Überlegungen zum nächsten Teleskop...

  • Hi Rainer,
    Du betreibst Deine Recherchen wirklich gründlich. Zu einem Ph Dir definitv etwas sage

    Quote
    Ich habe im Moment so die Vermutung, dass das Lichsammelvermögen des 10" Leichtbau (bessere Verspiegelung) genauso hoch ist wie die das 12" "nicht-Leichtbau"...


    Das würde vielleicht auch das Thema "macht 10" zu 12" überhaupt noch einen Unterschied?" erklären...

    Verhältnis Lichstammelvermögen 12" zu 10" unter Berücksichtigung der Qualität der Reflexion wäre:


    (12* R12/10*R10)²
    angenommen R12 = 0,88 und R10 = 0,94


    Dann kommt raus 0,985 also praktisch gleich gutes Lichtsammelvermögen. Als Feinheit wäre nur zu beachten, ob das erhöhte Reflexionsvermögen tatsächlich für den gesamten sichtbaren Spektralbereich gilt. Das ist nicht selbstverständlich.


    Bei gleich gutem Reflexionsvermögen wäre der 12" natürlich um den Faktor 1,44 heller. Das sieht man nach meiner Erfahrung bei deep sky- Objekten sehr deutlich.


    Viel Erfolg bei Deiner Entscheidungsfindung!


    Gruß Kurt


    PS.: sorry, Rechenfehler mit obiger Formel[:I]. Wenn man richtig rechnet, kommt heraus, dass das 12" Newton- Teleskop mit 88% Reflexion an HS und FS um den Faktor 1,26 mehr Licht zum Okular bringt als das 10" mit angenommen 94% Reflexion an beiden Spiegeln. Der Unterschied entspricht 0,25 Größenklassen und das sieht man im direkten Vergleich ganz bestimmt! So einen ähnlichen Helligkeitsunterschied an ein und demselben Teleskop hab ich mal mit zwei verschieden gut vergüteten Okus gleicher Brennweite studieren können. Es war recht verblüffend wie viel mehr sehr lichtschwache Sternlein das besser vergütete Oku gezeigt hatte.

  • Aber Hallo!


    Wie Du so rechnest, Rainer, und das wird von Kurt bestätigt, wäre der "De Lüx" 10er, insbesondere der mit der langen Brennweite, eine echt gute Wahl!
    1. Leichter, besser transportabel als der "normale" 12er, bei gleicher Montierung standfester
    2. Im Prinzip - fast identisches Leistungsvermögen. Was Kurt im PS schreibt, heißt ja auch, dass Du den Vorteil des 12er schon mit der "falschen" Okularwahl wieder zunichte machen kannst.
    3. durch moderateres Öffnungsverhältnis (f 6,4)justierstabiler, leichter zu justieren und bei den Okularen kommst Du auch unterhalb der Luxus-Klasse zu sehr guten Ergebnissen. So ein f 4-5 ist da recht anspruchsvoll! Diese teuren Okulare haben alle 5 und mehr Linsen und schlucken dementsprechend Licht, womit sich der Vorteil des 12er schon wieder relativiert.


    M.f,G., Günther

  • Ich habe die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und mal eine Übungsaufgabe für unseren Praktikanten daraus gemacht. Er hat ein kleines Web-Programm geschrieben, um das Ganze zu berechnen.


    Hier sind die Berechnungen nochmal im Detail:


    preiswertes 12"/1200mm (http://www.teleskop-service.de/Orion/europa.htm#Europa300):
    http://www.adiscon.com/astro/c…1=80&R2=80&B=1200&Hidden=


    teures 10" / 1200mmhttp://www.teleskop-service.de/Orion/luxus.htm#250):
    http://www.adiscon.com/astro/c…1=96&R2=96&B=1200&Hidden=


    teueres 10" / 1600mm: (http://www.teleskop-service.de/Orion/luxus.htm#250):
    http://www.adiscon.com/astro/c…1=96&R2=96&B=1600&Hidden=


    Die Berechnungen sind übrigens insgesamt dahingehend nicht ganz korrekt, dass die Obstruktion wahrscheinlich größer ist als der Fangspiegeldruchmesser (der Fangspiegel wird ja wahrscheinlich noch gehalten). Dazu habe ich aber keine Daten finden können. Ich vermute auch, dass das das Ergebnis in der Gesamtaussage nicht ändert. Und ansonsten können natürlich auch noch jede Menge andere Fehler drin sein ;)


    Ich denke, wir werden auch noch ein paar mehr Berechnungen ins web stellen, jetzt habe ich ja quasi einen unerschöpflichen Pool an Übungsaufgaben ;)


    Grüße und CS,
    Rainer

  • Quote
    So ein f 4-5 ist da recht anspruchsvoll! Diese teuren Okulare haben alle 5 und mehr Linsen und schlucken dementsprechend Licht, womit sich der Vorteil des 12er schon wieder relativiert.

    Hi Günther,
    Die teuren Okus z. B. die 26mm und 31mm von Nagler mit 6 Glas- Luft- Flächen schucken deutlich weniger Licht als besonders preisgünstige "Panzer"- Okulare vom Typ Plössl. Genau das hab ich wie oben beschrieben feststellen können. Ein Teil der Kosten steckt tatsächlich in der hochwertigen Vergütung.


    Ob 10" oder 12" würde ich so beantworten: Wenn deep sky - Objekte wichtiger sind als Planeten und Mond, dann eher 12". So richtig Spaß macht es aber erst mit einem leider teuren 2" WW- Okular. Es gibt ja auch noch die Preisklasse unterhalb von Nagler.


    Gruß Kurt

  • Hi Kurt,


    gilt die Aussage "besser 12Zoll als 10 für DeepSky" auch unter den angegebenen Bedingungen, d.h. bei annähernd gleichem Lichtsammelvermögen aufgrund unterschiedlich guter Verspiegelungen (wie in meinem Beispiel oben)? Oder sollte ich die so verstehen, dass ich besser ein gut verspiegeltes 12" mit 96% reflexion anstelle des ansonsten gleich gut verspiegelten 10" nehmen soll?


    Ist das Auflösungsvermögen hier womöglich das entscheidende?


    Danke,
    Rainer

  • Hi Rainer,
    das Auflösungsvermögen wird bei DS paktisch nie voll gefordert. Wie bereits oben nachgerechnet, bringt der 12" auch mit Standard- Verspiegelung rund 1/4 Größenklassen mehr Helligkeit als 10" mit forcierter Verspiegelung. Der 12" mit forcierter Beschichtung hätte natürlich erheblich mehr Lichtgewinn gegenüber 10" Standard. Wenn ich mich nicht verrechnet habe[:I] wäre das 1/2 Größenklasssen besser.

    Falls Du Ddich zum DS- Fan entwickeln solltest weissage ich Dir schon jetzt, Du riskierst "Offnungsfieber!" und lernst wahrscheinlich noch das Spiegelschleifen[:D]. Ich weiss was ich sage, weil ich vor vielen Jahren mal mit 6" angefangen habe und jetzt bin ich bei 16".


    Aber ganz ehrlich, auch mit 10" siehst Du bei dunklem, klaren Himmel bereits sehr viel. Hab damit im Hochgebirge schon M42 farbig sehen können.


    Gruß Kurt

  • ohje... ich kann ja so gierig sein. Da werde ich dann wohl wirklich noch Spiegel schleifen lernen, und das wo ich handwerklich sooo unbegabt bin. Na ja, es kommt wohl auf die Motivation an ;)


    Aber im Ernst, jetzt hast Du mich ein wenig verwirrt - hatten wir nicht gesagt, dass in dem genannten Beispiel (und nur da sicher) der 10" tatsächlihch die gleiche Lichtsammelleisting wie der 12" hat (weil 12" nur ~80% Refelxionsgad und 10" 96%). Oder gehst Du jetzt bei Standard-Verspiegelung von 88% Reflexion aus. Stimmt, wenn ich das jetzt mit 88% rechne (http://www.adiscon.com/astro/c…1=88&R2=88&B=1200&Hidden=), dann kommt da viel mehr raus als beim 10". Ich vermute mal, so war es gemeint...


    Rainer

  • Ja, Ja,
    der Kurt hat den Finger im richtigen Loch und ich lass jetzt wieder Mal den Geizhals raushängen, obwohl es gar nicht um mein Geld geht!
    Rainer - du willst dein Skope ja früher oder später parallaktisch montieren und auch Fotos machen. Daher würd ich erst Mal zu nem guten 10er raten, der nicht so viel Geld frisst und trotzdem hervorragende Leistungen bietet. Das gesparte Geld dann lieber in hochwertige, zukunftssichere Okus (wieder was gelernt, Kurt) investieren. Wenn das Öffnungsfieber dann durchschlägt, wirst Du schon aus Kostengründen zu nem richtig großen Dobson gezwungen, ohne dass Du gleich dran denken musst, den 10er billig zu verscherbeln, weil er Dir zuvor schon lange genug Spass gemacht hat und für Planeten und Fotografie immer noch erste Wahl bleibt. Grundsätzliche Überlegungen dazu hab ich Mal in "meiner" Einsteigerberatung angestellt (in meinem Profil zu finden) und die blieben in der Substanz unwidersprochen. Sie sind auch für Dich anwendbar.


    M.f.G., Günther

  • Hallo Günther,


    Deine Seiten werde ich mir gleich mal zu Gemüte führen. Ich habe ja zum Glück noch viel Zeit mit der Entscheidungsfindung (aufgrund der vielen Wolken hab' ich sogar noch mehr Zeit... kann ja nichts testen ;)).


    Bei 16" (wenn ich da jemals ankomme ;)) werd ich auch ganz sicher nicht parallaktisch monitieren (oder wie war das mit dem Lotto-Jackpot?). Das bringt 'ne ganz andere Frage auf, nämlich ob ich *überhaupt* mit 'nem Dobson zurecht komme. Ich muss einfach mal durch einen durchschauen, die Gelegenheit hatte ich bisher leider noch nicht. Aber das werde ich, sobald es geht, nachholen (muss nur erst jemanden finden, der einen hat ;)).


    Mir ist zwischenzeitlich noch eine andere Idee gekommen... Ich hatte ja daran gedacht, z.B. die Giro-Montierung übergangsweise zu nehmen (bis Geld für ne OTE da ist...). Sozusagen 300€ "opfern", um Zeit zu gewinnen (na ja, "'opfern" ist relativ, die Giro bliebe mir ja erhalten).


    Auf der anderen Seite bekomme ich für 400 bis 500 Euro (je nach Ausstattung) bei TS bereits einen GSO 8" Dobson... OK, der hat wahrscheinlich keine so tolle Verspiegelung und daher sind die 8" wahrscheinlich eher 7" ... Aber eine Steigerung zu meinem 70er Refraktor ist das sicherlich [;)]. Ausserdem kann ich damit Dobson-Erfahrung sammeln. Dann habe ich den kleinen 70er Refraktor auf der EQ1 und kann im Prinzip schon ne ganze Menge vergleichen. Und wer weiss, vielleicht packt mit das Öffnungfieber ja doch nicht und der 8" bleibt dauerhaft ein guter Kompromiss... Dann hätte ich viel Geld gespart. Falls es mich doch packt (wahrscheinlicher;)) kann ich sicher eine ganze Zeit mit dem 8" gut weiterlernen und dabei auf den 12" *mit* OTE sparen... Und ausserdem habe ich dann den 8" Dobson immer noch als recht transportables Gerät. Dazu kommt, dass bereits ein wohl passabler 8*50 Sucher dabei ist und das Teleskop 2" Okulare aufnehmen kann, d.h. ich kann auch gute Okulare kaufen und dann bei einem 12" (oder was auch immer ;)) weiterverwenden. Wenn ich das so schreibe... hört sich das eigentlich ganz gut an [:)] (na ja, aber in der Phase, in der ich im Moment bin, ändere ich meine Meinung tendenziell öfter ;)).


    Rainer

  • Hallo, nochmal, Günther,


    ich habe gerade Deine "Einsteigerberatung" gelesen und mich mit meinen Gedanken zum 8" wiederentdeckt ;) Das ist eine prima Aufstellung! So wie es aussieht, ist die 8" Idee vielleicht gar nicht die schlechteste (man stelle sich als Ausbaustufe den 8" auf OTE vor... Das wird stabil sein ;)).


    Rainer
    PS: ich habe gerade bemerkt, dass ich "Senior im Astrotreff" geworden bin. Wozu das stellen vieler dummer Fragen so alles führen kann... ;) Ich muss bei Antworten auf Fragen von anderen jetzt wohl immer warnen, dass ich eigentlich nichts weiss...

  • Hallo Rainer,


    ich kann Dir sagen, daß ein 8"er schon ein ganz schöner Schritt sein wird!!!


    Ich hatte das letzten Sommer - bis dahin mit verschiedenen kleineren Geräten beobachtet bzw. rumprobiert (davon hab ich inzw. nur noch mein Vixen 80L) - dann mal bei ebay mit etwas Glück einen GSO 680 für 350 Euro bekommen (nach Verkauf des Zubehörs, welches ich nicht benötigte, hat er mich effektiv höchstens 250 gekostet). Und was soll ich Dir sagen - es war schon ein Augenöffner! Der Mond einfach riesig und außerdem habe ich mit dem Teil dann meine ersten DS Erfahrungen gesammelt (okay - M42, Plejaden und Andromedagalaxie hatte ich vorher schon gesehen) - seitdem habe ich neben den Planeten, die ich sogar im Zentrum von Hamburg beobachten kann, auch planetarische Nebel und vor allem Sternhaufen für mich entdeckt!!!


    Und wenn Du es mit dem 12"er nicht erwarten kannst [}:)] - Du wirfst ja nicht das Geld weg - dann verkaufst Du irgendwann den 8"er wieder, hast vielleicht 100 Euro Verlust - den hast Du aber vielleicht durch Beobachtungsspaß bereits "reingeholt" (und Du mußt das Gerät ja nicht neu kaufen, wenn Du es sowieso nur als "Durchgangsstation" betrachtest).


    Gruß,
    René


    ... der nach dem Lesen der ganzen Beiträge zum Thema im Verlauf der Woche heute auch schon wieder ganz "gierig" auf den 12"er von Orion geschaut hat [:p] (habe beschlossen, alle Erstattungen für die Dienstreisen derzeit zu sparen, da komme ich vielleich bis zum Herbstauf das Geld [:I]).

  • Guten Morgen!


    War gestern abend Mal in meinen Stammkneipen, also of-Line. Rainer, als ich Deine erste antwort las, musste ich ein wenig grinsen. Du bist unabhängig von mir zu sehr ähnlichen Ergebnissen gekommen. Falls Du das in die Tat umsetzt, würde ich trotzdem auf Qualität und Ausbaufähigkeit (z.B.-komme ich mit ner Kamera in den Fokus?) achten um das "kleine" Gerät voll aufrüsten zu können. Wenn du da ne billige Gurke nimmst, lohnt es nicht. Ich wette, du findest irgendwo in erreichbarer Entfernung Leute, die Dich Mal durch ihrer Rohre gucken lassen (vorausgesetzt, wir erleben es noch, dass sich die Wolken verziehen?!). Das würde auf jeden Fall helfen. Das Problem mit der Dobson-Montierung ist eigentlich keins. Die sogenannten "Allstars" (Fernglasobjekte, Planeten) findest Du locker und kannst sie auch sicher nachführen. Dafür braucht man keine Motörchen und auch kein GoTo. Erst bei Objekten, die Du aufwändig suchen und oder hoch vergrößern musst musst, wird es schwieriger und eine parallaktische Montierung mit Motornachführung hat eindeutige Vorteile. Das gilt sowiso fürs fotografieren. Also ist das Step by Step Verfahren m.E. völlig unkritisch.
    Oh, Mann! Sorry, aber ich muß zur Arbeit! bis später dann.


    M.f.G., Günther

  • Hallo Günther,


    ja, der Ansatz mt dem 8" gefällt mir immer besser. Gerade hat ausgerechnet dazu auch noch jemand eine andere Diskussion "losgetreten":


    http://www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=8084


    Der GSO/Galaxy scheint zumindest nach Internet-Recherche per se keine Gurke zu sein, hoffen wir mal, dass die Serienstreuung nicht zu gross ist... Aber auch da werde ich wohl erstmal noch ein bisschen suchen müssen (und, wie Du schon sagst, *schauen*). Ich habe mein neu gewonnenes Wissen auch gleich mal benutzt und beide Händler nach dem Reflexionsgrad gefragt ... der steht nämlich bei keinem. Oder sagt der Strehl-Test da auch was drüber aus? DEN habe ich nämlich noch gar nicht verstanden (mann, ist da viel zu lernen ;)).


    Rainer

  • Hi, Rainer!


    Mit "Gurke" meinte ich keine Marke, sondern nur, dass Du mit E-Bay und Gebrauchtangeboten vorsichtig sein und Deinem Hang zur Qualität treu bleiben sollst, auch wenn es "nur" um einen 8er oder 10er geht. Wichtiger als alle Strehl- und Ronchi-Tests ist m.E., Durchgucken, Rückgaberecht, Vertrauen in die Seriösität des Händlers. Auch die Glassorte dürfte bei nem 8er noch zweitrangig sein, gegenüber z.B. der Güte der Verspiegelung. Der Ronchi-Test kann Dir sagen, ob Dein Spiegel ok ist, falls Du ihn lesen kannst(was ist gut, was noch ok und was ist schlecht?). Manche Händler sollen die Spiegel testen und die ganz Schlechten aussortieren?! die Kontrollen bei den Herstellern erfolgen stichprobenartig, also kann auch bei dem höchstgelobten Hersteller Mal ne "Gruke" dabei sein. Ich denke, bestenfalls hast Du bei und nach dem Kauf einen erfahrenen Sternenfreund dabei, der schon Mal ein wirklich gutes Teleskop gleicher Bauart und Größe gesehen und vor allem auch durchgesehen hat, also jemanden der weiß, was man sehen muß und wie. Da das selten klappt muss man halt schauen, wem man vertraut und gegebenenfalls ins kalte Wasser springen. Wenn du aber durchblicken lässt, dass Du das Rohr als Anschaffung fürs Leben siehst und später noch jede Menge Zubehör (Okus, Monti usw.)ansteht, wird Dir ein guter Händler schon im eigenen Interesse ein vernünftiges Skope verkaufen.


    M.f.G., Günther

  • Hallo Günther,


    jetzt habe ich Dich verstanden [:)] Ja, das macht tatsächlich Sinn. Ich sage mir immer "Sparen um jeden Preis muss nicht sein" [;)]. Im Ernst: ebay mache ich nur, wenn ich GANZ genau weiss was ich brauche und das auch prüfen kann. Meiner Erfahrung nach ist eBay echt toll für die VERkäufer - was da im Ersteigerungsfieber gebraucht so alles für mehr als den Listenpreis über die Theke geht ist schon erstaunlich (OK, mit Geduld kann man auch das eine oder andere Schnäppchen machen). [Ist Ersteigerungsfieber womöglich genau so schlimm wie Öffnungfieber;)?


    Ich muss zugeben, ich bin da etwas konservativ. Wenn es wichtig (teuer!) wird, zahle ich auch gerne mal ein paar Euro drauf und habe einen kompetenten Ansprechpartner. Und man wundert sich, was dabei oftmals dennoch an Rabatten geht. Mein Elektriker, zum Beispiel, hier im Dorf ist zwar beim Kauf einer Glühbirne sicherlich teuer als der Baumarkt, aber zum einen spare ich ~ 2 Euro Fahrtkosten (8 km einfache Strecke) und zum anderen hilft das so geschaffene Vertrauensverhältnis nicht nur bei Problemen am Sonstag und an Weihnachten sondern bei großen Anschaffungen haben wir schon oft schöne Geschäfte aushandeln können. Nicht immer zwingend billiger als der "grosse" Wettbewerber, aber doch oft sehr nahe dran. Und ausserdem kennt man sich, das ist ja auch nett ;)


    Ich gedenke, da gleiche Prinzip beim Teleskopkauf anzuwenden und konzentriere mich da im Moment auf einige namhafte (und einen kleinen lokalen Händler, der auch nicht schlecht ausschaut).


    Im Übrigen bin ich der Meinung - egal ab 4" oder 24" - ich gebe gutes Geld, da will ich auch was Vernünftiges dafür haben (natürlich der Preisklasse angemessen).


    So, das zum Philosophischen. Ich schrieb ja schon, dass ich im Moment einfach mal alles gedanklich Durchspiele - quasi um sich dem Optimum zu nähern.


    Das 8" - vernünftig - kostet so zwischen 400 und 500€. Das wäre dann die Grundlage, zu der ich mir später ein 12" mit parallaktischer Montierung anschaffen will. Das wiederum wird teuer, weil zum Fotografieren da wahrscheinlich sinnvoll nur die OTE geht (schon ziemlich teuer...). Schön an der Lösung ist aber, dass ich auch einen Dobson zum "Wolkenlücken nutzen"/transportieren haben.


    OK, und jetzt die nächste Idee... Das Öffnungsfieber packt mich ;) Was wäre denn, wenn ich einen 10" Orion Dobson (den mit der guten 96% Verspiegelung) auf EQ-6 kaufe. Das Ganze ist wirklich nicht mehr billig, liegt so bei 2.000€. Aber es ist zu vermuten, dass ich damit "auf ewig" auch zum Fotografieren auskomme. Wenn ich wirklich Öffnungfieber bekomme (anzunehmen....), dann werde ich auch in einigen Jahren sicherlich 14" oder 16" einfach nicht mehr parallaktisch montieren können. Und jetzt wird es interessant... Der Orion 12" auf OTE (bisher angestrebte, spätere Endstufe) kostet in Verbindung mit dem 8" GSO Dobson so ziemlich genau das gleiche (!) wie ein 10" Orion auf EQ-6 und später ein 14" Orion! Wohlgemerkt, so ziemlich das gleiche! (Der 14" Dobson wird quasi vom Verzicht auf die OTE finanziert). Und der 10" Orion war ja von den technischen Daten sehr gut, entsprach z.B. von der Lichtsammelleistung dem 12"er einfachern Orion! Im Übrigen bekomme ich das 10" Orion auch erst mal als Dobson, der Verlust für die Rockerbox hält sich in engen Grenzen (ich habe 200€ überschlagen, wenn ich mich nicht versehen habe - muss ich nochmal prüfen). Da wäre also auch eine Möglichkeit. Das 10" Orion ist übrigens nicht wesentlich schwerer als das GSO (ich meine 9,5kg zu 12).


    Kurzum, zweiter Lösungsansatz:


    Stufe 1: 10" Leichtbau Orion Dobson mit guter Verspiegelung ("Luxus-Variante") als Dobson kaufen
    Stufe 2: EQ-6 dazu
    ergibt: super-Beobachtungsmöglichkeit und wahrscheinlich für alle Zeit zum fotografieren ausreichend (visuell ist definitv für mich wichtiger)
    Stufe 3: großer Dobson (14" ...)


    Evtl. dabei Stufe 1+2 zusammengefasst und zu dem Zeitpunkt noch keine Rockerbox.


    Auch das hört sich gut an. Entschieden ist natürlich noch nichts, aber nachdem wir jetzt meine Entscheidungsfindung schon so schön dokumentiert haben, dachte ich einfach, ich zeig das mal im Detail weiter auf. Vielleicht ist es ja später auch für andere interessant...


    So, jetzt werde ich wohl gleich mal 'ne Frage im CCDBoard stellen ;)


    Bis dann,
    Rainer

  • Kleine Korrektur: das 10" Orion Leichtbau-Newton wiegt 9kg, also in etwa genau so viel wie der GSO 8" Tubus (das 8" GSO als "Galaxy Dobson" wiegt 9,5kg). Die 12kg waren für das 12".

  • Da würde ich mich aber mal bei den Fotofreaks umhören, ob man die EQ6 wirklich ernsthaft für Astrofotografie empfehlen kann... sonst sparst du durch den Verzicht auf die OTE nämlich nicht wirklich!

  • Hi Rainer,


    ich habe keine von beiden (sondern nur eine LXD55 und eine Giro), meine aber schon öfters gelesen zu haben, dass die EQ6 für lange Belichtungen nicht gut geeignet ist.

  • Hi Rainer,


    ich würde sagen, schieß dich auf einen guten 8er oder 10er Dobson ein, den Du später auf ne stabile Montierung schrauben kannst. Wichtig ist, dass das Rohr von Anfang an für Fotografie geeignet ist. Bei manchen Dobson-Newtons kommt man ohne Umbauten mit der Kamera nicht in den Fokus, da die Rohre als Dobsons ja nicht unbedingt dafür konzipiert sind. die frage, ob und zu welchem Preis der Händler den entsprechenden Umbau anbietet und dabei die Qualität garantiert, kann eines der Kriterien sein, die bei der Händlerwahl hilfreich sind. Auch wenn Du von Anfang an planst, parallaktisch zu montieren, ist die Rockerbox kein rausgeworfenes Geld. Bei wenig Zeit und/oder plötzlicher Lust ist sie erste Wahl!
    Noch was - den "Sprung" von 10 auf 12 machst Du bei ausbrechendem Öffnungsfieber später wahrscheinlich nicht. Da sitzt ein kleines Teufelchen im Hirn und zählt 14", 16", .....!? Also seh den 8er oder 10er eher als fotografische "Endlösug" an. Das ist, richtig gemacht schon annähernd genial. Leg also z.B. die Montierung stabil genug aus. EQ 6 + 10er Newton ist da wohl nix. Ich würde wirklich erst nen Dobson kaufen und mich danach mit ner anderen Montierung befassen, auch wenn das eine oder andere Komplettangebot auf den ersten Blick günstiger aussieht.


    M.f.G., Günther


    PS.: Heute Nacht - sternenklarer Himmer, Orionnebel ansatzweise mit blossem Auge und ich hatte Nachtschicht - ich krieg noch die Kriese!!!!

  • Hallo beisammen,


    Ich wollte mal über den Stand der Dinge unterrichten... Auch für mich selbst etwas überraschend, habe ich eine Entscheidung getroffen: ich *habe* jetzt einen GSO 12" Dobson, den mit dem niedrigen Reflexionsgrad...


    Wenn man diesen Thread liest, hört sich das etwas merkwürdig an. Seit dem letzten Posting sind aber ein paar wesentliche Sachen passiert.


    Zunächst einmal habe ich gelernt, dass meine anfängliche Fixierung nur auf das Lichtsammelvermögen zu kurz greift. Viel Licht ist gut - ein hohes Auflösungsvermögen ist aber besser. Und das wird nun einmal alleine von der Öffnung bestimmt, und damit hat das größere Gerät doch Vorteile.


    Entscheidend war aber sicherlich auch, dass ich Gelegenheit hatte, einmal durch einen 10" GSO Dobson und durch ein 8" und 5" (oder waren es 4) Meade Schmid-Cassegrain zu schauen - und sogar durch einen 4" Apo (wow...). Dabei wurde mir klar, dass ich mit dem Dobson wohl gut zurechtkomme, und auch die Transportabilität kein wirkliches Problem darstellt. Was ich gesehen habe, war auch begeisternd ... Dabei ist mir aber auch wieder klar geworden, dass mein Interessen-Schwerpunkt auf dem visuellen Beobachten liegt.


    Nach dem Beobachtungsabend habe ich dann wieder mal mehr in Richtung kleineres Dobson überlegt (die Variante war hier ja schon beschrieben). Und dann kam mir ein wenig der Zufall entgegen. Ich habe bei TS den 12" GSO in der Schnäppchenliste für 890 € gefunden. Dann habe ich nochmal überlegt... 400€ für den 8" ... Mmmhhh... Dann ist der Mehrpreis für den 12" gar nicht mehr so heftig - vor allem wenn man bedenkt, dass der 12" wohl gaaaaanz lange reichen sollte. OK, fotografieren oder montieren geht nicht (20kg Tubusgewicht), aber wenn der Schwerpunkteh visuell ist...?


    Nun ja, ich habe mich dann kurz entschlossen, dieser Argumentation zu folgen. Mitte dieser Woche ist er dann gekommen, der Dobson. Das ist schon ein heftiges Teil, nochmal deutlich größer als der 10", den ich live gesehen hatte. Aber noch im Rahmen dessen, was ich erwartet hatte. Der für mich notwendige Transport in den Garten ist kein Problem. Wenn ich damit weiter fahren müsste, könnte es aber schon problematischer werden (muss ich aber erfreulicherweise nicht;)). Ich habe noch nicht wirklich testen können, weil erstmal wenig Zeit - und ausserdem musste ich ihn ja erstmal zusammenbauen und muss jetzt noch justieren (der Fangspiegel war für den Transport raus).


    Ich habe aber mal wenigstens ein paar Minuten mit dem unjustierten Gerät schauen können, und das war schon *riesig* toll. Morgen werde ich mich dann wohl an den Justagelaser trauen ... Und dann ist hoffentlich klarer Himmel (wobei Dank Mond Deep Sky sicherlich noch warten muss).


    Ich kann kaum erwarten, damit mal so richtig zu beobachten! Momentan bin ich aus verständlichen Gründen total begeistert und denke, es war die richtig Entscheidung. Warten wir mal die nächsten Wochen ab :)


    Grüße und CS,
    Rainer

  • Hallo Rainer!


    Nochmals Glückwunsch zu dem großen Eimer und viel Spass. Hoffentlich ist alles ok. So überrascht war ich persönlich von Deiner Entscheidung nicht und Gott sei Dank hattest Du Gelegenheit, unsere theoretischen Erwägungen durch den praktischen Test an mehreren Teleskopen zu ergänzen. Hoffe Du kommst Mal zu nem Beobachtungsbericht, aber erst Mal ist das Beobachten sicher wichtiger als das Berichten.
    Noch was zu dem geschlossenen Bericht. Die Flächenhelligkeit erhöht sich wirklich nicht. Das Auge reagiert aber empfindlicher auf die größere, gleich helle Fläche. Das verstärkt sich, je mehr das Geischtsfeld (Augenpupille) ausgefüllt wird. Der Vergleich hinkt zwar etwas aber: Halt den Finger in kochendes Wasser und Du sagst Autsch! Fall rein und Du sagst nix mehr!


    M.f.G., Günther

  • Hallo Rainer,


    na - dann hast Du Dich ja recht schnell entschieden ;)


    Ich wünsche Dir ganz viel Spaß und super Beobachtungen mit dem großen Teil !!!


    CS - vor allem erstmal an den nächsten 3 Wochenenden bis zum nächsten Vollmond ;)
    René

  • Hallo beisammen,


    ich habe jetzt auch via private messages noch ein paar Anfragen zu meiner Entscheidung bekommen. Daher denke ich, ich poste einfach nochmal was. Leider recht kompakt, da mir im Moment ein wenig die Zeit fehlt...


    Es gab natürlich mehrere Faktoren bei der Anschaffung des 12" Dobsons (gestern erste richtige Beobachtungsmöglichkeit, wenn auch nur ca. 90 Minuten - einfach toll!!!!).


    Ich werde zu dem ganzen Thema schnellstmöglich mal einen längeren Aufsatz/Bericht schreiben. Kurz zusammengefasst:


    Es war schon recht hell (Vollmond im "Anmarsch") und ausserdem diesig. Da ich auch noch Anfänger bin, habe ich mich erstmal auf bekannte (helle) Objekte konzentriert, also nicht unbedingt DeepSky, wofür der 12" f5 GSO ja eigentlich ist. Meine bisherige Beobachtungserfahrung sind lediglich ca. 10 Wochen mit 70mm Refraktor. Zusammefassung:


    - Venus - toll zu sehen, auch mit kleiner Vergrößerung eindeutig Phasengestallt erkennbar. Leichter Blausaum im Okular, wahrscheinlich Farbfehler des einfachen Plössel-Okulars (ausserdem ist der GSO sicherlich noch nicht 100% richtig justiert).


    - Orion Nebel - sehr schön und auf Anhieb erkennbar. Allerdings etwas weniger Kontrastreich als ich vermutet hatte. Vielleicht aber auch der relativ helle Himmel (viel Reflexion des Bodenlichts durch hohe "diesige" Schichten).


    - Jupiter - wow, noch nie so gesehen ;) Sehr scharf. Schattenwurf eines Jupitermondes super erkennbar. Annäherung eines anderen Jupitermondes klar sichtbar, bis zum Eintritt. Nachführung bei 230fach Vergrößeruung absolut problemlos (hatte nur ein 6,5mm Plössel zur Hand, nicht kurzbrennweitigeres und auch keine Barlow)


    - Saturn - auch toll. Leichte Wolkenstrukturen erkennbar


    (es wird immer heller, der Mond steigt auf)


    - Plejaden - wow, ist da viel. Und während ich die beobachte, sehe ich auch eine Satelliten. Ich weiss nicht welcher, aber es muss einer gewesen sein - "sauschnell" und blinkt nicht ;) Satellit ein wenig verfolgt, geht sehr gut.


    - Andromeda-Galaxie ... nope, zu spät - es ist einfach zu hell und diesig geworden, selbst Cassipeia sieht man kaum noch.


    Während der Beobachtung habe ich noch den Sucher immer genauer justiert und das eine oder andere probiert (auch zum Thema Auffinden). Die Dobson-Monitierung ist recht leichtgängig, manchmal will sie aber etwas "ruckeln". Übung macht den Meister...


    So, nun zu den Kriterien, die mir auf Anhieb bzgl der Entscheidung für den GSO einfallen (und daher wohl die wichtigsten waren):


    - Astrofotografie sekundär
    Ich habe nochmal überlegt, und mir gesagt "Foto ist schön, muss aber nicht
    unbedingt sein". Ich kann mir auch Bilder von anderen anschauen. Bildbearbeitung
    am Computer ist eh nicht unbedingt mein Ding, zumal ich eh den lieben langen Tag
    "vor der Kiste" sitze. Und ein Großteil des geplanten Aufwandes (im Endeffekt bis
    zu ~ 4.000 € (!!!) war eigentlich nur wegen des fotografischen nötig.
    Also: Schwerpunkt auf Visuell ist OK


    - Live-Erfahrung am 10" Dobson
    Danach war mir klar, das das mit dem Nachführen funktioniert - ok, motorisch
    nachgeführt ist natürlich ruhiger und erlaubt mehr Konzentration (und damit
    mehr Sehen), aber das ist dann wieder die Sache mit der Preisdifferenz...


    Diese Überlegung hat sich auch gestern Abend bestätigt. Dazu kam, dass ich
    viel schneller Objekte einstellen/finden konnte als mit der parallaktischen
    Monti meines Refraktors. Dobson ist also echt toll, gerade wenn Du *wenig*
    Zeit hast (ich habe oft Abends mal so ein Stündchen...)


    - Erkenntnis: "Lichtsammelvermögen ist nicht alles" - ich war ja zuerst
    ziemlich auf das Lichtsammelvermögen fixiert. Ich habe mich aber belehren
    lassen und auch nochmal nachgedacht. Auflösungsvermögen ist auch sehr wichtig,
    vielleicht sogar gleich wichtig. Daher jetzt den 12" GSO - der hat
    ungefähr das gleiche Lichtsammelvermögen, aber eine viel bessere Auflösung
    als der 10" Orion.


    Letztlicher Impuls für den Kauf war dann sicherlich noch die Schnäppchenliste von Teleskop-Service: da stehen momentan *sehr* günstige GSO Dobson's drin. Man ist geneigt zu vermuten, dass das auch was mit dem (für Importeure) günstigen Kurs des US-Dollar zu tun hat ;). Ob Dollar oder echtes Schnäppchen ist ja auch egal - auf jeden Fall war das preislich so interessant, dass ich dann zugeschlagen habe.


    Es gibt auch noch andere Gründe, aber das sind wohl die wichtigsten.


    EINES IST ALLERDINGS GANZ WICHTIG: ich muss den Dobson lediglich in den Garten bringen und kann dann beobachten. Das Teil ist dafür problemlos transportabel. Kritisch wird es m. E., wenn Du weiter weg fahren musst. Der Tubus ist schon gewaltig. Der GSO 10", den ich gesehen hatte, passt auch noch auf die Rückbank eines Kleinwagen (ziemlich genau sogar). Bei dem 12" hast Du da keine Chance. Kombi ist vielleicht nicht absolute Voraussetzung, aber zumindest hilfreich. Das sollte man sich also gut überlegen, wenn man damit oft fahren muss!


    Was den visuellen Vergleich zwischen dem 10" und dem 12" angeht ... da traue ich mich nicht ran. Zum einen liegt das zeitlich schon ne ganze Weile auseinander, zum Anderen sind auch die Umgebungsbedingungen nicht vergleichbar. Bei dem 10" hatte ich sehr dunklen Himmel, gestern sehr hellen. Mit 10" sieht man auf jeden Fall auch schon sehr, sehr viel...


    Ach ja: meinen Dobson habe ich "GRANOT-LEIMER" (GerAde NOch Transportabler Licht EIMER;)) getauft ;)


    Vielleicht helfen die Erfahrungen ja dem einen oder anderen. Bei Fragen einfach posten oder private Message senden...


    Grüße und CS,
    Rainer

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