Posts by vollmann

    Hallo Christian,


    wieder eine tolle Beobachtung! Du hast recht, der Vollmond stoert
    beim Doppelsternbeobachten und messen nicht! Die Luft muss fuer
    Paare die weiter auseinander stehen auch nicht so ruhig sein.


    Hier in Wien ists regnerisch, ich hoffe der "Monsun" endet bald
    und ich kann wieder beobachten.


    Viele Gruesse
    Wolfgang


    --


    Ich hab fuer einige Deiner Sterne auch Beobachtungen gemacht:
    hier zum Vergleich:


    Xi Boo: Distanz 6.3", Positionswinkel 313°
    http://www.waa.at/bericht/2005/05/20050527wvo23.html


    Pi Boo: noch keine Messung gemacht
    http://www.waa.at/bericht/2003/07/20030706wvo20.html


    Delta Ser: Distanz 4.4", Positionswinkel 174°
    http://members.eunet.at/vollmann/ds/dsawc1.htm


    --

    Hallo Christian,


    tolle Beobachtungen mit Deinem Mikrometer! Ist es selbstgebaut und wenn ja wie machst Du Deine Beobachtungen?


    Ich hab noch die aktuellen Daten der von Dir beobachteten Sterne aus dem WDS herausgesucht -- schliesslich stehen sie auch auf meiner Liste! WDS: http://ad.usno.navy.mil/proj/WDS/wds.html


    Gamma Del = STF 2727 = 20467+1607: 4.4 + 5.0mag
    2004: Distanz 9.1", Positionswinkel 266°


    52 Cyg = STF 2726 = 20456+3043: 4.2 + 8.7mag
    1997: Distanz 6.4", Positionswinkel 69°


    61 Oph = STF 2202AB = 17446+0235: 6.1 + 6.5mag
    2004: Distanz 20.6", Positionswinkel 93°


    Eta Cas = STF 60AB = 00491+5749: 3.5 + 7.4mag
    2003: Distanz 13.0", Positionswinkel 319°
    (hast Du da einen Zahlendreher im Positionswinkel?)


    Gamma And = STF 205A-BC = 02039+4220: 2.3 + 5.0mag
    2004: Distanz 9.7", Positionswinkel 63°
    Der Begleiter ist uebrigens ein extrem schwerer Doppelstern:
    die beiden ungleich hellen Sterne 5.1 und 6.3mag stehen 2006
    nur in 0.35 Bogensekunden Distanz im Positionswinkel 102°. Das ist eine ziemliche Herausforderung den zu sehen!


    70 Oph: da konnte ich eine weitere Messung machen: meine Ergebnisse mit der Webcam sind:
    Jahr Distanz Positionswinkel
    2005.536 4.92" 138.4°
    2005.536 4.95 138.0
    2005.569 5.16 138.0


    Viele Gruesse
    Wolfgang

    Hallo Bernd,


    Deine erste Frage nach 2005,5 ist schnell beantwortet:
    2005,5 = Jahr mit Jahresbruchteilen -- das verwenden die
    Doppelsternastronomen um Beobachtungen verschiedener
    Zeiten zu vergleichen. So schnell sind die Bewegungen ja nicht.


    Die zweite Frage erfordert eine etwas umfangreichere Antwort:
    ich verwende zwei Moeglichkeiten:


    1. ohne Referenzsterne: der Abstand der Sterne in Pixels wird
    mit der genauen Brennweite in Bogensekunden umgerechnet. Die
    genaue Brennweite erhalte ich durch Aufnahmen von Sternen
    genau und gut bekannter Distanz. Der Positionswinkel wird
    aus dem Winkel der Verbindungslinie der Sterne auf dem Chip
    und der genauen Ost-West Richtung ermittelt. Die erhalte ich
    indem ich die Sterne bei ausgeschalteter Nachführung über den Chip
    wandern lasse.
    Ein wenig mehr darüber findest Du auf meiner Seite:
    http://members.eunet.at/vollmann/ds/dsawc1e.htm


    2. mit mindestens 3 Referenzsternen: das ist die klassische
    Astrometrie. Mehr darüber findest Du z.B. auf der Seite von Herbert
    Raab: http://www.astrometrica.at/
    Eine gute Erklärung steht auch im Buch von Berry/Burnell "Astronomical
    Image Processing": http://www.willbell.com/aip/index.htm


    So ich hoffe das hilft!


    Viele Grüsse
    Wolfgang

    Hallo Stefan,


    den Karkoschka hast Du ja schon empfohlen bekommen. Den nehm ich
    auch oft fuer Fernglasbeobachtung.


    Wenn Du das Buch gebraucht bekommen kannst ist meine erste
    Wahl die "Himmelsbeobachtung mit dem Feldstecher" von Rudolf
    Brandt -- einfach gut! Z.B. siehst Du das Buch auf Frank
    Schaefers Seite: http://212.80.228.216/sites/f.schaefer/fernglas.htm


    Ebenfalls sehr gut wenn Du Englisch kannst ist "Binocular Astronomy"
    von Craig Crossen (gibts z.B. hier: http://www.willbell.com/HANDBOOK/HAND2.htm )
    Es geht "nur" im Deep-Sky, das aber sehr sehr gut!


    Viele Gruesse
    Wolfgang

    Hallo Gernot,


    viele Karten mit genau bestimmten Helligkeiten findest Du bei der AAVSO:
    http://www.aavso.org/observing/charts/


    Z.B. http://www.aavso.org/charts/LAC/BL_LAC/BLLAC-F.GIF


    Allerdings gibt es nur relativ wenige Felder die weiter als bis
    16mag reichen und praktisch gar keine mit mehr als 18mag.


    Dann gibts noch das Buch "Atlas of Selected Areas" von Vehrenberg/Brun. Das wuerde so ziemlich das sein was Du suchst!
    Ich weiss aber nicht obs das online gibt.


    Viele Gruesse
    Wolfgang

    Noch eine Beobachtung:
    2005 Jul.6, 22h15-23h00 MESZ, Wien 21:


    Nach unserer Beobachtung am 4.Juli (und meiner missglückten
    Helligkeitsschätzung) hatte ich am Abend des 6.Juli die nächste Gelegenheit zur Beobachtung des Kometen 9P/Tempel 1.


    22h20 MESZ: zuerst versuchte ich mit meinem Fernglas 16x70 meine Beobachtung vom 4. nachzuprüfen: am damaligen Ort des Kometen war nichts Nebeliges zu sehen. Nur die vier Sterne 8.Grösse waren erkennbar: das kleine Sterndreieck am Ort 13h39,6m -10°07' (2000.0) und südlich davon sowie der Stern am Ort 13h38,7m -9°53'. Heute war es klarer als am 4. und die Sterne auch besser sichtbar. Danach schwenkte ich ein Grad nach Südosten zum heutigen Ort des Kometen: er war im Fernglas definitiv unsichtbar. Was habe ich am 4. im Fernglas geschätzt? Ich bin ziemlich sicher dass es nicht der Komet war, wie mehrere visuelle Beobachter zur selben Zeit zeigen, die den Kometen alle um die 10mag hell sahen: siehe z.B.
    http://groups.yahoo.com/group/comets-ml/message/8462,
    http://groups.yahoo.com/group/comets-ml/message/8466,
    http://groups.yahoo.com/group/comets-ml/message/8467 und
    http://groups.yahoo.com/group/comets-ml/message/8471.
    Auch unsere Beobachtung im 18 Zoll Dobson zeigte den Kometen ziemlich schwach: das passt besser zu einem Kometen 10.Grösse als zu einem helleren Objekt.


    Danach versuchte ich es mit dem Refraktor 130/1040mm. Die beste
    Beobachtungszeit war um 22h45 MESZ, da war die Dämmerung weit genug
    fortgeschritten und der Komet noch nicht so tief. Die durchgezogene
    Kaltfront hatte den Himmel "saubergewaschen" und die freisichtige
    Grenzgrösse betrug 5,2mag. Bei 55-facher Vergrösserung sah ich den Kometen bei indirektem Sehen immer wieder am richtigen Ort aufblinken -- er ist ziemlich schwach aber zu erkennen! Die Koma erscheint deutlich zentral verdichtet, aber einen sternartigen Kern kann ich heute auch nicht sehen. Der Komadurchmesser ist etwa 2 bis 3 Bogenminuten gross. Ich versuche eine neuerliche Helligkeitsschätzung: der Komet ist sicher heller als der Stern am Ort 13h43,2m -10°19' (2000.0), der eine V-Helligkeit von 10,74mag hat (Tycho2). Er ist etwa so hell wie der Stern am Ort 13h42,6m -10°25', der mit V=9,79mag im Katalog steht (Stern etwa auf Kometendurchmesser unscharf gestellt). Also ergibt das eine geschätzte Gesamthelligkeit m1=9,8mag. Die
    Schätzung ist um einige Zehntel Grössenklassen unsicher, da der Komet im Fernrohr so schwach erscheint, passt aber gut zu den Schätzungen anderer visueller Beobachter. Ergebnis: zumindest heute ist keine Auswirkung des "Deep Impact" (mehr) zu erkennen.


    Clear skies,
    Wolfgang

    Hallo "Templianer",


    ich hab noch die eintrudelnden Vergleichsbeobachtungen abgewartet und
    wollte auch heute Abend nochmals zum Kometen schauen was das Wetter
    vereitelt hat.


    Da _alle_ visuellen Vergleichsbeobachtungen, auch die zu etwa derselben Zeit, eine Helligkeit von 10.0 bis 10.5mag fuer den Kometen hatten wird es Zeit meine eigene Helligkeitsschaetzung kritisch zu betrachten.


    Wir haben den Kometen im 18" Dobson sicher gesehen, waren auch am richtigen Ort. Alle Beobachter (auch ich) sahen ihn ziemlich schwach -- das passt eher zu einem Kometen 10.Groesse als zu einem der 7.Groesse, selbst bei den eher schlechteren Beobachtungsbedingungen (Wolkenluecken, Daemmerung, Dunst).


    Meine Helligkeitsschaetzung machte ich mit einem Fernglas 16x70.
    Bei der schlechten Durchsicht ist eine Beobachtung des Kometen
    wenn er 10mag hatte mit dem Glas ausgeschlossen. Meine Grenzgroesse
    bei Sternen im Feld war 8.5 bis 9mag. Ich sah etwas schwaches nebeliges am ungefaehren Kometenort -- daher meine Schaetzung 7mag, schwaecher haette ich nichts gesehen. Wenn das nicht der Komet war, was dann? Vielleicht wars die Sterngruppe am Ort (2000.0) 13h39.6m -10°07' zusammen mit Dunst oder beschlagenen Okularen? Ich weiss es nicht und werds bei nächster Gelegenheit ausprobieren.


    Nach dem Stand der Dinge war meine Helligkeitsschaetzung offenbar
    einfach grob daneben und sollte ignoriert werden. Anscheinend kann sowas auch nach etwa 1000 Helligkeitsschaetzungen an etwa 100 Kometen
    passieren.... visuelles Beobachten ist nicht immer 100% objektiv,
    auch wenn man sich noch so sehr darum bemueht.... wieder etwas
    gelernt!


    Clear skies,
    Wolfgang

    Hallo alle,


    ich konnte soeben Wolfgangs Supernova beobachten:
    im 18" Dobson meines Sternfreunds Roland Graf war
    sie eindeutig erkennbar: bei 290x war der Stern
    135 und 137 der Karte gut zu sehen, der Stern 151
    war nicht erkennbar (visuelle Grenzgrösse nur 4,2mag
    am Stadtrand von Wien in der Dämmerung). Um 23h00 MESZ
    schätzten wir die Helligkeit auf 14,2-14,3mag. Im
    12" SC von Alex Pikhard nebenan war die Supernova auch
    zu sehen aber recht schwach.


    Karte: http://www.aavso.org/tmp/ngc5194-tb.png


    Clear skies,
    Wolfgang Vollmann

    Gestern Abend am 2.Juli ist mir noch eine Beobachtung der Nova
    geglückt: ich schätzte ihre Helligkeit auf nur noch 13,3mag.
    Dabei verglich ich sie mit den Sternen 131 und 135 der genaueren Karte von Reinder Bouma und Edwin van Dijk:
    http://www.shopplaza.nl/astro/vs-charts/NAQL2005_DSS.png


    Ich brauchte einige Zeit bis ich sie im 12" SC aus dem Sterngewimmel der Milchstrasse identifziert hatte -- noch dazu hat dieses Fernrohr seitenverkehrte Bilder durch den Zenitspiegel und ich musste mit einer recht hellen Taschenlampe durch die verkehrt gehaltene Karte schauen....
    Jedenfalls war sie dann bei 150x klar und deutlich zu sehen.


    Die Nova ist also seit der Entdeckung zwei Grössenklassen schwächer geworden und hat dazu fast vier Wochen gebraucht. Das ist für eine Nova recht langsam.


    Clear skies,
    Wolfgang

    Herzlichen Glückwunsch zur Entdeckung!


    Hast Du nach einer Supernova gesucht weil Du öfters Aufnahmen von M 51 gemacht hast? Das ist Dir jedenfalls gelungen!


    Clear skies,
    Wolfgang


    PS: die Bildfolge auf Deiner Seite ist gut gelungen -- es ist sehr schön zu sehen wie die Supernova heller wird!


    PPS: Wenn ich auf ein Einzelbild zum Vergrössern klicke kommt aber "The requested URL /Home_neu_mitte-Dateien\image002.jpg was not found on this server.". Wenn ich das \ durch / austausche klappts.

    Hallo Ralf,


    hast wirklich ein tolles Fernrohr: Zeta Boo hat derzeit sogar nur 0,68 Bogensekunden Abstand:
    siehe http://www.waa.at/bericht/2005/06/20050603wvo22.html


    Wenn Du das ohne Probleme trennen kannst und ein sauberes Beugungsbild hast so wie Du schreibst ist Dein Spiegel wirklich gut und Du kannst sicher auch am Rayleigh-Kriterium (bei 300mm 0,46") etwas sehen.


    Probier doch einmal Gamma Virginis und Alpha Comae. Beide sind jetzt am frühen Abend sichtbar und
    haben um die 0,45 Bogensekunden Distanz. Das sollte für einen guten Zwölfzöller kein Problem sein.


    Gutes Seeing wünscht
    Wolfgang

    21.Juni, 22h bis 1 MESZ:


    Ganz romantisch ging der Vollmond auf und wanderte tief über Südosten bis zu seiner nur 12,8 Grad hohen Kulmination in den Süden (in Wien um 0h42 MESZ am 22.Juni). Ein paar durchziehende Wolkenschleier machten den Anblick noch schöner!


    Mich hat es interessiert: wenn ich schon durch die Mondtäuschung getäuscht werde weil der Mond so gross aussieht -- wie gross sieht er denn aus??? Dazu verglich ich den subjektiv wahrgenommenen Vollmonddurchmesser mit Sternpaaren, deren Winkeldistanz ich danach am PC nachgesehen habe. Zwischen 22h28 und 22h36 verglich ich mit den Paaren Alpha/Eta Boo (Ergebnis: der Mond sieht etwa 1/3 so gross aus wie der Abstand der beiden Sterne), Epsilon/Rho Boo, Alpha Her/Alpha Oph und Beta/Gamma Lyr. Als Ergebnis erhielt ich: der Mond sah zu dieser Zeit (Höhe über dem Horizont in Wien 8 Grad) wirklich viel grösser aus als er ist: meine Schätzungen ergaben einen subjektiven Durchmesser von 1,8 Grad ± 0,3 Grad. In Wirklichkeit war der Mond auch an diesem Abend nur 1/2 Grad gross, genauer 33 Bogenminuten. Ich überschätzte also den Monddurchmesser um einen Faktor 3! Die Mondtäuschung "funktioniert" also auch bei mir!


    Dieses Phänomen müssen Planetarien bei der Projektion des Mondes beachten. So schreibt Ludwig Meier in seinem schönen Buch "Der Himmel auf Erden": "Die Erfahrung führt uns zu der paradoxen Feststellung: Um im Planetarium dem Auge einen naturgetreuen Anblick von Sonne und Mond zu bieten, müssen beide übernatürlich gross projiziert werden. Die in den verschiedenen Geräten realisierten Werte unterscheiden sich geringfügig. Sie liegen im allgemeinen in der Nähe der doppelten Grösse. Einige Projektoren für Sonne und Mond sind sogar mit Zoom-Objektiven ... ausgestattet. Sie erlauben zusätzlich die Nachahmung der optischen Täuschung der am Horizont grösser erscheinenden Himmelskörper. Sonne und Mond können auf diese Weise übertrieben gross aufgehen und beim Höhersteigen allmählich kleiner werden."


    Viele Grüsse
    Wolfgang


    PS: heute Abend gehts auch noch einmal, wenn auch nicht mehr ganz so schön!

    Jetzt wird die Nova deutlich schwächer!


    Gestern abend beobachtete ich (21.Jun., 23h50 MESZ): die Nova war nur mehr 12,5mag hell. Die Beobachtung war durch den relativ nahe stehenden Vollmond nicht leicht, auch im 130mm Refraktor konnte ich bei 115x gerade noch den Vergleichsstern 12,7mag erkennen. Der Vollmond war allerdings sehr hübsch!


    Jetzt gehen uns auf der Karte bald die Vergleichssterne aus, hoffentlich gibts bald eine neue!


    Clear skies,
    Wolfgang

    Auch wenns noch keine Beobachtung ist: heute Abend gibts einen sehr tiefen Vollmond!


    Grund ist der Sommerbeginn (Sonne am höchsten) mit fast gleichzeitigem Vollmond (also gegenüber der Sonne und am tiefsten) und noch dazu steht der Mond 4 Grad südlich der Ekliptik -- das gibt einen Vollmond bei einer Deklination von fast -30 Grad!


    Und noch dazu schaut der Mond da unten durch die Mondtäuschung besonders gross aus!


    Ein netter Artikel dazu ist hier: http://science.nasa.gov/headli…onillusion.htm?list131339


    Eine schöne Vollmondnacht wünscht
    Wolfgang

    Die neue und die alte Nova im Adler und zwei "Comeback-Novae"
    19.Jun.2005


    Zunächst gelang mir eine weitere Beobachtung der Nova Aquilae 2005 = V1663 Aql: bei 110-facher Vergrösserung konnte ich gerade noch den Vergleichsstern 12,3mag erkennen, tiefer ging es in der noch immer andauernden Dämmerung und dem starken Mondlicht nicht. Die Nova schätzte ich auf eine Helligkeit von 12,2mag. Sie ist also seit meiner ersten Beobachtung am 13.Juni eine Grössenklasse schwächer geworden -- das ist zu erwarten dass die Helligkeit mehr oder weniger rasch abnimmt. Manche Novae benötigen für eine Helligkeitsabnahme um 3 Grössenklassen nur 3-4 Tage (z.B. die Nova Cyg 1975 = V1500 Cyg), sind also "schnelle" Novae. Andere wieder brauchen ein 3/4 Jahr (z.B. die Nova Del 1967 = HR Del); man bezeichnet sie als "langsame" Novae.
    Weitere Beobachtungen dieser Nova machte ich am 13.Juni (http://www.waa.at/bericht/2005/06/20050613wvo00.html) und am 19.Juni 2005 (http://www.waa.at/bericht/2005/06/20050619wvo00.html); dort gibt es auch Verweise zur Lichtkurvenzeichnung und eine Aufsuchekarte mit Vergleichssternen.


    Die Nova Aql 2005 suche ich immer per "sternhupfen" ("starhopping") vom Stern Theta Serpentis auf. Das ist ein sehr hübscher Doppelstern mit 22 Bogensekunden Abstand -- die beiden weissen und in der Helligkeit wenig unterschiedlichen Sterne bieten vor allem bei schwacher Vergrösserung einen besonders schönen Anblick. Im Fernglas 10x50 kann ich diesen Doppelstern gerade noch auflösen und erkennen, wenn ich die Arme beim Beobachten im Liegestuhl aufstütze um das Glas ruhig zu halten: die beiden Sterne sind ziemlich knapp beieinander. Im 105mm Newton gefällt mir #952; Ser besonders gut bei schwacher Vergrösserung von 15 und 19x -- das ist bei der kurzen Brennweite des kleinen Astroscan mit einem Okular von 30 bzw. 24mm Brennweite leicht erzielbar. Bei dieser Vergrösserung sind die beiden Sterne gerade so weit getrennt dass es einfach schön aussieht!


    Nicht weit von Theta Ser geht es zur hellsten Nova der letzten 300 Jahre: der Nova Aql von 1918 = V603 Aql. Sie gehört auch noch ins Sternbild Adler. Sie wurde am 8.Jun.1918 als Objekt der ersten Grössenklasse entdeckt und wurde in wenigen Stunden fast so hell wie Sirius -- als Maximalhelligkeit werden -1,4mag angegeben! Nach einigen Monaten war die Helligkeit bis auf 6.Grösse gesunken (März 1919). Die "alte Nova" ist aber immer noch im kleinen Fernrohr sichtbar! Sie hat meist um die 12.Grösse. Heute Abend beobachtete ich sie und schätzte die Helligkeit auf 12,0mag -- gleich hell wie die der Vergleichsstern 12,0mag auf der AAVSO-Karte (die Vergleichssternkarten sind hier zu sehen: AAVSO B Karte http://www.aavso.org/charts/AQL/V603_AQL/V603AQL-B.GIF und AAVSO D Karte http://www.aavso.org/charts/AQL/V603_AQL/V603AQL-D.GIF). Die Nova Aquilae 1918 war die letzten Jahrzehnte um die 12mag hell, wie die Beobachtungen vieler Sterngucker in der AAVSO Datenbank zeigen. Es ist sehr wenig wahrscheinlich, dass sie in den nächsten Jahren wieder einen Helligkeitsausbruch zeigen wird, aber wer weiss.....
    Mehr über Novae steht in diesem Artikel: http://www.aavso.org/vstar/vsots/0501.shtml. Einen sehr schönen Vergleich der Lichtkurven verschiedener Novae der letzten 20 Jahre hat Gary Poyner zusammengestellt: http://www.garypoyner.pwp.blueyonder.co.uk/novae.html.


    Am selben Abend beobachtete ich zwei "Comeback-Novae", bei denen ein erneuter Helligkeitsausbruch erwartet wird. Der offizielle Name ist wiederkehrende Nova bzw. rekurrente Nova. In der Nördlichen Krone steht die wiederkehrende Nova von 1866 und 1946: T Coronae Borealis. Ich schätzte ihre Helligkeit auf 10,5mag. Sie ist meistens um die 10mag hell und erreichte im Ausbruch 1866 aber immerhin die 2.Grösse und 1946 die 3.Grösse -- der schöne Sternring der Nördlichen Krone muss damals mit freiem Auge ziemlich verändert ausgesehen haben! Wer selber nachschauen will was sich bei dieser Nova tut, kann diese Karte dazu benutzen: AAVSO D Karte http://www.aavso.org/charts/CRB/T_CRB/TCRB-D.GIF


    Die zweite "Comeback-Nova" dieses Abends macht es derzeit besonders spannend: es ist RS Ophiuchi (im Sternbild Schlangenträger). Diese wiederkehrende Nova zeigte bereits Ausbrüche in den Jahren 1898, 1933, 1958, 1967, und 1985. Die Zwischenzeiten sind zwar sehr unregelmässig aber immerhin könnte man spekulieren dass ein weiterer Helligkeitsausbruch unmittelbar bevorsteht.... im Maximum erreicht RS Oph immerhin 5. bis 6.Grösse und ist dann noch mit freiem Auge sichtbar! Heute Abend beobachtete ich den Stern aber im Minimum und schätzte die Helligkeit auf 10,7mag. Dazu benutzte ich die Aufsuche- und Vergleichssternkarten der AAVSO: A Karte, B Karte, C Karte und D Karte (in zunehmendem Massstab und mit schwächeren Sternen; siehe http://www.aavso.org/charts/OPH/RS_OPH/). Ein sehr guter Artikel zu RS Oph ist hier zu lesen: http://www.aavso.org/vstar/vsots/0500.shtml. Eine schöne Lichtkurve von RS Oph seit 1977 mit dem Ausbruch von 1985 hat Gary Poyner erstellt: http://www.garypoyner.pwp.blueyonder.co.uk/rsoph.html.


    Clear skies,
    Wolfgang