Finale Feinst-Kollimation am Stern?

  • Was haltet ihr von dieser Aussage?


    >Wer wirklich das Maximum aus seinem Newton rausholen möchte, gutes Seeing und einen gut ausgekühlten HS vorausgesetzt, kommt um die Justage am Stern nicht herum. Auch wenn man mit anderen Justierhilfen gute Ergebnisse erzielt, kann man nur mit der Justage am Stern die letzten Prozentpunkte für den Hochvergrößerungsbereich herausholen.<

  • Hallo dietmar,


    ich handele danach.
    Eigentlich ist meine ganze Justierung seeingabhängig, denn ich justiere mit Loch-/Kreisscheibe grob und kontrolliere am Stern. (Diese Kontrolle schadet auch Lasernutzern nicht.)
    Folglich kann ich nur so gut justieren wie es das Seeeing zulässt und letztlich braucht man die perfekte Justierung auch nur, wenn das Seeing sie eben zulässt.


    Gruß und CS
    Günther

  • Hallo Dietmar


    Ich mach das auch, und man könnte noch folgende Faustregel ergänzen:


    >Für Feinkollimation am Stern sollte die Mindestvergrössserung etwa den Spiegeldurchmesser in mm betragen, am besten sieht man's aber um etwa zweimal den Spiegeldurchmesser in mm.<


    Grüsse
    Jan

  • Hallo,


    in einem anderen Thread zur Justage des Justierlasers wurde es gut erklärt: Eine noch so genaue Justierung auf die letzten Prozente bringt nichts, wenn andere Komponenten zu ungenau sind. Man justiert am Stern mit einem bestimmten Okular, fotografiert oder beobachtet dann aber in einer anderen Fokuslage, mit einem shiftenden Okularauszug. Dann ist das letzte Quäntchen wieder weg.
    Ergo: Je höherwertiger das Teleskop, desto mehr wird eine aufwändige Justage belohnt.


    Die Aussage oben ist also prinzipiell richtig, aber in der Praxis meiner Ansicht nach nicht so relevant. Der Höchstvergrößerungsbereich wird ohnehin nur an einigen Tagen im Jahr erreicht werden.
    Außerdem sollte "letzte Prozentpunkte" etwas genauer definiert werden.


    Aber das sind nur meine 5 Cents.


    Gruß


    Martin


    Edit: Wenn es gelingt, im Höchstvergrößerungsbereich zu kollimieren, weil das Seeing mitspielt, mach es natürlich Sinn, dann zu auch in diesem Bereich zu Beobachten. Sonst nicht.

  • Hallo,


    hat eigentlich schon mal jemand von euch das Programm MetaGuide zur Kollimation verwendet? Es rechnet wohl aus dem laufenden Videobild eines Sterns eine "seeingreduzierte" Version, worin man die Beugungsringe wieder besser sehen kann - auch bei schlechterem Seeing.
    Ich habe es heruntergeladen, konnte es aber bislang noch nicht draußen testen.


    Gruß
    Christian

  • Mir geht es bei bei der Anfrage darum, ob eine Kollimation mit Präzisions-Filmdose (zB durchbohrter Alu-Abschlußstopfen)
    oder am künstlichen Stern (seeing-beruhigt, zB. Nebelwetter oder Abenddämmerung) nicht auch 100% exakt ist .


    Ich meine ja und kann das aus meiner Praxis bestätigen.


    Wenn ich Augenblicke guten seeings habe, jedoch vorher dafür nicht kollimieren konnte - Frust.

  • Hallo Dietmar,

    Quote
    <i>Original erstellt von: Dietmar</i>
    <br />Mal ehrlich, kniet ihr euch wirklich des nachts hernieder um an den Justierknöpfen zu rühren,
    wenn bei 400x an Polaris das Beugungsbild krumm ist?


    ja! Sonst entgeht einem z. B. der Genuss der Planetenbeobachtung bei gutem Seeing.


    Gruß Kurt

  • Hallo Dietmar, liebe Mitleser,


    Quote
    <i>Original erstellt von: Dietmar</i>
    <br />Schlußfolgerung - eine perfekte Justierung ohne wahren Stern scheint nicht möglich.


    dazu kann ich einen Erfahrungsbericht aus jüngerer Zeit mit meinen beiden Newtons 218 mm f/6,7 und 257mm f/6,4 beisteuern. Bei direktem Vergleich an Saturn und Mars brachte das kleinere Teleskop eindeutig kontrastreichere Bilder. Das war auch meinem Mitbeobachter aufgefallen. Wie ich später feststellen konnte ändert sich Kollimation des größeren Teleskpos bei Schwenk von Mars auf Saturn merklich, d. h. die Kollimation ist nicht genügend lagestabil. Das hab ich jeweils an den Planeten nahestehenden Sternen bemerkt. Ursache ist wahrscheinlich die falsche Dimensionierung eines Bauteils in meiner Gittrerohrkonstruktion.


    Gruß Kurt

  • Hallo Leute,


    ich finde die (Fein)Justage am Stern, irgendwann nach Temperaturanpassung des Geräts, gar nicht lästig. Okay, es ist nur ein 8" F/6 Volltubus und ich habe lange Arme.
    Irgendwann im Laufe eines Beobachtungsabends kontrolliere ich das immer einmal.
    Wenn das Seeing bei unter 200fach dicht macht, habe ich so gut wie nie Handlungsbedarf, aber wenn ich doch sehen, dass 300fach drin sind, dann lasse ich mir die Möglichkeit auf beste Aussichten doch einfach nicht entgehen.
    Es macht doch dann richtig Spass, kurz den Lüfter abzuziehen und innerhalb von wenigen Minuten mit den handfest angezogenen Rändelschrauben den Newton aufs Optimum zu bringen.


    Gruß und CS
    Günther


    PS: Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass der Newton nur so gut justiert sein muss, wie es das Seeing zulässt.
    Eure Meinung?

  • Hallo Günther,

    Quote
    PS: Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass der Newton nur so gut justiert sein muss, wie es das Seeing zulässt.
    Eure Meinung?


    man kann es auch so formulieren: Ein Newton ist für Planetenbeobachtung nur so gut wie das seeing es zulässt.


    Bei DS mit mittelgroßer bis großer AP zählt in erster Linie das Produkt aus Öffnungsfläche x Transparenz x Streulichtanteil.


    Gruß Kurt

  • Hallo Leute,
    also ich komme mit meinem 12" Gitterrohr-Dobson meist erst im Dunkeln am Beobachtungsplatz an, und nach dem Aufbau kollimiere ich immer nur am Stern, normalerweise bei 307x an Polaris. Oft werden erst mal ein paar große Objekte bei niedriger Vergrößerung beobachtet und/oder das restliche Geraffel ausgepackt+aufgebaut, damit der Spiegel vor dem Kollimieren etwas auskühlen kann.


    Die Kollimierung am Stern ist immer die optimale Einstellung.
    Anderen Methoden können höchstens gleich gut sein, nie besser.


    Gruß,
    Martin

  • Hallo Kollgen,
    ich hab den OO (Uk) 350f4.5 Leichtbau-Newton mit 18,5kg Gewicht. Hat dünnen gefalzten Alutubus.


    Für Planetenbeobachtung muß der Newton möglichst an einem Stern in Nähe des zu beobachtenden Objekts nachjustiert werden.


    In gutem 12mm Edmund Kellner Okular sehe ich optimal scharfgstellt einen optimal scharfen Bereich, der bei leicht außermittiger Justierung eventuell nicht in der Mitte des Okulars liegt, und ringsum bereits minimal verzogene Sternbeugungsbilder. Bei Saturn bekomme ich dann schnell mal Probleme mit Cassini, wenn Kalebrierung nicht 100% stimmt.


    Wenn alles paßt, funktioniert der 350f4.5 erstaunlich gut, auch mit 560x (9mm Supermono und 3x Televue Barlow oder gutmütiger 6mm Clave Texerau Plössl und 2x Clave Plössl). Zeichnet Cassini immer noch umlaufend. Schlägt dann meinen stabilen, optisch perfekteren 208f6.5 Newton locker. Der kleine muß dafür nur selten justiert werden, auch nicht nach Transport.


    Wenn, wie in den Februartagen, Mars im Westen, und Saturn im Osten steht, ist das ägerlich - man muß unbedingt nachjustieren nach Umschlagen oder einer der beiden Planeten ist nicht perfekt, wenn mittig gestellt.


    Grüsse,
    Robert

  • hallo,


    Quote
    Wenn, wie in den Februartagen, Mars im Westen, und Saturn im Osten steht, ist das ägerlich - man muß unbedingt nachjustieren nach Umschlagen oder einer der beiden Planeten ist nicht perfekt, wenn mittig gestellt.


    dann heisst dass, wenn ich wie mir neulich passiert, der saturn in meinem 10" f/5 am rand des gesichtsfeldes am schärfsten ist, ich falsch, nicht optimal kollminiert habe?

  • Hallo Pippo,
    genau das heißt das. Scharfe Newtons sind da sehr empfindlich. Das optisch perfekte Gesichtsfeld eines f5 Newton ist ja nur wenige mm groß, da liegt man schnell am Rand, wenn Justierung nicht optimal ist oder irgendwas flext. Größe Gesichtsfeld sieht man schön in der televue internet Seite bei Paracorr "performance graphs", Vergleich diverse f von Newtons mit und ohne Paracorr.

    Wenn du eine stabile Montierung, eine gute Nachführung und sensible Spiegeljustierung hast, kannst du den Saturn einfach in der optimal scharfen Stellung mit den Hauptspiegeljustierschrauben in die Mitte des Okulares fahren. Bild sollte dann nochmal besser werden, da ja auch die meisten Okulare nur in der Mitte perfekt abbilden. Da ist meist nur ein Bruchteil einer Umdrehung an der Justierschraube Hauptspiegel zu drehen.


    Ich mach das auch in hellen Sternfeldern. Mit f4.5 bei mir sieht man das Koma an den Sternen auch schon bei niedrigeren Vergrösserungen. Die komafreie Zone des Sternfeldes einfach in die Mitte des Gesichtsfeldes des Okulares justieren und Bild ist einiges besser.


    Klappt sicher optisch sofort überzeugend und man kann nicht viel falsch machen, da nur wenig verändert wird. Ist Objekt aus dem Bild, hat man zuviel gedreht.


    Wenn man ein nicht formhaltiges Gerät hat, oder der Haupt- oder Fangspiegel sich je nach Lage zuviel in Fassung bewegt, ist man halt leider ständig mit Nachjustieren beschäftigt oder man macht faule Kompromisse. Das ist einer der Nachteile von schnellen Newtons.


    Sauber eingestellt machen sie auch für Planeten eine gute Figur.


    Grüsse
    Robert

  • Hallo Robert, liebe Mitleser,


    Quote
    ...Wenn man ein nicht formhaltiges Gerät hat, oder der Haupt- oder Fangspiegel sich je nach Lage zuviel in Fassung bewegt, ist man halt leider ständig mit Nachjustieren beschäftigt oder man macht faule Kompromisse. Das ist einer der Nachteile von schnellen Newtons.


    nach meiner Einschätzung sind die wenigsten Newtons in diesen Sinne formhaltig. Nach "Aberrator" reicht bei einem f/4,5 Newton bereits 1 mm Fehlkollimation um es auf Strehl 0,8 herabzuziehen. Nur merkt man das nicht so schnell, so lange kein nachweislich bocksteifes Teleskop gleicher Art daneben steht.


    Nach dem Reinfall mit meinem 10" f/6,4 Gitterohrtubus bin ich gerade dabei eine einfache Messmethode für die Verformung bei Lageänderung und/oder Laständerung zu erproben. Vorläufiges Ergebnis: Auch der Gitterrohrtubus meines 12" f/4,8 (6 Rohre 16 x 1 (Alu) verformt sich im obigen Sinne gut messbar, wenn man nur Okulare mit deutlich unterschiedlichen Gewichten wechselt. So benutze ich für höhere Verg. gerne die Kombination Televue- Powermate + Plössl oder ein 7 mm Pentax XL. Der Gewichtsunterschied beträgt hier ca. 200 g.


    Gruß Kurt

  • Hallo Kollegen,
    hab auch schon Versteifungsrunde am 00 350f4.5 hinter mir. Mit den orginalen OO-Rohrschellen war das Ding Katastrophe und nur deep sky tauglich mit niedrigen Vergrößerungen, obwohl Optik laut Zygo Strehl 0,98. Bin jetzt schon deutlich besser mit massiven Schellen aus Holz und mit Klebeband egalisiertem Falz. In den Schellen dreh ich das Gerät auch nicht mehr, sonst ist Kalebrierung weg. Nächster Schritt wird den Bereich um Okularauszug versteifen und hinter Spiegelzelle einen Holzring zur Versteifung einsetzen.


    Momentan lebe ich halt (nicht schlecht) mit ständigen Nachjustieren. Es ist mir aber schon bei meinen letzten web Aufnahmen aufgefallen, daß die web Bilder nach nicht perfekter Kollimation aussehen, obwohl im Okular alles ziemlich perfekt war. Könnte aus der Hebelwirkung der Barlow mit Verlängerungshülsen kommen. Muß wohl mit Barlow + Verlängerungshülsen kollimieren, bevor ich web einsetze. Aber vielleicht ist der Chip auch nicht ganz mittig zum Okular.


    Es gibt auch bei mir zu tun - nur Beobachten ist halt leider nicht bei grösseren transportablen Optiken..
    Spiele mit der Idee, einen Kohlefasertubus nachzurüsten mit deutlich mehr Wandstärke, Martini und OO wollen sowas demnächst liefern können. Ursprünglich hatte ich auch eine offen Dreiecks-Rohrkostruktion überlegt. Das wird aber auch nicht ganz leicht, wenn es stabil werden soll und ist nicht wenig Aufwand. Zudem muß Gerät bei mir wegen Transport und Lagerung in Garage dicht verschließbar sein, d.h. eine dünne Hülle muß ja doch wieder drum.


    Grüsse,
    Robert

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!