Posts by MartinB

    Hallo Christian,


    Glückwunsch zum gelungenen Reiseteleskop!

    Ja, sowas gibts immer noch nicht von der Stange zu kaufen, da macht der Selbstbau Sinn, wenn man nicht bei einem der kleinen Hersteller ein Instrument in Auftrag geben und länger darauf warten möchte, was natürlich auch finanziell ein anderes Thema ist als die Materialkosten für einen Selbstbau.


    Ein vergrößernder Sucher hat natürlich Vorteile. Mein erstes Selbstbau-Teleskop (150mm f/5) hat auch einen 6x30 Sucher und ich bin gut damit zurecht gekommen. Einen Peilsucher möchte ich aber heute an keinem Teleskop mehr missen.


    Dein Teleskop sieht durchdacht aus. Da stecken viele Details drin, die auf Beobachtungserfahrung schließen lassen. Kein unnötiger Schickimicki, das muss so sein bei einem Reiseteleskop. Hutring und der Spiegelhalter aus Holz sind gut konstruiert. Ich persönlich bin mittlerweile bei einem geringeren Holzanteil angekommen, aber bei deinem Teleskop passt alles gut zusammen.

    Die Fangspiegelspinne hätte ich um 45° gedreht angeordnet und die Fangspiegelhalterung etwas anders gebaut, siehe unser Fünflingsprojekt, das hier im Forum ausführlich beschrieben wurde. Das ist etwas leichter und steifer als deine Konstruktion, und noch etwas kompakter. Ich bin mir aber sicher, dass deine Konstruktion so prima funktioniert.


    Hast Du noch Fotos im reisefertigen Zustand und wie ist das Packmaß?

    Zur Dimensionierung und zur Steckverbindung der Trussrohre hätte ich auch gern noch etwas mehr erfahren.

    Wie schwer ist das Teleskop?

    Kannst Du aus deiner Sicht noch etwas mehr zum Okularauszug und zur Okularwahl schreiben?


    Gruß,

    Martin

    Hallo allerseits,


    Die Bildsensoren mit Farbmatrix sind praktisch alle so ausgelegt, dass ein zusätzliches UV+IR Sperrfilter benötigt wird. Lässt man das weg, arbeitet der Bildsensor nicht wie vom Hersteller vorgesehen. Zumindest für Planetenaufnahmen würde ich eine Kamera mit Farbmatrix immer mit Filter betreiben.


    Die obere Grenzwellenlänge muss nicht zwingend da liegen, wo sie für "normale" Videoanwendungen liegt. Normale Handykameras oder auch Systemkameras sind von der Optik her typischerweise nur für den Bereich ca. 470nm-650nm ausgelegt und die Filter werden dann dazu passend dimensioniert. Der volle visuelle Bereich von 400-700nm würde die Optiken teurer machen, ohne das Bildergebnis nennenswert zu verbessern. Die Bayermatrix "verträgt" dagegen meist einen Durchlassfilter 400-700nm. ohne dass zu viel IR-Licht die "grünen" und "blauen" Pixel anregt.

    Das ist vorteilhaft, denn für Astro-Farbaufnahmen ist es sinnvoll, bei den langen Wellenlängen zumindest die 657 nm Wasserstofflinie noch mitzunehmen, und wir freuen uns über jedes zusätzliche Photon, das zum Bild beiträgt.


    Falls zusätzlich reine IR-Astroaufnahmen gewünscht sind, ist ein IR-Durchlassfilter mit einer Kante im Bereich 640-700nm sinnvoll.

    Das ergibt dann praktisch S/W Aufnahmen mit Signal in allen 3 Farbauszügen. Ein reiner S/W Bildsensor wäre hier aber in vielen Fällen besser.


    Selbst ein APO-Refraktor bildet nicht immer auch IR im selben Fokus ab wie die sichtbaren Wellenlängen. Nur ein reines Spiegelteleskop ohne Linsen im Strahlengang wäre hier völlig unkritisch. Deshalb gibt es ohne geeignete Filterung in vielen Fällen unscharf überlagerte Bilder, d.h. es gibt einen unscharfen Lichtsaum um eigentlich gut fokussierte Strukturen.


    Alle Farben der Bayermaske sind relativ gut IR-durchlässig, aber nicht alle exakt gleich. Daher werden ohne Filter die Farben blasser und es gibt zusätzlich eine Farbverschiebung, die sich in der Nachbearbeitung je nach Motiv nicht immer zu 100% korrigieren lässt.


    Gruß,

    Martin

    Hallo Peter,


    Ich denke, Bilder im visuellen Spektrum zu erzeugen war auch beim Hubble-Teleskop kein primäres Designziel. Das ergab sich eher so nebenbei, unter anderem durch den Entwicklungsstand der Halbleiter-Sensortechnik während der Entwicklung des Teleskops.

    Auch das Hubble-Teleskop hat keine speziellen RGB-Farbkanäle, die dem menschlichen Sehen nachempfunden sind. Die veröffentlichten Bilder werden aus den zur Verfügung stehenden Wellenlängenbereichen zusammen gesetzt. Sie werden weitgehend außerhalb der wissenschaftlichen Arbeit erstellt, hauptsächlich um eine publikumswirksame positive Darstellung des Projekts zu fördern.


    Das JWST wurde für die Untersuchung der Vorgänge im frühen Universum und für Forschung zur Planetenentstehung entwickelt. Sichtbare Wellenlängen bringen da kaum zusätzliche Erkenntnisse.


    Licht aus dem frühen Universum ist mehr oder weniger rot verschoben, daher detektieren die Beobachtungen im Infrarot letztlich Vorgänge, die "vor Ort" zum Teil im Sichtbaren oder sogar im UV stattgefunden haben.

    Planetenentstehung findet in stellaren Staubscheiben statt, da sieht man im Sichtbaren kaum etwas von den interessanten Vorgängen.


    Das Projekt ist eh schon extrem komplex, da hat man wohl auch aus Aufwandgründen letztlich auf Kameratechnik unter 600 nm verzichtet. Die Goldbeschichtung ist oberhalb 600 nm das Beste, was es gibt. Hätte man die Spiegel fürs gesamte sichtbare Spektrum auslegen wollen, hätte das im mittleren und langwelligen Infrarot zumindest deutliche Nachteile gehabt.


    Übrigens, falls ich jemals in die Astrofotografie einsteigen sollte, werde ich mich ganz bestimmt nicht auf sichtbares Licht beschränken und habe auch kein Ihteresse an einer "naturgetreuen" Darstellung. Das empfände ich als unsinnige Einschränkung.

    Als vorwiegend visueller Beobachter muss ich halt mit den Beschränkungen meines eigenen mickrigen Sehapparats leben. Wenn ich mir Bilder ansehe, finde ich dagegen gerade die interessent, die mehr zeigen als unsere Augen wahrnehmen können.


    Gruß,

    Martin

    Hallo Ceule,

    Der Kleine ist für Deepsky mitnichten zu lütt. Du siehst die Objekte halt nicht so hell und so gut aufgelöst wie mit größeren Teleskopen. Das ist aber kein Grund, es nicht zu probieren!


    Aufgehellter Himmel ist da schon eher ein Problem. Vor allem diffuse Objekte mit geringer Flächenhelligkeit saufen schnell im aufgehellten Himmel ab. Mondlicht stört noch mal zusätzlich. Viele helle Galaxien sind andererseits bei gutem Himmel sogar im Fernglas schon zu sehen. Extrembeispiel M101: Bei gutem Himmel und günstiger Himmelsposition im Fernglas mit Struktur, bei Vollmond oder Stadtlicht selbst mit 200mm Teleskop praktisch unsichtbar.


    Gruß,

    Martin

    Hallo Tom,


    Noch eine Frage zum geposteten Bild: War der Mond über dem Horizont?

    Falls ja, wird das nix mit schönen Milchstraßenfotos.

    Auch die atmosphärischen Bedingungen spielen eine große Rolle. Die besten Chancen hast Du manchmal nach Durchzug einer Kaltfront mit Regen. Bei einer längeren Schönwetterperiode wird der Himmel oft zunehmend dunstig.


    Gruß,

    Martin

    Hallo Jonas,


    Aus vielen Urlauben in der Mecklenburger Seenplatte weiß ich, wie gut sich die Gegend für Amateurastronomie eignet.

    Bei einem Campingurlaub hab ich mal für die Mitcamper eine Himmelsführung gemacht, die einige Tage vorher im Rezeptionsbüro angekündigt war. Die Sternbilder musste ich schnell gegen Ende der Dämmerung erklären, danach hat man sie vor lauter Sternen nciht mehr gut erkannt.


    Als stationäres Gerät eignet sich alles von 150-300mm Öffnung, wobei letzteres als Volltubus schon extrem sperrig ist.

    Kauf dir einen gebrauchten 200/1200mm Dobson und 3 Okulare 30-35mm, 13-15mm und 5-7mm. Wenn Du bisher noch wenig handwerkliche Erfahrung hast, wäre ich mit dem Teleskoselbstbau etwas vorsichtig. Das kannst Du nach etwas Übung in Angriff nehmen und dem Besuch mehrerer Teleskoptreffen (sobald das endlich wieder geht). Wir Selbstbauer sind sehr hilfsbereit und auskunftsfreudig. Machen musst Du es aber letztlich selbst.

    Holz hat den Vorteil der einfachen Entsorgung und hält bei richtiger Pflege Jahrzehnte. Faserverstärktes Sandwich-Zeugs braucht es bei stationären Teleskopen definitiv nicht. Für Unterwegs ist das was Anderes, aber ein superleichtes Reiseteleskop selber zu bauen braucht sehr viel handwerkliche Erfahrung. Schau mal bei http://www.stathis-firstlight.de rein, das gibt dir eine gute Vorstellung von den Möglichkeiten, NACHDEM Du eine gewisse Zeit mit einem gekauften Teleskop beobachtet hast.


    Übrigens, auch mein erster Gedanke beim Durchlesen deines Eingangsbeitrags war: Der braucht auf jeden Fall ein gutes Fernglas!


    Gruß,

    Martin

    Hallo Moritz,


    Für die richtige Teleskopwahl sind einige Faktoren entscheidend, die hier noch nicht so richtig angesprochen wurden.


    Grundsätzlich sind die Beobachtungsbedingungen sehr wichtig und oft der limitierende Faktor. Bei unruhiger Luft oder aufgehelltem Himmel wegen Mondlicht oder in der Nähe größerer Ortschaften wird der Spaß und Erfolg oft von diesen Faktoren begrenzt.

    Auch wenn die Objekte nicht sehr hoch über dem Horizont stehen und das Licht daher bis zum Auge des Beobachers mehr Luft durchqueren muss, wird die Bildqualität oft nicht durch das Teleskop begrenzt. Bis ca. 100mm Öffnung ist die Bildschärfe meist durch die Optik begrenzt, über 200mm meist durch das Seeing (Luftunruhe).


    Das einfachste und dankbarste Himmelsobjekt ist für Einsteiger der Mond. Den kann man mit absolut jedem Teleskop beobachten, das überhaupt einigermaßen brauchbar ist. Auch 50mm Öffnung genügen schon. Die Vergrößerungen bewegen sich zwischen 10x und 400x (letzteres ist nur mit größerer Öffnung und bei perfekt ruhiger Luft sinnvoll). Fotografieren geht relativ leicht sogar schon mit dem Handy durchs Okular.


    Für Planeten solltest Du visuell mindestens 150-200x sinnvoll vergrößern können. Dazu ist eine Teleskopöffnung von mindestens 80-100mm zu empfehlen. Refraktoren liefern ein schöneres und kontrastreicheres Bild als Spiegelteleskope, werden aber jenseits 100mm Öffnung schnell sehr unhandlich und sehr teuer. Refraktoren mit 200mm Öffnung findest Du heute praktisch nur in stationären Sternwarten mit Publikumsverkehr. Die Profis in der Forschung benutzen bei größerer Öffnung praktisch ausschließlich Spiegeloptiken.


    In unseren Breitengraden kommen Jupiter und besonders Saturn manchmal viele Jahre lang nicht sehr hoch über den Horizont und wenn doch, ist bei uns Winter. Das ist eine direkte Folge der schräg stehenden Erdachse. Du kannst das leicht mit Planetariumsprogrammen wie Stellarium nachvollziehen.

    Für Planetenbeobachtung und Fotografie gelten prinzipiell dieselben Anforderungen ans Teleskop. Statt Fotokameras werden aber spezielle Videokameras mit kleinem Bildsensor verwendet, die unkomprimierte Videodaten mit 60 bis über 100 Bildern/Sekunde liefern können. Aus den Videoclips mit teils mehreren 1000 Einzelbildern werden dann am Computer einzelne Standbilder oder Bildsequenzsn gestackt, die bei sorgfältiger Arbeit erstaunliche Details zheigen können.


    Deepsky erfordert bei flächigen/nebligen Objekten vor allen anderen Voraussetzungen einen dunklen Himmel, egal ob fürs Beobachten oder Fotografieren. Bei Nebeln kann man oft Schmalbandfilter einsetzen, bei Galaxien geht das so gut wie nicht. Nur auflösbare Sternhaufen (punktförmige Quellen) lassen sich annähernd gleich gut auch aus der Stadt heraus aufs Korn nehmen.

    Die verwendeten Teleskopöffnungen werden hier meist nicht von der Schärfe/Auflösung der Bilder vorgegeben, sondern von der Lichtmenge, die benötigt wird, um überhaupt etwas zu erkennen oder aufs Bild zu bekommen.

    Fotografisch genügen hier mit einer guten Kamera sehr viel kleinere Teleskope als fürs visuelle Beobachten. Die Einzelbelichtungen liegen im Bereich Sekunden bis Minuten. Die Gesamtbelichtungszeit liegt oft bei mehreren oder vielen Stunden.

    Es macht hier so gut wie keinen Sinn, ein Teleskop für beides anschaffen zu wollen.


    Deepsky fotografieren geht schon sehr schön mit einer Systemkamera und 300mm Brennweite bei 24x36 mm Chipgröße. Das ganze montiert auf einem soliden Fotostativ mit einer parallaktischen Nachführung dazwischen.

    Visuell genügt als Einstieg schon ein Fernglas, dessen Öffnung dem 5-7fachen der Vergrößerung in mm beträgt.

    Bei gutem Himmel kann man mit einem 10x50 Fernglas schon mindestens 2/3 der Messier-Objekte sehen, oft allerdings nur als schwachen grauen Fleck am Himmel.

    Ich witzele immer, das beste visuelle Deepsky-Einsteiger-Teleskop hat 400mm Öffnung. Das ist für viele Hobbyastronomen natürlich viel zu teuer und unhandlich. Andererseits braucht es nicht sehr viel Erfahrung, um damit schon Details in den meisten Messier-Objekten zu sehen.

    Ein Dobson mit 200mm Öffnung und 1200mm Brennweite ist in vielerlei Hinsicht ein vernünftiger Kompromiss. Den sinnvollen Einsteigerbereich sehe ich etwas weiter bei 130-250mm Öffnung und 650-1200mm Brennweite. Solche Teleskope eigenen sich auch gleich gut für Mond- und Planetenbeobachtung.


    Nördlich des ~50. Breitengrades gibt es für Deepsky-Beobachtung eine Sommerpause, weil es nahe Mittsommer nachts nicht mehr komplett dunkel wird (die Sonne muss dazu > 18° unter dem Horizont sein).


    Für visuelles Beobachten ist Dunkeladaption sehr wichtig.

    Normale Handys sind zu hell. OLED-Displays kann man stark genug dimmen. Ich benutze ein Samsung Tablet, das kostet aber allein schon so viel wie dein gesamtes Budget.

    "Push To" halte ich prinzipiell für sinnvoll für Einsteiger, weil es beim Beobachten nicht stört und sich am Dobson "minimal-invasiv" anbringen lässt. Das sind aber noch mal um die 250 Euro extra, die man nicht durch Sparen bei der Optik ausgleichen sollte.


    Bei den Okularen gibt es eine sehr große Preisspanne. Einfache Plössl-Okulare oder noch simplere 3-Linser empfehle ich nur noch in ganz speziellen Fällen. Televue Ethos oder Delos finde ich viel zu teuer. Aber auch hier muss man Kompromisse eingehen. Gutes Glas ist nicht billig.

    Übersichtsokulare mit 2" Steckhülse benötigen am meisten Glas und kosten in hochwertiger Weitwinkel-Ausführung schnell mehr als ein einfacher 8" f/6 Dobson. Für den genügt erst mal ein 30-35mm 5-Linser vom Typ Erfle (um 150 Euro neu), am besten gebraucht zu kaufen. Eine mittlere Brennweite um 13-15mm ist das "Arbeitspferd" und hier würde ich neu ebenfalls um die 150 Euro ausgeben, z.B. für ein 14mm 82° Explore Scientific. Bei den kürzeren Brennweiten im Bereich 5-10mm gibt es auch etwas günstigere Alternativen, wenn das Bildfeld etwas kleiner sein darf. Die 5-Linser Planetary Typen mit einer Linsengruppe vor der Bildebene und 12-15mm Augenabstand sind hier ein günstiger und brauchbarer Kompromiss für den Einstieg. Wenn Du mit nur 3 Okularen und 8" f/6 Dobson anfangen möchtest, wären hier 6mm Brennweite richtig, bei 4 Okularen 4,5-5mm und 9mm.


    Ich hoffe, diese Gedanken helfen dir (und anderen Einsteigern, die das lesen) etwas weiter.


    Gruß,

    Martin

    Hallo!


    Ich denke inzwischen, weder war das Gerät ein unvorstellbar genial konstruierter funktionstüchtiger Gebrauchsgegenstand oder gar "Computer aus der Antike", (der damit beweist, dass es schon damals eine verbreitete, aber bisher völlig unbekannte Hochtechnologie gab, über die wir nur nichts wissen und die schlagartig verloren ging), noch war der Apparat ein moderneres Konstrukt viel späterer Zeiten, der auf kruden Wegen an diese Wrackfundstelle gelangte und später viele nur an der Nase herumführte. Ich glaube, nach den anregenden Beiträgen hier, die eine weitere interessante Recherche im Netz zur Folge hatte, inzwischen, dass die Wahrheit - wie so oft - irgendwo dazwischen liegen dürfte und deshalb auch nicht ganz so spektakulär ausfällt, wie es hin und wieder den Anschein hat (oder haben soll). Die genannten Extrempositionen sind vermutlich unangemessen und zwei zu stark eingeschränkten Blickwinkeln aus heutiger Zeit heraus geschuldet. Wobei in beiden Fällen das "Licht" vermutlich zu grell eingestellt ist... Dimmt man es etwas runter und dreht die Angelegenheit mal langsam hin und her, erkennt man wahrscheinlich eher, was Sache gewsesen sein könnte. Ein Teil der Erkenntnis zur Stellung und Bedeutung dieses Apparats bestünde dann in der Einsicht, dass früher manches zwar anders war, (was wir schon immer wussten), aber doch auf eine andere Weise, als die meisten es sich heute vorstellen - oder wolllen oder können.....

    Hallo Mathias,


    Seit ein paar Tagen schon wollte ich mich an dieser Diskussion beteiligen, aber Du hast mir nun durch diesen Beitrag die Arbeit weitgehend abgenommen.

    Deine Einschätzung, dass es sich wohl eher um ein Statussymbol oder Spielzeug für einen reichen Mäzen gehandelt haben könnte als um einen praktisch genutzten Apparat, teile ich zu 100% und spare mir deshalb einen ausführlichen eigenen Kommentar.

    Kannst Du eine Quelle zum Thema metallurgische Untersuchungen nennen? Bisher hatte ich dazu noch nichts gefunden, aber ich hab bisher auch nur oberflächlich gesucht.


    Den Mechanismus von Antikythera ist insofern etwas ganz Besonderes, weil er praktisch das gesamte astronomische Wissen seiner Zeit zum Thema wiederkehrende Himmelserscheinungen in einem mechanischen Konstrukt vereinigte. Ihn deshalb als Computer zu bezeichnen, finde ich trotzdem etwas übertrieben. Die einzige mögliche Eingabe war mit Hilfe einer Kurbel möglich, um in der Zeit vorwärts oder rückwärts zu gehen. Entscheidender Nachteil ist, dass man sehr weit kurbeln muss, um vergangene oder zukünftige Konstellationen abzulesen. Ständiges Hin- und Herkurbeln dürfte mit dem weniger als perfekten Mechanismus auf Dauer nicht viel Spaß gemacht haben.

    Die Lagerungen der beweglichen Teile waren ja ziemlich einfach gehalten und hatten insgesamt mit Sicherheit ziemlich viel Reibung. Die ganze Konstruktion war anscheinend auch nicht sehr zugänglich für Reinigung und neues Ölen oder Fetten zur Verringerung der Reibung.

    Einen echten praktischen Nutzen hatte der Apparat auf Dauer vermutlich nicht. Ein Gelehrter mit entsprechenden Kenntnissen konnte wahrscheinlich die benötigten Rechnungen für ein bestimmtes Datum fast so schnell ausführen wie das Vor- und Zurückkurbeln an dem Apparat gedauert hätte.


    Sehr interessant finde ich den Rekonstruktionsversuch auf dem Youtube-Kanal "Clickspring". Da wird sehr ausführlich ein Nachbau beschrieben, bei dem aber die Planetengetriebe noch fehlen, weil ihr Aufbau bisher zu unklar war. Auch wenn viele Teile vor allem aus Zeitgründen mit moderner Drehbank und Fräse hergestellt wurden, wird sehr ausführlich auf handwerkliche Fertigung mit zur damaligen Zeit wahrscheinlich verfügbaren Werkzeugen eingegangen.


    Dass heute kaum technische Artefakte aus der damaligen Zeit existieren, liegt nach meiner Einschätzung auch daran, dass Gegenstände aus Metall nach Ende ihere Gebrauchsdauer niemals weggeworfen wurden, sondern ihr Material wurde zu 100% recycelt, d.h. eingeschmolzen und neue Werkzeuge oder Gebrauchsgegenstände daraus hergestellt. Das unterscheidet sie z.B. von gebrochenen Tongefäßen, die heute noch im Boden auffindbar sind, oder Holzwerkzeugen, die fast alle vollständig verrottet sind oder schon am Ende ihrer Gebrauchsdauer in kalten Nächten thermisch verwertet wurden. Hätte ein nennenswerter Teil der Holzwerkzeuge bis heute überdauert, hieße die Steinzeit heute sonst sicher Holzzeit.

    Man müsste mal drüber nachdenken, was wohl in 2000 Jahren noch von heutiger Technologie übrig sein wird, und von den Inhalten heutiger Datenträger.


    Gruß,

    Martin

    Hallo Leute,


    Meine bevorzugte Lösung ist eine Platte aus unbehandeltem Pappelsperrholz, das einen umlaufenden Rand aus dünnem Sperrholz bekommt, der saugend um den Spiegelrand greift ohne zu klemmen, mit passenden Aussparungen für die Spiegel-Halteklammern.

    Vorteile der Lösung: Einerseits dicht genug, um Staub zu verhindern und wenn keine direkte Luftzirkulation über dem Spiegel möglich ist, gibt es bei kaltem Spiegel und Rückkehr in die warme Wohnung auch keine Kondensation auf der Aluschicht!

    Das unbehandelte Holz kann trotzdem gasförmigen Wasserdampf durchlassen und so vorhandene Feuchtigkeit ausgleichen.


    Gruß,

    Martin

    Hallo Norbert,


    Schnappschüsse vom Mond habe ich bisher meist mit lose gehaltenem Handy gemacht. Das ist zwar nicht optimal, mit etwas Geduld funktioniert es aber und es klappt praktisch mit jedem Handy, das auch bei Tag gute Fotos machen kann.

    Aufnahmen von anderen Himmelsobjekten als Mond und Sonne (Sonne mit entsprechenden Spezialfiltern VOR dem Teleskop!!) per Handy sind aber weniger sinnvoll, vielleicht mit Ausnahme sehr weniger sehr teurer neuerer Modelle, die eine spezielle Einstellung für Aufnahmen bei Nacht und minutenlange Belichtung erlauben (meist durch automatisches Aufaddieren von Einzelaufnahmen).

    Die meisten einfachen Handys machen eine gnadenlose Überbelichtung, sobald nennenswerte Teile des Bildes schwarzen Himmelshintergrund beinhalten.

    Dagegen hilft eine Kamera-App, die manuelle Belichtungssteuerung erlaubt.

    Ebenso ermöglichen solche Apps den Autofokus abzuschalten. Statt dessen sollte man manuell am Teleskop fokussieren.

    Falls Du ein Video eines Bildausschnitts machen kannst, ist es vielleicht möglich, Videos von Planeten zu machen, die dann mit den entsprechenden Spezialprogrammen zu schärferen Einzelbildern gestackt werden können. Ich habe aber keine Kenntnisse von einer existierenden funktionierenden Lösung für Planetenfotografie per Handy.

    Wenn Du ein normales Foto oder Video von einem Planeten mit einem normalen Handy machst, wird der Planet nur ein winziges ausgebranntes weißes Fleckchen ohne Struktur vor dunklem Hintergrund sein.


    Eigene Erfahrung mit Adaptern und Halterungen habe ich nicht weil ich bisher noch keine gefunden habe, die mir insgesamt genug taugen, um sie mir anzuschaffen.

    Eher baue ich mir mal was selber.

    Eine Empfehlung, worauf Du achten solltest, damit es funktioniert, kann ich dir trotzdem geben.


    Das Wichtigste ist, dass die Frontlinse des Handys genau da sein muss, wo sonst die Augenpupille hingehört.

    Dazu muss sowohl die Zentrierung auf ca. 1mm genau passen, als auch der genaue Abstand zwischen Okular und Handy.

    Je nach Okulartyp kann der Abstand ca. 3-20mm betragen. Eine Universal-Handyhalterung ohne präzise Zentriermöglichkeit und ohne Abstandseinstellung ist daher wenig sinnvoll, außer dein Okular hat eine einstellbare Augenmuschel, was aber längst nicht auf alle Astro-Okulare zutrifft.


    Beim Refraktor würde ich den Zenitspiegel nach Möglichkeit noch durch ein gerades Tubusstück mit gleicher optischer Weglänge ersetzen, oder einfach weglassen, falls der Fokussierer einen ausreichend langen Weg hat.


    Ich hoffe, mein Geschreibsel hilft dir etwas weiter.


    Gruß,

    Martin

    Hallo,


    Das Okular ist sogar schon 20-30 Jahre alt.
    Die TeleVue Nagler- Okulare funktionieren nur vernünftig, wenn alle Linsen vorhanden sind. Die vorderen Linsen wirken zwar als Barlow-Element, aber sie erzeugen Abbildungsfehler,die durch die restlichen Linsen wieder korrigiert werden. Lässt man sie weg, stimmt die Korrektur nicht mehr und die Abbildung wird schlecht. Abgesehen davon hält der eingeschraubt Halter für die hinteren Linsen auch das vordere Linsenpaket.


    Gruß,
    Martin

    Hallo Hartmut,


    Im Prinzip ist das kein Problem.


    Zu vermeiden sind:
    - Nässe, auch Tau
    - Staub, der ins Teleskop gelangen kann
    - Insekten, Nager und Vögel, die das Teleskop bei längerer Nichtbenutzung als Wohnstätte verwenden
    - Sonnenschein direkt aufs Teleskop


    Niedrige Temperaturen sind kein Problem.


    Ideal ist ein Deckel direkt auf dem Hauptspiegel, der ist dann gut gegen Staub und Kondenswasser geschützt.
    Bei einem kleineren Dobson mit Rohrtubus, wie sie gern von Einsteigern gekauft werden, ist nur der Tubus vorn mit einem Deckel verschlossen, hinten sind die Teleskope meist offen. Da macht es Sinn, einen Plastiksack drüber zu stülpen und unten zusammen zu binden.


    Ein draußen gelagertes Teleskop hat besonders im Winter den Vorteil, dass es abends zum Beobachten kaum auskühlen muss.


    Gruß,
    Martin

    Hallo Adam,
    Jedes Goto-System führt auch nach. Wie gut das klappt, hängt von mehreren Faktoren ab. Im ungünstigen Fall (schlechte Ausrichtung, ungenaue Mechanik, sehr hohe Vergrößerung) wird nur das Intervall für das Nachschubsen bzw. Korrigieren etwas länger als ohne Goto. Im Idealfall stellst Du das Objekt einmal automatisch ein und es bleibt auch bei höchster Vergrößerung stundenlang wie angenagelt in der Bildmitte.


    Ein einfaches Goto am Dobson mit Spanplatten-Rockerbox wird eher am unteren Ende der Nachführgenauigkeit liegen, während eine sorgfältig eingerichtete schwere und hochwertige Teleskopmontierung mit einer Optik drauf, die das Zuladungslimit noch lange nicht ausreizt, eher zur hochwertigen Kategorie gehören dürfte.


    Wenn ich vorhätte, Deepsky-Astrofotos zu machen, würde ich das meiste Geld in die Mechanik der Montierung stecken und je nach Preiskategorie vielleicht erst mal auf Goto verzichten.
    Eine parallaktische Montierung ist für den Einstieg in die Deepsky-Fotografie das einzig Vernünftige. Bei Alt-Az gibt es Bildfelddrehung, die je nach Himmelsposition die maximal sinnvolle Belichtungszeit begrenzen kann und auf jeden Fall zusätzliche Nachbearbeitung beim Stacken erfordert.


    Jeder Euro, den Du in eine hochwertige Montierungs-Mechanik steckst, und jeder Millimeter Brennweite, auf den Du verzichtest, spart dir Frust bei deinen ersten Astrofo-versuchen.

    Hallo Mario,


    Erst mal ein dickes Lob von mir, dass Du dich so engagierst.


    Ich wünsche mir, dass mehr Lehrer solche Eigeninitiative entwickeln und dass möglichst viele Entscheider an Schulen und in Behörden sie möglichst wenig dabei behindern - auf Unterstützung wage ich von der Seite kaum zu hoffen, denn da wird dann oft schnell ein Bürokratiemonster draus.


    Es gibt derzeit ein großes brach liegendes Potenzial bei den Vereinen mit Sternwarten, die momentan auch keinen öffentlichen Führungsbetrieb anbieten können.
    Die einzige Hürde, die ich sehe, ist dass die Leute, die sich sonst bei öffentlichen Führungen engagiert haben, eher weniger Interesse an der Technik haben. Und diejenigen, die die Technik beherrschen, lieber allein rumwurschteln statt sich abzustimmen, und lieber 2000 Einzelaufnahmen in 10 Nächten machen und die dann mit 30 Stunden Arbeitszeit zu einem einzigen möglichst perfekten Bild, nun ja, zusammenkomponieren, statt mit Quick+Dirty Live oder nahezu Live Sessions die Jugend für die Astronomie zu begeistern.


    Ich persönlich bin da nicht ganz unschuldig. Seit 10 Monaten ist unsere öffentliche Sternwarte zu. Zuvor habe ich dort 1x pro Woche bei öffentlichen Führungen mitgeholfen. Aber seitdem habe ich mich nicht engagiert, um uns wieder an die Öffentlichkeit oder an die Schulen zu bringen, sondern bin astronomisch beinahe komplett in Lethargie verfallen. Dass an unserer Sternwarte derzeit kein Vereinsbetrieb und keine öffentlichen Führungen stattfinden dürfen, heißt ja nicht, dass da überhaupt nichts geht.


    Leute, nehmt euch kein Beispiel an mir, sondern an Mario!


    Gruß,
    Martin

    Hallo Mario,


    Herzlich Willkommen im Astrotreff!
    Ja, mit dem Schenken ist es hier nicht getan. Trotz Computersteuerung braucht es doch ein wenig zusätzliches Wissen, damit die Himmelsbeobachtung richtig Spaß macht!


    Dein Standort ist für deutsche Verhältnisse sehr günstig für Amateurastronomie, weil dünn besiedelt und relativ wenig Lichtverschmutzung.


    Du kannst hier im Forum auch aktiv nach Mitgliedern in deiner Nähe suchen, es gibt eine Übersichtskarte, in die Du hinein klicken kannst und dann bekommst Du die nächstgelegenen Astrotreff-Mitglieder als Tabelle nach Entfernung sortiert angezeigt. Dann kannst Du den Astrotrefflern übers Forum pesönliche Nachrichten senden. Vorher am besten in deren Beiträge schauen, ob sie in letzter Zeit hier aktiv waren.


    Wenn Du uns etwas mehr über eure Schwierigkeiten berichtest, können wir etwas besser direkt hier im Astrotreff helfen.
    Die Bedienung des Teleskops ist aber nur die eine Seite. Selbst wenn Du es perfekt bedienen kannst, ist immer noch die Frage, welche Himmelsobjekte überhaupt lohnende Ziele zum Anpeilen sind. Die meisten der im Computer eingespeicherten Objekte sind bestenfalls nur schwache neblige Flecke am Himmel oder gleich gar nicht mit dieser Teleskopgröße sichtbar.
    Als Abhilfe gibt es Bücher (ja, ich weiß, altmodisch, aber immer noch sinnvoll), die bei der Objektwahl helfen können.


    Eine optimale Ergänzung zu eurem Teleskop, das ja für hohe Vergrößerung unf kleine Himmelsausschnitte optimiert ist, wäre ein Fernglas mit 40-60mm Öffnung und 7-10x Vergrößerung. Gerade bei eurem relativ dunklen Himmel kann man damit schon viele Objekte sehen, wenn Ihr aus dem Ort heraus auf eine dunklke Wiese geht.


    Die mitgelieferten Okulare sind nur ganz einfache Ausführungen. Sie genügen für den Anfang, aber es gibt komfortablere (und meist auch teurere) Alternativen.
    Eine preisgünstige Ergänzung für den Anfang ist für euer Teleskop auf jeden Fall ein 32mm Plössl- Okular. Es gibt sie schon ab ungefähr 50 Euro. Damit habt Ihr eine etwas niedrigere Vergrößerung als mit dem beigefügten 20er und die Objekte erscheinen zwar kleiner aber heller.


    Gruß,
    Martin

    Hallo Gerd,


    Natürlich hast Du völlig Recht, dass Bildschärfe und Auflösungsvermögen zwei verschiedene Eigenschaften sind.
    Ich hab halt versucht, ein komplexes Thema in erträglicher Länge zu behandeln und da hab ich das leider verwurschtelt.


    Gruß,
    Martin

    Hallo Simon,


    Wenn man beim Einstieg in die Astronomie noch unschlüssig ist, wo der Weg mal hingehen soll, ist der Versuch naheliegend, mit einem universellem Teleskop zu beginnen. Das ist aber, besonders wenn man wie die meisten Leute mit einem durchschnittlichem Hobbybudget beginnen möchte, gar nicht so einfach und erfordert viel Kompromissbereitschaft.
    Ich persönlich bin fast nur visueller Beobachter, habe aber genug Kontakt mit der einschlägigen Technik, um mir ein Urteil über die Möglichkeiten und Eigenheiten der verschiedenen Lösungen zuzutrauen.
    Egal ob visuell oder fotografisch, praktisch jeder Erfolg will mit Ruhe, Ausdauer und Zielstrebigkeit erarbeitet werden. Gerade im rein visuellen Bereich des Hobbys stellt sich aber mit der Zeit eine Routine ein, die entspanntes Beobachten ohne große Anstrengung ermöglicht, wenn man das wie ich genießen kann und möchte.


    Versuch bitte dir möglichst detailliert vorzustellen, wie deine Nutzung eines Teleskops in der Praxis aussehen könnte. Wenn dabei weitere Fragen auftauchen, bekommst Du hier im Forum Antworten.
    Ohne deine Gesamtsituation zu kennen, kann dir niemand seriös Ratschläge geben. Ich spreche hier mal ein paar Punkte an:


    Beobachtungserfahrung:
    Wenn Du bereits ein paar Jahre mit dem Fernglas beobachtet hast, gehe ich jetzt mal davon aus, dass dir die Bedeutung der Himmelsqualität bewusst ist. Wie sieht es damit aus an deinen typischen Beobachtungsstandorten?
    Musst Du für gute Himmelsqualität mobil sein, oder gehörst Du zu den wenigen Glücklichen, die vom eigenen Grundstück aus M31 im Fernglas zumindest zenitnah mit Halo und Staubband mit einer Länge von ca. 6x Monddurchmesser sehen können?
    Wie viele der Messierobjekte hast Du ungefähr schon im Fernglas beobachtet?
    Indirektes Sehen und Aufsuchen von Objekten per Sternmuster in einer Aufsuchkarte klappt schon halbwegs routiniert?


    Umgang mit Teleskoptechnik:
    Hast Du kein Problem mit Aufbau, gewissenhafter Einstellung und Justage auch nachts draußen im Dunkeln bei Kälte?
    Traust Du dir zu, ein Astrofotografie-Setup aus mehreren Komponenten nachts draußen im Dunklen bei Kälte technisch in den Griff zu bekommen und dabei zusätzlich die Optik und Mechanik des Teleskops zu "bändigen"?
    Macht dir Bildbearbeitung am PC Spaß?


    Standort:
    Kannst Du das Hobby stationär direkt bei der Wohnung betreiben und wenn ja, mit welchen Kompromissen?
    Gibt es die Möglichkeit, aufgebautes Equipment zumindest während einer Schönwetter-Neumondperiode mal mehrere Tage stehen zu lassen und jede Nacht zu nutzen?
    Welche Fahrzeit hast Du zu einem Standort, der mindestens Bortle 3 Himmelsqualität bietet?


    Wieviel Zeit wirst Du realistisch gesehen mit dem Hobby verbringen, und wie fügt sich das in dein Berufs- und Privatleben ein? Das ist ein extrem wichtiger Punkt, der von vielen Leuten in der anfänglichen Euphorie übersehen wird. Klarer Himmel und Beobachtbarkeit von bestimmten Objekten richtet sich nicht nach Wochentagen, Berufsterminen und Familienfeiern.


    So, das soll erst mal genügen. Wenn Du zu den obigen Punkten mal deine Kommentare gibst, können wir viel besser abschätzen, mit welchem Equipment Du die meiste Freude hättest.


    Gruß,
    Martin

    Hallo Cornelius,


    Erst mal Willkommen im Astrotreff! (Liebe Forenkollegen, bitte etwas mehr Höflichkeit[8)]).


    Wir nehmen mal den allereinfachsten Fall, einen Parabolspiegel und Licht von einem Stern, das exakt von vorn kommt (auf der optischen Achse).
    Abbildungsschärfe bzw. Auflösungsvermögen dieses Spiegels hängen von der Oberflächengüte, dem wirksamen optischen Durchmesser und der Wellenlänge ab. Und von sonst nix.
    Sichtbares Licht hat ungefähr 1/2000 mm Wellenlänge. Die Abweichungen der Optik müssen erheblich kleiner sein als diese Zahl, um eine annähernd perfekte Abbildung zu erreichen.


    Licht besteht nicht aus "Strahlen" oder Teilchen, sondern es handelt sich um elektromagnetische Wellen, die sich praktisch ungehindert durch Vakuum ausbreiten und mit Materie wechselwirken. Die Energie kann dabei nicht kontinuierlich übertragen werden, sondern nur in bestimmten kleinstmöglichen "Häppchen". Die Häppchengröße ist nur von der Wellenlänge abhängig und wird Lichtquant oder Photon genannt.
    Diese Quanteneigenschaft spielt aber bei der Untersuchung der Lichtausbreitung keine Rolle, sondern nur bei der Berechnung der Energie, die man z.B. mit einem Bildsensor einfangen kann. Für das Verständnis der Bildschärfe ist also nur die Welleneigenschaft bedeutsam.


    Zum besseren Verständnis stellen wir uns nun ein eingefrorenes Wellenmuster vor. In der Praxis bewegt es sich natürlich wegen der Lichtausbreitung, aber es kommt hier auf die "relativen Phasenwinkel" an, also die Unterschiede, und die sind in jedem Moment immer die gleichen.
    Um eine gute kontrastreiche Abbildung zu bekommen, muss der gesamte Wellenberg einer Lichtwelle, die vom Teleskop eingefangen wird, gleichzeitig und auf einen Punkt gebündelt in der Bildebene ankommen. Wenn die gesamte Oberfläche des Teleskopspiegels höchstens ungefähr 1/10 Wellenlänge vom Idealwert abweicht, wird die Auflösung praktisch nur noch von der Wellenlänge und dem Durchmesser der Optik vorgegeben. Eine noch höhere Genauigkeit "merkt" das Licht nicht. Gute Amateurspiegelschleifer können solche Teleskopspiegel mit ungefähr 1/20000 mm maximalem Oberflächenfehler, das sind +- 50 nm Genauigkeit, heute einigermaßen routiniert herstellen (und messen!).


    Warum liefern größere Optiken schärfere Bilder?
    Rings um den hellen Fleck in der Bildmitte gibt es eine Zone, wo von einen Hälfte des Spiegels gerade eine positive Halbwelle ankommt und auf der anderen eine negative. Dann löschen sie sich gegenseitig aus und der Bereich in der Bildebene bleibt dunkel. Noch etwas weiter von der Mitte entfernt treffen wieder zwei Wellenberge aufeinander, hier gibt es einen hellern Ring, und so weiter. Daher wird ein weit entfernter Lichtpunkt vom Teleskop in ein "Beugungsmuster" abgebildet, mit einen sehr hellen Fleck in der Mitte ("Beugungsscheibchen") und mehreren immer schwächer werdenden Ringen drum herum. Auch ein perfekter Parabolspiegel kann wegen des Beugungsmusters nie 100% des Lichts ins Beugungsscheibchen leiten. Wenn ich mich recht erinnere, ist der theoretische Höchstwert ca. 83%. Die übrige Energie landet in den Ringen.
    Das Beugungsscheibchen in der Mitte ist um so kleiner, je größer die Optik ist und je kürzer die Brennweite und Wellenlänge sind.


    Bei weit entfernten Objekten wird die Schärfe eines Teleskops in Bogensekunden, also Winkelauflösung, angegeben Dadurch ist die Zahl unabhängig von Objektentfernung und Abbildungsgröße.

    Beispiel: Ein Spiegel mit 117 mm Durchmesser kann zwei Sterne mit 1 Bogensekunde (=1/3600°) Abstand noch mit einer dunklen Lücke dazwischen abbilden. Stehen zwei Sterne näher beieinander, scheinen sie im Teleskop mehr oder weniger zu verschmelzen.


    Das Beugungsmuster ist nur zu sehen, wenn die Optik, die Luftruhe und die Justage nahezu perfekt sind, sonst ist alles verschmiert oder es gibt Gezappel. Je größer das Teleskop, um so schwieriger wird es, seine "echte" Schärfeleistung in der Praxis zu nutzen.


    Übrigens: ein "Bildgezappel" würde auch auftreten, wenn die Optik rotiert! Rotieren bringt daher nichts, außer die Abbildungsfehler der Optik gleichmäßig in alle Richtungen zu "verschmieren".


    Ich hoffe, die Erklärung war verständlich und nicht zu lang!


    Gruß,
    Martin

    Hallo Matthias,


    Bitte nicht die äußere Zone durch Polieren am Spiegelrand abzuflachen versuchen- das geht schief und erzeugt eine heftig abgesunkene Kante!


    Die Abflachung des Randbereichs erreicht man statt dessen viel einfacher von der 50-70% Zone her. Das verändert zwar minimalst die Brennweite, ist aber mindestens 10x einfacher hin zu bekommen.


    Leider hab ich gerade keine Zeit, im Internet nach Grafiken zu suchen, die beschreiben, wo man zum Parabolisieren am besten Glas entfernen sollte und vor allem wo nicht.
    Vielleicht kann das jemand anders übernehmen, sonst schau ich heute Abend mal nach.


    Im Prinzip kannst Du dein Testergebnis aber auf die Ist-Brennweite am Rand einstellen, dann wird ein Berg in der Mitte angezeigt, den Du wegpolieren musst, um den ganzen Spiegel an die vorhandene Kurve in der äußeren Zone anzupassen. Das geht dann mit Strichführung Mitte über Mitte, wird aber bei der Spiegelgröße wohl nicht mit dem großen Poliertool bis zur fertigen Parabel funktionieren.


    Gruß,
    Martin

    Hallo Matthias,


    Die Empfehlung, das Glas erst sphärisch auszupolieren, stammt aus der Zeit, in der uns Amateuren keine Interferometrie zur Verfügung stand. Eine Sphäre kann der Focaulttest einfach und mit großer Genauigkeit prüfen, weil er dafür ein Nulltest ist, d.h. auch kleine Abweichungen werden sofort sichtbar. Zusätzlich kannst Du einen sphärischen Spiegel auf der optischen Bank leicht ohne Interferometrie auf Asti testen, nämlich per Pinhole als künstlicher Stern und Okular.
    Außerdem ist die Sphäre prinzipiell ohne Messen und Korrigieren allein mit der Anwendung der richtigen Strichführung beim Polieren erreichbar, zumindest wenn man etwas Übung damit hat.
    Wenn Interferometrie zur Verfügung steht und man auch mit kleineren Tool mit Tool oben polieren kann, gelten diese Bedingungen nicht oder nur eingeschränkt.


    Priorität hat jetzt das Auspolieren, fast gleich wichtig ist das Einebnen der Kurve, und erst danach kommt das Annähern an die Parabel. Will heißen: Die größte Abweichung vom Sollzustand wird vorrangig bearbeitet, die kleineren Abweichungen erhalten entsprechend weniger Aufmerksamkeit.


    Wenn der Strehlwert von knapp 0,2 stimmt, bist Du mit deinem 12" f/5 Spiegel wohl schon deutlich näher an der Parabel als an der Sphäre.
    Wichtig ist jetzt neben dem fertig Auspolieren, dass keine der Zonen anfängt "wegzulaufen". Zumindest sollte bei Vorgabe CC=-1 keine Zone über 100% Korrektur liegen, sonst würde ich auf jeden Fall die Strichführung anpassen. Am schwersten zu korrigieren wäre dabei ein hängender Randbereich. Probleme nahe der Spiegelmitte sind dagegen meist sehr leicht behebbar.


    Gruß,
    Martin

    Hallo und Willkommen im Astrotreff!


    Ich vermute, mit der technischen/optischen Seite der Fotografie hast Du dich auch noch nicht intensiv befasst, sonst sähest Du bei den Teleskopen schon etwas klarer.


    300 Euro ist für einen Einstieg in die beobachtende Hobbyastronomie knapp ausreichend, um einigermaßen Freude daran zu haben. Der Betrag macht es aber nötig, Kompromisse einzugehen und ermöglicht nicht den Kauf von irgendwie ausbaufähigem Equipment, wenn man Qualitätsansprüche stellt. Nur mal so als Vergleich, für 300 Euro gibt's noch kein hochwertiges Teleobjektiv zum Fotografieren zu kaufen, schon gar nicht mit stabilem Stativ. Und das Teleskop wird nicht einfach festmontiert, sondern muss zum Ausgleich der Erddrehung nachgeführt werden!


    Mondbeobachtung geht mit praktisch jedem Teleskop ab 50mm Öffnung, wenn es optisch keine Gurke ist.


    Entscheidend für Planetenbeobachtung ist die Öffnung, d.h. der Durchmesser der Optik. Unter 100mm begrenzt meistens das Teleskop die Bildschärfe, über 200mm das Seeing (Luftunruhe).
    Bei Deepsky-Objekten, vor allem Nebeln und Galaxien, kommt noch die Öffnungsfläche dazu, d.h. das Lichtsammelvermögen.


    Planetenbeobachtung geht problemlos aus der Stadt, zumindest bis Saturn, weil Lichtverschmutzung kein Thema ist.


    Teleskopmäßig geht es ab 130/650mm Spiegelteleskop los mit 2-3 einfachen Okularen und einem einfachen Unterbau zum rechts-links-rauf-runter schwenken per Hand. Der Unterbau erfordert aber noch einen stabilen Tisch zum Draufstellen, sonst kriechst Du auf der Erde rum.


    Alternative ist z.B. ein Linsenteleskop mit ca. 80mm Öffnung und 800mm Brennweite. Aber da wird's schon sehr eng mit 300 Euro, weil Optik+vernünftiges Stativ schon eher drüber liegen. Andere Alternative: 90mm Maksutov-Teleskop, das ist kompakt und stellt etwas weniger Ansprüche ans Stativ.


    Die Brennweite des Teleskops und auch die Lichtstarke (Blendenöffnung) sind dagegen fürs Beobachten mit Okular kaum bedeutsam, weil erst die Kombination mit der Okularbrennweite die Vergrößerung festlegt. Ausnahme ist hier aber das Maksutov-Teleskop, das eignet sich kaum Für Deepsky-Beobachtung bei niedriger Vergrößerung.


    Gruß,
    Martin

    Die Schleifbrühe setzt sich im Eimer ab, die groben und schweren Bestandteile schon nach Sekunden bis Minuten und das ganz feine Glasmehl nach Tagen. Man kann sie konzentrieren, indem man nach einiger Zeit vorsichtig das klare Wasser darüber abgießt, das darf in den Abfluss. Aber mit Gießen auf hören, sobald der Bodensatz anfängt, mit aus dem Gefäß zu fließen. Der Schleifschlamm verstopft gnadenlos den ersten Bogen (Geruchsverschluss) im Abfluss, das kriegt man dann nur durch Zerlegen und einzelne Rohrsegmente ausspülen wieder hin.


    Den konzentrierten Schleifschlamm kann man komplett eintrocknen lassen und in den Restmüll entsorgen.


    Noch ein Tipp für das Ende des Grobschliffs: Man kann ein paar Chargen Schleifpulver aus dem Schleifschlamm zurück gewinnen, wenn man den Schlamm erst mit genug Wasser kräftig umrührt, dann ca. 20 Sekunden stehen lässt und anschließend langsam in ein anderes Gefäß umgießt. Der feinere Glasschlamm setzt sich nicht so schnell ab und wird mit dem Wasser umgefüllt, das schwerere und gröbere Siliziumkarbid setzt sich sehr schnell am Boden ab und bleibt zurück.


    Gruß,
    Martin

    Hallo Matthias,


    Weil bis jetzt sonst keiner geantwortet hat, mach ich das mal.


    1. Wenn der Rand sich jetzt auch langsam entwickelt, ist alles gut. Du polierst vermutlich nur etwas zu sehr Mitte über Mitte. Damit wären wir schon bei


    2. Achte einfach auf eine W-förmige Strichführung, dann entwickelt sich der Rand stärker. Aber nicht zu viel seitlichen Überhang machen und Kantendruck auf den Spiegel vermeiden!


    3. 4-20 Stunden bis auspoliert. Beim 12" ist das schon harte körperliche Arbeit.


    4. Die Poliermittelmenge braucht nicht sehr groß zu sein, aber da gibt es schon einigen Spielraum. Machst du dir Emulsion oder gibst du direkt Pulver auf den Spiegel? Die Menge Ceroxid sollte eher etwas kleiner sein als die Menge Schleifmittel bei der letzten Körnung Feinschliff, und man kann damit leicht 15 min polieren. Dabei wird nur mit einer Sprühflasche vorsichtig Wasser nachdosiert, damit der Wasserfilm nicht reißt. Wenn die Pechhaut zu viel Poliermittel enthält, kannst du sie unter warmem Wasser abbürsten.


    Nachtrag: Wo polierst du? Ist der Raum warm? Optimal sind so 21-23°C. Wenn es kälter ist und du so langsam polierst, dass es keine nennenswerte Eigenerwärmung gibt, dauert das Polieren halt länger


    Gruß,
    Martin

    Hallo Stefan,


    Der Hauptunterschied von Teleobjektiven und Astro-Refraktoren wurde schon genannt: Das Teleskop hat keine verstellbare Blendenöffnung.


    Außerdem haben Teleskope meist eine "ehrliche" Baulänge, die der Brennweite entspricht, während Teleobjektive meist sehr kurzbrennweitige Optiken mit Verlängerungselement hinten sind, im Prinzip wie eine Barlowlinse.


    Teleskope kommen von Haus aus oft ohne Bildfeldebnung, die muss man dann für Fotografie extra dazu kaufen.


    Farbreine Abbildung nahe der Beugungsgrenze ist bei beiden nur mit teuren Spezialgläsern optimal möglich.


    Traditionell musste man ca. 2 Blendenstufen abbilden, um bestmögliche Schärfe beim Teleobjektiv zu bekommen. Das heißt, man landet bei den günstigeren Teles bei einem Öffnungsverhältnis von f/8 bis f/11. Das ist für Astrofotografie nahezu untauglich.


    Mittlerweile können die Kamerahersteller Objektive bauen, die trotz 15 und mehr Linsen selbst voll geöffnet schon guten Kontrast und ausgezeichnete Schärfe liefern. Billiger als ein Refraktorteleskop gleicher Brennweite, Öffnung und Bildgüte wird das dann aber nicht, auch weil solche Foto-Objektive genau wie Teleskope nicht in hohen Stückzahlen gebaut werden. Das kann aber von Fall zu Fall besonders bei Brennweiten im Bereich 200-500mm eine sinnvolle Alternative sein, wenn auch normale Fotografie damit gemacht werden soll.


    Ein Indiz für Astrotauglichkeit bei Teleobjektiven ist, wenn der Hersteller ausdrücklich die Verwendung mit Telekonverter vorsieht.
    Das ist bei günstigen Telezooms regelmäßig nicht der Fall.


    Gruß,
    Martin

    Hallo Jens,
    Mehr Streifen bedeutet grundsätzlich bessere mögliche Auflösung. Aber nur, wenn die Streifen sauber sind und guten Kontrast haben.
    Ich selber hab zwar das PDI-Plättchen vom Michael Koch seit über 10 Jahren hier rumliegen, mir dann aber doch ein Bath-Interferometer gebaut. Meine Vorgrhensweise ist so, dass ich erst alles sauber ausrichte ("Bullseye"- Ansicht= konzentrische Ringe) und die Ringzahl durch Längsverstellung minimiere, und danach gezielt so verstelle, dass ich ein möglichst dichtes Streifenmuster mit gutem Kontrast ohne geschlossene Ringe bekomme. Beim PDI erreicht man hier prinzipiell viel weniger Streifen als beim Bath, und ich bin mir nicht sicher, ob eine Einstellung ohne geschlossene Ringe sinnvoll möglich ist.


    Kannst du mal ein Foto hochladen?


    Gruß,
    Martin