Hi allerseits,
gestern sollte es mal wieder klar werden, also ging es mit meinem 12er (f/4.2) Dobson raus in die Rhön! Ein guter Freund von mir war mit seinem 16er Dobson auch dabei, und wir fanden uns gegen 22 Uhr auf unserem Beobachtungsplatz ein. Der Boden war recht matschig, der Himmel jedoch zunächst wunderbar (Bortle 3). Etwas merkwürdig war allerdings, dass zu dieser späten Stunde, mitten im Nirgendwo, ein Mann mittleren Alters in seinem Auto auf dem nahegelegenen Wanderparkplatz saß. Was er dort gemacht hat, konnten wir uns bis zuletzt nicht erklären. Immer wieder startete er den Motor, parkte sein Auto um, lief ein paar Schritte über den Parkplatz, schaltete den Motor wieder aus, schaltete den Motor 20 min später wieder an, parkte sein Auto wieder um, ... . Außerdem hörte man ihn laut in seinem Auto reden. Nunja! Da mussten wir immer unsere Augen sofort schließen, wenn wir hörten, dass der Motor gestartet wurde. Das ging so ca. 2.5h lang, bis er schließlich dankenswerterweise wegfuhr. Der gute Herr hatte eine lange Antenne auf dem Dach. Vielleicht war er Amateurfunker? Gibt es hier einen Grund, nachts mit seinem Auto und Funkgerät auf einen abgelegenen Berg zu fahren? Vielleicht kann das hier jemand von euch aufklären? Das Wetter war leider auch etwas wechselhaft: Zunächst war der Himmel wunderbar, doch dann wurde es immer dunstiger. Zwischendurch verbesserte sich die Himmelsqualität, zumindest in der Region des Perseus, nochmal merklich. Jedoch war diese Verbesserung nur von kurzer Dauer und schließlich wurde es so dunstig, dass wir die Beobachtungen gegen 02 Uhr abbrechen mussten.
Aber nun zum eigentlichen Beobachtungsbericht.
M42:
Zunächst, um die Zeit der Dunkeladaption zu überbrücken, richteten wir unsere Teleskope auf M42. Was für ein Anblick! Beeindruckend gewaltige Dunkelstrukturen im 27mm Panoptic. Im 14mm Delos war das Trapez hübsch aufgelöst und man konnte sich an den reichhaltigen Strukturen im Zentralbereich gar nicht sattsehen. UHC brachte eine deutliche Verbesserung. OIII brachte mehr Strukturen hervor, dunkelte das Bild aber auch merklich ab. Im 16 Zöller war er nochmal deutlich beeindruckender als im 12er. Da hatte ich fast den Eindruck, in ein Astrofoto einzutauchen. Eigentlich wollte ich den heutigen Beobachtungsabend nutzen, um erstmals etwas ausgiebiger zu zeichnen. Voller Vorfreude holte ich mein Klemmbrett, usw. hervor, musste dann aber feststellen, dass ich die Bleistifte vergessen hatte. Mist! Mit diesem M42 hätte ich mich wirklich gerne zeichnerisch beschäftigt.
M35 + NGC2158:
Dieses Objekt beobachteten wir nur im 16er. Bisher war ich nicht der größte Fan von offenen Sternhaufen, und verbrachte meine Beobachtungszeit stets lieber mit anderen Objekten. Der Anblick von M35 + NGC2158 im 16er + 31mm Nagler war allerdings absolut phänomenal. Die Sterne von M35 funkelten wie zahllose kleine glitzernde Brillianten auf einem Schmuckstück und NGC2158 wirkte fast ein wenig wie ein schwacher Kugelsternhaufen. Für mich war dieser Anblick ein absolut unverhofftes Highlight dieses Beobachtungsabends.
M97 + M108:
Auch wenn die Region um den großen Wagen mittlerweile deutlich dunstig und aufgehellt war, wollte ich seine recht hohe Position am Himmel nutzen, um in dieser Region ein Objekte abzugrasen. Als erstes ging es zu M97 + M108. Faszinierend war der gleichzeitige Anblick von beiden Objekten im Übersichtsokular. Eine Galaxie und ein planetarischer Nebel im selben Gesichtsfeld! Eine 2500 Lichtjahre entfernte, vergangene Sonne und eine 35 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxie... und beides direkt nebeneinander im selben Okular. Wahnsinn. Beide Objekte blieben jedoch leider recht strukturlos. Bei M108 hatte ich nun bei dem doch mittlerweile recht dunstigen Himmel nichts anderes erwartet, aber bei M97 hätte ich mir schon die "Eulenaugen" erhofft. Mit UHC und OIII (habe glücklicherweise einen Filterschieber) sowie 10mm Delos erschienen innerhalb der nächsten 20 min immer wieder mal "rauchartige Schlieren" innerhalb des kreisrunden, scharf abgegrenzten Blobs. Jedoch gelang es mir nicht, diese Strukturen wirklich festzuhalten.
M51:
M51 war sehr enttäuschend, wohl wegen des inzwischen deutlich wahrnehmbaren Dunstes und der damit verbundenen Aufhellung. Bisher hatte ich leider noch nie das Glück, diese Galaxie unter guten Bedingungen zu beobachten. Spiralarme konnte ich hier noch nie sehen. Sie war sehr schwach und blieb strukturlos. Runde Vorhöfe um zwei etwas hellere Kernbereiche. Schade! Vielleicht beim nächsten Mal ... . Aus meiner bisherigen Erfahrung habe ich auch mitgenommen, dass diese Galaxie wirklich empfindlich auf die Himmelsqualität reagiert, was mich bei so einem bekannten Objekt doch etwas wundert. Was ist da eure Einschätzung?
M81 + M82 + NGC3077 + NGC2976:
M81 und M82 sind einfach immer wieder grandios. Nach der etwas enttäuschenden M51 war es herrlich, ausgiebig M82 zu beobachten. Ein ausgefranster Keil mit einer überraschend hohen Flächenhelligkeit. Indirekt flackerten immer wieder Strukturen innerhalb des Keils auf. M81 war ein weitgehend strukturloser, aber doch recht deutlicher Ellipsoid um einen aufgehellten Zentralbereich. Ich hatte in Erinnerung, den Kern von M81 schonmal deutlicher gesehen zu haben. Aber gut, die Himmelsqualität in diesem Himmelsbereich war nun wirklich nicht mehr so super. Anschließend wanderte ich noch zu NGC3077 und NGC2976. Diese waren zwar relativ schwach, aber es machte viel Spaß, die gesamte Gruppe abzufahren, und die verschiedenen Galaxie-Morphologien miteinander zu vergleichen. Toll!
Galaxienreise ausgehend von γ UMa:
Ausgehend von γ UMa wanderte ich die Galaxienkette bestehend aus M109, NGC3953, NGC4088, NGC4220, M106 und NGC4217 ab. An Einzelheiten kann ich mich nun gar nicht mehr erinnern... hätte ich mal ein Diktiergerät dabei gehabt! Schön war es allerdings, M109 und γ UMa im selben Gesichtsfeld zu sehen. Ich weiß nun jedoch wirklich nicht mehr, wie die einzelnen Galaxien aussahen. Aber ich weiß noch, dass es wirklich sehr viel Spaß gemacht hat, diese Galaxienkette gemütlich abzugrasen!
NGC 2022:
Eigentlich wollte ich unbedingt diesen kleinen planetarischen Nebel im Orion finden. Der Starhop gelang mir allerdings leider nicht schnell genug, bevor der Himmel endgültig zusuppte. Das lag auch an etwas doofen praktischen Problemen: Da der Boden so schlammig war, wollte ich meinen Okularkoffer nicht auf den Boden stellen und musste die Okulare auf meinem Beobachtungstisch lagern, damit ich diese griffbereit hatte. Dadurch passte aber der DSA nicht mehr auf das Tischchen, sodass ich ihn weiter entfernt auf die Motorhaube legen musste. Bis ich hier eine Lösung gefunden hatte, um den Starhop dennoch sinnvoll durchzuführen zu können, verging unnötig viel Zeit.
Jupiter:
Mittlerweile war es schon sehr diesig. Man konnte die Milchstraße kaum noch erkennen, alle Sterne hatten deutliche Vorhöfe und die wahrgenommene Sternendichte erinnerte eher an einen Vorstadthimmel als an den wunderbaren Bortle 3-Himmel von zuvor. Zum Abschied richtete ich das Teleskop auf Jupiter und erwartete zugegebenermaßen nicht so viel. Die Qualität des Seeings war allerdings überraschend gut. Immer wieder stand Jupiter für kurze Zeiträume absolut still im Okular, man konnte wunderbar die Wolkenbänder erkennen. Herrlich!
Gegen 02 Uhr war der Himmel dann so zugesuppt, dass es keinen Sinn mehr ergab weiterzubeobachten. Wir bauten ab und fuhren zurück. Ein schöner Beobachtungsabend, wenn auch mit suboptimalen Himmelsbedingungen. Morgen soll es angeblich wieder klar werden, mit, laut Wettervorhersage, deutlich besseren Bedingungen als gestern. Falls dem wirklich so sein sollte, werde ich morgen nochmal an den selben Beobachtungsplatz fahren. Drückt mir die Daumen!
Abschließend möchte ich noch sagen, dass ich doch ein wenig enttäuscht war, hier in der Rhön "nur" Bortle 3 vorzufinden. Das Beobachtungsinstrumentarium konnte man auch noch immer ohne zusätzliches Licht deutlich erkennen. Ich erinnere mich an einzelne Nächte im Schwarzwald, wo man wirklich kaum noch etwas von der Umgebung wahrnehmen konnte. Unvergessen ist auch eine Nacht auf dem Teide mit tieferliegender Wolkendecke, wo man tatsächlich sprichwörtlich die Hand vor dem Auge nicht mehr sehen konnte. Dass der Teide nicht mit der Rhön vergleichbar ist, ist mir klar. Aber dass ich im Schwarzwald schon bessere Bedingungen vorgefunden habe, hat mich doch etwas verwundert. Vielleicht sollte ich mir auch mal ein SQM zulegen, um das wirklich objektiv vergleichen zu können.
LG
Daniel