Was genau ist "spechteln"? ;)

  • Ich oute mich einfach mal... Ich muss zugeben, ich habe den Begriff "spechteln" noch nie gehört gehabt, bevor ich mich auf diversen Astronomie-Seiten im Internet rumgetrieben habe. Aus dem Kontext der Beiträge habe ich entnommen, dass "spechteln" wohl "Sterne schauen" bedeutet. Da wäre der Begriff ja auch für eigene Beiträge ganz brauchbar. Da ich mir aber nicht wirklich sicher bin, dachte ich frage halt doch einmal (hat Überwindung gekostet[;)]), ehe ich das demnächst 1000mal falsch verwende...


    Oder wäre das was fürs Ulk-Forum? [;)]


    Danke,
    Rainer
    PS: Ich komme gerade von einem total klaren Sternenhimmel rein - das gibt es doch noch (schon zum dritten Mal diese Woche[:D]

  • Hallo Rainer,


    'live' aus dem Chat:


    [23:54] <`korn> ?? spechteln
    [23:54] <@UrsaMajor> spechteln == seltsamer, von den Amateurastronomen geprägter Begriff für Sternegucken... nicht zu Verwechseln mit ?? spechten und ?? spachteln - Wenn man es tierisch sieht könnte man Spechte(ln) = Vögel(n) sagen
    [23:54] <@matth|as> is spechteln nich österreichisch?


    Ciao,
    Roland

  • Hallo allerseits,


    wo gibts klaren Himmel? Und das seit drei Tagen? Mein Wetterbericht beschränkt sich auf leere Versprechungen...


    Spechteln ist wirklich österreichisch und wird dort wohl auch für die Tätigkeit benutzt, die wir hier im Norden mit spannen bezeichnen. (Da haben wir den Bezug zum Thread: "Astronomie soll verboten werden ..."). Was die Herkunft des Wortes betrifft, erscheint mir die Erklärung am einleuchtendsten, daß es von lateinisch spectare kommt.


    Gruß, mike

  • Hallo Sternenfreunde, ich glaube es erübrigt sich eine ethymologische Abhandlung über das Wort "spechteln" ob sich das nun vom Lateinischen ableitet oder nicht spielt keine Rolle wichtig ist das Objekt ist im Rohr und ob man dann das Objekt erspechtelt erspannt oder was auch immer für eine Wortwahl man benutzt endlich gefunden hat das ist der wesentliche Punkt.In diesem Sinne auf ein ergiebiges "Aufsuchen", "Beobachten" versus "Spechteln"


    Grüße
    Helmuth

  • Servus Rainer,


    habe mich auch anfangs gefragt, was mit "spechteln" gemeint sein könnte...
    Aber mittlerweile bin ich zu er Überzeugung gelangt, dass es was mit "vögeln" zu tun hat, nur halt am Himmel ;)


    Gruß
    Peter

  • Hallo Rainer,


    ich finde es - auch - wichtig, sich über die Bedeutung der benutzten Begriffe im Klaren zu sein. Nur in diesem Fall ist man ein ernsthafter Gesprächspartner, weil man "beim Wort" genommen werden kann. Andernfalls kann es leicht zu Missverständnissen kommen, wenn sich gemachte und gemeinte Äußerung unterscheiden.
    Die Herkunft des Begriffes "spechteln" zu erklären, scheint nicht so leicht zu sein. Im deutschen Duden-Herkunftswörterbuch ist der Begriff nicht zu finden. Er scheint seinen Ursprung im Wiener Dialekt zu haben und, wie schon einige vor mir erwähnten, mit "sich als Voyeur betätigen" zu übersetzen zu sein. Voyeur bedeutet im französischen zunächst "Zuschauer", und das trifft auf die Sternfreunde zu. Im weiter gefassten Umfeld bedeutet es "ein übersteigertes Interesse an der (heimlichen) Beobachtung nackter Körper bzw. sexueller Vorgänge." Der Voyeur bezieht seine geschlechtliche Befriedigung gemäß dieser Definition ausschließlich aus der Beobachtung. Ohne mich jemals in letzterem Sinne betätigt zu haben, glaube ich aber zu wissen, dass Sternfreunden und Voyeuren im o.g. Sinn "Tatzeit" und die Benutzung optischer Hilfsmittel gemeinsam ist. Dies führt ja ohnehin dazu, dass man als Sternfreund Opfer der Hinterhof-Fantasie der Allgemeinheit wird. Wie die nächtlichen Begeisterungausbrüche der Sternfreunde zu bewerten sind, mag jeder selbst entscheiden; Siegmund Freud (auch ein Österreicher!!) hätte jedenfalls seine helle Freude daran gehabt...


    Viele Grüße,


    moelle.

  • Moin,


    da bin ich aber beruhigt, dass das Wort "spechteln" offenbar doch nicht allgemein bekannt ist. Vor Angst, für ein Fossil gehalten zu werden, habe ich micht getraut zu fragen.


    Vööl Spaß biet d' Stern-KIEKEN!
    Karl

  • Ich finde den Begriff "spechteln" ehrlich gesagt genau so blöd wie den Ausdruck "Sternfreund".
    Letzteres klingt für mich wie jemand, der keine richtigen Freunde hat, so eine Art Autist, der sich statt dessen die Sterne zum "Freund" gewählt hat.
    Aber diese Ausdrucksweise ist ja auch schon mindestens 50 Jahre alt, einfach nicht mehr ganz meine Generation...

  • Hallo Christian,


    du hast meiner Meinung nach ein Thema angeschnitten, das meines Wissens kaum diskutiert wird: Wie sollten wir das, was wir betreiben, denn eigentlich nennen? Ich habe eine Abneigung gegen Begriffe wie "Amateurastronom" (= Liebhaber-Astronom, lat. amare = lieben) oder "Hobbyastronom" und alle weiteren mit "Astronom" gebildeten Begriffe. Ein Astronom ist ein Wissenschaftler, der sich um neue Erkenntisse bemüht. Uns (von vereinzelten Ausnahmen einmal abgesehen) geht es aber maximal um die Bereicherung des eigenen Horizonts und noch viel stärker ganz einfach um die Freude am Beobachten, Fotografieren oder auch "Basteln" - und dies soll keineswegs abwertend gemeint sein. Es handelt sich um sehr ehrenwerte Ziele - aber eben um keine wissenschaftlichen. Man sollte ruhig selbstbewusst genug sein, zuzugeben, KEINE "ernsthaften" Absichten zu haben sondern dieses (schöne) Hobby einfach nur aus Spaß zu betreiben (womit ich nicht unterstellen will, dass du dies gemeint haben könntest). Deutsche Begriffe (Sternfreund) scheinen ja mittlerweile verpönt zu sein, es muss also etwas richtig "cooles" her - so wie "Astrofreak" oder "Hardline-Star-Observer (HSO)".


    Viele Grüße,


    moelle.

  • Hallo,


    danke für die tollen Antworten - da habe ich ja was losgetreten. Aber jetzt sehe ich klarer ;)


    CK: ich denke der Sternenfreund gehört zur gleichen Sprachfamilie wie der "Naturfreund". Ich spekuliere mal, dass das eigentlich auf "Freude an ..." (Natur/Sternen/....) zurückgeht. Wenn die Begrifsprägung auch nicht mehr ganz meine Generation ist (gehe auf die 40 zu), so erscheint mir der Begriff gar nicht so dumm. "Sternbeobachter" wäre aber wahrscheinlich auch treffend ;)


    Rainer

  • Hi moelle!


    Gebe dir echt recht. Wenn man betont, man ist hobbyastronom und guckt so da rauf, schüttelt jeder den kopf und geht.Wenn man aber sagt: Hey guck mal der Mars. Heut nur 60Mill. Km. weit weg. Das ist dann cool und geil. Aber ich glaube nicht, daß uns dies schadet. Das Interesse (warum samma denn überhaupt?) wird steigen, und mit ihm auch die Erfahrung neuer Erkenntnisse.


    Ach ja, Spechteln is Wienerisch heißt soviel wie spannen.
    der Spanner = der spechtler.


    liebe grüße aus WIEN....
    Dorian[:)]

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