ITV Preisverleihung 2007

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  • Im Nachbarthema wurde darüber diskutiert, ob die Astronomieszene am boomen ist. Schreitete man zu Himmelfahrt über den Campingplatz am Gederner See, bekam man eindrucksvoll präsentiert, wie sehr die Teleskopbau- und Spiegelschleifer Szene boomt. Überall wird selbst geschliffen und poliert, selbst gesägt, geschweißt, genietet, geschraubt, gedreht, gelötet..., ich hatte schon fast den Überblick verloren bei all dem, was sich alles auf dem neuen Platz drängte.


    Zum Glück hatte Wolf Peter Hartmann mehr Überblick behalten und nahm die Vorauswahl zusammen mit den vorjährigen Preisträgern vor.


    Bei der Vorstellung wußte Wolf, wieder die Massen zu begeistern:



    <font size="1"><i>Bild von Winfried Berberich</i></font id="size1">


    Weitere Eindrücke vom Geschehen Bild1 und Bild2 (Bilder von Torsten Lohf).


    Die Reihenfolge ist zufällig, alle Preise sind gleichwertig.


    <b>Werner Reimann 69 cm f/4,2 Dobson</b>:



    <font size="1"><i>Bild von Winfried Berberich</i></font id="size1">


    Eigentlich wollten wir ja nicht mehr die schiere Größe prämieren, aber um Werners 27-zölliges Spiegelschleif- Meisterwerk kommt keiner vorbei. Der Spiegel hat nur 30 mm Randdicke und knapp 20 mm in der Mitte, und wiegt damit nur etwas über 20 kg! Auch diese Riesenpizza hat er weitestgehend "Mirror on Top" auf Vollgröße Pechhaut parabolisiert, so wie er es immer macht. Eigentlich ist er der einzige, den ich kenne, der diese Technik auch bei den "Großen Dünnen Jungs" anwendet. Das Ergebnis: Bolzengerade Ronchistriche mit einem homöopathisch geringen Randabfall, am Sterntest die richtige Korrektur, keine Zonen, und kein Astigmatismus. Letzteres liegt sicher auch an der sich inzwischen als überlegen erwiesenen radialen Rollenlagerung.
    Bilder von Stefan Schick: Spiegelzelle von hinten - 130 mm Newton Finder der seinen Namen verdient. Auf die Giro Montierung, die Werner als Preis bekam, passt ja vielleicht der nächstgrößere Dob drauf, he, he.


    <b>Fabian Kurt 18" f/4,2 Ultraleicht Dobson:</b>



    Noch vor ein paar Jahren für völlig unmöglich gehalten: 18 Zoll Deepsky Power bei 20 kg Gesamtgewicht und das ohne Verwendung von Sondermaterialien oder spezielle Fertigungstechniken, sondern einfach durch einen 25 mm dünnen Borofloat Spiegel und konsequenter Umsetzung moderner ATM Leichtbau Konstruktionen. Einring mit nach oben abgewinkelten Spinnenarmen; 6 Stangen Konzept mit großen querverstrebten Höhenrädern und offener Wiege. Die Spiegelklappe (Bild von Rolf Stadelmaier) öffnet sich wie ein Nähkästchen und dient in geöffnetem Zustand als Streulicht- und Tauschutz. Die Hammerschlagalu / Teflon Gleitpaarung verliehen dem Federgewicht eine ausgezeichnete Nachführung (von der 95% der kommerziellen Dobsons nur träumen können).
    Weitere Bilder (der o.g. Autoren):
    - Gesamtansicht
    - Einring + Spinne
    - Spiegelzelle von hinten


    <b>Markus Emmerich Einarm Newton auf Hydrauliksäule:</b>



    Warum müssen es immer 8, 6, 4, 3 oder 2 Stangen sein? Warum muss sich ein Okularauszug immer senkrecht zu optischen Achse bewegen? Offensichtlich konnte Schreiner Markus das nicht für gegeben hinnehmen und wählte für seinen 8 Zöller eine einzelne Stange aus Buche Treppen Handlauf und verbaute den Feather Touch Okularauszug entlang des Einarms. Wozu ein kompletter Hut, wenn es auch ein Fangspiegelhalter tut und zur Streulichtunterdrückung eine Irisblende ihren Dienst tut? Die Gängigkeit der Achsen ist durch verstellbaren Anpressduck der Teflonlager Rutschkupplung einstellbar. Zur Krönung ist die Säule hydraulisch höhenverstellbar!


    Vorstellung im Astrotreff


    <b>Peter Klieber 8" 3 Arm Reisedobson:</b>



    Peter bewies, wie gut man das, was zuhause rumliegt, für schöne funktionstüchtige Teleskope verwenden kann. Für die ineinanderschiebbaren 3 Stangen schlachtete er ein Dreibeinstativ aus. Sie laufen oben an einem Knotenpunkt zusammen, wodurch geschlossene Kraftecke entstehen, das bringt hohe Steifigkeit! Der Helical Crayfort Okularauszug besteht aus einem Stück Abflussrohr. Der Spiegel ist luftig gelagert für schnellen Temperaturausgleich. Erfrischend rudimentär gebaut bei hoher Funktionalität. Kollabiert passt alles in den orangen Peli-koffer!


    <b>Rainer Fürst Packpapier Wickeltubus</b>



    Woraus sollte ein Tubus bestehen und woher bekommt man ihn in genau den Abmaßen, die man braucht? Rainer wickelte Packpapier um die Sperrholz Ringblenden seines selbstgeschliffenen 6 Zöllers und verleimte es mit wasserfestem Tapetenleim. So enstand ein leichter, stabiler, streulichtschluckender und witterungsbeständiger Tubus. Vorn hält eine gebogene Spinne den Fangspiegel, hinten ein Lüfter. Noch ein Klou: Statt der üblichen 3 Justierschrauben in 120°, bei der man ständig "um den heißen Brei" herumzuschrauben muss, erfolgt die Hauptspiegeljustierung mittels nur 2 Justierschrauben, die in 90° zueinander orientiert sind. Das dritte Auflager ist ein Kugelgelenk. So kann die Justierung intuitiv erfolgen.


    Die Preise wurden gestiftet von (alphabetische Reihenfolge):
    Marin Birkmaier, ICS
    Giovanni Donelasci, Giro
    Markus Ludes, APM
    OSDV Göttker/Pietsch
    Wolfgang Ransburg, TS
    Uwe Reichert, SuW


    Die Preisträger sind aufgerufen, nächstes Jahr die Jury mitzubilden, nach alter ITV- Tradition.


    Es gab natürlich noch viel mehr zu bestaunen, bei dem unübersichtlichen Teleskopwald bleibt die Auswahl immer auch etwas zufällig. Um es beim nächsten Mal systematischer zu handhaben, kam der Vorschlag, dass jeder der meint, etwas prämierungswürdiges mitgebracht zu haben, dies auf einem Zettel zu schreiben. Die Zettel werden zentral gesammelt, um die Leute mit ihren Werken gezielter aufsuchen zu können.


    Tausend Dank an die Bildautoren für ihre Bilder.


    Nachtrag, damit man nicht lange suchen muss, hier weitere ITV 2007 Bildberichte:
    - Ein kleines ITV-Tagebuch von Caro
    - ITV 2007 Bildbericht von Albert Engert
    - ITV Guter Job, Martin!! von Hannes Hasebergen
    - ITV 07 Bilderbogen von Giudo
    - Ein Tagesbesuch auf dem ITV von Tim (DonKey)
    - Mein Beitrag zur ITV-Bilderflut von Pit
    - ITV Bildbericht von Stefan Ueberschaer
    - Bilder von Martin Fiedler
    - Bildbericht von Stefan Schick

  • Hallo Stathis


    Schöner Bericht!


    Durch deinen Bericht und die vergebenen Preise werden hoffentlich noch mehr Sternfreunde zu einem Selbstbau ermutigt.


    Gruß
    Pit

  • Hallo Stathis,


    vielen Dank für deinen umfassenden Bericht! Bei den vielen Selbstbauten auf dem Platz entgeht einem schon mal das eine oder andere interessante Detail.


    Wenn man sich die Teleskope auf Teleskoptreffen anschaut, bekommt man den Eindruck, dass mehr Leute selber bauen, als kaufen. Es werden aber doch sicher mehr Teleskope verkauft, als gebaut - wo sind die alle. Ist das vielleicht eine Frage der Mentalität: wer was bauen will, ist darauf angewiesen, mit anderen Leuten fachzusimpeln und wer was gebaut hat will es auch anderen zeigen.

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