ich im Frühjahr 2004 erfahren, als ich auf dem Land bzw. dem Hof meines Schwagers zuerst einmal ne Stunde in den stockdunklen Himmel geschaut habe. Dann der Blick durchs Teleskop und mit dem Übersichtsikluar durch den Virgohaufen. Galaxien, Galaxien und nochmal Galaxien... die eine von der Kante mit Staubband, die eine mit angedeuteten Spiralarmen, von der anderen nur der Kern... aber jede anders. Unglaublich und das mit 8 Zoll!!! Ohne Dunkeladaption hätte ich wohl kaum was gesehen und unter nicht wirklich dunklem Himmel auch nicht.
Jetzt darf man fragen, was hätte ich wohl mit 10Zoll, 12Zoll, 18Zoll oder 25Zoll gesehen? Geringfügig mehr, mehr, deutlich mehr, sehr viel mehr. Klar! Aber man darf auch die Gegenfrage stellen: Hätte ich den 18Zöller bzw. den 25Zöller auf den Hof meines Schwagers geschleppt (mal abgesehen davon, das sich ihn mir gar nicht leisten kann)? Ich denke nein. Vielleicht mit einem guten Gitterrohrdobson, aber das wollte ich nicht. Warum?
Nächster Punkt: Wenn dir der visuelle Eindruck nicht reicht, stehen dem Amateur heute in der Astrofotografie unglaubliche Möglichkeiten offen. Und mit einem 8Zöller bleibt dir - eine gute Montierung und gute Kamera vorausgesetzt - kaum was verwehrt. Visuell kannst du am 8Zöller wirklich 10 Jahre lang immer neue Objekte sehen. Fotografieren kannst du damit wohl 1000 Jahre lang neue Objekte.
Und dann noch was zu deinem Eingangsposting: Es gibt tolle Standardobjekte, u.a. den Orionnebel, die Andromedagalaxie, den Ringnebel. Diese sind jeweils nur für gut 3-4 Monate gut zu beobachten, dann kommt das nächste Sternbild. Und auch wenn ich den Ringnebel schon 100mal gesehen habe freue ich mich im Sommer vor allem wieder auf ihn, werde ihn beobachten und fotografieren. Daher kommt es wohl, weshalb tatsächlich größtenteils die selben Objekte die Bilderforen beherrschen (und auch die Beobachtungsberichte). Das heißt aber nicht, dass es abseits von diesen nichts gäbe. Im Gegenteil!