Posts by ubastian

    Das Video des chinesischen Beobachters mit dem endgültigen Verblassen von Gaia (siehe #109) ist jetzt auch direkt auf den ESA-Webseiten eingestellt:

    Gaia Mission News - Gaia - Cosmos
    Updates on the ESA Gaia mission
    www.cosmos.esa.int


    Übermorgen werde ich - zusammen mit rund 100 anderen Gaianern - nach Darmstadt reisen, um bei ESOC live das Rauskicken von Gaia vom L2 hinaus ins große weite Sonnensystem ("Spacecraft disposal manoeuvre") und danach das komplette Abschalten ("Passivation") des Raumfahrzeugs mitzuerleben.

    Ein chinesischer Beobachter hat tatsaechlich das Ende der zweiten hellen Phase in einem Video dokumentiert. Das war dann also wirklich das endgueltige Abscheids-Winken. Leider ist das mp4 zu gross, um hier eingestellt zu werden (12MB), und leider haben wir es nur per email erhalten. Ich kann also keinen Weblink dazu angeben. Aber wir haben gebeten, es auf die Webseite der ESA zu stellen.


    Der Schwenk von null Grad SAA nach 45 Grad war diesmal sehr schnell (wenige Minuten), und man sieht Gaia von dem Video -Zeitraffer fast instantan verschwinden. Der Zeitraffer laeuft danach noch ein paar Sekunden weiter, mit allen Sternen weiterhin sichtbar.

    Neuigkeiten von Martin Altmann:


    Mittlerweile haben wir auch SAA=15° vom Liverpool Telescope und VLT Survey Telescope, da sind wir nun bei ca. 19.5.


    Es gibt aber auch noch was Neues, und zwar wird es noch einen langsamen SAA=45--> 0 Schwenk geben, weil beim ersten im Januar wohl was Spannendes entdeckt wurde.

    Dieses Manöver wird am 2.-4.3. stattfinden. Allerdings ist der helle Bereich in Europa und den Amerikas tagsüber. Also Zeit fuer die Asiaten, Auzzies, etc.


    Siehe die Beobachtungsseite bei der ESA.


    Viele Grüße,

    Martin 


    Kommentar von mir: Gegen Morgen des 4.3. koennte es auch eine Chance in Europa und Amerika geben.

    Vielen Dank an RoStm fuer die Beobachtung am 18.2. (post #99) und vor allem fuer die Messung, die ich an Martin Altmann weitergeleitet habe. Es ist wohl die vierte bei 5 Grad SAA.

    Gruss, Uli

    Wir haben eine erste Gaia-Beobachtung bei 5 Grad SAA, also mit leicht von der Sonne weggedrehtem Sonnenschirm (siehe meinen Post #92 hier weiter oben). Sie ist von gestern Abend, von Klaus Wenzel, Gaia sehr schwach, er schaetzt grob auf 17.5-18mag (CCD ohne Filter).

    ESA hat jetzt eine Webseite aufgesetzt mit einer Sammlung von Gaia-Beobachtungen aus der Kampagne. Darunter sind aus Deutschland derzeit Alerxander Wrede, Rafael Castillo, Andy Bender, Klaus Wenzel, Stathis Kafalis, Juergen Schmoll, Ed Serpell (wobei nicht alle Bilder auch in Deutschland aufgenommen wurden).


    Gaia spacecraft observations 2025 - Gaia - Cosmos


    Ich werde beantragen, dass das Filmchen von Alex dort noch mit aufgenommen wird. Das ist der neue Hoehepunkt der Kampagne, finde ich. Seine huebsche statische Gaia-Schlange ist auch auf https://skyweek.wordpress.com/ (vom 10.2.) gezeigt.

    Der revidierte Zeitplan der Gaia-Schwenks und -Tests ist jetzt oeffentlich.


    Observe Gaia from the ground - Gaia - Cosmos


    Kurzversion und Kommentierung von mir:

    - Gaia bleibt noch bis zum 16.2. (Sonntag naechster Woche) 9 Uhr UT in der voll sonnenorientierten Phase, also bis genau vier Tage ueber den kommenden Vollmond hinaus.

    - Ab dem 10.2. 9 Uhr (also schon ab Montag vorher) rotiert sie in je 6 Stunden in dieser Stellung. Da sind dann moeglicherweise mehr Helligkeitsvariationen zu erwarten als bisher.

    - Aber leider geht das grade ueber den Vollmond am Mittwoch hinweg. Am Ende dieser Phase waere abends wieder besonders interessant (Mondaufgang am SA 15.2. um xxx MEZ.

    - Der spannendste Teil, der noch kommt, beginnt am 16.2. (SO) um 15 Uhr UT und dauert drei Tage, also bis 19.2. (MI, abnehmender Halbmond) 15 Uhr UT. In dieser Zeit zeigt Gaia nicht mehr direkt zur Sonne, sondern 5 Grad daneben. Da koennte sie noch fuer Amateure erreichbar sein. Man weiss es nicht. Sie rotiert in dieser Zeit.

    - Danach schwenkt sie fuer drei Tage (19.-22.2.,jeweils 21 Uhr UT) auf 15 Grad zur Sonne. Dann koennte sie schon sehr schwach sein. Man weiss es nicht. Aber der Mond ist dann weg. Sie rotiert auch in dieser Zeit.

    - Danach wird sie bei Sonnenwinkeln von 28, 43 und 45 Grad ziemlich sicher wieder sehr schwach sein. 45 Grad ist der normale Arbeitswinkel, bei dem sie ca. 21.5 mag hat (aber keine Sternmessungen mehr machen wird).

    - Am 27.3. wird sie dann auf ihre "Friedhofbahn" befoerdert und abgeschaltet. Danach wird sie voraussichtlich fuer die naechsten 100 Jahre nicht mehr gesehen werden.

    Anmerkung: Ein Chatbot versteht grundsaetzlich nichts, gar nichts. Das sieht man an diesem Beispiel mal wieder in drastischer Weise. Ein Chatbot sammelt aus seinem Datenbestand die wahrscheinlichsten Schluesselwoerter zu der gestellten Frage, sucht dann zugehoerige Saetze zusammen und verbindet die in einen plausibel klingenden Kontext. Sieht dann aus wie eine inhaltliche Antwort, ist aber gar keine.


    Also Warnung.


    Unabhaengig davon finde ich diese Maschinen sowohl faszinierend als auch furchterregend. Ein Kollege hat sich ein komplettes Python-Programm fuer ein ausgedachtes mathematisches Problem schreiben lassen. Und das hat funktioniert.

    An ein paar Kollegen und Journalisten habe ich grade vor einer Stunde folgende Erlaeuterungen zu dem Bild von Stathis vom 29.1. geschrieben:


    The trail was taken on the bright metropolitan sky of Munich, Germany. It is dimmed at its early part (top right) by cirrus clouds, and at its end (bottom left) by atmospheric extinction, the author says.


    The integral sign shape of the trail is created by the combination of Gaia's smooth, straight motion with respect to the Earth's centre (from top right to bottom left) and the daily parallax effect created by the 24-hour rotation of the Earth, with the observer's telescope being carried around at about 300 m/s at moderate geographic latitudes. It is a pure coincidence that the west-to-east (horizontal) motion of Gaia is nearly perfectly cancelled around local midnight, leading to the vertical part of the integral sign. The coincidence lies in the fact that Gaia, like the Earth, circles the sun in one year, but at a 1 percent higher orbital radius. Thus its orbital speed is one percent higher than that of the Earth. The latter is 30 km/s. One percent of this is - - - 300 m/s!

    For an observer at the Earth's equator (rotation speed about 450 m/s), the trail would look more S-shaped, with the central portion going "backwards" (left to right) in the horizontal direction. For an observer at the North pole, Gaia would trace a straight line on the sky over the whole 7 hours, moving at constant speed and direction between the background stars. The direction on the day of this observation would be left-downward by about 20 degrees from the horizontal, and the speed would be about one degree per day (twice the apparent diameter of the Sun and Moon as seen from Earth).


    The image is a digital combination of a large number of short exposures by a CCD camera mounted to a private telescope of 250 mm (10 inch) optical diameter and 1000 mm focal length.


    Naja, und hier auf dem Bild von Astro-Alex aus Spanien sieht man im Vergleich zu Stathis' Bild aus Muenchen genau die soeben von mir beschriebene Abhaengigkeit des Effekts von der geographischen Breite. Ist das nicht schoen !!?

    Nee, Leute, die S-Form hat nix mit dem Lissajous-Orbit zu tun. Ueber ein paar Stunden bewegt sich Gaia relativ zur Erde mit konstanter Richtung und Geschwindigkeit. Die Kurve kommt durch die Erdrotation zu Stande. Die Periode des Lissajoius-Orbits ist grob ein halbes Jahr, und die Geschwindigkeit entlan des Lissajous ist weniger als 1 Prozent der Rotationsgeschwindigkeit der Erde, faellt also hier ueberhaupt nicht ins Gewicht.

    Die taegliche Parallaxe (der Effekt der Erdrotation) ueberlagert sich der - bezogen auf den Erdmittelpunkt - sehr gleichmaessigen Bewegung von Gaia um 1 Grad pro Tag etwa entlang der Ekliptik. also derzeit nach links unten in den Bildern.

    Korrektur/Ergaenzung zur vorigen Mitteilung: Andreas Kammerer hat Gaia an zwei Abenden gesehen, 31.1. und 2.2., jeweils so grob um die 23 Uhr MEZ herum. Er schaetzte Gaia auf 15.5-15.7mag in der ersten und 15.7-15.8mag in der zweiten Nacht (APASS-Helligkeiten).

    Gruss, Uli

    Kurz zur Info: Neben der - extrem knappen - visuellen Sichtung von Peter Surma und mir, mit 50 cm Dobson und nur 12 km von Heidelberg und nur 20 km vom Ballungszentrum Mannheim/Ludwigshafen weg, und nur auf 480 m Hoehe, gibt's jetzt eine als vergleichsweise leicht beschriebene visuelle Sichtung von Andreas Kammerer, mit 40cm Oeffnung und auf 900m Hoehe im dunklen Schwarzwald.

    Gruss, Uli

    Am FR (31.1.) 11:11 schrieb RoStm:


    (sinngemaess) Meine Gaia-Spur stimmt ganz gut mit der von Stathis ueberein.


    Stimmt, aber nicht perfekt! Ich sehe da ganz deutlich einen Versatz, klein zwar, aber ganz klar. Ich bin mir sicher, das ist die parallaktische Verschiebung von Muenchen nach Erding. Jetzt koennt Ihr beiden Bayern daraus die Entfernung von Gaia bestimmen, wenn Ihr Lust habt. Je 7.5 km projizierte Separation auf dem Erdboden macht bei 1.5 Mio km eine Bogensekunde Versatz !

    Gruss, Uli

    Am Donnerstag 18:15 (30.1.) schrieb Stathis:


    Position (J2000): 09h31m50s +09°13'24" (München). Das ist auf die Bogensekunde genau, wie von den ESO Gaia Ephemeriden vorhergesagt (siehe auch Screenshot im Anhang). Wer hat das gerechnet? Bravo!

    Helligkeit: 15.6 mag (+/-0.2). Ermittelt mittels Siril Schnellphotometrie am kalibrierten ungestreckten Rohstack auf den Grünkanal und Vergleich mit Gaia Magnituden laut Stellarium Web. Ich erhalte 0,3 mag weniger als am 24.01. in Beitrag 32. Kann das echt sein, oder nur Messungenauigkeit? Auf den Rohbildern meine ich eine leicht orange Färbung zu erkennen. Kann das sein? Welches spektrale Reflexionsvermögen hat das Gaia Sonnenschild?


    Dazu ein paar Kommentare:

    1) Gerechnet wurde das vom Flight Dynamics team der Europaeischen Bodenstation ESOC der ESA. Ich werde das Lob an die Jungs weiterleiten. Die werden sich freuen.

    2) Es sieht tatsaechlich so aus als wuerde die Helligkeit von Gaia in ihrem sunpointing mode um 0.3 bis 0.5 mag schwanken. Das ist aber noch durch genauere Auswertungen zu verifizieren.

    3) Im Zustand vor dem Start war die Verkleidung des Sonnenschirms rotgolden. Siehe Bild in SuW 1/2025, S.20. Wir (die Profi-Gaianer) wollen ja grade rausfinden, wie sich das geaendert haben koennte, um was ueber die "Verwitterung" der Verkleidung zu erfahren. Also: Farbmessung ist interessant. Bitte Rohbilder einreichen (FITS), oder selbst eine kalibrierte Photometrie erstellen.


    Gruss, Uli


    P.S.: Dieses Integralzeichen ist einfach herrlich.

    Neuigkeit aus dem Gaia-Betriebs-Team: Gaia wird noch mindestens eine ganze Woche, also bis naechsten Dienstag 4.2. "ganz hell" bleiben, also bei 15-15.5mag, also bei solar aspect angle = 0 Grad.

    Danach ist dann schon Halbmond (Mittwoch), und die Lage fuer weitere Beobachtungen wird sehr schnell unfreundlich, egal in welcher Stellung Gaia sich dann befindet.

    Gruss, Uli

    Und hier ein besonders schoen aufgemachtes Video (1:14min) von Gaia am Himmel, von vorgestern, aus England:

    External Content x.com
    Content embedded from external sources will not be displayed without your consent.
    Through the activation of external content, you agree that personal data may be transferred to third party platforms. We have provided more information on this in our privacy policy.


    Der Kasten hier oben sollte nur den Link nach Twitter/X enthalten; ich will nicht den X-Inhalt heir anzeigen. Wer's angucken will, moege einfach auf den Knopf ganz rechts oben in dem Kasten klicken.

    Gruss, Uli

    Ja, absoluter Wahnsinn was Du, ihr am ARI und die ganze GAIA Kollaboration hier auf die Beine gestellt habt ! Ist ne Revolution für die ganze galaktische Astronomie (und drüberhinaus ja auch noch). Ich schätze, die Amerikaner dürften schwer geschockt sein, was Europäer können... 😮😉

    Neidisch sind se durchaus (NASA und USNO). Aber natuerlich happy ueber die Daten (die meisten der Astronomen dort). Grins.

    Schon vor fast drei Jahren hat NASAs Wissenschaftsdirektor Thomas Zurbuchen auf Twitter bekannt gemacht, dass Gaia die Zahl der wiss. Publikationen von Hubble Space Telescope uebertroffen hat - in nur 6 Jahren; Hubble hatte schon 30 Jahre wissenschaftliche Nutzungszeit. Jaja, ich weiss, ich muss jetzt aufpassen, dass ich nicht vor Stolz platze. Die Zahl der referierten wiss. Publ., die Gaia benutzen, steht jetzt bei ca. 13000, und pro Kalendertag kommen 5 dazu, d.h. pro Werktag ca. 7. Und ich hab sie alle gelesen - sage zum Spass ich immer bei meinen Vortraegen ueber Gaia. In Wahrheit kann niemand mehr das alles ueberblicken, aber wer sich ein paar Einblicke goennen will, dem seien die woechentlichen "Essays" von Michael Perryman (der seit 2009 nicht mehr bei Gaia dabei ist) empfohlen. Es sind inzwischen gut 200 Stueck, jeweils nur zwei Seiten, zu finden unter https://www.michaelperryman.co.uk/gaia-essays.

    Der neueste "Essay" ist Nr.212, dessen Zusammenfassung lautet: "Gaia has recently identified 55 massive runaway stars in the young cluster R136 in the LMC, increasing the known number by an order of magnitude. They fall into two groups, an isotropic sample ejected soon after the cluster's birth, and 16 ejected in a preferentially northern direction. I discuss the interpretation, and the cosmological significance." - Also Details einer Sternhaufentwicklung ausserhalb unserer eigenen Galaxie aus Gaia-Eigenbewegungen in ca. 160 00 Lj Entfernung.


    Also nochmals herzlichen Dank an die Beitragenden dieses Forums fuer ihre Aufmerksamkeit gegenueber unserem kleinen Beobachtungsaufruf in der "hellen" Phase am Ende der wissenschaftlichen Messphase des Gaia-Satelliten.

    netten Dank an Dieter/astrion fuer die schoene Zusammenfsssung der Astrometrie-Geschichte des letzten halben Jahrhunderts!

    Gruss, Uli Bastian vom ARI in Heidelberg, einem der Macher von Hipparcos, PPM und Gaia. :)

    Lieber "Stathis", Ihre Strichspur von Gaia ist bisher die mit Abstand schoenste Beobachtung dieser Kampagne. Drei Fragen: 1) Darf ich mir das Bild herunterladen und an ein paar Interessierte weitergeben? 2) Darf ich das Bild an ESA geben? 3) Darf ESA das Bild ggf. auf einer Gaia-Webseite zeigen? 4) Wie soll ESA Sie in diesem Fall nennen/zitieren?


    Ah, und noch was: Wuerden Sie das Bild (oder auch die zugehoerigen Einzelbilder) auf die offizielle upload-Webseite der ESA hochladen? Ist nur eine Frage ...


    Observe Gaia from the ground - Gaia - Cosmos


    Schoene Gruesse,

    Uli Bastian (ARI, Heidelberg)