Posts by Christoph HD

    Hallo Jochen,


    nach mehrmaliger Ansicht der Videos komme ich zu folgendem Schluss:

    1 . Es hatte zwischenzeitlich geregnet (als der Himmel völlig bedeckt war). Regentropfen werden sichtbar auf der Plexiglasscheibe (sowohl während der Nacht als auch am Schluss in der Dämmerung)

    2. Der Bereich, den das "UFO" "zurücklegt", entspricht etwa dem der größeren sichtbaren Tropfen.


    also 3.: Es handelt sich m.E. nach um eine Sternreflektion in einem Wassertropfen auf der Plexiglasscheibe – und zwar gibt es deren gleich mehrere: Die hier gezeigte ist die von Wega; dann eine weitere (kurze und helle!) bei Capella und eine schwache bei Deneb. Die Reflexe entstehen, wenn der Wassertropfen das Sternenlicht ablenkt, so dass dieser nicht punktförmig abgebildet , sondern vielfältig reflektiert wird. Besonders schön ist zu sehen, dass vor Sichtbarwerden der Wega (also unmittelbar, bevor Wega aus dem Tropfen "herauswandert") die gesamten Reflexe an dem fast senkrecht zur Plexiglasoberfläche stehenden Tropfenrand "fokussiert" werden. Und überhaupt kann man schön erkennen, wie im Laufe der Zeit das (gebrochene) Licht der Wega die Tropfenoberfläche "nachzeichnet".


    Oder gibt es eine noch einleuchtendere Deutung des Phänomens?


    Es ist immer wieder herausfordernd, vermeintliche "UFO"-Sichtungen zu (er)klären.


    >H2O-Tropfen klingt dann schon fast zu banal< – aber gerade Wasser ist es, dass zu so einer großen Vielfalt von Erscheinungen beiträgt ...


    Gruß aus HD,

    Christoph

    Hallo Eric2,


    Regulus hat mit RE (dem ägyptischen Gott) nichts zu tun. Regulus ist Lateinisch und die Verkleinerungsform von REX (König) --> Regulus (kleiner König) .

    Griechisch hieß er "Herz des Löwen", ebenso im Arabischen. Beide Bezeichnungen sind schon im babylonischen MUL.APIN bezeugt, und zwar als "Königsstern, Stern der Löwenbrust" (s. hierzu engl. Wikipedia: Regulus). Die babylonische Bezeichnung geht vermutlich auf die Tatsache zurück, dass Regulus um 2400 v.Chr. im Frühlingspunkt stand und daher zur Wintersonnenwende um Mitternacht kulminierte. Man nahm damals wohl an, dass er als solcher die Angelegenheiten des Königs beeinflusste (s. span. Wikipedia). Er ist unter den hellsten Sternen derjenige, der der Ekliptik am nächsten ist. Dasselbe gilt natürlich auch für Ägypten. Der damalige Zeitabschnitt wird als "Altes Reich" bezeichnet. Die altägyptische Bezeichnung für Regulus habe ich noch nicht ausfindig machen können.


    Gruß, Christoph

    Hallo Rainmker,


    das war die Nacht von 6./7. März. Das wird vermutlich die Starlink-Kette SL17 (gestartet am 4.3.2021) sein, die dann noch sehr eng zusammen gewesen sein muss. Das würde die Diffusität und auch die Überlappung auf nacheinanderfolgenden Aufnahmen erklären. Dieser "Lichterzug" war in jener Nacht in den Morgenstunden zu sehen.


    Gruß von Christoph

    Hallo zusammen,


    ich unterscheide zwischen FLARes und FLASHes. Erstere sind mit einem Heller- und dann Schwächerwerden verbunden, und der Flare kann zwischen sehr spitz & kurz und lang & flach sein. Dabei zieht ein Satellit seine Bahn so, dass kurzfristig Sonnenstrahlen zum Beobachter refletiert werden. Der Flash ist dagegen ein blitzartiges Aufleuchten ohne An- und Abstieg der Helligkeit. Die stammen von sog. taumelnden Satelliten, d.h. Satelliten, die außer Kontrolle sind und unberechenbar rotieren. Das geht oft so schnell, dass nur ein Blitz zu sehen ist. Immer wieder sieht man in diesem Zusammenhang ein oder mehrere weitere Flashes, die dann aber von Mal zu Mal viel schwächer sind. Leider gibt es schon so viele Satelliten außer Kontrolle in der Erdumlaufbahn, dass diese Flashes immer mehr zunehmen.


    Viele Grüße,

    Christoph

    Hallo Manfred,


    zum "Stern von Bethlehem" kurz folgendes:
    1. Der "Stern" in der Weihnachtsgeschichte von Matthäus ist nicht als astronomischer Stern aufzufassen.
    2. Der Gedanke mit der Konjunktion Jupiter-Saturn als Ursprung des Weihnachtssternes geht auf Kepler zurück. Allerdings war für ihn nicht diese Konjunktion das entscheidende Ereignis, sondern die danach folgende Dreifachkonjunktion Mars-Jupiter-Saturn, als neben Mars und Jupiter die Supernova 1603 auftrat. Für Kepler war diese dreifache Konjunktion <b>Auslöser</b> der (Super)nova – und da im Jahr 7.v.Chr. eine ähnliche Dreifachkonjunktion stattgefunden hatte, schloss Kepler daraus, dass diese ebenfalls eine (Super)nova "getriggert" hatte, und diese als den "Stern von Bethlehem" angesehen.
    Leider wird immer wieder die (dreifache) Konjunktion von Jupiter und Saturn als Keplers "Stern von Bethlehem" wiedergegeben. Bis sich jedoch die korrekte Ansicht durchsetzen wird, werden wohl noch Generationen vergehen: selbst der Eintrag in Wikipedia dazu trägt offenbar nicht zur Popularisierung dieses Wissens bei.


    Gruß aus HD,
    Christoph

    Hallo Manfred,


    eine ähnliches Halophänomen habe ich am 22. Oktober beobachtet (s.https://forum.meteoros.de/viewtopic.php?f=2&t=59767#p232192). Von oben nach unten sind folgende Erscheinungen zu sehen:
    ZZB = Zirkumzenitalbogen (oB in der Beschriftung)
    SL = Supralateralbogen (S in der Beschriftung)
    (beide berühren sich) Der ZZB verschiebt sich mit zunehmender Sonnenhöhe nach oben und wird immer kleiner im Durchmesser. Bei meiner Beobachtung war der Durchmessr bereits ungewöhnlich klein.


    OBB = Oberer Berührungsbogen (zum 22°-Ring) (als P–P bezeichnet)
    Der Parry-Bogen sollte darüber in entgegengesetzter Wölbung erscheinen (s. Bilder von 13:59 und 14:00 MEZ im verlinkten Beitrag). Hier ist er nicht zu erkennen bzw. geht in den Artefakten der Bildbearbeitung unter, die entsprechend gewölbte Ringe erzeugt.
    22°-Ring


    Ein so schön vollständiger Supralateralbogen ist in der Tat sehr selten zu sehen! Glückwunsch!


    Gruß aus HD,
    Christoph

    In den kommenden drei Monaten werden <b>zwei sehr enge Konjunktionen</b> stattfinden: am 3.10. zieht <b>Venus</b> in einem Abstand von <b>5’ südlich an Regulus</b> vorbei, und am 21. Dezember zieht <b>Jupiter 6’ südlich an Saturn</b> (!) vorbei.


    Die Konjunktion Venus-Regulus findet am 3.10.2020 um 1:00 MESZ statt, und wenn beide gegen 3:45 Uhr aufgehen, sind sie bereits 10’ voneinander entfernt. Bei Sonnenaufgang gegen 7:30 Uhr beträgt der Abstand bereits 20’. Diese Konjunktion ereignet sich alle 8 Jahre, und am 1./2.10.2044 wird es sogar zu einer Regiulus-Bedeckung kommen – allerdings auch gegen Mitternacht.


    Zu diesem Ereignis gibt es einen Beobachtungsaufruf von G.Können in dem es darum geht, mit Hilfe der Venus als „Leitstern“ den Regulus so lange wie möglich zu verfolgen: Reicht die Sichtbarkeit mit bloßem Auge bis zum Sonnenaufgang?


    Ich habe diesen Aufruf um einen weiteren Aspekt ergänzt: bei einer solch engen Annäherung macht sich der „Überstrahlungseffekt“ (vermutlich ein Kontrasteffekt) bemerkbar, d.h. das Auge nimmt das schwächere Gestirn deutlich schwächer wahr als er tatsächlich ist. Diesen Effekt habe ich bei Jupiter entdeckt und beobachtet. Er beginnt bereits in einer Entfernung von 1.3°, und in einem Abstand von 0.1° (also 6’) beträgt er sogar 2.2 Magnituden. Das wird für die sehr enge Begegnung Jupiter-Saturn in den Tagen um den 21. 12.2020 interessant – daher habe ich auch hierzu einen Beobachtungsaufruf gepostet. Beide Aufrufe sind mit entsprechenden näheren Angaben im Polarlicht- und Astronomie-Forum des AKM zu finden:
    <b>Venus–Regulus</b>: https://forum.meteoros.de/viewtopic.php?f=1&t=59676
    <b>Jupiter–Saturn</b>: https://forum.meteoros.de/viewtopic.php?f=1&t=59692


    Aufgerufen sind für den „Überstrahlungseffekt“ insbesondere Beobachter von veränderlichen Sternen, die also über Erfahrung mit Helligkeitsschätzungen haben. Ich würde mich freuen, wenn sich einige Beobachter in den Tagen um die beiden Konjunktionen an den Beobachtungen beteiligen würden. Erfahrungen kann man schon im Vorfeld sammeln, so dass man eine ungefähre Vorstellung von der Helligkeit des betreffenden Gestirns im „Normalzustand“ bekommt, um dann die potentiellen Abweichungen in den Konjunktionstagen besser erfassen zu können. Dabei nicht vergessen: dieser Effekt ist ein rein optisch-physiologischer, der im Zusammenwirken von Auge und Hirn entsteht – er kann mit Instrumenten nicht gemessen werden! <b>Hier kommt es wirklich auf die visuelle Beobachtung an!</b> Je mehr Beobachter mitmachen, desto aussagekräftiger sind die Ergebnisse! Hoffen wir nun auf gutes Wetter!


    Interessenten wünsche ich viel Erfolg!
    Christoph

    Hallo Hans,


    vielen Dank für den Link. Ich hatte ein neues Thema damit eröffnet, da ich keines speziell zu den Flares gesehen habe (und ich nicht alle zum Thema Starlink durchgesehen habe). Dein Bild hat mich zunächst deshalb beeindruckt, da darauf keine Flugzeugspuren zu sehen sind! Dann aber die vielen "Kratzer"... Der Flare-Bereich kommt sehr gut heraus – Gratulation!


    Nochmals zum Them Flares: am Sa. 28.3. haben offenbar mehrere Beobachter –so wie ich auch– eher zufällig die Flares mitbekommen als ungewollte "Zugabe" zu der sehr schönen Konstallation Mondsichel-Venus-Plejaden. Hat es davor bereits helle Flares gegeben? Von schwachen Flares hatte ich schon zuvor gehört und auch selber welche gesehen – da leuchteten wohl etwa +5 mag helle Satelliten auf etwa +3 mag auf. Das ist aber etwas ganz anderes als diese extremen Flares von bis zu 7 Größenklassen. Allerdings zeigten die folgenden Abende, dass Flare-Situationen wohl doch eher selten sind und die vom 28.3. vielleicht doch die ersten –und auffälligsten?– waren. Mich wundert dann allerdings nur, dass von den vorherigen Starts (Starlinks 0–3) keine so hellen Flares bekannt geworden sind. Sind die Satelliten von Starlink 4 etwas anders gebaut?


    Gruß Christoph

    Zum aktuellen Stand habe ich hier https://forum.meteoros.de/viewtopic.php?f=1&p=228169#p228169 einen Beitrag erstellt. Ich habe in ihm auch die Lichtkurven von drei verschiedenen Beobachtern aus der AAVSO-Datenbank eingestellt um zu zeigen, wie unterschiedlich die einzelnen Beobachter den Helligkeitsverlauf erfassen. Die Kurven sind zwar in sich recht konsistent, aber weichen untereinander zT deutlich ab, was schließlich zu der großen Streuung der Schätzwerte beiträgt. Von gemittelten Werten halte ich persönlich daher nicht viel. Im Falle Betelgeuze beziehe ich mich auf die V-magnitude aus PEP-Messungen, die ja über den AAVSO-Lichtkurvengenerator erreichbar sind. Zum Glück gibt es da einen Beobachter, der unter den V-magnituden PEP-Messungen einstellt (CTOA). Mit denen vergleiche ich dann meine Schätzungen.


    an Nils zum Thema Farbindex (B-V): In der AAVSO-Datenbank befinden sich unter den V-magnituden (auswählen in der Rubrik: Select Bands) auch die PEP-Messungen von Beobachter CTOA (Tom Calderwood). In seiner Messreihe erscheint auch die B-magnitude. Man kann beide markieren und sie gemeinsam anzeigen lassen. Während der gesamten Saison erhält er konstant einen Wert von +1.8. Dies liegt über dem "Katalogwert" von +1.5 (der zB auch in stellarium verwendet wird). Dein Wert mit +1.65 liegt also genau dazwischen.
    Ich verwende immer den Farbindex aus stellarium, der ist (meistens) korrekt. Mit ihm bin ich bisher gut gefahren.


    Gruß Christoph

    Hier der aktuelle stand, nachdem ich gestern abend erneut (trotz Mond ganz in der Nähe!) Betelgeuze in gewohnter Weise schätzen konnte. Diesen Beitrag habe ich auch auf dem AKM-Forum (https://forum.meteoros.de/viewtopic.php?f=1&t=59072#p227924) gepostet.


    Die Helligkeitsabnahme von Betelgeuze erfolgte bis vor wenigen Tagen weiterhin gleichmäßig, offenbar ohne irgendwelche Plateaus oder sonstige Veränderungen. Das scheint sich nun zu ändern: möglicherweise ist der Tiefpunkt erreicht. Meine letzten Beobachtungen deuten auch ein Einhalten des Schwächerwerdens an. Gestern Abend konnte ich aufgrund des sehr klaren Himmels nach Durchzug der Kaltfront Betelgeuze wie üblich schätzen, auch wenn der Mond unmittelbar nördlich zwischen Zeta Tau und Eta Gem stand (!): er hat den Himmel in seiner unmittelbaren Umgebung kaum aufgehellt. Beide Beobachtungsserien (18:45 und 21:30 MEZ) ergaben die selbe Helligkeit von +1.44V (Abweichungen ±0.01 bzw. ±0.04 mag).


    Das Bild wird durch die AAVSO-Beobachtungen im V-Bereich inzwischen sehr „unscharf“, da hier nicht mehr nur die PEP-Messungen einfließen, sondern und v.a. „Beobachtungen“ von Digitalbildern (DLSR bzw. CCD). Die sind offensichtlich nicht so standardisiert wie zu wünschen wäre: welcherlei die Probleme bei der Auswertung auch sind – sie bringen in die V-Messungen eine Ungenauigkeit hinein, die die der reinen visuellen Beobachtung entspricht. Damit gehen Wert und Genauigkeit der V-Messungen (etwa 0.01 mag) leider flöten.
    In dem folgenden Screenshot der AAVSO habe ich alle Beobachtungen von Beobachtern, die nur bis zu etwa 4 Beobachtungen beigetragen haben, ausgeblendet (so nimmt die Streuung etwas ab). Hervorgehoben (Kreuze) sind die Beobachtungen von Beobachter PTOB, der zwar mit CCD beobachtet, aber sehr enge und konsistente Werte erhält. Sie deuten bisher ein schön ausgeprägtes Minimum an. Meine eigenen Beobachtungen habe ich als dunkelblaue Rauten eingetragen. Sie deuten ebenfalls einen „Stillstand“ (ab etwa 8865) an, aber v.a., dass der Abwärtstrend zumindest unterbrochen ist.


    Erstaunlicherweise kommen meine rein visuellen Schätzungen mit ihrer „Übergenauigkeit“ an die PEP-Genauigkeit heran und übertreffen sogar die „gemittelten“ Werte der Digitalbilder...
    Meine Schätzungen lagen anfangs etwa 0.05 mag über den gemessenen PEP-Werten (bis etwa 8870) und sind dann etwa konstant geblieben, so dass für mein Auge die derzeitige Minimalhelligkeit etwa 0.15 mag heller als PEP geblieben ist.


    Es gilt weiterhin: mal sehen, wie es weitergeht...


    Abschließend noch ein kurzer Kommentar zum voranstehenden Beitrag von Dominik Braun: "...halte ich Manfreds Strichspuraufnahmen noch für das beste Mittel" – Wenn zu einem Zeitpunkt t die Helligkeit beider Sterne für einen bestimmten Chip&Bearbeitung "gleich hell" sind: was für eine Aussage gewinne ich damit? Das beste Mittel sind und bleiben kontinuierliche Beobachtungen aufgrund derer dann das Minimum bestimmt werden kann. Dass die Tiefe des Minimums von Beobachter zu Beobachter (und von Gerät zu Gerät) unterschiedlich ausfallen kann, sollte keinen verwundern. Das Auge ist eben kein Photometer - und Foto-chips und ähnliches sind auch nicht "objektiver", wenn sie nicht aufwändig geeicht werden.


    Viel Spaß an Beobachtungen zur der weiteren Entwicklung der Helligkeit von Betelgeuze!


    Gruß Christoph

    Alpha Ori Min 2020


    Zu den visuellen Beobachtungen und deren unterschiedliche Wahrnehmung durch verschiedene Personen möchte ich folgendes beitragen:


    Rote Sterne sind immer problematisch zu beobachten, denn jedes Auge reagiert je nach Umständen anders. Es kommt dabei sehr stark auf die genauen Beobachtungsbedingungen an. Aus meiner jahrzehntelangen Erfahrung folgendes:
    Rote Sterne erscheinen v.a. in der Dämmerung (bei noch aufgehelltem Himmel) deutlich heller als bei dunklem Himmel. Bei Vollmond, also hellem Himmel, trifft dies auch zu (zumindest in Mondnähe). Daher soll man rote Sterne beim Schätzen nur sehr kurz anblicken – schaut man etwas länger hin, so erscheint der rote Stern heller. Beispiel Betelgeuze am Do. Abend (16.01.2020):
    –A. Als ich aus dem Hellen in das Dunkel vor dem Haus getreten bin, „fehlte“ Betelgeuze im ersten Augenblick: er erschien deutlich schwächer als die Gürtelsterne. Ein sehr ungewohnter Anblick, der aber nach nur wenigen Sekunden schon vorbei war, als das Auge sich auf die dunklere Umgebung umgestellt hatte. (#8805; +2.0)
    –B Beim raschen Anblick schien Betelgeuze etwa gleichhell wie Gamma Ori: +1.5
    –C Bei der Verlagerung des Blickes, so dass Veränderlicher und Vergleichsstern gleichzeitig außerhalb der Blickfeldmitte (aber in etwa gleichem Abstand zu ihr) stehen, war beim Vergleich sowohl mit Gamma Ori wie mit Gamma Gem Betelgeuze beide Male schwächer (bei dieser indirekten Sicht sind nur die Stäbchen beteiligt, die Farbe spielt in diesem Fall keine Rolle) (Helligkeit &gt; +1.5 bzw. &gt; +1.9)
    –D meine „normale“ Schätzung ergab: Betelgeuze etwa in der Mitte zwischen Beta Gem (Pollux) und Gamma Gem (Alhena): +1.7
    –E bei längerer Betrachtung des roten Sternes erscheint dieser ja heller (sog. Purkinje-Effekt), in diesem Fall lag die Helligkeit von Betelgeuze zwischen der von Castor und Pollux, den beiden hellen Zwillingssternen: +1.5
    Fazit: je nach Beobachtungsumstand kann ein so heller roter Stern wie Betelgeuze bei ein und demselben Beobachter um mehrere Zehntel Magnitude abweichen. Wichtig ist für eine Beobachtungsserie, dass immer möglichst gleiche Beobachtungsbedingungen vorherrschen – sonst sind die Ergebnisse selbst eines einzelnen Beobachters nicht vergleichbar und aussagekräftig.


    Zwei weitere Effekte kommen hinzu:
    1. Jedes Auge reagiert zwar unterschiedlich, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass bei schwächeren rötlichen Sternen, bei denen die Farbe nicht erkennbar ist, der Augen-visuelle Eindruck gegenüber der V-Helligkeit (Visuell, sie wird immer für Sterne angegeben) gemäß der Johnson-Korrektur abweicht. Diese richtet sich nach dem Farbindex des Sternes (B-V, also blau-visuell) und nimmt mit zunehmendem Farbindex wie folgt zu: B-V = 0 --&gt; +0.0 mag, B-V = 0.5 --&gt; +0.1 mag, B-V = 1.0 --&gt; + 0.2 mag, B-V = 1.5 mag (schon stark rötlich!) --&gt; +0.3 mag. Betelgeuze hat einen Farbindex von +1.5, d.h. zu den oben angegebenen Helligkeiten sind -0.3 zu addieren, um die übliche V-Helligkeit zu erhalten. Obige Schätzung D wäre demnach +1.4 statt +1.7 mag u.s.w.
    2. Auch der Winkel spielt eine Rolle, also ob die beiden Sterne, die verglichen werden, horizontal nebeneinander oder vertikal übereinander angeordnet sind. Der obere Stern erscheint heller, auch wenn er tatsächlich geringfügig schwächer ist als der untere. Das kann man schön an der Deichsel des Kleinen Wagens beobachten: Delta und Zeta UMi invertieren ihre Helligkeit je nach Orientierung, wobei Zeta +0.1mag heller ist; jetzt am Abendhimmel steht Delta über Zeta und erscheint (mir) als der hellere. Freundlicherweise haben beide denselben Farbindex von +0.04, so dass die Farbe in diesem Fall keine Rolle spielt.


    HINWEIS: bei den genannten Beobachtungen habe ich für Gamma Gem (Alhena) die Helligkeit von +1.93 (B-V = 0.00), allerdings habe ich gestern festgestellt, dass mir der Stern im Vergleich zu den blauen Sternen Gamma Ori und Zeta Ori heller erscheint und ich ihn auf +1.6 schätze. Entsprechend heller wären dann die oben genannten Schätzungen. Soweit zur Problematik Rot-Blau.
    Vergleiche mit Alhena und mit jeweils Castor, Pollux bzw. Aldebaran führten alle zu einer Helligkeit von +1.7 (Johnson V-Helligkeit) (18.01.2020). Die V-Beobachtungen bei der AAVSO liegen bei +1.5, so dass in meiner individuellen Wahrnehmung Betelgeuze weitere 0.2 mag schwächer ist. Diese 0.2 mag sind offenbar mein individueller Korrekturfaktor, da seit Mitte Dezember, als ich die Schätzungen Betelgeuzes aufnahm, meine V-Schätzungen konstant 0.2 mag schwächer sind als bei der AAVSO, die allmähliche Helligkeitsabnahme sich aber genauso deutlich abzeichnet. Zu allen Schätzungen kommt also noch ein individueller Korrekturfaktor hinzu, der auch den unten genannten Korridor von 0.3–0.4 mag erklären könnte.


    FAZIT: es gibt also jede Menge Tücken bei der Beobachtung von Sternen, die zu Ungenauigkeiten führen. Das führt zu scheinbar widersprüchlichen Ergebnissen wie die, dass für den einen Beobachter der Vergleichsstern, für einen anderen der Veränderliche heller erscheint! Je rötlicher ein Stern ist, desto größer ist die Bandbreite der Schätzungen – sie kann im Rahmen von bis zu 1.0 mag (!) liegen. Die AAVSO-Schätzungen von Alpha Ori weisen eine Bandbreite von 0.7 mag auf mit Ausreißern, die die „Amplitude“ auf über 1.2 mag erhöhen können: während ein Beobachter Betelgeuze auf +0.5 schätzt, kann ein anderer durchaus auf +1.8 kommen (so die Extreme am 29./30.12.2019). Erfahrene Beobachter liegen in einem Korridor von 0.3–0.4 mag (s.o. Graphik bei Stathis). Das sieht zwar wie ein krasser Widerspruch aus, ist aber letzten Endes dem Wunder „menschliches Auge“ zuzuschreiben, das nicht für Helligkeitsmessungen erschaffen wurde und daher kein Photometer ist.


    Grüße
    Christoph

    Hallo Münchnerflieger,


    bis auf die Flares der Iridium-Satelliten sind diese Sonnenspiegelungen an Satelliten nicht vorhersagbar. Es wird also kein Programm geben, dass diese voraussagen oder nachberechenen kann. Die Vorhersage bei den Iridiums klappt nur deshalb, weil sie neben spiegelnden Flächen eine ganz starre Orientierung aufweisen, so dass ihre Lage im Raum stets bekannt ist. Dasselbe gilt auch für die geostationären Satelliten. Da sie fest auf die Erde ausgerichtet sind, können sie auch nicht flaren – mit einer Ausnahme: in der Nähe der Tag- und Nachtgleichen werden sie vom Erdschatten verfinstert. Vor dem Schatteneintritt und unmittelbar nach dem Schattenaustritt werden sie heller, wenn der Winkel Sonne–Satellit–Beobachter genau richtig ist. Für unsere Breiten gilt das im Februar und im Oktober (das wird jeweils in CalSky angegeben). Und diese Flares können beachtlich hell werden; den hellsten, den ich bisher gesehen habe, wurde etwa +2,5 mag hell und war unübersehbar.


    Bleibt also nur die mühsame Suche nach einem Kandidaten. Hier hilft manchmal heavens-above.com. Man muss sich die Satelliten anzeigen lassen (leider werden nur die heller als +5 mag dargestellt) und dann überprüfen, ob ein Satellit zur entsprechenden Zeit am entsprechenden Ort war. Inzwischen kenn ich so ein paar Kandidaten, und wenn die auf der Liste erscheinen, ist es meistens der Treffer. So auch in deinem Fall: Es war ein NOSS-Flare (von NOSS 2-2 D), die typischerweise beim Schatteneintritt flaren (wenn sie es denn überhaupt tun) – und diese Flares können nicht nur richtig hell sein (im negativen mag-Bereich!), sondern –vor allem wenn horizontnah– auch stationär erscheinen. Sie sind recht flach und dauern meistens etwas länger (im Zehntelminutenbereich) und werden dann rasch schwächer. Das passt alles zu deiner Beobachtung.
    Aber längst nicht alle beobachteten Flares kann ich so einem bestimmten Satelliten zuweisen...


    Gruß Christoph

    Hallo,


    ich poste den Link hier, weil die Beobachtung methodisch die der Veränderlichenbeobachtung ist. Der Überstrahlungseffekt war mir neu, und er ist mir bisher auch nicht in der Literatur begegnet.
    Die vorläufige Lichtkurve habe ich hier eingestellt: Re: Überstrahlungseffekt beim Jupiter http://forum.meteoros.de/viewt…&t=56343&p=209461#p209461
    Die Abschwächung in unmittelbarer Jupiternähe beträgt immerhin fast +2.5 mag !


    Christoph

    Vielen Dank für eure Rückmeldungen!


    Normalerweise würde ich mich nicht bei Differenzen von 0.2 mag aufhalten – aber in diesem Fall geht es mir ja gerade um "zuverlässige" Helligkeiten, da 58 Leo für dieses "Projekt" einer der Hauptvergleichssterne sein wird. Und da geht es mir schon um Genaugkeiten von 0.1 mag. Dass solche Genauigkeiten möglich sind weiss ich seit S. Otero (AAVSO) den Beginn (!) der Veränderlichkeit von Delta Sco visuell (!) entdekt hat. Voraussetzung ist, dass die Vergleichssterne auch entsprechend günstig sind, also nicht mehr als 0.2–0.3 mag Helligkeitsunterschiede haben. Natürlich ist das aber keine Garantie, dass die einzelne Beobachtung dann tatsächlich so genau ist. Von Otero habe ich auch den Hinweis auf die Johnson-Korrektur, und seitdem kann ich recht zuverlässige Helligkeiten ableiten und mir meine Karten erstellen. V-Helligkeiten und B-V entnehme ich dem Hipparcos Catalogue (http://apm5.ast.cam.ac.uk/hipp/hipparcos.html) - und fahre damit sehr gut. Meistens entspricht das dem, was ich tatsächlich sehe (zumindest was die Abfolge der Sterne bzgl. deren Helligkeit angeht). Und es reicht ja nicht, einfach "rote" Sterne zu meiden: schon gelbe Sterne mit B-V von +0.5 erscheinen 0.1 mag schwächer und orangene mit +1.0 bereits 0.2 mag. Daher wundert es mich überhaupt nicht, dass visuelle Schätzungen oft nicht genauer als 0.2 mag sein können: weil die V-Helligkeiten nicht den v-Helligkeiten des Auges entsprechen. Mir ist es ein Rätsel, dass Vergleichshelligkeiten immer noch (nur) in V angegeben werden, anstatt in V (oder v) mit der dazugehörigen (B-V). Dann würden m.E. nach Schätzungen auch deutlich genauer ausfallen. Wie soll ich auch zu Genauigkeiten von 0.1 kommen, wenn der eine Vergleichsstern heller ist, mir aber der andere heller erscheint?


    In meiner Jugend hatte ich bereits das 1/10-Stufensytem über die AAVSO kennengelernt und verwendet. Für Genauigkeiten von ±0.1 mag halte ich das für völlig ausreichend – und ich habe sofort die Schätzhelligkeit, was bei der Argelander-Methode ja nicht der Fall ist (was noch gar nichts über die Genauigkeit dieser Methode aussagen soll) - aber das tut ja hier nichts zur Sache. Den Purkinje-Effekt habe ich schon oft erlebt, er ist aber nicht die einzige Tücke, die sich dem Beobachter stellt (vgl. zB den Positionswinkel-Effekt). Daher bin ich seit langem gewohnt und bemüht, gleiche Bedingungen für ein Beobachtungsobjekt zu schaffen ("Horizontalität", Art der Beobachtung, etc).


    An jenem Abend war mir jedoch aufgefallen, dass mit 58 Leo etwas nicht "stimmte". Natürlich ist es das Einfachste, so eine Abweichung als "Schätz-Ungenauigkeit" abzutun und den Fall einfach zu vergessen. Aber der rasche und in sich konsistente Helligkeitsanstieg waren mir dann doch zu "glatt", um das einfach zu ignorieren. Da ich über den VSX nichts zu diesem Stern gefunden hatte (und auch sonst keinen Hinweis auf eine Veränderlichkeit), entschloss ich mich, hier in diesem Forum mal darauf aufmerksam zu machen (mein "Heimforum" ist ja seit Jahren meteoros.de). Möglicherweise bleibt es ein "ungelöster Fall", vielleicht entpuppt er sich tatsächlich als "Beobachtungsfehler". Aber vielleicht war doch etwas los...


    Günter: ich habe etwa 1978 mit astronomischen Beobachtungen begonnen - und mich v.a. auf Veränderliche gestürzt. Allerdings habe ich mich seit etwa 15 Jahren zunehmend der Meteorbeobachtung gewidmet und die Veränderlichen bis auf wenige Ausnahmen gestrichen und konzentriere mich fast ausschließlich auf Beobachtungen mit dem bloßen Auge. Auf der Suche nach Dingen, die mit BA zu beobachten sind, bin ich nun auf den Überstrahlungseffekt beim Jupiter gestoßen.


    Vorgestern hat die "mondlose" Zeit begonnen, und in den beiden vergangenen Nächten konnte ich Chi Leo und seine Nachbarsterne beobachten: noch scheinen sie nicht vom Jupiter beeinflusst. Das wird sich in den kommenden Tagen –enge Konjunktion Jupiter/chi am 7.4.– ändern! Und 58 Leo erscheint mir mit dem BA weiterhin konstant heller, als er sein sollte. Der Vergleich mit zwei verschiedenen Sternpaaren lieferte gestern +4.8v (entspricht +4.6V statt +4.8V).



    (Ich glaub´, ich hab´ jetzt genug geschrieben...)


    Gruß,
    Christoph

    Was war am 10./11.03.2016 mit 58 Leo los?


    58 Leo ist nicht als Veränderlicher bekannt, und ich nutze ihn zZ für ein anderes Beobachtungsprojekt (Überstrahlung beim Jupiter http://forum.meteoros.de/viewtopic.php?f=1&t=56343; hier auch Karte mit Vergleichssternen). Am Abend des 9.3. hatte ich endlich einen klaren Himmel, und konnte meine ersten Schätzungen durchführen; sie erfolgten mit bloßem Auge (BA). Dabei stellte ich fest, dass 58 Leo mir heller erschien, als er sein sollte. Aber das tut hier nichts zur Sache. Vielmehr war ich am folgenden Abend sehr überrascht, dass 58 Leo deutlich schwächer war als am Vortag. Diesmal erfolgte die Beobachtung zufällig und mit 12x60 von meinem Balkon aus. Er war erheblich schwächer als die beiden anderen Sterne, Chi und c Leo, die am Tag zuvor mit bloßem Auge schwächer als 58 erschienen. Nur eine Viertelstunde später, als ich mich an eine Schätzung der Helligkeit machen wollte, stellte ich verblüfft fest, das er bereits heller geworden war. Der Helligkeitsanstieg hielt eine knappe halbe Stunde an, dann hatte der Stern offenbar wieder seine "Normalhelligkeit" erreicht. Diesselbe hatte er in der folgenden Nacht. Auffällig ist auch, dass mir der Stern mit BA heller erscheint als mit dem Fernglas.
    Dieses Verhalten ist mir rätselhaft. Erstens ist 58 Leo nicht als veränderlich bekannt. Zweitens erfolgte der Helligkeitsanstieg in (sehr) kurzer Zeit, was im Falle eines Bedeckungsveränderlichen auf eine kurze Periode hinweisen würde. Aber als solcher sollte 58 Leo schon längst bekannt sein! Der Anstieg war auch viel zu rasant, um zu einem langperiodischen Algolstern zu gehören, der der Entdeckung bisher entgangen wäre. Daher möchte ich zunächst eine Verfinsterung ausschließen.
    Aber auch eine Bedeckung durch einen anderen (näheren) Himmelskörper kann ausgeschlossen werden – dazu war der Helligkeitsanstieg viel zu langsam.


    Wer hat eine weiterführende Idee??


    Die Beobachtungsdaten:


    09.03.16
    22:45 UT #8776;4.5v (BA)


    11.03.16
    00:31 UT #8776;5.15v (12x60)
    00:45 UT #8776;5.10v (12x60)
    00:51 UT #8776;4.9v (12x60)
    00:57 UT #8776;4.85v (12x60)
    01:07 UT #8776;4.85v (12x60) und #8776;4.5v (BA)


    11.03.
    22:20 UT #8776;4.82v (12x60) und #8776;4.5v (BA)
    23:35 UT 4.6v (BA)


    13.03.
    23:20 UT 4.6v (BA)
    14.03.
    01:05 UT #8776;4.78v (12x60)


    Helligkeiten der Vergleichsterne:
    Stern: vis(korr); V (B-V)
    chi Leo: 4.69v; 4.62 (0.33)
    c Leo: 5.01v; 4.98 (0.17)
    tau Leo: 5.15v; 4.95 (1.00)


    Hinweise:
    1. Ich verwende die nach dem Johnson-Faktor (also nach dem Farbindex B-V) korrigierten Helligkeiten (v), da diese i.A. viel besser die wahrgenommene Helligkeit wiederspiegeln als die reinen V-Helligkeiten.
    2. Ich gebe die Helligkeiten auf 0.01 mag an, auch wenn dies weit unter der Genauigkeit liegt, die mit bloßem Auge zu erreichen ist. So können jedoch Tendenzen festgestellt werden, da die Beschränkung auf 1/10 (0.1) mag mir noch zu "grob" ist – bei geeigneten Vergleichsternen sind Genauigkeiten im Bereich von 1/20 (0.05) mag durchaus möglich.



    Christoph