Kaufberatung: Ausrüstung für Astrofotografie

  • Hi,


    ich würde gerne in die Astrofotografie einsteigen, und bin daher zur Zeit auf der Suche nach einer kompletten Ausrüstung.
    Ich habe bisher weder Teleskop, noch Montierung, noch Zubehör für die Astrofotografie. Nur eine Kameraausrüstung (Nikon D90 DSLR) und Fotografiererfahrung sind vorhanden (auch Sternenhimmelfotografie, wie z.B. Panoramen der Milchstraße habe ich einige gemacht).


    Leider blicke ich nun aber nicht so ganz durch, vor allem weiß ich nicht so recht, was ich alles brauche und was nicht.


    Aber ich fange mal von Vorne an und gehe Schritt für Schritt durch:


    <b>1. Rahmenbedingungen</b>
    Das Budget für die gesamte Ausrüstung sollte 1000-1200,- nicht überschreiten. Für dieses Budget möchte ich die bestmögliche Möglichkeit für Astrofotografie erhalten.
    Ich wohne ca. 20km außerhalb von Stuttgart. Für die Fotografie würde ich meistens aufs freie Feld fahren, kenne da ein paar gute Plätze wo es schön dunkel ist.


    <b>2. Teleskop</b>
    Erst mal stellt sich mir die Frage der Teleskopart. Refraktor oder Reflektor? Nach Recherchen habe ich mich bisher für einen Refraktor entschieden, da hier wohl keine Justage der Optiken nach einem Transport notwendig ist. Da ich ja oft aufs Feld fahren möchte, habe ich keine Lust jedes mal erst die Optik zu justieren.
    Auf der anderen Seite bekomme ich mit einem Reflektor natürlich die größere Öffnung fürs gleiche Geld..
    Gibt es noch andere Aspekte die für oder gegen einen Refraktor bzgl. der Astrofotografie sprechen?


    Ganz unsicher bin ich mir bei der Brennweite. Da sich der Vergrößerungsfaktor mit Okularen ja anpassen lässt, stelle ich mir die Frage welche Brennweite sich überhaupt empfiehlt. Wirkt sich die Brennweite auf die optische Leistung aus? Sind z.B. 150/750er besser als 150/1000er Teleskope?


    Welche Teleskope könnt Ihr mir allgemein empfehlen? Hatte bisher z.B. ein paar Skywatcher Refraktoren im Auge, sind die gut?


    <b>3. Montierung</b>
    Als nächstes hab ich mir Gedanken um die Montierung gemacht. Klar, eine parallaktische Montierung muss es sein, nur welche?
    Bisher ins Auge gefasst habe ich die EQ5 mit Motorisierung, sowie die CAM.
    Nachteile der EQ5 wären dass sie kein AutoGuiding ermöglicht(?). Eine GoTo Steuerung wäre bei der CAM auch schon dabei, wobei ich nicht sicher bin ob ich diese benötige.
    Was meint Ihr dazu?


    <b>4. GoTo Steuerung</b>


    Brauche ich eine GoTo Steuerung?
    Wie aufwendig ist es, das System korrekt auszurichten damit die Steuerung funktioniert? Besonders im Hinblick darauf, dass ich öfters aufs Feld hinausfahren will und damit das Teleskop neu aufbauen muss?


    <b>5. AutoGuider</b>


    Kaum war mir klar, dass ich zwingend eine motorisierte Nachführung brauche für die Astrofotos, schon habe ich gelesen das diese oftmals nicht genau genug ist und es erforderlich ist, Korrekturen bei der Nachführung vorzunehmen.
    Dies kann man zwar manuell machen, stelle ich mir aber mit kalten Händen etc. teilweise schwierig, nervend und auch ungenau vor.
    Was denkt Ihr darüber, ist ein AutoGuider notwendig? Und wenn ja, ab welchen Belichtungszeiten und bei welchen Beobachtungsobjekten?
    Falls ich mich für einen AutoGuider entscheide, muss dieser natürlich auch von der Montierung unterstützt werden..


    <b>6. Fotoadapter</b>


    Mir ist noch nicht ganz klar, was ich alles benötige, um meine DSLR an das Teleskop anzuschließen..
    Ein Skywatcher Teleskop bietet z.B. Folgendes:
    Okularauszug 2" mit Reduzierung auf 1,25" und T2
    Bedeutet das, dass ich nur noch einen T2 -&gt; Nikon Bajonett Adapter brauche, und schon kann ich meine Kamera anschließen?
    Was bedeutet "Reduzierung auf T2"? Habe ich weniger Bild oder eine schlechtere Abbildungsqualität?
    Es gibt ja auch Projektionsadapter von 2" mit T2 Anschluss. Wäre das die bessere Wahl?


    <b>7. Sonstiges</b>


    Bei meinen Recherchen bin ich auf eine Menge Zubehör gestoßen, bei dem ich nicht weiß ob ich es wirklich benötige oder nicht.


    Was ist z.B. mit einem Bildfeldebener, wie er für viel Geld angeboten wird? Benötige ich diesen bei einem Refraktor wirklich, was bewirkt er überhaupt? Und gibt es die Problematik, die er korrigiert, bei einem Reflektor nicht?


    Habe ich irgendwelches Zubehör vergessen, was ich unbedingt brauche? Mit der Zeit werden natürlich noch andere Okulare als die beim Teleskop mitgelieferten dazukommen..



    So, erst mal vielen Dank für's Lesen! Würde mich sehr über Eure Meinungen freuen.


    Viele Grüße und einen schönen Sonntag!
    Pascal

  • Hi Pascal,


    wenn du auch visuell beobachten willst,dann ist wohl der GSP Fotonewton für dich genau das Richtige.Da haste einen 6" F/5 Newton +MPCC un noch ne Menge zubehör wie 1:10 Crayfortauszug.
    Willst du hingegegn nur fotografieren,dan empfehle ich einen 80/600 ED Refraktor von Skywatcher innerhalb deines Budgets.


    MfG Stefan

  • Hallo,


    zum Thema gibt es schon einige Threads hier im Forum, da kann sicherlich einiges an Info gezogen werden.
    Angesichts des Standortes Stuttgart würde ich aber vorschlagen, erst mal Kontakt mit der Sternwarte aufzunehmen, und mit den Leuten dort (bzw. in Welzheim) zu reden u.v.a. sich die Ausrüstung(en) anzuschauen!
    Macht glaube ich mehr Sinn, danach zu bestimmten Geräten/Kombinationen Fragen hier im Forum zu stellen ...
    Ach ja, ein Besuch in Fellbach im Fernrohrland schadet ganz sicherlich auch nicht!
    Bei uns (Backnanger Sterngucker, http://www.bksterngucker.de/) gibt es auch ein paar Leute, die Astrophotographie betreiben, die helfen unter Garantie auch gerne bei Fragen - einfach mal zum Stammtisch kommen, vielleicht auch mal mit zum Beobachten raus gehen.
    Gruß,


    Steffen

  • Hallo Pascal,


    schön das du in diesen wunderbare Gebiet der Astronomie und Fotografie eintauchen willst. Du stellst viele Fragen die darauf schliessen lassen das da im Laufe der Zeit noch viieeeell mehr Fragen kommen. Deshalb ist die beste Investition ein Buch zum Thema, danach weisst du so viel mehr das lohnt sich echt!


    Dann würde ich dein ganzen Budget für die Montierung samt Steuerung ausgeben und mit deiner vorhandenen Kameraausrüstung samt Objektiv loslegen. Für 1000-1200€ findest du nicht eine einzige einigermaßen Sinn machende Kombination aus Teleskop, Montierung und Zubehör die dich glücklich macht. Oder anders gesagt du wirst vermutlich das Geld zum Fenster hinaus werfen.


    Das A und O bei der Astrofotografie ist meines Erachtens Frust vermeiden:-)


    CS Frank

  • Hi!


    1100 sind kein schlechtes Budget, für ein Rundum-Sorglos-Paket aber nur potentiell okay - entweder gibt's Abstriche in der Qualität (= mehr Frust durch Ausschuss oder nervende Mechanik), oder eine kleinere Lösung.


    Ich geh deine Punkte mal der Reihe nach durch:


    1.) Standort - ein wirklich dunkler Standort in der Nähe von Stuttgart ist schon mal nicht ganz trivial, fotografisch merkt man erst, wie hell auch ein dunkler Himmel ist. Auf alle Fälle brauchst Du was transportables. Zu einer typischen Fotoausstattung gehören solides Stativ, Montierung, Gegengewichte, Teleskop, Stromversorgung, Steuerung, Leitrohr mit Fadenkreuz oder (viel komfortabler) Autoguider, meist ein Laptop und natürlich das Kameragerödel. Außerdem ein Stuhl und irgendwas, um dich zu beschäftigen, wenn die Elektronik mal läuft und ihre Aufnahmen schießt...


    2.) Das Gerät
    Du willst nicht vergrößern!! Klingt jetzt erst mal seltsam, aber: je länger die Brennweite, desto kleiner ist dein Gesichtsfeld, und desto höher sind die Ansprüche an die Nachführgenauigkeit. Ab einem Meter Brennweite wird die Sache sehr anspruchsvoll. Ein ED80/600 ist ein nettes Gerät, auch wenn ein besserer Okularauszug wünschenswert ist - mit Feineinstellung zum besseren Scharfstellen, und ohne mechanisches Spiel, das bei visueller Beobachtung nicht stört, bei Fotografie aber schon eher. Je lichtstärker das ganze ist (also mehr Öffnung bei gleicher Brennweite), desto kürzer sind die Belichtungszeiten. Das entspricht der Blende vom Objektiv: f/4 ist schneller als f/10. Beliebig verkomplizierbar wird das ganze aber durch Bildfeldkrümmung und andere Späße, außerdem wird mit zunehmender Brennweite das Bildfeld immer kleiner. Da ist also die Frage, was Du fotografieren willst. Schau am besten mal in die Bildergalerien, um einen Einblick davon zu kriegen, was mit welcher Vergrößerung für Objekte gehen.
    Hohe Vergrößerungen und Okularprojektion sind nur für Mond und Planeten interessant, und die werden besser mit einer Webcam fotografiert - du brauchst viele Fotos, von denen dann vielleicht zehn Prozent brauchbar sind und weiterverarbeitet werden. Da ist eine DSLR viel zu lahm für, außerdem würde da nur ein Bruchteil vom Chip ausgenutzt.


    3.) Montierung (und Stativ)
    Möglichst pflegeleicht, stabil und tragfähig, sowie gleichmäßiger Schneckenfehler. Die meisten, die fotografieren, landen letztlich bei Vixen GPD2, Losmandy oder - billiger, aber mit mehr Tuningbedarf - HEQ5 bzw. EQ6. Da liesse sich viel drüber schreiben...


    4.) Goto ist für Fotografie sinnvoll (man findet die Ziele flotter), aber nicht notwendig. Mit dem Aufstellen des Teleskops hat das erst mal nichts zu tun: Da brauchst Du zuerst mal einem gescheiten Polsucher in der Montierung (ein kleines Fernrohr, das in der Rektaszensionsachse steckt), um die Montierung auf den Himmelspol auszurichten. Der Vorteil einer Goto-Steuerung ist, dass sie evtl. auch Autoguiding unterstützt.


    5.) Autoguiding ist für Fotografie nicht notwendig, aber sehr sinnvoll - wenn Du mal zehn oder 15 Minuten intensiv ins Okular gestarrt hast, um einen Stern im Zentrum zu halten, der ähnlich hell ist wie das Fadenkreuz selbst, wirst Du dir einen Autoguider wünschen... Nachführkontrollen sind so etwa ab 300 mm Brennweite sinnvoll und ab 500-600 mm nötig, wobei das auch von der Genauigkeit der Montierungsaufstellung und ihrer Nachführgenauigkeit abhängt.


    6.) Skywatcher hat Reduzierstücke von 2" auf 1,25", die außerdem noch ein T2-Gewinde haben. Das funtioniert, vignettiert aber. Besser, du holst dir gleich einen Adapter von 2" auf T2, der maximalen Lichtdurchlass bietet. Dan brauchst Du nur noch einen T2-Adapter für Nikon - und einen Staubpinsel: So wird nämlich unweigerlich Staub auf dem offenen Kamerachip landen. Ich hab den DSLR-T-Ring von Baader Planetarium mit einem eingesetzten UV/IR-Sperrfiler im Einsatz, der gleichzeitig als Staubschutz und Adapter dient. Für Canon-Kameras gibt's alternativ Clip-Filter, die in die Kamera eingesetzt werden können.


    7.) Der Bildfeldebner hängt von deinen Ansprüchen ab: er sorgt dafür, dass Sterne am Bildfeldrand sauber abgebildet werden. Das Problem ist, dass ein schneller Refraktor eigentlich eine gekrümmte Bildfeldebene hat. Beim SPiegelteleskop brauchst Du stattdessen einen Koma-Korrektor - bei f/4 o.ä kommen die Lichtstrahlen am Bildrand schräg rein, und die Sterne werden zu Eiern verzerrt.


    Tja, und was würde ich dir empfehlen?
    Nimm deine Kamera, lichtstarke Objektive zwischen 15 und 200-300mm und besorg dir eine AstroTrac-Nachführung, zwei stabile Kugelköpfe und ein wirklich stabiles Foto-Stativ, dazu noch einen Notebook-Koffer aus dem Baumarkt, um das Zubehör zu transportieren. Damit kannst Du zwar nur fotografieren, hast aber eine Ausrüstung, die absolut transportabel ist, bei der Nachführfehler nicht stören, solange du sauber einnordest, und du viel Bildmaterial sammeln kannst, um dich am Rechnerin Bildbearbeitung zu üben. Da kommen dann keine Folgekosten mehr dazu, die Du bei einer 1000-Euro-Fotoausrüstung mit Teleskop unweigerlich hättest.
    Hier im Forum geistert grad auch eine Purus-Montierung rum, das ist der Vorfahr des AstroTrac. Vielleicht kannst Du dich da auch auf die Liste setzen, damit Du sie mal nutzen kannst. Such mal nach "Purus on tour".


    Und auch mit 200mm Brennweite gibt's noch genug Fallstricke, von unscharfen Bildern bis hin zu Flugzeugen, die durchs Bild fliegen... Soviel erst mal in Kürze.


    Gruß,
    Alex

  • Hallo alle zusammen,


    meine Meinung ist nicht an Qualität sparen. Einem Anfänger muss man raten sich sehr gut zu informieren. Jetzt im Sommer ist das alles noch easy aber wenn man im Winter in der *** Kälte auf dem offenen Feld steht und Probleme mit der Nachführung oder Ausschuss produziert weil die Monti wackelt dann fährt man das nächste mal unter Umständen erst gar nicht mehr raus.


    Es geht meiner Meinung nach nicht darum was kann ich mit wenig Budget erreichen sondern darum das man den Spass an der Astrofotografie nicht verliert. Und die Frustrationsschwelle ist da niedrig. Es gibt neben Problemen mit der Ausrüstung noch so viele andere Faktoren die dieses Hobby schon zäh machen können. Schlechtes Wetter, Arbeitszeiten, der Mond, familiäre Verpflichtungen etc. Es gibt Menschen die kommen nicht mal eine Hand voll Nächte im Jahr dazu raus zu fahren da will man dann nicht noch Probleme haben beim Fokussieren weil der OAZ nicht stabil etc. etc. etc.




    CS und LG Frank

  • Moin Leute


    Als Rolf Geissinger sich selber auferlegte , hier nicht mehr zu schreiben ,
    da habe ich den Vorsatz getroffen , mich mal ein wenig zurück
    zu nehmen.Aber hier muss ich einfach.....


    Das Thema Astrotrac ist gefallen , und das Ding hat echt Potential.
    Wenn da ein vernünftiges Stativ , und 2 gute Neiger dran kommen , dann
    ist das HighEnd.
    Da hat Frank (Frasax) nicht recht.


    CS


    Jürgen

  • Hier hatten wir kürzlich eine ähnliche Diskussion:


    http://www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=87834


    Meine Ausrüstung und einen Link zu meinen Bildern findest du in der Signatur. Ich fotografiere jetzt so seit etwa eineinhalb Jahren und die größte Weiterentwicklung steckt eigentlich in der Bildbearbeitung. Mein Setup (2 min bei 750mm Brennweite ist so mein Standard) ist eigentlich noch lange nicht ausgereizt.


    Autoguiding ist 'ne feine Sache, aber ich scheue die Kosten und auch den instrumentellen Aufwand. Das Kabelgedöns nervt mich schon beim Scheinern per Laptop und Webcam auf dem Balkon. Außerdem brauchst du dann deutlich mehr an Stromversorgung. Ich kann theoretisch mit zwei Kameraakkus und Batteriepack an der Montierung eine ganze Nacht auf dem Acker sitzen.


    Das wichtigste ist die Montierung mit Steuerung (wenn ohne Guiding, dann sollten mindestens die Motoren kompatibel mit autoguidingfähigen Steuerungen sein) auf einem ordentlichen Stativ.


    GoTo muss nicht sein, ich habe mit Telrad und Reiseatlas noch alles gefunden. Wenn irgendwann eine geeignete Steuerung und Laptop verwendet werden, hast du die Funktionalität dann auch.


    Einen Komakorrektor finde ich bei meinem Newton nicht unbedingt nötig, wichtiger ist da meines Erachtens nach ein UHC oder CLS-Filter (evtl. als Clipfilter). Und erstmal ganz ohne Teleskop einsteigen und nur die Kamera mit Objektiv nutzen wäre auch eine Möglichkeit.


    Die Astrotrac ist eine feine Sache, aber wirklich ausschließlich für Fotografie. Da musst du wissen, ob du nicht doch visuell oder mit größerer Brennweite was machen willst.


    Gruß, Anke

  • Ich sage nicht das die Astrotrec nicht taugt, die scheint sogar recht gut zu funtzen. Aber nicht mit einem Teleskop sondern mit max. Tele Objektiven. Ausserdem wo ist das das Preis Leistungsverhältnis? Man zahlt um die 600 Euro um maximal mit einem Tele Objektiv zu fotografieren. Kommt dann der Wunsch auf doch mal durchs Teleskop zu fotografieren gibt man wieder Geld aus für ne richtige Monti!?
    Die Astrotrec scheint eine ideale Reisemontierung zu sein,oder ein ideales Zweitgerät.


    Ich will niemandem was ausreden ich rate nur!


    LG Frank

  • Quote
    <i>Original erstellt von: frasax</i>
    <br />Ausserdem wo ist das das Preis Leistungsverhältnis? Man zahlt um die 600 Euro um maximal mit einem Tele Objektiv zu fotografieren.

    Hallo Frank,


    wir haben im Verein einen AstroTrac. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist vor allem in der Nutzungsdauer gegeben: Der AstroTrac hat im letzten Jahr mehr Beobachtungsnächte hinter sich als eine HEQ5 SDI mit Boxdörfer-Steuerung in sechs Jahren.


    Das schöne daran ist halt, dass er "Out of the box" funktioniert und recht wenig Frustpotential hat - die Brennweiten sind gut beherrschbar, und damit ist das ein (meiner Meinung nach) guter Einstieg in die Astrofotografie.


    Und damit kann man gut feststellen, ob das Thema überhaupt was für einen ist... und bei einem Standort in der Nähe von Stuttgart ist Transportabilität nicht zu unterschätzen.


    Eine Montierung mit Teleskop - auch in der ED80-Klasse - für die Astrofotografie ist entweder teuer, nervt dafür aber nicht zu sehr, oder billig und lässt Wünsche offen. Ich hab im Augenblick einen ED80 mit besserem Okularauszug und einem Berlebachstativ, Leitrohr wäre auch da - aber um das fototauglich zu machen (mit geringem Frustpotential!), würde ich für mich nichts unter einer Vixen GPD2 mit FS2-Steuerung, Bildfeldebner und Autoguider nehmen. Selbst mit Gebrauchtkauf kann ich da noch 2000 Euro einplanen. Solange ich zu faul, die (schwergeichtige) HEQ5 vom Verein für die paar wirklich guten Nächte auszuleihen, lohnt sich das nicht. Der Griff zum AstroTrac und einem Fotostativ (Berlebach oder Manfrotto) ist da verlockender, da kann ich alles auf einmal tragen...


    Das beste Gerät ist das, was auch genutzt wird. Bei AstroTrac oder Purus ist der Aufwand gering und die Erfolgserlebnisse sind gegeben. Ein Teleskop für 1000 Euro fototauglich zu machen (incl. Teleskop) bedeutet für mich entweder zu viele nervige qualitative Kompromisse (die mittelfristig zu Neukauf führen, um die China-Montierung und/oder ihr Stativ zu ersetzen), oder nur sehr kurze Belichtungszeiten von zwei bis drei Minuten, oder halt wirklich viel Zeit in Tuning und Optimierung zu stecken. Und zumindest ich will eine Montierung nicht komplett auseinandernehmen, bevor sie läuft - und da Pascal mit einem justierstabilen Refraktor liebäugelt, sollte die Einstiegslösung wohl auch von Haus aus brauchbar laufen.


    Außerdem sollte das Equipment unbedingt mal in Augenschein genommen werden - rund um Stuttgart gibts ja genug Sternwarten, und mit Fernrohrland auch einen kompetenten Laden. Vielleicht hat sich das parallaktische Teleskop ja beim Blick auf eine große Montierung erledigt, keine Ahnung, wie die Vorkenntnisse sind. Und die Astro-Messe AME in Villingen-Schwenningen ist auch nicht mehr so weit weg. Je nach Sternwarte/Verein gibt's (für Mitglieder) auch die Möglichkeit, die dort vorhandenen Geräte auszuleihen bzw. damit mal zu arbeiten. Das gibt auch schnell einen Eindruck davon, warum für Foto zu Montierungen ab 1500 Euro Neupreis geraten wird, ob wohl auch mit billigerem Equipment beachtliche Ergebnisse möglich sind.


    Beste Grüße,
    Alex

  • Hallo,


    erst einmal vielen Dank für Eure zahlreichen und ausführlichen Antworten zu meinem Thema!


    Vielen Dank auch für Eure zahlreichen Tipps, wie ich mich mit dem Thema besser vertraut machen kann. Welche Literatur könnt Ihr mir eigentlich für den Anfang empfehlen?


    Fellbach ist fast um die Ecke, da werde ich auf jeden Fall mal einen Besuch im Fernrohrland tätigen. In der Sternwarte Welzheim war ich sogar schon, habe mich damals aber noch nicht so sehr für die eingesetzte Technik interessiert.. werde dort auch nochmal hingehen und besonderes Augenmerk hierauf werfen.


    Thema AstroTrac:
    So wie sich die Produktbeschreibung liest, sind damit Nachführungen nur bis zu einer bestimmten Brennweite sinnvoll möglich.. auf der anderen Seite sehen die hier verlinkten Bilder mit dem Megrez 72 und 432mm eigentlich doch sehr gut aus, allerdings weiß ich auch nicht wie lange man hierfür so belichtet hat.
    Einen wirklichen Vorteil der AstroTrac sehe ich schon eher darin, dass der Frustfaktor wohl recht gering gehalten wird, das ist besonders am Anfang natürlich schon ein einwirkender Faktor.


    Was mir an der AstroTrac nicht so sehr gefällt ist einfach die Unerweiterbarkeit. Kein AutoGuiding möglich, so dass die Nachführung also wohl immer etwas ungenau sein wird. Und natürlich, dass ich kein Teleskop verwenden kann.


    Was meint Ihr denn, kann man mit einem 500mm Teleobjektiv an der AstroTrac noch gute Ergebnisse erzielen? Spätestens mit einem 1,4x oder 2,0x Konverter kann man das aber vergessen, oder?


    Auf der anderen Seite will ich natürlich jetzt nicht 1200,- ausgeben um dann zu merken, dass ich damit nur sehr kompromissbehaftete Fotos machen kann. Den Eindruck, dass das schnell passieren kann, habe ich durch Eure Beschreibungen jedenfalls gewonnen (und auch die im anderen, ähnlichen Thread).
    Noch weniger will ich aber jetzt 600,- für eine AstroTrac ausgeben um dann festzustellen, dass ich vielleicht auch mal ein Objekt beobachten möchte.


    Da hilft also wohl nur, das Ganze mal ausprobieren, bei jemandem mitgehen.. und dann entscheiden, was ich genau brauche.


    Und noch ein Wort zum Zubehör:
    Da ich schon ein paar mal Sternenhimmelfotografien getätigt habe, auch über gesamte Nächte hinweg, bin ich hier schon einigermaßen gut ausgestattet. Kompass, Netbook (Bilderspeicher + Kamerasteuerung), iPod mit Filmen, Notwendiges zum Warmhalten etc.


    Viele Grüße
    Pascal

  • Hi!


    500mm sind bereits im Größenbereich eines Teleskops und ungeguidet auch auf einer größeren Montierung nicht ganz trivial - ich würde mal sagen, da hängt's davon ab, wie hoch deine Leidensfähigkeit ist. Mit einem ungeguideten ED80 auf einer schweren, stationären Alt-Montierung, die nebenher noch ein C14 trägt, hab ich bei 600mm Brennweite auch schon rund 30% Ausschuss. Und das ist schon eine echte, eingescheinerte Sternwartenmontierung, gegen die Du treten kannst, ohne dass groß was wackelt...


    Auf der Heilbronner Sternwarte haben wir einen AstroTrac, begnügen uns bislang aber eher mit dem Bereich bis max. 200mm, auch wegen der vorhandenen Objektive. Mit 2x-Konverter wärst Du bei 1m Brennweite, wo der Frustbereich bereits losgeht und auch 2000-Euro-Montierungen Guiding brauchen. Bei kurzen Brennweiten kann der Nachführfehler leichter unterhalb der Luftunruhe bleiben und somit vernachlässigbar bleiben.


    Zum Thema beobachten: Du tust dir selbst einen Gefallen, wenn Du Fotografie und Beobachtung (auch instrumentell) trennst. Für Beobachtung brauchst Du möglichst große Öffnung, da ist das beste Preisleistungsverhältnis entweder ein Acht-Zoll-Dobson (noch transportabel und zeigt verdammt viel) oder ein Fernglas (z.B. 10x50); für Fotografie brauchst Du eine stabile, wackelfreie Ausrüstung mit eher kleiner Öffnung - kleine Öffnung, weil das ganze dann weniger wiegt und die Montierung viel billiger sein kann.


    iPod mit Filmen ist übrigens eine blöde Idee, um die Belichtungszeit totzuschlagen - das ist eine Streulichtquelle, und du fährst ja nicht an einen dunklen Standort, um ihn dann selber lichtzuverschmutzen...


    Selber ausprobieren ist das einzig sinnvolle - im Forum kriegst du mit, wer was aus welchen Gründen mag oder ablehnt, aber wir können nur vermuten, was für dich funktioniert. Der AstroTrac ist eine reine Fotolösung, die für den Bereich, für den sie entwickelt wurde, gut funktioniert, aber weder anspruchsvolle große Brennweiten noch visuelle Beobachtungen unterstützt. Your mileage may vary, wie's so schön heißt.


    Bei mir sieht ein typischer AstroTrac-Einsatz so aus: Wir sind zu zweit, ein Freund kümmert sich um den AstroTrac und knipst, derweil suche ich im azimutal montierten ED80 neue Beobachtungsziele. Während die Kamera läuft, wird dann gemeinsam beobachtet. Auch deshalb lohnt es sich, Kontakt zum nächsten Verein aufzunehmen.


    Buchtipps zur Astrofotografie? Stefan Seips beide Bücher, wobei "Astrofotografie digital" leider vergriffen ist - "Himmelsfotografie mit der DSLR" ist für den Einstieg ganz hübsch, auch wenn es nicht zu sehr ins Detail geht. "Digitale Fotografie" aus dem Oculum-Verlag ist für meinen Geschmack fast schon ein Overkill an Informationen - da kommts darauf an, wie tief du in die Materie einsteigen willst. Ich hab das Buch allerdings nur durchgeblättert. Mit etwas Glück hat Fernrohrland beide Bücher zum reinschauen da.


    Gruß,
    Alex

  • Hi,


    also "Himmelsfotografie mit der DSLR" von Stefan Seip habe ich schon geraume Zeit hier, aber wie Du selber sagtest - ins Detail geht er darin ja leider nicht.
    Werde mir aber mal die anderen beiden Buchtipps zu Gemüte führen.


    Die Sache mit dem iPod: Zumindest bei meinen Milchstraßenfotos habe ich da keinerlei negative Auswirkungen bemerkt. Trotzdem stimmt das natürlich was Du schreibst.. was macht Ihr denn während langen Beobachtungsnächten nebenher?


    Uhu und selste, Danke für Eure Links zu Euren Treffpunkten. Da werde ich mit Sicherheit auch mal vorbeischauen bei einem der nächsten Treffen :)

  • Quote
    <i>Original erstellt von: Brokatskalar</i>
    <br />Moin Leute


    Astrotrac mit Megrez 72:
    http://astrofanweb.de/bp_forum…13382283b7bb5c5825d9a4d77


    Na , ist doch schon ein wenig mehr , wie ein bisschen Apfel.


    CS


    Jürgen




    Hallo Jürgen,


    ich hab so ein Ding noch nie in der Hand gehabt deshalb kann ich das wirklich nicht beurteilen leider. Aus dem Bauch heraus würde ich aber sagen ist so ein Gerät eher für kürzere Brennweiten gemacht, so 50mm bis max. 135-200mm. Ich denke so falsch liege ich da nicht mit dem Bauchgefühl:-)


    Leider kann ich auf dem verlinkten Bild wenig erkennen, ist das eine Art Poster oder so? Hab mal drauf geklickt und der Bilduploadservice war so nervig da hab ichs sein gelassen.


    CS Frank

  • Als Buchtipp habe ich noch das "Praxishandbuch Astrofotografie" von Klaus-Peter Schröder. Das ist teilweise noch auf chemische Fotografie bezogen, aber die Grundlagen haben sich ja nicht geändert. Kostet auch nur noch 4,95€.


    Für nebenher (wenn ich nicht auf Terrasse oder Balkon bin) hab ich immer ein Fernglas zur Hand und meist eine Isomatte. Da gibts genug zu sehen. Das Streulicht von iPod und Co halte ich für vernachlässigbar, aber du ruinierst deine Dunkeladaption. Wenns gar zu langweilig ist, hilft ein Buch und 'ne Rotlichtlampe [;)]


    Gruß, Anke

  • Was haltet Ihr denn von der Idee, mein vorhandenes Budget nicht für Montierung, Teleskop und Zubehör sondern nur für die Montierung und nur notwendigstem Zubehör zu verwenden?


    So müsste ich zwar noch eine Weile warten, bis ich mir dann ein Teleskop dazukaufe, hätte dann aber evtl. eine Lösung mit der ich längere Zeit zufrieden bin?


    Was haltet Ihr z.B. von der EQ6skyscan?
    Wobei ich zu der noch die Frage hätte, was es genau mit dem PEC auf sich hat.. ist das so etwas wie AutoGuiding?


    Danke + viele Grüße
    Pascal

  • Hallo Passi,
    wo kommst Du denn genau her? Der Umkreis von 20km um Stuttgart ist ja doch schon recht weitläufig ;)


    Erstmal nur eine Montierung zu kaufen ist auch eine nette Alternative - Ich habe mir aus 16mm Siebdruckplatte eine Schwalbenschwanzschiene gesägt, die ich am Stativanschluß der Kamera anschrauben kann. Dann kommt die Kamera einfach so auf die GP und macht mit dem normalen Objektiv nachgeführte Fotos.


    CS, Holger

  • Quote
    <i>Original erstellt von: Passi</i>
    <br />Was haltet Ihr denn von der Idee, mein vorhandenes Budget nicht für Montierung, Teleskop und Zubehör sondern nur für die Montierung und nur notwendigstem Zubehör zu verwenden?


    So müsste ich zwar noch eine Weile warten, bis ich mir dann ein Teleskop dazukaufe, hätte dann aber evtl. eine Lösung mit der ich längere Zeit zufrieden bin?


    Was haltet Ihr z.B. von der EQ6skyscan?
    Wobei ich zu der noch die Frage hätte, was es genau mit dem PEC auf sich hat.. ist das so etwas wie AutoGuiding?


    Danke + viele Grüße
    Pascal


    Ja so würde ich es machen. Als Montierung würde ich die GPD2 von Vixen nehmen oder die EQ5 oder 6 Synscan. Die EQ6 hat den Nachteil das sie *** schwer ist. Ich hatte eine der ersten EQ6en (solch eine die man erst noch modifizieren musste Stichwort Conrad Getriebe).
    Der Vorteil ist das man bei der EQ6 das Maximum an Beladung erreichen kann sie also auch mal nen 8" Newton samt Leitrohr und Kamera locker tragen kann später.


    Alternativ würde ich eine GP oder EQ5 nehmen mit Teleobjektiven oder normal Objektiven starten und später einen kleinen APO drauf packen so im 500mm Bereich, da gibts es mittlerweile gute schon im unter 1000€ Bereich.


    PEC heisst Periodic Error Control das ist eine Funktion die über einen Zeitraum X die Ausgleichsbefehle der Handsteuerung speichert und dann regelmäßig abfährt. Das soll die Nachführgenauigkeit erhöhen und den sog. periodischen Schneckenfehler (eine Eigenschaft von Schneckengetrieben) verringern. Stammt eher aus der Zeit des manuellen nachführens wenn du mich fragst ich habe das nie gebraucht. Heute macht echt jeder Autoguiding mit der Webcam, viele haben nur wahnsinnig Angst vor der Technik und den Kabeln:-). Aber das ist mittlerweile easy und super angenehm glaub mir.


    Vergiss nicht du brauchst ein Leitrohr! Achte dabei darauf das der Okularauszug auf gar keinen Fall wackelt das sollte schon was stabiles sein. Ein Refraktor mit 500mm Brennweite reicht da erstmal vollkommen aus. Früher hiess es das Leitrohr sollte die doppelte Brennweite des Aufnahmegerätes haben ist aber auch etwas überholt in digitalen Zeiten.


    So Buchtips:


    Handbuch der Astrofotografie von Klaus Peter Schröder. Stammt aus analogen Tagen aber damit du die ganzen Grundsätze lernst absolut empfehlenswert.


    Dann das neue Buch im Occulum Verlage Digitale Astrofotografie oder so ähnlich soll ganz gut sein.


    LG und CS Frank

  • Hi!


    Erstmal nur eine gute Montierung (gerne gebraucht) zu kaufen und langsam aufrüsten, um so die Budgetgrenze von ca. 1000 Euro zu umschiffen, ist auch ein guter Plan - auch wenn Du so langfristig einiges mehr an Geld ausgeben wirst, kannst Du die Kompromisse vermeiden, die langfristig zu Doppelkäufen führen, und zu einer guten Ausrüstung gelangen, die nicht mehr Frust bereitet als nötig.


    Ob die gebrauchte HEQ5 Syntrek was taugt - keine Ahnung, ich kenne die Steuerung nicht. Aber Du kannst Sie im Zweifelsfall immer noch mit wenig Verlust weiterverkaufen, der Wertverlust beim Auspacken des Neugeräts ist ja schon passiert. Tipp: Wenn dann ein Teleskop dazu kommt, pack Montierung und Gegengewichte in verschiedene Koffer, sonst hebst Du dir einen Bruch an der HEQ5. Tragfähig ist sie auf jeden Fall.


    Gruß,
    Alex

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!