16" Kostenplanung

  • Ich plane einen 16er, und möchte diesen Sommer mit dem schleifen beginnen. Es soll mein erster Selbstschliff werden.
    Ich weiss zwar das 16" für den Einstieg eigentlich zu gross ist, aber
    ich besitze bereits einen 6er und einen 10er, sodass sich ein kleinerer Spiegel für mich nicht lohnen würde.
    Als erstes möchte ich aber die finanziele Seite des Projektes planen.
    Zwar kann man sich einiges errechnen, aber in der Praxis tretten
    immer unerwartete Kosten auf und ich möchte nicht das mein Projekt
    mittendrin scheitert.
    Meine Frage an die Spiegelschleifer, speziell 16"-Schleifer:
    Wieviel habt ihr für euer Projekt kalkuliert und wie hoch vielen
    die unerwateten Kosten aus?
    Für den Spiegel an sich und für den kompleten Dobson, samt Focaulttester und was da sonst so anfällt.


    Eine weitere Frage: Zu Zeit liefert Stathis keine 16er Rohlinge mehr, kennt jemand eine alternative Bezugsquelle die ähnlich günstige Rohlinge anbittet?


    Danke in voraus!


    Lukas

  • Hallo Lukas,
    wenn Du mit dem Spiegelschliff beginnst, sind die unkalkulierbaren Ausgaben sehr klein. Du benötigst einen Rohling, Schleifmaterial, und mind. 2 Tools in verschiedenen Größen.
    Sollte dein Projekt in der Spiegelschleif- oder -Polierphase mißlingen, kannst Du Rohling + Tools eigentlich immer zum Einkaufspreis wieder verkaufen, außer Du hast schlimme Muschelbrüche produziert.


    Wenn Du keinen erfahrenen Spiegelschleifer in Reichweite hast (zumindest zur gelegentlichen Vor-Ort-Unterstützung), würde ich nicht mit 16" anfangen.
    Du könntest z.B. einen 4-5" f/4 Spiegel als erstes Projekt in Angriff nehmen. Dann wirst Du beim großen Teil wesentlich beherzter und sicherer ans Werk gehen. So ein Teil eignet sich perfekt als Zwischenstufe zwischen Peilsucher und Hauptoptik.


    Für einen 16" Erstlingswerk würde ich grundsätzlich eher keinen 25 mm Rohling nehmen. Sinnvoll sind ca. 35 mm Dicke. Da gibt es eine Reihe von Anbietern, z.B. Schröder Glas in Deutschland, oder Reginato in Italien. Borosilikatglas ist ausreichend und nicht exorbitant teuer.
    So günstig wie 25mm Borofloat von Schott sind diese Rohlinge aber nicht.


    Pi mal Daumen dürften Amateurteleskope von 12-18" im Materialpreis ca. 800 bis 2000 Euro kosten; wenn Du teure Komponenten wie einen hochpreisigen Okularauszug verwendest, auch darüber.


    Wie gesagt, für die Spiegelherstellung ist erst mal nur ein Bruchteil dieser Ausgaben fällig.


    Nachdem es mittlerweile auch GSO-Spiegel bis 16" zu kaufen gibt, wie ich hörte für ca. 1100 Euro, wäre auch das eine mögliche Alternative, um das Risiko kleiner zu halten.


    Gruß,
    Martin

  • Hallo


    die Kosten kannst Du einigermassen vorab klären, sie hängen aber stark davon ab, wieviel Du selber bauen magst:


    Spiegel:
    Rohling
    Tool
    Schleifmaterial
    Foucault Tester (bietet MartinB für Euro 40 an. Ist ein fairer Preis)
    Verspiegelung + Handling Fee (Befort) + Versand


    Hut:
    Material
    Spiegelspinne
    Fangspiegel
    OAZ


    Spiegelkiste:
    Kiste
    Spiegelzelle
    Spiegellagerung
    Höhenräder
    Rockerbox


    Die Stangen und das Befestigungszeugs nicht vergessen


    Die Mechanikkosten kannst Du bei Dieter Martini nachschauen, die anderen Teile auch. TS ist auch eine Quelle.


    Ich kenne kaum einen Teleskop Bauer, der die Kosten vorher ausrechnet. Das hat gute Gründe. Sieh das Vergnügen und dass Du pro genussvoller Arbeitsstunde gar nicht so viel ausgeben mußt.



    Viele Grüße


    Jürgen

  • Hallo Lukas!


    Ich habe zwar selber noch garkeinen Spiegel geschliffen, würde aber auch empfehlen, erst ein kleineres (4" oder so) "Übungsstück" zu machen.
    Diesen 4"er möglichst "schnell" (nicht zeitlich "schnell" sondern optisch; also f/4 oder so) und möglichst gut zu zu schleifen, das macht Dich fit für den 16er und bringt für den grossen Dob gleich einen genial leistungsfähigen Sucher und/oder einen handlichen Reisedobson![8D]


    Ich schätze mal, dass Du durch das 4" Übungsstück soviel Erfahrung sammeln kannst, dass Du im Endeffekt (weil der 16"er dannach viel einfacher von der Hand geht) sogar Zeit einsparen wirst.


    P.s. Ich schätze (grob über'n Daumen gepeilt), dass bei 16" sich die Gesamtkosten irgendwo im Bereich zwischen knapp tausend und gut zweitausend Euros belaufen werden und sich etwa so aufteilen:


    - Rohling: 15-20%
    - Fangspiegel 15-20% (gute FS'ens sind nicht billig...)
    - Schleifmaterial und -Hilfsmittel (Focault-tester ect) 10-15%
    - Verspiegeln 10-15%
    - OAZ: 5-15% (je nach dem, ob Eigenbau oder FestherTouch, oder etwas dazwischen)
    - Komplettes Baumaterial (Holz, Lack, Stangen, Gleitbeläge, Schrauben ect.): die restlichen %



    So oder so: viel Erfolg bei Planung, Schliff und Bau - und viel Zufriedenheit bei der Beobachtung damit!

  • Hallo Lukas,
    16" ist schon gewaltig als Einstieg! Du wirst bestimmt, wenn du zuerst z.B. einen 5"er machst, danach den grossen, insgesamt weniger Zeit aufwenden, als wenn du direkt an den 16"er gehst. Gerade die Politur und die damit verbundene Zonenmessung zielt auf sehr enge Toleranzen, es sei denn, du willst den Spiegel f8 schleifen;-)
    Mit dem 5"er wirst du mit der Materie vertraut, nimmst die Hindernisse und lernst, wo die Schwierigkeiten sind.
    Am Teleskoptreffen auf dem Ahorn bei Eriswil vom vergangnen Wochenende war ein 14" f3,7, ein extremer Spiegel, der aber auch am Planeten Freude macht.
    Freundliche Grüsse
    Heinz

  • Hallo Lukas!
    Silvios Idee mit dem lichtstarken 4" Supersucher ist richtig und toll! Da sieht man, ob man Motivation und Ausdauer aufbringt, Rückschläge und Sackgassen zu überwinden. Dieses Ringen um die 1000stel mm ist schon eine ganz spezielle Angelegenheit.
    Alternative: Spiegelset (HS,FS,OA) von TS für 1250,- und alles andere selbstmachen.


    Zur Kalkulation:
    Wenn man zu Hause eine Laubsäge, einen Hammer und ein paar Nägel hat, dann wird es sicher eine teure Angelegenheit.
    Hat man jedoch eine einigermassen gut eingerichtete kleine Werkstatt und will das meiste selbst machen (Ausnahme vielleicht FS und OA), dann kann man mit 800,- schon auskommen.
    Wenn man sich da im Internet umsieht - die tollsten "Designerdobsons" - irre schön zum Ansehen, wie dann erst beim Durchsehen! - sieht man schon Modelle, wo nicht jeder Euro umgedreht wurde (auch Carbon im Einsatz etc.).
    Dobsons Grundidee: große Öffnung und ein billiges Drumherum ist aber auch realisierbar. Da wird es wahrscheinlich nicht ganz so schön und ergonomisch, aber es ist mit wenig finanziellem Aufwand selbstgemacht! Der neue Meade 16" Dobson ist ja schon um 2500,- zu haben. Jetzt ist die Frage, wo man sich da persönlich einpendeln möchte. Die Spanne sehe ich auch so zwischen 800,- bis 2000,-.
    Jedenfalls viel Freude dabei,
    Richard

  • Hallo,


    16-Zoll aus 25mm Borofloat ist eine sportliche Aufgabe, als Erstlingswerk definitiv nicht zu empfehlen. Es gibt Leute die schaffen dies, das ist aber eine kleine Minderheit. Bei diesem Durchmesser/Dickenverhältnis muss man zusätzlich noch starkes Augenmerk auf Durchbiegungseffekte richten.


    Zur Preisspanne: ab 1000 Euro (Verspiegeln alleine schlägt schon mit ca. 300 Euro zu Buche), nach oben offen.


    Mein PHOENIX hatte in Summe diesen Betrag gekostet (14", der Rohling war etwas teurer da aus Pyrex mit ca. 35mm Randdicke), kanns Du dir gerne auf meiner Homepage ansehen


    Viele Grüße


    Achim

  • Danke an alle für die zahlreichen Beiträge.


    Ich habe bereits über die Alternative 16er Spiegel-Set bei Ts nachgedacht, aber samt Material für den Dobsonbau bin ich bei ca.
    1500 Euro angekommen. Ich habe aber ca. 1000 Euro für dieses
    Projekt geplant zu investieren, was nur mit einem Selbstschliff möglich währe.
    Desweiteren stellt sich auch die Frage nach der Quallität des Sets?
    Kann es sein das es sich bei dem Spiegelset um die in Meade Lb 16"
    verbaute Optik handelt?


    Mein Keller ist übrigens bestens mit Werkzeug für die Holzverarbeitung
    ausgestattet, ich würde auch soviel wie es geht selbstbauen vollen.
    Das war mein letztes Projekt:
    http://www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=55938


    Für mich ist der Selbsbau, auch eine Art das Hobby Astronomie, auch beim schlechten Wettter weiter betreiben zu können. Darum auch der Wunsch selbst zu schleifen.
    Ich werde aber die Empfehlungen annehmen und erstmal nen kleinen F4
    Spiegel zu Einarbeitung schleifen, beziehungsweise mich nur auf den
    Bau des Dobsons beschränken und die Optik kaufen, wobei der kleine 5er F4 Spiegel aufjedenfall geschliffen wird [;)]


    Gruss


    Lukas

  • Hallo Lukas,
    deine bisherigen Projekte[^][:p] lassen darauf schließen, daß Du auch einen 16" ohne weiteres fertig bekommen wirst, wenn's sein muß inkl. Hauptspiegel-Selbstschliff.


    Quote
    Ich habe aber ca. 1000 Euro für dieses Projekt geplant zu investieren, was nur mit einem Selbstschliff möglich wäre.
    Mit 1000 Euro für einen 16" auszukommen, ist schon nicht ganz einfach. Der Fangspiegel (ca. 75 mm) dürfte bereits mind. 200 Euro kosten, und das Verspiegeln des Hauptspiegels eher mind. 250. Dann brauchst Du einen OAZ; der Kineoptics HC-2 iegt bei 100 €. Fangspiegelspinne und Hauptspiegellagerung kannst Du wohl selbst bauen. Wenn Du einen günstigen Alu-Lieferanten hast, wirst Du die Rohre und Profile vielleicht für zusammen 50 €uro bekommen. Für Kleinteile noch mal 50 €, für Schleif/Poliermittel 50 €, bleiben für Holz, Hauptspiegel-Rohling und Tools und zusammen ca. 300 € übrig. Das langt nur, wenn Du einen 25 mm Borofloat-Rohling hernimmst! Leider gibt's von Schott derzeit nur "krumme Hunde" in dieser Dicke und Größe, die um 1-2 mm von der Planizität abweichen[:0], weshalb Stathis die größeren Rohlinge momentan nicht anbieten kann.
    Wenn der Hauptspiegel-Rohling also, sagen wir, 200 € + X kostet, wirst Du wohl um ca. X € über dem geplanten Budget landen.


    Quote
    Desweiteren stellt sich auch die Frage nach der Qualität des Sets? Kann es sein das es sich bei dem Spiegelset um die in Meade Lb 16" verbaute Optik handelt?
    Nach offiziel nicht bestätigten Verlautbarungen gewöhnlich gut unterrichteter Kreise handelt es sich bei den Spiegelsets um Produkte der Firma GSO aus Taiwan.
    Alle Spiegel dieser Firma, die mir bisher begegnet sind, hatten eine brauchbare bis sehr gute Qualität.
    Um zuverlässig etwas Besseres zu bekommen, mußt Du woanders ein Vielfaches ausgeben, oder einen Spiegel selbst machen und so lange dran 'rumschrubbeln, bis er nahezu perfekt ist.


    Aber bau' zum Anfixen erst mal deinen 5" Sucher - wenn das Spiegelschleifen dann zur Sucht geworden ist, wirst Du den 16" sowieso selbst schleifen[:D].


    Gruß,
    Martin

  • Hallo Lukas,


    wenn Du keine dünne 25mm Scheibe nimmst, sondern etwas dickeres, so dass Du beim Bearbeiten und vor allem auch beim Messen keine so großen Durchbiegungsprobleme bekommst, ist ein 16" auch als Einstieg machbar. Du musst es nur richtig wollen und Dich am besten vorher in das Messen (Foucault und Laborstartest) einarbeiten.


    Mein Einstiegsprojekt war ein 14" f/5 mit 33 mm Dicke und ich hatte erheblich weniger Ärger damit als mit meinem mickrigen 4.5" f/4, den ich viel später gemacht habe (dazwischen lag noch ein Planspiegel). Die Erfahrungen von einem kleinen Spiegel (<8") kann man auch nur bedingt auf einen größeren (>12") übertragen (das ist zumindest meine Erfahrung).


    1000 Euro könnte auch mit Selbstschliff knapp werden bei der Größe, es fehlen ja noch FS und OAZ. Und gerade der ganze Kleinkram summiert sich.


    Viele Grüße
    Reiner

  • Hallo Lukas,


    ich habe vor 2 Monaten zu guten Bedingungen einen 18" Sprax Rohling von hier bekommen: http://homepage.ntlworld.com/nicholoptical/
    Eigentlich verkauft John nur eigene, fertige Spiegel, aber kannst ja mal anfragen ob er einen Rohling abgeben kann.


    Auch mein Tipp: Mach unbedingt einen kleinen Spiegel dazu, wenns ein 4-5" Sucher mit kurzer Brennweite ist dann ist das doch auch gut.


    Ciao,
    Thomas

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