Astrofotos mit kleiner Brennweite, ohne Montierung

  • Hallo liebe Knipswütige,


    mir ist aufgefallen, das sich hier relativ häufig User melden, die weder über eine größere fotografische, noch eine astronomische Ausrüstung verfügen, aber "Astrofotos" machen wollen. Recht häufig wird denen dann geraten erstmal mit Strichspurbildern, oder kompletten Sternbild-Widefields zu beginnen.


    Ich finde beides sterbenslangweilig und habe daher gestern Abend mal etwas in Richtung "so wenig Equipment wie möglich" versucht. Herausgekommen ist das:



    also ein Möndchen mit einem Satürnchen [:o)] Trotzdem kann man hiermit schon ein wenig üben, denn um beide sichtbar zu machen brauchte es stark unterschiedliche Belichtungszeiten und somit späterer EBV. Eine Kamera mit 200mm KB-Brennweite auf einem halbwegs stabilen Stativ dürfte bei jemandem, der sich gedanklich mit Astrofotos befaßt wohl mindestens da sein.


    Die andere Version der Knipserei, nämlich nicht vorhandene EBV-Künste durch blanke Geduld zu ersetzen kann ich Euch auch noch zeigen:



    Hier habe ich einfach so lange gewartet, bis das herannahende Wolkenfeld den Mond ausreichend abgedunkelt hatte.



    Momentan ist eh zuviel Mond für Deepsky seht es nicht als Fluch, sondern als Chance
    [;)]

  • Hallo Stefan,


    Nette Idee, nette Ergebnisse!


    Strichspuren produziere ich schon von alleine - und widefield ist durch meinen ED80 vorgegeben :)


    Vielleicht geht es darum, dem Anfänger Enttäuschungen zu ersparen und schrittweise an das Ganze heranzugehen, um dabei zu lernen - bevor er über einen Tausender investiert, um etwas zu probieren, was er doch nicht spannend findet.


    (Ich wollte schon prahlen: "Schaut, ich mache erste Gehversuche auch mit Ausrüstung für unter 1000€!" DANN habe ich angefangen, nachzurechnen.... *hüstel*)


    Gruß,
    Jens

  • Quote
    <i>Original erstellt von: stelen</i>
    <br />Ich finde beides sterbenslangweilig ...

    Das scheint nur so, weil die Aufnahmen häufig stark verkleinert gezeigt werden.
    Im Original sind die Himmelsobjekte im Widefield deutlich größer.


    Mit der immer weiter abnehmenden Pixelgröße werden die Objekte, bei gleicher Brennweite,
    zukünftig immer größer und die Nachführfehler immer besser sichtbar werden.
    Anbei mal ein paar unverkleinerte Crops aufgenommen mit <b>135mm Brennweite</b> (mit EOS 450Da).


    http://img19.imageshack.us/gal.php?g=m33g.jpg


    Gruß Helmut

  • Helmut,


    da habe ich mich wohl mistvertändlich ausgedrückt. Mir ging es drum etwas mit kleinem Equipment, eben ohne Nachführung und langzeitbelichtungsfähier Kamera zu zeigen.


    Das es auch richtig atemberaubende Widefields gibt hat mir Caro auch schonmal samt Beispiel um die Ohren gehauen.

  • Quote
    <i>Original erstellt von: Aragon</i>
    Anbei mal ein paar unverkleinerte Crops aufgenommen mit <b>135mm Brennweite</b> (mit EOS 450Da).


    *SCHLUCK*


    Irrsinn! Wie sind die gemacht, wenn man fragen darf?


    Gruß,
    Jens

  • Hallo Jens,


    die sind nichts besonderes. Vielleicht hätte ich noch was von 17x und 23x Bildaddition hinzuschreiben sollen (Orion: 23x90s, M31, M33: 17x180sek). Sorry, mir ging es dabei nur um die Objektgrößen. Die Aufnahmen sind aus meiner noch unvollständigen Himmelsdurchmusterung (DEC -28° bis +66°). Bisher sind 336 von insgesamt 508 Aufnahmefeldern mit im Schnitt 4,5 hinreichenden Bildern (&gt; 0,7*Highscore) pro Feld abgelichtet.


    Die Aufnahmen erfolgten mit einer Vixen Superpolaris mit Skysensor 3 (zur Nachführung) mit aufgeschraubter Celestron Nexstar Montierung (fürs Goto) und einer Canon EOS 450Da, IDAS LPS-P2 mit Canon 135/2.0 L USM bei Blende 2,8. Die Himmelshelligkeit betrug während der bisherig insgesamt 11 Aufnahmesessions im Zenit laut SQM zwischen 19,2 bis 19,9 mag/arcsec^2 (beim Start der Session).


    Gut die Hälfte der Aufnahmen ist anhand des "Overall Quality" Wertes vom DeepSky-Stacker aussortiert worden (DSS erkennt Störungen wie Nachführfehler und Himmelshintergrund (Wolken, Durchsicht, Rauch) recht gut. Nur Flugzeugspuren etc. werden nicht erkannt und müssen händisch aussortiert werden).


    Gruß Helmut

  • Hallo Stefan,



    Das zweite Foto hat was dramatisches. Finde die Szene hast du gut eingefangen.
    Ist doch Originell.


    Aber du brauchst ja keine Widefields zu machen, zwingt dich ja niemand.



    Warum ich trotzdem einem Einsteiger in der Regel rate mit kleinen Brennweiten anzufangen sind:


    1. Beschränktes Budget. Ein Einsteiger kann/will normalerweise nicht soviel Ausgeben und konzentriert sich meistens nur auf die Optik. Wichtig ist das Zusammenspiel des Gesamtpaket. Wichtigster Bestanteil die Montierung und da ist der Geldhaushalt bei vielen schon überschritten. Was nützt ein 12“ ohne einen entsprechenden Unterbau. Da gibt’s dann auch Strichspuren. Allerdings unfreiwillig.


    2. Materie wird bei den meisten unterschätzt. Fotografiere zwar selber noch nicht so lange bin aber schon ein paar Jährchen beim Hobby Astronomie dabei. Ich schätze mal 8 von 10 Leute welche mit Astrofotografie beginnen sind nach einem Jahr nicht mehr dabei. (Das Kritische Jahr habe ich auch noch vor mir)


    3. Technik wird überschätzt Erfahrung unterschätzt. Die Erfolgschancen steigt mit kleinerer Brennweite.


    Mein erstes gestacktes Foto mit 200mm Brennweite Null Erfahrung in EBV


    Selbe Ausrüstung mit mehr Erfahrung 3 Neumonde später.

    Dabei gibt selbstverständlich die Ausrüstung das Limit des möglich machbaren. 200mm sind natürlich zu wenig für dieses Objekt aber eine höhere Brennweite muss man halt zuerst beherrschen sonst ist die Enttäuschung eventuell zu gross.


    4. Widefield ist nicht langweilig

    Grosse Version


    Gruss
    Jürg

  • Hallo Helmut,


    Allein Dein Filter kostet so viel wie ein Dobson :)


    Sehe ich das richtig, daß Du die Feinarbeit (guiding) mit einer recht massiven Montierung erledigst, während die parasitär darauf befestigte Montierung sich um das Grobe (GOTO und Nachführung) kümmert?


    Gruß,
    Jens

  • Hallo Helmut,

    Quote
    die sind nichts besonderes. Vielleicht hätte ich noch was von 17x und 23x Bildaddition hinzuschreiben sollen (Orion: 23x90s, M31, M33: 17x180sek)
    Das vergessen die Anfänger aber auch immer. Gerade auf Anfragen der Art- "hab 300 Taler und will Teleskop zum Gucken und natürlich will ich auch Fotos machen"- rate ich auch immer ab.


    Grund ist für mich- die Jungs denken beim Foto an das Knipsen bei Tageslicht und haben keinerlei Ahnung auf was es bei Astrofotografie alles ankommt.
    Zur Ausrüstung und dem "Gewusst wie" dann eben auch noch der Aufwand für die Bilder (siehe bei dir- 17x...) und dann noch die Nachbarbeitung.


    Man sollte auf solche Anfängerfragen ehrlich antworten und warnen, weil eben das Thema grundsätzlich völlig unterschätz wird. Ist jedenfalls meine Ansicht.


    Das es mit einfachen Mitteln auch geht ist keine Frage- nur erwarten die Meisten ja gleich Ergebnisse vom Feinsten


    Gruß
    Stefan

  • Quote
    <i>Original erstellt von: stefan-h</i>
    Das es mit einfachen Mitteln auch geht ist keine Frage- nur erwarten die Meisten ja gleich Ergebnisse vom Feinsten

    Nicht immer...
    Wenn ich meinen eher mäßigen, hier geposteten Mond mit dem letzten Versuch vergleiche, freue ich mich schon über die Qualitätssteigerung.
    Da machen andere mit Digiknipse an einem Sucher noch bessere Bilder - aber auch hier ist zum großen Teil der Weg das Ziel.
    Zumindest für mich. Wenn man's kann, wird's langweilig. :)


    Gruß,
    Jens

  • Quote
    <i>Original erstellt von: JensStark</i>
    <br />Hallo Helmut,


    Allein Dein Filter kostet so viel wie ein Dobson :)


    Ja das stimmt. Wobei der Filter noch von allem am günstigsten war. Alleine das 135mm Teleobjektiv kostet neu ja bereits ca. 800 Euro.


    Hauptsächlich wollte ich damit zeigen: Wenn man die höhere Auflösung größerer Brennweiten wirklich nutzen will, dann muß die Nachführung das über den Zeitraum der sinnvollen Belichtungszeit (ca. 10% Himmelshintergrund) ordentlich hinbekommen. Muß man stattdessen die Bilder nachträglich verkleinern um Fehler zu kaschieren, hätte man imho besser gleich mit weniger Brennweite fotografieren sollen. Denn so wäre ein größeres Bildfeld mit gleichem Abbildungsmaßstab möglich gewesen.


    Quote
    <i>Original erstellt von: JensStark</i>
    <br />
    Sehe ich das richtig, daß Du die Feinarbeit (guiding) mit einer recht massiven Montierung erledigst, während die parasitär darauf befestigte Montierung sich um das Grobe (GOTO und Nachführung) kümmert?


    Jein. Guiding ist bei den kurzen Brennweiten und Belichtungszeiten nicht notwendig (135mm, 30 ... 180 sek). Die Vixen Superpolaris ist der Vorgänger der Vixen GP. Den DEC-Arm habe ich abgenommen und über eine Holzplatte eine kleine Celestron Montierung (den Vorgänger der Nexstar SE1) auf die Polachse der Superpolaris geschraubt.
    Die Nachführung der kleinen Nexstar ist für fotografische Zwecke hundsmiserabel. Mit einem ED80 (f=600mm) habe ich bereits bei 5 sek allerhand Ausschuß. Deshalb lasse ich die Nachführung von der Superpolaris erledigen.
    Die Nexstar fährt dann per Goto alle vordefinierten Bildfelder ab.


    http://img11.imageshack.us/img11/3786/spnexstar.jpg


    Gruß Helmut

  • hi


    ihr zeigt ja mal wieder heftig feine arbeiten !


    vor ca. 4 monaten begann ich mich für astronomie zu interessieren, und habe mir zum ziel gesetzt nette fotos zu machen.


    mittlerweile habe ich ca. nachrechnen muss[:D].


    bücher 250.--
    monti 560.--
    montierunszubehör 200.--
    camera mit diversen objektiven 1000.--
    diverse kabel 90.--


    also ca. 2100.-- euronen ausgegeben [:D]


    als nächstes steht dann ein schnellerer
    laptop auf der einkaufsliste ca 1000.--
    ein halbapo ca. 600.-- (werden eher wieder 1000.--)[:)]
    ein leitrohr ca 300.--
    und vielleicht ein newton 500.--
    diverse filter ???
    nochmals 2-3000, macht zusammen ca 4-5000.--[:D]aber bekanntlich lebt man ja nur ein mal !


    mir ist aber klar das all diese anschaffungen noch nicht bedeuten das ich in nächster zeit auch nur ein gutes astrofoto machen werde [^].
    aber ich denke das ich eine solide basis haben werde, um in den nächsten monaten (100?[:D]) etwas "brauchbares" zu produzieren :-).


    however es macht spass, gestern produzierte ich trotz nachführung jede menge strichspuren, wie ? ganz einfach ! nachführung auf "s" anstatt auf "n" [:)], oder als dieser fehler mit bravur in nur 30 minuten enddeckt wurde, den bildstabilisator des objektives nicht ausgeschalten habe (wieder 30 minuten).
    dann war der mond so hell das ich mein astrofotozubehör in meine köfferchen verpackte und mit meiner partnerin ein nettes glas wein trank (bei mondschein natürlich).
    also daraus schliesse ich : man muss weder fotografisch gut sein, noch astronomisch, um dieses hobby geniessen zu können [:D][:D][:D].


    TROTZDEM ! irgendwann will ich auch ein hübsches bild machen !


    lg
    helmut

  • Hallo Stefan(stelen),
    ich sehe das wie du und ich sehe das wie Stefan(-h).
    Den es gibt So'ne und solche. Ich denke es gibt viele die sich denken: Teleskop 99,- von Ebay, Kamera dran , dann mach ich mal eben Hubble nass.
    Diese Leute erlebe ich auch bei uns im Verein. 3 Monate mitmachen 2 Bruce Lee Filme schauen und schon bin ich der Beste.[:(!]
    Aber ich denke es gibt auch genügend die vielleicht mit solchen falschen Vorstellungen auftauchen und sich dann aber umstellen und sich mit Herz an die Sache rantasten.


    Ich habe angefangen Mondbilder zu machen seit ich die Spiegelreflex meines Vaters benutzen durfte.(vor 20 Jahren)
    Auch Aufnahmen von Konstellationen machte ich zu dieser Zeit schon, aber nur wenn ich was irgendwo über sie gelesen habe.
    Später waren dann 99 die Sofi dran und 2004 der Venusdurchgang.
    Und ich bin immer noch sehr stolz auf meine Bilder, auch wenn die Venus auf meinen Bildern nun wirklich nur ein schwarzer Stecknadelkopf ist.
    Auch wenn ich mich inzwischen der Deepsky Fotografie langsam annähere
    so Fotografiere ich diese Dinge immer noch gerne.
    Deshalb finde ich wie du, dass man evtl. den interessierten auch diesen Weg aufzeigen sollte. Denke aber das sich dafür nicht so viele begeistern werden.


    Hier noch ein paar Beispiele von mir(klickbar):

    Mond, Jupiter und Merkur



    Mond, Venus, Jupiter und Merkur



    Saturn und Merkur



    Jupiter, Venus und Mond



    Mond,Venus,Saturn und Regulus



    Mond,Venus und Jupiter


    Das alles ist mit einer Spiegelreflex gemacht. Dazu ein gutes Stativ, der Wille zum Teil sehr früh aufzustehen und fertig.


    Vg Ulf

  • Quote
    <i>Original erstellt von: Aragon</i>
    Hauptsächlich wollte ich damit zeigen: Wenn man die höhere Auflösung größerer Brennweiten wirklich nutzen will, dann muß die Nachführung das über den Zeitraum der sinnvollen Belichtungszeit (ca. 10% Himmelshintergrund) ordentlich hinbekommen. Muß man stattdessen die Bilder nachträglich verkleinern um Fehler zu kaschieren, hätte man imho besser gleich mit weniger Brennweite fotografieren sollen. Denn so wäre ein größeres Bildfeld mit gleichem Abbildungsmaßstab möglich gewesen.

    Hallo Helmut,


    Auch wieder wahr. Mein Mond mit ED80 ist relativ (für mich) scharf, aber die Auflösung der Kamera ist ja begrenzt - daher der Wunsch nach längerer Brennweite. Manchmal will man einfach mehr Details sehen :)


    Ich mußte etwas überlegen, wie Deine Montierungskombination funktioniert. Wenn man eine Minute nachdenkt, ist es ganz logisch...


    Gruß,
    Jens

  • Hallo,


    nochmal zurück zu dem Anfänger, der Astroaufnahmen machen will, aber noch Null Ahnung hat:


    So ist es mir damals auch ergangen. Hatte (und hab`s noch) ein Meade SC f:6,3/1280mm, also die kurze Version. Die ersten Negativaufnahmen auf GPY gemacht, gut nachgeführt (Fadenkreuz im Sucher!). Gut, die Montierung stand fest.
    Die Ergebnisse nach jeweils 30 Minuten Belichtungszeit: Sterne waren zu sehen, sogar scharf. Aber die Nebel? - Eingescannt und festgestellt, ich hab ja nur Himmelshintergrund drauf! Die Nebel sieht man kaum.


    Nach 4 Jahren und mehr Erfahrung habe ich die Aufnahmen dann nochmal gescannt und richtig bearbeitet. Und siehe da, die Aufnahmen waren gut. Aber dazu brauchts eben viel Erfahrung und die hatte ich damals auch noch nicht.


    CS
    Winfried

  • Quote
    <i>Original erstellt von: stelen</i>
    <br />..... Mir ging es drum etwas mit kleinem Equipment, eben ohne Nachführung und langzeitbelichtungsfähier Kamera zu zeigen........

    hallo stefan.
    und? hat´s geklappt?
    naja, hier mein beitrag zum "ich hab´ keiene ahnung 50mm-stativ-knips " -versuch:
    50mm/1.7 an 70€-digiknipse gebastelt auf 20€-stativ nachgeschubst.

    nächstes mal lasse ich besser den ir-cut drin....


    frage an alle:
    habt ihr auch alle spaß an unserem hobby?
    noch was;
    wer verdammt noch mal hat diese 300€ in die welt gesetzt?


    ich persönlich finde übrigens nichts langweilig, was meinen "horizont" erweitert, schon gar keine widefields.


    cs, tom

  • hi stefan,
    nicht schummeln[8D].


    du hast was von "nicht langzeitbelichtungsfähiger kamera" geschrieben und ich gehe,ohne exif´s zu durchforsten, davon aus, das das obige bild von dir nicht mit so einer kamera gemacht wurde.


    meins schon.....


    meine intension war, aufzuzeigen, das es in einem forum gemeinsam interessierter mitglieder so absolut gar keinen sinn macht, seine energie darauf zu verschwenden, etwas "sterbenslangweilig" zu finden, was man sowieso nicht machen will. self fullfilling prophecy.


    so stefan, von anfänger zu anfänger, wer in deinen augen sind eigentlich die anfänger nach deinen maßstäben, die sinngemäß "blauäugig, ohne ahnung und ausrüstung" einfach "knipsen " wollen[:D]?


    ostergrüße,
    tom

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