Hi Christian,
ok, ich bin zwar kein Berufsberater, aber ich helfe gerne, wenn es geht einem jungen Menschen die Flausen aus dem Kopf zu treiben.. 
Ich habe 1989-1995 Physik in Kiel studiert und mich auf Astrophysik spezialisiert und meine Diplomarbeit darin geschrieben. Hier mal eine Reihe ungeordneter Gedanken zum Thema Physikstudium und Astronomie im Allgemeinen.
- Astronomen müssen ausserordentliche Idealisten sein. Die Bezahlung ist lausig und man wird zumindest in Schleswig-Holstein nach etwa 12 Jahren aus der Anstellung gekickt, weil ansonsten das Land dich fest anstellen muesste. Von dem Zeitpunkt an wird man in Deutschland nur noch aus Zeitverträgen und Drittmitteln bezahlt. Professorenstellen sind rar.
- Als Astronom ist nach dem Master eine Doktorarbeit obligatorisch. Zeitdauer meist 3 Jahre. Bezahlung: die Haelfte von lausig. Danach eine Stelle als Postdoc, Habilitation, mit viel viel Glück irgendwann eine feste Anstellung.
- durch die Zeitverträge ist ein Wechsel der Anstellung (meist Uni) alle paar Jahr normal. Weil ein Galaxienforscher sich nicht mit einem Forscher über Exoplaneten unterhalten kann, tingeln viele Astronomen von einer thematisch passenden Arbeitsgruppe zur naechsten. Das heisst es geht oft für viele Jahre ins Ausland. Was zunächst reizvoll klingt, steht einer Familienplanung eventuell massiv im Weg. Ich kenne Leute, die seit Jahren aus Deutschland weg sind und meist in USA oder angrenzendem europ. Ausland arbeiten.
- Es ist sehr spannend Astronomie zu studieren. Es ist allerdings ein Gerücht, dass ein Astronom wissen muss, wo der Große Wagen zu finden ist. Hobby-Astronomie und Profi-Astronomie haben oft (nicht immer) wenig gemeinsam.
- Von der Physik her ist Astronomie das spannendste. Es umfasst jede Physik, die man sich vorstellen kann. Von ganz gross (Gravitation, zB Dynamik von Galaxien, Kugelsternhaufen .. ) bis ganz klein (Kernfusion in Sternen, Aufbau von Sternen) und alles dazwischen (Hydrodynamik, Strahlungstransport, Atomphysik ... ). Es gibt nichts besseres..
Man muss allerdings damit zurechtkommen, dass alles fürchterlich ungenau ist und alle diese Modelle voneinander abhaengen und Fehler des einen Modells sich in das andere forsetzen. Nicht umsonst werden Fehler in der Astronomie gerne in logarithmischen Massstab angegeben (Fehler 0.2dex = Faktor 2).
- Die Vorstellung, dass man nachts am Teleskop steht, ist falsch. Z.B. Beobachtungen bei ESO in Chile werden normalerweise in Garching gemacht - per Fernsteuerung. Im Laufe eines Astronomenlebens ist man natürlich öfter vor Ort. Man arbeitet normalerweise tatsaechlich an Originaldaten, was alles sehr spannend ist. Wie bei Hobbyastronomen auch, ist die korrekte Reduktion der Daten wesentlich, d.h. man muss die Instrumente auch verstehen, damit man weiss, was da gemessen wird.
- Arbeit am Computer ist normal. Fast alles wird am Computer modelliert und berechnet und dann mit den Beobachtungen verglichen. Meist heisst das, dass man existierenden Code zur Berechnung partieller Differentialgleichungen erstmal verstehen muss, bevor man damit herumfummelt. Es ist hilfreich, wenn man Theoretiker ist.
- Physikstudium im Allgemeinen: Sehr Mathe-lastig aber immer in Hinblick auf die physikalische Anwendung. Kein Vergleich mit der Schulphysik! Reihenweise Integrale lösen (Analysis), Fourieranalysen, Laplacetransformation, Taylorentwicklung, lineare Algebra, Statistik.. Da muss man durch. Jede Menge theoretische Physik (Mechanik, Thermodynamik, Quantendynamik, .. ). Hier geben die meisten schnell auf. Aber auch spannende Experimentalphysik Vorlesungen, Praktika, Seminare und Colloquien.
- Es ist definitiv nicht unmöglich viel Spass im Physikstudium zu haben. Ich empfehle dir dringend, einfach JETZT an die Uni zu gehen und Physikvorlesungen anzuhören. Geh einfach hin, das interssiert niemanden, ob da plötzlich ein Schüler im Hörsaal sitzt! Da wird nicht kontrolliert und wenn doch sind sie froh um jeden Schüler, der sich interessiert. Noch besser: schreib eine Email an einen Professor der Astronomie unterrichtet. Die meisten Profs werden sich Zeit für dich nehmen. Ausserdem: surfe auf den Uni-Webservern und besorg dir aktuelle Vorlesungsverzeichnisse. Da steht genau drin, was angeboten wird.
- Arbeitslosigkeit unter Physikern: 2%. Als Astronom enden viele Physiker irgendwo in der IT-Industrie.
- Ich empfehle grundsaetzlich eine Campus-Uni. D.h. alle Gebäude mehr oder weniger an einem Fleck. Das ist angenehm. In Hamburg ist die Astronomie in HH-Bergedorf, weit weg vom Rest der Uni. Das fände ich nervig.
- Zu meiner Zeit waren die Zentren der Astronomie in D in München, Heidelberg, Potsdam, Bochum, Bonn, Hamburg, Kiel (die Liste ist bestimmt nicht vollständig). Das Max-Planck-Institut für Astronomie/Extraterrestische Physik ist in Garching.
- Ach ja, Physiker sind nicht immer picklige Cordhosenträger mit Brillendesign aus dem 60er Jahren. Aber der Anteil der Fotomodelle unter den Studenten ist eher unterproportional (da empfehle ich Kunstgeschichte als Studium).
Wenn dich das alles eher motiviert als abschreckt, bist du auf dem richtigen Weg. Der Weg ist lang und steinig. Zudem kann man als Physiker alles und nichts. Physiker werden in der Industrie oft nicht als Physiker eingesetzt. D.h. wenn man den Idealismus nicht aufbringt, weiter in der Forschung zu bleiben, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass man von dem, was man im Studium gemacht hat, fast nichts je wieder brauchen wird. Das passiert einem Ingenieur nicht. Und der macht auch jede Menge Physik.
Na, ich bin gespannt, was du dazu sagst. 
Ciao: Carsten