Bericht vom 19/20.05.2022; 23.00h – 02.10h
Ausrüstung: Newton-Teleskop, Öffnung 428mm, Brennweite 1830mm, (f/4,25) Adler; Dobsonmontierung
verwendete Okulare: 21mm (87-fach); 13mm (141fach), 10mm (183fach), 8mm (229fach), 6mm (305fach) – Ethos-Serie
Ort: Freies Feld, ca. 800m SSW von Beerbach, ca. 395m ÜNN
Temperatur: 23.00h + 12 C ; 02.10h + 8 C
Seeing: 2-3
Wetter: morgens klar, ab Mittag zunehmend Quellwolken bis max. 2/8; spät nachmittags wieder aufklarend
Beobachtete Objekte
Galaxien:
VIR: M61
COM: NGC4559
CVN: NGC4627, NGC4565, NGC4631, NGC4656, NGC4657, NGC4244, NGC4490/85
UMA: M101, M51, NGC5195, NGC5198
Planeten: -
Plantetarische Nebel: M57, NGC6572
Gasnebel: -
Sterne: -
Kugelsternhaufen: M3, M13
Quasare: LB19
Es ist schon fast 3 Jahre seit meinem letzten BB her, wenige Beobachtungen und keine Zeit (Faulheit), mal sehen ob dies wieder besser wird 😊
Nils und ich treffen uns das erste Mal in dem Jahr an ‚meinem‘ Beobachtungsplatz, beim Chatten schreibe ich ihm ‚Ende astronomische Dämmerung gegen 22.25h‘ – als ich um 22h losfahre, ist es aber noch relativhell. Beim Fahren Richtung O ‚dämmert‘ es mir: In der Planetariums-Software war noch mein letzter Urlaubsstandort (Valverde, Kanaren) eingestellt. Bei uns wird es erst gegen 23.50 richtig dunkel. Da bleibt viel Zeit für anderes – positiv denken…
Gegen 23.10h kommt Nils, ich selbst habe gegen 23h mit dem Beobachten begonnen, diese Nacht gibt’s – mit einer Ausnahme – nur Paradeobjekte.
Noch nicht ganz dunkel bietet sich ein Kugelsternhaufen zu Beginn an:
M3 - GC – CVN - (mag 6,1 ; 18‘) SQM20,80
ein guter Einstieg bei der Restaufhellung. Ich hatte zum Aufsuchen das 13er Oku im OAZ gelassen, kein Problem, sieht man den GC ja schon im 8*50 Sucher eindeutig. Wow – es sprenkelt und prasselt, die hellsten Sterne werden mit mag12,7 angegeben, diese mit leicht gelblichen Farbcharakter. Im 10er wird es noch besser, der Hintergrund dann merklich dunkler. Der leicht länglich wirkende glosende Kernbereich ist mäßig konzentriert. Seeing ist o.k. – ich lasse es bei max. 180fach.
Der GC ist ca. 33000 LJ von uns entfernt, auf den scheinbaren Durchmesser von 180 Lichtjahren verteilen sich ca. 500k Sterne.
Nach einem Plausch mit Nils geht’s nach Virgo – im Unterschied zur Beobachtung vor 3 Wochen tauche ich nicht in den GX-Haufen ein, nur eine GX wird eingestellt, ca. 5 Grad oberhalb von Eta Vir
M61 - GX – VIR - (mag 9,5; 6,9 * 6,6‘) SQM 21,05
ich bleibe ca. 15 Minuten bei dem Objekt, mache eine Skizze. Es zeigt sich für mich eine rundliche Außenkontur mit zwei Ausbuchtungen (gegen 1h und 7h), ein merklich heller Zentralbereich in einem mäßig breiten Balken, der in einen fast ringförmigen Bereich übergeht. Knapp außerhalb des ‚Rings‘ ein mag 14 Feldstern auf 10h. Bei M61 handelt es sich um ein gigantischen Spiralarm-Mitglied am südlichen Rand des Virgo-Supersternhaufens, 110k LJ im Durchmesser, ca. 65 Mio. LJ entfernt.
Nun ist mir nach Uralten Photonen, zum Aufsuchen fahre ich nur kurz NGC4565 an (das wäre ein Frevel, hätte ich diese nicht kürzlich ausgiebig beobachtet. Ca. 2 Grad unterhalb der Stern 31 und 30 COM ist schnell das Zielgebiet eingestellt, es soll
LB19 - QSO – COM - (mag 15,6, z=2,043) SQM 21,12
gefunden werden. In nur ca. 7 Bogenminuten Abstand ein Mag7 Feldstern – der markiert den Zielbereich eindeutig. Eine leicht nach unten links gebogene 3er Sternenkette (mag11,5 – 13,7 – 14,6) gen 8h von dem Feldstern ausgehend ist im 13er gut zu erkennen. Für den QSO brauchts dann mehr Vergrößerung, 10er, dann 8er – bei 230-fach ist es dann eindeutig, indirekt stabil, direkt schon zu 80%. Ca. 2‘ gen 3h vom obersten (mag 11,5) Feldstern ein Lichtfünkchen. Die Photonen waren ca. 11 Milliarden Jahre unterwegs, um nun auf meiner Netzhaut kleine Impulse anzuregen – da bekomme ich Gänsehaut. Was für unvorstellbare Energiemengen wurden da(mals) freigesetzt. Dieses Objekt liegt definitiv in der Reichweite von 14 Zoll, ggf. auch von 12 Zoll Teleskopen.
Kleiner Hinweis: vor mittlerweile 20 Jahren hatte ich ein kleines Beobachtungsprojekt zu ‚High Redshift QSO‘ erstellt, einer Liste von 30 Objekten (z > 1,5 damit ein Lichtlaufzeit von ~ 10Mrd Jahren und mehr). Bei Interesse hier ein Link . Weiter geht’s gen NO, bis auf 62 Grad hoch zur Silver Needle ..
NGC4244 - GX – CVN - (mag 9,9, 16,2 * 7,2) SQM 21,22
Sitznahme Silver Needle. Beeindruckend groß, eine GX in Edge, on – ohne zentrale Bulge. Visuell extrem lang gestreckt, ca. 8:1. Relativ hohe Flächenhelligkeit, recht gemottelt. Ein zentrales Staubband kann ich nicht wirklich ausmachen, jedoch eine deutliche Helligkeitszunahme im inneren Bereich. Die GX steht schräg, von NO nach SW im GF, Ich lasse diese mehrfach zunächst im 13er, dann im 10er durchlaufen. In der ‚unteren‘ Spitze ein ca. mag 14 Feldstern, ca. 1‘ daneben ein weiteres Lichtfünkchen. Die GX ist ein Mitglied der CVN-GX-Gruppe und ca. 14 Mio. LJ entfernt.
Die Milchstraße kommt im Osten langsam hoch, Cynus liegt quer. So deutlich konnte ich diese – abgesehen vor 3 Wochen – bei uns sehr lange nicht mehr sehen.
Ich versuche Langzeitbelichtungen mit dem Smartphone. Mangels Stativs stelle ich es einfach auf den Boden und lehne es an – geht auch 😊
Nils nebenan hat ein Problem: beim Telrad sind die Batterien leer – mit dem Winkelsucher kann man sich wunderbar in der Zielregion orientieren, nur muss man dort erst hinkommen. Da geht einiges der Beobachtungszeit verloren.
So beobachten wir dann ein paar Objekte primär mit meinem Dobson.
Auf halben Weg von der Silver Needle Richtung Beta Com ist ein Brummer schnell eingestellt:
NGC4631 - GX – CVN - (mag 8,9; 14,4 * 2,2‘) SQM 21,25 mit
NGC4627 - GX – CVN - (mag 12,3; 2,4 * 1,7‘) SQM 21,25
beindruckend groß und auch flächenhell, voll von Details, hellere Knoten und faserigen Strukturen, die kleine Begleit-GX elliptisch, leicht deformiert, beide Hauptachsen einen ca. 80 Grad Winkel bildend. Im 10er dehnt sich die GX über mehr als die Hälfte des 100 Grad GF. Beide Objekte stehen in ca. 24 Mio km Entfernung, sind auch im ARP-Katalog (Nr. 281) zu finden.
Fast in unmittelbarer Nähe ein weiteres GX-Paar:
NGC4656 - GX – CVN - (mag 9,5; 6,5 * 0,7‘) SQM 21,25 mit
NGC4657 - GX – CVN - (mag 12,4; 1,3 * 0,6‘) SQM 21,25
erstere deutlich blasser, bei guten Bedingungen wie in dieser Nacht aber auch recht einfach zu finden. Die große NGC4656 nahezu edge-on steht fast senkrecht auf der Spitze im GF, die äußeren Bereich unterhalb des unruhigen, leicht knotigen länglichen Zentralbereichs deutlicher als die oberen. An der unteren Spitze schließt die kleine NGC4657 als kleiner Haken gen 4h orientiert an. Es zeigen sich mehrere Lichtknoten, inhomogen – als wären es mehrere sehr kleine Objekte. Die beiden GX interagieren nicht, da 4656 ‚nur 17 Mio LJ, 4657 dagegen 28 Mio LJ entfernt ist.
Weil wir bei GX-Paaren sind, gleich noch eines, wieder in CVN, nur ein gutes Grad von Beta CVN entfernt
NGC4485 - GX – CVN - (mag 9,3; 6,7 * 1,6‘) SQM 21,25 mit
NGC4480 - GX – CVN - (mag 12,2; 2,0 * 1,3‘) SQM 21,25
unter dem Spitznamen Cocoon bekannt. Es handelt sich um zwei Spiral-GX, welche wechselwirken und die größte Annäherung bereits hinter sich haben. In der ‚Brücke‘ gibt es eine riesige Anzahl von Sternentstehungsgebieten (so nachzulesen). NGC4485 zeigt sich leicht S-förmig gebogen mit fetter Mitte, sehr unruhig mit kleinen Lichtknötchen, NGC4485 eher oval. Für mich im GX mit einer Lücke dazwischen, die Brücke kann ich nicht geschlossen wahrnehmen.
Nils kämpft mit der Grobeinstellung zu M101, so stellen wir die bei mir ein.
Im Schnellen: diese Nacht sehr deutlich, auch die Spiralarme unmittelbar identifizierbar mit feinen Lichtknötchen, das hellere Zentrum seitlich versetzt, danach das Traumpaar M51 / NGC5195 – zigmal beschrieben – einfach zu genießen, da weiß man, warum man diesem Hobby frönt, so schön!
Der Blick schweift, es geht Richtung Sommerhimmel, das Sommerdreieck schon dominant, Deneb, Altair und Vega. Als Abwechslung zu den vielen GX’en wird ein PN eingestellt, ‚der‘ PN:
M57 - PN- LYR - (mag 9,4; 1,4 * 1,0') SQM 21,28
Recht hell und deutlich der Vordergrundstern dicht am Ringnebel, nadelfein. Das Seeing ist o.k. Steigere auf 228-fach. Gut sind die gegengleichen, etwas ausgefransten Stellen des Ring-Außenbereichs detektierbar. Es taucht auch der Zentralstern auf. Nicht direkt-stabil, indirekt auch nur Blickweise, aber immerhin
M13 ist mit bloßem Auge als verwaschener Fleck erkennbar, wird eingestellt und das Glitzern und Funkeln genossen. Es ist gegen 2h, Nils fängt an abzubauen (wobei er in seinem alten Camper erst mal vor Ort ein paar Stunden schlafen will) – mir ist noch nach einem hellen Objekt, hoch im Ophiucus
NGC6572 - PN- OPH - (mag 8,0; 0,3 * 0,2') SQM 21,28
Viel kleiner als der Ringnebel, trotzdem deutlich heller, und vor allem: bunt! Im 13er ein kräftiges Türkis, da zeigt sich eine nur leicht ovale helle kleine Scheibe. Mit steigender Vergrößerung nimmt der Farbeindruck ab, im 6er nur noch leicht hellblau. Sehr schon zeigt sich der Unterschied zwischen Stäbchen und Zäpfchen: Fokussiere ich mich auf das Zentrum des PN erscheint dieser viel kleiner, aber bunt, beim indirekten Blick deutlich flächig, merklich größer aber nur grau. Das wars für die Nacht.
Beim Einräumen merke ich: die Autoscheiben sind gar nicht beschlagen, beim Losfahren zeigt die Anzeige 8 Grad, hier auf der Anhöhe blieb es relativ mild, in den Senken auf der Fahrt zurück sind es teils nur 5 Grad mit einzelnen ersten Nebelschlieren.
Es hat Spaß gemacht.
Sternenfreundliche Grüße von Achim