Am 28.2.2026 habe ich ein Mondmosaik gezeigt, das aus 34 Kacheln besteht:
Anhand einer dieser Kacheln wollte ich dann mal genauer herausfinden, wie klein die Strukturen sind, die noch sichtbar werden – also ein kleiner fotografischer Auflösungstest „aus der Praxis“. Ich habe mir dafür Clavius als Testkrater ausgesucht. Da kann man an den kleinen Innenkratern ziemlich gut sehen, wo die Grenze liegt. Der Zeitpunkt war auch ganz passend: Bei einem Mondalter von 10 Tagen steht die Terminatornähe so, dass Clavius schön plastisch wirkt und die Schatten die feinen Strukturen gut herausarbeiten.

Aufgenommen habe ich mit der SVBony SV305 in FireCapture. Davor stecken ein Baader Contrast Booster und eine Masuyama Barlow 1,5-fach. Der Contrast Booster blendet die Farbsäume dabei weitgehend aus. Insgesamt wirkt das Bild dadurch deutlich „ruhiger“ und kontrastreicher.
Gestackt und geschärft habe ich dann in AstroSurface. Verwendet wurden 200 von 1000 Frames. Durch die Wavelet-Transformation lassen sich viele feine Details gezielt hervorheben – man muss nur aufpassen, dass es nicht zu schnell überschärft wirkt.
Der kleinste der Clavius-Krater, die auf Wikipedia gelistet sind, ist Clavius O. Dieser hat nur einen Durchmesser von ca. 4 km und ist in meinem Material noch zu erkennen. Das ist für 90 mm Öffnung ein guter Reality-Check, dass Fokus/Seeing in dem Moment gepasst haben.

Ergänzend: Für solche „Auflösungschecks“ wird auch gern die Wallebene Plato herangezogen – wegen des sehr dunklen Bodens und der kleinen Krater darin. Plato selbst hat einen Durchmesser von etwa 101 km. In der Liste der Nebenkrater von Plato ist X der kleinste (Durchmesser 4 km). Der ist auf meiner Aufnahme auch sichtbar. Die kleinen K4-Krater (2,2 km bis 1,7 km Durchmesser) innerhalb von Plato sind in dieser Aufnahme aber nicht mehr zu erkennen. Entweder liegt hier schon die praktische Grenze des Teleskops oder der Beleuchtungswinkel ist hier gerade nicht optimal.

Was ich dabei wieder gemerkt habe: Neben der Optik selbst holen heute vor allem Lucky Imaging und die Bildbearbeitung eine Menge aus einem „einfachen“ Teleskop raus. Gerade am Mond kann man mit vielen Frames, sauberem Stack und vorsichtiger Schärfung aus einem kleinen Achromaten erstaunlich viel Detail herauskitzeln. Der 90 mm-Achromat scheint fotografisch Krater mit einem Durchmesser von etwa 4 km sichtbar zu machen.
Und hier noch ein paar Fakten zu Clavius:
- Clavius liegt im südlichen Hochland und ist mit rund 225 km Durchmesser einer der größten Krater auf der erdzugewandten Seite.
- Im Inneren sitzt diese halbkreisförmige Kette aus immer kleineren Kratern – genau deshalb eignet sich Clavius so gut, um das Auflösungsvermögen abzuschätzen.
- Funfact: Clavius ist vielen auch aus „2001: Odyssee im Weltraum“ ein Begriff (Clavius Base).
Quellen: